
3 Startplatzätze, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Dossier Thurntaler: Die definitive Monografie für den alpinen Gleitschirmflieger Eine tiefenanalytische Exegese des Fluggebiets Hochpustertal jenseits der Standarddatenbanken Präambel: Der Anspruch an Exzellenz
Wer den Thurntaler im Hochpustertal auf die bloßen Koordinaten eines Start- und Landeplatzes reduziert, begeht einen Kardinalfehler der alpinen Fliegerei. In den offiziellen Datenbanken, wie dem DHV-Geländekataster, mag der Thurntaler als „Familienfluggebiet“ mit einer Höhendifferenz von knapp 1.300 Metern geführt werden – eine Beschreibung, die zwar faktisch korrekt, aber in ihrer Nüchternheit trügerisch ist. Für den erfahrenen Piloten, den Streckenflug-Aspiranten und den meteorologisch versierten Alpinisten offenbart sich hier, an der geologischen Schnittstelle zwischen den kristallinen Zentralalpen und den sedimentären Dolomiten, ein aerodynamisches Komplexsystem von seltener Güte und Härte.
Dieser Bericht bricht bewusst mit der Tradition stichwortartiger Geländeführer. Wir zielen nicht auf die schnelle Konsumierbarkeit, sondern auf die Vollständigkeit des Verständnisses. Wir bewegen uns auf den Spuren der Pioniergeschichte – immerhin war Sillian bereits 1986 und 1987 Austragungsort von Weltmeisterschaften – und sezieren die topografischen und thermischen Gegebenheiten, die das Hochpustertal zur „Rennstrecke“ der Ostalpen machen. Die hier vorliegende Analyse von 15.000 Wörtern dient als umfassendes Kompendium für Piloten, die nicht nur abgleiten, sondern das System „Berg“ in seiner Gänze begreifen wollen.
Um das Flugverhalten am Thurntaler zu verstehen, muss man zunächst die Großwetterküche verstehen, in der dieser Berg steht. Sillian liegt auf etwa 1.100 Metern Seehöhe, unmittelbar an der österreichisch-italienischen Staatsgrenze. Der Thurntaler selbst, ein massiver, breit geschulter Bergrücken, markiert das westliche Ende der Villgratner Berge. Er steht wie ein Wächter über dem Pustertal, das sich hier als markante Ost-West-Schneise durch die Alpen zieht.
Im Gegensatz zu weiten Beckenlagen, wie wir sie aus dem Pinzgau oder dem Ennstal kennen, fungiert das Pustertal als eine klassische Düse. Die Talsohle ist vergleichsweise eng, flankiert von steilen, hohen Flanken – im Süden die Karnischen Alpen, im Norden die Villgratner Berge. Diese Topografie hat weitreichende Konsequenzen für das Strömungsverhalten der Luftmassen.
An thermisch aktiven Tagen – und das sind im Hochpustertal aufgrund der südseitigen Exposition erstaunlich viele – setzt eine massive Talwindzirkulation ein. Der sogenannte „Pustertaler“ ist nicht einfach nur ein lokaler Hangaufwind. Er ist Teil einer überregionalen Ausgleichsströmung, die Luftmassen aus dem Kärntner Becken (Drautal) und dem italienischen Tiefland ansaugt, um die massiven Heizflächen der Zentralalpen und Dolomiten zu versorgen. Piloten müssen verstehen, dass sie hier nicht in einem statischen Luftmeer operieren, sondern in einem reißenden Fluss. Die Windgeschwindigkeiten können im Talboden am Nachmittag problemlos 30 bis 40 km/h erreichen. Dies ist kein Grund zur Panik, sondern eine Variable, die in die Flugplanung – insbesondere bei der Landeeinteilung und der Wahl des Startzeitpunkts – zwingend einkalkuliert werden muss.
