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Fluggebietsexpertise und Geländeanalyse: Bernau / Rank (Schwarzwald) Executive Summary: Strategische Bewertung für Piloten
Das Fluggebiet Bernau / Rank im Naturpark Südschwarzwald stellt innerhalb der deutschen Gleitschirmszene eine topografische und meteorologische Besonderheit dar. Während es oft im medialen Schatten der prominenten Nachbargebiete wie dem Feldberg oder dem Belchen steht, offenbart eine tiefgehende Analyse, dass Bernau für den taktisch versierten Piloten eines der lohnendsten Areale der Region ist. Es handelt sich um ein thermisch hochaktives Hanggelände, das jedoch aufgrund seiner spezifischen Talgeometrie und der damit verbundenen aerodynamischen Komplexität nicht unterschätzt werden darf.
Für Piloten der Intermediates- und Performance-Klasse bietet der Startplatz "Rank" auf 1.140 m MSL (Mean Sea Level) einen idealen Einstieg in die Thermiksysteme des Hochschwarzwaldes. Die strategische Relevanz des Geländes liegt in seiner Ausrichtung und der Fähigkeit, auch bei stabilen Hochdrucklagen zuverlässige Abendthermik und Soaring-Bedingungen zu generieren, wenn andere Talsysteme bereits "ausgeschaltet" sind. Dennoch ist das Gelände kein reiner "Genussflugberg" für Anfänger ohne Betreuung. Die Landeplatzsituation im Talbecken von Goldbach (920 m MSL) ist anspruchsvoll: Die Kombination aus thermischer Ablösung, Talwindsystemen und potenziellen Leewirkungen durch Bebauung und Vegetation erfordert präzise Flugplanung und Schirmbeherrschung.
Die vorliegende Analyse dekonstruiert das Fluggebiet in seine meteorologischen, logistischen und fliegerischen Komponenten. Sie dient als umfassendes Briefing-Dokument, das über die Basisinformationen des DHV hinausgeht und die "ungeschriebenen Gesetze" sowie die mikroklimatischen Feinheiten des Bernauer Hochtals beleuchtet. Zielgruppe dieses Berichts sind selbstständige Piloten, die das Gelände nicht nur befliegen, sondern in seiner Gänze verstehen wollen, um Risiken zu minimieren und das XC-Potenzial (Cross Country) maximal auszuschöpfen.
Um das Flugverhalten am "Rank" zu verstehen, ist zunächst eine detaillierte Betrachtung der geografischen Gegebenheiten notwendig. Bernau im Schwarzwald liegt in einem eiszeitlich geformten Hochtal südlich des Feldbergmassivs. Diese Lage ist entscheidend für die Aerologie: Das Tal ist nach Süden hin offen, aber durch Bergketten im Westen und Osten flankiert, was eine Kanalisierung von Luftmassen begünstigt.
Der Startplatz "Rank" befindet sich auf einem Bergrücken, der sich vom Spießhorn (1.349 m) in südwestlicher Richtung in das Bernauer Tal hineinzieht. Diese exponierte Lage auf einer "Rippe" des Berges sorgt dafür, dass der Startplatz bei den passenden Windrichtungen laminar angeströmt wird, da er sich deutlich über dem Talboden befindet, aber noch unterhalb der höchsten Gipfelkämme liegt.
Parameter Daten Referenz GPS Koordinaten (Start) N 47°49'02.30" E 8°02'05.83" Höhe Start (MSL) 1.140 m Ausrichtung SO bis W (Ideal: SW) Höhendifferenz ca. 220 m (effektiv zum LP Goldbach) Neigung Mittelsteil, Wiesenuntergrund
Die topografische Analyse zeigt, dass der Startplatz eine natürliche Abrisskante bildet. Die Wiese fällt zunächst moderat ab und geht dann in steileres Gelände über, das teilweise von Waldstücken durchsetzt ist. Dies ist aerodynamisch vorteilhaft, da thermische Blasen, die am Hang aufsteigen, hier einen sauberen Auslösepunkt finden. Die verhältnismäßig geringe Höhendifferenz von 220 Metern zum Landeplatz mag auf dem Papier wenig beeindruckend wirken, täuscht jedoch über das Potenzial hinweg. In thermisch aktiven Zeiten dient diese Höhe lediglich als "Sprungbrett" in die Arbeitshöhe, die im Schwarzwald an guten Tagen bei 2.500 bis 3.000 Metern liegen kann.
