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Bassano del Grappa

Startplätze:5
Landungen:2
Koord.:45.8194°N, 11.7634°E
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Geländekarte

3D terrain map preview

Start- & Landeplätze

5 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze

Bassano Startplatz 1 (Stella Alpina da Camillo)

Start
Höhe712m ü. M.
Koord.45.8194, 11.7634
WindSO-S
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Bassano Startplatz 2 (Bepi)

Start
Höhe837m ü. M.
Koord.45.8234, 11.7688
WindSO-S
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Bassano Startplatz 3 (Pedana Delta)

Start
Höhe858m ü. M.
Koord.45.8244, 11.7712
WindSO
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Bassano Startplatz 4 (Casette)

Start
Höhe980m ü. M.
Koord.45.8283, 11.7680
WindW
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Bassano Startplatz 5 (Panettone)

Start
Höhe1558m ü. M.
Koord.45.8614, 11.8039
WindSO-SW
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Bassano Landeplatz 1

Landung
Höhe184m ü. M.
Koord.45.8081, 11.7701
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Bassano Landeplatz 2

Landung
Höhe160m ü. M.
Koord.45.8067, 11.7853
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Das Flugmekka der Südalpen: Ein definitives Kompendium für den Gleitschirmflug am Monte Grappa (Bassano del Grappa)

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Einführung: Die geophysikalische Anomalie Monte Grappa

Bassano del Grappa nimmt in der Welt des europäischen Gleitschirmfliegens eine Sonderstellung ein, die weit über den Status eines gewöhnlichen Fluggebietes hinausgeht. Es handelt sich hierbei nicht lediglich um einen Startplatz mit Landewiese, sondern um eine geophysikalische und mikrometeorologische Singularität, die den Flugsport in den Südalpen definiert wie kein anderer Ort. Gelegen am abrupten Übergang zwischen der weiten, thermisch aktiven venezianischen Ebene und den schroff aufsteigenden Voralpen, fungiert das Massiv des Monte Grappa als eine gigantische, natürliche Barriere, die Luftmassen kanalisiert, staut und in vertikale Bewegung umsetzt.

Anders als tief in den Alpen gelegene Täler, die oft unter komplexen, schwer einschätzbaren Talwindsystemen oder frühzeitigen Abschattungen leiden, steht der Grappa als isolierter Monolith frei im Wind. Diese exponierte Lage erlaubt es der Sonne, die Südflanken von den frühen Morgenstunden bis zum späten Abend fast senkrecht zu bestrahlen. Diese geometrische Konstellation ist der Schlüssel zur legendären Zuverlässigkeit des Gebietes: Sie generiert selbst im tiefsten Winter fliegbare Thermik, wenn der Rest des Kontinents unter einer stabilen Kaltluftdecke liegt. Während in Nordeuropa die Schirme monatelang in den Packsäcken verstauben, herrscht in Semonzo und Borso del Grappa Hochbetrieb, getrieben von einer fast ganzjährigen Saison.  

Dieses Kompendium dient als tiefgreifende Analyse für Piloten, die den Anspruch haben, das Gebiet nicht nur zu befliegen, sondern in seiner meteorologischen und topographischen Komplexität zu meistern. Es transzendiert die Basisinformationen gängiger Geländedatenbanken und beleuchtet die mikrometeorologischen Feinheiten, die taktischen Entscheidungen bei weiten Streckenflügen und die logistischen Geheimnisse, die normalerweise nur als flüchtiges Wissen unter lokalen Piloten am Landeplatz Garden Relais weitergegeben werden.

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Die Zielgruppe und der analytische Anspruch

Dieses Dokument richtet sich explizit an den ambitionierten Piloten. Das Spektrum reicht vom fortgeschrittenen A-Schein-Inhaber, der unter Anleitung seine ersten Thermikerfahrungen in der verzeihenden Winterluft sammeln möchte, bis zum versierten Cross-Country-Piloten (XC), der das klassische, aber taktisch anspruchsvolle 100-Kilometer-FAI-Dreieck plant. Wir verzichten bewusst auf touristische Oberflächlichkeiten und konzentrieren uns auf flugrelevante Fakten: Aerologie, Luftraumstrukturen, Lee-Fallen und thermische Trigger-Punkte. Jeder Abschnitt dieses Berichts ist darauf ausgelegt, das situative Bewusstsein des Piloten zu schärfen und die Sicherheit in einem der meistfrequentierten Fluggebiete der Welt zu maximieren.

