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Feldis

Startplätze:2
Landungen:1
Koord.:46.7950°N, 9.4288°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

2 Startplatzätze, 1 Landeplatz

Feldis Startplatz 1

Start
Höhe1441m ü. M.
Koord.46.7950, 9.4288
WindSW
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Feldis Startplatz 2

Start
Höhe1965m ü. M.
Koord.46.7963, 9.4558
WindS
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Trans Landeplatz

Landung
Höhe797m ü. M.
Koord.46.7577, 9.4436
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Feldis & Mutta: Die umfassende Monographie eines alpinen Fluggebiets im Domleschg Einleitung: Das unterschätzte Juwel im Schatten der Giganten

In der stratosphärischen Hierarchie der Schweizer Gleitschirm-Mekkas dominieren oft die klangvollen Namen des Berner Oberlands oder des Wallis die Diskussionen an den Stammtischen und in den Online-Foren. Fiesch, Grindelwald oder Verbier ziehen die Massen mit dem Versprechen auf gigantische Streckenkilometer und prestigeträchtige FAI-Dreiecke an. Doch abseits dieser hochfrequentierten Luftstraßen, in den verwinkelten Talschaften Graubündens, existieren Fluggebiete, die eine andere, vielleicht ursprünglichere Form des Fliegens repräsentieren. Feldis, oder Veulden im lokalen rätoromanischen Idiom, ist ein solches Juwel.

Versteckt auf einer sonnendurchfluteten Terrasse hoch über dem Domleschg, führt Feldis oft ein ungerechtfertigtes Schattendasein in den Logbüchern der Mainstream-Piloten. Zu Unrecht. Denn was sich hier, zwischen dem sanften Bergrücken der Mutta und dem tief eingeschnittenen Tal des Hinterrheins, offenbart, ist nicht weniger als die Essenz des alpinen Gleitschirmfliegens: Eine atemberaubende Kulisse, geprägt von der geologischen Wucht der Tektonik, technisch interessante aerologische Herausforderungen und eine Ruhe, die man an den kommerzialisierten „Big Spots“ vergeblich sucht. Während in Fiesch der Luftraum so dicht besiedelt ist wie eine Autobahn zur Rush Hour und der Kampf um den Hausbart oft mehr Ellenbogenmentalität als fliegerisches Feingefühl erfordert, bietet Feldis Raum – Raum zum Atmen, Raum zum Taktieren und Raum für die stille Zwiesprache mit den Elementen.  

Dieser Report ist kein gewöhnlicher Datenbank-Eintrag und distanziert sich bewusst von der kargen Informationsdichte standardisierter Geländeführer. Er ist das Ergebnis tiefgehender Recherchen, meteorologischer Analysen und der akribischen Zusammenführung von lokalem Wissen, das oft nur mündlich weitergegeben wird. Er ersetzt und übertrifft den Standard-DHV-Eintrag, indem er nicht nur das „Wo“ und „Wie hoch“ beantwortet, sondern das „Warum“, das „Wann“ und vor allem das „Wie sicher“. Wir tauchen ein in die komplexe Aerologie des Rheintals, analysieren die psychologischen Aspekte des Starts an der hochalpinen Mutta und liefern die logistischen Geheimtipps, die den Unterschied zwischen einem stressigen Ausflug und dem perfekten Flugtag ausmachen.

Umfangreich, detailliert und schonungslos ehrlich – dies ist das Kompendium für Piloten, die Feldis nicht nur abfliegen, sondern in seiner Gänze verstehen wollen. Es richtet sich an den sicherheitsbewussten Genussflieger ebenso wie an den ambitionierten Streckenpiloten, der das Domleschg als Sprungbrett für größere Abenteuer nutzen möchte.

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Die Topographie des Domleschg: Eine geologische Arena

Um Feldis fliegerisch zu begreifen, muss man zunächst die Topographie verstehen, denn sie ist der primäre Architekt der lokalen Windsysteme. Das Domleschg ist nicht einfach nur ein Tal; es ist eine geologische Arena von beeindruckender Dimension. Der Hinterrhein hat sich hier über Jahrtausende tief in den Fels gegraben und trennt den sanft gewellten Heinzenberg im Westen von der schrofferen Stätzerhornkette im Osten.  

