
2 Startplatzätze, 3 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Piz Scalottas: Der ultimative Piloten-Guide für die Lenzerheide
Wenn man die offizielle Geländedatenbank des DHV oder anderer Verbände aufschlägt, liest sich der Eintrag zum Piz Scalottas oft wie ein klinischer Befund: "Startrichtung West/Süd, Höhendifferenz 1600m, Schwierigkeit mittel". Diese Nüchternheit ist trügerisch. Sie verschweigt den pulsierenden Charakter eines Berges, der unter erfahrenen Piloten in Graubünden mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Begeisterung nur das "Kanonenrohr" genannt wird.
Der Piz Scalottas (2.323 m ü. M.) ist kein gewöhnlicher Startberg. Er ist ein aerodynamischer Zwitter. Nach Osten hin präsentiert er sich als sanfter, grasbewachsener Hügel, der im Winter von Skifahrern und im Sommer von Familien bevölkert wird. Doch wer über die Kante nach Westen blickt, schaut in den Abgrund des Domleschg – eine steile, thermisch hochaktive Flanke, die wie ein riesiger Hohlspiegel die Energie der Nachmittagssonne bündelt.
Dieser Report ist kein touristischer Prospekt. Er ist ein taktisches Handbuch für Gleitschirmpiloten, die verstehen wollen, warum die Luft hier so funktioniert, wie sie es tut. Wir werden die unsichtbaren Mechanismen des Talwindsystems analysieren, die das Landen in Valbella an manchen Tagen zum Glücksspiel machen können. Wir werden die mikrometeorologischen Besonderheiten des "Kanonenrohrs" dechiffrieren und aufzeigen, wie man die strengen Wildschutzregelungen navigiert, ohne ein Bußgeld zu riskieren.
Für den Piloten, der vom Piz Scalottas starten will, reicht es nicht zu wissen, wo der Windsack steht. Er muss verstehen, wie das Hochtal der Lenzerheide als Wasserscheide zwischen zwei mächtigen Windsystemen fungiert und wie man diese Energie nutzt, um stundenlange XC-Flüge bis in die Surselva oder nach Davos zu realisieren.
Um die Aerologie des Scalottas zu begreifen, muss man zunächst seine geografische Exponiertheit verstehen. Die Lenzerheide ist ein klassisches Hochtal, das sich grob in Nord-Süd-Richtung erstreckt. Es verbindet das Rheintal bei Chur im Norden mit dem Albulatal im Süden. Der Talboden liegt auf etwa 1.500 m ü. M., während die begrenzenden Kämme bis fast 3.000 Meter aufragen (Parpaner Rothorn: 2.861 m).
Der Piz Scalottas markiert den westlichen Rand dieses Hochtals. Er steht als Wächter zwischen zwei Welten:
Östliche Seite (Lenzerheide): Hier fällt das Gelände sanft ab. Es ist die Seite der Infrastruktur, der Skilifte und der Landeplätze. Diese Seite ist am Morgen begünstigt, wenn die Ostsonne die Grashänge erwärmt.
Westliche Seite (Domleschg/Heinzenberg): Hier bricht der Berg abrupt ab. Der Höhenunterschied zum Talboden des Hinterrheins bei Thusis/Cazis (ca. 650-700 m ü. M.) beträgt über 1.600 Meter. Diese massive vertikale Wand ist der Motor der Thermik.
Piloten am Scalottas bewegen sich auf einer meteorologischen Rasierklinge. Sie starten quasi auf dem Grat einer Wetterscheide. Während man auf der Ostseite (Richtung Lenzerheide) noch bei leichtem Wind gemütlich den Schirm auslegen kann, kann nur wenige Meter westlich, über die Kante hinweg, bereits ein starker überregionaler Westwind oder ein kräftiges Talwindsystem aus dem Domleschg herrschen.
Diese "Zwei-Täler-Dynamik" ist entscheidend für die Flugplanung. Ein Flug vom Scalottas bedeutet oft den Tanz zwischen dem lokalen Windsystem der Lenzerheide (oft Nordwind am Nachmittag) und dem großräumigen System des Rheintals. Wer diese Grenze nicht respektiert, findet sich schnell in einer Situation wieder, in der der Vorwärtsflug gegen den Westwind unmöglich wird ("Blow-Back") oder in der man in die Leewalze des Nordwinds gerät.
