
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Monte Summano: Der Sentinel der Vicentiner Voralpen – Ein Umfassender Fluggebietsführer und Aerologisches Kompendium
Der Monte Summano, eine geologische und historische Ikone der Provinz Vicenza, erhebt sich als letzte Bastion der Vizentiner Alpen majestätisch über die norditalienische Tiefebene. Mit seiner charakteristischen Doppelspitze und der isolierten, fast inselartigen Lage fungiert er als thermischer Leuchtturm am Rande des alpinen Bogens. Während das nur wenige Kilometer östlich gelegene, weltberühmte Fluggebiet von Bassano del Grappa (Semonzo) oft unter einer hohen Pilotendichte und "Air-Traffic"-Stress leidet, bietet der Monte Summano eine fliegerische Oase der Ruhe, die jedoch ein signifikant höheres Maß an technischem Verständnis, aerologischer Planung und Respekt vor der lokalen Mikro-Meteorologie erfordert.
Dieser Bericht dient nicht nur als Fluggebietsführer, sondern als umfassende aerologische und logistische Monografie für Gleitschirm- und Drachenpiloten, die das Besondere suchen und sich nicht mit den standardisierten, oft oberflächlichen Informationen gängiger Datenbanken (wie der des DHV) zufrieden geben. Die Analyse dekonstruiert die komplexen Windsysteme zwischen Po-Ebene und Voralpen, beleuchtet die historischen Implikationen des Geländes als Schauplatz des Ersten Weltkriegs und evaluiert das immense Streckenflugpotenzial dieses oft als "Geheimtipp" gehandelten Berges.
Der Summano ist ein Berg der Kontraste und der Extreme: Einerseits bietet er im zeitigen Frühjahr sanfte, großflächige Thermik, die Piloten stundenlang über den Wolken der Ebene trägt; andererseits kann er bei Nordföhn oder starkem Talwind zur aerodynamischen Falle werden. Seine Geschichte als heiliger Berg – einst Kultstätte heidnischer Gottheiten und heute christlicher Wallfahrtsort – verleiht jedem Flug eine tiefere, fast spirituelle Dimension. Man gleitet hier buchstäblich über die Narben der Geschichte, über Schützengräben, antike Pilgerpfade und monumentale Kreuze hinweg.
Obwohl der Monte Summano (1.296 m MSL) geologisch kein Vulkan ist, erinnert seine isolierte Kegelform stark an einen solchen. Er ragt wie ein massiver Sporn in die venezianische Tiefebene hinein, getrennt vom westlich gelegenen, massiven Monte Pasubio durch den Passo Xomo und vom nördlich gelegenen Hochplateau von Asiago durch das tiefeingeschnittene Astico-Tal. Diese solitäre Position ist der entscheidende Schlüssel zu seiner fliegerischen Bedeutung und seiner thermischen Sonderstellung.
Die Basis des Berges ist breit und verjüngt sich zu zwei Hauptgipfeln, was ihm eine Pyramidenform verleiht. Diese spezifische Morphologie sorgt dafür, dass der Berg von der Sonne den ganzen Tag über mit maximaler Effizienz bestrahlt wird. Insbesondere die Süd- und Südwestflanken wirken wie riesige Parabolspiegel, die die Sonnenenergie absorbieren und in nutzbare Aufwinde umwandeln.
Für den Piloten ergeben sich aus dieser Topografie drei wesentliche aerodynamische Vorteile:
Laminare Anströmung: Da keine vorgelagerten Hindernisse den Wind aus der Ebene blockieren oder verwirbeln, trifft die Luftmasse laminar und unverfälscht auf den Bergkörper. Dies ermöglicht ein sauberes Soaring und eine präzise Einschätzung der überregionalen Windverhältnisse.
Definierte Abrisskanten: Die steilen Flanken, Felsformationen und der Gratverlauf wirken als perfekte mechanische Auslöser für Thermikbärte. Anders als an flachen Grasrücken, wo die Thermik oft "klebt", reißt sie am Summano zuverlässig ab.