Feldis selbst thront auf ca. 1.470 m ü. M. auf einer Hochebene östlich des Rheins. Diese exponierte Lage auf einer "Sonnenterrasse" ist klimatisch begünstigt und bietet oft Schutz vor den kühlen Inversionen, die im Spätherbst und Winter den Talboden plagen. Der Hausberg, die Mutta (1.980 m ü. M.), ist im Gegensatz zu den felsigen Zähnen der Umgebung kein schroffer Felszacken, sondern eine sanft gerundete Kuppe, die wie eine natürliche Rampe in den Himmel ragt. Diese spezifische geologische Form ist entscheidend für die Flugcharakteristik des Gebietes. Die sanften, gräsernen Flanken der Mutta heizen sich unter der Sonneneinstrahlung gleichmäßig auf. Dies verhindert oft die Entstehung von aggressiven, engen "Bullet-Thermik"-Schläuchen, wie man sie von Felswänden kennt, und begünstigt stattdessen großflächige, aber moderate Ablösungen.  

Die Mutta steht zudem relativ frei im Landschaftsbild. Das bedeutet einerseits einen ungehinderten Einstrom thermischer Luftmassen aus dem Talboden, andererseits aber auch eine gewisse Anfälligkeit für überregionale Winde, insbesondere aus westlichen Sektoren, die ungebremst auf den Bergrücken treffen können. Piloten müssen diese Exposition bei der Flugplanung zwingend berücksichtigen, da der Grat wenig Schutz vor starkem Westwind bietet.

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Die Magie der Höhendifferenz: Zeit als Ressource

Ein entscheidender Faktor, der Feldis attraktiv macht und es von vielen anderen Gebieten abhebt, ist die massive "Arbeitshöhe" oder "Height Above Landing", die man hier quasi geschenkt bekommt. Die nackten Zahlen verdeutlichen das Potenzial: Der Startplatz auf der Mutta liegt auf knapp 2.000 Metern, während der Landeplatz im Tal bei Rhäzüns auf etwa 650 Metern liegt. Dies ergibt eine effektive Höhendifferenz von rund 1.330 Metern.  

Diese 1.300 Meter sind im Gleitschirmsport eine magische Zahl, die weit mehr bedeutet als nur eine längere Zeit in der Luft. Sie transformieren den Flug von einem hektischen Kampf gegen die Schwerkraft in ein strategisches Spiel. Selbst bei absolut toter Luft, etwa bei einem ruhigen Winterabgleiter, garantiert diese Höhe eine Flugzeit von 15 bis 20 Minuten. Bei auch nur minimaler thermischer Aktivität bietet dieses Höhenpolster genügend Zeit, um verschiedene Abrisskanten und potenzielle Thermikquellen abzutasten, ohne sofort unter den psychologischen Druck zu geraten, den Landeplatz anpeilen zu müssen. Es ist ein Gebiet, das dem Piloten Zeit schenkt – die wertvollste Ressource für Anfänger, die das Zentrieren üben wollen, ebenso wie für Streckenpiloten, die den Einstieg in die Route suchen. Das Plateau von Feldis auf halber Höhe fungiert dabei als mentales Sicherheitsnetz: Sollte der Anschluss oben nicht gelingen, bietet die Topographie hier oft eine zweite Chance oder zumindest eine entspannte Zwischenlandemöglichkeit.

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Die Startplätze: Mutta & Feldis im Detail

Ein Startplatz ist mehr als nur eine Wiese; er ist die Schleuse zur dritten Dimension, der Ort, an dem die Metamorphose vom Fußgänger zum Piloten stattfindet. In Feldis haben wir es mit einer interessanten Dichotomie zu tun, einer Art „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ der Startmöglichkeiten: Dem königlichen, erhabenen Startplatz auf der Mutta und dem pragmatischen, leicht erreichbaren Startplatz direkt im Dorf Feldis. Beide haben ihre spezifischen Einsatzbereiche, Vorzüge und Tücken.

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Startplatz Mutta (Der "Königsplatz")

Dieser Platz ist zweifellos der Hauptgrund, warum Piloten die Anreise und die Logistik auf sich nehmen. Er liegt fast auf dem Gipfelplateau der Mutta und bietet, wenn man erst einmal oben steht, 360-Grad-Panorama-Optionen, die den Blick vom Piz Beverin bis weit ins Rheintal freigeben. Die offiziellen Koordinaten verorten den Platz auf 1.980 m ü. M..  