Die Luftmassen rund um den Piz Scalottas folgen einem komplexen, aber vorhersehbaren Muster, das von drei Hauptfaktoren bestimmt wird: dem überregionalen Meteowind, der lokalen Thermik und dem Talwindsystem.
Der Begriff fällt in fast jedem Gespräch über den Scalottas. Er beschreibt kein physisches Objekt, sondern einen aerologischen Effekt an der Westflanke.
Der Mechanismus: Die Westflanke ist nicht homogen. Sie ist durchzogen von Rippen und Rinnen. Wenn die Sonne am Nachmittag in das tiefgelegene Domleschg scheint, heizen sich die dortigen Luftmassen auf und steigen an der Westflanke empor.
Der Venturi-Effekt: Durch die topografische Formung – insbesondere eine Verengung der Geländeformen unterhalb des West-Startplatzes – wird diese aufsteigende Luftmasse komprimiert und beschleunigt.
Das Ergebnis: Anstatt einer sanften, großflächigen Thermik erlebt der Pilot oft punktuelle, extrem starke Aufwindbänder. Die Windgeschwindigkeit kann am Startplatz innerhalb von Sekunden von 10 km/h auf 35 km/h ansteigen, wenn ein thermischer Zyklus ("Blase") durchzieht. Diese Luft ist oft turbulent ("ruppig"), da sie sich an den scharfen Geländekanten bricht.
Das Talwindsystem hier ist tückisch, weil es sich um ein Hochtal handelt.
Die "Churwalden-Pumpe": Der Haupttalwind kommt aus dem Norden, vom Rheintal herauf. Er muss den "Pass" bei Churwalden überwinden.
Der Überlauf-Effekt: Wenn das Rheintal aufgeheizt ist, drückt die kühle Luftmasse über Churwalden in die Lenzerheide. Sobald sie die Passhöhe bei Parpan überwunden hat, "fällt" sie in Richtung Valbella und Heidsee hinab.
Die Gefahr für Piloten: Dieser Nordwind beschleunigt sich auf dem Weg nach Valbella. Für einen Piloten, der in Valbella landen will, bedeutet das:
Der Wind am Boden kann sehr stark sein (20-30 km/h), auch wenn es am Startplatz ruhig war.
Lee-Gefahr: Der Landeplatz Valbella liegt bei Nordwind oft im Lee der Ortschaft Parpan oder der vorgelagerten Hügel. Das Resultat sind unberechenbare Rotoren im Endanflug.
Der Piz Scalottas liegt mit seiner Nord-Süd-Ausrichtung quer zur Föhnachse. Bei Südföhn (Druckdifferenz Lugano-Zürich > 4 hPa) ist das Fliegen hier lebensgefährlich.
Warnzeichen: Die typischen Linsenwolken (Altocumulus lenticularis) über dem Piz Beverin oder dem Tödi. Ein rapider Temperaturanstieg im Tal.
Die Falle: Oft scheint es am Startplatz Scalottas (West) noch windstill oder schwach windig zu sein, während der Föhn in der Höhe bereits tobt. Sobald man startet und aus dem schützenden bodennahen Kaltluftsee heraussteigt, wird man von der Föhnströmung erfasst und turbulent verblasen.
Der Piz Scalottas bietet nicht nur einen, sondern mehrere Startplätze, die je nach Tageszeit und Windbedingungen genutzt werden müssen. Die Wahl des falschen Startplatzes zur falschen Zeit ist der häufigste Anfängerfehler.
Koordinaten: N 46°43'16.60" E 9°30'36.61"
Höhe: ca. 2.300 m
Ausrichtung: W, NW (292° - 337°)
Charakteristik: Dies ist der berühmteste Startplatz, gelegen etwa 5 Gehminuten westlich der Bergstation. Das Gelände beginnt als mittelsteile, hügelige Wiese und geht dann in den steilen Westabbruch über.
Taktik: Hier startet man typischerweise am Nachmittag, wenn der Talwind aus dem Domleschg und die Thermik eingesetzt haben.
