
5 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Operationelles und Meteorologisches Gutachten: Fluggebiet Wank (Werdenfelser Land)
Der Wank (1.780m NN), geographisch als südlicher Eckpfeiler des Estergebirges direkt an das Garmisch-Partenkirchner Becken angrenzend, stellt eine singuläre Anomalie im nordalpinen Fluggelände-Portfolio dar. In Pilotenkreisen oft als der „Sonnenberg“ des Werdenfelser Landes tituliert, bietet dieses Fluggebiet ein thermisches Aktivierungsprofil, das sich signifikant von benachbarten Startplätzen wie dem Kreuzeck, dem Hausberg oder dem Laber unterscheidet. Aufgrund seiner isolierten, nach Süden exponierten Topographie fungiert der Wank als solitärer thermischer Kollektor, der nicht durch südlich vorgelagerte Bergkämme verschattet wird. Dies führt dazu, dass der Wank oft bereits im Januar oder Februar – Monate, in denen andere Nordalpen-Startplätze noch im stabilen Winterschlaf liegen oder durch Skibetrieb blockiert sind – zuverlässige und teils sportliche Thermik generiert.
Die operationelle Einfachheit, die durch die sanfte, grasbewachsene Kuppe des Gipfelplateaus suggeriert wird, ist jedoch trügerisch und verleitet oft zu einer Fehleinschätzung der komplexen aerologischen Realität. Der Wank unterliegt mesoskaligen Windphänomenen, insbesondere dem „Bayerischen Wind“, einem regionalen nordöstlichen Ausfluss, der zu schweren Scherturbulenzen führen kann und den primären Südstartplatz oft ohne Vorwarnung auf Gipfelhöhe unfliegbar macht. Darüber hinaus hat sich die logistische Situation in den letzten Jahren drastisch gewandelt. Die Beschränkung des Betriebs der Wankbahn auf die Sommersaison (ca. Mai bis Oktober) und die unbefristete Sperrung des komfortablen Winterlandeplatzes (nahe dem Friedhof Partenkirchen) haben den Wank von einem klassischen „Lift-and-Fly“-Ziel in ein physisch forderndes „Hike & Fly“-Gelände während seiner besten thermischen Phase im Frühjahr transformiert.
Dieser Bericht liefert eine erschöpfende technische Analyse des Fluggebiets, konzipiert für Piloten mit fortgeschrittenem Kenntnisstand (B-Schein empfohlen, für Drachenflieger obligatorisch ). Er synthetisiert Geländedaten, meteorologische Muster, logistische Veränderungen und regulatorische Rahmenbedingungen, um über die Standarddatenbankeinträge hinausgehende Handlungssicherheit zu gewährleisten.
Der kritischste Sicherheitsfaktor am Wank ist nicht die orographische Beschaffenheit des Geländes, sondern die meist unsichtbare Interaktion zwischen den lokalen Talwindsystemen und dem überregionalen Druckgradienten. Eine Nuance, die in Standardwetterbriefings oft übersehen wird oder nur rudimentär Erwähnung findet, ist der „Bayerische Wind“. Dieses Phänomen ist für die Mehrzahl der sicherheitskritischen Vorfälle am Wank verantwortlich und erfordert ein tiefes Verständnis der lokalen Aerologie.
Im Gegensatz zu klassischen Talwindsystemen, die aufgrund solarer Aufheizung talaufwärts (anabatisch) strömen, handelt es sich beim Bayerischen Wind um einen regionalen Ausfluss aus dem bayerischen Alpenvorland (Münchner Ebene) in die Alpen hinein. Er tritt typischerweise auf, wenn hoher Luftdruck über dem Vorland liegt und ein Druckgefälle zu den inneralpinen Bereichen besteht.
