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Der Rittisberg: Eine aerologische und logistische Monografie für den ambitionierten Gleitschirmpiloten
Das Fluggebiet Rittisberg, geographisch situiert auf dem Hochplateau von Ramsau am Dachstein, nimmt innerhalb der alpinen Flugsportinfrastruktur der Steiermark eine Sonderstellung ein. Während die umliegenden Gipfel der Schladminger 4-Berge-Skischaukel (Planai, Hochwurzen, Hauser Kaibling) und der im Osten gelegene Stoderzinken primär als klassische Thermik- und Streckenflugareale mit hochalpiner Charakteristik bekannt sind, fungiert der Rittisberg als aerologisches Bindeglied zwischen dem Ennstaler Talwindsystem und den massiven Südwänden des Dachsteingebirges. In der Standardliteratur und den Datenbanken des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) wird das Gelände oft lapidar als „einfaches Schulungsgelände“ oder „Ganzjahresfluggebiet“ klassifiziert. Diese Kategorisierung, wenngleich formal korrekt, unterschlägt die mikrometeorologische Komplexität und die taktische Bedeutung dieses Berges für den fortgeschrittenen Piloten.
Der vorliegende Bericht zielt darauf ab, diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und fliegerischer Realität zu schließen. Er richtet sich explizit nicht an den Gelegenheitsflieger, sondern an Piloten, die den Rittisberg als strategischen Ausgangspunkt für thermische Flüge im Ennstal, als logistischen Knotenpunkt für Hike & Fly-Unternehmungen oder als meteorologisch anspruchsvolle Option bei spezifischen Wetterlagen verstehen wollen. Die Analyse basiert auf einer detaillierten Auswertung topografischer Daten, meteorologischer Langzeitbeobachtungen und lokaler Insider-Informationen, um ein umfassendes Bild der operativen Möglichkeiten und Risiken zu zeichnen.
Der Rittisberg (1.582 m MSL) ist geologisch betrachtet ein Vorberg des Dachsteinmassivs, der sich als isolierte Erhebung auf dem Ramsauer Hochplateau (ca. 1.100 m MSL) erhebt. Diese Exponiertheit verleiht ihm den Charakter eines „Balkons“ über dem Ennstal. Topografisch relevant ist die Asymmetrie des Berges: Während die Südflanken steil und thermisch aktiv zum Plateau hin abfallen, ist die Nordseite durch sanftere Waldflächen geprägt, die jedoch aerologisch im Luv des Dachsteins liegen können. Die Höhendifferenz zum offiziellen Landeplatz beträgt lediglich rund 300 bis 400 Meter , was den Piloten zwingt, thermische Anschlüsse schnell und effizient zu finden. Im Gegensatz zu den 1.000-Meter-Abgleitern der Planai verzeiht der Rittisberg taktische Fehler in der Startphase kaum.
Im Kontext der Flugregion Schladming-Dachstein übernimmt der Rittisberg eine Zwitterstellung. Er ist einerseits Ausbildungszentrum, bedingt durch die Präsenz der Flugschule Aufwind und die fehlerverzeihende Topografie des Oststarts. Andererseits dient er als thermischer „Trigger“ (Auslöser) für Flüge, die sich in Richtung der Dachstein-Südwand entwickeln sollen. Die Nähe zur massiven Felswand des Hohen Dachsteins (2.995 m) erzeugt bei entsprechender Sonneneinstrahlung ein komplexes System aus anabatischen Hangwinden und überregionalen Strömungen, das den Rittisberg oft zum Nutznießer des sogenannten „Dachstein-Sogs“ macht.
Das Verständnis der Luftmassenbewegungen rund um den Rittisberg ist die conditio sine qua non für sicheres Fliegen in dieser Region. Standardisierte Wetterberichte für „Schladming“ sind oft irreführend, da das auf 1.100 Metern gelegene Plateau ein eigenständiges Mikroklima ausbildet, das sich signifikant von der Situation im Talboden (700 m) unterscheidet.
Das Ennstal ist unter Alpenfliegern berüchtigt für sein ausgeprägtes und oft aggressives Talwindsystem. Dieser Wind strömt tagsüber, bedingt durch die thermische Aufheizung der großen inneralpinen Massen, beständig aus Osten in das Tal ein.