Gefahr: Bei starker Instabilität ist der Wind hier extrem böig. Ein Rückwärtsstart ist absolute Pflicht. Es ist keine Seltenheit, dass Piloten hier ausgehebelt werden, wenn sie versuchen, in einer thermischen Ablösung vorwärts zu starten.
Insider-Tipp: Beobachten Sie die Baumwipfel weiter unten im Hang. Wenn diese sich stark biegen, warten Sie ab. Starten Sie nur in den "Pausen" zwischen den thermischen Zyklen.
Koordinaten: N 46°43'11.14" E 9°30'38.33"
Höhe: 2.295 m
Ausrichtung: S, SW (157° - 247°)
Charakteristik: Dieser Platz liegt südlich des Bergrestaurants, etwa 10 Gehminuten entfernt. Er ist oft die bessere Wahl für den ersten Start des Tages (ca. 11:30 - 12:30 Uhr).
Der Trigger: Direkt unterhalb dieses Startplatzes liegen die Felsbänder von "Bleis Pintgas". Diese Felsen heizen sich schneller auf als die Westflanke.
Der "Startschlauch": Oft steht direkt vor dem Startplatz ein kräftiger Bart. Man hebt ab und steigt sofort. Achtung: Wenn der überregionale Wind (z.B. West) stark ist, kann es hier zu Scherungen kommen, da die Thermik aus Süd aufsteigt und vom Westwind "geköpft" wird.
Koordinaten: Nahe der Bergstation
Höhe: 2.310 m
Ausrichtung: O, SO (67° - 112°)
Charakteristik: Gelegen auf den sanften Hängen zwischen Station und Berggasthof.
Zeitfenster: Ideal am Vormittag (09:00 - 11:30 Uhr).
Nutzung: Perfekt für Genussflüge, Tandems und Schüler. Hier kann man sanft Richtung Lenzerheide gleiten.
Warnung: Sobald die Sonne den Zenit überschritten hat (ca. 13:00 Uhr), liegt dieser Startplatz im Lee des Westwindes, der über den Grat schwappt. Ein Start am späten Nachmittag nach Osten ist oft turbulent oder unmöglich (Rückenwind).
Koordinaten: Ca. 2 km südlich des Scalottas
Höhe: 2.495 m
Zugang: Ca. 50 Minuten Wanderung vom Scalottas Gipfel.
Vorteil: Wenn am Scalottas Hochbetrieb herrscht – was an guten Wochenenden der Fall ist –, bietet der Piz Danis Ruhe und vor allem fast 200 Meter mehr Arbeitshöhe.
Start: Auch hier gibt es West- und Ost-Optionen. Der höhere Startpunkt erleichtert oft den Einstieg in die Basis, wenn diese hoch liegt.
Der Scalottas ist der ideale Ausgangspunkt für Streckenflüge, aber er verzeiht keine taktischen Fehler in der Anfangsphase.
Nach dem Start (Süd oder West) ist das erste Ziel Höhengewinn.
Die Route: Drehen Sie sofort nach dem Start nach links (Süden) in Richtung der Felsbänder Bleis Pintgas. Hier löst sich die Thermik am zuverlässigsten ab.
Die Geduldsprobe: Oft "kratzt" man hier zunächst in Bodennähe. Es ist essenziell, die Wildschutzregeln (300m Abstand, siehe Kapitel 8) zu beachten, auch wenn man tief ist. Suchen Sie die Thermik nicht zu nah am Hang, sondern oft etwas vorgelagert über den Felskanten.
Die Entscheidungshöhe:
Unter 2.300m: Bleiben Sie am Hang, kämpfen Sie um jeden Meter.
2.300m - 2.600m: Sie sind im Spiel. Nutzen Sie diese Höhe, um zurück zum Gipfel zu queren oder weiter nach Süden zum Piz Danis zu fliegen.
Über 2.600m: Der Weg ist frei für Talquerungen.
Für fortgeschrittene Piloten ist das lokale Dreieck (15-25 km) der Klassiker.
Schenkel 1 (Nord): Vom Scalottas nach Norden Richtung Stätzerhorn und Piz Raschil. Achtung: Die Seilbahnkabel am Stätzerhorn sind vor dem dunklen Wald extrem schwer zu sehen! Halten Sie reichlich Abstand.
