
2 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Fluggebiet Todtnau: Eine Monographie über das Gleitschirmfliegen am Hasenhorn und Silberberg
Der Südschwarzwald, eine der markantesten Mittelgebirgsregionen Mitteleuropas, stellt für den luftsportbegeisterten Piloten ein Terrain von außergewöhnlicher Komplexität und Schönheit dar. Während die bekannten Zentren wie der Schauinsland oder der Kandel durch ihre Exponiertheit und die damit verbundene hohe Frequenz an Flugbewegungen oft im medialen Fokus stehen, existieren im topographischen Windschatten des Feldberg-Massivs Enklaven der Ruhe, die fliegerisch keineswegs weniger anspruchsvoll sind. Todtnau, gelegen im oberen Wiesental, repräsentiert eine solche Enklave. Es ist ein Fluggebiet, das sich nicht durch die Quantität der Startplätze oder die Omnipräsenz von Flugschulen definiert, sondern durch seine spezifische orographische Lage, die eine detaillierte Auseinandersetzung mit der lokalen Aerologie und den naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen erfordert.
Dieser Bericht unternimmt den Versuch, das Fluggebiet Todtnau in einer Tiefe zu analysieren, die über herkömmliche Geländedatenbanken hinausgeht. Ziel ist es, dem Piloten nicht nur logistische Eckdaten an die Hand zu geben, sondern ein umfassendes Verständnis für die atmosphärischen Prozesse im Wiesental zu vermitteln. Die Relevanz dieses Unterfangens ergibt sich aus der Diskrepanz zwischen der touristischen Erschließung des Hasenhorns durch moderne Aufstiegshilfen einerseits und der administrativen Opazität bezüglich der aktuellen Halterschaft und der komplexen Schutzgebietsverordnungen andererseits. Das Fliegen in Todtnau ist, so wird sich im Verlauf dieser Analyse zeigen, ein Privileg, das durch strenge saisonale Fenster limitiert ist und dessen Fortbestand maßgeblich vom ökologischen Bewusstsein der Piloten abhängt.
Um die fliegerischen Eigenheiten Todtnaus zu begreifen, ist ein Blick auf die geologische und morphologische Struktur des Geländes unerlässlich. Todtnau liegt auf einer Höhe von rund 660 Metern über Normalhöhennull (NHN) am Zusammenfluss der Wiese und ihrer Nebenbäche. Das Tal ist tief in das Gneis- und Granitgestein des Südschwarzwalds eingeschnitten und weist im Bereich der Stadt eine markante Verengung auf, bevor es sich nach Süden hin in Richtung Lörrach und Basel weitet. Diese Nord-Süd-Ausrichtung fungiert als primärer Kanal für thermische Ausgleichsströmungen, die als Talwinde das Fluggeschehen dominieren.
Flankiert wird der Talkessel von zwei dominanten Erhebungen, die zugleich die fliegerische Infrastruktur bilden: Dem Hasenhorn (1155 m) im Westen und dem Silberberg (1358 m) im Osten bzw. Südosten. Diese Gipfel sind keine isolierten Kegel, sondern Teil komplexer Bergrücken, die sich vom zentralen Feldberg-Knoten (1493 m) herabziehen. Der Feldberg selbst, nordöstlich gelegen, wirkt als massiver Riegel gegen Strömungen aus dem ersten und zweiten Quadranten (Nord bis Ost), was für die Beurteilung der Windverhältnisse in Todtnau von entscheidender Bedeutung ist. Die Landschaft ist geprägt von dichten Fichten- und Buchenmischwäldern, die nur durch vereinzelte Weiden, Felsformationen wie den Rabenfelsen und die Schneisen der Infrastruktur (Lifte, Pisten, Coaster) unterbrochen werden. Für den Gleitschirmpiloten bedeutet dies: Außenlandemöglichkeiten sind rar, und die aerodynamische Rauigkeit des Geländes ist hoch.