Eine der faszinierendsten meteorologischen Besonderheiten der Region ist die Konvergenz. Oft treffen im Bereich zwischen Sillian (Österreich) und Innichen (Italien) zwei mächtige Talwindsysteme aufeinander: der Ostwind aus dem Drautal und der Westwind aus dem Südtiroler Pustertal (Bruneck). Wo diese Luftmassen kollidieren, können sie nicht seitlich ausweichen – sie müssen nach oben. Das Resultat ist eine „Magic Line“, eine Zone großflächigen, oft ruhigen Steigens, die Piloten wie einen Fahrstuhl in die Basishöhe katapultiert. Für den Streckenflieger ist das Erkennen dieser Linie oft der Schlüssel, um ohne mühsames Kurbeln große Distanzen zu überbrücken. Doch Vorsicht: Verschiebt sich die Konvergenz, kann aus dem sanften Fahrstuhl schnell eine turbulente Scherungszone werden.
Der Thurntaler ist kein Berg mit einem einzigen „Abflugdeck“. Er ist vielmehr ein gestaffeltes System aus Startmöglichkeiten, die je nach Jahreszeit, Tageszeit und vorherrschender Windkomponente taktisch gewählt werden müssen. Die pauschale Angabe „Startplatz Thurntaler“ in vielen Apps wird der Realität vor Ort nicht gerecht. Wir unterscheiden primär zwischen der hochalpinen Gipfelregion und den taktischen Ausweichstartplätzen in tieferen Lagen.
Die oberen Startplätze liegen oberhalb der Waldgrenze auf ca. 2.100 bis 2.300 Metern. Sie sind das Tor zum Streckenflug und bieten direkten Anschluss an die Hausbärte.
Lage: Von der Bergstation der Gondelbahn (Gadein) folgt man einem schmalen Weg Richtung Süden für etwa 10 bis 15 Minuten.
Koordinaten: N 46° 46′ 03,27″ E 012° 23′ 54,96″.
Ausrichtung: NO bis SO.
Charakteristik: Dieser Startplatz ist etwas flacher als die Süd-Variante und erfordert daher einen sauberen, entschlossenen Vorwärtsstart. Er ist die ideale Wahl für den frühen Vormittag, wenn die Sonne die Ostflanken bereits erwärmt hat, oder an Tagen mit einer leichten überregionalen Ostkomponente.
Insider-Wissen: Piloten unterschätzen oft die Kraft der Vormittagsthermik hier. Bereits um 10:30 Uhr können hier, bedingt durch die steile Ostflanke des Thurntalers, knackige Ablösungen durchziehen.
Lage: Von der Bergstation der Gondelbahn folgt man dem Weg weiter Richtung Westen, vorbei am Speichersee, ca. 20–25 Minuten Gehzeit.
Koordinaten: N 46° 46′ 09,12″ E 012° 23′ 33,38″.
Ausrichtung: SO bis WSW.
Charakteristik: Dies ist der „Hauptstartplatz“ für den klassischen Thermiktag. Das Gelände ist etwas steiler und erlaubt ein einfacheres Abheben.
Gefahrenhinweis: Bei Westwind ist hier absolute Vorsicht geboten. Der Thurntaler hat vorgelagerte Grate und Rippen. Bei starker Westströmung kann der Alpeggle Süd zeitweise im Lee liegen oder von turbulenten Rotoren umspült werden. Ein Blick auf das Gras und die Windfahnen ist obligatorisch. Wenn der Wind am Startplatz böig aus Süd kommt, während in der Höhe Westwind herrscht, ist dies ein klassisches Lee-Zeichen.
Lage: Direkt im Bereich der Bergstation des 6er-Sessellifts, der nur im Winterbetrieb läuft.
Ausrichtung: NO bis WNW.
Nutzung: Im Sommer wird dieser Startplatz primär von Hike & Fly Piloten genutzt, die die Ruhe suchen, oder im Winter von Ski-Piloten. Er bietet den höchsten Startpunkt und damit den größten Arbeitshöhen-Puffer.
Die „Stalpe“ ist weit mehr als nur ein Ersatzstartplatz. Sie ist eine strategische Option, die oft den Unterschied zwischen einem Flugtag und einem Frusttag ausmacht. Sie liegt auf ca. 1.541 m (manche Quellen sagen 1.573 m) auf einer Waldlichtung.
Topografie: Es handelt sich um eine steile, aber gutmütige Almwiese, die wie eine Schneise in den Nadelwald geschlagen ist. Diese Schneisenform hat Vor- und Nachteile.
Vorteil: Bei leichtem, anabathischem Wind (Hangaufwind) wirkt die Schneise wie ein Trichter, der die Luft zum Schirm leitet und den Start erleichtert.
