
3 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Fluggebiet Braunwald: Eine Monografie für den anspruchsvollen Piloten
Im Herzen der Schweizer Alpen, dort wo das Glarnerland in einem spektakulären Talschluss am Fuße des mächtigen Tödi endet, liegt Braunwald. Für den ungeübten Betrachter ist es ein idyllisches, autofreies Feriendorf auf einer Sonnenterrasse. Für den Gleitschirmpiloten jedoch ist Braunwald weit mehr als das: Es ist eine komplexe, faszinierende und bisweilen unbarmherzige Arena, die fliegerisches Können fordert und mit Panoramen belohnt, die in den Ostalpen ihresgleichen suchen. Während offizielle Datenbanken wie die des DHV oder des SHV (Schweizerischer Hängegleiter-Verband) oft nur nackte Zahlen liefern – Starthöhe, Exposition, Landeplatzkoordinaten –, zielt dieser Bericht darauf ab, die Seele des Fluggebiets zu erfassen. Er ist ein Destillat aus meteorologischem Fachwissen, jahrzehntelanger lokaler Flugerfahrung und einer tiefen Auseinandersetzung mit der Topografie des Linthtals.
Wir befinden uns hier in einer geologischen Besonderheit. Das Linthtal ist ein klassisches Trogtal, geformt von eiszeitlichen Gletschern, mit steilen Flanken und einem flachen Boden. Diese Form ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern diktiert die Aerologie des Fliegens in einer Weise, die keine Datenbankspalte erfassen kann. Braunwald selbst, auf rund 1.300 Metern gelegen, fungiert als tribünenartiger Balkon über dem Tal, flankiert von den schroffen Kalkwänden der Eggstöcke und dominiert vom pyramidenförmigen Ortstock.
Warum ein Report dieses Umfangs für ein einzelnes Fluggebiet? Weil die Komplexität des modernen Gleitschirmfliegens es verlangt. Der Unterschied zwischen einem genussvollen Thermikflug und einem stressigen Kampf gegen den Talwind liegt oft in Details, die in Kurzbeschreibungen fehlen: Die genaue Uhrzeit, wann der Talwind über die Kante schwappt; die unsichtbaren Materialseile der Alpwirtschaft, die in keiner ICAO-Karte verzeichnet sind; die psychologische Komponente des Starts am "Kiosk", wenn die Zuschauer der Bergbahn im Nacken sitzen. Dieser Guide soll den Piloten nicht nur informieren, sondern ihn mental in das Gebiet versetzen, noch bevor er den Packsack schultert. Er richtet sich an den sicherheitsbewussten Genussflieger ebenso wie an den ambitionierten Streckenjäger, der von hier aus das Glarner Dreieck oder die Querung zum Walensee in Angriff nehmen will.
Um die aerodynamischen Prozesse in Braunwald zu begreifen, muss man zunächst die Bühne verstehen, auf der wir uns bewegen. Das Glarnerland ist geologisch einzigartig – die berühmte Glarner Hauptüberschiebung, ein UNESCO-Weltnaturerbe, ist hier omnipräsent. Ältere Gesteinsschichten wurden über jüngere geschoben, was zu den charakteristischen, oft horizontal gebänderten Felswänden führt. Für uns Piloten sind diese Wände nicht nur ästhetische Kulisse, sondern primäre Thermikgeneratoren.
Das Linthtal verläuft in einer markanten Nord-Süd-Ausrichtung. Es beginnt am Walensee und steigt sanft an bis zum Talschluss bei Linthal, wo es sich in Richtung Klausenpass (Urnerboden) verengt und steil ansteigt. Diese Topografie wirkt wie eine gigantische Düse. An thermischen Tagen saugt das aufgeheizte Hochgebirge (Tödi-Massiv, Clariden) Luftmassen aus dem Vorland an. Dieser Talwind strömt von Norden nach Süden – entgegen der Fließrichtung der Linth. Bei Linthal, genau unterhalb von Braunwald, verengt sich das Tal. Nach dem Gesetz von Bernoulli muss die Luft hier beschleunigen. Das Resultat ist ein Talwindsystem, das deutlich kräftiger sein kann als in breiteren Alpentälern wie dem Inntal oder dem Rheintal. Für den Piloten bedeutet das: Der Talboden ist ab dem späten Vormittag eine Zone hoher windtechnischer Energie. Die Landung in Rüti (Linthal) findet oft in diesem laminaren, aber kräftigen Strom statt.