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Meteorologie und Aerologie: Das unsichtbare Gelände lesen

Um Bassano sicher und erfolgreich zu befliegen, ist ein Verständnis der Interaktion zwischen den großräumigen Wetterlagen und den lokalen Windsystemen unabdingbar. Das Massiv wirkt wie ein eigener Wettermodifikator, der überregionale Strömungen verstärken, abschwächen oder komplett umlenken kann.

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Das Windsystem und die "Pumpe" Grappa

Der Monte Grappa profitiert von seiner direkten Frontlage zur Po-Ebene, die als riesiges Wärmereservoir dient. Der dominierende Motor des Fluggebietes ist der anabatische Hangaufwind. Sobald die Sonne die Südflanken erwärmt, setzt ein zuverlässiger Aufwind ein. Dieser beginnt im Sommer oft schon signifikant vor Mittag, teilweise bereits um 10:00 Uhr, und kann bis zum Sonnenuntergang anhalten. Diese Zuverlässigkeit ist jedoch kein Zufall, sondern das Ergebnis der thermischen Kapazität des Gesteins und der Vegetationsarmut in den oberen Lagen, die eine schnelle Aufheizung begünstigt.  

Ein kritischer, oft unterschätzter Faktor ist der Einfluss der großen Täler, die das Massiv flankieren. Im Osten schneidet das Piave-Tal tief in die Alpen ein, im Westen das Brenta-Tal. Diese Täler fungieren als gewaltige Düsen. Bei starker thermischer Aktivität in den Zentralalpen saugen diese Täler Luftmassen aus der Ebene an ("Vento di Valle"). Die Implikation für den Piloten ist gravierend: An den Eckpfeilern des Massivs – nahe dem Piave im Osten und der Brenta im Westen – können die Windgeschwindigkeiten am Nachmittag signifikant zunehmen. Dies erschwert das Vorankommen gegen den Wind, beispielsweise beim Rückflug von einem Ausflug nach Osten, massiv. Ein Pilot, der diese Talwindsysteme ignoriert, riskiert, "ausgeparkt" zu werden oder in turbulenten Scherzonen zu landen, wo der überregionale Wind auf den lokalen Hangwind trifft.

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Saisonale Besonderheiten und das Inversions-Phänomen

Die Flugbedingungen variieren drastisch je nach Jahreszeit. Ein "One-Size-Fits-All"-Ansatz ist hier nicht nur ineffizient, sondern gefährlich.

Die Wintersaison (Dezember bis Februar) ist geprägt von stabilen Hochdrucklagen. Oft bildet sich im Tal eine zähe Kaltluftseen-Inversion. Während es am Landeplatz Garden Relais grau, feucht und kalt ist, können die Startplätze oberhalb von 700 Metern (insbesondere der Panettone auf 1550m) in strahlendem Sonnenschein und kristallklarer Luft liegen. Diese Bedingungen erlauben traumhafte Abgleiter oder sanftes Soaring, bergen aber das Risiko, dass der Landeplatz im Nebel verschwindet.

Der Frühling (März bis Mai) wird oft als die "Champions League" von Bassano bezeichnet. Wenn labile, kalte Luftmassen in der Höhe auf die bereits starke Frühjahrssonne treffen, entstehen mächtige Aufwindsysteme. Basishöhen von über 2000 Metern sind keine Seltenheit. Dies ist die Zeit für Rekordflüge, aber auch für extreme Turbulenzen. Die Thermik ist eng, stark und fordernd. Überentwicklungen können extrem schnell entstehen, und die Gewitterneigung steigt zum späten Nachmittag hin rapide an.