Die Interaktion dieses Ostwindes mit dem Rittisberg ist der kritischste Faktor für die Flugplanung. Der Rittisberg steht als Hindernis am nördlichen Rand des Talwindstroms. Wenn der Talwind in den Mittags- und Nachmittagsstunden an Stärke gewinnt – was im Frühjahr (März bis Mai) oft schon ab 11:00 Uhr der Fall sein kann –, „schwappt“ die Luftmasse über die Kante des Ramsauer Plateaus. Für den Piloten am Rittisberg bedeutet dies eine paradoxe Windsituation:
Am Gipfel (1.500 m): Hier kann, je nach Großwetterlage, schwacher überregionaler Westwind oder thermischer Südwind herrschen.
Am Landeplatz (1.180 m): Hier setzt sich oft der straffe Ostwind des Ennstals durch, der über das Plateau streicht.
Die Konsequenz: Zwischen Start- und Landeplatz bildet sich eine ausgeprägte Scherungsschicht (Shear Layer). Beim Durchfliegen dieser Schicht, oft in einer Höhe von 1.200 bis 1.300 Metern, muss mit plötzlichem Turbulenzaufkommen und einem rapiden Wechsel der Windrichtung gerechnet werden.
Trotz seiner vergleichsweise geringen Höhe bietet der Rittisberg exzellente thermische Qualitäten, die jedoch stark tageszeitabhängig sind.
Vormittag: Die Ostflanken und der Bereich um den Oststartplatz werden zuerst von der Sonne beschienen. Hier entwickeln sich oft ab 10:00 Uhr sanfte Aufwinde, die jedoch meist nicht stark genug sind, um die Inversion des Plateaus zu durchbrechen.
Mittag/Nachmittag: Die Sonne wandert in den Süden und Westen. Jetzt werden die steilen Waldschneisen oberhalb der „Ochsenalm“ und die Abrisskanten Richtung Ramsau Beach aktiv. Die Thermik ist hier oft „zerrissen“, da sie durch den einfließenden Talwind gestört wird.
Der „Dachstein-Pump“: An Tagen mit hoher Labilität wirkt das Dachsteinmassiv wie eine gigantische Vakuumpumpe. Es saugt Luftmassen aus dem Ennstal und über das Ramsauer Plateau an. Dies verstärkt den Aufwind am Rittisberg (Venturi-Effekt zwischen Berg und Massiv), kann aber auch zu Windgeschwindigkeiten führen, die das Vorwärtskommen gegen den Wind (in Richtung Talmitte) unmöglich machen.
Die Lage am Nordrand der Alpen macht den Rittisberg anfällig für Föhnlagen. Bei Südüberdruck strömt die Luft über den Alpenhauptkamm. Während im Ennstal oft noch trügerische Ruhe herrscht („Föhnmauer“ im Süden sichtbar), kann der Föhn am Ramsauer Plateau und speziell in der Höhe am Dachstein bereits massiv durchgreifen. Wetterberichte, die eine „Föhntendenz“ vorhersagen, sind am Rittisberg als absolutes Flugverbot zu interpretieren. Die Nähe zum Dachsteinmassiv führt dazu, dass Leewirbel des Massivs (bei Nordwind) oder Föhnstürme (bei Südwind) hier besonders heftig ausfallen.
Ein Flugtag am Rittisberg scheitert oft nicht am Wetter, sondern an der Logistik. Die Infrastruktur ist primär auf den Sommertourismus (Wandern, Familien) ausgerichtet, was für Piloten spezifische Hürden schafft. Die Annahme, man könne jederzeit mit der Bahn auffahren, ist einer der häufigsten Planungsfehler.
Die Rittisbergbahn ist eine moderne Kombibahn (Sessel und Gondeln), deren Betriebszeiten jedoch stark saisonal und wochentagsabhängig variieren.
Eingeschränkter Sommerbetrieb: In der Sommersaison (oft Mai bis Oktober) läuft der Lift an vielen Tagen nicht durchgehend. Ein typisches Muster ist der Betrieb nur an Sonntag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag. An Montagen, Dienstagen und Samstagen steht die Anlage still. Piloten, die dies ignorieren, stranden mit 15 kg Gepäck am Parkplatz.
