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Das Tor zu den Dolomiten: Der ultimative Piloten-Guide für die Plose Executive Summary: Jenseits des Standard-Briefings
Die Plose, der majestätische Hausberg der Bischofsstadt Brixen (Bressanone), nimmt in der Topographie des Südtiroler Gleitschirmfliegens eine Sonderstellung ein. Während viele Piloten die Plose primär als familiäres Skigebiet oder Wanderziel kennen, offenbart sich dem versierten Aviator ein komplexes, thermisch hochpotentes und aerologisch anspruchsvolles Fluggelände. Sie ist mehr als nur ein „Abgleiter-Berg“; sie fungiert als strategisches Scharnier zwischen den sanfteren Sarntaler Alpen im Westen und den schroffen, thermisch aggressiven Dolomitenwänden der Geisler-Gruppe und des Peitlerkofels im Osten.
Dieser Report ersetzt und erweitert die standardisierten Datenbankeinträge des DHV und lokaler Vereine. Er richtet sich explizit an den autarken Piloten – den Streckenjäger, den Hike & Fly-Enthusiasten und den Alpinisten, der präzise Informationen zur Mikrometeorologie des Eisacktals, zu den kritischen Luftraumbeschränkungen der CTR Bozen und zu den ungeschriebenen Gesetzen der lokalen Landeplatz-Politik benötigt. Wir verlassen die Ebene der bloßen „Startrichtung West“ und analysieren die fluiden Dynamiken des Brixner Talwindsystems, die Entscheidungshöhen für Talquerungen und die logistischen Feinheiten, die einen guten Flugtag von einem exzellenten unterscheiden.
Die Plose ist ein Berg der Dualitäten. Im Frühjahr verwandelt sie sich in eine thermische Rampe, die Piloten mühelos auf 3.000 Meter katapultiert und Dreiecksflüge bis weit ins Pustertal ermöglicht. An Sommernachmittagen hingegen wird sie zum Lehrstück für Talwindmanagement, wo der „Brixner Wind“ Respekt und präzise Landeentscheidungen einfordert. Dieser Guide seziert diese Elemente mit der notwendigen Schärfe für eine sichere Flugplanung.
Um die Plose sicher zu befliegen, muss man die unsichtbare Landschaft der Luftmassen ebenso präzise lesen wie die Topographie aus Fels und Wald. Der Gebirgsstock steht als isoliertes Massiv an der westlichen Flanke der Dolomiten und wirkt wie ein gigantischer thermischer Kollektor, der tief in das Eisacktal hineinragt.
Das dominierende Element, das über „Genussflug“ oder „Überlebenskampf“ entscheidet, ist das Talwindsystem. Das Eisacktal verläuft in Nord-Süd-Richtung und verbindet den Brennerpass mit der Po-Ebene. Diese geographische Ausrichtung schafft einen mächtigen Windkanal, der den täglichen Rhythmus des Fliegens diktiert.
Der sogenannte „Brixner Talwind“ ist die lokale Manifestation dieser Strömung. Im Gegensatz zu Fluggebieten, die in geschützten Seitentälern liegen (wie teilweise im Pustertal), ist die Plose der Hauptströmung direkt ausgesetzt. Der Wind setzt typischerweise im Frühjahr gegen 11:00 Uhr ein und erreicht seine maximale Intensität oft erst am späten Nachmittag gegen 14:00 bis 16:00 Uhr. In den Hochsommermonaten sind Windgeschwindigkeiten von 20 bis 30 km/h am Landeplatz keine Seltenheit. Dies ist kein sanftes Lüftchen, sondern eine laminare Grundströmung, die unerfahrene Piloten am Vorwärtskommen hindern oder – schlimmer noch – in Lee-Bereiche drücken kann.
Eine entscheidende aerologische Konsequenz dieses Systems ist die Interaktion mit der Thermik. Der Talwind „füttert“ die Thermik an den Westflanken der Plose. Dies erzeugt einen „Förderband-Effekt“, der die westlich ausgerichteten Hänge (Bereich Trametsch und Schönjöchl) zu zuverlässigen Aufwindquellen macht. Die Kehrseite dieser Medaille ist jedoch die Scherschicht: Wer tief am Hang „absäuft“, gerät unweigerlich in die Zone, in der der überregionale Wind oder die Thermik auf den harten Talwind trifft. Diese Mischschicht ist oft extrem turbulent und erfordert aktives Schirmhandling.
