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Kompendium Schmalzlalm: Ein Experten-Leitfaden für Gleitschirmpiloten in den bayerischen und österreichischen Fluggebieten
Der Gleitschirmsport in den Regionen des Bayerischen Waldes und der Kitzbüheler Alpen bietet eine faszinierende Bandbreite an fliegerischen Möglichkeiten, die von sanften Übungshängen bis hin zu anspruchsvollen Soaring-Arealen reichen. Ein Name, der in der deutschen und österreichischen Piloten-Community in unterschiedlichen Kontexten immer wieder auftaucht, ist die Schmalzlalm. Während der Name in Bayern untrennbar mit der fliegerischen Grundausbildung und dem technischen Groundhandling in der Gemeinde Rettenbach verbunden ist, assoziieren erfahrene Piloten mit dem Standort Hollersbach in Österreich ein Soaring-Mekka, das oft unter ähnlichen Bezeichnungen geführt wird. Dieser Bericht bietet eine tiefgreifende Analyse beider Standorte, ergänzt um wertvolle Experteneinblicke, die weit über die standardisierten Datenbankeinträge des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) hinausgehen.
Executive Summary für Piloten
Für eine fundierte Entscheidung vor dem Flugtag lassen sich die wesentlichen Erkenntnisse wie folgt zusammenfassen: Die Schmalzlalm im bayerischen Rettenbach fungiert primär als technisches Trainingsgelände und Übungshang. Mit einer Höhendifferenz von 85 Metern und einer Ausrichtung nach Nordost (NO) ist sie das ideale Terrain für Flugschüler, Wiedereinsteiger und Experten, die ihre Start- und Aufziehtechnik unter kontrollierten Bedingungen perfektionieren wollen. Das Gelände wird von der Fliegmer GmbH gehalten und erfordert eine vorherige Abstimmung für Gastpiloten. Im krassen Gegensatz dazu steht der Startplatz Hollersbach (oft im Kontext mit dem Berghof genannt) in Salzburg, Österreich. Hier finden Piloten ein anspruchsvolles Soaring-Gelände mit 338 Metern Höhendifferenz vor, das besonders bei Nordwindlagen, die über den Pass Thurn einströmen, seine volle Stärke ausspielt. Während Rettenbach die "Schule" des Fliegens repräsentiert, ist Hollersbach die "Kür", die stundenlanges Vergnügen in der Luft ermöglicht, aber aufgrund von Leerotoren und wechselnden Talwinden eine hohe fachliche Kompetenz erfordert.
Der Standort in Bayern ist ein Musterbeispiel für ein effizientes Schulungsgelände im Mittelgebirge. Er bietet die notwendige Sicherheit für die ersten Schritte in die Luft, ohne dabei die fliegerische Präzision zu vernachlässigen.
Geografische Daten und technische Parameter
Die Präzision der Standortdaten ist für die Flugplanung und die rechtliche Sicherheit der Piloten von höchster Bedeutung. In der folgenden Tabelle sind die verifizierten Daten für den Standort Rettenbach aufgeführt.
Parameter Spezifikation Startplatz Spezifikation Landeplatz Genaue GPS-Koordinaten
N 49°02'36.65" E 12°27'11.33"
N 49°02'37.49" E 12°27'18.54"
Höhe über NN
645 m
560 m
Höhendifferenz
85 m
- Optimale Startrichtung
Nordost (NO)
- Mögliche Startrichtungen
Nordost bis Ost
- Schwierigkeitsgrad
Einfach / Schulungstauglich
Einfach
Zugelassene Geräte
Gleitschirm und Hängegleiter (1-sitzig)
Gleitschirm und Hängegleiter (1-sitzig)
Topografische Beschaffenheit und Eignung
Der Hang der Schmalzlalm in Rettenbach ist als klassischer Osthang charakterisiert, der sich durch eine sanfte Neigung und eine hindernisfreie Fläche auszeichnet. Dies macht ihn zum idealen Ort für das sogenannte "Spielen" mit dem Schirm. Die geringe Höhendifferenz von 85 Metern bedeutet für den Piloten eine kurze Flugzeit, was jedoch durch die schnelle Wiederholbarkeit der Starts kompensiert wird. Für die Ausbildung ist dieser Aspekt essenziell, da er eine hohe Taktrate an Startübungen pro Zeiteinheit ermöglicht.