Braunwald selbst liegt auf einer Geländestufe. Diese Terrasse unterbricht die steilen Flanken des Tals. Aerodynamisch ist dies von entscheidender Bedeutung. Wenn der Talwind stark genug ist, strömt er nicht nur horizontal durch das Tal, sondern "schwappt" wie Wasser über ein Wehr auch über diese Geländekante. Dies geschieht oft ab den Mittagsstunden. Die Kante, an der sich auch der Startplatz Kiosk und die Bergstation der Standseilbahn befinden, wird dann von einer Mischung aus thermischem Aufwind und dynamischem Talwind angeströmt. Wird der Talwind zu stark, verwandelt er die eigentlich thermisch gespeiste Strömung in einen turbulenten Mix oder sogar in einen reinen Leewirbel, wenn der Wind eine westliche Komponente hat.
Hinter der Terrasse erheben sich die eigentlichen Giganten: Die Eggstöcke. Diese Felswand ist nahezu perfekt nach Süden ausgerichtet. Sie ist der "Heizkörper" des Fluggebiets. Die dunklen Kalkfelsen absorbieren die Sonnenenergie effizient und geben sie als konstante, oft großflächige Thermik ab. Weiter westlich thront der Ortstock. Seine Flanken sind komplexer, zerklüfteter und bieten thermische Einstiege für diejenigen, die das Tal verlassen und auf Strecke gehen wollen. Die Interaktion zwischen der Basisthermik der Terrasse und der Hochgebirgsthermik der Felswände ermöglicht es Piloten, sich stufenweise emporzuarbeiten – ein "Treppensteigen" in den Himmel, das typisch für Braunwald ist.
Das Verständnis der Meteorologie ist der Schlüssel zur Sicherheit in Braunwald. Das Glarnerland ist bekannt für seine eigenwilligen Wetterphänomene, die man kennen muss, um nicht überrascht zu werden.
Wie bereits erwähnt, ist der Talwind der dominante Faktor in den unteren Luftschichten. Er setzt im Sommer oft schon gegen 11:00 Uhr ein.
Die "Waschküche": Ein lokaler Begriff für die turbulente Durchmischungszone. Wenn der kühle, laminare Talwind auf die warme, aufsteigende Thermik der Hänge trifft, entsteht eine Scherungsschicht. Diese liegt oft genau auf der Höhe des Startplatzes Kiosk (ca. 1200-1300m).
Implikation für den Start: Ein Pilot, der am Kiosk startet, wenn der Talwind bereits voll etabliert ist, startet oft nicht in einen laminaren Aufwind, sondern in eine Zone, in der sich Luftpakete chaotisch ablösen. Der Windsack kann hier täuschen: Er zeigt vielleicht schönen Aufwind an, aber 50 Meter weiter draußen herrscht starkes Sinken oder Seitenwind.
Die Tagesgang-Uhr:
Bis 11:00 Uhr: Meist thermisches Aufwindsystem, schwacher Talwind. Kiosk gut startbar.
11:00 - 13:00 Uhr: Talwind verstärkt sich, beginnt die Terrasse zu erreichen. Kritische Phase am Kiosk.
13:00 - 16:00 Uhr: Talwind dominiert das Tal bis auf ca. 1500m. Start am Kiosk oft gefährlich ("überspült"). Start am Gumen (1900m) meist problemlos, da über der Talwindschicht.
Ab 17:00 Uhr: "Magic Air". Der Talwind beruhigt sich, die Restthermik (Restitution) sorgt für sanftes Steigen bis in den Sonnenuntergang.
Das Glarnerland ist extrem föhnanfällig. Der Klausenpass und das Tödi-Massiv wirken nicht als Barriere, sondern oft als Schleuse. Wenn im Süden (Tessin) hoher Druck herrscht und nördlich der Alpen tiefer Druck, fließt die Luft über den Alpenhauptkamm.
Der Föhndurchbruch: In vielen Tälern kündigt sich der Föhn durch Wolkenmauern an. In Braunwald kann er "heimtückisch" sein. Er kann in höheren Lagen (Gumengrat) bereits mit Orkanstärke blasen, während im Tal noch eine kalte Luftschicht liegt ("Kaltluftsee"), in der es windstill scheint.
Die Indikatoren: Linsenwolken (Altocumulus lenticularis) sind das klassische Warnsignal. Aber auch ein ungewöhnlich klarer Fernblick ("Föhnfenster") und eine sprunghaft ansteigende Temperatur sind Alarmzeichen.
Das Diagramm: Lokale Piloten verlassen sich auf die Druckdifferenz Lugano-Zürich. Ab 4 hPa Druckdifferenz ist Fliegen in Braunwald meist tabu. Das Risiko von Turbulenzen ist unkalkulierbar.