Saisonale Pausen: Zwischen der Winter- und Sommersaison (oft April bis Mitte Mai und November bis Dezember) ist die Bahn komplett geschlossen. In diesen Zeiten ist der Berg ausschließlich zu Fuß (Hike & Fly) erreichbar.
Für Vielflieger und Flugurlauber ist die Kostenstruktur entscheidend.
Einzeltickets: Eine Bergfahrt kostet für Erwachsene ca. 17,50 € (Stand 2025/26), Berg- und Talfahrt ca. 23,00 €. Es gibt keine speziellen „Fliegertickets“ mit Mehrfachfahrten zu stark rabattierten Preisen, wie man sie aus anderen Gebieten kennt.
Der Sommercard-Hack: Der Rittisberg ist Partner der Schladming-Dachstein Sommercard. Gäste, die in einem Partnerbetrieb übernachten (was auf die meisten Hotels und Pensionen in Ramsau zutrifft), erhalten die Karte kostenlos. Diese inkludiert eine Berg- und Talfahrt pro Tag.
Strategischer Vorteil: Für Piloten, die eine Woche bleiben, summiert sich der Wert auf über 120 €. Die Wahl der Unterkunft sollte daher zwingend unter dem Aspekt „Sommercard-Partner“ erfolgen.
Parken: Der Großparkplatz an der Talstation ist gebührenpflichtig. Im Sommer werden ca. 4,00 € pro Tag verlangt. Wildparken wird in Ramsau rigoros kontrolliert und bestraft.
An Tagen ohne Liftbetrieb (Mo, Di, Sa) oder in der Zwischensaison bricht die logistische Kette nicht vollständig zusammen, erfordert aber Eigeninitiative.
Flugschule Aufwind Shuttle: Die lokale Flugschule organisiert an flugbaren Tagen oft Shuttle-Dienste mit Kleinbussen zum Startplatz.
Kosten: Ca. 6,00 € bis 10,00 € pro Auffahrt.
Prozedere: Dies ist kein öffentlicher Linienverkehr. Eine telefonische Anmeldung (Tel: +43 664 5169050) ist zwingend erforderlich, um Plätze zu reservieren und Abfahrtszeiten zu erfahren.
Taxi-Optionen: Lokale Taxiunternehmen in Ramsau kennen den Weg zum Rittisberg, verlangen jedoch für die Auffahrt (Mautstraße oft inkludiert) deutlich höhere Preise. Für Gruppen ab 4 Personen kann dies eine viable Alternative sein.
Die Infrastruktur am Start unterscheidet sich fundamental je nach gewählter Exposition. Während der Oststart den Standard-Anforderungen entspricht, stellt der Weststart ein Experten-Terrain dar, das in seiner Schwierigkeit oft unterschätzt wird.
Der Hauptstartplatz befindet sich auf ca. 1.480 m MSL in unmittelbarer Nähe zur Bergstation.
Topografie: Es handelt sich um eine mäßig geneigte Wiese, die nach Osten ausgerichtet ist und im unteren Bereich in den steileren Südhang übergeht. Der Untergrund ist teilweise mit Kies befestigt, um die Grasnarbe zu schonen.
Aerodynamik: Bei klassischem Ostwind (anabatischer Hangwind oder leichter Talwind) ist der Start unproblematisch. Kritisch wird es bei überregionalem Westwind. Da der Startplatz leicht im Lee der Bergkuppe liegt, kann es hier zu Rotoren kommen. Ein leichter Wind von vorne (Ost) am Startplatz kann trügerisch sein – es könnte sich um den Rückstrom eines Leewirbels handeln.
Insider-Tipp: Der Blick auf die Windfahnen direkt am Start reicht nicht aus. Beobachten Sie zwingend die Baumwipfel an der Hangkante oberhalb und seitlich des Starts. Bewegen sich diese erratisch oder zeigen Westwind an, während am Boden "Aufwind" herrscht, besteht akute Klappergefahr unmittelbar nach dem Abheben.
Der Weststartplatz wird in Foren und Beschreibungen oft ehrfürchtig als „Schneise“ tituliert. Er liegt direkt unterhalb der Bergstation Richtung Nord/West.