Das Phänomen lässt sich als „Pump-Effekt“ beschreiben: Während sich das massive Luftvolumen in den Zentralalpen aufheizt und aufsteigt, saugt es kühlere Luftmassen aus dem Vorland durch die geographischen Engstellen des Loisachtals und das Murnauer Moos an. Diese einströmende Kaltluftmasse ist physikalisch dichter und schwerer als die warme Luft im Garmischer Becken. Sie schiebt sich daher wie ein Keil unter die warme, thermisch aktive Luftmasse, die an der Südflanke des Wanks aufsteigt.
Die vertikale Mächtigkeit dieser Kaltluftschicht variiert, liegt jedoch häufig zwischen 500 Metern und 1.200 Metern Höhe. Dies führt zu einer gefährlichen Schichtung der Atmosphäre:
Die Thermik-Zone (Gipfelniveau, > 1.300m): Ein Pilot kann am Startplatz (1.780m) bei perfekten Bedingungen in die Südwand starten. Hier herrscht oft schwacher Südwind oder thermische Ablösung.
Die Scher-Schicht (Ca. 1.200m): Dies ist die Trennfläche zwischen der warmen Höhenluft und der kalten Vorlandluft.
Die Kaltluft-Zone (Talniveau bis Mittelhang): Hier hat sich der Bayerische Wind als kräftiger Nord- bis Nordostwind etabliert.
Die Gefahr manifestiert sich beim Sinkflug. Ein Pilot, der in der oberen Zone komfortabel fliegt, sinkt in die Scherschicht ein. Das Resultat ist nicht nur ein abruptes Abreißen der Thermik, sondern extreme Turbulenz, verursacht durch die Reibung der zwei gegensätzlich strömenden Luftmassen (Süd über Nord). Gleichzeitig dreht der Wind schlagartig von Gegenwind (Süd) auf Rückenwind (Nord), was den Gleitpfad zum Landeplatz dramatisch verändern kann. Wer tief kommt und versucht, gegen den Bayerischen Wind zurück zum Gschwandtnerbauer zu gleiten, findet sich oft im „Lee“ der Kaltluftströmung oder mit massivem Sinken wieder.
Um nicht in diese aerologische Falle zu tappen, müssen Piloten vor und während des Fluges drei spezifische Indikatoren verifizieren. Die visuelle Beobachtung ist hierbei unerlässlich, da Modellvorhersagen die lokale Schichtung oft nicht präzise genug auflösen.
Der „Kachel“-Wind
Lokale Piloten bezeichnen den ins Tal einfallenden Bayerischen Wind oft als „Kachel“. Er beschleunigt typischerweise im Laufe des Nachmittags, kann aber an starken Tagen bereits vormittags durchbrechen. Ein essenzieller Check ist der Blick vom Gipfel hinab ins Tal – noch bevor der Schirm ausgepackt wird. Beobachten Sie Rauchfahnen, Fahnen oder die Bewegung der Baumwipfel im Bereich Farchant, Oberau oder Ohlstadt. Wenn der Talwind dort bereits erkennbar stramm aus Nordosten (Richtung Garmisch) weht, während am Gipfel noch Südwind herrscht, baut sich die Scherschicht bereits auf. Je weiter dieser Nordwind ins Tal vorgedrungen ist, desto höher reicht potenziell die Kaltluftschicht.
Das Patscherkofel-Signal
Obwohl der Patscherkofel bei Innsbruck primär als Indikator für Südföhn bekannt ist, korreliert ein starker Druckgradient über den Alpen (Nordhoch, Südtief) oft mit einem starken Einfließen des Bayerischen Windes. Ein seichter Föhn kann zudem den Bayerischen Wind in der Höhe maskieren. Das bedeutet: In der Höhe drückt der Föhn (Süd), unten drückt der Bayerische Wind (Nord). Diese Konstellation („Föhn gegen Bayerischen Wind“) gilt als absolut unfliegbar und lebensgefährlich, da die Scherschicht extrem turbulent wird.