Transition (Ost): Queren Sie das Tal hinüber zum Parpaner Rothorn. Dies ist die Schlüsselstelle. Sie müssen hoch genug ankommen (mindestens auf Höhe der Mittelstation Scharmoin), um den Anschluss zu finden. Kommen Sie zu tief an, geraten Sie in den "Waschgang" des Talwinds und werden gnadenlos zum Landeplatz gespült.
Schenkel 2 (Süd): Thermikfliegen an der Rothorn-Westflanke. Diese Seite "funktioniert" erst später am Tag richtig gut (ab 14:00 Uhr), wenn die Sonne herumgewandert ist. Fliegen Sie Richtung Lenzer Horn.
Schenkel 3 (Rückkehr): Gleiten Sie zurück über das Tal zum Landeplatz Valbella.
Wer die 100km+ knacken will, nutzt den Scalottas als Sprungbrett in den Westen.
Route: Scalottas -> Heinzenberg -> Flims -> Disentis -> Oberalppass.
Die Herausforderung: Die Querung des Hinterrheintals (Domleschg) hinüber zum Heinzenberg (westliche Talseite). Man muss den Scalottas mit maximaler Höhe verlassen (2.800m+), um am Heinzenberg hoch genug anzukommen und die dortigen Trigger zu erreichen.
Risiko: Wer die Querung versemmelt, landet im Talboden bei Thusis oder Cazis. Das bedeutet eine lange Rückreise mit Bus und Bahn (siehe Kapitel 7.3).
Das Landen in der Lenzerheide fordert oft mehr Konzentration als der Flug selbst. Die dünne Luft auf 1.500m sorgt für hohe Landegeschwindigkeiten, und der Talwind lauert.
Koordinaten: N 46°44'39.1'' E 9°33'8.28''
Höhe: 1.490 m
Lage: Nördlich des Heidsees, beim Ferienheim "Tgiesa Canols" / Fußballplatz.
Landeveolte:
Bei Talwind (Nordwind): Rechtsvolte. Dies ist entscheidend, um Konflikte zu vermeiden und gegen den Wind zu landen.
Ohne Talwind: Linksvolte.
Gefahren:
Lee-Turbulenz: Wie in Kapitel 3.2 beschrieben, erzeugt starker Nordwind hinter den Häusern von Valbella und den Baumreihen Turbulenzen. Wenn Sie Schaumkronen auf dem Heidsee sehen, ist Vorsicht geboten! Landen Sie nicht zu kurz hinter den Hindernissen.
See-Effekt: Fliegen Sie nicht zu tief über den kalten See. Hier herrscht oft starkes Sinken ("Lake Suck").
Winter-Spezial: Der Landeplatz wird im Winter von Langlaufloipen durchkreuzt. Es herrscht striktes Landeverbot auf der Loipe! Landen Sie im Tiefschnee daneben. Eine Beschädigung der klassischen Spur führt zu massivem Ärger mit den Bergbahnen und gefährdet das Fluggebiet.
Logistik: Faltplatz am Rand des Fußballfeldes nutzen.
Koordinaten: N 46°45'37.54'' E 9°33'43.33''
Höhe: 1.500 m
Lage: Große Wiese östlich des Dorfzentrums von Parpan.
Nutzung: Dieser Platz ist eine gute Alternative, wenn Valbella überfüllt ist oder man auf dem Rückweg vom Norden zu kurz kommt. Er ist weitläufiger und oft laminarer angeströmt als Valbella, erfordert aber eine längere Gleitstrecke vom Scalottas.
Koordinaten: N 46°43'12.56'' E 9°26'19.6''
Höhe: ca. 670 m
Lage: Im Talboden des Domleschg, südlich eines Bauernhofes.
Szenario: Sie sind nach Westen gestartet, haben den Thermikanschluss verpasst ("abgesoffen") oder wollten zum Heinzenberg queren und haben es nicht geschafft.
Der Abstieg: Sie vernichten hier gigantische 1.600 Höhenmeter. Genießen Sie den Flug, aber planen Sie die Rückreise.
Rückreise: Sie befinden sich nun in einem anderen Talsystem. Die Rückkehr zum Auto in Lenzerheide dauert ca. 90 Minuten (Postauto Cazis -> Chur, Umsteigen -> Postauto Lenzerheide).