Optische Orientierung: Aus der Luft ist der Summano aufgrund seiner solitären Lage ein idealer Wendepunkt und Orientierungspfeiler. Er ist aus Dutzenden Kilometern Entfernung sichtbar und dient XC-Piloten als strategische Boje beim Navigieren durch die komplexen Täler Venetiens.
Das Fliegen am Monte Summano ist untrennbar mit der Geschichte des Ersten Weltkriegs verbunden. Die "Vizentiner Voralpen" waren Schauplatz erbitterter Stellungskämpfe. Auch wenn der Summano selbst nicht im Zentrum der schwersten Artilleriegefechte stand wie der benachbarte Pasubio, so war er doch von immenser strategischer Bedeutung als Beobachtungsposten und rückwärtige Verteidigungslinie.
Aus der Vogelperspektive sind die Spuren dieser Zeit noch heute deutlich lesbar. Die Felsmassive zeigen Narben von Kavernen, Stellungsbauten und alten Militärstraßen ("Mulattieras"), die in den Fels gehauen wurden. Für den Piloten ist dieses Wissen nicht nur von kulturellem Interesse, sondern hat auch praktische Relevanz: Diese anthropogenen Eingriffe in die Landschaft – scharfe Felskanten an ehemaligen Unterständen, gerodete Flächen für Artilleriestellungen oder die Serpentinen der Militärstraßen – fungieren heute oft als zuverlässige "Triggerpoints" für Thermik. Wo einst Soldaten Schutz suchten, finden heute Gleitschirmflieger den rettenden Aufwind. Es ist eine faszinierende Dualität, die den Flug am Summano prägt: Man nutzt die Relikte eines grausamen Krieges für die friedlichste Form der Fortbewegung.
Das Verständnis der spezifischen Luftmassenbewegungen am Summano ist der Schlüssel zu langen, sicheren Flügen. Die Aerologie hier unterscheidet sich subtil, aber entscheidend von den inneralpinen Gebieten.
Ein herausragendes Merkmal, das den Monte Summano zu einem echten Geheimtipp macht, ist seine Exzellenz im Spätwinter (Februar bis April). Während die hohen Dolomiten im Norden noch tief verschneit sind und in den Tälern stabile Kaltluftseen die Thermikentwicklung unterdrücken, herrscht am Summano oft schon bestes Flugwetter.
Der thermodynamische Mechanismus: Die südliche Ausrichtung des Berges zur Po-Ebene hin ist der entscheidende Faktor. Die dunklen Ackerflächen der Ebene und die schneefreien Südflanken des Summano heizen sich bei der im Februar bereits kräftiger werdenden Sonneneinstrahlung (hoher Sonnenstand) extrem schnell auf. Da der Boden nicht durch Schmelzwasser gekühlt wird (im Gegensatz zu den Nordalpen), wird die eingestrahlte Energie direkt in fühlbare Wärme umgesetzt. Dies führt zur Ablösung kräftiger, großflächiger Thermikbärte, oft lange bevor die Saison in den Alpen überhaupt beginnt. Selbst wenn in Deutschland oder Österreich noch "Schmuddelwetter" herrscht, kann man hier oft schon in der Thermik kurbeln. Die beste Tageszeit für den Start liegt in dieser Periode zwischen 11:00 und 12:00 Uhr, wobei das thermodynamische Soaring bis zum Sonnenuntergang anhalten kann.