Die Geschichte des Drachen- und Gleitschirmfliegens in Todtnau ist eng mit dem Verein "Delta Flug Todtnau e.V." verknüpft. In den Pionierzeiten des Hängegleitens erkannte man früh das Potenzial der steilen Hänge rund um den Feldberg. Der Verein fungiert laut den offiziellen Datenbanken des Deutschen Hängegleiterverbands (DHV) als Geländehalter und ist somit juristischer Ansprechpartner für die Zulassung nach § 25 Luftverkehrsgesetz (LuftVG).
Die aktuelle Situation (Stand 2025/2026) stellt sich jedoch für Außenstehende als intransparent dar. Recherchen in Pilotenforen und Kontaktversuche deuten darauf hin, dass die öffentlichen Kommunikationskanäle des Vereins weitgehend verwaist sind. Telefonnummern sind nicht mehr aktiv, und Webpräsenzen werden nicht aktualisiert. Dennoch existiert der Verein formaljuristisch weiter, wie Einladungen zu Generalversammlungen in lokalen Amtsblättern aus der jüngeren Vergangenheit (z.B. Mai 2022) belegen. Dieses Phänomen ist im Flugsport nicht ungewöhnlich: Kleine Vereine ziehen sich oft auf eine interne Kommunikation zurück, um den administrativen Aufwand und den Zustrom von Gastpiloten zu regulieren, insbesondere wenn die Fluggebiete sensibel auf Überlastung reagieren. Für den Gastpiloten bedeutet dies eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Das Fehlen einer Website darf nicht als Freibrief für wildes Fliegen interpretiert werden. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Gelände nur durch das fragile Gleichgewicht zwischen lokaler Jägerschaft, Naturschutzbehörden und den wenigen aktiven Einheimischen gehalten werden. Respektvolle Zurückhaltung und die aktive Suche nach Informationen vor Ort – etwa im Berggasthaus Hasenhorn oder bei benachbarten Clubs wie dem Gleitschirmclub Wiesental – sind die Grundpfeiler für eine nachhaltige Nutzung.
Das Verständnis der atmosphärischen Dynamik ist in Todtnau überlebenswichtig. Im Gegensatz zu den offenen Flanken der Alpen, wo Wetterphänomene oft weithin sichtbar aufziehen, ist das Wiesental ein mikroklimatischer Kessel, der durch Kanalisierungseffekte und Lee-Situationen geprägt ist.
Das Wiesental fungiert als klassisches thermisches Saugrohr. Sobald die Sonne die Hänge des Südschwarzwalds erwärmt, beginnt die Luftmasse aufzusteigen und zieht kühlere Luft aus dem Rheingraben nach. Dieser Talwind strömt von Schopfheim und Zell im Süden herauf in Richtung Todtnau und Feldberg.
In Todtnau erreicht dieser Wind oft seine maximale Intensität, da sich das Tal hier verengt. Während am Startplatz Hasenhorn auf 1100 Metern noch ein schwacher überregionaler Westwind herrschen kann, ist es möglich, dass im Tal auf 660 Metern bereits ein kräftiger Südwind mit 20 bis 25 km/h weht. Diese Situation erzeugt eine gefährliche Scherungsschicht (Shear Layer) in Höhe des Reliefs. Piloten, die in diese Schicht einfliegen, erleben oft turbulente Bedingungen und einen abrupten Wechsel der Windrichtung. Der Talwind setzt in der Regel gegen Mittag ein und kann bis in den späten Abend anhalten. Seine Richtung (Süd) steht oft quer oder schräg zur Startrichtung am Hasenhorn (West/Südwest), was beim Absaufen in das Tal berücksichtigt werden muss. Die Landewiesen im Tal sind dann rein lee-seitig oder zumindest querwindig anzufliegen. Ein Windsack am Landeplatz ist daher nicht nur Orientierungshilfe, sondern überlebenswichtiger Indikator für die Stärke des "Valley Breeze".
Eine der häufigsten Fehleinschätzungen von Gastpiloten betrifft die Ostwindlagen (Bise). Da der Feldberg massiv und breit im Nordosten von Todtnau liegt, werfen Winde aus dem Sektor Nordost bis Ost einen riesigen Lee-Schatten über das gesamte obere Wiesental.