Dies ist die Zeit des "Kanonenrohrs". Die Thermik ist stark, zuverlässig und oft ruppig.
Beste Zeit: Ab 11:00 Uhr Südstart, ab 13:00 Uhr Weststart.
Gefahren: Gewitterneigung am Nachmittag beachten. Der Talwind in Valbella erreicht sein Maximum (bis 30 km/h).
Menge: An Wochenenden kann es voll werden. Beachten Sie die Vorflugregeln am Hang.
Der Scalottas verwandelt sich in ein Ski-Mekka, bleibt aber fliegerisch attraktiv.
Startplätze: Die offiziellen Startplätze sind oft präparierte Pisten oder liegen im Tiefschnee.
Konflikt: Starten Sie NIEMALS auf einer aktiven Skipiste, wenn Skifahrer kommen. Nutzen Sie die Ränder.
Thermik: Ja, auch im Winter! Die dunklen Felsen bei Bleis Pintgas heizen sich auch bei Minusgraden auf und liefern erstaunliche Winterthermik.
Kleidung: Auf 2.300m ist es eisig, und der Windchill bei 35 km/h Fluggeschwindigkeit ist brutal. Beheizbare Handschuhe sind kein Luxus, sondern Sicherheitsausrüstung.
Die Schweiz nimmt den Wildschutz ernst. Verstöße werden nicht nur mit bösen Blicken, sondern mit empfindlichen Bußgeldern geahndet.
Es gilt eine generelle Regelung für das gesamte Gebiet Scalottas/Piz Danis :
Die Regel: Unterhalb von 2.200 m ü. M. muss ein Mindestabstand von 300 Metern (vertikal/schräg) zum Gelände eingehalten werden.
Ausnahme: Start- und Landephase. Das "Hangschrubben" (Soaring in Bodennähe) weit abseits der Startplätze ist in diesen Zonen verboten.
Warum? Gams- und Steinwildpopulationen stehen unter Stress, besonders im Winter und Frühjahr. Ein lautloser Gleitschirm wird oft als Greifvogel wahrgenommen und löst Fluchtreflexe aus, die im Winter tödlich viel Energie kosten.
Schafberg / Piz Danis Nord: Hier existiert eine strikte "Wildruhezone". Überflug vermeiden.
Lenzer Horn: Auf der gegenüberliegenden Talseite sind die Hänge ebenfalls geschützt. Wer das Tal quert, sollte dies mit ausreichender Höhe tun.
Kabel: Achten Sie auf die Seilbahnkabel am Stätzerhorn und Rothorn. Diese verlaufen oft hoch über dem Grund ("Luftseilbahn") und sind bei diffusem Licht unsichtbar. Kreuzen Sie Seilbahntrassen immer über den Masten, wo die Kabel fixiert und markiert sind.
Luftraum: Das Gebiet liegt meist im Luftraum G (frei bis 600m AGL) oder E. Beachten Sie jedoch die Segelflugkarte für saisonale Zonen oder militärische Übungen (DABS prüfen!).
Die Talstation befindet sich in Val Sporz am südlichen Ende von Lenzerheide.
Auto: Parkplätze an der Talstation Val Sporz vorhanden, aber oft voll.
Sportbus: Das Rückgrat der Logistik. Die Rote Linie und Blaue Linie verbinden den Landeplatz Valbella (Haltestelle "Post" oder "Canols") mit der Talstation "Val Sporz". Der Bus ist im Winter oft überfüllt, aber kostenlos. Fahrtzeit ca. 15 Minuten.
Die Region ist gleitschirmfreundlich und bietet spezielle Tarife :
Ticket-Typ Preis (CHF) Empfehlung / Strategie Einzelfahrt (Paraglider) ~ 22.50 - 28.00* Gut für einen einzelnen Abgleiter ("Sled Ride") oder Hike & Fly Abstieg. Tageskarte (Paraglider) 45.00 Der "Goldstandard". Erlaubt unbegrenzte Fahrten am Scalottas, Rothorn und Pradaschier. Lohnt sich ab dem 2. Flug. Saisonkarte (Sommer) 350.00 Für Einheimische oder Urlauber mit >8 Flugtagen. Export to Sheets
Hinweis: Preise sind Richtwerte basierend auf den vorliegenden Daten für Paraglider-Ermäßigungen.
