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Ruedlen

Startplätze:1
Landungen:3
Koord.:46.8984°N, 8.3173°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 3 Landeplatzätze

Ruedlen Startplatz

Start
Höhe1277m ü. M.
Koord.46.8984, 8.3173
WindSW
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Ruedlen Landeplatz 1

Landung
Höhe562m ü. M.
Koord.46.9078, 8.2867
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Ruedlen Landeplatz 2

Landung
Höhe561m ü. M.
Koord.46.8984, 8.2714
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Arvialp Landeplatz 1

Landung
Höhe561m ü. M.
Koord.46.8984, 8.2714
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Das Flugmekka Ruedlen: Der ultimative Guide für den Startplatz Kerns-Arvigrat Executive Summary: Ein verborgenes Juwel in der Zentralschweizer Flugarena

In der dicht gewobenen Landkarte der alpinen Gleitschirm-Startplätze nimmt Ruedlen, gelegen oberhalb der Gemeinde Kerns im Kanton Obwalden, eine Sonderstellung ein. Es ist kein Ort für den Massentourismus, wie man ihn vielleicht von Interlaken oder der Rigi kennt. Es gibt hier keine gläsernen Bergstationen mit Drehkreuzen, keine asphaltierten Startrampen und keinen Kiosk, der Souvenirs verkauft. Ruedlen ist puristisch, ehrlich und für den uneingeweihten Piloten oft ein Buch mit sieben Siegeln. Für die Kenner der lokalen Szene und ambitionierte Streckenpiloten (Cross-Country, XC) jedoch ist dieser unscheinbare Fleck am Hang des Arvigrats eines der strategisch wertvollsten Sprungbretter in die thermischen Rennstrecken der Zentralschweiz.

Die Bedeutung von Ruedlen erschließt sich nicht aus seiner Infrastruktur, sondern aus seiner aerodynamischen und geografischen Lage. Während Piloten an anderen Startplätzen noch auf die Entwicklung der Thermik warten oder im Lee des Föhns am Boden bleiben müssen, bietet Ruedlen aufgrund seiner spezifischen Exposition nach West-Nordwest oft fliegbare Bedingungen, wenn andere Orte längst "gegroundet" sind – oder umgekehrt, es zeigt seine Zähne, wenn harmlose Winde durch lokale Topografie verstärkt werden. Besonders die legendäre Abendthermik, die sogenannte Restitution, verwandelt das Sarneraatal an Sommerabenden in ein laminares Paradies, das Flüge bis in den Sonnenuntergang ermöglicht.

Doch dieser Startplatz ist eine Diva. Er verlangt Respekt und Wissen. Die Nähe zu den militärischen Flugplätzen Alpnach und Buochs platziert Ruedlen in einen der komplexesten Lufträume der Schweiz. Ein Start ohne vorherige Konsultation des DABS (Daily Airspace Bulletin Switzerland) oder des aktuellen CTR-Status kommt einem russischen Roulette gleich. Zudem verwandelt die "Bise", der kalte Nordostwind, den harmlos wirkenden Wiesenhang in eine unsichtbare Rotorfalle, die schon so manchen erfahrenen Piloten überrascht hat.

Dieser umfassende Forschungsbericht dient als definitives Kompendium für den Startplatz Ruedlen. Er ersetzt nicht nur den Standard-Eintrag in den Datenbanken des DHV oder SHV, sondern dekonstruiert das Fluggebiet in seine atomaren Bestandteile – von der mikroklimatischen Windströmung am "Hausbart" bis hin zur korrekten Parkordnung, um den fragilen Frieden mit den lokalen Landwirten zu wahren. Wir werden die geologischen Voraussetzungen analysieren, die logistischen Herausforderungen detailliert beleuchten und Taktiken für Streckenflüge entwickeln, die weit über das bloße "Abgleiten" hinausgehen.