Der offizielle Landeplatz "Goldbach" liegt tief im Talboden auf 920 m MSL. Seine Position ist strategisch ungünstig, aber alternativlos aufgrund der dichten Besiedlung und landwirtschaftlichen Nutzung des Tales. Er befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Straße Richtung Bernau-Hof und ist von Infrastruktur (Häuser, Stromleitungen) sowie Vegetation umgeben.
Parameter Daten Referenz GPS Koordinaten (Landeplatz) N 47°48'47.46" E 8°01'31.38" Höhe Landung (MSL) 920 m Lage Talboden, straßennah Schwierigkeitsgrad Hoch (bei Talwind/Thermik)
Aus topografischer Sicht wirkt der Landeplatz wie eine Düse. Das Tal verengt sich an verschiedenen Stellen, was den Talwind beschleunigen kann (Venturi-Effekt). Zudem sorgen die umliegenden Hänge dafür, dass bei bestimmter Sonneneinstrahlung thermische Ablösungen direkt über dem Landeplatz entstehen können, was zu extremem Sinken ("Durchsacken") im Endanflug führen kann, wenn eine Blase abreißt. Die Nähe zur Straße erfordert absolute Disziplin bei der Landeeinteilung, um weder den Verkehr noch sich selbst zu gefährden.
Die Erreichbarkeit eines Fluggeländes ist oft der erste Filter für die Frequentierung. Bernau / Rank charakterisiert sich durch eine Mischung aus guter Straßenanbindung und einem unvermeidbaren Fußmarsch, der "Touristen-Piloten" oft abschreckt, was die Frequenz am Startplatz angenehm reguliert.
Bernau ist über die B317 (via Feldberg oder Todtnau) oder aus Richtung Süden über St. Blasien erreichbar. Die Anfahrt zum Startplatz erfolgt über eine Bergstraße, die von Bernau-Dorf in Richtung der Krunkelbachhütte führt. Hierbei ist strikte Aufmerksamkeit auf die Parkregelung zu legen. Das wilde Parken am Straßenrand oder in Wiesen wird im Naturschutzgebiet Schwarzwald rigoros geahndet und gefährdet die Flugerlaubnis des Vereins.
Piloten müssen den PKW auf dem ausgewiesenen Parkplatz abstellen, der sich etwa auf halbem Weg zwischen dem Tal und der Krunkelbachhütte befindet. Alternativ wird oft der Friedhofsparkplatz im Tal als Treffpunkt genutzt, von wo aus Fahrgemeinschaften gebildet werden. In jüngster Zeit hat die Gemeinde Bernau eine Parkgebührenordnung eingeführt, die auch Wanderparkplätze betrifft (ca. 1,00 €/Stunde, max. 5,00 €/Tag). Es ist essenziell, Kleingeld mitzuführen oder entsprechende Park-Apps zu nutzen, da Kontrollen durch das Ordnungsamt regelmäßig stattfinden.
Vom Parkplatz "auf halbem Weg" ist der Startplatz nicht direkt mit dem Auto anfahrbar. Die Ausrüstung muss getragen werden. Der Startplatz liegt unterhalb der Straße, was bedeutet, dass man vom Parkplatz ein kurzes Stück gehen muss, um dann zur Wiese abzusteigen. Für sportliche Piloten bietet sich die Option "Hike & Fly" direkt vom Landeplatz Goldbach aus an. Der Aufstieg überwindet ca. 220-250 Höhenmeter und dauert je nach Kondition 30 bis 45 Minuten. Dies ist oft die effizienteste Methode, um das Shuttle-Problem zu lösen, wenn man alleine unterwegs ist.
Es existiert kein kommerzieller oder vereinseitig organisierter Shuttle-Dienst mit festen Fahrplänen für Gastpiloten. Die Logistik basiert auf Selbstorganisation:
Fahrgemeinschaften: Zwei Fahrzeuge sind der Standard. Ein Fahrzeug wird am Landeplatz Goldbach (in der Anliegerstraße, exakt zwischen Schild und Baum parken, um landwirtschaftlichen Verkehr nicht zu blockieren!) abgestellt , das andere fährt hoch zum Parkplatz.