In diesem Szenario kann es am Startplatz Hasenhorn trügerisch ruhig sein, oder es strömt sogar ein leichter thermischer Wind von vorne (Anluv-Effekt durch thermisches Saugen). Sobald der Pilot jedoch an Höhe gewinnt oder weiter ins Tal hinausfliegt, gerät er in die turbulente Abwindzone des Feldbergs. Diese Rotoren können extrem stark sein und bis zum Boden durchschlagen. Die Faustregel für Todtnau lautet: Bei prognostiziertem Wind aus 45° bis 135° (NO bis SO) ist das Fliegen hier lebensgefährlich, selbst wenn es am Startplatz "gut aussieht". Die Daten der Wetterstation Feldbergturm sind hierfür die obligatorische Referenz.
Ein positives meteorologisches Phänomen der Region ist die sogenannte Schwarzwald-Konvergenz. An Tagen mit schwacher westlicher Grundströmung prallt die Luftmasse aus dem Rheintal auf die thermischen Aufwinde über dem Hauptkamm oder auf östliche Winde von der Baar-Hochebene. Diese Konvergenzlinie bildet sich oft im Bereich Schauinsland-Feldberg-Belchen. Für Piloten, die in Todtnau starten, ist der Einstieg in diese Linie der Schlüssel zu weiten Streckenflügen. Sie markiert oft die Zone mit den besten Steigwerten und der höchsten Wolkenbasis. Der Weg dorthin erfordert jedoch Geduld: Man muss sich oft mühsam aus dem "Loch" in Todtnau herausarbeiten, um die Höhe des Feldberg-Kamms zu erreichen, wo die Konvergenz wirksam wird.
Das Hasenhorn ist aufgrund seiner Erschließung das Herzstück des Fluggebiets Todtnau, unterliegt jedoch komplexen Nutzungsregeln, die aus der Koexistenz von Tourismus und Naturschutz resultieren.
Der Startplatz befindet sich auf einer Höhe von etwa 1050 bis 1100 Metern ü. NHN in einer Waldschneise unterhalb des Berggasthauses Hasenhorn. Die Höhendifferenz zum Landeplatz beträgt rund 400 bis 450 Meter. Die Ausrichtung ist Südwest bis West (SW-W).
Schneisenstart: Der Startplatz ist eine klassische Waldschneise. Dies hat aerodynamische Konsequenzen. Bei Seitenwind wird die Luft durch die Bäume verwirbelt, was zu asymmetrischen Klappern schon in der Startphase führen kann. Zudem entsteht bei frontalem Wind ein "Düseneffekt" in der Schneise, der die Windgeschwindigkeit lokal erhöhen kann.
Untergrund: Der Untergrund ist meist Wiese, kann aber durch die Nutzung als Skipiste im Winter oder Weidefläche uneben sein. Eine gründliche Vorstartkontrolle des Bodens auf Stolperfallen ist ratsam.
Startabbruch: Aufgrund der begrenzten Länge der Schneise und der umstehenden Bäume muss die Entscheidung zum Startabbruch frühzeitig fallen. Ein "Durchziehen" bei schlechtem Kappenstand führt unweigerlich in die Botanik.
Ein wesentlicher Vorteil des Hasenhorns ist die Sesselbahn, die primär für den Betrieb der spektakulären "Hasenhorn Coaster" Rodelbahn genutzt wird. Diese Doppelsesselbahn transportiert auch Fußgänger und Gleitschirmpiloten.
Preise (Stand Saison 2025/2026): Die Preisstruktur ist moderat. Eine Bergfahrt für Erwachsene liegt bei ca. 8,50 €, wobei 10er-Karten (ca. 80,00 €) für Vielflieger eine deutliche Ersparnis bieten. Kinder zahlen ermäßigte Preise (ca. 7,00 € Einzelfahrt).
