
3 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Der ultimative Piloten-Guide: Hohe Salve (Tirol) - Eine tiefgehende Analyse für Gleitschirmflieger Executive Summary: Der "Wunderberg" der Kitzbüheler Alpen
Die Hohe Salve, mit ihren markanten 1.829 Metern über dem Meeresspiegel, ist weit mehr als nur ein weiterer Startplatz in den österreichischen Alpen. Sie stellt eine geografische Singularität dar: Ein fast perfekt geformter Kegel, der isoliert am Rande des Inntals steht und den Übergang zwischen den sanften Kitzbüheler Grasbergen und den schroffen Felsformationen des Wilden Kaisers markiert. Diese solitäre Position verleiht dem Berg aerologische Eigenschaften, die in den Alpen selten zu finden sind. Während die meisten Fluggebiete an langgezogene Bergrücken ("Ridges") gebunden sind und somit meist nur eine oder zwei startbare Windrichtungen aufweisen, fungiert die Hohe Salve als riesige, natürliche Windfahne. Piloten können hier fast jeder Windrichtung "hinterherlaufen", was den Berg zu einem der statistisch fliehbarsten Orte Tirols macht.
Doch diese Zugänglichkeit ist trügerisch. Die Hohe Salve ist ein Berg mit zwei Gesichtern. Für den Genussflieger bietet sie eine Weltklasse-Infrastruktur durch die Bergbahnen SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental, riesige Startwiesen und ein atemberaubendes 360-Grad-Panorama auf über 70 Dreitausender. Für den Streckenflug-Piloten (XC) ist sie das strategische Sprungbrett in den Pinzgau, das Zillertal oder für anspruchsvolle Talquerungen zum Kaisergebirge. Gleichzeitig ist sie ein meteorologischer Hotspot, an dem komplexe Talwindsysteme aufeinandertreffen. Der berüchtigte "Bayerische Wind", ein überregionaler Nordwind, der am Nachmittag oft unbemerkt über die Kämme schwappt, hat schon so manchen erfahrenen Piloten am Südstartplatz in gefährliche Lee-Situationen gebracht.
Dieser Report richtet sich an Piloten, die nicht nur "runterkommen" wollen, sondern den Berg in seiner gänzlichen Komplexität verstehen möchten. Wir analysieren nicht nur, wo man startet, sondern wann und warum. Wir beleuchten die unsichtbaren Gefahren der Talwinde, die juristischen Feinheiten der Lufträume um Innsbruck und die ungeschriebenen Gesetze der lokalen Clubszene. Dies ist das Destillat aus lokalen Erfahrungen, meteorologischen Daten und fliegerischer Praxis – weit über den Standard des offiziellen DHV-Geländedatenbank-Eintrags hinaus.
Die Hohe Salve verdankt ihren Ruf als Flug-Eldorado ihrer einzigartigen Topografie. Als isolierter Kegelberg ("The Cone") bietet sie keine durchgehende Barriere für Winde, sondern wird von ihnen umströmt. Dies führt zu spezifischen Aufwindcharakteristika, die sich von klassischen Ridge-Soaring-Gebieten unterscheiden.
Die Position der Hohen Salve ist strategisch bedeutsam für die Flugplanung. Sie liegt genau an der Schnittstelle, wo das Inntal (Hauptwindkanal der Alpen) auf die nordwärts gerichteten Täler der Kitzbüheler Alpen trifft.
Parameter Datenwert Relevanz für Piloten Gipfelhöhe 1.829 m NN Ragt oft über flache Inversionen hinaus; thermisch aktiv, wenn es im Tal noch stabil ist. Höhendifferenz (Hopfgarten) ca. 1.200 m Enorme Arbeitshöhe für Manövertrainings oder Thermiksuche. Höhendifferenz (Söll) ca. 1.119 m
Etwas geringer als Südseite, aber immer noch >1km.
Geländeform Kegel (Konisch) Ermöglicht Starts in fast alle Richtungen; minimiert Rotoren im Gipfelbereich, erzeugt aber komplexe Umströmungen an den Flanken. Lage 47° 27' 56" N, 12° 12' 16" O
Zentraler Ausgangspunkt für Dreiecksflüge im Brixental.
Die Wahl des Startplatzes an der Hohen Salve ist nicht trivial und sollte nicht nur nach der Windfahne, sondern nach der Tageszeit und der überregionalen Wetterlage erfolgen.