Per Anhalter: Da die Straße zur Krunkelbachhütte auch von Wanderern genutzt wird, besteht an guten Tagen eine Chance, per Anhalter mitgenommen zu werden, darauf verlassen sollte man sich jedoch nicht.
Die fliegerische Infrastruktur wird durch die Gastronomie perfekt ergänzt. Die Krunkelbachhütte (1.294 m), gelegen oberhalb des Startplatzes, ist der kulturelle Mittelpunkt nach dem Flug. Sie bietet nicht nur deftige Schwarzwälder Küche (Eintöpfe, Vesper), sondern auch Übernachtungsmöglichkeiten im Matratzenlager oder in Zimmern. Für Piloten, die den Sonnenaufgangsflug planen oder mehrere Tage im Gebiet bleiben wollen, ist dies die strategisch beste Basis. Im Tal bieten sich Alternativen wie die Pension Hofeck (direkt am Skilift) oder der Wintercampingplatz Spitzenberg an, der auch für Wohnmobilisten geeignet ist.
Die Beherrschung des Fluggebiets Bernau / Rank erfordert mehr als nur das mechanische Beherrschen des Schirms; es verlangt ein tiefes Verständnis der unsichtbaren Luftströmungen. Anders als an freistehenden Alpen-Gipfeln ist das Strömungsverhalten hier stark von der lokalen Topografie des Hochtals und der Interaktion mit überregionalen Winden geprägt.
Das Gelände ist offiziell für die Windrichtungen SO (Südost) bis W (West) zugelassen. Jede dieser Richtungen bringt spezifische Charakteristika mit sich:
Südost (SO): Diese Richtung funktioniert oft am Vormittag am besten, da die Sonne den Hang früh aufheizt. Allerdings ist Vorsicht geboten: Ein starker überregionaler Ostwind (Bise) kann im Schwarzwald unangenehm böig werden und wird oft düsenartig verstärkt. Bei reiner Ostlage liegt der Startplatz Rank teilweise im Lee des seitlichen Bergrückens, was den Start turbulent machen kann.
Südwest (SW): Dies ist die "Königsrichtung" für Bernau. Der Wind streicht frontal auf den "Rank". Dies ermöglicht stundenlanges Soaring und den einfachsten Thermikeinstieg. Der laminare Anströmwinkel ist ideal, um direkt nach dem Start Höhe zu machen.
West (W): Westwind ist fliegbar, erfordert aber erhöhte Aufmerksamkeit. Bei zu starker Westkomponente schiebt der Wind parallel zum Hang. Dies verkürzt die effektive Startstrecke und kann Leewirbel an den seitlichen Waldkanten (den sogenannten "Rippen" des Schwarzwaldes) erzeugen. Zudem bedeutet starker Westwind oft den Vorboten einer Front, was die Labilität der Luftmasse erhöht, aber auch das Risiko von Überentwicklungen steigert.
Erfahrene Piloten verlassen sich in Bernau nicht auf Glück, sondern auf Topografie. Der "Hausbart" – die zuverlässigste Thermikquelle – befindet sich meist nicht direkt vor dem Startplatz in der Wiesenmitte, sondern wird durch Kontrastkanten ausgelöst:
Die Waldkante: Rechts vom Startplatz (in Blickrichtung Tal) erzeugt der Übergang von der aufgeheizten Wiese zum kühleren Wald oft den ersten Ablösepunkt. Diese Kante wirkt als Trigger, an dem die Warmluftblasen aufsteigen.
Die "Modellflieger-Kante": Weiter links am Hang, dort wo oft die Modellflieger operieren, wird der Hangaufwind durch eine leichte Geländerippe komprimiert. Hier findet man oft das stärkste Steigen, muss sich aber den Luftraum mit schnellen Modellseglern teilen, was hohe Aufmerksamkeit verlangt.
Bernau ist ein klassisches Hochtal, und wie jedes Talsystem entwickelt es ein eigenständiges Windregime, das oft von den überregionalen Winden entkoppelt ist. Dies ist das vielleicht größte Risiko für Gastpiloten.