Geometrie: Es ist keine offene Wiese, sondern eine enge, steile Waldschneise. Der Platz toleriert keine seitlichen Abweichungen. Ein Startabbruch ist aufgrund der Steilheit oft unmöglich, sobald der Pilot Geschwindigkeit aufgenommen hat.
Windfenster: Dieser Startplatz funktioniert ausschließlich bei sauberem Wind aus NW (299°). Jede Südkomponente führt dazu, dass die Schneise im Lee liegt.
Starttechnik: Die Cobra-Technik ist bei stärkerem Wind essenziell, um den Schirm kontrolliert und mit wenig Zug in die Senkrechte zu bringen, ohne vom Hang gerissen zu werden. Rückwärtsaufziehen erfordert Präzision, da die Kappe beim seitlichen Ausbrechen sofort in den Ästen hängt.
Saisonale Sperrungen: Im Winter und Frühjahr ist dieser Bereich oft als Wildeinstandsgebiet (Ruhezone für Wildtiere) ausgewiesen und darf nicht beflogen werden. Verstöße gefährden den Fortbestand des Fluggeländes massiv.
Einmal in der Luft, ändert sich der Charakter des Rittisbergs von "gemütlich" zu "anspruchsvoll". Die geringe Arbeitshöhe über Grund erfordert permanente Aufmerksamkeit.
Bei leichter Ost- oder Südostströmung bietet der Südhang exzellente Soaring-Bedingungen.
Taktik: Nach dem Oststart dreht man sofort nach rechts (Süden) ab. Die Hangkante erstreckt sich über mehrere hundert Meter.
Gefahren: Der Hang ist teilweise bewaldet und felsdurchsetzt. Bei zunehmendem Ostwind (Talwind) kann der "Düsen-Effekt" an den Ecken des Berges dazu führen, dass die Vorwärtsfahrt gegen den Wind extrem mühsam wird. Lassen Sie sich niemals zu weit nach Westen (Leeseite des Talwindes) treiben, sonst ist der Rückweg zum Landeplatz Ramsau Beach versperrt.
Die Thermik am Rittisberg ist oft eng und kräftig.
Ochsenalm-Bart: Einer der zuverlässigsten Auslöser befindet sich oberhalb der Ochsenalm an der Westseite. Hier heizt sich der Wald auf, und die Abrisskante sorgt für die Ablösung.
Ramsau-Beach-Kante: Auch die Geländestufe direkt oberhalb des Landeplatzes "Ramsau Beach" funktioniert oft als Trigger, besonders am späten Nachmittag, wenn der Boden die gespeicherte Wärme abgibt.
Zentriertechnik: Da die Thermik oft durch den Talwind geschert wird, sind die Bärte selten kreisrund. Sie sind oft elliptisch verformt oder "zerrissen". Flaches Drehen und ständiges Nachzentrieren ist effektiver als enges Kurbeln mit hoher Schräglage.
Obwohl der Rittisberg kein klassischer Startplatz für 200-km-Flüge ist (dafür eignen sich Stoderzinken oder Bischling besser), bietet er einzigartige Möglichkeiten für landschaftlich spektakuläre Routen.
Das Ziel ist der Talsprung an die Dachstein-Südwand.
Ausgangslage: Start am Rittisberg, Aufdrehen auf mind. 2.200 m (oft limitiert durch Inversionen oder Luftraum).
Der Sprung: Man verlässt den Rittisberg Richtung Norden. Der Talboden zwischen Rittisberg und Dachstein muss mit ausreichend Höhe überquert werden.
Ankunft Dachstein: Man zielt auf die Bereiche Hunerkogel oder Dirndln.
Warnung: Die Dachstein-Wand ist hochalpin und gnadenlos. Es gibt dort keine Landemöglichkeiten. Die Thermik an der Wand ist oft extrem turbulent („Waschküche“). Ein "Absaufen" an der Wand bedeutet eine Notlandung im unwegsamen Gelände oder auf Gletscherschuttfeldern – ein Szenario mit hoher Verletzungsgefahr.
Rückweg: Vom Dachstein gleitet man mit massiver Überhöhung zurück zum Rittisberg oder direkt zum Landeplatz.