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Geografische Verortung und Topografie

Klärung der Lage: Schweiz statt Deutschland/Österreich

Obwohl in der ursprünglichen Anfrage der Raum "Deutschland/Österreich" als Suchparameter genannt wurde, ist es für die Integrität dieses Berichts unerlässlich, das Missverständnis sofort zu korrigieren. Es existiert kein relevanter Gleitschirm-Startplatz namens "Ruedlen" in Deutschland oder Österreich. Der hier behandelte Ort liegt zweifelsfrei in der Schweiz, genauer im Kanton Obwalden in der Zentralschweiz. Diese geografische Korrektur ist nicht nur semantisch wichtig, sondern entscheidend für die rechtlichen Rahmenbedingungen (Luftrecht des BAZL, Versicherungsfragen, Funkfrequenzen), die sich signifikant von denen in den EU-Nachbarländern unterscheiden.  

Die Topografie des Sarneraatals

Um Ruedlen zu verstehen, muss man das Tal lesen können. Das Sarneraatal erstreckt sich als breiter Trog von Südwesten nach Nordosten, flankiert von markanten Gebirgszügen. Im Westen begrenzt durch den Glaubenberg und den Schlierengrat, im Osten dominiert durch den Stanserhorn-Arvigrat-Zug. Ruedlen liegt auf der östlichen Talseite, etwa auf halber Höhe des Arvigrats.

Diese Positionierung ist der Schlüssel zu seinem Charakter. Der Startplatz ist eine Art Balkon, der über dem Talboden schwebt. Unterhalb breitet sich die Hochebene von Kerns und Sarnen aus, nördlich glitzert der Alpnachersee (ein Arm des Vierwaldstättersees), und südlich öffnet sich der Blick in Richtung Brünigpass und die Berner Alpen. Der Arvigrat selbst fungiert als massive Barriere gegen östliche Winde, was Ruedlen bei Ostlagen in den Windschatten (Lee) stellt, bei Westlagen jedoch zu einem idealen Prallhang macht.

Technische Daten des Geländes

Für die Flugplanung ist Präzision entscheidend. Die Höhendaten variieren je nach exaktem Startpunkt auf der Weide leicht, doch die folgenden Werte haben sich als Referenz etabliert.

Parameter Daten Quelle Startplatz Name Ruedlen (teilw. auch Ruelen geschrieben) Koordinaten (GPS Dezimal) 46.8983° N, 8.3172° E Koordinaten (GPS Grad) N 46°53'54" / E 8°19'02" Höhe Startplatz 1.277 m - 1.300 m AMSL Höhe Landeplatz (Kerns) 560 m - 562 m AMSL Höhendifferenz ca. 715 - 740 m Exposition West (W) bis Nordwest (NW) Bodenbeschaffenheit Alpine Weide, teilweise uneben ("ruppig")

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Startplatz-Infos: Die Anatomie des Absprungs

Der Startplatz Ruedlen ist kein homogener Golfrasen, sondern ein lebendiges Stück Natur, das sich je nach Jahreszeit und Bewirtschaftung verändert. Die Piloten operieren hier in einem Spannungsfeld zwischen fliegerischen Bedürfnissen und landwirtschaftlicher Nutzung.

Charakteristik der Startfläche

Die Startfläche selbst ist eine geneigte Alpweide, die sich unterhalb der Fahrstrasse zum Aecherlipass erstreckt. Die Neigung ist ideal für Gleitschirme – steil genug, um schnell abzuheben, aber flach genug, um den Schirm kontrolliert auszulegen. Es gibt keine künstlichen Rampen oder Matten. Piloten starten direkt auf dem Gras. Dies bedeutet jedoch auch, dass Unebenheiten wie Erdlöcher, Steine oder Kuhfladen (ein ständiger Begleiter in den Alpen) Teil des Spiels sind. Die Beschreibung "leicht ruppig" ist ein Euphemismus für "Schau genau hin, wo du hintrittst". Ein Stolperer beim Vorwärtsstart kann hier schnell zu einem Abbruch führen.  