Die Aerologie am Startplatz Mutta ist komplexer, als der erste, sanfte Eindruck vermuten lässt. Wir können hier zwei primäre Startsektoren unterscheiden, die je nach Tageszeit und Windsystem gewählt werden müssen.

Sektor Süd/Südwest (Die "Rampe"): Dies ist der klassische Startplatz für den Vormittag und frühen Nachmittag. Es handelt sich um eine mittelsteile Wiese, die direkt in den thermischen Aufwind zeigt, der sich an der sonnenbeschienenen Südflanke bildet. Der Vorteil dieses Sektors liegt in seiner Neigung. Der Hangneigungswinkel passt oft perfekt für ein zügiges Abheben, ohne dass man endlos laufen muss, aber auch ohne die beklemmende Steilheit eines Klippenstarts. Hindernisse sind in diesem Sektor kaum vorhanden, was den mentalen Stress für weniger routinierte Piloten erheblich reduziert. Allerdings lauert hier eine Gefahr: Bei starkem Talwind, der in der Höhe oft als Südkomponente durchschlägt, oder bei einer allgemeinen Föhntendenz, kann der Wind hier sehr schnell zunehmen. Da die Düsenwirkung des Tals den Wind komprimiert, können aus angenehmen 15 km/h Startwind schnell unstartbare 30 km/h werden. Ein genauer Blick auf die Windfahnen und das Verhalten der Vegetation unterhalb des Startplatzes ist hier obligatorisch.  

Sektor West/Nordwest (Der "Abendstart"): Dieser Sektor ist etwas flacher und wird oft genutzt, wenn die Thermik am späten Nachmittag schwächelt und der Wind eher vom Heinzenberg im Westen herüberdrückt. Die Besonderheit dieses Platzes liegt in seiner Topographie: Hier gibt es einen sehr flachen Bereich zum Auslegen, der fast an einen Teppich erinnert. Doch direkt nach diesem flachen Stück folgt eine Kante, die in die steilere Wiese übergeht. Dies erfordert eine angepasste Starttechnik. Der Pilot muss hier konsequent anlaufen und darf sich nicht von der Kante irritieren lassen. Wer zu früh bremst oder zögert, weil die Kante näher kommt, riskiert einen Startabbruch in ungünstigem, steilerem Gelände. Es gilt: Mit Entschlossenheit über die Kante beschleunigen, bis der Schirm trägt.  

Die Zugangs-Hürde: Ein oft verschwiegenes Detail in Kurz-Guides, das schon manchen Piloten mit schwerer Ausrüstung überrascht hat: Die Ankunft an der Bergstation des Sessellifts ist nicht gleichbedeutend mit der Ankunft am Startplatz. Nach dem Aussteigen aus dem Sessellift muss man noch einen Fußmarsch von ca. 5 bis 10 Minuten bewältigen. Im Winter, wenn der Weg verschneit ist und man eventuell noch Ski oder Schneeschuhe dabei hat, kann sich dieser Marsch auf 15 Minuten ausdehnen. Dieser kleine Marsch sollte jedoch nicht als Ärgernis, sondern als nützliches "Cool-Down" betrachtet werden. Er gibt dem Piloten Zeit, die Umgebung zu scannen, die Wolkenentwicklung zu beobachten und den Puls vor dem Start zu beruhigen.

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Startplatz Feldis (Der "Faulenzer" & Winter-Backup)

Der zweite Startplatz befindet sich direkt bei der Bergstation der Luftseilbahn (nicht zu verwechseln mit dem Sessellift!) auf etwa 1.440 m ü. M.. Er dient oft als Ausweichmöglichkeit oder für schnelle Flüge zwischendurch.  

Dieser Platz ist die strategische Reserve des Fluggebiets. Er wird primär in drei Szenarien gewählt: Erstens in der Zwischensaison, wenn der Sessellift zur Mutta aufgrund von Revision oder Schneemangel nicht läuft (oft im späten Frühling oder späten Herbst). In diesen Zeiten ist der Startplatz Feldis die einzige motorisierte Option, um in die Luft zu kommen, ohne den Berg komplett zu Fuß erklimmen zu müssen. Zweitens bei starkem Höhenwind. Wenn es auf 2.000 Metern an der Mutta zu "hackig" ist und der Wind mit 30-40 km/h über den Grat pfeift, kann es auf dem geschützten Plateau von Feldis, 500 Meter tiefer, noch fliegbar sein. Der Waldgürtel und die Topographie bremsen den Höhenwind oft ab, sodass hier noch sichere Starts möglich sind, während oben die Welt untergeht. Drittens aus reiner Bequemlichkeit. Wer sich das Ticket für den Sessellift und den anschließenden Fußmarsch sparen will, startet hier für einen schnellen, unkomplizierten Abgleiter nach Rhäzüns. Mit immer noch beachtlichen ca. 800 Metern Höhendifferenz ist auch dieser Flug lohnenswert, besonders als Abschluss eines Flugtages.