Beförderung: Die Mitnahme von Fluggepäck wird toleriert, ist aber kein explizit beworbener Service wie in reinen Fluggebieten. Es empfiehlt sich, den Packsack kompakt zu packen und den Anweisungen des Liftpersonals strikt Folge zu leisten. An Wochenenden mit hohem Aufkommen an Rodlern und Mountainbikern ist Geduld gefragt.
Parken: An der Talstation in der Brandenbergstraße stehen Parkplätze zur Verfügung. An schönen Wochenenden sind diese jedoch schnell belegt, sodass eine Anreise vor 10:00 Uhr ratsam ist.
Der Naturschutz diktiert den Flugbetrieb am Hasenhorn. Um den Bestand sensibler Vogelarten (Wanderfalke, Auerhuhn) nicht zu gefährden, gelten strikte saisonale Flugverbote.
Sperrzeit: Jährlich vom 01. März bis zum 31. Mai ist der Startplatz Hasenhorn für Gleitschirme gesperrt. Dies trifft die thermisch aktivste Phase des Frühjahrs.
Rabenfelsen: Das Überfliegen des markanten Rabenfelsens ist in diesem Zeitraum ebenfalls streng untersagt. Auch außerhalb der Sperrzeit ist ein ausreichender Abstand zu den Felsen einzuhalten, um brütende Vögel nicht zu stören.
Abstandsregeln: Bei Streckenflügen, die am Hasenhorn vorbeiführen (Transit), muss ein Mindestabstand von 100 Metern zum Gelände eingehalten werden, wenn man sich in der Sperrzeit befindet.
Verstöße gegen diese Auflagen werden von der lokalen Jägerschaft und den Naturschutzbehörden streng überwacht und können zur sofortigen Schließung des Geländes für alle führen.
Der Silberberg ist der "große Bruder" des Hasenhorns – höher, wilder und schwerer zugänglich. Er bietet eine Alternative für Piloten, die Ruhe suchen und bereit sind, sportliche Leistung zu erbringen.
Der Startplatz am Silberberg liegt auf ca. 1296 m ü. NHN und ist nach Südwest (212°) ausgerichtet. Im Gegensatz zum Hasenhorn gibt es hier keine Aufstiegshilfe.
Hike & Fly: Der Zugang erfolgt ausschließlich zu Fuß. Verschiedene Wanderwege führen von Todtnau oder vom Ortsteil Fahl hinauf. Der Aufstieg erfordert gute Kondition (ca. 600-700 Höhenmeter je nach Startpunkt), filtert aber effektiv das Publikum. Wer am Silberberg startet, hat sich den Flug physisch erarbeitet.
Startplatz: Das Gelände ist alpiner und weniger geschützt als die Hasenhorn-Schneise. Die Exposition gegen Südwest macht den Startplatz anfällig für starken Wind, bietet aber auch direkteren Einstieg in die Thermik, die sich an den Südhängen des Feldbergmassivs löst.
Die ökologischen Auflagen am Silberberg sind noch restriktiver als am Hasenhorn, primär zum Schutz des Auerwilds, das im Winter absolute Ruhe benötigt.
Sperrzeit: Jährlich vom 01. Dezember bis zum 30. Juni besteht ein komplettes Flugverbot.
Konsequenz: Der Silberberg ist effektiv nur im Spätsommer und Herbst (Juli bis November) nutzbar. Dies macht ihn zu einem klassischen "Herbstfluggebiet", wenn die Inversionen im Tal liegen und man oben in der Sonne starten kann. Im Winter und Frühjahr ist der Berg für Piloten tabu.
Die Landung in Todtnau ist oft der anspruchsvollste Teil des Fluges. Aufgrund der Tallage und der Bebauung stehen nur begrenzte Flächen zur Verfügung.
In den Datenbanken und Snippets wird oft das "Schulungsgelände Gschwend" oder der Landeplatz in Todtnau erwähnt. Dieser Bereich liegt im Talboden, oft in der Nähe des Schwimmbads oder sportlicher Anlagen.
Höhe: ca. 620-670 m ü. NHN.