Warnzeichen am Gipfel
Ein trügerisches, aber eindeutiges Warnsignal ist das Verhalten des Windes direkt am Startplatz. Wenn der Wind am Gipfel plötzlich von Süd auf Nord/Nordost dreht, obwohl die Sonne prall auf die Südflanke scheint, hat der Bayerische Wind das Gipfelniveau „überflutet“. In diesem Szenario wird die Südseite (der normale Startplatz) sofort zum Lee-Gebiet. Ein Start ist hier unter keinen Umständen mehr sicher möglich, auch wenn Phasen der Windstille auftreten („Lee-Loch“). Wer in dieser Situation noch fliegen will, muss zwingend zum Nordstartplatz (Rosswank) wechseln und prüfen, ob ein Start in den Wind (Nord) sicher möglich ist – wohlwissend, dass der gesamte Flug dann in der eher stabilen, aber zügigen Nordströmung stattfindet.
Neben dem Bayerischen Wind ist der Wank hochgradig anfällig für Südföhn. Aufgrund seiner geographischen Lage am Alpennordrand und seiner vergleichsweise geringen Höhe (im Vergleich zum Wettersteinmassiv) können Föhnwellen hier mit immenser Wucht in das Garmischer Becken durchbrechen.
Die Täuschung: Oft herrscht im Tal (Garmisch) absolute Windstille, verursacht durch einen Kaltluftsee, während am Wank-Gipfel bereits Orkanböen aus Süd wüten. Verlassen Sie sich niemals auf die Windstille im Tal.
Der Check: Konsultieren Sie immer die Windmesswerte von Patscherkofel und Zugspitze. Zeigt der Patscherkofel Südwind mit mehr als 30-40 km/h an, ist der Wank mit hoher Wahrscheinlichkeit unfliegbar oder extrem gefährlich. Ein Start bei Föhntendenz ist am Wank russisches Roulette, da die Turbulenzzonen der Leewalzen des Wettersteins direkt auf den Wank treffen können.
Die logistische Landschaft des Wank hat sich in zwei diametral entgegengesetzte Betriebsmodi aufgespalten: den Sommerbetrieb (Liftunterstützt) und den Winter-/Frühjahrsbetrieb (Hike & Fly). Das Verständnis dieser Dualität ist entscheidend für die Flugplanung, da die besten thermischen Monate oft in die Zeit fallen, in der keine Aufstiegshilfen zur Verfügung stehen.
Die historische Rolle der Wankbahn als „Gleitschirm-Lift“ hat sich gewandelt. Die Bahn, eine ältere Kleinkabinenbahn, ist nicht mehr ganzjährig in Betrieb.
Betriebszeiten: Die Saison erstreckt sich typischerweise von Ende April/Mai bis Oktober/November. In der Saison 2025/2026 ist beispielsweise eine Revision von Mitte April bis Ende Mai sowie im Spätherbst eingeplant. Dies bedeutet effektiv, dass in den thermisch stärksten Monaten März und April kein Bahnbetrieb stattfindet.
Tarifstruktur: Die Preise spiegeln den touristischen Charakter wider. Eine Bergfahrt (Stand 2025) kostet für Erwachsene 19,50 €, die Berg- und Talfahrt 29,00 €. Es gibt keine speziellen „Fliegertickets“ mit massivem Rabatt, wie in anderen Gebieten teils üblich.
Transport von Fluggerät:
Drachenflieger: Die Bahn befördert Drachen, jedoch unter strikten Längenbeschränkungen. Für die Bergfahrt darf das Packmaß 5,10 Meter nicht überschreiten. Sollte ein Rücktransport ins Tal nötig sein (z.B. wegen aufkommendem Föhn), gilt eine noch restriktivere Maximallänge von 4,60 Metern. Dies kann für moderne Turmlos-Drachen problematisch sein.