Die Erschließung erfolgt sowohl per Auto als auch zu Fuß, was eine flexible Logistik erlaubt. Da es sich um ein Schulungsgelände handelt, ist der tägliche Flugbetrieb oft durch die Anwesenheit von Flugschulen geprägt. Dies hat den Vorteil, dass meist erfahrene Ansprechpartner vor Ort sind, erfordert jedoch von Gastpiloten ein hohes Maß an Rücksichtnahme.
Die Erreichbarkeit eines Geländes entscheidet oft über dessen Beliebtheit in der lokalen Szene. Die Schmalzlalm ist verkehrstechnisch sehr gut angebunden, was sie zu einem attraktiven Ziel für Piloten aus dem Raum Regensburg, Straubing und Cham macht.
Anreise und Parkraummanagement
Die Anfahrt erfolgt in der Regel über die Bundesstraßen in Richtung 93191 Rettenbach. Eine präzise Routenplanung ist über gängige Navigationsdienste möglich.
Parken: Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Piloten ihre Fahrzeuge ausschließlich auf öffentlichen Parkplätzen abstellen und landwirtschaftliche Wege sowie Forststraßen freihalten. Die Akzeptanz des Geländes durch die Anwohner und Landwirte hängt maßgeblich von diesem Verhalten ab.
Fußweg: Da der Startplatz direkt an die Infrastruktur angrenzt, ist der Fußweg zur Startrampe kurz und unproblematisch. Es sind keine alpinen Aufstiege erforderlich, was das Gelände auch für weniger fitte Piloten oder für intensive Trainingstage mit schwerem Equipment (z.B. Wettbewerbsschirme für Groundhandling) zugänglich macht.
Shuttle-Optionen und Bergbahnen
An einem Übungshang wie der Schmalzlalm in Rettenbach gibt es keine Bergbahnen oder organisierten Shuttles. Das Prinzip lautet "Hike and Fly" im Miniaturformat: Nach der Landung wird der Schirm gepackt oder gerafft und der Hang wieder zu Fuß erklommen. Diese physische Komponente ist Teil des Trainingscharakters dieses Geländes.
Die Schmalzlalm in Rettenbach ist meteorologisch gesehen ein sehr ehrliches Gelände. Die Bedingungen am Boden spiegeln meist exakt die großräumige Wetterlage wider, da keine komplexen alpinen Täler für starke lokale Windsysteme sorgen.
Windrichtungen und Gefahrenpotenziale
Die Ausrichtung nach Nordost (NO) definiert das Nutzungsfenster des Geländes.
Gute Bedingungen: Ein konstanter Wind aus Nordost bis Ost ist ideal für das Aufziehen und die ersten Flugmeter. Die Luft strömt in diesem Fall laminar den Hang hinauf, was für ruhige Bedingungen sorgt.
Gefährliche Bedingungen: Die größte Gefahr an diesem Standort ist südlicher Windeinfluss. Bei Wind aus Süd (S) gerät das Gelände in das Lee des angrenzenden Waldes. Die physikalische Folge sind Leerotoren und massive Turbulenzen, die sich bis in den Start- und Landebereich auswirken können. Die offiziellen Auflagen des DHV untersagen Seitenwindstarts bei südlichem Windeinfluss ausdrücklich, um Unfälle durch Klapper in Bodennähe zu vermeiden.
Termik: Aufgrund der geringen Höhe ist das thermische Potenzial begrenzt. An sonnigen Tagen mit wenig Wind kann sich jedoch eine leichte Hangthermik bilden, die für verlängerte Gleitflüge ausreicht. XC-Potenzial (Streckenflug) ist an diesem Standort praktisch nicht vorhanden; für solche Ambitionen sind Gebiete wie der Hohe Bogen oder der Pröller im Bayerischen Wald deutlich besser geeignet.
Beste Jahreszeit und Flugzeiten
Das Gelände ist ganzjährig nutzbar, sofern die Windrichtung passt. Die besten Bedingungen für Groundhandling-Einheiten finden sich oft im Frühjahr und Herbst, wenn die Winde im Mittelgebirge konstanter sind. Im Sommer sollte man die späten Nachmittagsstunden nutzen, wenn die thermische Aktivität nachlässt und der Wind gleichmäßiger wird.
In der Welt der Gleitschirmflieger führt der Begriff Schmalzlalm oft zu Diskussionen über den Standort Hollersbach im Pinzgau, der unter Piloten als das eigentliche fliegerische Highlight in dieser Namenskategorie gilt. Dieses Gelände ist fundamental anders als der bayerische Übungshang.
