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Belvedere

Startplätze:2
Landungen:2
Koord.:46.4828°N, 11.7946°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

2 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze

Belvedere Startplatz 1

Start
Höhe2076m ü. M.
Koord.46.4828, 11.7946
WindW-NW
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Belvedere Landeplatz

Landung
Höhe1470m ü. M.
Koord.46.4698, 11.7773
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Col Rodella Landeplatz 1

Landung
Höhe1434m ü. M.
Koord.46.4783, 11.7561
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Belvedere Startplatz 2

Start
Höhe2348m ü. M.
Koord.46.4742, 11.8019
WindSW, NW
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Das Belvedere-Kompendium: Der definitive Gleitschirm-Guide für das Val di Fassa

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Einführung: Die Arena der Giganten

Das Val di Fassa, eingebettet in das Herz der Dolomiten, ist nicht bloß ein weiteres Fluggebiet auf der Karte eines Alpenpiloten. Es ist eine Arena. Eine natürliche Bühne, auf der sich meteorologische Urgewalten und geologische Monumentalität zu einem der spektakulärsten, aber auch anspruchsvollsten Flugreviere der Welt vereinen. Im Zentrum dieses Amphitheaters steht das Belvedere. Während der benachbarte Col Rodella oft als der lautere, aggressivere Bruder wahrgenommen wird – überlaufen, hektisch und berüchtigt für den "Dolomiten-Stress" am Startplatz –, repräsentiert das Belvedere den strategischen Gegenpol. Es ist der Startplatz für den denkenden Piloten, der die Nuancen der Aerologie versteht und die Massenpsyche der "Lemminge" am Rodella bewusst umgeht.  

Dieser Bericht ist kein gewöhnlicher Reiseführer. Er ist eine technische Monographie, erstellt aus der Perspektive eines erfahrenen Streckenflugpiloten und Reisejournalisten, der das Gebiet nicht nur beflogen, sondern studiert hat. Wir werden die komplexen Schichten dieses Fluggebietes abtragen: von der mikroklimatischen Bedeutung der Talwinde bis zur psychologischen Komponente des Fliegens an senkrechten Felswänden. Unser Ziel ist es, Ihnen, dem Piloten, ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem Sie das enorme Potenzial des Belvedere sicher und effizient ausschöpfen können. Wir ignorieren die oberflächlichen Beschreibungen gängiger Datenbanken und tauchen tief in die Materie ein – 15.000 Wörter pure Flugpraxis, Logistik und Expertenwissen.

Die Faszination des Belvedere liegt in seiner Dualität. Vormittags dient es als sanfter Einstieg in die Thermiksysteme des Sella-Massivs, während es sich am späten Nachmittag in eines der verlässlichsten Soaring-Reviere der Alpen verwandelt. Doch diese Schönheit ist trügerisch. Die Nähe zu den mächtigen Felswänden der Sella-Gruppe und des Pordoi-Massivs bedeutet auch, dass Piloten hier gnadenlos mit den Realitäten der alpinen Aerologie konfrontiert werden: Lee-Fallen, Talwinddüsen und die berüchtigten Nordföhn-Durchbrüche. Wer hier startet, muss vorbereitet sein. Dieser Guide ist Ihre Vorbereitung.

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Geographie und Orographie: Das Spielfeld verstehen

Um das Flugverhalten am Belvedere zu meistern, muss man zunächst die physische Beschaffenheit des "Spielfelds" begreifen. Das Val di Fassa verläuft grob von Südwest nach Nordost und endet in einem massiven Talschluss, der durch das Sella-Massiv gebildet wird.

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Die topographische Barriere

Das Belvedere ist im Wesentlichen der südliche Ausläufer des Pordoi-Massivs, das wiederum Teil der Sella-Gruppe ist. Der Startplatz Col dei Rossi liegt auf 2.382 Metern MSL und thront wie ein Balkon über dem Talkessel von Canazei (1.465 m) und Alba. Diese Position ist strategisch entscheidend:  

Wasserscheide der Winde: Der Bergrücken trennt das Fassatal vom nordöstlich gelegenen Arabba und dem Grödner Joch. Er fungiert als meteorologische Barriere. Wenn im Norden Föhn herrscht, stürzt die Luftmasse über die Sella-Türme und das Pordoi-Joch herab. Das Belvedere liegt dann zwar oft scheinbar geschützt im Lee, doch die Turbulenzen ("Rotoren") können bis zum Startplatz reichen.  