Gleitschirme: Die Kabinen sind klein und intim (für 2-4 Personen ausgelegt). Große XC-Rucksäcke müssen oft auf den Sitzplatz oder den Boden gezwängt werden, was bei Vollbelegung mit Touristen zu Platzproblemen führen kann.
Da der Lift in der thermischen Hochsaison (Februar/März) stillsteht, müssen Piloten den Aufstieg aus eigener Kraft bewältigen. Der Wank hat sich dadurch zu einem der populärsten Hike & Fly-Berge Bayerns entwickelt. Der Aufstieg ist physisch fordernd, aber technisch im Bereich T2 (Bergwandern) angesiedelt.
Zeitbedarf: Je nach Fitnesszustand und Ausrüstungsgewicht sollten 1,5 bis 2,5 Stunden eingeplant werden.
Höhenunterschied: Es gilt, ca. 1.030 Höhenmeter zu überwinden (von der Talstation auf 740m bis zum Gipfel auf 1.780m).
Routenoptionen für den Aufstieg
Für Piloten bieten sich primär zwei Aufstiegsvarianten an, die je nach Schneelage und Zeitbudget gewählt werden sollten:
Die Direttissima (Via Eckenhütte): Dies ist der schnellste und direkteste Weg. Er startet an der Wankbahn Talstation und führt steil unter der Trasse der Bahn empor, vorbei an der (meist geschlossenen) Eckenhütte.
Charakteristik: Effizient, aber steil.
Ausrüstungstipp: Im Frühjahr (Februar/März) ist der untere Teil oft schon aper und matschig, während die oberen 300-400 Höhenmeter (ab Eckenhütte) oft noch hart gefroren oder verschneit sind. Grödel (Leichtsteigeisen) und Wanderstöcke sind in dieser Übergangszeit obligatorisch, um die vereisten Serpentinen sicher zu meistern. Ohne Grödel wird der Abstieg oder Aufstieg zur Rutschpartie.
Die Genuss-Route (Via Tannenhütte): Dieser Weg zweigt im unteren Teil ab und führt über die neu erbaute Tannenhütte. Er ist etwas flacher und länger, bietet aber landschaftlich mehr Reiz (Hängebrücke, Wasserfälle).
Strategie: Diese Route eignet sich, wenn man keinen Zeitdruck hat oder einen Zwischenstopp für einen Kaffee in der Tannenhütte einlegen möchte.
Taktisches Timing: Wer die Frühjahrsthermik nutzen will, sollte spätestens um 08:30 Uhr am Parkplatz starten. Die Ost- und Südflanken des Wank heizen sich extrem schnell auf. Das Ziel ist, um 11:00 Uhr startklar am Gipfel zu stehen, um die ersten zuverlässigen Ablösungen zu nutzen, bevor der Bayerische Wind am Nachmittag eventuell zu stark wird.
Der zentrale Anlaufpunkt ist der Parkplatz an der Wankbahn (Wankbahnstraße). Es handelt sich um einen gebührenpflichtigen Parkplatz der Bayerischen Zugspitzbahn.
Öffentliche Verkehrsmittel: Die Ortsbusse der Linien 4 und 5 verbinden den Bahnhof Garmisch-Partenkirchen direkt mit der Wankbahn. Dies ist eine valide Option für Piloten, die mit dem Zug anreisen, um Parkgebühren zu sparen.
Der Wank bietet ein Plateau mit Startmöglichkeiten in fast alle Richtungen, jedoch unterliegen diese spezifischen meteorologischen und regulatorischen Fenstern.
Koordinaten: 47.506794, 11.147314.
Höhe: 1.730m NN.
Charakteristik: Dies ist der „Brot-und-Butter“-Startplatz des Wank. Es handelt sich um eine weitläufige, mäßig steile Wiese direkt vor der Terrasse der „Sonnenalm“ und unterhalb des Wankhauses.
Windfenster: Ideal bei Südost bis Südwest (SO-SW).