Technische Details des Standorts Hollersbach
Das Fluggelände in Hollersbach wird vom DFC Wildkogelfalken betreut und bietet eine beeindruckende Kulisse gegenüber dem Pass Thurn.
Merkmal Spezifikation Hollersbach Berghof Höhe NN (Start)
1145 m
Höhe NN (Landeplatz)
807 m
Höhendifferenz
338 m
Startrichtung
Nord bis Nordwest (N-NW)
GPS-Koordinaten Start
N 47°15'54.60" E 12°25'38.70"
GPS-Koordinaten Landung
N 47°16'29.60" E 12°24'52.20"
Schwierigkeitsgrad
Mittel
Das Soaring-Mekka am Pass Thurn
Hollersbach ist weltweit bekannt für seine hervorragenden Soaring-Möglichkeiten. Wenn der Nordwind über den Pass Thurn einströmt, wird er an den Nordhängen des Pinzgaus zum Aufstieg gezwungen. Dies erzeugt ein dynamisches Aufwindband, in dem Piloten oft stundenlang fliegen können, ohne an Höhe zu verlieren.
Umkehrthermik: Ein besonderes Phänomen in Hollersbach ist die abendliche Umkehrthermik, die zwischen 16:00 und 20:00 Uhr auftritt. In diesem Zeitraum beruhigt sich der Talwind, und warme Luftmassen steigen großflächig aus dem Tal auf.
Gefahren in Hollersbach: So schön das Soaring ist, so tückisch kann der Startplatz sein. Er liegt in einer Schneise, was bei Seitenwind zu gefährlichen Rotoren durch die seitlichen Bäume führt. Bei Ostwind befindet sich das gesamte Gebiet im Lee, was Starts lebensgefährlich machen kann. Ein sauberer Vorwind ist hier unabdingbare Voraussetzung für einen sicheren Flug.
Als erfahrener Pilot und Journalist habe ich Informationen gesammelt, die in keiner offiziellen Datenbank stehen. Diese Tipps können den Unterschied zwischen einem frustrierenden Tag am Boden und einem unvergesslichen Flugerlebnis ausmachen.
Experten-Tipps für die Schmalzlalm (Rettenbach)
Der "Wind-Check" vorab: Da es am Standort Rettenbach keine eigene Webcam gibt, nutzen lokale Piloten die Wetterstationen von Wörth an der Donau oder schauen sich die Webcams am Pröller oder Hohen Bogen an, um die Grundströmung im Bayerischen Wald einzuschätzen. Wenn die Stationen im Wald konstanten Nordostwind zeigen, ist die Wahrscheinlichkeit für gute Bedingungen an der Schmalzlalm hoch.
Fehleranalyse für Neulinge: Der häufigste Fehler an Übungshängen wie der Schmalzlalm ist die falsche Einschätzung der Windstärke beim Groundhandling. Da der Hang nur 85 Meter hoch ist, unterschätzen viele Piloten die Kraft, die ein böiger Wind entwickeln kann. Ein unkontrolliertes Aushebeln kann hier zu schmerzhaften Landungen im flachen Gelände führen.
Die Rolle der Fliegmer GmbH: Das Gelände wird aktiv für die Schulung genutzt. Ein Geheimtipp ist es, sich vorab direkt bei der Flugschule Fliegmer zu melden. Oft bekommt man dort tagesaktuelle Infos zur Befahrbarkeit der Wege oder zu speziellen lokalen Windphänomenen, die in keinem Wetterbericht stehen.
Insider-Einblicke für Hollersbach (Berghof)
Toplanding am Berghof: Erfahrene Piloten versuchen oft, direkt beim Gasthof Berghof topzulanden (1175m). Da die Windrichtungen im Tal oft stark variieren und unvorhersehbar sein können, ist die Landung am Berg oft die sicherere und bequemere Variante.
XC-Potential ab Hollersbach: Obwohl das Gebiet primär als Soaring-Hang bekannt ist, bietet es gute Streckenflugmöglichkeiten in Richtung Krimmler Wasserfälle oder Maiskogel (Kaprun). Die beste Thermikzeit für solche Unterfangen liegt zwischen Juni und August.