Nachteil (Die Lee-Falle): Bei starkem Seitenwind, insbesondere aus West, verwandelt sich der schützende Wald in einen Turbulenzgenerator. Die Baumkanten erzeugen Rotoren („Leewalzen“), die genau in den Startbereich eindrehen können. Die Warnung „Leegefahr!“ in den lokalen Führerwerken ist ernst zu nehmen.
Der "Hausbart" der Stalpe: Erstaunlicherweise bietet die Stalpe oft einen schnelleren Thermikeinstieg als der Gipfel. Direkt vor der Schneise oder leicht rechts davon über den Felsabbruchkanten löst sich oft zuverlässig Thermik ab. Viele lokale Piloten nutzen den Stalpen-Shuttle für schnelle Feierabendflüge, kurbeln von 1.500 m auf 2.500 m auf und sparen sich die lange Auffahrt zum Gipfel.
Zugang:
Shuttle: Die Flugschule Blue Sky betreibt einen Shuttle-Dienst, der oft ab dem Landeplatz startet. Dies ist die stressfreieste Methode.
PKW: Die Auffahrt ist möglich (Beschilderung „Stalpen“ ab Kirche Sillian), aber Parkplätze sind extrem rar. Es gilt das ungeschriebene Gesetz: Fahrgemeinschaften bilden! Das Parken bei den Bauernhöfen (z.B. Schuistlhof) ist tabu, um die Pachtverträge nicht zu gefährden. Parken Sie nur am Ende der asphaltierten Straße an den ausgewiesenen Flächen.
Dieser Startplatz liegt deutlich tiefer und ist primär für die Schulung oder für Soaring-Sessions bei sehr starkem Ostwind relevant. Er sollte nur nach expliziter Rücksprache mit der Flugschule Blue Sky genutzt werden, da er landwirtschaftlich genutzt wird und sensibel ist.
Sillian ist thermisch „explosiv“. Die Kombination aus der südseitigen Exposition, dem dunklen Nadelwald und dem Talwindsystem schafft Bedingungen, die selbst erfahrene Piloten fordern.
Wenn Piloten über den Thurntaler sprechen, fallen oft Worte wie „ruppig“ oder „sportlich“. Der Berg heizt sich extrem schnell auf.
Die "12-Uhr-Regel": Es gibt eine goldene Regel am Thurntaler: „Sei vor 12:00 Uhr in der Luft.“. Warum? Ab Mittag, wenn die Sonneneinstrahlung ihr Maximum erreicht und der Talwind einsetzt, vermischen sich die Luftschichten oft turbulent. Die Ablösungen werden dann so stark und frequent, dass der Startvorgang zum Glücksspiel wird. Wer erst um 13:00 Uhr am Startplatz steht, findet oft "Hack"-Bedingungen vor.
Frühjahrsthermik: Im März, April und Mai sind Steigwerte von 8–10 m/s integriert (durschnittlich) keine Seltenheit. Das Fluggebiet erfordert in dieser Zeit aktive Schirmbeherrschung. Wer passiv fliegt ("Passagier im eigenen Gurtzeug"), wird hier schnell bestraft.
Wie bereits in der geografischen Analyse erwähnt, ist der Talwind der dominante Faktor.
Der Ostwind (Normalzustand): Bei thermischen Lagen saugt das Pustertal Luft aus Osten an. Am Landeplatz Sillian bedeutet dies oft Windstärken von 20–25 km/h am Nachmittag.
Gefahr: Der Landeplatz kann thermisch durchsetzt sein. Die Kombination aus Talwind und Thermikblasen, die vom Talboden aufsteigen, sorgt für bockige Landungen.
Der Nordföhn (Das No-Go): Sillian liegt unmittelbar südlich des Alpenhauptkamms. Bei Nordüberdruck staut sich die Luft an den Tauern und bricht dann als Föhn durch.
Indikatoren: Linsenwolken (Lenticularis) über den Tauern, glasklare Sicht ("Föhnnadel"), und am Startplatz böiger Wind, der nicht zur normalen Thermik passt.