Starttechnik: Der Start ist technisch einfach und (unter Anleitung) schulungstauglich. Im Winter und Frühjahr kann der Schnee jedoch tief und weich sein, was einen beherzten Startlauf erfordert.
Die „Lee-Falle“: Wie im Meteorologie-Teil beschrieben, ist dieser Startplatz bei einsetzendem Bayerischen Wind (Nord) das Lee-Gebiet. Vorsicht ist geboten, wenn der Windsack am Startplatz nur schlaff hängt oder leichte Ablösungen anzeigt, man aber in den Tannen hinter dem Wankhaus (Nordseite) ein deutliches Rauschen des Windes hört. In diesem Fall suggeriert die Thermik am Südhang startbare Bedingungen, während man direkt nach dem Abheben in die turbulente Scherung der Nordströmung gezogen werden kann.
Koordinaten: 47.504243, 11.155556.
Höhe: 1.680m NN.
Zugang: Vom Gipfelplateau (Wankhaus) erfordert der Zugang einen ca. 10-15 minütigen Fußmarsch in nördlicher Richtung über das Plateau hinab zum Sattel Richtung Ameisberg/Rosswank.
Windfenster: Nord, Nordost, Ost (N, NO, O).
Funktion: Dieser Startplatz ist die einzige Option, wenn der Bayerische Wind (Nord) aktiv ist, aber noch in einer Stärke weht, die fliegbar ist. Er erlaubt einen Start gegen die Strömung, statt im Lee der Südseite zu starten.
Kritische Beschränkungen (Vogelschutz): Der Rosswank liegt in einem sensiblen Habitat für Rauhfußhühner (Birkhuhn/Auerhuhn). Die Einhaltung der Naturschutzauflagen ist essenziell für den Erhalt des Fluggebiets.
Winter- und Balzzeit (1. November – 15. Mai): In diesem Zeitraum sind Starts am Rosswank grundsätzlich auf das Zeitfenster zwischen 10:00 und 18:00 Uhr beschränkt. Außerhalb dieser Zeiten herrscht Flugverbot, um die Dämmerungsaktivität der Tiere nicht zu stören. Beachten Sie zwingend die aktuellen Aushänge an der Bahn oder im Wankhaus, da sich diese Regelungen kurzfristig ändern können.
Sommerzeit (1. Juni – 31. Oktober): Starts sind nur im Zeitraum von 2 Stunden nach Sonnenaufgang bis 2 Stunden vor Sonnenuntergang gestattet.
Gelände: Der Startplatz ist steiler und oft steiniger als die Südseite. Eine sichere Rückwärtsstart-Technik ist hier von Vorteil.
Koordinaten: 47.507635, 11.142963.
Höhe: 1.760m NN.
Charakteristik: Eine Holzrampe, die primär für Drachenflieger konzipiert wurde.
Windfenster: West.
Nutzung durch Gleitschirme: Die Rampe kann von Gleitschirmpiloten genutzt werden, erfordert jedoch Erfahrung. Der Geländeabbruch hinter der Rampe ist steil. Dieser Startplatz wird oft gewählt, wenn der Wind eine deutliche Westkomponente hat, die den Südstart zum Seitenwindstart macht.
Die Situation der Landeplätze am Wank hat sich im Jahr 2024/2025 grundlegend verschärft. Die historische Bequemlichkeit, direkt am Auto zu landen, existiert aktuell nicht mehr. Piloten müssen ihre Flugplanung zwingend an die neue Realität anpassen.
Dies ist aktuell der einzige offiziell zugelassene und verlässliche Landeplatz für Gleitschirmpiloten am Wank.
Status: GEÖFFNET.
Lage: 47.5083, 11.1437. Der Landeplatz befindet sich ca. 2 km östlich der Wankbahn Talstation, in Richtung Partenkirchen/Kaltenbrunn, nahe dem Gehöft „Gschwandtnerbauer“.