Der Flug zum Stoderzinken (ca. 15-20 km östlich) ist eine klassische One-Way-Strecke bei Westwind.
Verlauf: Vom Rittisberg Richtung Osten, vorbei am Hals und den Ausläufern des Dachsteins.
Herausforderung: Man fliegt mit dem Wind (Westwind in der Höhe), aber oft gegen den Talwind (Ostwind im Tal).
Rückkehr: Der Rückflug vom Stoderzinken zum Rittisberg ist extrem schwierig, da man gegen den oft starken Ennstaler Talwind ankämpfen muss. Die meisten Piloten beenden den Flug im Ennstal (z.B. Gröbming oder Haus im Ennstal) und nutzen öffentliche Verkehrsmittel für den Rückweg.
Analysen von Flügen im DHV-XC und XContest zeigen, dass große Dreiecke vom Rittisberg selten sind. Die meisten weiten Flüge (über 50 km) starten am Stoderzinken oder Bischling und nutzen den Rittisberg nur als Wende punkt. Dies unterstreicht den Charakter des Rittisbergs als anspruchsvolles, aber räumlich begrenztes Thermikrevier.
Das Landen auf dem Ramsauer Plateau ist nicht trivial. Es ist ein dicht besiedeltes, touristisch intensiv genutztes Gebiet. Konflikte mit Landwirten und Betreibern anderer Infrastrukturen müssen unbedingt vermieden werden.
Der offizielle Landeplatz für Gastpiloten liegt nordöstlich vom Start, nahe dem Freizeitpark.
Charakter: Große Wiese, die jedoch von zahlreichen Hindernissen umgeben ist: Badesee, Beachvolleyball-Plätze, Parkplätze und der Hochseilgarten.
Windregime: Hier greift die Rechtsvolte-Regel. Bei Ostwind (dem Standard-Talwind) muss zwingend eine Rechtsvolte geflogen werden, um den Verkehr zu ordnen.
Turbulenz: Bei starkem Ostwind liegt der Endanflugsbereich im Lee von Waldrändern oder Gebäuden. Stellen Sie sich auf einen "sportlichen" Endanflug mit Sinken und Durchsackern ein.
Infrastruktur: Packplatz vorhanden. Nähe zum Café und WC ist ein Pluspunkt.
Dieser Platz liegt östlich des Parkplatzes Rittisbergbahn.
Status: Nutzung primär für Clubmitglieder oder mit expliziter Erlaubnis.
Gefahr: Querende Stromleitungen! Diese sind gegen den dunklen Waldhintergrund extrem schwer zu erkennen. Eine vorherige Besichtigung am Boden ist lebenswichtig. Gastpiloten wird dringend empfohlen, den Ramsau Beach Landeplatz zu nutzen, um Risiken zu minimieren.
Die Wiese oberhalb des Sportgeschäfts "Ski Willy" ist im Sommer oft für die Flugschule Aufwind reserviert.
No-Go: Private Landungen stören den Schulbetrieb. Da die Flugschule oft den Shuttle-Service stellt, ist ein gutes Verhältnis essenziell. Meiden Sie diesen Platz, es sei denn, Sie sind Kursteilnehmer.
Da der Liftbetrieb unzuverlässig ist, hat sich der Rittisberg zu einem populären Hike & Fly Ziel entwickelt.
Es gibt mehrere Aufstiegsvarianten, die sich in Steilheit und landschaftlichem Reiz unterscheiden.
Die Sportler-Route (Direttissima): Folgt weitgehend der Piste oder dem Lifttrasse. Steil, sonnenexponiert, effizient.
Dauer: 45–60 Minuten für fitte Geher.
Höhenmeter: Ca. 400 hm.
Die Genuss-Route (Halseralm): Start bei Ramsau Beach, Weg über den Greimelbacherhof zur Halseralm und weiter zur Sonnenalm.
Charakter: Forststraßen und Waldwege, schattiger, flacher.
Dauer: 1,5 – 2 Stunden.
Vorteil: Einkehrmöglichkeit auf der Halseralm (bekannt für flambierten Kaiserschmarrn).