Obwohl die Plose geographisch nördlich der klassischen Zone der „Ora“ (des berühmten Südwindes vom Gardasee/Bassano) liegt, können starke Ora-Tage diese Luftmasse bis nach Brixen drücken. Piloten erkennen dies daran, dass der Talwind ungewöhnlich stark wird (über 25 km/h) und die Luftmasse am Nachmittag diesig und feucht wirkt. Aerologisch bedeutet dies oft eine Stabilisierung der unteren Schichten („Deckel“), kann aber in der Höhe fantastische Konvergenzlinien erzeugen, die ein müheloses Soaring entlang der Grate in Richtung Peitlerkofel ermöglichen.
Die Plose reagiert extrem sensibel auf Nordföhn. Da sie südlich des Alpenhauptkamms liegt, befindet sie sich im klassischen Lee eines Nordwind-Ereignisses. Warnzeichen wie linsenförmige Wolken (Lenticularis) über dem Hauptkamm im Norden, außergewöhnliche Fernsicht und ein rapider Temperaturanstieg müssen als absolutes Startverbot interpretiert werden.
Besonders tückisch ist hierbei die Situation am Startplatz Trametsch. Durch die Topographie kann es vorkommen, dass bei Nordföhn am Startplatz eine scheinbare Windstille oder sogar ein leichter Anströmwind herrscht. Dies ist oft kein echter Aufwind, sondern der Rückstrom eines Rotors, der sich über den Gipfelgrat wälzt. 50 Meter höher trifft der Pilot dann auf die zerstörerische Kraft der Scherung. Die Plose zählt aufgrund der Talbeschleunigung zu den ersten Gebieten, die bei Föhneinbruch unfliegbar werden.
Die Plose bietet eine Trias an Startmöglichkeiten, die jeweils ein unterschiedliches Pilotenprofil und Wetterfenster bedienen. Der Zugang erfolgt primär über die Plose Kabinenbahn von St. Andrä, die von 1.067 m auf 2.050 m führt.
Der am häufigsten genutzte Startplatz „Trametsch“ liegt auf 2.055 m MSL. Er befindet sich etwa fünf Gehminuten nördlich der Bergstation Kreuztal. Es handelt sich hierbei um eine Schneise auf der Skipiste, die in den Wald geschlagen wurde. Die primäre Startrichtung ist West (W), wobei auch Starts nach Süd (S) und Nord (N) möglich sind – letztere jedoch nur bei entsprechender überregionaler Windkomponente.
Die Charakteristik dieses Startplatzes als „Waldschneise“ erzeugt oft einen Düseneffekt. Der Wind wird hier kanalisiert, was den Start bei starkem Wind anspruchsvoll machen kann. Solide Rückwärtsstart-Technik ist obligatorisch, da ein missglückter Startlauf oft im Gestrüpp oder auf dem Wanderweg endet. Eine kritische Einschränkung ist die saisonale Nutzung: Im Winter ist dieser Startplatz strengstens verboten. Das Risiko einer Kollision mit Skifahrern auf der schwarzen Trametsch-Piste ist real und wird von den Betreibern rigoros sanktioniert.
Für Piloten, die dem Trubel und der Düsenwirkung der Trametsch entfliehen wollen, bietet sich das Schönjöchl auf 2.301 m MSL an. Der Zugang erfordert einen etwa 20-minütigen Fußmarsch von der Bergstation bergauf. Dieser Startplatz ist ein sanfter, runder Grashügel oberhalb der Baumgrenze, der Starts in fast alle Richtungen erlaubt, jedoch für S/SW/W optimiert ist. Der strategische Vorteil liegt in der Höhe und der freien Anströmung. Wenn an der Trametsch noch eine zähe Inversion klebt, befindet man sich am Schönjöchl oft schon darüber oder zumindest näher am Auslösepunkt der Thermik, die aus dem Aferer Tal hochzieht. Es ist der Startplatz der Wahl für den entspannten XC-Einstieg.