Anflug: Der Anflug muss präzise geplant werden. Hindernisse wie Stromleitungen, Straßen und Gebäude begrenzen den Raum. Die wichtigste Variable ist der Talwind.
Lande-Volte: Eine Standard-Linksvolte ist üblich, muss aber an die Windrichtung angepasst werden. Bei starkem Talwind (Süd) wird gegen den Wind gelandet, was bedeutet, dass der Endanflug Richtung Süden erfolgt. Dies kann optisch verwirrend sein, da das Tal leicht ansteigt.
Thermik-Trigger: Am Hasenhorn löst sich die Thermik oft nicht direkt in der Waldschneise, sondern an den seitlichen Kanten, wo der Wald in Fels oder die Rodelbahn-Trasse übergeht. Diese Abrisskanten sind die Hotspots.
Silberberg: Hier ziehen die Bärte oft entlang der Rippen nach oben. Vorsicht ist geboten, wenn man zu tief unter die Gratlinie sinkt, da man dann schnell in den Leebereich des Vorbaus geraten kann.
Todtnau liegt zwar im Schatten der großen XC-Startplätze Schauinsland und Kandel, bietet aber für den versierten Piloten durchaus Potenzial für beachtliche Strecken, wenn die Sperrzeiten dies zulassen (Sommer/Herbst).
Diese Route dient oft als Einstieg in das Streckenfliegen im Schwarzwald.
Start und Gewinn: Nach dem Start am Hasenhorn ist das erste Ziel, Arbeitshöhe zu gewinnen. Man nutzt den Hausbart, um mindestens 300-400 Meter über Startplatzniveau zu steigen.
Der Sprung: Mit ca. 1500-1600 Metern Höhe quert man das Tal Richtung Silberberg. Hier ist Sinken vorprogrammiert. Man muss am Silberberg wieder Anschluss finden.
Am Grat entlang: Hat man am Silberberg aufgedreht, folgt man dem Gratverlauf nach Nordosten Richtung Feldberg-Pass und Fahl.
Rückweg: Der Rückweg ist oft einfacher, da man mit dem Talwind im Rücken zurück nach Todtnau gleitet. Vorsicht jedoch vor dem Absaufen: Wer zu tief kommt, muss gegen den Talwind landen.
Der Belchen (1414 m) ist einer der schönsten, aber auch thermisch potentesten Berge der Region.
Orientierung: Vom Hasenhorn nach Westen orientieren.
Schlüsselstellen: Der Weg führt über das Gisiboden-Gebiet. Hier gibt es weite Almwiesen, die thermisch gut funktionieren, aber auch Turbulenzen bei Seitenwind erzeugen.
Am Belchen: Der Belchen selbst bietet oft Basiswerte von über 2500 Metern. Die Aussicht reicht bis zu den Alpen.
Rückkehr-Dilemma: Der Rückweg gegen den vorherrschenden Westwind ist oft mühsam. Viele Piloten planen diesen Flug als One-Way ("Fly & Bus") und landen in Utzenfeld oder Schönau, von wo aus der Linienbus zurück nach Todtnau fährt.
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist die Situation um den "Delta Flug Todtnau e.V." komplex. Dennoch lassen sich aus den verfügbaren Fragmenten klare Handlungsanweisungen für Gastpiloten ableiten.
Der Verein existiert juristisch noch. Dass er operativ kaum in Erscheinung tritt (keine Website, keine Antwort am Telefon), ist wahrscheinlich eine bewusste Strategie zur Vermeidung von Massentourismus. Die Zulassung des Geländes ist an den Verein gebunden. Solange diese besteht, ist das Fliegen legal, sofern man die Regeln einhält.
In Ermangelung einer Tagesmitgliedschaftskasse oder eines Ticketautomaten gilt im Schwarzwald oft das Prinzip der Gegenseitigkeit oder der stillschweigenden Duldung, solange man sich unauffällig verhält.