Um diesen saisonalen Vorteil im Vergleich zu hochalpinen Gebieten zu verdeutlichen, zeigt die folgende Analyse die thermische Qualität im Jahresverlauf:
Monat Thermische Qualität Monte Summano Thermische Qualität Hochalpen (z.B. Dolomiten) Aerologische Begründung Januar ⭐⭐ ⭐ Stabile Schichtung, aber Soaring möglich. Alpen in Inversion gefangen. Februar ⭐⭐⭐⭐ ⭐ Beginn der Saison. Schneefreie Südflanken heizen auf. Alpen noch im Winterschlaf. März ⭐⭐⭐⭐⭐ ⭐⭐ Prime Time. Starke, zuverlässige Thermik. Hohe Temperaturgradienten. Alpen oft noch stabil. April ⭐⭐⭐⭐⭐ ⭐⭐⭐ Exzellente Bedingungen, aber zunehmendes Gewitterrisiko. Alpen beginnen thermisch zu arbeiten. Mai ⭐⭐⭐⭐ ⭐⭐⭐⭐ Gute Bedingungen, aber Vegetation dämpft Kontrast. Alpen jetzt voll aktiv. Juni-Aug ⭐⭐⭐ ⭐⭐⭐⭐⭐ Oft zu stabil oder gewittrig (Überentwicklung). Alpen jetzt im Optimum. Sept-Okt ⭐⭐⭐⭐ ⭐⭐⭐ Ruhige, genussvolle Herbstthermik. "Rückkehr" der Saison zum Voralpenrand. Nov-Dez ⭐⭐ ⭐ Inversionen dominieren. Abgleiter oder Soaring bei Meteowind. Export to Sheets
Tabelle 1: Saisonale Thermik-Qualitätsmatrix. Daten basieren auf der Analyse von Flugberichten und klimatischen Gegebenheiten.
Die Daten verdeutlichen, dass der Summano antizyklisch zu den Hochalpen funktioniert. Wer im März Strecke fliegen will, muss hierher kommen.
Die Sicherheit am Monte Summano hängt maßgeblich von der korrekten Einschätzung zweier Windphänomene ab: dem Nordföhn und dem lokalen Talwindsystem.
Der Nordföhn (Die unsichtbare Gefahr): Der Monte Summano fällt nach Norden hin steil ab. Bei einer Druckdifferenz, die einen Überdruck im Norden erzeugt (Nordföhnlage), liegt der Startplatz und der gesamte Flugbereich auf der Südseite im massiven Lee. Die Rotoren, die über den Grat schwappen, können bis weit in die Ebene reichen und sind extrem turbulent.
Warnzeichen: Eine Druckdifferenz von mehr als 4 hPa zwischen Innsbruck und Bozen (oder analoge Nord-Süd-Indikatoren) ist ein absolutes "No-Go" Kriterium. Auch wenn am Startplatz vermeintlich Windstille oder leichter Südwind herrscht (durch thermisches Ansaugen), kann in der Höhe der Nordwind lauern. Ein Blick auf die Wolken (Lenticularis) und die Windwerte der umliegenden Gipfel (z.B. Cima Grappa oder Pasubio) ist obligatorisch.
Der Talwind (Die "Ora" und der Sog der Ebene): Im Sommer und späten Frühjahr etabliert sich ein mächtiges Talwindsystem. Die erhitzten Massen in den Alpen saugen Luft aus der Po-Ebene an.
Der Mechanismus: Dieser überregionale Wind verstärkt sich durch lokale Düseneffekte, insbesondere im Bereich des Astico-Tals östlich des Summano und am Landeplatz Garziere.
Gefahr am Landeplatz: Ab dem frühen Nachmittag (ca. 14:00 Uhr) kann der Wind am Landeplatz Garziere Geschwindigkeiten von 20-30 km/h erreichen. Dies führt zu anspruchsvollen Landebedingungen (Rückwärtslandung möglich) und Turbulenzen durch Hindernisse. Für Anfänger oder Wenigflieger empfiehlt es sich daher dringend, vor dem Einsetzen des starken Talwinds zu landen – idealerweise am späten Vormittag oder erst wieder am späten Abend, wenn das System "ausatmet" (Restitution).
Der Monte Summano verfügt primär über einen Hauptstartplatz, dessen Beschaffenheit und Anforderungsprofil genau verstanden werden müssen, um Fehlstarts zu vermeiden.
Der Startplatz liegt strategisch günstig in der Nähe der Malga Summano, unterhalb der Straße in einer Haarnadelkurve vor der markanten "Chiesa Ricolorata" (bunte Kirche).
Koordinaten: 45° 45' 23" N, 11° 23' 27" O.
Höhe: Ca. 1.130 m - 1.140 m MSL.
Höhendifferenz zum Landeplatz: Ca. 935 m - 950 m.
Ausrichtung: Süd (S), Süd-Ost (SO), Süd-West (SW). Dies deckt die thermischen Hauptwindrichtungen ideal ab.
Eignung: Gleitschirm (1- und 2-sitzig), Drachen (Rampe vorhanden).