Der Talkessel-Effekt: Canazei liegt in einem Kessel. Die Talwinde, die aus dem unteren Fassatal (von Moena kommend) heranströmen, treffen hier auf die Barriere der Sella und werden zum Aufsteigen gezwungen. Dies unterstützt die Thermikentwicklung massiv, kann aber auch zu Konvergenzen führen, die für turbulente Bedingungen in der Talmitte sorgen.

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Die geologische Signatur

Die Dolomiten bestehen aus Sedimentgestein (Dolomit), das sich durch helle, fast weiße Felswände auszeichnet. Diese Wände sind exzellente Thermikkollektoren. Im Gegensatz zu dunklem Granit, der Wärme speichert und langsam abgibt, reflektieren die hellen Wände das Sonnenlicht und erhitzen die davorliegende Luftschicht extrem schnell. Am Belvedere haben wir eine Mischung aus Untergrundbeschaffenheiten:

Grasbewachsene Südhänge: Unterhalb des Col dei Rossi erstrecken sich weite Grashänge (im Winter Skipisten). Diese heizen sich am Vormittag schnell auf und generieren zuverlässige, aber oft zerrissene "Blasen-Thermik".

Schroffe Felswände (Pordoi & Sella): Östlich und nördlich des Startplatzes ragen die vertikalen Wände auf. Hier entsteht die "Hausbart"-Thermik, die stark, eng und hochreichend ist.

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Die Positionierung im Vergleich zum Col Rodella

Der Col Rodella liegt auf der gegenüberliegenden (westlichen) Seite des Talschlusses.

Col Rodella: Exponierter Gipfel, rundum steil abfallend. Vorteil: Start in fast alle Richtungen möglich (außer West direkt in den Hang). Nachteil: Extrem begrenzter Platz, Massenauflauf.

Belvedere: Langgestreckter Rücken. Vorteil: Viel Platz zum Auslegen, entspannte Atmosphäre. Nachteil: Hauptsächlich Süd/West-Start möglich. Bei Nordwind ist man hier oft chancenlos eingesperrt oder gefährdet.

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Meteorologie: Der Atem der Dolomiten

Das Verständnis der Meteorologie ist im Val di Fassa keine Kür, sondern überlebenswichtige Pflicht. Das Tal ist bekannt für sein kraftvolles Talwindsystem, die "Ora", und die extreme Sensibilität gegenüber Nordwindlagen.

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Die "Ora": Der Motor des Systems

Das Windsystem im Fassatal wird maßgeblich von der Ora del Garda beeinflusst. Dieser Südwind entsteht am Gardasee und pumpt sich durch das Etschtal und das Fleimstal (Val di Fiemme) bis ins Val di Fassa hoch.

Der Tagesgang der Ora am Belvedere

Der zeitliche Ablauf ist fast uhrwerkartig, variiert aber je nach Instabilität der Luftmasse und Jahreszeit (Daten basieren auf Beobachtungen im Spätsommer/Herbst):

Zeitfenster Phänomen Beschreibung & Piloten-Handlungsempfehlung 09:00 - 11:00 Thermikaufbau Die Ostflanken des Sella-Massivs und die Südhänge des Belvedere werden von der Sonne beschienen. Erste thermische Ablösungen. Der Talwind schläft noch oder weht leicht talabwärts (Bergwind). Ideal für Anfänger und Genussflieger. Start am Col dei Rossi ist einfach. 11:00 - 13:00 XC-Startfenster Die Thermik wird kräftiger und verbindet sich. Die "Ora" beginnt, im Talboden spürbar zu werden (Vorphase). Beste Zeit für Streckenflieger. Wer jetzt nicht wegkommt, muss später gegen den stärkeren Talwind kämpfen. 13:00 - 15:30 Starkwind-Phase Die Ora bricht voll durch. Windgeschwindigkeiten im Tal können 25-30 km/h erreichen. An den Graten (Rodella/Belvedere) vermischt sich Thermik mit dynamischem Wind. Risikophase. Turbulente Durchmischung. Landungen in Campitello/Canazei werden anspruchsvoll (hoher Vorhaltewinkel nötig). 16:00 - 19:00 Magic Soaring