Im Sommer (Juni bis August) dominieren stabilere Hochdrucklagen, die jedoch oft von einer starken Dunstschicht, dem lokalen "Supa", begleitet werden. Diese Inversionsschicht in der Ebene kann die Sicht einschränken, markiert aber oft die Grenze zu guter Thermik. Durchbricht man den Dunst, sind die Bedingungen oft hervorragend, wenn auch ruppig. Hitzegewitter sind eine ständige Bedrohung, und die Talwinde erreichen ihre maximale Intensität.

Der Herbst (September bis November) läutet die "Genussflieger-Saison" ein. Die Luftmasse beruhigt sich, die Temperaturgradienten werden sanfter. Die Thermik wird großflächiger und weniger aggressiv ("Sofa-Thermik"), was auch weniger erfahrenen Piloten längere Flüge ermöglicht. Das Zeitfenster für Thermik schließt sich jedoch früher als im Sommer.

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Die heimtückische Nordföhn-Falle

Ein meteorologisches Phänomen erfordert besondere Aufmerksamkeit: Der Nordföhn. Obwohl Bassano geographisch im "Lee" der Alpenhauptkammkette liegt und somit theoretisch vor direktem Nordwind geschützt sein sollte, ist dies ein gefährlicher Irrglaube, der schon zu zahlreichen Unfällen geführt hat.

Der Mechanismus ist subtil: Bei leichtem Nordüberdruck kann Bassano tatsächlich geschützt sein ("Dead Air" oder leichte Leethermik), was fliegbare Bedingungen vortäuscht. Wenn der Nordföhn jedoch durchbricht, geschieht dies oft brachial und ohne lange Vorwarnzeit am Startplatz selbst. Er schwappt über den Hauptkamm und fällt als katabatischer Fallwind in die Ebene. Warnzeichen, die jeder Pilot kennen muss, sind linsenförmige Wolken (Altocumulus lenticularis) über den Dolomiten im Norden oder eine unerklärlich glasklare Sicht bei gleichzeitig steigendem Luftdruck. Die tödliche Falle besteht darin, dass die lokalen Windsäcke am Startplatz durch thermisches Ansaugen noch perfekten Südwind anzeigen können, während nur 200 bis 500 Meter höher eine laminare, extrem turbulente Nordströmung herrscht, die den Gleitschirm sofort deformiert. Die Regel lautet daher: Bei vorhergesagtem Nordföhn in den Hauptalpen ist absolute Defensivität geboten.

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Infrastruktur & Logistik: Der "Bassano-Workflow"

Die Logistik in Bassano ist weltweit einzigartig in ihrer Dichte und Organisation, kann aber für Neulinge zunächst verwirrend wirken. Das Ökosystem aus FlyCards, Shuttles und Unterkünften greift nahtlos ineinander.

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Die FlyCard – Das Ticket zum Himmel

Der Flugbetrieb am Monte Grappa wird zentral vom "Consorzio Turistico Vivere il Grappa" verwaltet. Da es sich um gepachtetes Privatgelände handelt, ist die Nutzung kostenpflichtig. Jeder Pilot ist verpflichtet, eine FlyCard zu besitzen. Die Kontrollen am Startplatz und teilweise am Landeplatz sind frequent und streng. Die Karte kann bequem online registriert und gekauft werden, alternativ ist der Erwerb vor Ort am Informationsbüro am Garden Relais möglich. Die Einnahmen sind zweckgebunden und fließen direkt in die Pacht der Startplätze, die regelmäßigen Mäharbeiten und den Erhalt der Infrastruktur wie Windsäcke und Webcams. Wer ohne gültige Card angetroffen wird, muss mit einem sofortigen Verweis vom Gelände rechnen.

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Das Shuttle-System: Lebensader des Berges

Die Auffahrt mit dem eigenen PKW ist nicht nur verpönt, sondern logistisch unklug. Die Parkplätze an den Startplätzen sind extrem limitiert, die Bergstraßen eng und kurvig. Das Shuttle-System ist die Lebensader des Flugbetriebs.