Schwierigkeit: Mittel.
Detaillierte Charakteristik und Starttechnik: Im Gegensatz zu den perfekt gepflegten, teppichartigen Startplätzen im nahen Bassano ("Tappeti"), handelt es sich hier um eine echte Naturstartwiese. Das Gelände wird in Berichten explizit als "uneben und wellig" beschrieben.
Bodenbeschaffenheit: Die Wiese ist durchsetzt mit Grasbüscheln und kleinen Unebenheiten. Dies erfordert beim Auslegen des Schirms besondere Sorgfalt. Leinen können sich leicht verhaken.
Startlauf: Der Anlauf ist nicht endlos lang und geht relativ schnell in steileres Gelände über.
Starttechnik für Gleitschirme:
Bei Nullwind: Eine saubere, dynamische Vorwärtsstarttechnik ist unerlässlich. Der Pilot muss bereit sein, auch auf unebenem Untergrund Tempo aufzunehmen, ohne zu stolpern.
Bei Thermik/Wind: Der Rückwärtsstart ist hier die sicherere und bevorzugte Methode. Aufgrund der Unebenheiten muss der Pilot jedoch beim Ausdrehen besonders auf seinen Stand achten ("Twist-Gefahr").
Starttechnik für Drachen: Für Hängegleiter existiert eine Rampe. Dies ist ein signifikanter Sicherheitsvorteil, da der Pilot unabhängig von der Wiesenbeschaffenheit beschleunigen kann und einen definierten Abisspunkt hat.
Infrastruktur am Start: Windfahnen sind in der Regel vorhanden. Es gibt jedoch keine ausgebaute Infrastruktur wie Toiletten oder Cafés direkt am Startfleck. Die Nähe zur Malga und zur Kirche bietet jedoch Möglichkeiten zum Rasten und mentalen Vorbereiten.
Hier unterscheidet sich der Summano massiv von der "Komfortzone" Bassano. Es gibt keine Seilbahn und keine Aufstiegshilfen wie Lifte oder Gondeln.
Shuttle-Dienst: Ein regelmäßiger, kommerzieller Shuttle-Dienst wie der Monte Grappa Air Park Shuttle in Semonzo existiert hier nicht in derselben Frequenz und Verlässlichkeit. Der Shuttle-Verkehr ist sporadisch und oft an die Aktivitäten des lokalen Clubs gebunden.
Auffahrt: Die Straße führt von Santorso/Schio hinauf. Sie ist asphaltiert, aber typisch für italienische Bergstraßen: eng, kurvig und für tiefergelegte Fahrzeuge eventuell problematisch.
ZTL-Warnung (Zona a Traffico Limitato): In vielen italienischen Gemeinden (wie Schio oder im historischen Zentrum von Santorso) gibt es verkehrsberuhigte Zonen (ZTL), die nur mit Genehmigung befahren werden dürfen. Die Zufahrt zum Berg selbst ist meist frei, aber bei der Durchfahrt durch die Ortskerne zur Navigation ist Vorsicht geboten. Kameras überwachen die Einfahrten, und Bußgelder werden automatisch versandt. Es empfiehlt sich, die Hauptverkehrsstraßen zu nutzen und nicht blind dem Navi durch enge Gassen zu folgen.
Insider-Tipp zur Logistik: Wer hier fliegen will und nicht wandern möchte, sollte sich im Bar La Favorita in Santorso einfinden (Via Europa 58). Dies ist der inoffizielle und offizielle Treffpunkt der lokalen Piloten und Sitz des Delta Club Vicenza. Hier lassen sich am ehesten Mitfahrgelegenheiten organisieren ("Fly-Pooling") oder Informationen über aktuelle Shuttle-Optionen einholen.
Für viele Piloten ist der Summano aufgrund der fehlenden Bahn der Hike & Fly Berg der Region. Der Aufstieg zu Fuß ist hier nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein landschaftliches und sportliches Highlight, das in der Szene hoch geschätzt wird.
Der klassische und beliebteste Aufstieg erfolgt über den Sentiero dei Girolimini (Weg der Hieronymiten), der auch als Kreuzweg (Via Crucis) bekannt ist.