Gewerbliche Tandemflüge: Es ist wichtig zu wissen, dass gewerbliche Tandemflüge in Hollersbach exklusiv der Flugschule Pinzgau und den Mitgliedern des DFC Wildkogelfalken vorbehalten sind. Gastpiloten sollten dies respektieren, um Konflikte zu vermeiden.
Ein Flugtag besteht nicht nur aus der Zeit in der Luft. Die soziale Komponente und die Logistik nach dem Flug sind ebenso wichtig.
Kulinarik und Einkehr
Nach einem intensiven Trainingstag an der Schmalzlalm in Rettenbach oder einem langen Soaring-Abend in Hollersbach ist die Einkehr obligatorisch.
Rettenbach: Die Gastronomie in der Gemeinde Rettenbach bietet klassische bayerische Küche. Es gibt keine spezifische "Fliegerhütte" direkt am Übungshang, aber die örtlichen Gasthäuser sind auf Wanderer und Tagesgäste eingestellt.
Hollersbach: Hier ist der Gasthof Berghof der Dreh- und Angelpunkt. Er dient nicht nur als Orientierungspunkt für den Startplatz, sondern ist auch der Ort, an dem Piloten parken und sich nach dem Flug austauschen. Die Terrasse bietet einen hervorragenden Blick auf das Fluggeschehen.
Übernachtungsmöglichkeiten für Piloten
Für mehrtägige Aufenthalte oder Fliegerurlaube gibt es in beiden Regionen spezialisierte Unterkünfte.
Region Bayerischer Wald: Zahlreiche Pensionen und Campingplätze im Raum Rettenbach bieten preiswerte Unterkünfte. Für Gruppen und Flugschulen ist oft eine Kooperation mit lokalen Höfen möglich.
Ahrntal / Südtirol: Wer eine weitere Reise plant, findet im Residence Roanerhof in Ahornach eine erstklassige Unterkunft, die speziell auf die Bedürfnisse von Flugschulen und Piloten zugeschnitten ist (Seminarraum, Lagerraum für Equipment, Nähe zu Startplätzen wie dem Speikboden).
Flugschulen und Betreuung
Die Betreuung vor Ort ist ein Sicherheitsgarant, besonders in unbekannten Geländen.
Fliegmer GmbH (Franken/Bayern): Der Geländehalter der Schmalzlalm Rettenbach ist eine moderne Flugschule, die auch Elektrowinden für den Schleppstart einsetzt und umfassende Fortbildungen anbietet.
Flugschule Pinzgau (Österreich): In Hollersbach ist die Flugschule Pinzgau der primäre Ansprechpartner für Einweisungen, Tagesmitgliedschaften und Tandemflüge. Eine Einweisung durch die lokale Schule wird dringend empfohlen, um die Tücken des Standorts (Leerotoren!) zu verstehen.
Das Fliegen ist in Deutschland und Österreich streng reglementiert. Die Einhaltung der Regeln ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch der Erhaltung der Fluggelände.
Kontakt und Zuständigkeiten Gelände Geländehalter / Verein Kontaktmöglichkeit Schmalzlalm Rettenbach Fliegmer GmbH
info@fliegmer.de / www.fliegmer.de
Hollersbach Berghof DFC Wildkogelfalken
wildkogelfalken@gmx.net / www.wildkogelfalken.at
Besondere Regeln und Notfall-Infos
Tagesmitgliedschaften: In Hollersbach müssen Gastflieger zwingend eine Tagesmitgliedschaft lösen, um die Start- und Landeplätze nutzen zu dürfen.
Sonderpilotenschein: Für das Fliegen in Hollersbach ist offiziell der Sonderpilotenschein (bzw. die unbeschränkte Lizenz) erforderlich.
Notfall: Die Notrufnummer in beiden Ländern ist die 112 (Euronotruf). In alpinen Geländen wie Hollersbach ist zusätzlich der Bergrettungsdienst über die 140 (Österreich) zu erreichen. Eine korrekte Standortangabe per GPS ist im Notfall lebensrettend.
Wenn die Windrichtung an der Schmalzlalm nicht passt, gibt es in der näheren Umgebung hervorragende Alternativen. Diese Flexibilität ist der Schlüssel zu einer hohen Flugausbeute.
Alternativen im Bayerischen Wald und Umgebung
Wenn der Wind in Rettenbach auf West oder Süd dreht, ist der Hang unbrauchbar.
Windberg: Ein nahegelegener Übungshang, der ideal für West- und Südwinde geeignet ist. Er stellt die perfekte Ergänzung zur Schmalzlalm dar.