Die Startrichtungen im Detail

Die optimale Windrichtung ist West bis Nordwest (250° - 315°).

Westwind: Der Klassiker. Der Wind strömt frontal auf den Hang. Das Aufziehen ist einfach, der Lift setzt oft schon wenige Meter nach dem Abheben ein.

Nordwestwind: Ebenfalls sehr gut, da er oft durch den Talwindkanal verstärkt wird.

Südwestwind: Bis zu einer gewissen Stärke tolerierbar, aber man muss aufpassen, dass der Wind nicht zu stark "um die Ecke" des Arvigrats drückt, was zu Turbulenzen führen kann.

Ost/Nordost (Bise): Absolutes Startverbot aus Sicherheitsgründen (siehe Meteorologie-Kapitel).

Schwierigkeitsgrad und Pilotenprofil

Der DHV und lokale Quellen stufen das Gelände als "Mittel" ein. Dies ist eine treffende Bewertung. Ruedlen ist kein reiner Anfängerberg ("Idiotenhügel"), aber auch kein Experten-Only-Startplatz wie manche Klippenstarts im Hochgebirge.  

Anfänger: Können hier unter Aufsicht fliegen, sollten aber die thermisch aktiven Stunden am Nachmittag meiden. Der Startplatz verzeiht kleine Fehler, aber die Luftraumstruktur und der Talwind am Landeplatz erfordern Planung.

Fortgeschrittene: Finden ideale Bedingungen für Training, Touch-and-Go oder den Einstieg in Streckenflüge.

Öffnungszeiten und Einschränkungen

Es gibt keine physischen Öffnungszeiten (kein Tor, kein Zaun). Theoretisch ist das Fliegen von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang möglich. Praktisch gibt es jedoch wichtige Einschränkungen:

Jagdsaison und Wildschutz: In den Herbstmonaten (oft September/Oktober) ist in Obwalden Jagdzeit. An gewissen Tagen oder in gewissen Zonen kann das Fliegen eingeschränkt sein. Beachten Sie die Infotafeln am Startplatz.

Landwirtschaft ("Feh"-Regel): Dies ist ein ungeschriebenes, aber heiliges Gesetz. Wenn Vieh ("Feh") auf der Startwiese weidet, ist der Start verboten oder nur mit expliziter Erlaubnis des Älplers und unter extremer Vorsicht gestattet. Kühe können schreckhaft auf startende Schirme reagieren, was zu Verletzungen der Tiere oder Zerstörung von Zäunen führen kann.

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Zugang & Logistik: Der Weg zum Horizont

Einer der Filter, der Ruedlen vor dem Massenansturm bewahrt, ist der fehlende Bergbahnanschluss. Wer hier fliegen will, muss den Transport selbst organisieren. Dies schafft eine eingeschworene Gemeinschaft am Startplatz.

Anreise mit dem PKW

Die Anfahrt erfolgt in der Regel über die Autobahn A8 bis zur Ausfahrt Sarnen-Nord oder Sarnen-Süd, von wo aus man nach Kerns fährt.

Die Bergstrasse: Von Kerns aus folgt man der Beschilderung Richtung Aecherlipass. Die Strasse ist asphaltiert, aber typisch für Schweizer Bergstrassen: schmal, kurvig und teilweise steil. Begegnungsverkehr (besonders mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen) erfordert vorausschauendes Fahren und die Bereitschaft, auch mal zurückzusetzen.

Der Abzweig: Ein kritischer Punkt ist der Wegweiser "Ruedlen". Hier muss man scharf rechts abbiegen. Wer diesen Abzweig verpasst, landet weiter oben auf dem Pass oder im falschen Talsystem. Nach dem Abzweig sind es noch ca. 400 Meter bis zum Startbereich.