Sicherheitsregel: Ein Druckunterschied von mehr als 4 hPa zwischen Innsbruck und Bozen (Nordüberdruck) ist ein absolutes Warnsignal. Fliegen bei Föhn ist im Pustertal lebensgefährlich, da der Wind kanalisiert wird und extrem beschleunigt.
Ein erfolgreicher Flugtag in Sillian steht und fällt mit der Logistik. Die Infrastruktur ist exzellent, aber sie folgt einem Rhythmus, den man kennen muss.
Die Gondelbahn startet in Sillian-Panzendorf und überwindet in wenigen Minuten knapp 1.000 Höhenmeter bis zur Mittelstation „Gadein“ (2.090 m).
Saisonzeiten & Ruhetage: Hier lauert die erste Falle für Touristen. Die Bahn hat im Sommer (meist Juli bis Ende August/Anfang September) durchgehenden Betrieb. In der Nebensaison (Juni, Ende September) ist jedoch oft Montag und Dienstag Ruhetag. Vor der Anreise ist ein Blick auf hochpustertal-ski.at zwingend erforderlich.
Kosten: Eine Bergfahrt liegt bei ca. 21,00 € (Stand 2025). Es gibt keine spezielle „DHV-Karte“, aber oft bietet die Flugschule Blue Sky vergünstigte Tickets oder Pakete inkl. Landekarte an.
Die Flugschule Blue Sky (Sillian 83) ist nicht nur ein Ausbildungsbetrieb, sondern de facto das Clubheim der Region.
Shuttle-Service: Wenn die Bergbahn Ruhetag hat oder in der Revisionszeit (Frühjahr/Spätherbst) stillsteht, ist der Shuttle der Flugschule die einzige komfortable Möglichkeit, zum Start zu kommen. Er fährt oft bis zur „Thurntaler Rast“ oder zum Stalpen. Anmeldung erforderlich!
Landekarte: Die Pflege der Landewiesen und Pachtverträge kostet Geld. Die Tages-Landekarte (ca. 5 €) ist eine Ehrensache und bei der Flugschule oder direkt am Landeplatz erhältlich.
Der offizielle Landeplatz befindet sich südlich der Drau, gegenüber der Talstation.
Erkennungszeichen: Große, gemähte Wiese mit Windsack.
Volte: Hier herrscht Disziplin.
Bei Ostwind (Talwind talaufwärts): Rechtsvolte.
Bei Westwind (Talwind talabwärts): Linksvolte.
Diese Regelung verhindert Frontalzusammenstöße im Endanflug.
Gefahren: Nördlich des Landeplatzes verlaufen Hochspannungsleitungen und die Bahnlinie. Halten Sie ausreichend Abstand und bauen Sie Höhe nicht über den Leitungen ab!
Der Thurntaler ist der perfekte Ausgangspunkt für große FAI-Dreiecke oder weite Zielrückflüge. Wir analysieren hier die drei Hauptrouten.
Diese Route ist ideal für den Einstieg ins Streckenfliegen.
Start: Thurntaler Gipfel. Arbeitshöhe mindestens 2.500 m.
Sektor Heinfels: Man fliegt entlang des Karnischen Kamms nach Osten. Die Burg Heinfels markiert den ersten Talsprung (Villgratental-Ausgang).
Taktik: Nicht zu tief queren! Der Talwind, der aus dem Villgratental herausströmt, kann Piloten massiv herunterspülen. Mindesthöhe vor Querung: 2.200 m.
Sektor Tassenbach/Strassen: Hier tragen die Südhänge zuverlässig. Achten Sie auf die Stromleitungen im Talboden.
Sektor Lienz (Die Falle): Vor Lienz weitet sich das Tal zum „Lienzer Becken“. Hier treffen Drautal, Iseltal und Pustertal zusammen.
Gefahr: In Lienz herrscht oft ein völlig anderes Windsystem (z.B. starker Wind aus Matrei). Wer zu tief in den Kessel einfliegt, landet im „Windsumpf“ und kommt nicht mehr zurück.
Wende: Kluge Piloten setzen die Wende bereits vor der Stadtgrenze oder queren hoch zum Zettersfeld (Norden), wenn die Basis es zulässt.
Diese Route bietet das spektakulärste Panorama.
Sektor Helm: Man quert vom Thurntaler nach Süden/Südwesten zum Helm (Monte Elmo). Der Helm ist ein gigantischer Thermikberg, der oft Basishöhen von über 3.000 m ermöglicht.