Die Thermik wird schwächer, aber die Ora steht laminar und breitflächig an den Südhängen an. Das gesamte Belvedere wird zum Soaring-Paradies. Genussphase. Man kann oft bis zum Sonnenuntergang ("Enrosadira") im ruhigen Aufwindband stehen.

Ab 19:00 Zerfall Der Talwind bricht abrupt zusammen ("Abstellen"). Vorsicht: Plötzlicher Höhenverlust möglich.  

Tabelle 1: Detaillierter aerologischer Tagesgang im Val di Fassa.  

Wichtige Erkenntnis: Viele Piloten unterschätzen die Stärke der Ora im Talboden. Wer am Nachmittag "absäuft" und landen muss, findet sich oft in einem strammen 30 km/h Wind wieder. Das Vorwärtskommen gegen den Wind ist dann kaum möglich. Die Strategie muss sein: Entweder hoch bleiben (über Gratniveau) oder rechtzeitig landen, bevor die Ora ihr Maximum erreicht.

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Die Nordwind-Falle: Föhn im Fassatal

Das Fassatal ist durch die Alpenhauptkammkette im Norden eigentlich geschützt. Doch genau das macht Nordföhnlagen so tückisch.

Der Mechanismus: Wenn kalte Luftmassen von Norden gegen die Alpen drücken, fließt diese Luft über die Pässe (Brenner, Reschen) und schließlich auch über die inneralpinen Kämme wie die Sella-Gruppe.

Die Täuschung: Am Startplatz Belvedere (Südseite) spürt man davon oft nichts. Im Gegenteil: Durch die Rezirkulation (Rotor) kann am Startplatz ein perfekter Aufwind von vorne (Süd) anstehen. Das ist die klassische Lee-Falle.

Die Gefahr: Sobald der Pilot abhebt und aus der geschützten Bodenschicht heraussteigt oder Richtung Talsmitte fliegt, trifft er auf die brutale Scherung der Nordströmung. Turbulenzen, Klapper und unkontrollierbares Sinken sind die Folge.  

Erkennungszeichen:

Lenticularis-Wolken: Linsenförmige Wolken über den Gipfeln.

Piz Boè Daten: Checken Sie IMMER die Wetterstation am Piz Boè (3.152 m) oder Sass Pordoi. Wenn dort Nordwind > 15-20 km/h gemessen wird, ist das Fliegen im Fassatal lebensgefährlich, egal wie gut es am Startplatz aussieht.  

Schaumkronen: Ein Blick auf den Fedaia-Stausee (unterhalb der Marmolada) kann verräterisch sein. Schaumkronen, die Richtung Süden wandern, sind ein klares "No-Go".

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Inversionen und Jahreszeiten

Im Herbst (September/Oktober), der Hauptsaison für Flieger in den Dolomiten, bilden sich oft starke Inversionen.

Der Deckel: Oft liegt eine Inversion auf ca. 2.500 - 2.800 m. Das bedeutet, man kommt schwer über die Gipfel der Sella oder des Langkofels hinaus.

Vorteil Belvedere: Da man am Belvedere direkt an den hohen Wänden des Pordoi starten kann (oder schnell dorthin quert), hat man oft die beste Chance, diese Inversion zu durchstoßen, indem man die starke Fels-Thermik nutzt. Der Startplatz "Locomotiva" (siehe unten) ist hierfür oft der Schlüssel, da er höher liegt und näher an den Felsen ist.

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Die Startplätze: Detaillierte Analyse und Logistik

Die Wahl des richtigen Startplatzes entscheidet oft über den Erfolg des Flugtages. Im Belvedere-Areal gibt es mehrere Optionen, die je nach Wind und Können gewählt werden sollten.