Der zentrale Hub für alle Bewegungen ist der Parkplatz am Hotel Garden Relais. Hier sammeln sich die Piloten, hier starten die Busse. Es operieren mehrere private Shuttle-Unternehmer, die quasi im Pendelverkehr den Berg bedienen. Zu den bekanntesten Fahrern gehören Regis, Enrico und Fausto. Ein entscheidender Insider-Tipp für die Hochsaison (Ostern, lange Wochenenden, Brückentage): Verlassen Sie sich nicht darauf, spontan einen Platz zu bekommen. Es ist dringend empfohlen, die Fahrt am Vortag oder sehr früh am Morgen via WhatsApp oder Anruf zu reservieren. Die Nummern der Fahrer finden sich an den Aushängen am Landeplatz, ändern sich jedoch saisonal, weshalb der aktuelle Blick auf das "Schwarze Brett" oder in die lokalen WhatsApp-Gruppen essentiell ist. Kulturell ist es üblich und beschleunigt den Ablauf enorm, wenn man das Fahrgeld passend bereithält.

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Unterkunft und Verpflegung: Das Pilotendorf

Semonzo und Borso del Grappa haben sich vollständig auf den Flugsport eingestellt. Die Dichte an pilotenfreundlichen Unterkünften ist bemerkenswert.

Das Garden Relais fungiert als das Gravitationszentrum. Als Hotel mit Wellnessbereich liegt es direkt am Hauptlandeplatz und bietet maximalen Komfort, liegt preislich aber im oberen Segment. Eine Institution unter Piloten ist Tillys B&B, direkt am Landeplatz gelegen und für seine familiäre Atmosphäre bekannt. Für Piloten, die eine modernere, designorientierte Unterkunft suchen, hat sich "Flying Away" etabliert, das für seine Nähe zu den Landeplätzen und die pilotenfreundliche Ausstattung gelobt wird. Auch das B&B Kiki wird in Foren als uneingeschränkt empfehlenswert und sehr gastfreundlich beschrieben.  

Kulinarisch ist die Antica Abbazia ein Fixpunkt. Die ehemalige Abtei wurde zu einem gehobenen Restaurant und Hotel umgebaut. Unter den Piloten tobt seit Jahren eine freundschaftliche, aber leidenschaftliche Debatte darüber, wo es die beste Pizza gibt – in der Abbazia oder im Garden Relais. Gerüchten zufolge soll ein Wechsel des Pizzabäckers zum Garden Relais die Karten neu gemischt haben. Für Insider gibt es Alternativen abseits des Mainstreams: Das Alla Croce an der Hauptstraße ist bekannt für riesige "Wagenrad"-Pizzen zu sehr fairen Preisen. Wer authentische italienische Küche "wie im letzten Jahrhundert" sucht, sollte das Al Mulinetto aufsuchen, das etwas versteckter liegt.

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Die Startplätze: Taktische Auswahl und Charakteristika

Die Wahl des richtigen Startplatzes in Bassano ist oft die erste und wichtigste taktische Entscheidung des Tages. Sie hängt ab von der Windrichtung, der Tageszeit, dem Pilotenandrang und dem geplanten Flugziel. Jeder Startplatz hat seinen eigenen Charakter und seine eigenen Tücken.

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Stella (702m) – Der taktische Favorit

Koordinaten: 45.81948, 11.76342 Obwohl er niedriger liegt als der Hauptstartplatz, ist Stella oft die überlegene Wahl für taktisch versierte Piloten. Es handelt sich um eine breite Naturwiese mit Südausrichtung. Der entscheidende Vorteil von Stella liegt in seiner Thermikgüte. Erstaunlicherweise fängt dieser Platz oft früher an zu "ziehen" als die höher gelegenen Plätze, da er thermisch günstiger angeströmt wird und weniger dem direkten, oft störenden Talwind ausgesetzt ist. Zudem entgeht man hier dem "Zirkus" und dem extremen Gedränge des Hauptstartplatzes Tappeti. Für Streckenflieger, die das 100km-Dreieck planen, ist Stella oft der ideale Ausgangspunkt. Ein Shuttle ist hier Pflicht, da es keine Parkmöglichkeiten direkt am Start gibt.