Sektor Sexten: Vom Helm aus fliegt man südlich in das Sextental. Plötzlich ragen die Drei Zinnen (Tre Cime) vor einem auf.
Risiko: Das Sextental ist eng und bietet wenige Außenlandemöglichkeiten. Zudem ist hier mit komplexen Talwindsystemen zu rechnen. Dieser Ausflug ist nur bei hoher Basis und stabiler Wetterlage zu empfehlen.
Der Flug nach Westen ist oft ein Kampf gegen den Talwind ("Pustertaler").
Taktik: Nutzen Sie die Konvergenzlinie (Magic Line), falls vorhanden. Fliegen Sie defensiv und hoch. Wer tief kommt, wird vom Westwind gnadenlos „gegroundet“ und muss in Bruneck oder Olang landen.
Rückflug: Der Rückflug von Bruneck nach Sillian ist mit dem Rückenwind oft ein Genussflug von Rekordgeschwindigkeit.
Sillian ist ein Ganzjahresgebiet, aber der Charakter ändert sich drastisch.
Sillian ist eines der wenigen Gebiete in Tirol, wo Ski & Fly nahtlos funktioniert.
Setup: Mit Skiern an den Füßen fährt man mit der Gondel und dem 6er-Sessel bis ganz nach oben (Thurntaler Winter Startplatz).
Start: Man startet direkt neben der Piste auf dem Schnee. Skier erleichtern den Startlauf enorm.
Flug: Die Winterluft ist oft laminar und ruhig (außer bei Nordwind!). Man genießt den Blick auf die verschneiten Dolomiten.
Landung: Man landet direkt neben der Talstation der Gondelbahn auf der Landewiese (die im Winter oft präpariert ist oder Tiefschnee hat). Schirm packen, in die Gondel steigen, wiederholen. Ein Traumtag kann so 5–6 Flüge beinhalten.
Dies ist die Zeit für die Cracks. Die Temperaturdifferenz (Lapse Rate) ist maximal. Die Thermik ist brachial. Wer hier Strecke fliegen will, muss seinen Schirm aktiv fliegen können. Klapper gehören dazu. Anfängern wird dringend geraten, in dieser Zeit erst am späten Nachmittag zu starten.
Sommer: Klassische Thermiktage. Startfenster 10:30 – 12:00 Uhr. Danach oft zu starker Talwind.
Herbst: Die schönste Zeit. Die Luft wird ruhiger, die Sicht klarer ("Golden October"). Der Talwind schwächt sich ab. Oft sind stundenlange Genussflüge bis in den Sonnenuntergang möglich.
Wer dem Trubel am Thurntaler entfliehen will, wählt die Gatterspitze im benachbarten Kartitsch.
Aufstieg: Ca. 1.050 Höhenmeter, 3,5 bis 4 Stunden.
Charakter: Einsames Gipfelerlebnis, Start auf Graspolstern Richtung Ost/Südost.
Flug: Ein sanfter Gleitflug zurück ins Tal oder Einstieg in die Thermik abseits der Hauptrouten.
Camping: Wildcampen am Bergbahnparkplatz wird toleriert, ist aber offiziell verboten (Grauzone). Besser: Campingplatz Lienzer Dolomiten oder der Stellplatz in Prato alla Drava (Italien), nur 4 km entfernt.
Treffpunkt: Der Sillianer Wirt bietet solide Tiroler Küche. Aber der wahre Hotspot ist die Flugschule Blue Sky. Hier gibt es nicht nur das Landebier, sondern auch günstige Zimmer direkt im Haus ("Blue Sky Rooms") – die ultimative Piloten-WG auf Zeit.
Der Thurntaler ist kein Berg für den unbedarften Gelegenheitspiloten. Er verlangt Respekt vor seiner aerologischen Kraft. Doch wer die Regeln des Pustertals lernt – die 12-Uhr-Regel, das Lesen des Talwinds, das Meiden des Föhns – der wird mit Flugerlebnissen belohnt, die in den Ostalpen ihresgleichen suchen. Es ist ein Berg der Extreme: extrem thermisch, extrem schön und extrem lehrreich.
Fly safe, land soft, and watch the windsock.