Der höchste Startplatz, der Telegraf, liegt auf 2.474 m MSL direkt am Gipfelplateau. Erreichbar ist er durch einen längeren Marsch (ca. 45-60 Minuten) oder für Berechtigte mit dem Geländewagen. Die Startrichtungen sind S, SW, W und NW. Der Charakter ist hochalpin, steinig und exponiert. Hier startet man direkt in das überregionale Windsystem. An Tagen mit tiefer Basis oder starken Inversionen im Tal ist der Telegraf oft der einzige Ort, der über die stabile Schicht hinausragt. Die Nähe zur Plosehütte ermöglicht zudem eine letzte Stärkung, wobei die Öffnungszeiten variieren.
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Parameter für die Flugplanung zusammen:
Merkmal Trametsch (2055m) Schönjöchl (2300m) Telegraf (2474m) Aufwand (Gehzeit) Gering (5 Min.) Mittel (20 Min.) Hoch (45-60 Min.) Windexposition Geschützt/Kanalisiert Offen / Frei Voll exponiert Beste Nutzung Schnelle Flüge, Abendsoaring Thermiksuche, stressfrei XC-Starts, Inversion knacken Untergrund Skipiste (Gras/Erde) Almwiese Steinige Almwiese Winterzugang VERBOTEN Möglich (Ski & Fly) Schwierig (Schneelage) Schwierigkeit Mittel (Schneisen-Effekt) Einfach/Mittel Mittel (Alpine Bedingungen) Export to Sheets
Die Landung an der Plose ist oft der Moment, in dem der „Brixner Talwind“ seinen Tribut fordert. Mit über 1.000 Metern Höhendifferenz bleibt zwar viel Zeit zur Planung, doch der Talboden ist komplex und politisch sensibel.
Dies ist der offizielle und primäre Landeplatz für Gastpiloten, gelegen auf 926 m MSL unterhalb von St. Andrä. Die Topographie ist speziell: Es handelt sich um eine geneigte Wiese. Hier gilt eine unumstößliche, fast heilige Regel, die „Hügel-Regel“. Das flache Plateau am oberen Ende des Hügels gehört einem Landwirt, der Gleitschirmlandungen auf seinem Grund strikt ablehnt. Es darf ausschließlich im geneigten Hangbereich oder auf der ausgewiesenen unteren Fläche gelandet werden. Verstöße gegen diese Regel gefährden den Fortbestand des gesamten Fluggebiets und belasten das ohnehin fragile Verhältnis zu den Grundeigentümern.
Taktisch erfordert der Landeplatz bei starkem Talwind volle Konzentration. Da der Wind am Nachmittag oft hangaufwärts (von Nord nach Süd) weht, landet man effektiv bergauf. Dies erfordert ein präzises Timing beim Ausflairen. Wer zu spät bremst oder zu hoch anfliegt, schießt über die Landewiese hinaus in Richtung Straße oder Hindernisse. Ein großer Windsack ist vorhanden und sollte dringend beachtet werden.
Räumlich muss man sich auch der "Todeszone" bewusst sein: Es herrscht ein striktes Landeverbot im Umkreis von 200 Metern um die Talstation der Seilbahn. In der Vergangenheit kam es hier zu tödlichen Unfällen, verursacht durch die mechanischen Turbulenzen der Gebäude, die Seilbahnkabel und die unberechenbaren Winddrehungen in der Kessel-Lage. Der Versuch, sich den kurzen Fußweg vom Landeplatz zur Bahn durch eine "Direktlandung" am Parkplatz zu sparen, ist lebensgefährlich und verantwortungslos.
Der Landeplatz in Milland dient oft als Option für Piloten, die näher an der Stadt Brixen landen wollen oder den Gleitwinkel nach St. Andrä nicht mehr schaffen. Allerdings ist hier Vorsicht geboten: In der Nähe verlaufen Hochspannungsleitungen, die bei schlechter Sicht oder Unkonzentriertheit zur tödlichen Falle werden können. Zudem ist der Talwind hier, im engeren Teil des Tals und durch die thermische Aktivität der Stadt, oft deutlich turbulenter und böiger als oben in St. Andrä. Er wird daher eher als Not- oder Ausweichlandeplatz betrachtet.
Die Plose wird als XC-Startplatz oft unterschätzt. Während sich die Massen am Gitschberg oder Kronplatz drängen, bietet die Plose einen taktisch anspruchsvolleren, aber hochgradig lohnenden Einstieg.