Höhe: 1.050m NN. Damit liegt der Landeplatz deutlich höher als der Talboden von Garmisch (700m). Dies verringert die effektiv nutzbare Arbeitshöhe.
Topographie: Es handelt sich um eine große, teils hügelige Wiese, die von hohem Baumbestand umgeben ist.
Anflug und Gefahren:
Thermische Ablösung: Da der Landeplatz auf einem Plateau liegt, lösen sich Thermikblasen oft direkt an den Waldrändern oder der Hangkante ab. Der Endanflug kann daher, besonders im Frühjahr mittags, extrem „bockig“ sein. Aktives Fliegen bis zum Boden ist gefordert.
Wind: Der Platz liegt etwas geschützt vom Haupttalwind, kann aber bei starkem Bayerischen Wind ebenfalls turbulent werden.
Logistik (Der Rückweg): Dies ist der größte Nachteil. Nach der Landung befinden Sie sich abseits Ihres Fahrzeugs (sofern an der Wankbahn geparkt).
Option A (Fußmarsch): Ein Wanderweg führt zurück zur Wankbahn Talstation. Rechnen Sie mit ca. 20-30 Minuten Gehzeit mit Ausrüstung.
Option B (Trampen): Die angrenzende Bundesstraße B2 führt Richtung Mittenwald/Garmisch. Aufgrund des schnellen Verkehrs ist das Anhalten schwierig. Erfolgversprechender ist es, Wanderer oder Gäste auf dem Parkplatz des Gasthofs Gschwandtnerbauer freundlich anzusprechen.
Option C (Bus): Der RVO Regionalbus 9608 (Garmisch-Mittenwald-Kochel) bedient die Haltestellen „Kaltenbrunn“ oder „Schlattan“. Die Frequenz ist jedoch, besonders am Wochenende, oft spärlich. Ein Blick auf den Fahrplan vor dem Flug ist ratsam.
Status: BIS AUF WEITERES GESPERRT.
Hintergrund: In älteren Führern und im kollektiven Gedächtnis der Piloten ist dieser Landeplatz (nahe dem Friedhof Partenkirchen, direkt bei der Wankbahn) fest verankert. Er war die komfortabelste Option.
Das Problem: Aufgrund eines Pächterwechsels (Landwirt) sind die Nutzungsrechte aktuell nicht geklärt. Es liegt keine Erlaubnis vor.
Dringende Warnung: Landen Sie NICHT auf diesen Flächen. Jede Zuwiderhandlung gefährdet die laufenden Verhandlungen des lokalen Vereins (DGFW) zur Wiedereröffnung massiv. Ein „Wildlanden“ hier wird als Affront gegen die Landwirte gewertet und kann zur dauerhaften Schließung führen.
Notfall: Sollten Sie es höhenmäßig nicht mehr zum Gschwandtnerbauer schaffen, ist eine Landung hier aus Sicherheitsgründen einer Baumlandung vorzuziehen – seien Sie sich jedoch der politischen Brisanz bewusst und verhalten Sie sich extrem defensiv (schnelles Packen, keine Diskussionen). Planen Sie Ihren Abflug so konservativ, dass dieser Fall nicht eintritt.
Dieser Landeplatz ist primär für Drachenflieger relevant, die aufgrund ihrer Gleitzahl die Ortschaft Garmisch überfliegen können. Für Gleitschirmpiloten, die lokal am Wank fliegen, ist er meist keine sinnvolle Option, da der Weg über das Stadtgebiet (mit erforderlicher Mindesthöhe) weit ist.
Der Wank ist ein exzellentes Sprungbrett für Streckenflüge (XC), insbesondere im späten Winter und frühen Frühjahr. Zu dieser Zeit sind die hohen Kalkmassive des Karwendel und Wetterstein noch tief verschneit und thermisch inaktiv (Albedo-Effekt), während die dunklen Nadelwälder des Estergebirges bereits kraftvolle Thermik produzieren.