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Hauptstartplatz: Col dei Rossi (2.382 m)

Dies ist der "Brot-und-Butter"-Startplatz für die meisten Piloten, die mit der Bahn von Canazei oder Alba kommen.

Lage & Zugang: Direkt an der Bergstation der Pendelbahn (von Canazei) bzw. der Funifor (von Alba). Man tritt aus der Station und steht quasi auf der Startwiese.  

Charakteristik:

Untergrund: Oben flach und steinig/schottrig, geht dann in eine steile Wiese über. Im Sommer oft zertreten und staubig.

Neigung: Zunächst flach (schwierig bei Nullwind), dann steil abfallend.

Ausrichtung: Süd bis West. Ideal für die Ora.

Starttechnik:

Bei Nullwind/leichtem Wind: Ein entschlossener Lauf ist nötig. Nutzen Sie den flachen Bereich zum Aufziehen, aber beschleunigen Sie aggressiv, sobald es steiler wird. Die dünne Luft auf fast 2.400 m erfordert mehr Speed zum Abheben!

Bei starkem Wind: Rückwärtsaufziehen ist Pflicht. Achten Sie darauf, nicht ausgehebelt zu werden. Der Platz ist nach hinten durch die Seilbahnstation und Zäune begrenzt – "Groundhandling-Orgien" sind hier fehl am Platz.

Gefahren:

Materialseilbahn & Antennen: Östlich (links beim Blick ins Tal) stehen Antennenmasten und Lawinenverbauungen. Halten Sie sich nach dem Start eher rechts oder geradeaus.

Wanderer: Der Bereich ist touristisch extrem erschlossen. Starten Sie nur, wenn der Korridor frei ist.

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Startplatz "Belvedere" / Pecol (ca. 2.076 m)

Dieser Platz wird oft übersehen, ist aber eine wertvolle Alternative, wenn es oben "ballert" (zu starker Wind).

Lage: Nahe der Mittelstation Pecol oder leicht oberhalb entlang der Skipiste.

Charakteristik: Ein sehr weiter, sanfter Wiesenhang (Skipiste im Winter).  

Vorteil: Geschützter als Col dei Rossi. Wenn oben 30 km/h Wind herrschen, kann es hier unten fliegbare 15-20 km/h haben.

Nachteil: Man startet tiefer. Der Einstieg in die Thermik ist schwieriger, da man erst Höhe machen muss, um an die produktiven Felskanten zu kommen. Oft ist man hier auf das reine Soaring beschränkt.

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Startplatz "La Locomotiva" (ca. 2.300 m) – Nur für Experten!

Dieser Startplatz ist legendär und berüchtigt. Er liegt geographisch zwischen dem Belvedere-Hauptkamm und dem Sellajoch, unterhalb einer Felsformation, die wie eine Dampflok aussieht.

Zugang: Zu Fuß vom Sellajoch (Passo Sella) ca. 10-15 Min. oder Querung vom Col Rodella.

Charakteristik: Ein extrem steiler, oft rutschiger Grashang direkt unter den Felswänden.  

Strategischer Wert: Im Herbst, wenn die Inversion tief hängt, ist dies oft der einzige Ort, der thermisch zuverlässig "funktioniert", da er direkt an der Südflanke der Sella liegt und man sofort im Aufwindband ist.

Warnung (Lebensgefahr):

Exposition: Dieser Startplatz ist bei Nordwind eine Todesfalle. Sie starten direkt im Lee der Sella-Türme.

Startabbruch: Ein Startabbruch ist hier fast unmöglich, da der Hang sofort in steiles, felsdurchsetztes Gelände übergeht.

Bail-Out: Wenn Sie hier nicht sofort steigen ("absaufen"), erreichen Sie den offiziellen Landeplatz in Canazei oft nicht mehr. Die einzige Option ist dann eine Notlandung im Lupo Bianco (Parkplatz) oder im Flussbett des Avisio. Beides ist extrem gefährlich (Felsen, Kabel, Autos).

Fazit: Nutzen Sie diesen Startplatz nur, wenn Sie genau wissen, was Sie tun, und die Bedingungen 100% sicher Süd sind.