B-Schein Pflicht? Für den Silberberg wird in einigen Quellen explizit auf eine B-Schein-Pflicht für Gastpiloten hingewiesen. Dies ist angesichts des alpinen Charakters und der schwierigen Außenlandesituation plausibel und sollte als Standard angenommen werden.
Einweisung: Eine Einweisung ist obligatorisch. Da kein "Startleiter" vor Ort ist, muss diese Information proaktiv eingeholt werden – idealerweise durch Gespräche mit einheimischen Piloten am Landeplatz oder Startplatz.
Wie überall in Deutschland ist eine gültige Halterhaftpflichtversicherung unverhandelbar. Angesichts der komplexen Eigentumsverhältnisse (ForstBW, private Waldbesitzer) wäre ein Unfall ohne Versicherungsschutz nicht nur der finanzielle Ruin des Piloten, sondern auch das sichere Ende für das Fluggelände.
Todtnau ist kein Anfängergebiet. Die Unfallstatistik im Schwarzwald zeigt, dass viele Inzidenten auf eine falsche Einschätzung der Geländebedingungen zurückzuführen sind.
Der Schwarzwald macht seinem Namen alle Ehre. Die Startplätze sind oft enge Schneisen. Ein missglückter Start führt fast zwangsläufig in die Bäume.
Verhalten: Sollten Sie in einem Baum landen, bewahren Sie Ruhe. Schnallen Sie sich niemals ab, bevor die Bergwacht Sie gesichert hat. Die Fichten im Schwarzwald sind hoch (20-30 Meter). Ein Sturz aus dieser Höhe ist meist fataler als die Baumlandung selbst.
Rettungskette: Die Bergwacht Schwarzwald ist hochprofessionell und auf Baumrettung spezialisiert. Notruf 112.
Da die thermischen Quellen am Hasenhorn begrenzt sind (oft nur ein oder zwei verlässliche Bärte), konzentrieren sich alle Piloten auf engem Raum.
Regel: Klare Einhaltung der Ausweichregeln (Hangflugregeln, Thermikdrehrichtung). Defensive Flugweise ist überlebenswichtig. Blickkontakt suchen!
Wer zu tief kommt und versucht, krampfhaft noch einen Nullschieber über den Baumwipfeln im Tal auszukurbeln, begibt sich in Gefahr. Der Talwind wird durch die Baumreihen verwirbelt (mechanische Turbulenz).
Strategie: Rechtzeitig zum Landeplatz gleiten. Lieber einen kurzen Flug sicher beenden, als in 50 Metern Höhe in den Rotor einer Baumreihe zu geraten.
Ein erfolgreicher Fliegerurlaub in Todtnau hängt auch von der "Ground Handling" Logistik ab.
Die Region ist touristisch voll erschlossen.
Pension Enzian: Ein bei Wanderern und Sportlern beliebter Gasthof, der logistisch gut gelegen ist.
Gästehaus Wissler: Ferienwohnungen bieten Flexibilität für Gruppen.
Camping: Echte Campingplätze sind im direkten Talkessel von Todtnau rar. Camper weichen oft auf Plätze am Titisee oder im unteren Wiesental aus und pendeln zum Fliegen.
Wenn das Wetter nicht mitspielt (Bise, Regen, Sperrzeiten):
Hasenhorn Coaster: Die spektakulärste Rodelbahn Deutschlands. Ein Muss.
Todtnauer Wasserfall: Ein Naturdenkmal von nationalem Rang.
Wandern: Der Hochschwarzwald bietet Premium-Wanderwege. Ein Aufstieg zum Feldbergturm ist auch meteorologisch lehrreich, um die Wolkenbildung und Windströmungen zu beobachten.
Todtnau ist ein Juwel für den denkenden Piloten. Es bietet keine "Rundum-Sorglos-Pakete" wie die großen Flugzentren, sondern fordert Auseinandersetzung mit Natur, Wetter und Regeln. Wer diese Hürde nimmt, wird mit Flügen über einer der schönsten Landschaften Deutschlands belohnt, abseits der ausgetretenen Pfade des Massentourismus.