An thermisch aktiven Tagen saugt das Tal Luft an ("Talwind"). Dieser Effekt verstärkt sich im Laufe des Tages. Am späten Nachmittag kann der Wind am Landeplatz Goldbach (920 m) deutlich stärker sein als der Höhenwind am Startplatz (1140 m).
Das Phänomen: Oben am Startplatz herrscht sanfter Aufwind (z.B. 15-20 km/h), ideal zum Soaren. Unten am Landeplatz jedoch kanalisiert sich der Wind und pfeift mit 30-35 km/h durch die Talsohle.
Die Konsequenz: Piloten müssen beim Abstieg ("Abachtern") ständig ihre Vorwärtsfahrt im Verhältnis zum Boden prüfen (Ground Speed). Ein unbedachtes Hinausschieben in die Talmitte oder ein zu langes Verweilen über der Ortschaft kann bei starkem Talwind dazu führen, dass man rückwärts versetzt wird ("Parken in der Luft").
Gegenmaßnahme: Bei starkem Talwind ist der Landeanflug nicht mit "langen Beinen" zu fliegen, sondern es muss aktiv mit dem Beschleuniger gearbeitet werden, und die Position sollte luvseitig des Landeplatzes gehalten werden, um nicht abgetrieben zu werden.
Bernau / Rank ist weit mehr als ein einfacher "Abgleiterberg" für den Abendflug. Für ambitionierte Piloten dient das Gelände als strategisches Sprungbrett in den Südschwarzwald, auch wenn es nicht die gleiche mediale Prominenz wie der Feldberg genießt. Die XC-Möglichkeiten sind jedoch durch die Topografie limitiert und erfordern taktische Disziplin.
Der Klassiker unter den Streckenflügen von Bernau aus führt in nordwestliche Richtung zum Feldbergmassiv.
Phase 1: Basishöhe machen. Nach dem Start am Rank ist das primäre Ziel, maximale Höhe zu gewinnen. Oft reicht der Hausbart nicht bis zur Basis. Man muss sich hangaufwärts "tasten", oft unter Nutzung der Rippen Richtung Krunkelbachhütte.
Phase 2: Der Übergang. Hat man genügend Höhe (idealerweise 1.600m+), erfolgt der Sprung über das Tal Richtung Spießhorn (1.349m) und weiter zum Herzogenhorn oder Feldberg. Hier trifft man auf die stärkeren thermischen Systeme des Hauptkammes.
Das Risiko (Der Rückweg): Die größte Herausforderung bei dieser Route ist der Rückflug. Bei der im Schwarzwald vorherrschenden Westwindkomponente hat man auf dem Hinweg Rückenwind oder Seitenwind, auf dem Rückweg jedoch Gegenwind. Wer zu weit Richtung Feldberg fliegt und thermisch "absäuft", schafft es oft nicht mehr zurück über die Kämme in das Bernauer Tal zum Landeplatz Goldbach. Dies führt zu Außenlandungen in unwegsamem Gelände oder Naturschutzgebieten, was unbedingt vermieden werden muss.
Eine sicherere Alternative, besonders für Piloten, die keine Außenlandung riskieren wollen, ist das Fliegen eines flachen Dreiecks innerhalb des Talsystems. Hierbei werden die Hänge auf beiden Talseiten abgeflogen. Dies erfordert jedoch eine hohe Basis, um das Tal sicher zu queren, ohne in den starken Talwindbereich zu geraten.
Im Vergleich zu den Alpen mit ihren komplexen CTR-Strukturen ist der Südschwarzwald luftrechtlich relativ entspannt. Dennoch gibt es strikte Einschränkungen durch den Naturschutz:
Biosphärengebiet: Der Südschwarzwald ist Biosphärengebiet. Es gelten Überflughöhen (oft min. 300m AGL über Schutzzonen), um die Fauna nicht zu stören. Besonders im Winter und Frühjahr (Brutzeit) reagieren Auerhuhn und Gämsen empfindlich auf niedrig fliegende Gleitschirme. Verstöße werden dokumentiert und können zur Schließung von Startplätzen führen.