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Startplatz "Fredarola" / Col Rodella Ost

Obwohl technisch zum Col Rodella gehörend, ist der Startplatz unterhalb der Rifugio Fredarola (nahe Col dei Rossi) oft die bessere Wahl als der Rodella-Gipfel selbst.

Lage: Von der Bergstation Col dei Rossi ca. 15 Min. Fußweg Richtung Westen (Richtung Rodella) zum Rifugio Fredarola.

Vorteil: Weniger Gedränge als am Rodella-Gipfel. Gute Thermikquelle direkt voraus.

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Landung: Präzision im engen Tal

Die Landung im Val di Fassa ist oft der anspruchsvollste Teil des Fluges. Das Tal ist eng, thermisch aktiv, starkwindig durch die Ora und voller Infrastruktur (Seilbahnen, Stromleitungen, Häuser).

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Der offizielle Landeplatz: Ischia (Campitello)

Dies ist der einzige offizielle Landeplatz für Gastpiloten im oberen Fassatal.  

Lage: Zwischen dem Dorf Campitello und der Talstation der Col Rodella Bahn. Koordinaten: ca. 46.4764 N, 11.7502 E.  

Infrastruktur: Windsack vorhanden. Große Wiese.

Anflugregeln:

Talwind: Rechnen Sie am Nachmittag mit starkem Talwind (20-30 km/h) aus Süd/Südwest (von rechts, wenn man vom Belvedere kommt; von links, wenn man vom Rodella kommt).

Einteilung: Fliegen Sie eine saubere Linksvolte (in der Regel). Bauen Sie Höhe über der Ortschaft ab (nicht über der Seilbahn!).

Hindernisse:

Hochspannungsleitung: Eine Leitung quert das Tal in der Nähe des Landeplatzes. Sie ist oft schwer vor dem dunklen Waldhintergrund zu erkennen. Prägen Sie sich die Position vor dem Flug ein!

Weidezäune: Oft sind die Wiesen mit kaum sichtbaren Litzen unterteilt.

Abbauzone: Landen Sie nicht in der "Folding Area" (Abbauzone) am Rand, sondern auf der freien Wiese.

Gefahr: Bei starkem Talwind entstehen im Lee der Bäume und Häuser am Rand des Landeplatzes Turbulenzen. Landen Sie nicht zu kurz!

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Landeplatz Canazei (Loc. Ciasates) – Die Grauzone

In vielen alten Karten verzeichnet, aber vor Ort oft Quelle von Konflikten.

Lage: Große Wiese am Ortseingang von Canazei (von Campitello kommend rechts), unterhalb des Hotels Caminetto.

Status: Dieser Landeplatz wird primär von den kommerziellen Tandemunternehmen (Fassa Fly, Icarus) genutzt und gepachtet.  

Regelung für Solopiloten:

Offiziell: Nur für Tandems.

Inoffiziell/Praxis: Solopiloten werden oft toleriert, wenn sie diszipliniert sind. Das bedeutet:

Absoluter Vorrang für Tandems.

Sofortiges Verlassen der Landefläche nach der Landung (Schirm zusammenraffen und zum Rand gehen).

Nicht landen, wenn das Gras hoch steht (Mähwiese).

Risiko: Wenn Sie hier Chaos verursachen, gefährden Sie die Pachtverträge der Flugschulen. Im Zweifel: Fliegen Sie nach Ischia/Campitello.

Vorteil: Man spart sich den Rückweg von Campitello, wenn man in Canazei parkt.

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Notlandung "Avisio Flussbett"

Dies ist das Szenario, das jeder vermeiden will.

Szenario: Sie sind am Belvedere oder der Locomotiva zu tief gekommen, finden keinen Bart und der Gegenwind (Ora) ist zu stark, um Ischia zu erreichen.

Realität: Sie müssen im Flussbett des Avisio landen.

Gefahren: Große Felsbrocken, Treibholz, Wasserläufe. Die Verletzungsgefahr ist enorm hoch.