Der Wank steht als isoliertes Massiv etwas abseits der Hauptkämme. Der Anschluss an die großen Rennstrecken ist die erste Schlüsselstelle („Crux“).
Die Hausthermik: Sie befindet sich klassischerweise direkt vor der Sonnenalm bzw. dem Wankhaus über den Latschenfeldern. Hier muss Geduld bewiesen werden. Es gilt, eine Basishöhe von mindestens 2.200m bis 2.400m zu erarbeiten, um das Tal sicher queren zu können.
Route Nord (Estergebirge): Dies ist die „Standard-Rennstrecke“ vom Wank.
Wegführung: Vom Wank fliegt man nach Norden zum Hohen Fricken (1.940m) und weiter zum Bischof (2.033m).
Taktik: Die Westflanken des Estergebirges funktionieren am Nachmittag hervorragend. Vormittags sollte man sich eher an den sonnenbeschienenen Ost-/Südostflanken orientieren, sofern der Wind dies zulässt.
Ziel: Der Krottenkopf (2.086m) markiert oft den Wendepunkt für kleinere Aufgaben. Von hier aus ist der Sprung zur Benediktenwand möglich, aber anspruchsvoll.
Route Ost (Karwendel):
Übergang: Erfordert einen Gleitflug über das Krün/Wallgau-Tal in Richtung Soiernspitze.
Gefahr: Das Talwindsystem im Isartal (bei Wallgau) kann sehr stark sein („Düseneffekt“). Stellen Sie sicher, dass Sie genügend Höhe (2.500m+) haben, um das „Isar-Gap“ sicher zu überspringen, ohne in den Talwindwaschgang zu geraten.
Ein geschlossenes FAI-Dreieck vom Wank aus zu fliegen, ist geographisch und luftrechtlich anspruchsvoll (Nähe zur CTR Innsbruck im Süden und CTR Garmisch-Klassik Beschränkungen).
Typisches Dreieck: Wank -> Laber (Oberammergau) -> Garmisch Classic (Kreuzeck/Hausberg) -> Wank.
Herausforderung: Der Sprung vom Wank zum Laber erfordert die Querung des breiten Loisachtals. Dies ist oft die „Closing Leg“ (Schlussschenkel) eines Fluges, der woanders gestartet wurde. Als erster Schenkel ist dies oft mühsam, da man gegen den Talwind ankämpfen muss.
Ablösepunkte: Die steilen Waldschneisen an der Südflanke sind zuverlässige Thermik-Trigger.
Stärke: Frühjahrsthermik (Februar-April) kann am Wank extrem sportlich sein (+5 bis +8 m/s integriert). Der hohe Temperaturkontrast zwischen dem (noch schneebedeckten) Gipfelplateau und den (schon aufgeheizten) dunklen Wäldern darunter sorgt für explosive Ablösungen. Ein aktiver Flugstil ist zwingend erforderlich. Wer seinen Schirm nicht blind beherrscht, sollte in der Mittagszeit im Frühjahr am Boden bleiben.
Der Erhalt des Fluggebiets Wank hängt maßgeblich von der Disziplin der Gastpiloten ab. Die Situation mit den Landeplätzen zeigt, wie fragil das Gleichgewicht ist.
Lizenzierung: Für Drachenflieger ist der B-Schein (Überlandberechtigung) zwingend vorgeschrieben. Für Gleitschirmpiloten ist formal der A-Schein ausreichend, jedoch legt die Komplexität des Geländes (Bayerischer Wind, enge Landeplätze) ein B-Schein-Niveau dringend nahe.
Gastkartenregelung: Der lokale Verein (DGFW - Drachen- und Gleitschirmflieger Werdenfels e.V.) unterhält die Gelände und zahlt Pacht. Für Gastpiloten ist eine „Tagesmitgliedschaft“ (Grüne Karte) obligatorisch.