Startpunkt: Santorso, empfohlenes Parken bei der Pfarrkirche (Piazza Chiesa Parrocchiale) oder im Ort.
Ziel: Gipfelkreuz (1.296 m) oder Startplatz Malga Summano (1.137 m).
Höhenmeter: Ca. 900 - 1.050 hm (je nach Ziel).
Dauer: Sportliche Geher benötigen ca. 1,5 bis 2 Stunden; Genusswanderer eher 2,5 bis 3 Stunden.
Schwierigkeitsgrad: CAI (Club Alpino Italiano) Grade E (Escursionistico - Wanderer). Technisch einfach, aber konditionell fordernd aufgrund der Länge und Höhendifferenz.
Charakteristik des Weges: Der Weg ist historisch als "Mulattiera" (Militär-Maultierpfad) angelegt. Das bedeutet, er ist breit, hat einen festen Untergrund (Schotter/Erde) und eine konstante, moderate Steigung, die durch zahlreiche Serpentinen entschärft wird. Er ist ideal für das Tragen von Gleitschirmgepäck geeignet. Der Pfad ist gesäumt von den Stationen des Kreuzwegs, was dem Aufstieg eine meditative Komponente verleiht. Im unteren Teil dominieren schattige Laubwälder, die im Sommer angenehme Kühle spenden. Weiter oben öffnen sich weite Wiesenflächen ("Pra' Minore"), die erste spektakuläre Ausblicke auf die Ebene bieten.
Flora und Fauna: Der Monte Summano ist botanisch von großem Interesse. Er gilt als eine "Blumeninsel", da er während der Eiszeiten nicht vergletschert war und so endemische Arten überdauern konnten. Der Weg ist bekannt für seine Blütenpracht im Frühling (Pfingstrosen, Lilien, Orchideen). Dies macht den Aufstieg gerade im März/April – der besten Flugzeit – doppelt lohnenswert.
Für Piloten, die es eilig haben und leichte Ausrüstung (Single-Skin, Leichtgurtzeug) nutzen, gibt es steilere Pfade, die die Serpentinen der Straße und des Hauptweges abkürzen. Diese sind auf Karten oft als gestrichelte Linien verzeichnet oder durch lokale Markierungen erkennbar. Diese "Direttissimas" führen oft direkt in Falllinie zum Startplatz, erfordern aber Trittsicherheit und gutes Schuhwerk, da sie rutschig und steil sein können.
Die Landung am Summano erfordert mehr strategische Planung als in reinen Anfängergebieten mit riesigen Landewiesen. Es gibt zwei primäre Optionen, die je nach Windverhältnissen und Flugplan gewählt werden sollten.
Dieser Platz ist der Standard-Landeplatz für die meisten Flüge.
Koordinaten: 45° 43' 45" N, 11° 24' 48" O.
Höhe: Ca. 183 m - 197 m MSL.
Lage: Nordwestlich des Industriegebiets von Schio, direkt an der Straße Via Garziere (SP 350).
Charakter: Große Wiese, gut anfliegbar.
Gefahrenpotenzial:
Talwind: Wie bereits erwähnt, ist der Landeplatz stark dem Talwindsystem exponiert. Piloten müssen hier mit einer signifikanten Zunahme der Windgeschwindigkeit am Nachmittag rechnen.
Hindernisse: Besondere Vorsicht gilt den Telefon- und Stromleitungen, die oft entlang der Straßen und am Rand der Felder verlaufen. Eine vorherige Besichtigung ("Landing Check" am Boden vor der Auffahrt) wird dringend empfohlen.
Industriethermik ("Beutler"): Durch die unmittelbare Nähe zu den großen Hallendächern des Industriegebiets von Schio können sich abrupte, thermische Ablösungen direkt im Endanflug bilden. Diese "Beutler" können den Gleitpfad unvorhersehbar verändern (plötzliches Steigen oder Sinken) und erfordern eine aktive Schirmbeherrschung bis zum Boden.
Koordinaten: 45° 43' 46" N, 11° 23' 05" O.
Höhe: 203 m MSL.
Lage: Südlich des Ortskerns von Santorso, ca. 250 m südlich der Via 4 Novembre.