Parkplatzsituation: Ein politisches Minenfeld

Das Parkieren in Ruedlen ist das sensibelste Thema der Logistik. Wir befinden uns auf Privatgrund der lokalen Korporationen oder Bauern.

Am Startplatz: Es gibt keinen offiziellen, markierten Großparkplatz. Autos werden in kleinen Buchten oder am äussersten Strassenrand abgestellt. Die goldene Regel: Niemals, unter keinen Umständen, eine Zufahrt zu einer Hütte, ein Weidetor oder einen Holzlagerplatz blockieren. Auch das Parkieren im hohen Gras wird nicht toleriert (Futterverschmutzung). Wenn kein Platz mehr ist, muss man weiterfahren oder wieder runterfahren.

Am Landeplatz (Kerns Sand): Hier herrscht absolutes Parkverbot direkt an der Wiese. Es ist verlockend, das Auto direkt am Faltplatz abzustellen, aber dies führt unweigerlich zu Konflikten mit den Landbesitzern. Das Befahren des "Rieds" ist tabu.

Lösung: Nutzen Sie die Parkplätze beim Restaurant Sand (ca. 5 Minuten Fussweg) oder öffentliche Parkplätze im Dorf (z.B. bei der Dossenhalle). Ein Shuttle-System (ein Auto unten lassen, mit einem hochfahren) ist dringend empfohlen.

Shuttle-Dienste und Mitfahrgelegenheiten

Da keine Bahn existiert, organisieren sich Piloten oft spontan.

Sammelplatz: Der Landeplatz beim Restaurant Sand ist der inoffizielle Treffpunkt. An fliegbaren Tagen, besonders am Wochenende, stehen hier oft Piloten und warten auf eine Mitfahrgelegenheit.

Clubs & Schulen: Der Gleitschirmclub Matthorn oder lokale Flugschulen (wie Air Tandem) führen gelegentlich Transporte durch. Es gibt jedoch keinen fixen Fahrplan. Freundliches Fragen hilft oft weiter.  

Hike & Fly: Der sportliche Weg

Für Puristen und Fitnessbewusste ist der Aufstieg zu Fuss eine attraktive Alternative, die zudem das Parkplatzproblem am Start umgeht.

Startpunkt: Kerns Dorf (ca. 560 m).

Route: Man folgt den gelben Wanderwegweisern Richtung "Aecherlipass" oder "Arvigrat". Der Weg führt initial durch Wiesen und Streusiedlungen, später durch Wälder.

Dauer: Je nach Kondition 1,5 bis 2,5 Stunden.

Schwierigkeit: Technisch einfach (T2), aber die ca. 720 Höhenmeter erfordern Ausdauer. Im Sommer kann es im unteren Teil sehr warm werden, da der Südhang der Sonne ausgesetzt ist.

Landschaft: Der Aufstieg bietet spektakuläre Rückblicke auf den Sarnersee und das Stanserhorn, was die Mühe entlohnt.

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Flugbedingungen: Die Meteorologie des Sarneraatals

Das Verständnis der meteorologischen Eigenheiten von Ruedlen ist der Schlüssel für sichere und lange Flüge. Das Sarneraatal funktioniert wie eine riesige Winddüse, und Ruedlen sitzt an einer strategischen Position dieses Systems.

Thermik-Zyklen und Tageszeit

Aufgrund der West-Nordwest-Exposition wird der Hang erst ab dem Mittag direkt von der Sonne beschienen.

Vormittags: Der Startplatz liegt oft noch im Schatten oder wird nur flach angestrahlt. Die Bedingungen sind ruhig, ideal für "Abgleiter" oder erste Schulungsflüge. Thermik ist selten und schwach.

Nachmittags (ab ca. 13:00/14:00 Uhr): Die "Maschine" springt an. Die Sonne steht nun optimal zum Hang. Der Talwind aus dem Talboden unterstützt die thermische Ablösung. Dies ist die Zeit für den Einstieg in längere Flüge.  