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Tappeti / Bepi (830m) – Der Hauptbahnhof

Koordinaten: 45.8235, 11.76875 Dieser Platz ist das Herzstück des Massentourismus am Grappa. Der Name "Tappeti" rührt von den Kunstrasen-Teppichen her, mit denen der Startplatz ausgelegt ist, um die Erosion durch Tausende von Starts zu verhindern. Die Ausrichtung ist Süd bis Süd-Ost. Hier ist höchste Konzentration gefordert. Drachen und Gleitschirme starten oft parallel oder in sehr enger Taktung. Die Kollisionsgefahr am Boden und direkt nach dem Abheben ist real. Ein spezifisches meteorologisches Problem ist die "Ostwind-Falle": Bei einer deutlichen Ostkomponente liegt Tappeti im leichten Lee einer vorgelagerten Rippe. Dies kann zu turbulenten Startbedingungen führen, die am Windsack nicht immer sofort ersichtlich sind. Aufgrund der Steilheit und des harten Untergrunds ist ein Startabbruch hier deutlich unangenehmer und riskanter als auf den Grasstartplätzen.

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Casette (1000m) – Die West-Option

Koordinaten: 45.82814, 11.7683 Casette ist die strategische Antwort auf den Nachmittagswind. Wenn die Sonne im Westen steht und der Wind, wie für Bassano typisch, im Laufe des Tages auf West bis Süd-West dreht, ist Casette der "Place to be". Es ist ein reiner Wiesenstartplatz, der auch das Top-Landen für geübte Piloten ermöglicht. Warnung: Ein Start bei Ostwind ist hier absolut lebensgefährlich, da man direkt in das Lee des Bergrückens startet. Die Rotoren können hier extrem stark sein.

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Panettone / Cima Grappa (1550m) – Der Hochalpine

Koordinaten: 45.86126, 11.8043 Der Panettone liegt fast ganz oben am Gipfel und bietet Startmöglichkeiten in fast alle Richtungen (360°), mit Hauptschneisen nach Süd, Ost und West. Seine Stunde schlägt im Winter. Wenn unten im Tal eine Inversion liegt und Semonzo im Nebelmeer versinkt, steht man hier oben oft in der strahlenden Sonne über der Suppe. Im Sommer dient er als exzellenter Einstieg für weite Streckenflüge, da man bereits mit einer komfortablen Arbeitshöhe startet. Piloten müssen jedoch beachten, dass der Wind hier oben, bedingt durch die freie Anströmung, oft deutlich stärker ist als an den unteren Startplätzen. Ein genauer Blick auf die Wolkenzuggeschwindigkeit (nicht nur auf den Windsack!) ist vor der Auffahrt essentiell.

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Antenne / Costalunga (750m) – Das Ost-Sprungbrett

Koordinaten: 45.81195, 11.74501 Dieser Startplatz mit Ostausrichtung ist eher ein Nischenprodukt. Er wird primär genutzt, wenn am frühen Morgen noch ein leichter überregionaler Ostwind vorherrscht. Strategisch kann er auch als Punkt für die Querung des Brentatals dienen. Die Gefahr lauert hier am Nachmittag: Sobald die Thermik durchmischt und der Talwind aus dem Brentatal einsetzt oder der Wind auf West dreht, wird dieser Startplatz schnell turbulent und liegt im Lee.

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Landeplätze: Anflugverfahren und die fatale Lee-Falle

Die Landung in Bassano wirkt auf den ersten Blick trivial – riesige Wiesen, gute Infrastruktur. Doch der Schein trügt, insbesondere bei speziellen Windkonstellationen, die schon viele Piloten überrascht haben.