Diese Route gilt als der klassische „Dolomiten-Intro“-Flug. Der Flug beginnt idealerweise am Schönjöchl oder Telegraf. Der erste und wichtigste Schritt ist das „Machen“ von Höhe am Hausbart. Der erste Triggerpunkt ist meist die „Pfannspitze“ oder der Grat direkt hinter dem Telegraf. Hier ist Geduld gefragt: Eine Basishöhe von mindestens 2.600 Metern, besser 2.800 Metern, ist notwendig, um den Sprung über das Aferer Tal sicher zu wagen.
Die Querung zum Peitlerkofel (Sass de Putia) ist der psychologische Knackpunkt. Das Tal ist tief, und die Landemöglichkeiten sind spärlich bis nicht existent (steile Wälder). Kommt man jedoch hoch genug an der Nordwest-Wand des Peitlerkofels an (idealerweise über 2.300 m), funktioniert das massive Felsmassiv wie ein gigantischer Heizkörper. Der Rückweg über den Gabler wird oft durch die Westkomponente des Windes unterstützt, erfordert aber Wachsamkeit gegenüber dem Talwind, der in die Seitentäler hineinziehen kann.
Ambitionierte Streckenpiloten nutzen die Plose als Einstieg in die „Rennstrecke“ Pustertal Richtung Österreich (Sillian). Die Strategie besteht darin, von der Plose nach Nord/Nordost Richtung Lüsen und weiter zur Rodenecker Alm zu fliegen. Die Herausforderung liegt in der Querung des Eisacktals in das Pustertal hinein. Hier muss man sich entscheiden: Fliegt man auf der „Lee“-Seite (bei Nordwindkomponente) oder kämpft man gegen den Talwind? Sobald man den Anschluss an den Gitschberg oder den Kronplatz gefunden hat, wird die Route zum klassischen Rennweg entlang der Grate.
Ein Geheimtipp für Genießer ist der späte Nachmittag im Frühsommer. Zwischen 17:00 Uhr und Sonnenuntergang bietet die Westflanke der Plose (Startplatz Trametsch) oft spektakuläres, butterweiches Soaring. Der physikalische Hintergrund ist die Restitution: Der Talwind gibt die gespeicherte Wärme des Tages ab und strömt laminar den Hang hinauf. Der Trick: Starten am Trametsch, rechts (nördlich) halten und die Waldkante soaren. Doch Vorsicht: Wenn der Vorwärtsdrang des Schirms gegen Null geht (man wird „geparkt“), darf man nicht warten. Sofort den Beschleuniger treten und Richtung Landeplatz vorhalten, bevor der Wind noch weiter zunimmt.
Südtirol ist ein komplexer Flickenteppich aus Lufträumen, und die Plose sitzt exakt an der Kante einer kritischen Zone, die schon manchen XC-Traum beendet hat.
Der kontrollierte Luftraum des Flughafens Bozen (LIPB) ist eine massive Klasse-D-Zone, die weit über das eigentliche Flugfeld hinausreicht. Besonders relevant für Plose-Flieger ist der sogenannte „Valle dell'Adige VFR Sector“. Dieser Sektor deckt das Eisacktal südlich von Brixen ab.
Rechtlich handelt es sich hierbei um eine RMZ (Radio Mandatory Zone). Das bedeutet: Wer in diesen Sektor einfliegt, muss in ständigem Zweiseiten-Funkkontakt mit „Bozen Tower“ stehen. Da die wenigsten Gleitschirmflieger über Flugfunkgeräte und die entsprechende Lizenz verfügen, ist dieser Sektor faktisch Prohibited Area (Sperrgebiet). Die geografische Grenze ist nicht durch Zäune markiert, aber sie ist scharf: Südlich von Brixen, im Zentrum des Tals, beginnt die Zone. Die praktische Regel lautet: Bleiben Sie an den Hängen und Graten! Fliegen Sie niemals mittig durch das Tal Richtung Bozen, es sei denn, Sie haben Funk und eine Freigabe. Der kommerzielle IFR-Verkehr (Instrumentenflug) nutzt genau diesen Korridor für An- und Abflüge, und Konflikte werden von der Flugsicherung in Italien streng verfolgt.
Die Plose grenzt im Osten an den Naturpark Puez-Geisler. Südtirol setzt hier Mindestflughöhen durch (typischerweise 300 m oder 1.000 ft GND, wobei die Durchsetzung variieren kann). Der Kern des Naturschutzes ist die Vermeidung von Störungen der Fauna (Gämsen, Steinadler). Außenlandungen im Parkgebiet sind generell verboten, außer in absoluten Notfällen.