A. Der Hauptstartplatz "Süd / Süd-West" (Hopfgarten-Seite)
Dies ist das Herzstück des Fluggebietes. Der Startplatz befindet sich unmittelbar unterhalb des Gipfelplateaus, leicht westlich versetzt zur Gipfelalm und dem markanten Salvenkirchlein.
Charakteristik: Es handelt sich um eine weite, mittelsteile Almwiese. Im Winter ist dieser Bereich oft präpariert, was glatte Starts ermöglicht, aber bei Eisglätte Rutschgefahr bedeutet. Im Sommer ist der Bewuchs dichte Alpenwiese.
GPS-Koordinaten: N 47°27'55", E 12°12'15".
Ausrichtung: Süd (S) bis West (W). Optimal bei leichtem Talwind aus West oder rein thermischen Bedingungen.
Starttechnik: Der Startlauf ist unkompliziert. Es gibt keine abrupten Abbruchkanten ("Cliffs"), sondern der Hang geht in steileres Gelände über. Dies gibt auch Anfängern Sicherheit.
Gefahrenpotenzial:
Der Rigi-Grat: Links vom Startplatz (Blickrichtung Tal) verläuft ein Grat Richtung "Rigi" (Mittelstation). Bei starkem Westwind kann dieser Grat Turbulenzen in den unteren Startbereich werfen.
Die "Bayerische Falle": Wenn überregional Nordwind herrscht, kann der Südstartplatz im Lee liegen. Oft rotieren dann thermische Ablösungen den Wind am Startplatz so, dass er scheinbar von vorne kommt ("Anstellwind"). Ein Blick auf die Wolkenzugbahn oder die Fahnen an der Rigi-Alm (tiefer gelegen) ist essenziell. Wehen diese aus Nord, während am Start Südwind herrscht: Startverbot!.
B. Der "Nord-West / Nord"-Startplatz (Söll-Seite)
Dieser Startplatz wird oft vernachlässigt, ist aber für bestimmte Wetterlagen Gold wert, insbesondere an stabilen Sommertagen oder bei leichtem Nordstau.
Lage: Er befindet sich auf der Söller Seite des Kegels, etwas unterhalb der Bergstation der Gondelbahn Hochsöll. Man muss von der Bergstation ein kleines Stück (ca. 50-100m) hinabsteigen oder queren.
Charakteristik: Steiler als der Südstart. Der Untergrund ist oft schroffer, durchsetzt mit Steinen und alpiner Vegetation.
Ausrichtung: Nord (N) bis Nord-West (NW).
Flugoptionen:
Soaring: An Sommerabenden, wenn der Talwind aus Kufstein (Nord) das Inntal heraufdrückt und am Kegel aufsoart, entstehen hier laminare, magische Bedingungen ("Magic Lift").
Panorama-Flug: Der direkte Blick auf die Felswände des Wilden Kaisers ist spektakulär und unterscheidet sich völlig vom sanften Hügelpanorama der Südseite.
Winter-Spezifik: Im Winter ist dieser Startplatz oft schwerer zugänglich, da er nahe an den Skipisten liegt oder durch Netze abgesperrt sein kann. Eine vorherige Absprache mit den Liftbediensteten oder lokalen Piloten ist ratsam.
C. Der "Ost"-Startplatz (Die Reserve)
Lage: Östlich der Kapelle ("Salvenkirchlein"). Man muss vom Gipfelrestaurant an der Kapelle vorbei ca. 50 Meter Richtung Osten gehen.
Ausrichtung: Ost (O) bis Süd-Ost (SO).
Einsatzbereich: Dieser Startplatz wird primär am frühen Vormittag genutzt, wenn die Ostflanken bereits von der Sonne beschienen werden und der Talwind aus Kitzbühel noch nicht zu stark ist.
Risiko: Der Startlauf ist kürzer und führt schneller über steileres Gelände. Zudem setzt der Kitzbüheler Talwind oft schon vormittags kräftig ein und kann das Vorwärtskommen nach dem Start erschweren.
Die Hohe Salve ist ein Paradebeispiel für perfekt erschlossene alpine Infrastruktur. Dies hat jedoch seinen Preis – sowohl monetär als auch in Bezug auf die Frequentierung.
Die Wahl des Ausgangspunktes entscheidet über die logistische Flexibilität nach der Landung.