Frühling (März-Mai): Die aktivste Zeit. Starke Temperaturgradienten (kalte Luft in der Höhe, starke Sonneneinstrahlung) sorgen für kräftige Thermik. Basis oft noch tief, steigt aber schnell an. Talwind setzt später ein als im Sommer.
Sommer (Juni-August): Stabilere Schichtungen, Basis sehr hoch (oft über 3000m). Talwind sehr stark. Gewitterneigung am Nachmittag beachten – die Eggstöcke sind Blitzfänger.
Herbst (September-Oktober): Die "Genusszeit". Talwind schwächer, Inversionen häufiger (Nebelmeer im Tal, Sonne oben). Thermik sanfter.
Winter (Dezember-Februar): Oft stabile Hochdrucklagen. Fliegen beschränkt sich auf Abgleiter oder sanftes Soaring. Talwind kaum vorhanden. Achtung vor Kälte: Die Finger frieren bei -10°C und 30 km/h Airspeed extrem schnell ein.
Der Zugang zum Fluggebiet ist Teil des Erlebnisses. Braunwald ist autofrei, was die Logistik definiert.
Die meisten Piloten reisen mit dem Auto oder der Bahn nach Linthal an.
Bahn: Die S25 (Glarner Sprinter) verbindet Zürich direkt mit Linthal-Braunwaldbahn. Die Fahrt ist landschaftlich reizvoll und entspannt. Vom Bahnhof fällt man quasi direkt in die Talstation der Standseilbahn.
Auto: Parkplätze an der Talstation sind reichlich vorhanden, aber kostenpflichtig. Die Tarife sind moderat (ca. CHF 5-7 pro Tag), können aber saisonal variieren. Es empfiehlt sich, Kleingeld oder die entsprechenden Park-Apps (oft "Parkingpay" oder "Twint") bereitzuhalten.
Das Rückgrat der Logistik sind zwei Bahnen.
Standseilbahn (Linthal – Braunwald): Eine moderne Bahn, die im steilen Winkel die Terrasse erklimmt. Sie überwindet in 7 Minuten rund 600 Höhenmeter. Gleitschirme werden problemlos transportiert. Die Bahn fährt im Halbstundentakt (xx:25, xx:55), zu Stoßzeiten öfter.
Kombibahn Gumen: Von der Bergstation der Standseilbahn läuft man (ca. 10-15 Min) oder nimmt den Bus/Taxi durch das Dorf zur Talstation der Gumenbahn im Ortsteil Hüttenberg/Grotzenbüel. Die Gumenbahn ist eine Kombibahn (Sessel und Gondeln im Wechsel). Dies ist ideal: Piloten können im Sommer die Gondel nutzen, um das Equipment bequem zu transportieren, oder den Sessel für die Aussicht.
Die Sportbahnen Braunwald bieten spezielle Tarife für Piloten an.
Die Tageskarte: Für ca. CHF 45.00 (Vollpreis) bzw. CHF 35.00 (Halbtax/GA) erhält man eine Tageskarte, die unbegrenzte Fahrten inkludiert. Dies ist ein hervorragendes Angebot, da es auch die Start- und Landegebühren abdeckt, die oft in den Ticketpreis integriert sind oder separat an den Club (GKG) abgeführt werden.
Landeplatzkarte: Wer keine Tageskarte kauft, sollte beachten, dass der GKG (Gleitschirmklub Glarnerland) den Unterhalt der Landeplätze finanziert. Eine Tagesmitgliedschaft oder Landegebühr ist Ehrensache und sichert den Erhalt des Fluggebiets.
Braunwald hat eine lange Tradition als Kurort.
Berggasthaus Gumen: Direkt am Startplatz. Der Treffpunkt für das "Debriefing" oder das Warten auf bessere Bedingungen. Die Terrasse bietet direkten Blick auf startende Piloten.
Ortstockhaus: Ein architektonisches Highlight der Moderne, gelegen auf dem Weg zum Ortstock.
Übernachtung: Vom luxuriösen Märchenhotel (eher für Familien) bis zu einfachen Berggasthäusern ist alles vorhanden. Für Piloten mit Camper: In Linthal an der Talstation gibt es Stellplätze, aber kein "offizielles" Campingplatz-Feeling. Der wilde Charme des Glarnerlands überwiegt.
Die Wahl des Startplatzes ist in Braunwald eine taktische Entscheidung, die von Wind, Tageszeit und Können abhängt.
Dieser Startplatz liegt direkt neben der Bergstation der Standseilbahn.
Der Reiz: Er ist extrem bequem. Aussteigen, 2 Minuten gehen, auslegen.