Ein erfolgreicher Flugtag an der Plose steht und fällt oft mit der Logistik. Hier sind die Details, die in den offiziellen Broschüren oft fehlen.
Die Lebensader ist die Plose Seilbahn. Eine Tageskarte kostet regulär etwa 20 Euro. Doch hier kommt der entscheidende Insider-Hack: Viele Hotels und Unterkünfte in der Region bieten ihren Gästen die BrixenCard an. Mit dieser Karte ist eine Berg- und Talfahrt pro Tag kostenlos. Für den typischen Piloten, der einen langen Flug am Tag plant, ist dies ein enormer Kostenvorteil. Sollte man außenlanden oder den Anschluss verpassen, ist das Taxi- und Shuttleservice „Auto Niedermair“ (+39 340 6068528) auf Fliegertransporte eingestellt. Alternativ verbindet ein zuverlässiger Skibus/Wanderbus die Talstation mit Brixen und den umliegenden Dörfern.
Wer sich unsicher ist, sollte sich an die lokale Instanz wenden: Joe Oberrauch. Er ist nicht nur der Eigentümer der Landewiese in Mairdorf, sondern gilt als der „Pate“ des Plose-Fliegens. Für Gruppen ist es nicht nur höflich, sondern strategisch klug, ihn vorab zu kontaktieren (+39 345 7021521) für ein kurzes Briefing. Das zeigt Respekt vor dem Eigentum und sichert wertvolle Informationen über die aktuelle Weide-Situation oder temporäre Hindernisse. Ein weiterer exzellenter Indikator für die Flugbedingungen sind die Tandempiloten (z.B. Tandem-Fly, Para-Tandemteam). Sie sind die besten Wetterfrösche vor Ort. Wenn die Tandems am Boden bleiben, hat das meist einen sehr guten (und gefährlichen) Grund. Fliegen sie hingegen sehr nah an den Baumwipfeln („Kratzen“), ist die Thermik schwach oder zerrissen. Drehen sie weit raus, ist der Tag „on“.
Für die Zeit vor oder nach dem Start ist die Rossalm eine Empfehlung wert. Sie liegt eine kurze Wanderung von der Bergstation entfernt und bietet weit mehr als die übliche Spaghetti-Verpflegung – hier wird auf Gourmet-Niveau gekocht, mit einer Terrasse, die einen perfekten Blick auf die Startbedingungen bietet. Nach der Landung ist der Treffpunkt meist die Bar an der Talstation der Seilbahn. Da am Landeplatz Mairdorf selbst keine Infrastruktur existiert, findet hier das Debriefing bei einem „Lande-Bier“ statt. Hier trifft man oft auf die Tandempiloten und Locals, um Erfahrungen auszutauschen.
Die Plose ist ein Fluggebiet für den denkenden Piloten. Sie schenkt nichts, aber sie belohnt Vorbereitung und Respekt überproportional. Sie ist keine einfache „Abgleiter-Wiese“, sondern ein thermischer Maschinenraum mit komplexer Talwind-Hydraulik.
Für den Einsteiger: Beschränken Sie sich auf Vormittagsflüge (vor 12:00 Uhr) oder sehr späte Nachmittagsflüge unter Anleitung. Nutzen Sie zwingend den Landeplatz Mairdorf und studieren Sie die „Hügel-Regel“ genau. Meiden Sie Sommernachmittage, wenn der Talwind brüllt.
Für den XC-Piloten: Starten Sie am Telegraf oder Schönjöchl, um der Inversion zu entkommen. Warten Sie geduldig, bis die Basis auf über 2.600 m steigt, bevor Sie die Talquerung wagen. Nutzen Sie die Plose als Sprungbrett zum Peitlerkofel, aber respektieren Sie die unsichtbare Mauer der CTR Bozen im Süden.
Die Plose bietet eine Dichte an Erlebnissen – Aussicht, Thermikgüte und technische Herausforderung –, die berühmten Gebieten wie Bassano in nichts nachsteht, jedoch ohne deren Überfüllung. Der Preis dafür ist eine geringere Toleranz für Fehler, insbesondere beim Windmanagement und der Landeeinteilung. Fliegen Sie mit Respekt vor dem Talwind, und die Dolomiten werden Ihnen ihre Tore öffnen.