Eignung: Gleitschirm & Drachen.
Besonderheit: Dieser Platz liegt näher am Ort und ist oft thermisch aktiver als Garziere.
Gefahren: Vorsicht vor Leewirkungen durch Gebäude, Kirchen oder Baumreihen bei starkem Wind. Der Platz ist oft kleiner und erfordert eine präzisere Landeeinteilung (Volte).
Koordinaten: 45° 46' 24.5'' N, 11° 26' 14.7'' O.
Höhe: 280 m MSL.
Lage: Weiter östlich, oft genutzt in Verbindung mit Flügen vom Monte Paù oder Caltrano, aber erreichbar vom Summano bei Ostwinddrift.
Zugang: Über die Straße von Piovene Rocchette nach Asiago.
Wichtiger Sicherheitshinweis zur Landung: Vermeiden Sie strikt Außenlandungen in landwirtschaftlich genutzten Flächen, insbesondere in hohem Gras oder Maisfeldern. Die Bauern in der Region Veneto sind stolz auf ihre Landwirtschaft und können zu Recht empfindlich auf Flurschäden reagieren. Ein respektvolles Verhalten sichert den Fortbestand des Fluggebietes. Klären Sie im Zweifel vor dem Flug im Club oder in der Bar La Favorita, welche Wiesen aktuell gemäht sind und genutzt werden dürfen.
Der Monte Summano ist nicht nur ein lokaler Soaringberg, sondern ein exzellentes Sprungbrett für anspruchsvolle Streckenflüge. Er dient oft als westlicher Wendepunkt für Aufgaben, die in Bassano starten, kann aber auch der Ausgangspunkt für eigene, große FAI-Dreiecke sein.
Dies ist der Klassiker und die meistgeflogene Route ("The Milk Run").
Start & Höhe machen: Nach dem Start am Summano muss zunächst Basishöhe gemacht werden. Eine Höhe von mindestens 1.600 m ist empfehlenswert, um den ersten Sprung sicher zu schaffen.
Transition 1 (Zum Monte Novegno/Priaforà): Man gleitet Richtung Norden/Nordosten zum Monte Novegno oder dem markanten Felsbogen des Priaforà. Dieser Sprung ist entscheidend. Man verlässt den sicheren Kegel des Summano und fliegt über das Tal.
Die Kante (Astico-Tal): Vom Novegno fliegt man die Kante entlang über das Astico-Tal Richtung Caltrano. Vorsicht: Das Astico-Tal wirkt wie eine Düse. Hier kann der Talwind extrem stark kanalisiert werden und Turbulenzen verursachen. Es ist ratsam, hier hoch zu bleiben und nicht zu tief in das Tal hineinzufliegen.
Weiterweg: Über die Südkante der Hochebene von Asiago (Altopiano dei Sette Comuni) tastet man sich Richtung Osten zum Monte Grappa (Startplatz Panettone/Antennen) vor. Die Thermik entlang dieser Kante ist oft zuverlässig und stark.
Rückweg: Der Rückweg zum Summano ist oft einfacher, da man meist mit dem Rückenwind (die leichte Westkomponente des überregionalen Windes in der Höhe) fliegt.
Diese Route ist deutlich anspruchsvoller, einsamer und landschaftlich dramatischer.
Einstieg: Man fliegt vom Summano nach Westen über den Passo Xomo.
Pasubio-Massiv: Der Pasubio ist ein gewaltiger, zerklüfteter Berg mit einer komplexen Topografie (52 Tunnel aus dem 1. Weltkrieg). Thermik ist hier oft stark, aber auch ruppig ("zerrissen"). Die Basis liegt hier oft höher als am Summano, was für den Weiterflug genutzt werden muss.
Carega-Gruppe: Weiter westlich locken die Kleinen Dolomiten (Piccole Dolomiti) und die Carega-Gruppe. Diese Route erfordert sehr stabile Bedingungen und eine hohe Wolkenbasis, da Landemöglichkeiten im felsigen, steilen Gelände extrem rar sind. Ein "Absaufer" in den engen Tälern zwischen Pasubio und Carega kann zu sehr langen, mühsamen Fußmärschen ohne Mobilfunkempfang führen.