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Die Landeplätze: Taktik und Tücken

Landen ist beim Fliegen optional, sicher Landen ist jedoch Pflicht. Im Fluggebiet Feldis stehen dem Piloten zwei primäre Optionen zur Verfügung, die strategisch und aerologisch völlig unterschiedlich bewertet werden müssen. Die Wahl des Landeplatzes sollte bereits vor dem Start getroffen werden, basierend auf der aktuellen Wetterlage und der Tageszeit.

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Landeplatz Rhäzüns (Das Tal-Ziel)

Der offizielle Landeplatz in Rhäzüns ist das Ziel für alle, die "ganz runter" wollen oder müssen. Er liegt nördlich des Dorfes Rhäzüns, unweit der Talstation der LRF, auf ca. 650 m ü. M..  

Der "Elefant im Raum": Der Rheintalwind Das Rheintal ist eine der markantesten und mächtigsten Winddüsen der gesamten Alpen. An thermischen Tagen, besonders im Frühling und Sommer, baut sich hier ab dem Mittag ein strammer Talwind auf, der meist aus nördlicher Richtung (vom Bodensee herauf) weht. Dieser Wind ist der dominierende Faktor für die Sicherheit am Landeplatz Rhäzüns. Die Gefahr liegt in der Unterschätzung. Piloten, die oben an der Mutta bei schwachem Wind starten und einen "gemütlichen" Abgleiter planen, werden unten im Tal oft von der Stärke des Talwinds überrascht. Windgeschwindigkeiten von 20 bis 30 km/h sind an guten Tagen keine Seltenheit, in Böen auch mehr. Dies erfordert eine präzise Landeplanung und eine aktive Flugweise.  

Taktik für die Landung: Der Landeanflug muss zwingend gegen den Wind erfolgen, was bei Nordwind bedeutet, dass man mit Blickrichtung Norden (Talabwärts/Bodensee) landet. Eine saubere Volte ist essenziell. Da der Wind stark sein kann, muss der Vorhaltewinkel entsprechend groß gewählt werden, um nicht abgetrieben zu werden. Die Positionierung ist entscheidend. Man sollte tunlichst vermeiden, zu weit ins Lee von Hindernissen oder Geländekanten zu geraten. Nördlich des Dorfes ist das Gelände relativ offen, was für einen laminaren Windstrom sorgt. Die alte Fliegerweisheit "besser stark und laminar als schwach und turbulent" trifft hier voll zu. Ein weiterer kritischer Punkt ist der "Kabel-Alarm". In der unmittelbaren Umgebung der Talstation und im Bereich der Rheinquerung existieren diverse Materialseilbahnen und Hochspannungsleitungen. Diese sind aus der Luft oft schwer zu erkennen, besonders gegen den dunklen Hintergrund des Waldes oder des Wassers. Eine gründliche Besichtigung der Landewiese und der Hindernisse am Boden, bevor man mit der Bahn hochfährt, ist für Erstbesucher nicht nur ratsam, sondern eine Frage der Überlebensstrategie.

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Landeplatz Feldis (Das Top-Landing)

Für diejenigen, die oben bleiben wollen oder denen der Talwind unten zu stark geworden ist, bietet sich der Landeplatz Feldis an. Er liegt nördlich der Talstation des Sessellifts, am Rand des Dorfes, auf ca. 1.430 m ü. M..  

Dieser Platz ist taktisch extrem wertvoll. Er fungiert als "Safe Haven". Wenn man während des Fluges feststellt, dass der Talwind in Rhäzüns "hämmert" – erkennbar oft an Schaumkronen auf dem Rhein, sich stark biegenden Bäumen oder dem schnellen Drift von Rauch – ist das Top-Landing in Feldis die einzig vernünftige und sichere Alternative. Es zeugt von hoher Airmanship, einen Flug hier oben zu beenden, anstatt sich in den Hexenkessel des Tals zu stürzen. Von Feldis aus kann man dann gemütlich und sicher mit der Bahn wieder ins Tal fahren.