Die Falle: Wie in der Meteorologie beschrieben, ist er anfällig für den Talwind. Viele Anfänger lassen sich von der Bequemlichkeit verleiten und starten hier zur falschen Zeit.
Starttechnik: Der Platz ist eine Wiese, die erst flach ist und dann steiler wird. Ein sauberer Vorwärtsstart oder Rückwärtsaufziehen ist nötig.
Flugweg: Nach dem Start gilt die strikte Regel: Sofort nach links (Osten) abdrehen und dem Hang folgen. Wer geradeaus fliegt, kommt schnell über bebautes Gebiet und verliert wertvolle Höhe, bevor er thermischen Anschluss findet. Zudem vermeidet man so Konflikte mit der Bahnlinie.
Dies ist der Hauptstartplatz für thermische Flüge.
Charakteristik: Eine weite, mittelsteile Alpwiese direkt unterhalb der Bergstation.
Saisonale Einschränkung (WICHTIG): Im Sommer wird diese Wiese intensiv landwirtschaftlich genutzt (Alpwirtschaft). Oft ist der Startplatz wegen Weidevieh bis Mitte August gesperrt oder eingeschränkt! Es gibt dann einen Korridor oder man muss auf den Gumengrat ausweichen.
Winter: Im Winter wird hier mit Pistenfahrzeugen eine Fläche präpariert. Das Starten auf festem Schnee ist ein Traum, erfordert aber gute Schuh-Technik (Rutschgefahr).
Thermik-Einstieg: Nach dem Start fliegt man meist rechts (Westen) Richtung Eggstöcke oder links Richtung Seblengrat, um den ersten "Bart" zu finden.
Für diejenigen, die die extra 150 Höhenmeter und Ruhe suchen.
Zugang: Ein ca. 30-minütiger Fußmarsch von der Gumen-Bergstation. Der Weg ist einfach, aber stetig ansteigend.
Vorteil: Man startet direkt an der Abrisskante. Wenn es thermisch noch schwach ist, hat man hier die besten Chancen, sich oben zu halten.
Gefahr: Bei Nordwind (Bise) liegt dieser Startplatz im Lee der Krete! Es bildet sich ein Rotor. Unbedingt den Windsack ("Spion") am Grat beobachten. Wenn der Wind von hinten oder böig von der Seite kommt: Nicht starten!.
Sobald man in der Luft ist, ändert sich der Fokus. Braunwald bietet unterschiedliche Flugmodi.
An guten Tagen funktionieren die Südwände der Eggstöcke wie ein Fahrstuhl.
Die Hausbärte: Es gibt fast immer thermische Ablösungen am Seblengrat (östlich vom Gumen) und am Fuß der Eggstöcke (westlich).
Taktik: Geduld ist gefragt. Oft ist die Thermik eng und kräftig. Es lohnt sich, sauber zu zentrieren und bis an die Basis zu kurbeln, bevor man weiterfliegt.
Vorsicht: Nahe am Fels fliegen erfordert Aufmerksamkeit. Plötzliche Turbulenzen durch thermische Ablösungen sind normal.
Braunwald ist ein idealer Ausgangspunkt für FAI-Dreiecke.
Das kleine Glarner Dreieck: Start Braunwald -> Querung nach Elm (Sernftal) -> Querung zurück zum Glärnisch -> Landung.
Herausforderung: Die Querung des Sernftals. Man muss hoch abfliegen, um nicht im Talwind von Elm "gefangen" zu werden. Zudem liegt im Sernftal der Schießplatz Wichlen. Hier muss zwingend das KOSIF (Schießanzeigen) geprüft werden!.
Die Nord-Route zum Walensee: Von den Eggstöcken über den Oberblegisee zum Leuggelstock und weiter Richtung Glarus.
Highlight: Der Blick auf den tiefblauen Walensee und die Churfirsten im Norden ist spektakulär.
Rückweg: Gegen den Talwind zurückzufliegen ist mühsam. Viele Piloten landen in Glarus oder Netstal und nehmen den Zug zurück.
Die große Querung (Klausenpass): Wer hoch genug ist (Basis > 2500m), kann Richtung Klausenpass und Urnerboden queren. Dies ist hochalpin und führt in wildes Gelände. Landemöglichkeiten sind auf dem Urnerboden vorhanden, aber wegen der vielen Zäune anspruchsvoll.
Sicherheit entsteht durch Wissen. Das Glarnerland verzeiht wenig Fehler.
Das Tal ist industrialisiert und landwirtschaftlich genutzt.
Linthal: Westlich von Linthal führen drei Stromkabel den Berg hinauf. Sie sind dünn und vor dem dunklen Waldhintergrund fast unsichtbar. Nur die unteren Masten tragen Warnkugeln. In der Höhe verschwinden sie optisch. Regel: Nie im Hangabstand unter 100m fliegen, wenn man die Kabel nicht positiv identifiziert hat.