Wichtige GPS-Wegpunkte für die Flugplanung: Zur Programmierung der Fluginstrumente (Vario/Navi) sind folgende Koordinaten essenziell:
Wegpunkt Name Typ Koordinaten (Lat/Lon) Beschreibung T01_Summano Startplatz N45°45'23" E11°23'27" Malga Summano Startplatz. L01_Garziere Landeplatz N45°43'45" E11°24'48" Hauptlandeplatz Schio. W01_Novegno Wendepunkt N45°46'30" E11°19'00" Ca. Position Gipfelbereich Monte Novegno. W02_Grappa Wendepunkt N45°51'41" E11°48'14" Panettone Startplatz (Monte Grappa). W03_Pasubio Wendepunkt N45°47'26" E11°11'36" Cima Palon (Pasubio Gipfel). Export to Sheets
Tabelle 2: Strategische Wegpunkte für XC-Flüge vom Monte Summano.
Das Fliegen in Italien wirkt oft entspannt ("Dolce Vita"), aber der Luftraum über Venetien ist einer der komplexesten in ganz Europa. Unwissenheit schützt hier nicht vor empfindlichen Strafen oder gefährlichen Annäherungen.
Südlich des Monte Summano beginnt die Kontrollzone (CTR) des Militärflughafens Vicenza ("Dal Molin") und der Bereich des zivilen Flugplatzes Thiene (LIDH).
Regel: Der Luftraum über der Ebene ist strikt reglementiert. Halten Sie sich penibel an die aktuellen ICAO-Karten (verfügbar z.B. über XContest Airspace oder lokale Apps).
Höhenbeschränkung: Oft gibt es eine vertikale Deckelung (Airspace Ceiling), z.B. FL65 (ca. 1980m) oder FL95 (ca. 2900m), je nach Sektor und Wochentag. Diese müssen beachtet werden, um Konflikte mit dem kommerziellen Anflugverkehr nach Venedig (Tessera/Marco Polo) oder Verona zu vermeiden.
US Air Force Präsenz: Weiter östlich (Richtung Bassano) und südlich beginnt der Einflussbereich der Aviano Air Base (US Air Force). Hier sind oft temporäre Sperrgebiete ("Purple Airspace" oder "R-Zones") aktiv, die absolut tabu sind. Ein Eindringen hier kann militärische Abfangmanöver provozieren.
Fly Card: Während im benachbarten Bassano del Grappa der Erwerb einer "Fly Card" (Tages- oder Jahreskarte) obligatorisch ist, um die Start- und Landeplätze zu nutzen und die Pacht zu finanzieren, wird der Monte Summano primär vom Delta Club Vicenza betreut.
Etiquette: Es gibt am Summano aktuell keine strikte Kontrollinstanz für eine Tagesgebühr wie in Semonzo (Stand der Recherche). Es gehört jedoch zum guten Ton ("Best Practice"), als Gastpilot Kontakt zum Club aufzunehmen oder eine freiwillige Spende zu leisten, wenn man die Infrastruktur (Windfahnen, Rampen, gepflegte Wiesen) nutzt. Dies fördert die Akzeptanz und den Erhalt des Geländes.
Versicherung: Eine gültige Haftpflichtversicherung für Luftsportgeräte ist in Italien gesetzlich vorgeschrieben. Das Mitführen der "Blauen Karte" (Versicherungsnachweis) und der IPPI Card (mindestens Level 4, besser Level 5 für XC) wird dringend empfohlen.
Mit dem Auto: Von Norden kommend über die Brennerautobahn A22 bis Trento oder Verona. Dann auf die A31 ("Valdastico") Richtung Vicenza/Schio. Ausfahrt Thiene/Schio nehmen. Von dort der Beschilderung nach Schio und dann nach Santorso folgen.
Mit dem Zug: Mit der Bahn bis Vicenza, dann Umstieg in die Regionalbahn nach Schio. Der Bahnhof Schio ist gut angebunden. Von Schio ist es ein kurzes Stück (Taxi oder Bus) nach Santorso.