Wer zu Fuß gehen will: Der Aufstieg von Val Sporz (1.500m) zum Gipfel (2.323m) dauert ca. 1,5 bis 2 Stunden (T2-Wanderweg).
Route: Folgen Sie den Wanderwegen via Tgantieni. Im Winter ist Vorsicht geboten – laufen Sie nicht auf den Pisten! Die Route über die "June Hütte" ist landschaftlich reizvoll und etwas ruhiger.
Fliegen ist ein sozialer Sport. Hier trifft man die Szene:
Berggasthof Piz Scalottas: Direkt am Gipfel. Die Terrasse ist der beste Ort für das Wetter-Briefing. Man sieht die Windsäcke der umliegenden Gipfel und kann sich mit lokalen Piloten austauschen.
June Hütte: Urige Hütte unterhalb des Gipfels. Perfekt für einen Zwischenstopp beim Top-Landen (im Winter/Frühjahr möglich, wenn wenig Betrieb).
Valbella: Nach der Landung trifft man sich am Kiosk beim Sportplatz oder im Hotel Seehof.
Der lokale Club Vol Liber Grischun organisiert diesen dezentralen Wettbewerb.
Die Idee: Wer den punktbesten Flug im XContest einreicht, der in der Lenzerheide gestartet ist, gewinnt einen 250 CHF Gutschein der Bergbahnen.
Motivation: Dies fördert ambitionierte Streckenflüge. Um zu gewinnen, ist meist ein FAI-Dreieck von über 80km nötig, das tief in die Surselva und zurück führt.
Verlassen Sie sich nicht auf allgemeine Apps. Nutzen Sie die lokalen Messwerte:
Holfuy Piz Scalottas: Liefert Echtzeit-Winddaten vom Gipfel. Essenziell, um zu sehen, ob das "Kanonenrohr" schon feuert (Böen > 25 km/h sind ein Warnsignal).
Webcam Rothorn: Zeigt die Basis und Wolkenentwicklung auf der gegenüberliegenden Talseite. Wenn der Rothorn-Gipfel in Wolken hüllt, ist Vorsicht geboten.
Regionale Thermikprognosen: Burnair Map oder Soaringmeteo bieten gute Modelle für die Konvergenzzonen im Tal.
Der Piz Scalottas ist ein Wolf im Schafspelz. Seine sanfte Ostseite lädt ein, seine wilde Westseite fordert heraus. Er bietet eine der besten logistischen Anbindungen der Alpen – Bus, Bahn, Startplatz in Rekordzeit. Doch er verlangt Respekt. Respekt vor dem Talwind, Respekt vor dem Föhn und Respekt vor der Tierwelt.
Wer das "Kanonenrohr" meistert, die Lee-Fallen in Valbella umfliegt und die thermischen Trigger bei Bleis Pintgas zu nutzen weiß, für den ist der Scalottas nicht nur ein Startplatz, sondern das Tor zu den wohl spektakulärsten Flügen Graubündens.
Hals- und Beinbruch – wir sehen uns an der Basis!
Kurzübersicht: Piz Scalottas Fakten Merkmal Details Gipfelhöhe 2.323 m ü. M. Startrichtungen W, NW (Kanonenrohr) / S, SW (Thermik) / O (Morgen) Bester Wind Schwach bis Mäßig aus West/Nordwest No-Go Wind Föhn (Süd), Starker Nordwind (>20 km/h auf 2000m) Landeplatz Valbella (1.490 m) - Achtung Lee & Loipen! Transport Sesselbahn Val Sporz -> Tgantieni -> Scalottas Ticket (Paraglider) CHF 45.00 (Tageskarte) / ~CHF 28.00 (Einzelfahrt) Club
Vol Liber Grischun
Notruf 144 (Sanität) / 1414 (Rega)
Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Dieser Bericht dient nur der Information und ersetzt keine fundierte Ausbildung, Wetterprüfung oder Vor-Ort-Beurteilung. Konsultieren Sie immer das aktuelle DABS und Wetterdaten vor dem Flug.