Schuhwerk: Leichte Trailrunning-Schuhe reichen im Sommer. Im Frühjahr/Herbst (Matsch/Schnee) sind knöchelhohe Wanderschuhe Pflicht.
Wasser: Auf dem Plateau gibt es keine Quellen. Wasser muss mitgenommen werden (oder Einkehr in den Almen).
Startplatz-Check: Wer zu Fuß hochgeht, sollte unten checken, ob oben Windfahnen zu sehen sind (Fernglas) oder die Webcam konsultieren, um einen umsonstigen Aufstieg bei zu starkem Wind zu vermeiden.
Die größte Gefahr ist die Unterschätzung der Talwindscherung.
Symptome: Der Schirm wird beim Sinken in die Talwindschicht (ca. 1.200 m) plötzlich unruhig, die Vorwärtsfahrt gegen Osten bricht ein, die Kappe schießt vor oder sackt durch.
Reaktion: Aktiv fliegen! Bremsen leicht anziehen, um Klapper zu vermeiden. Nicht versuchen, krampfhaft gegen den Wind zu arbeiten, wenn man nicht vorwärts kommt. Lieber mit dem Wind abdrehen und eine alternative Landewiese suchen (sofern möglich) oder eine kontrollierte Außenlandung vorziehen, als in Bodennähe in den Stall zu geraten.
Wildschutz: Die Westflanken sind im Winter/Frühjahr oft Ruhezonen für Raufußhühner und Rotwild. Überflughöhen von mind. 300 m über Grund sollten respektiert werden.
Luftraum: Die Nähe zum Flughafen Salzburg (CTR) ist hier noch kein Thema, aber militärische Tieffluggebiete können in den Alpen aktiv sein. Ein Blick auf die ICAO-Karte ist Pflicht.
Rettungskette: Im Notfall gilt die Alpin-Notrufnummer 140. Die Bergrettung Ramsau ist hochprofessionell und mit Hubschrauber-Unterstützung (C14 aus Niederöblarn oder C14 aus Schladming) schnell vor Ort.
Ramsau ist landwirtschaftlich geprägt.
Hohes Gras: Landen Sie niemals im hohen Gras (Futterwiesen) vor der Mahd. Dies führt sofort zu Konflikten und kann zur Sperrung von Landeplätzen führen. Nutzen Sie ausschließlich die gemähten oder gekennzeichneten Landeareale.
Zäune: Öffnen Sie keine Weidezäune, oder schließen Sie sie sofort wieder.
Der Rittisberg bietet exzellente Hüttenkultur.
Rittisstadl: Direkt an der Bergstation. Große Terrasse, perfekt für den "Debriefing"-Drink nach dem Flug.
Waldcafé Liftstüberl: An der Talstation. Treffpunkt der lokalen Szene und der Flugschüler.
Ramsau Beach: Im Sommer "The Place to be" mit Badesee und entspannter Atmosphäre.
Der Rittisberg ist weit mehr als ein Lückenbüßer für Tage, an denen die Planai zu stark ist. Er ist ein technisches Fluggebiet, das präzises Verständnis von Talwindsystemen und Luv/Lee-Dynamiken erfordert.
Für Einsteiger: Ideal bei ruhigen Bedingungen am Vormittag oder späten Abend unter Aufsicht.
Für Streckenpiloten: Ein taktisch anspruchsvolles Sprungbrett in die Dachstein-Südwand, das jedoch Geduld und Timing verlangt.
Für Hike & Fly: Ein perfektes Trainingsgelände mit logistischen Tücken (Liftzeiten).
Wer die Regeln der "Rechtsvolte", die Tücken der "Westschneise" und die Öffnungszeiten der Rittisbergbahn respektiert, wird hier mit Flügen vor einer der spektakulärsten Kulissen der Ostalpen belohnt. Ignoranz gegenüber den mikrometeorologischen Realitäten des Ennstals wird der Rittisberg jedoch – wie jeder Berg im Dachsteingebiet – gnadenlos bestrafen.
Quellenverzeichnis
Geländedaten & DHV:
Logistik (Bahn, Shuttle, Preise):
Wetter & Meteo:
Landeplätze & Regeln:
XC & Flugrouten:
Aktivitäten & Hike:
Live-Kameras in der Nähe