Strategie A: Start in Hopfgarten (Die XC-Option) Dies ist die bevorzugte Wahl für Piloten, die Streckenflüge planen oder thermisch auf der Südseite fliegen wollen.
Anfahrt: Über die Inntalautobahn A12, Ausfahrt Wörgl Ost, dann auf der Brixentalstraße B170 ca. 10km bis Hopfgarten.
Parken: Es gibt einen großen, teilweise überdachten Parkplatz direkt an der Talstation der Salvenbahn (GPS: 47.4485° N, 12.1610° E). Für Nutzer der Bergbahn ist dieser in der Regel kostenlos (Ticket scannen bei Ausfahrt).
Der Lift: Die Salvenbahn ist eine moderne Gondelbahn in zwei Sektionen (I & II). Man muss an der Mittelstation sitzen bleiben bzw. umsteigen (je nach Betriebskonzept). Die Fahrtzeit beträgt ca. 20 Minuten.
Logistik-Vorteil: Der offizielle Landeplatz in Hopfgarten liegt fußläufig (ca. 10-15 Min) zur Talstation und dem Parkplatz. Man landet also "am Auto".
Strategie B: Start in Söll (Die Panorama-Option) Ideal für Piloten aus Richtung München/Kufstein, die sich die Fahrt durchs Brixental sparen wollen.
Anfahrt: A12 Ausfahrt Kufstein Süd oder Wörgl Ost, dann B178 Richtung St. Johann/Söll.
Parken: Riesige Parkflächen an der Talstation (GPS: 47.4982° N, 12.1895° E).
Der Lift: Auffahrt mit der Gondelbahn Hexenwasser und Anschlussgondel Hohe Salve.
Logistik-Nachteil: Wer in Söll parkt, aber (wegen Thermik) nach Süden fliegt und in Hopfgarten landet, hat ein Problem. Es gibt zwar Busverbindungen (Postbus) und Taxis, aber der Rückweg ist zeitaufwendig (ca. 30-45 Min). Ein Shuttle-Service der Flugschulen existiert nicht im regulären Takt.
Das Fliegen an der Hohen Salve ist kein günstiges Vergnügen, aber die Investition lohnt sich aufgrund der enormen Höhendifferenz.
Einzelfahrt (Bergfahrt): Kostet ca. 24,00 € (Stand 2025/26). Dies beinhaltet meist die Start- und Landegebühr, die von den Bergbahnen an die Geländehalter abgeführt wird.
Tageskarte: Mit ca. 54,50 € lohnt sich diese ab der dritten Auffahrt. Vorsicht: Im Winter sind reine Fußgänger-Tageskarten selten; hier greift oft der Skipass-Tarif.
Saisonkarten: Für Vielflieger gibt es die "Flieger-Saisonkarte SkiWelt" (ca. 450 €) oder die "Kitzbüheler Alpen Sommer Card". Diese amortisieren sich ab ca. 15-20 Flugtagen.
Das Wanderpass-Problem: Ein häufiger Fehler von Neulingen ist der Kauf eines günstigeren "Wanderpasses". Das Drehkreuz-Personal und die Scanner sind geschult: Wer mit einem 20kg-Gleitschirmrucksack anrückt, wird mit einem Wanderpass oft nicht durchgelassen. Es gelten die Tarife für Paragleiter/Skifahrer. Versuchen Sie hier nicht zu tricksen – die Diskussionen am Drehkreuz verzögern nur den Flugtag.
Obwohl die Bahn dominiert, ist Hike & Fly möglich. Der Aufstieg von Hopfgarten überwindet 1.200 Höhenmeter und ist steil.
Route: Über die Mittelstation und den Speichersee "Salvensee".
Dauer: Für trainierte Geher ca. 2,5 bis 3 Stunden.
Schwierigkeit: Technisch einfach (Wanderwege), aber konditionell fordernd.
Lohn: Wer früh morgens hochläuft, bevor die Bahn um 08:45 Uhr startet, hat den Gipfel und die Morgen-Thermik für sich allein.
Hier liegt der Schlüssel zur Sicherheit an der Hohen Salve. Die aerologischen Bedingungen sind komplexer als an vielen anderen Tiroler Flugbergen.
Das Brixental ist eigentlich ein Ost-West-Tal. Theoretisch würde man hier klassische Talwinde erwarten. Doch die geografische Nähe zum Alpenrand (Kufstein) sorgt für eine Anomalie.