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Aerologie und Meteorologie: Das unsichtbare Spielfeld

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer Feldis nur nach den bunten Pfeilen von "Windfinder" fliegt, wird oft frustriert am Boden stehen oder in der Luft unerwartet kämpfen müssen. Man muss die lokalen, unsichtbaren Systeme verstehen, die dieses Tal regieren.

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Der Föhn: Der stille Killer

Graubünden ist ein klassisches Föhngebiet, und Feldis bildet da keine Ausnahme. Das Gebiet liegt zwar nicht in der brutalsten Schneise wie etwa das Urner Reusstal, aber der Südföhn greift hier durchaus durch und kann extrem gefährlich werden. Das Tückische an der Situation in Feldis ist die Exposition der Mutta. Der Berg ist nach Süden hin offen. Ein leichter Föhn kann am Startplatz daher trügerisch wie ein perfekter, thermischer Aufwind wirken. Der Wind kommt "schön von vorne", die Bedingungen scheinen ideal. Doch dies ist oft eine Falle. Startet man in diesen Bedingungen, kann man schon 100 oder 200 Meter höher in eine brutale Scherung geraten, wo der laminare Föhnstrom auf die thermischen Ablösungen oder den Westwind trifft. Turbulenzen, die einen Gleitschirm massiv deformieren können, sind die Folge.  

Die Indikatoren: Um diese Gefahr zu erkennen, muss der Pilot vor dem Flug genaue Daten analysieren. Die Druckdifferenz zwischen Lugano und Zürich ist der erste Warnmelder. Eine Differenz von 4 hPa ist bereits Alarmstufe Gelb, bei der Vorsicht geboten ist. Ab 6 hPa Druckdifferenz sollte man das Fluggerät gar nicht erst auspacken; das Risiko eines Föhndurchbruchs ist immens. Ein Blick nach Süden, Richtung San Bernardino und Splügenpass, hilft ebenfalls. Steht dort die klassische Föhnmauer, eine kompakte Wolkenwand, die über den Alpenhauptkamm schwappt? Wenn ja, ist der Föhn aktiv. Auch die Windwerte am Säntis (2500m) sind ein guter Indikator für die Höhenströmung. Meldet der Säntis Südwind mit mehr als 30 km/h, ist die Mutta als Flugziel gestrichen.

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Thermik-Systeme und Saisonale Besonderheiten

Die Thermik in Feldis hat ihre eigenen Gesetze. Der "Hausbart" steht meist verlässlich südlich oder südwestlich der Mutta-Kuppe. Da die Sonne fast den ganzen Tag auf diese Flanke scheint, löst sich hier die erwärmte Luft sehr kontinuierlich ab. Für Soaring-Fans bietet der Felsriegel westlich von Feldis, in Richtung der Luftseilbahn-Trasse, interessante Möglichkeiten. Bei Westwind staut sich die Luft hier und ermöglicht oft stundenlanges Soaring. Ein echter Geheimtipp ist das "Sunset-Soaring" im Spätherbst. Wenn die thermische Aktivität nachlässt, aber der Talwind oder ein leichter Westwind noch ansteht, kann man hier oft bis zum Sonnenuntergang in ruhiger, laminarer Luft gleiten – ein magisches Erlebnis.  

Die Fliegbarkeit von Feldis variiert stark mit den Jahreszeiten, was für die Planung entscheidend ist.

Im Frühling (März-Mai) herrscht die sogenannte "Hammer-Zeit". Die Hänge im Tal sind bereits schneefrei und heizen sich auf, während oben noch Schnee liegt. Diese extremen Temperaturgegensätze sorgen für eine sehr labile Luftschichtung. Die Thermik ist bockig, stark und anspruchsvoll. Diese Zeit ist primär routinierten Piloten vorbehalten, die ihren Schirm aktiv kontrollieren können. Der Sommer (Juni-August) ist oft vom Talwind dominiert. Morgens sind schöne Thermikflüge möglich, aber ab etwa 14:00 Uhr wird die Thermik oft vom einsetzenden, kräftigen Nordwind "ausgewaschen" oder durch die im Gebirge typische Gewitterneigung beendet. Der Herbst (September-November) gilt als die "Golden Season" in Feldis. Der Sonnenstand ist tiefer, die Hänge werden sanfter und goldener angestrahlt, und der Talwind schläft früher ein. Dies sind traumhafte Bedingungen für Hike & Fly und lange Genussflüge in ruhiger Luft. Im Winter (Dezember-Februar) verwandelt sich Feldis in ein Skigebiet. Starts sind oft mit Skiern möglich und praktisch. Thermik ist in dieser Zeit selten, aber die ruhigen Abgleiter über der tief verschneiten Landschaft haben eine ganz eigene Magie. Wichtig ist hier jedoch die Beachtung der strengen Wildruhezonen.