Vermeidung: Fliegen Sie niemals mit weniger als 200-300 m Überhöhung vom Hang weg Richtung Talmitte, wenn die Ora stark ist. Tasten Sie sich am Hang entlang ("Hangpolieren"), bis Sie sicher sind, den Gleitwinkel nach Campitello zu schaffen.

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Aerodynamik und Flugtaktik: Wie man am Belvedere oben bleibt

Fliegen in den Dolomiten erfordert eine Anpassung des Flugstils. Flachland-Taktiken funktionieren hier nicht.

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Startphase und der "Erste Bart"

Am Col dei Rossi starten Sie meist direkt in thermisch aktive Luft.

Taktik: Fliegen Sie nach dem Start nicht sofort geradeaus ins Tal. Halten Sie sich links (östlich) Richtung der Lawinenverbauungen und Felsnasen unterhalb des Pordoi-Grates.

Der Trigger: Hier steht oft der erste Bart ("Antennen-Bart"). Drehen Sie ihn geduldig aus. Seien Sie bereit für enges, ruppiges Steigen. In den Dolomiten sind die Bärte oft eng und stark (4-6 m/s sind keine Seltenheit).

Fehler: Wer zu früh Richtung Landeplatz abfliegt, verpasst den Fahrstuhl nach oben und muss den Flug als "Abgleiter" beenden.

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Soaring am Nachmittag

Ab ca. 16:00 Uhr, wenn die Thermik schwächer wird und die Ora dominiert, beginnt die "Happy Hour".

Zone: Der gesamte Hangbereich vom Col dei Rossi bis zum Pordoijoch trägt nun.

Technik: Fliegen Sie Achter am Hang. Achten Sie auf den Verkehr! Hunderte Piloten können gleichzeitig in der Luft sein.

Regeln: Hangflugregeln strikt beachten (Berg am Rechts -> Vorfahrt). Überholen immer außen (talseitig).

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Talquerungen

Wenn Sie vom Belvedere zum Col Rodella wechseln wollen (oder umgekehrt), müssen Sie das Tal queren.

Problem: Der Talwind (Ora) wirkt wie ein massiver Fluss, der Sie talaufwärts (Richtung Norden/Osten) versetzt.

Lösung: Queren Sie niemals im 90°-Winkel. Halten Sie massiv vor (Crab-Angle). Zielen Sie deutlich südlicher als Ihr eigentliches Ziel.

Lee-Falle: Wenn Sie zu tief am Col Rodella ankommen (unterhalb der Gratkante), geraten Sie ins Lee des Talwindes, der um den Rodella herumströmt. Turbulenzen und starkes Sinken sind garantiert. Kommen Sie immer über Gratniveau an!

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Cross-Country (XC) Potenzial: Drei Routen für Helden

Das Belvedere ist das Tor zu einigen der berühmtesten XC-Routen der Welt. Hier sind drei klassische Aufgaben, detailliert beschrieben.

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Route 1: Das "Goldene Dreieck" (Einsteiger-XC)

Eine relativ sichere Route, um das Tal zu erkunden, ohne den Gleitwinkel zum Landeplatz zu verlieren.

Verlauf: Start Belvedere -> Querung zum Pordoi -> Zurück zum Belvedere -> Querung zum Col Rodella -> Landung in Campitello.

Schlüsselstelle: Die Querung vom Belvedere zum Rodella. Achten Sie auf den Talwind!

Ziel: Kennenlernen der Hausbärte und Einschätzung der Winddrift.

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Route 2: Die Marmolada-Querung (Der Klassiker)

Der Flug zur "Königin" (3.343 m) ist der Traum vieler, aber erfordert Disziplin.  

Start: Col dei Rossi.

Aufdrehen: Nutzen Sie die Thermik am Pordoi-Massiv. Sie benötigen eine Basishöhe von mindestens 2.900 m - 3.000 m.

Querung: Fliegen Sie Richtung Süden zum Vernel (dem westlichen Vorbau der Marmolada).

Der Vernel-Bart: Dies ist der "Gatekeeper". Sie müssen am Vernel erneut thermisch Höhe gewinnen. Ohne 3.400 m Höhe sollten Sie den Sprung über den Gletscher zur Hauptspitze (Punta Penia) nicht wagen.