Der Mechanismus: Bei thermisch aktiven Tagen saugt das massive Inntal und die Zentralalpen-Thermik Luft aus dem bayerischen Voralpenland an. Diese Kaltluft strömt durch die Pforte bei Kufstein und über das "Brixentaler Tor" ein.
Die Gefahr: Dieser Wind kommt aus NORD bis NORD-OST. Er "schwappt" am Nachmittag, meist ab 14:00 oder 15:00 Uhr, über die Kämme nördlich des Brixentals.
Die Falle: Ein Pilot steht am Südstartplatz in der prallen Sonne. Die Thermik zieht den Hang hinauf (Anstellwind aus Süd). Scheinbar alles perfekt. Doch nur 50 bis 100 Meter über dem Gipfel oder direkt hinter der Hangkante herrscht bereits starker Nordwind.
Konsequenz: Sobald der Pilot startet und aus dem bodennahen Aufwindband steigt, gerät er in eine brutale Scherung (Leewalze). Turbulente Klapper sind die Folge.
Erkennung: Achten Sie penibel auf Wolkenfetzen. Ziehen diese aus Nord über den Gipfel? Zeigen die Fahnen an der tiefer gelegenen Rigi-Alm (Mittelstation) Nordwind an, während es oben "passt"? Dann ist der Südstart eine Falle.
An der Hohen Salve treffen drei Windsysteme aufeinander:
Der West-Talwind (von Wörgl): Er ist meist der dominanteste Wind am Landeplatz Hopfgarten. Er sorgt dafür, dass man dort meist eine Linksvolte fliegen muss (gegen den Uhrzeigersinn).
Der Ost-Talwind (von Kitzbühel): Er beeinflusst oft den östlichen Bereich des Brixentals.
Die Konvergenz: Wo diese Winde aufeinandertreffen, entsteht oft eine Konvergenzlinie. Diese liegt häufig zwischen der Hohen Salve und der Choralpe (Westendorf). Dies ist der "Motor" für die legendären Abendflüge.
Die Hohe Salve ist ein "Ganzjahresberg", aber mit unterschiedlichen Gesichtern.
Frühjahr (März-Mai): Dies ist die Zeit der "Hammerthermik". Die dunklen Fichtenwälder an den Flanken und die schneefreien Südhänge heizen sich extrem auf, während die Luftmasse noch kalt ist (hoher Temperaturgradient). Steigwerte von 6-8 m/s sind keine Seltenheit. XC-Potential: Extrem hoch.
Sommer (Juni-August): Oft sehr stabil ab Mittags. Der Talwind wird stark und "köpft" die Bärte oder zerreißt sie. Die beste Flugzeit verschiebt sich oft auf 10:30 bis 13:00 Uhr oder den späten Nachmittag (Soaring). Gewittergefahr ist hoch!
Herbst (September-Oktober): Die Genusszeit. Die Talwinde werden schwächer, die Inversionen seltener. Man kann oft stundenlang im laminaren Soaringwind am Gipfelkreuz ("Jochdohlen"-Bereich) hängen.
Winter (Dezember-Februar): Skitrieb beachten! Starts sind oft nur eingeschränkt möglich. Dafür bietet die Hohe Salve bei Nordlagen im Winter oft überraschendes Soaringpotenzial.
Ein sicherer Flug endet mit einer sicheren Landung. Doch gerade hier unterschätzen viele Piloten die Hohe Salve. Der Landeplatz Hopfgarten ist kein einfacher, hindernisfreier Anfängerplatz.
Dieser Landeplatz wird am häufigsten angeflogen, da er logistisch am günstigsten liegt.
Lage: Er befindet sich an der Brücke, die über die Brixentaler Ache in die Kelchsau führt. Er liegt ca. 10 Minuten Fußweg südlich der Talstation, westlich des untersten Parkplatzes.
Höhe: 620 m NN.
Die "High Voltage Trap" (Lebensgefahr): Mitten im Endanflug, quer zum Tal, verläuft eine Starkstromleitung. Zusätzlich gibt es die Eisenbahnoberleitung und die Schnellstraße B170.
Taktik: Viele Piloten verschätzen sich bei Gegenwind (Talwind aus West). Sie bauen Höhe über dem Ort ab und wollen dann "rüber gleiten". Wenn der Talwind stark ist, schaffen sie es nicht über die Stromleitung.