Der Landeplatz Goldbach ist der Punkt, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Er ist technisch anspruchsvoll und verzeiht wenig Fehler. Eine mentale Vorbereitung auf die Landung sollte bereits vor dem Start erfolgen.
Der Landeplatz ist keine riesige Freifläche, sondern eine definierte Wiese.
Lande-Volte: Eine klassische Landevolte (Positionskreis, Gegenanflug, Queranflug, Endanflug) ist obligatorisch. Aufgrund der Enge des Tals und der möglichen Talwindstärke muss der Gegenanflug oft flexibel gestaltet werden ("verkürzte Volte"), um nicht zu weit ins Lee getrieben zu werden.
Hindernisse: Stromleitungen, Zäune und die Straße begrenzen den Landeraum. Besonders die Straße Richtung Bernau-Hof ist eine harte Grenze. Ein Überschießen des Landeplatzes auf die Straße kann fatale Folgen haben (Verkehr).
Wie bereits in der Meteorologie-Sektion erwähnt, ist der Talwind der Hauptgegner. Zusätzlich können Gebäude oder Baumreihen am Rand des Landeplatzes mechanische Turbulenzen (Rotoren) erzeugen, wenn der Wind stark weht. Piloten berichten oft von einem "Saugeffekt" oder unerwartetem Sinken im letzten Drittel des Endanflugs.
Tipp: Nicht zu langsam fliegen! Viele Piloten neigen dazu, den Schirm im Endanflug zu stark anzubremsen, um präzise zu landen. In turbulenter Luft erhöht dies die Gefahr eines Strömungsabrisses (Stall). Besser ist es, mit Fahrtüberschuss anzufliegen und diesen bodennah auszuflairen.
Das harmonische Miteinander am Berg ist entscheidend für den Erhalt des Fluggeländes. Hier entscheiden sich oft Gastfreundschaft und Konflikt.
Der DHV-Eintrag erwähnt lapidar: "Kein Start bei Kühen im Startbereich". Dies ist keine Empfehlung, sondern ein striktes Verbot.
Hintergrund: Die Weidewirtschaft ist die Lebensgrundlage vieler Bauern im Schwarzwald. Kühe sind Fluchttiere. Ein startender Gleitschirm (großes, raschelndes "Raubtier" aus der Luft) kann eine Panik in der Herde auslösen. Dies führt zu Stress bei den Tieren (Milchleistung sinkt), Verletzungsgefahr (Durchbrechen von Zäunen) und finanziellem Schaden für den Landwirt.
Die Konsequenz: Startet ein Pilot trotz anwesender Kühe, riskiert er nicht nur Ärger, sondern den Entzug der Pachtverträge für den gesamten Verein.
Verhaltensregel: Wenn Kühe auf der Startwiese sind: Nicht auspacken. Warten, bis sie weiterziehen, oder den Spot wechseln. Keine Diskussionen, keine "ich starte ganz leise"-Versuche.
Der "Rank" ist ein traditionelles Modellfluggelände.
Dynamik: Modellsegler fliegen oft schnelle Hangaufwind-Kurse ("Pylonenkurs") und nutzen die Kante intensiv. Sie sind klein, extrem schnell (teilweise über 100 km/h) und für Gleitschirmpiloten schwer zu sehen.
Etikette: Vor dem Start Kontakt zu den Modellfliegern aufnehmen. Klären, wer wo fliegt ("Ich fliege jetzt raus Richtung Tal, ihr bleibt an der Kante?"). Ein freundliches "Hallo" und kurze Absprache verhindern Kollisionen und böses Blut.
In den Monaten Mai bis September sind die Bauern im Tal extrem sensibel. Das hohe Gras ("Heu") ist Futtervorrat für den Winter.
Das No-Go: Landen im hohen Gras kurz vor der Mahd. Das plattgedrückte Gras lässt sich nicht mehr mähen und verfault.
Der Geheimtipp: Wenn die offizielle Landewiese hoch steht, suchen erfahrene Piloten das Gespräch mit den Bauern oder Locals. Oft gibt es benachbarte Wiesen, die bereits gemäht ("abgemäht") sind und als alternative Landefläche geduldet werden. Dies darf jedoch nie eigenmächtig, sondern nur nach Rücksprache erfolgen. Ein eigenmächtiges Landen in einer Futterwiese gilt als Sachbeschädigung.