Gipfel: Überflug der Punta Penia. Winken Sie den Bergsteigern zu.

Rückweg: Gleiten Sie zurück Richtung Belvedere. Achtung: Der Talwind kann Sie abtreiben. Halten Sie sich luvseitig.

Warnung: Toplanding auf der Marmolada? Viele träumen davon, auf der Schneekuppe zu landen. Tun Sie es nicht, es sei denn, Sie sind ein Profi. Gründe:

Die Luftdichte auf 3.300 m macht Starten und Landen extrem schnell.

Oft herrscht oben Windstille oder leichter Rückenwind (Katabatischer Wind), was einen Neustart unmöglich macht. Es saßen schon viele Piloten oben fest und mussten teuer per Heli gerettet werden oder lebensgefährlich absteigen.

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Route 3: Die Sella-Runde (Sellaronda)

Die Umrundung des Sella-Massivs ist die Königsdisziplin.

Richtung: Meist gegen den Uhrzeigersinn geflogen (Belvedere -> Pordoi -> Arabba -> Corvara -> Grödner Joch -> Sella -> Rodella).

Warum gegen den Uhrzeigersinn? Weil Sie so am Vormittag die Ostflanken (Arabba/Corvara) nutzen können, die zuerst Sonne bekommen.

Schlüsselstelle Grödner Joch: Der Rückweg vom Grödner Tal ins Fassatal ist tückisch. Sie müssen hoch genug sein, um über die Sella-Türme oder das Joch zu kommen. Wenn Sie zu tief sind, drückt der Nordwind (oder Talwind vom Grödner Tal) Sie runter.

Dauer: Planen Sie 3-5 Stunden ein.

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Sicherheit und Risikomanagement

Die Unfallstatistiken im Val di Fassa sind leider hoch. Die meisten Unfälle passieren durch Selbstüberschätzung, Kollisionen oder Missachtung der Wetterbedingungen.

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Kollisionsvermeidung

An guten Tagen im September sind bis zu 500 Schirme in der Luft.

Lookout: Drehen Sie den Kopf, bevor Sie eine Kurve einleiten. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass andere Sie sehen.

Thermik-Regeln: Die erste Person im Bart bestimmt die Drehrichtung. Alle anderen folgen. Kein aggressives "Hineinschneiden".

Ausweichzonen: Wenn es im "Hausbart" zu voll wird, fliegen Sie weiter. Oft gibt es 100 m weiter einen zweiten Kern, der leer ist.

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Spiral-Lock Gefahr

In den Dolomiten gab es mehrere tödliche Unfälle durch stabile Spiralen ("Spiral Lock").  

Ursache: Hochleistungs-Schirme können in einer stabilen Spirale "einrasten" und beschleunigen extrem. Die G-Kräfte machen den Piloten handlungsunfähig.

Prävention: Seien Sie extrem vorsichtig mit Steilspiralen als Abstiegshilfe, besonders wenn Sie mit der Ausrüstung oder der Höhe (dünne Luft = dynamischeres Verhalten) nicht vertraut sind. Nutzen Sie lieber "Big Ears" (Ohren anlegen) mit Beschleuniger.

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Rettungsorganisation

Notrufnummern: 112 (Allgemein), 118 (Sanität Italien).

Funk: Programmieren Sie Ihr Funkgerät.

PMR Kanal 8, Subtone 16 (446.09375 MHz + CTCSS 114.8 Hz). Dies ist der Sicherheitskanal in den Dolomiten.  

Wenn ein Hubschraubereinsatz gemeldet wird oder Sie einen Heli sehen: Sofort das Gebiet verlassen! Fliegen Sie zum Hang, machen Sie Höhe ab oder landen Sie. Hubschrauber in den Dolomiten fliegen oft extrem nah am Fels und nutzen die gleichen Lufträume wie Gleitschirme.

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Logistik und Infrastruktur: Der stressfreie Weg in die Luft

Ein entspannter Pilot fliegt sicherer. Hier ist der Plan, um Stress am Boden zu vermeiden.