Sommerberg (Haibach): Geeignet für Südwestwind.
Hoher Bogen: Ein anspruchsvolleres Gelände für Nordostwind, das deutlich mehr Höhendifferenz bietet als die Schmalzlalm.
Pröller: Ebenfalls eine gute Option für Nordostwindlagen im Bayerischen Wald.
Alternativen in den Alpen (Tirol/Salzburg)
Für Piloten, die sich in Hollersbach befinden, aber aufgrund von Wind oder Wetter ausweichen müssen:
Hohe Salve (Söll/Hopfgarten): Ein erstklassiges Thermikrevier mit Startplätzen in fast alle Richtungen (Süd, West, Nordwest).
Kreuzjoch (Schlick 2000): Ein bekanntes Gebiet im Stubaital mit einer Höhendifferenz von über 1100 Metern und exzellentem XC-Potenzial.
Neukirchen Wildkogel: In unmittelbarer Nähe zu Hollersbach gelegen und oft eine gute Alternative, wenn die Bedingungen am Berghof nicht passen.
Das Streckenfliegen erfordert eine präzise Kenntnis der thermischen Quellen und der Luftraumstruktur. Während die Schmalzlalm in Rettenbach hierfür nicht konzipiert ist, stellt Hollersbach ein Tor zu den österreichischen Alpen dar.
XC-Routen ab Hollersbach
Die geografische Lage von Hollersbach ermöglicht interessante Streckenflüge entlang des Pinzgaus.
Westroute: In Richtung Krimmler Wasserfälle. Hierbei muss man die Talwindsysteme und die Abschirmungen durch die hohen Gipfel der Venedigergruppe beachten.
Ostroute: In Richtung Kaprun und Zell am See. Der Flug zum Maiskogel ist ein Klassiker, der besonders im Hochsommer bei hoher Basis gut machbar ist.
Luftraum: Piloten müssen zwingend die Luftraumstrukturen beachten, insbesondere die Nähe zu kontrollierten Lufträumen um größere Flughäfen wie Salzburg oder Innsbruck. Ein aktuelles ICAO-Kartenstudium ist unerlässlich.
Thermikquellen und Technik
Im Bayerischen Wald (nahe Rettenbach) orientiert man sich thermisch oft an den dunklen Waldkanten oder an felsigen Abschnitten wie dem Hausstein bei Deggendorf. In Hollersbach hingegen sind es die sonnenexponierten Südhänge des Oberpinzgaus, die die besten Ablösungen bieten. Experten nutzen hier die "Umkehrthermik" am Abend, um ohne turbulente Mittagsthermik sanft aufzusteigen.
Die Untersuchung der Schmalzlalm-Standorte offenbart zwei grundverschiedene, aber gleichermaßen wertvolle Facetten des Paraglidings.
Der Standort Rettenbach (Bayern) ist das Fundament. Er ist die "Kinderstube", in der Piloten die Sicherheit und das Gefühl für ihren Schirm entwickeln. Wer hier seine Hausaufgaben im Groundhandling macht, wird in anspruchsvolleren Gebieten davon profitieren. Die klare Ausrichtung nach Nordost und die unkomplizierte Logistik machen ihn zu einem stabilen Wert im bayerischen Flugbetrieb.
Der Standort Hollersbach (Österreich) hingegen ist die Verwirklichung des Traums vom ewigen Fliegen. Das dynamische Soaring am Pass Thurn ist ein Erlebnis, das in dieser Intensität in Mitteleuropa selten zu finden ist. Doch dieses Vergnügen ist an Bedingungen geknüpft: Die Beachtung von Leerotoren, die korrekte Einschätzung der Windrichtung und der Respekt vor den lokalen Regeln sind der Preis für diese Freiheit.
Abschließend lässt sich sagen, dass ein Pilot, der beide Gebiete in sein Repertoire aufnimmt, eine vollständige fliegerische Ausbildung erfährt. Die Schmalzlalm ist somit nicht nur ein Ort, sondern ein Synonym für die Entwicklung vom Schüler zum Experten, der die Launen der Natur zu nutzen versteht. Ob beim konzentrierten Schirmtraining im Bayerischen Wald oder beim stundenlangen Gleiten über den Pinzgauer Wiesen – die Schmalzlalm bleibt ein fester Ankerpunkt in der Welt des Luftsports.