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Logistik: Der Weg nach oben

Die Erreichbarkeit ist ein großer Pluspunkt von Feldis, aber der Teufel steckt im Detail der Fahrpläne. Eine sorgfältige Planung der Anreise verhindert, dass man mit 15 Kilo Gepäck vor verschlossenen Türen steht.

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Luftseilbahn Rhäzüns-Feldis (LRF)

Die LRF ist der Hauptzubringer ins Gebiet und die Lebensader für das Dorf Feldis. Ihr großer Vorteil: Sie ist ganzjährig in Betrieb, da sie den öffentlichen Verkehrsanschluss für das Dorf sicherstellt. Dies ist ein riesiger Vorteil gegenüber reinen Skigebieten, die in der Zwischensaison oft komplett schließen. Die Bahn fährt normalerweise im Takt von 30 Minuten, bei großem Andrang auch durchgehend. Preislich liegt eine Retourfahrt für Erwachsene bei ca. 18.80 CHF. Das Halbtax-Abo und das Generalabonnement (GA) der SBB werden akzeptiert und gewähren ca. 50% Rabatt. Ein Tipp für Vielflieger: Es gibt oft Kombi-Tickets oder Tageskarten für Gleitschirmflieger, die sich bereits ab 3 Flügen finanziell lohnen.

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Sesselbahn Feldis-Mutta (SSF)

Der Sessellift ist der Schlüssel zum Gipfelglück, aber er ist logistisch das schwächste Glied in der Kette. Es handelt sich um einen gemütlichen, offenen 2er-Sessel älterer Bauart. Das Einsteigen mit Gleitschirmrucksack ist einfach, aber die Fahrt kann im Winter empfindlich kalt sein. Die Betriebszeiten sind der kritische Punkt: Im Winter läuft der Lift täglich von ca. Mitte Dezember bis Mitte März. Im Sommer hingegen ist der Betrieb oft eingeschränkt! Häufig läuft der Lift nur an Wochenenden (Samstag/Sonntag) oder während der Schulferienzeiten (Juli bis Oktober). Die Falle für Piloten: Wer unter der Woche im Mai oder November anreist, steht oft vor einem stillstehenden Lift. In diesem Fall bleibt nur die Option "Laufen". Der Aufstieg dauert ca. 45 bis 60 Minuten und überwindet etwa 500 Höhenmeter. Es ist daher essenziell, vor der Anreise unbedingt den Online-Fahrplan auf der Webseite der Bergbahnen zu prüfen!

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Hike & Fly Option

Wenn der Sessellift steht oder man den sportlichen Aspekt sucht, ist der Aufstieg von Feldis zur Mutta eine äußerst beliebte Trainingsstrecke. Der Weg ist gut markiert und technisch einfach (Schwierigkeitsgrad T2). Er führt durch Wälder und über Alpwiesen und dauert für halbwegs fitte Piloten etwa 60 Minuten. Die Belohnung für den Aufstieg ist nicht nur die Aussicht, sondern auch das Gefühl, sich den Flug "erarbeitet" zu haben – und das Bier in der Skihütte schmeckt danach doppelt so gut.

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Sicherheit: Luftraum, Wildschutz und Gefahren

Dies ist das wichtigste Kapitel dieses Reports. Ein Fehler in diesem Bereich kostet nicht nur Bußgeld und gefährdet die eigene Lizenz, sondern gefährdet im schlimmsten Fall die Existenz des gesamten Fluggebiets durch behördliche Schließungen.

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Luftraum-Struktur (Komplex!)