Das "Geisterseil": Ein Materialseil führt von Linthal zur Oberkante der Felswand oberhalb des Dorfes (Talseite Braunwald). Es ist berüchtigt, weil es quer zum Hang verläuft und extrem schwer zu sehen ist.
Urnerboden: Ein Labyrinth aus Weidezäunen und temporären Materialseilbahnen. Tiefflug ist hier Russisch Roulette.
Der Konflikt zwischen Naturschutz und Flugsport ist in den Alpen präsent.
Die Zonen: Rund um Braunwald gibt es ausgewiesene Wildruhezonen (eidgenössische Jagdbanngebiete). Diese dienen dem Schutz von Gämsen, Steinböcken und Raufußhühnern.
Die Regeln: Überflugverbote sind strikt. Oft gilt eine Mindesthöhe von 300m über Grund. Im Winter (Dezember bis April) sind die Schutzzonen ausgedehnter.
Konsequenzen: Ranger überwachen diese Gebiete mit leistungsstarken Optiken. Verstöße führen zu empfindlichen Bußen und gefährden die Betriebsbewilligung des gesamten Fluggebiets. Ein Blick auf die Karte wildruhezonen.ch oder den Aushang an der Talstation ist Pflicht.
Generell ist der Luftraum im Glarnerland (Klasse G und E) für Gleitschirme frei.
Flugplatz Mollis (LSMF): Weiter nördlich im Tal liegt der Flugplatz Mollis (ehemals Militär, heute zivil). Er hat eine HX-Zone (aktiviert bei Bedarf). Bei Streckenflügen Richtung Norden muss man sicherstellen, dass man nicht in eine aktive Zone einfliegt oder den Anflugkorridor kreuzt.
Heli-Verkehr: Die Rega und Transporthelikopter sind im Tal oft unterwegs (Einsätze am Tödi/Klausenpass). Wachsamkeit und "Sehen und Gesehen werden" (helle Schirmfarben) sind wichtig.
Der Landeplatz Rüti (Linthal) ist groß, aber tückisch.
Lage: 46.9329 N / 9.0075 E, im Talboden.
Anflug: Standard ist die Rechtsvolte. Dies ist wichtig für die Koordination mit anderen Piloten.
Talwind-Falle: Der Landeplatz liegt mitten im Talwind. Im Endanflug muss man mit einem starken Windgradienten rechnen. Die Geschwindigkeit über Grund nimmt beim Eindrehen gegen den Wind rapide ab. Manchmal steht man in der Luft fast still.
Turbulenz: Durch Gebäude und Baumreihen am Rand des Landeplatzes entstehen im Talwind Lee-Wirbel ("Rotoren"). Ein aktiver Flugstil bis zum Boden ist nötig. Nicht zu tief anfliegen!
Logistik: Nach der Landung wird der Schirm am Rand (Faltplatz bei der Tafel) zusammengelegt. Der Fußmarsch zur Bahn dauert ca. 10 Minuten.
Wenn Braunwald wegen Föhn, Nebel oder Sperrung nicht geht, bietet die Region Alternativen.
Fronalpstock (Mollis): Ein reines Südgelände. Startplatz auf ca. 1300m. Ideal bei schwachem Wind, aber anspruchsvoll bei starkem Talwind in Mollis. Näher an der Flugplatz CTR.
Büelen (Engelbergertal - etwas weiter): Wird oft als Ausweichziel genutzt, ist aber ein anderes Tal.
Kerenzerberg: Über dem Walensee. Ideal für Soaring am Abend oder ruhige Abgleiter mit Seeblick.
Braunwald ist ein Juwel. Es kombiniert die wilde Schönheit der Glarner Alpen mit einer fast urbanen Erreichbarkeit ab Zürich. Doch es verlangt Respekt. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Timing: Den Talwind respektieren, die Kabel kennen und die Wildruhezonen meiden. Für den Piloten, der diese Regeln beherzigt, bietet Braunwald Flüge, die sich tief ins Gedächtnis einbrennen – sei es das lautlose Gleiten entlang der Eggstöcke im Abendlicht oder der triumphale Blick vom Gipfel des Ortstocks hinunter ins Tal.
Dieser Bericht wurde nach bestem Wissen und Gewissen auf Basis der verfügbaren Daten (Stand Anfang 2026) erstellt. Die Bedingungen im Gebirge können sich täglich ändern. Konsultieren Sie immer die lokalen Infotafeln und Wetterberichte.