Korrektes Vorgehen: Bauen Sie Höhe nicht direkt über dem Landeplatz ab, wenn Sie niedrig sind und gegen den Wind anfliegen müssen. Halten Sie sich vor der Stromleitung (Richtung Berg/Hang), bis Sie sicher sind, dass der Gleitwinkel reicht.
Lande-Einteilung:
Bei Westwind (Normalfall): Linksvolte (gegen den Uhrzeigersinn).
Bei Ostwind (Seltener, eher morgens): Rechtsvolte.
Achtung: Der Wind wird hier oft durch die Bebauung und Baumreihen kanalisiert ("Düsen-Effekt"). Der Endanflug kann turbulent sein.
Das "No-Go": Am Rand des Landeplatzes steht ein großer Windsack. Dies ist die "Einflugschneise". Parken Sie hier niemals Ihr Auto und packen Sie Ihren Schirm nicht hier zusammen. Es gibt eine strenge Trennung zwischen Abbauplatz (am Rand) und Landefläche. Piloten, die zu kurz kommen (wegen Talwind), müssen hier notlanden können.
Lage: Nahe der Talstation Hexenwasser, beim "Gmah-Parkplatz".
GPS: N 47°30'03", E 12°11'39".
Höhe: 710 m NN.
Charakter: Dieser Platz ist weiträumiger als Hopfgarten. Da er in einem Talkessel liegt, heizt er sich jedoch im Sommer stark auf. Thermische Ablösungen direkt am Landeplatz sind häufig. Rechnen Sie mit einem "bockigen" Endanflug.
Hindernisse: Auch hier gibt es Stromleitungen, aber sie sind im Gelände besser sichtbar als in Hopfgarten.
Drachen: Dieser Platz wird auch von Drachenfliegern genutzt (was für die Größe spricht). Achten Sie auf den schnelleren Endanflug der Drachen!.
Direkt an der Talstation Hopfgarten, oberhalb des Restaurants "Salvena", gibt es eine verlockend aussehende Wiese.
Regel: Landen Sie hier NICHT!
Hintergrund: Diese Wiese ist exklusiv den Mitgliedern des lokalen Clubs "Bunte Vögel" vorbehalten. Es gibt sensitive Absprachen mit dem Bauern. Gastpiloten, die hier landen, riskieren nicht nur den Zorn des Grundbesitzers, sondern gefährden den Fortbestand dieser Sonderregelung. Nutzen Sie aus Respekt vor den Locals immer den offiziellen Platz an der Kelchsau-Brücke.
Die Hohe Salve bietet für jeden Anspruch das richtige Menü.
Für Piloten, die entspannt fliegen wollen: Starten Sie am späten Vormittag (ca. 11:00 Uhr). Fliegen Sie vom Südstartplatz nach rechts Richtung Kleine Salve. Dort steht oft ein zuverlässiger Bart, der Sie sanft überhöhen lässt. Genießen Sie den Blick auf den Großvenediger im Süden.
Die Hohe Salve ist ein perfekter Ausgangspunkt für mittlere Strecken (20-50 km). Ein Klassiker ist das kleine FAI-Dreieck:
Start: Hohe Salve Süd. Machen Sie Höhe (mindestens 2.200m).
Schenkel 1: Querung zur Choralpe (Westendorf). Dies ist oft die Schlüsselstelle. Achten Sie auf den Talwind im Brixental. Kommen Sie an der Choralpe hoch an, finden Sie dort oft den besten Bart des Tages.
Schenkel 2: Weiter Richtung Gampenkogel oder sogar bis in den Pinzgau (Pass Thurn), wenn die Basis hoch ist.
Schenkel 3: Querung zurück auf die Nordseite des Tals, Richtung Wilder Kaiser (z.B. Goinger Halt oder Ellmauer Tor). Hier fliegt man an den spektakulären Felswänden entlang.
Final Glide: Rückflug zur Hohen Salve/Hopfgarten.
Tipp: Planen Sie den Flug so, dass Sie nicht gegen den nachmittäglichen "Bayerischen Wind" ankämpfen müssen, um zurückzukommen.
Dies ist ein Phänomen, das in keinem offiziellen Guide steht, aber von Locals geliebt wird.
Wann: An guten Thermiktagen im Sommer, spät am Tag (ab ca. 16:30/17:00 Uhr).