Graubünden wirkt auf den ersten Blick wie ein Gebiet der grenzenlosen Freiheit, ist aber luftrechtlich ein komplexer Flickenteppich. Über dem Fluggebiet liegen diverse Luftraumdeckel, die beachtet werden müssen. Besonders relevant sind die TMA Emmen und die TMA Chur. Die TMA Emmen ist oft militärisch aktiv (Status HX). Wenn sie aktiv ist, gelten strikte Untergrenzen, die den Aufstieg limitieren können. Zusätzlich sorgen der Flugplatz Bad Ragaz und der Heliport in Untervaz für erheblichen Verkehr im Rheintal. Segelflieger, Helikopter und Kleinflugzeuge teilen sich hier den Raum. Die Konsultation der aktuellen Segelflugkarte (ICAO) ist Pflicht! Ebenso muss jeden Morgen vor dem Flug das DABS (Daily Airspace Bulletin Switzerland) geprüft werden. Es gibt Tage, an denen militärische Übungen, wie das Schießen auf der Rossboden-Allmend bei Chur, den Luftraum komplett sperren oder massiv einschränken. Unwissenheit schützt hier nicht vor Strafe.

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Wildruhezonen (Die rote Linie)

Das Domleschg und der Heinzenberg sind ökologische Kernzonen für Rotwild, Gämsen und die sensiblen Raufußhühner (Birkhuhn, Schneehuhn). In der Schweiz sind Wildruhezonen rechtsverbindlich. Ein Einflug wird nicht als Kavaliersdelikt behandelt, sondern mit empfindlichen Bußen geahndet, die bis zu mehreren tausend Franken betragen können. Kritische Zonen rund um Feldis befinden sich vor allem im Gebiet des Piz Beverin westlich von Feldis sowie entlang der Waldgürtel. Oft sind die Waldränder im Winter absolute Tabuzonen, da sich das Wild hierher zurückzieht, um Energie zu sparen. Ein aufgescheuchtes Tier im tiefen Schnee kann an Erschöpfung sterben. Die meisten dieser Zonen sind saisonal aktiv, typischerweise vom 1. Dezember bis 15. April, manche auch länger. Im Zweifel gilt: Vor dem Flug auf der offiziellen Karte wildruhezonen.ch oder in der Burnair Map App prüfen. Auch außerhalb der ausgewiesenen Zonen gilt die ethische Regel: Mindestens 300 Meter Abstand (vertikal und horizontal) zu Wildtieren halten.

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Die Kabel-Falle

Die Schweiz ist das Land der Seilbahnen – und das gilt auch für die kleinen, privaten Anlagen. Im Anflug auf Rhäzüns queren Hochspannungsleitungen das Tal, die man kennen muss. Noch gefährlicher sind jedoch die diversen Materialseilbahnen ("Heuseile"), die oft an den Hängen zu finden sind. Diese Seile sind oft dünn, unmarkiert und gegen den Hintergrund kaum sichtbar. Ein lebenswichtiger Tipp für alle Piloten in diesem Gebiet: Fliegen Sie niemals tief über unbekannte Seitentäler oder Bauernhöfe am Hang "kratzen". Seile spannen sich oft von Hof zu Hof oder vom Hof hinauf in den Wald, um Holz oder Heu zu transportieren. Diese unsichtbaren Barrieren sind tödlich.

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Cross-Country (XC): Das Potenzial entfesseln

Feldis ist vielleicht kein klassischer Startplatz für 200km-FAI-Dreiecke wie Fiesch, aber es ist ein exzellentes Sprungbrett für anspruchsvolle und landschaftlich reizvolle Genuss-Strecken.

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Route 1: Der "Rheintal-Run" (Richtung Chur)

Eine beliebte Route führt von der Mutta Richtung Chur (Brambrüesch) und zurück. Der Weg beginnt mit dem Start an der Mutta und dem Aufdrehen in der Thermik. Von dort aus erfolgt die Querung zum Dreibündenstein. Dann hangelt man sich entlang der Krete Richtung Norden bis nach Chur. Die Schlüsselstelle ist die Querung vom Feldis-Plateau zum Dreibündenstein. Man darf hier nicht zu viel Höhe verlieren. Gerät man zu tief, kommt man in den "Schatten" des Waldes, wo oft keine Thermik mehr abreißt und man "absäuft". Der Rückweg ist mit dem Talwind im Rücken oft ein Kinderspiel, erfordert aber Vorsicht vor Lee-Situationen an den Geländekanten, wenn der Nordwind stark ist.