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Garden Relais (130m) – Das soziale Zentrum und seine Tücken

Koordinaten: 45.80653, 11.78532 Dies ist der Hauptlandeplatz: Eine gigantische Wiese direkt vor dem Hotel Garden Relais. Hier pulsiert das Leben: Shuttle-Abfahrt, FlyCard-Büro, Bar, Packbereich. Doch Vorsicht: Die Westwind-Falle ist die wichtigste Sicherheitsinformation für diesen Landeplatz. Bei starkem Westwind liegt der gesamte Landebereich im aerodynamischen Schatten (Lee) des Hotels und der westlich vorgelagerten Hügelkette. Die Symptome sind tückisch: Im Endanflug kann es zu plötzlichem, massivem Durchsacken kommen, begleitet von Rotoren in Bodennähe. Die Gegenmaßnahme ist strikt: Bei erkennbarem Westwind (Windsack genau beobachten!) muss der Anflug weit in die Mitte des Tales verlagert werden, weg vom Hotelgebäude. Alternativ sollte sofort auf den Landeplatz Paradiso ausgewichen werden.  

Ein weiteres lokales "Gesetz" betrifft Baumlandungen. Sollten Sie in einem der umliegenden Bäume landen, benutzen Sie zwingend eine grüne Rauchpatrone (erhältlich im Shop am Landeplatz), sofern Sie unverletzt sind. Dies signalisiert den Beobachtern am Boden: "Alles OK, brauche keine Hilfe". Unterlassen Sie dies, wird oft automatisch eine Helikopterrettung initiiert. Da es sich dann um einen Fehleinsatz ohne medizinische Indikation handelt, wird Ihnen dieser Einsatz mit mindestens 500 € in Rechnung gestellt.

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Paradiso (190m) – Die offizielle Alternative

Koordinaten: 45.80818, 11.7699 Etwas weiter östlich in Semonzo gelegen, bietet der Paradiso-Landeplatz eine taktische Alternative. Sein großer Vorteil ist, dass er oft laminarer angeströmt wird als das Garden Relais, besonders bei leichten Westlagen, da die Hindernisse im Luv fehlen. Hier gilt jedoch ein striktes Landeverbot in den umliegenden privaten Feldern und Weinbergen. Die lokalen Landwirte dulden keine Außenlandungen in ihren Kulturen.

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XC-Guide: Das Monte Grappa Dreieck (100km / 120km)

Das Fliegen eines geschlossenen FAI-Dreiecks am Grappa ist der Ritterschlag für jeden Gebirgspiloten. Es erfordert nicht nur fliegerisches Können, sondern exzellentes Timing und genaue Kenntnis der Trigger-Punkte. Die klassische Route führt erst nach Osten, dann weit nach Westen und zurück. Hier ist die detaillierte "Turn-by-Turn" Anleitung basierend auf lokalen Expertenanalysen.  

Phase 1: Der Start und der Weg nach Osten (0 - 25 km)

Der ideale Start erfolgt ab Stella gegen 11:00 bis 12:00 Uhr. Taktisch klug ist es, sich nach dem Start links zu halten (Richtung Osten) und nicht Zeit im "Hausbart" vor dem Startplatz zu verschwenden. Fliegen Sie direkt zum Sfulrau Grat. Die dortige Waldgrenze ist ein extrem zuverlässiger Thermiklieferant, der Sie auf Arbeitshöhe bringt. Das erste Ziel ist das Piave-Tal im Osten. Fliegen Sie entlang der Kante, nutzen Sie die Rippen. Ihr Wendepunkt liegt meist an einer kleinen Antenne oder einem markanten Gipfel kurz vor dem tiefen Einschnitt des Piave-Tals. Wichtig: Achten Sie penibel darauf, nicht in die Aviano CTR einzufliegen (siehe Luftraum-Kapitel). Nutzen Sie für den Rückweg zum Startplatz den oft vorherrschenden leichten Rückenwind (Ostkomponente), um Strecke zu machen. Bleiben Sie dabei so hoch wie möglich.  

Phase 2: Die Schlüsselstelle – Querung des Brentatals

Dies ist der kritische Moment des Fluges, an dem viele Ambitionen scheitern. Um das breite Brentatal sicher zu queren, benötigen Sie an der Antenne Costalunga (der westlichste Punkt des Grappa-Massivs) eine absolute Mindesthöhe von 1.000m MSL. Deutlich sicherer und komfortabler ist eine Höhe von 1.200m bis 1.400m MSL. Die ideale Linie führt nicht direkt über das Tal, sondern leicht versetzt Richtung Rubio, der Hochebene auf der anderen Seite. Drüben angekommen, ist der Friedhof von Lusiana ein legendärer, fast magischer Trigger-Punkt. Die dunklen Grabsteine und Mauern heizen sich auf und lösen zuverlässig thermische Ablösungen aus, die Ihnen den rettenden Bart liefern.  