Wo: Zwischen der Hohen Salve und der Choralpe (Westendorf).
Was passiert: Der Talwind aus Wörgl (West) prallt im Brixental auf den Talwind aus Kitzbühel (Ost). Die Luftmassen schieben sich ineinander und steigen großflächig auf.
Der Flug: Man startet spät, wenn andere schon landen. Plötzlich findet man über dem Talmitten-Bereich sanftes, großflächiges Steigen (0,5 - 1,5 m/s). Man kann oft bis Sonnenuntergang in ruhiger Luft "parken", während es unten im Tal schon windstill ist. Ein unvergessliches Erlebnis ("Magic Lift").
Das Wissen der lokalen Piloten, destilliert für Ihren Erfolg.
Direkt über dem Salvenkirchlein am Gipfel steht oft der "Hausbart".
Tipp: Fliegen Sie nicht zu nah an das Gebäude (Lee-Gefahr durch den Turm!), aber genau vertikal über der Turmspitze löst die Thermik oft pulsierend und zuverlässig ab. Dies ist oft der Einstieg für den Weiterflug.
Verlassen Sie sich nicht nur auf die schönen 360°-Panoramakameras der Bergbahnen. Diese sind oft weitwinklig und verzerren die Windwahrnehmung.
Pro-Tipp: Nutzen Sie die Holfuy-Wetterstationen der Umgebung (z.B. Choralpe oder Hahnenkamm), um den überregionalen Wind zu prüfen. Die Windmessung direkt am Gipfelrestaurant ("Jochdohlen") ist oft fehlerhaft, da der Sensor im Windschatten des Gebäudes liegen kann.
Der Rigi-Check: Schauen Sie beim Hochfahren oder vor dem Start auf die Fahnen beim Restaurant Rigi (Mittelstation Südseite). Diese hängen tiefer. Wenn diese stramm aus Nord wehen, obwohl am Gipfel leichter Südwind herrscht, drückt der Bayerische Wind bereits herein. Inversion oder Scherung drohen!
Fehler 1: Starten bei Nordwind am Südstartplatz ("Es kommt doch von vorne"). Das ist der Rotor!
Fehler 2: Landen auf der "Verbotenen Wiese" bei der Salvena. Das gibt Ärger mit Johann Riegler (Wirt und Pilot) und dem Club.
Fehler 3: Unterschätzen der Starkstromleitung in Hopfgarten. Planen Sie den Anflug konservativ hoch.
Die Freiheit über den Wolken ist hier durch unsichtbare Grenzen beschränkt.
Ein massiver Fallstrick für Streckenflieger: Die Kontrollzone (CTR) des Flughafens Innsbruck reicht weit in den Osten.
Standard: Der Luftraum E (Sichtflug erlaubt) endet normalerweise bei 2.134 m (7.000 ft) MSL. Alles darüber ist Luftraum D (Freigabepflichtig/Verboten für Gleitschirme).
Die Ausnahme (TRA): An vielen Tagen wird das Segelfluggebiet "Kitzbüheler Alpen" (TRA - Temporary Reserved Area) aktiviert. Dann steigt der "Deckel" auf ca. 2.896 m (9.500 ft) MSL.
Pflicht: Sie müssen vor jedem Streckenflug, bei dem Sie höher als 2.100m steigen wollen, den Status der TRA prüfen. Dies geht über Austro Control oder durch Abhören der ATIS-Frequenz (Tel: +43 51703 6631). Wer unangemeldet in die CTR einfliegt, riskiert nicht nur fünfstellige Strafen, sondern gefährdet den IFR-Linienverkehr im Anflug auf Innsbruck.
Das Fliegen mit Speedflyern ist im Bereich der Bergbahnen (besonders Söll) und auf den Pisten im Winter strengstens untersagt, um Kollisionen mit Skifahrern zu vermeiden. Acro-Manöver (Infinity Tumbling etc.) über den Ortschaften oder niedrige Überflüge der Seilbahnen sind tabu und führen schnell zum Flugverbot durch den Geländehalter.
Alpin-Notruf: 144 (Rettung) oder 140 (Bergrettung).
Bergbahn Hopfgarten: +43 5335 2238 (Speichern Sie diese Nummer! Bei Baumlandungen im Skigebiet ist die Bergbahn oft schneller vor Ort als die Bergrettung).