Gastpiloten sind willkommen, müssen aber ihren Beitrag leisten.
Tageskarte: Die Tageskarte kostet ca. 3,00 €. Da oft kein Kassenhäuschen besetzt ist, sollte man passendes Kleingeld für Automaten oder "Kassen des Vertrauens" (Briefkästen) dabei haben.
Einweisung: Offiziell ist eine Einweisung vorgeschrieben. Dies dient nicht der Schikane, sondern der Sicherheit (siehe Talwind-Thematik). Suchen Sie am Startplatz aktiv nach Mitgliedern der Spießhornfalken Bernau e.V. und fragen Sie nach Besonderheiten des Tages.
Verlassen Sie sich nicht nur auf Wetter-Apps. Die lokalen Webcams sind die "Augen vor Ort":
Webcam Skilift Köpfle-Spitzenberg: Diese Kamera liefert oft einen guten Blick auf die Wolkenbasis und zeigt, ob im Tal Nebel liegt.
Webcam Krunkelbachhütte: Diese Webcam ist der ultimative Indikator. Sie zeigt das Wetter oberhalb des Startplatzes. Wenn hier der Nebel hängt oder die Bäume sich im Sturm biegen, lohnt die Auffahrt nicht.
Holfuy Stationen: Prüfen Sie, ob es aktuelle Holfuy-Daten vom Spießhorn gibt (oft unter dem Namen "Spiesshorn" gelistet), um die reale Windgeschwindigkeit am Grat zu kennen.
Im Falle eines Unfalls zählt jede Sekunde. Der Schwarzwald ist teilweise dicht bewaldet, was die Bergung erschwert.
Bergrettung: Zuständig ist die Bergwacht Schwarzwald (Ortsgruppen Bernau und Todtmoos). Bei Baumlandungen sofort die Rettungsleitstelle (Notruf 112) informieren, auch wenn der Pilot unverletzt ist. Dies verhindert, dass besorgte Passanten unnötige und teure Suchaktionen auslösen.
Meldung: Jeder Unfall oder auch Beinahe-Unfall sollte dem Geländehalter (Spießhornfalken) gemeldet werden, um Gefahrenquellen zu analysieren und die Statistik sauber zu halten.
Selbst im besten Fluggebiet passt das Wetter nicht immer. Hier sind die Alternativen für den flexiblen Piloten:
Menzenschwand: Liegt nur wenige Kilometer östlich. Ein alternatives Fluggebiet, das oft bei leicht abweichenden Windrichtungen funktioniert und landschaftlich reizvoll ist.
Feldberg: Wenn der Wind für Bernau zu schwach ist oder die Basis extrem hoch liegt, kann der Feldberg (Wiesenquelle etc.) eine Option sein. Er liegt deutlich höher, ist aber auch windanfälliger und touristisch stärker frequentiert.
Groundhandling: Wenn es zum Fliegen nicht reicht, bietet die Landewiese (sofern gemäht!) oder Übungshänge in der Umgebung oft gute Möglichkeiten zum Bodentraining.
Bernau / Rank ist kein "Anfängerhügel" für den ersten Alleinflug ohne Aufsicht. Die komplexe Gemengelage aus Talwindsystemen, anspruchsvoller Landeeinteilung und der Notwendigkeit zur Koexistenz (Bauern, Modellflieger) fordert den Piloten.
Ideal für: Selbstständige Piloten (B-Schein oder routinierte A-Schein-Inhaber), die das Soaring lieben, präzise landen können und bereit sind, sich mit der lokalen Meteorologie auseinanderzusetzen.
Weniger geeignet für: Absolute Flugnovizen, die große, fehlerverzeihende Landeflächen benötigen, oder Piloten, die sich schwer tun, Windsysteme im Tal zu lesen.
Wer dem Gebiet mit Respekt begegnet, die Regeln befolgt und sich die Zeit nimmt, die Feinheiten des "Bernauer Windes" zu verstehen, wird mit traumhaften Flügen über einer der schönsten Landschaften des Südschwarzwalds belohnt – oft bis in den Sonnenuntergang hinein, wenn am Feldberg längst der Wind eingeschlafen ist.