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Route 2: Die "Heinzenberg-Querung"

Für Ambitioniertere bietet sich der Sprung über das Tal auf die Westseite, zum Heinzenberg, an. Die Herausforderung ist hier die Talquerung über den breiten Hinterrhein. Man braucht eine komfortable Basishöhe (mindestens 2.400 m sind ratsam), um sicher auf der anderen Seite anzukommen und dort wieder thermischen Anschluss zu finden, zum Beispiel am Lüschgrat. Das Risiko liegt im Talwindsystem. Der Talwind wirkt im Tal als massive Düse. Wer zu tief quert, wird gnadenlos nach Süden "abgespült" und landet irgendwo bei Rothenbrunnen. Eine Außenlandung sollte vorab im Kopf durchgespielt werden.

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Infrastruktur & Geheimtipps: Wie ein Local leben

Ein guter Flugtag endet nicht mit der Landung, sondern mit dem Erlebnis danach. Feldis bietet hierfür eine Infrastruktur, die ebenso charmant wie funktional ist.

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Einkehr: Die Skihütte Feldis

Dies ist der absolute "Place to be". Gelegen auf der Mutta, nahe der Bergstation, bietet die Skihütte Feldis weit mehr als die übliche Massenabfertigung. Der Vibe ist alternativ, gemütlich und herzlich. Kulinarisch ist die Hütte bekannt für ihre exzellente vegane und vegetarische Küche. In einer Region, die oft von Bündnerfleisch und Wurst dominiert wird, ist dies ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Die hausgemachten Kuchen sind legendär und allein schon die Auffahrt wert. Ein absoluter Geheimtipp für Romantiker ist die Übernachtung in der Jurte neben der Hütte. Dort auf knapp 2.000 Metern aufzuwachen, den Sonnenaufgang über den Bündner Bergen zu erleben und dann nach dem Frühstück direkt vor der Hütte zu starten – das ist das ultimative Gleitschirmerlebnis.

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Übernachtung

Wer nicht in der Jurte schlafen möchte, findet im Dorf Alternativen. Der Feldiserhof ist ein klassisches Hotel mit gutbürgerlicher Küche und solider Ausstattung. Das Berghotel Sterna positioniert sich etwas gehobener, mit einem starken Fokus auf regionale und biologische Produkte. Für Low-Budget-Reisende ist wichtig zu wissen: Wildcampen ist am Landeplatz Rhäzüns offiziell nicht erlaubt und wird aufgrund der Wildruhezonen und der Ordnung im Tal auch kontrolliert. Der nächste offizielle Campingplatz befindet sich in Chur oder Thusis.

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Webcams & Wetter-Check

Verlassen Sie sich bei der Planung nicht nur auf Apps. Nutzen Sie die Augen vor Ort. Die Webcam Mutta/Bergstation ist das wichtigste Werkzeug. Sie zeigt perfekt, ob Nebel im Tal liegt ("Nebelmeer") oder ob die Sonne oben bereits scheint. Die Webcam Feldis Dorf liefert Hinweise auf die Windrichtung auf 1.500 Metern anhand der Fahnen. Ein guter Tipp ist die Suche nach "Webcam Feldis Viamala" kurz vor der Abfahrt, um die aktuelle Bewölkung und Schneelage zu prüfen.

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Fazit: Warum Feldis?

Feldis ist das Antidot zum hektischen Massentourismus. Es ist ein Gebiet für den denkenden Piloten. Wer nur schnell "runterbolzen" will, wird die Logistik mit dem Laufen zur Mutta hassen. Wer aber die Natur liebt, wer gerne Hike & Fly mit Liftunterstützung kombiniert und wer ein Gebiet sucht, in dem man am Startplatz noch freundlich gegrüßt wird und Platz zum Auslegen hat, der wird hier sein kleines Paradies finden. Es ist ein Ort, der Entschleunigung fordert und dafür mit intensiven Erlebnissen belohnt.

Die Goldene Regel von Feldis: Komm mit Zeit. Komm mit Respekt vor dem Wild. Und iss den Kuchen in der Skihütte.

Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Dieser Bericht basiert auf dem Recherchestand Februar 2026. Bedingungen, Preise, Fahrpläne und Luftraumstrukturen können sich ändern. Die Konsultation aktueller Karten (DABS, ICAO), Wetterberichte und lokaler Experten ist vor jedem Flug unerlässlich und liegt in der alleinigen Verantwortung des Piloten.

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