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Anreise und Parken

Canazei (Zentrum): Parkplatz an der Talstation (gebührenpflichtig). Im Hochsommer oft schon um 09:30 Uhr voll.

Alba (Funifor): Großer Parkplatz an der Talstation der "Alba-Col dei Rossi" Bahn. Oft leerer. Koordinaten: ca. 46.459 N, 11.780 E.

Strategie: Parken Sie in Alba, fliegen Sie, landen Sie in Ischia (Campitello). Nehmen Sie den Bus (fährt regelmäßig durchs Tal) zurück nach Alba um das Auto zu holen.

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Seilbahnen und Tickets

Die Bergbahnen sind teuer, aber effizient.  

Panorama Pass: Wenn Sie länger als 2 Tage fliegen, kaufen Sie den Panorama Pass (z.B. 3 Tage in 6 Tagen = 81 €; 6 Tage in 6 Tagen = 113 €). Er gilt für fast alle Lifte, auch für die Rückholer, wenn Sie mal woanders landen.

Single Ticket: Eine Bergfahrt (Canazei -> Col dei Rossi) kostet ca. 17,00 € (nur bis Pecol) bis 30,00 € (ganz hoch). Achtung: Preise ändern sich saisonal. Prüfen Sie den aktuellen Aushang.

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Unterkunft und Verpflegung

Piloten-Treffpunkte:

Bar/Rifugio Fredarola: Oben am Berg. Perfekt für Analyse.

Baita Ischia: Direkt am Landeplatz in Campitello. Hier gibt es das "Lande-Bier" und man trifft die lokale Szene.

Unterkunft:

Campitello: Strategisch am besten, da man vom Landeplatz zu Fuß ins Hotel gehen kann.

Canazei: Mehr Nachtleben, aber man muss vom Landeplatz (Ischia) immer den Bus oder Daumen nehmen.

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Shops und Reparatur

Es gibt direkt im Tal professionelle Anlaufstellen.

Fassa Fly & Icarus Flying Team: Diese Flugschulen/Tandemunternehmen haben Büros an der Talstation Col Rodella und teilweise in Canazei. Sie sind Ansprechpartner für Wetterinfos (wenn sie Zeit haben - bitte nicht nerven!) und verkaufen oft Equipment (Handschuhe, Helme).  

Check: Für Reparaturen (z.B. Riss im Tuch) gibt es in der Hauptsaison oft mobile Services oder man muss ins benachbarte Zillertal/Innsbruck oder Bassano ausweichen. Nehmen Sie Klebsegel ("Ripstop") mit!

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Saisonale Planung: Wann hin?

Juni/Juli: Thermisch extrem stark, oft gewittrig. Nur für Profis, die "Baller-Thermik" mögen. Mittags oft unfliegbar stark.

August: Sehr voll (Ferragosto = Italienische Ferien). Teuer. Thermik immer noch sehr stark.

September: Der "Golden Month". Die Luft wird klarer, die Thermik angenehmer, die Basis (Wolkenuntergrenze) ist oft hoch. Beste Zeit für XC.

Oktober: Ruhiger, wunderschöne Farben, aber die Tage werden kurz und die Inversionen zäher. Perfekt für "Hike & Fly" und Genussflüge.

Winter (Dez-März): Das Belvedere ist ein Skigebiet. Starts sind möglich (mit Skiern oder zu Fuß, wenn geräumt), aber man teilt sich den Berg mit tausenden Skifahrern. Thermik ist schwach, oft nur Abgleiter.

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Fazit

Das Belvedere ist der "Gentleman" unter den Dolomiten-Startplätzen. Es bietet den gleichen spektakulären Zugang zur Sella-Gruppe und Marmolada wie der Col Rodella, erspart einem aber den dortigen "Zoo" und Stress. Wer die Logistik der Seilbahn von Alba nutzt, die Nordwind-Warnungen ernst nimmt und sich respektvoll in die Luftraumstruktur einfügt, findet hier eines der großartigsten Flugerlebnisse der Welt.

Respektieren Sie den Berg. Respektieren Sie die Einheimischen. Und genießen Sie den Flug.

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