Phase 3: Der Wilde Westen (50 - 90 km)

Nun fliegen Sie entlang der Hochebene von Asiago Richtung Westen. Die nächste große Hürde ist der Monte Summano. Um ihn zu queren, ist eine Höhe von ca. 1.500m bis 1.700m MSL ratsam. Hier fällt die Entscheidung über die Distanz:

Für das 100km FAI-Dreieck wenden Sie am Monte Calvano.

Für das 120km FAI-Dreieck fliegen Sie weiter bis zu den vertikalen Klippen im Westen. Hier existiert oft eine Art "Katapult-Thermik", die Piloten direkt an die Basis schießt und den Wendepunkt markiert. Ihr Zeitmanagement ist hier entscheidend: Der westlichste Wendepunkt sollte im Frühjahr oder Herbst spätestens um 14:30 Uhr erreicht sein. Wer später wendet, kämpft auf dem Rückweg oft aussichtslos gegen den einsetzenden, starken Westwind und sinkende Sonnenstände an.  

Phase 4: Der Rückweg und die "Lee-Falle"

Der Rückweg ist psychologisch und physisch fordernd. Die größte Gefahr lauert am Monte Summano. Fliegen Sie auf dem Rückweg niemals auf der direkten Linie im Lee des Monte Summano durch das Tal. Dort warten brutales Sinken und gefährliche Rotoren. Die Lösung der Profis: Fliegen Sie eine bewusste Kurve nach außen (Richtung Ebene/Süden), um die Lee-Seite zu umgehen. Über den Industriegebieten im Tal finden Sie oft neue, sanfte Abendthermik, die Sie wieder auf Höhe bringt. Das Finale besteht aus einem entspannten Gleitflug zurück über das Brentatal. Wenn Sie noch Höhe haben, können Sie südlich von Bassano in die Flachland-Thermik ("Flatlands") hinausfliegen, um das Dreieck zu schließen und Punkte zu maximieren.

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Luftraumstruktur: Die unsichtbaren Wände

Bassano liegt eingekeilt zwischen militärischen und zivilen Lufträumen. Unwissenheit schützt hier nicht vor Strafe (und die ist in Italien drastisch und wird rigoros verfolgt).

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Aviano CTR (Osten)

Im Osten lauert die vielleicht strikteste Barriere: Die Aviano CTR, eine Kontrollzone der US Airbase. Es handelt sich um Luftraum der Klasse D. Er beginnt östlich von Pederobba am Piave-Tal und reicht vom Boden (GND) bis FL195. Die Regel ist einfach: Absolutes Tabu. Auch am Wochenende ist dieser Luftraum oft aktiv ("Hot"). Zwar kursieren immer wieder Gerüchte über Wochenend-Freigaben oder Toleranz, doch ohne offizielle Bestätigung per Funk oder NOTAM ist das Einfliegen grob fahrlässig. Ein einziger Verstoß kann nicht nur Ihren Flug beenden, sondern gefährdet durch die Reaktion der Behörden das gesamte Fluggebiet.

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Thiene / Asiago (Westen)

Westlich des Astico-Tals liegt der Flugplatz Thiene mit seiner eigenen ATZ/CTR. Beim weiten West-Flug (120km-Dreieck) kommt man diesem Bereich nahe. Achten Sie hier verstärkt auf Segelflugzeuge und Kleinflugzeuge, die in diesem Sektor operieren.