Kosten: 4 € pro Tag oder 15 € pro Woche.
Erwerb: Die Karten können an Automaten an der Wankbahn Talstation oder bequem online über die DGFW-Webseite/Paypal gelöst werden. Tipp: Sparen Sie sich diese 4 Euro nicht. Kontrollen finden statt, und die Einnahmen fließen direkt in den Erhalt der (wenigen verbliebenen) Landeflächen.
Überflug von Garmisch: Es gilt ein generelles Überflugverbot bzw. Mindesthöhenregeln über dem Stadtgebiet, um Lärmbelästigung zu vermeiden. Dies betrifft vor allem Drachenflieger auf dem Weg zum Osterfelder Landeplatz.
Wildschutz-Zonen: Wie beim Startplatz Rosswank erwähnt, sind die nördlichen Bereiche Rückzugsgebiete für Raufußhühner. Das Einhalten der zeitlichen Flugverbote (besonders im Winter/Frühjahr) ist nicht verhandelbar. Ein Verstoß führt nicht nur zu Bußgeldern, sondern liefert Jagdpächtern Argumente für komplette Sperrungen.
Verhalten am Landeplatz: Da der Gschwandtnerbauer der einzig verbliebene Landeplatz ist, ist das Verhältnis zum dortigen Landwirt heilig. Packen Sie Ihren Schirm sofort am ausgewiesenen Faltplatz zusammen. Kein langes „Groundhandling“ oder Liegenlassen des Schirms im hohen Gras (Futterverschmutzung).
Sollte der Bayerische Wind zu stark sein oder die Familie eine Beschäftigung suchen, bietet der Wank auch abseits der Fliegerei hochwertige Optionen.
Kulinarische Dekompression:
Die Tannenhütte: Auf halber Höhe gelegen (ca. 1 Stunde Aufstieg oder Abstieg). Sie zeichnet sich durch moderne Holzarchitektur und exzellenten Kaiserschmarrn aus. Ein idealer Stopp nach einem Hike & Fly, wenn man zu Fuß absteigt oder nach der Landung am Gschwandtnerbauer noch ein Stück entgegenwandert.
Wankhaus (Gipfel): Wenn man toplandet (möglich auf dem großen Plateau, wenn wenig Betrieb ist) oder die Bahn nutzt, bietet die Terrasse einen 360-Grad-Blick auf Zugspitze und Wetterstein.
Familien-Logistik: Während Sie fliegen (oder zum Gipfel hiken), kann die Familie den Wanderweg zur Tannenhütte nutzen. Dieser führt über eine spektakuläre Hängebrücke und vorbei an den Kuhfluchtwasserfällen. Zudem befindet sich an der Wankbahn Talstation ein Kletterwald, der Kinder und Jugendliche beschäftigt.
Der Wank ist ein Berg mit zwei Gesichtern („Dr. Jekyll und Mr. Hyde“). In den stabilen Hochdrucktagen des Februar und März ist er wohl das beste Thermikrevier Deutschlands und erlaubt Flüge zur Wolkenbasis, während der Rest der Alpen noch schläft. Doch der Bayerische Wind ist eine stille, unsichtbare Gefahr, die Respekt und ständige Wachsamkeit erfordert.
Für die Saison 2025/2026 lautet die Checkliste für den Piloten:
Bereit für den Hike: Die Bahn steht im besten Thermikfenster (Frühjahr) oft still. Fitness ist Voraussetzung.
Landeplatz sichern: Der Winterlandeplatz ist tabu. Planen Sie Ihren Gleitweg zum Gschwandtnerbauer vor dem Start und kalkulieren Sie den Rückweg ein.
Blick nach Nord: Wenn am Gipfel Südwind herrscht, aber die Seen im Vorland (Staffelsee, Starnberger See) oder Rauchfahnen im Tal Nordwind zeigen, bleiben Sie am Boden. Die Scherschicht wartet.