Camping: In der direkten Umgebung von Santorso gibt es weniger große Campingplätze als im touristischen Bassano. Viele Piloten weichen auf Agriturismo-Betriebe ("Urlaub auf dem Bauernhof") aus, die oft Stellplätze für Camper anbieten.
Hotels/B&B: In Schio und Santorso gibt es diverse kleine Pensionen und Bed & Breakfasts.
Empfehlung: Suchen Sie Unterkünfte in Santorso, um in Gehdistanz zur Bar La Favorita zu sein. Dies erleichtert die Vernetzung mit den Locals ungemein.
Bar La Favorita (Santorso): Das unbestrittene Herz der Szene. Hier gibt es nicht nur das obligatorische "Landebier" (Birra post-volo), sondern auch die wertvollsten Meteo-Tipps der Locals ("Geht es heute am Summano oder fahren wir nach Bassano?").
Regionale Küche: Die Region Vicenza ist berühmt für Baccalà alla Vicentina (Stockfisch in Milch gekocht) und Polenta. Probieren Sie lokale Trattorien in den Hügeln von Tretto für authentische Küche abseits der Touristenpfade.
Der Monte Summano ist kein reines Anfängergebiet für die allerersten Alleinflüge ohne Fluglehrer. Der unebene Startplatz, die fehlende einfache Infrastruktur (Lift) und die potenzielle Talwindstärke am Landeplatz stellen Hürden dar, die Erfahrung erfordern.
Er ist jedoch das perfekte Gebiet für:
Selbstständige Piloten (B-Schein Niveau), die dem Trubel und dem "Lemming-Verhalten" von Bassano entfliehen wollen und in der Lage sind, Start- und Landeentscheidungen autonom zu treffen.
Hike & Fly Enthusiasten, die 1000 Höhenmeter Aufstieg nicht als Last, sondern als Teil des Erlebnis sehen und sich mit einem traumhaften Thermikflug belohnen wollen.
XC-Jäger im Frühjahr, die die frühe Saison ("Spätwinter-Anomalie") nutzen wollen, wenn die Nordalpen noch schlafen.
Geschichtsinteressierte, die Fliegen mit einer kulturellen Zeitreise verbinden möchten.
Zusammenfassung der Bewertung:
Kriterium Bewertung Bemerkung Thermische Qualität ⭐⭐⭐⭐⭐ Weltklasse im Frühjahr (Feb-Apr). "Spätwinter-Wunder". Infrastruktur ⭐⭐ Kein Lift, selten Shuttle. Hike & Fly dominiert. Landschaft ⭐⭐⭐⭐⭐ Spektakulärer Blick auf Po-Ebene, Lagune von Venedig und Dolomiten. Anfängerfreundlichkeit ⭐⭐ Startplatz uneben, Landeplatz thermisch/windig. Nichts für Schüler ohne Lehrer. Crowd-Faktor ⭐⭐⭐⭐⭐ (Positiv) Sehr wenig los im Vergleich zu Bassano. Kein "Anstehen" am Start. Export to Sheets
Der Monte Summano ist ein Juwel für diejenigen, die bereit sind, sich ihren Flug zu erarbeiten – sei es durch den körperlichen Aufstieg zu Fuß oder durch die soziale Organisation der Auffahrt. Die Belohnung ist ein Flugerlebnis von seltener Intensität, Schönheit und Ruhe.
Anhang: Wichtige Kontakte & Links
Delta Club Vicenza: Informationen zu Clubtreffen und Shuttle-Koordination (Website oft offline, besser via Facebook oder vor Ort in der Bar La Favorita erfragen).
Wetter: Nutzen Sie lokale Stationen und Webcams (z.B. Schio Webcam ), um die Nebelsituation in der Ebene zu prüfen (Inversionsnebel ist im Winter häufig).
Notruf: 112 (Allgemeiner Notruf), CNSAS (Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico - Italienische Alpenrettung).
Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Die Informationen in diesem Guide basieren auf dem Recherchestand von 2026. Aerologische Bedingungen, rechtliche Rahmenbedingungen und lokale Regeln können sich ändern. Eine Vor-Ort-Einweisung durch lokale Piloten ist unerlässlich und ersetzt keinen Guide.