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Padova TMA (Oben & Süden)

Über dem gesamten Gebiet und südlich in der Ebene liegt die Padova TMA. Ihre Untergrenze beginnt im Süden (ab der Ortschaft Rosa) oft schon bei FL85 (ca. 2.600m - 2.800m). Dies ist besonders im Frühling relevant. Wer an starken Tagen an der Basis "kratzt", die dann oft auf 2.500m+ steigt, muss höllisch aufpassen, nicht in den kontrollierten Luftraum der Verkehrsfliegerei (Anflug Venedig/Treviso) hineinzusteigen. Ein Blick auf das Höhenmesser-Setting (QNH vs. Standard) ist hier lebenswichtig.

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Insider-Tipps und Geheimnisse

Hier sind die Informationen, die nicht auf den offiziellen Tafeln stehen, aber den Unterschied zwischen einem guten und einem perfekten Tag ausmachen:

Der "Supa" Indikator: Im Sommer bildet sich oft eine Inversionsschicht in der Ebene, die als dunstige Suppe ("Supa") sichtbar ist. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Solange Sie über dieser Schicht sind, ist die Thermik oft hervorragend. Tauchen Sie jedoch in den Dunst ein, ist der Flug meist vorbei, da die thermische Aktivität dort drastisch abnimmt.

Hike & Fly Geheimweg: Viele Piloten nutzen die Straße. Der schönere Weg für Hike & Fly startet ca. 100 Meter hinter der Kirche in Semonzo (rechts abbiegen). Dieser Pfad liegt morgens in der Sonne, trocknet schnell ab und führt effizient zum Startplatz. Ein beliebter Trick der Locals: Mit dem Auto hochfahren, runterfliegen und dann ohne schweres Gepäck wieder hochlaufen, um das Auto zu holen – das schont Knie und Rücken und trainiert die Kondition.  

Die "Bohrinsel": Wenn am Nachmittag die Thermik schwächelt und alle verzweifelt am Hang kratzen, suchen Sie den Steinbruch westlich von Garden Relais. Die offenen Felsflächen speichern die Hitze extrem lange und fungieren oft als der letzte zuverlässige Trigger des Tages.

Alternativprogramm bei Regen: Bassano ist der Hauptsitz der Weltmarken Manfrotto (Stative) und Montegrappa (Luxus-Schreibgeräte). Ein Besuch in deren Outlets lohnt sich an unfliagbaren Tagen und ist ein echter Insider-Tipp für Schnäppchenjäger.  

Aktivitäten für Nichtflieger: Die Region bietet weit mehr als nur Fliegen. Das Klettern im Val Santa Felicita ist exzellent, und die historischen Wanderwege aus dem Ersten Weltkrieg (Sentiero degli Alpini) bieten spektakuläre Aussichten und Geschichtsunterricht zugleich.

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Sicherheit und Notfallmanagement

Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt: Bassano ist sicher, aber nicht harmlos. Ein tödlicher Unfall im Jahr 2014 verdeutlichte die Gefahr von massiven Klappern in Bodennähe und die Tendenz von Piloten, in der Frühjahrsthermik zu euphorisch zu werden und Warnzeichen zu ignorieren. Aktives Fliegen ist hier keine Floskel, sondern Überlebensstrategie.  

Wichtige Kontakte und Prozeduren:

Notruf: Wählen Sie die 118 (Allgemein) oder 112.

Versicherung: Prüfen Sie vor der Reise, ob Ihre Bergekostenversicherung "Such- und Bergungskosten" auch ohne medizinische Notwendigkeit abdeckt. Viele Standardpolicen zahlen nur bei Verletzung, was Piloten in Baumlandungen oft in finanzielle Bedrängnis bringt.

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Fazit

Bassano del Grappa ist zu Recht das Mekka der europäischen Gleitschirmszene. Es bietet eine weltweit einzigartige Kombination aus zuverlässiger Thermik, einfacher Logistik und italienischem Dolce Vita. Doch der Berg fordert Respekt. Die Dichte an Piloten, die komplexe Luftraumstruktur und die teilweise aggressive Thermik im Frühjahr sind nicht zu unterschätzen. Wer dieses Kompendium verinnerlicht, die Lufträume respektiert und taktisch klug fliegt, wird hier Flüge erleben, die ein Leben lang in Erinnerung bleiben.

Sempre felici atterraggi!

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