Funk: PMR Kanal 6 (ohne Subtone) ist oft der inoffizielle Fliegerkanal, aber verlassen Sie sich nicht darauf.
Das Erlebnis Hohe Salve endet nicht mit der Landung.
Gipfelalm Hohe Salve: Direkt am Startplatz. Verfügt über eine Drehterrasse. Preislich gehoben ("Touristenpreise"), aber der Kaffee vor dem Start mit Blick auf den Großglockner ist ein Ritual wert.
Restaurant Salvena: Direkt an der Talstation Hopfgarten. Dies ist der "Place to be" für Piloten. Der Wirt Johann Riegler ist selbst Pilot und Geländehalter-Kontaktperson. Hier treffen sich die Locals ("Bunte Vögel"), analysieren Flüge und hier erfährt man die wahren News über Bedingungen und Gefahren.
Bäckerei/Café Söll: Direkt an der Landewiese Söll (Talstation) gibt es Möglichkeiten für den schnellen Kaffee.
Wer noch unsicher ist oder betreut fliegen möchte:
Fly2: Bietet Tandemflüge direkt von der Salve an. Wolfgang Dörfler und sein Team sind extrem erfahren und kennen jeden Winkel des Berges. Sie sind auch gute Ansprechpartner für Wetterinfos vor Ort.
Flugschule Wildschönau: Liegt im Nachbartal (Niederau/Markbachjoch), nutzt die Hohe Salve aber oft für Höhenflüge und Ausbildung.
Für einen mehrtägigen Aufenthalt empfiehlt sich Hopfgarten als Basis, da der Zugang zur Bergbahn am schnellsten ist.
Hotels: In Hopfgarten gibt es zahlreiche "Gleitschirmfreundliche" Unterkünfte. Das "Sporthotel Fuchs" oder diverse Pensionen in Bahnhofsnähe sind beliebt.
Camping:
Camping Reiterhof (Hopfgarten): Sehr beliebt, gute Infrastruktur.
Camping Franzlhof (Söll): Direkt im Ort Söll, luxuriöser, mit eigener Gastronomie und Minigolf.
Alternative: Wer es günstiger mag, sucht in Itter oder Kelchsau (etwas abseits, Auto nötig).
Die Hohe Salve ist vielseitig, aber nicht omnipotent.
Bei zu starkem Südwind (Föhn): Fahren Sie nicht ins Zillertal (dort ist es noch schlimmer). Brechen Sie ab oder suchen Sie geschützte Waldschneisen im Voralpenland (selten sicher). Föhn ist im Inntal lebensgefährlich.
Bei starkem Nordwind:
Markbachjoch (Niederau): Nur 15 Autominuten entfernt. Dies ist DER Nordberg der Region. Wenn es an der Salve von hinten bläst, geht es dort oft perfekt zum Soaren.
Hahnenkamm (Kitzbühel): Auch bei Nord startbar, aber anspruchsvoller.
Bei starkem Westwind:
Choralpe (Westendorf): Startet direkt in den Westwind. Die Startplätze sind oft einfacher zu handeln als der Rigi-Grat an der Salve.
Fazit: Lohnt sich die Hohe Salve?
Absolut. Die Hohe Salve ist kein "Easy-Going"-Berg wie Kössen, wo man blind starten und auf einer riesigen Wiese landen kann. Sie verlangt Respekt vor der Meteorologie – insbesondere vor dem heimtückischen Bayerischen Wind – und eine saubere Lande-Einteilung in Hopfgarten. Dafür belohnt sie Piloten mit einer Effizienz, die ihresgleichen sucht: 1.200 Höhenmeter in 20 Minuten Gondelzeit, Startplätze in fast alle Richtungen und der Einstieg in eines der schönsten Streckenfluggebiete der Alpen. Wer die "High Voltage Trap" in Hopfgarten respektiert und vor dem Start den Rigi-Windsack checkt, wird hier Flüge erleben, von denen er noch lange am Stammtisch im "Salvena" erzählen wird.
Der beste Rat zum Schluss: Gehen Sie vor dem ersten Flug ins Restaurant Salvena an der Talstation. Bestellen Sie ein Getränk und fragen Sie, ob ein Local ("Bunter Vogel") da ist. Fünf Minuten Gespräch über die aktuelle Tageslage sind wertvoller als jedes Internet-Forum.
Live-Kameras in der Nähe