Abends (Restitution): Dies ist die Spezialität von Ruedlen. Wenn die Talflanken die gespeicherte Wärme des Tages abgeben und der Talwind laminar ansteht, entsteht ein weiches, großflächiges Steigen. Man kann oft bis Sonnenuntergang ("Sunset Soaring") ohne einen einzigen Kreis in der Luft bleiben.

Die Bise: Der unsichtbare Feind

Die Bise ist ein in der Schweiz gefürchteter kalter, trockener Wind aus Nordosten. Für Ruedlen ist sie das absolute K.O.-Kriterium.

Die Physik der Gefahr: Der Arvigrat liegt im Rücken des Startplatzes. Bei Nordostströmung fliesst die Luft über den Grat und die Bäume hinter dem Startplatz.

Das Lee: Ruedlen liegt dann im aerodynamischen Schatten (Lee). Hinter der Hangkante entstehen massive Turbulenzen und Rotoren (Luftwalzen).

Das Tückische: Am Boden kann es so wirken, als käme leichter Wind von vorne (durch die Rückströmung des Rotors). Startet man in diese "falsche" Brise, steigt man kurz auf, nur um dann massiv durchzusacken oder einen Kappenklapper zu kassieren, sobald man in die turbulente Scherschicht kommt.

Regel: Bei prognostizierter Bise (auch schwacher!) hat man in Ruedlen nichts verloren. Erfahrene Piloten weichen dann auf Startplätze aus, die nach Norden oder Nordosten ausgerichtet sind (siehe Kapitel Alternativen).

Föhn-Anfälligkeit

Obwohl Ruedlen nicht direkt an der Föhn-Achse des Urner Reusstals liegt, ist der Einfluss des Südföhns spürbar. Der Föhn drückt oft über den Brünigpass oder schwappt über die Grate.

Indikatoren: Linsenförmige Wolken (Lenticularis), ungewöhnlich klare Sicht, sprunghafte Temperaturanstiege.

Gefahr: Der Föhn kann bis in den Talboden durchgreifen und extrem böige Verhältnisse schaffen. Ruedlen ist bei Föhnlage nicht zu empfehlen.

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Geheimtipps: Das Insider-Wissen der Locals

Die offiziellen Datenbanken geben die Basisdaten, aber die folgenden Tipps stammen aus der Praxis der lokalen Piloten und können den Unterschied zwischen einem "Naja-Flug" und einem "Wow-Erlebnis" ausmachen.

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Der "Chlingen" vs. "Ruedlen" Trick

Viele Piloten wissen nicht, dass es faktisch zwei Startoptionen gibt, die oft synonym verwendet werden, aber taktisch unterschiedlich sind.

Das Problem: Ruedlen ist oft Weideland für Mutterkühe. Wenn der Bauer die Tiere dort hat, ist der Start gesperrt ("Feh"-Regel).

Die Lösung: Fahren oder laufen Sie die Strasse einfach ca. 400 Meter weiter bergwärts. Dort befindet sich der Bereich "Chlingen". Oft ist es so: Wenn Ruedlen "bekuhlt" ist, ist Chlingen frei – und umgekehrt. Ein kurzer Blick oder ein Gespräch mit anderen Piloten vor Ort spart Frust.

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Der Thermik-Trigger "Waldkante"

Viele Neulinge starten und fliegen geradeaus ins Tal, in der Hoffnung, irgendwo steigen zu finden. Das ist oft ein Fehler.

Der "Hausbart": Die zuverlässigste Thermikquelle befindet sich meist nicht direkt vor dem Startplatz, sondern rechts (nördlich) davon.

Taktik: Nach dem Start rechts halten und entlang der Waldkante fliegen. Dort, wo der Wald endet und in Fels oder steile Weiden übergeht (unterhalb des Arvigrats), reisst die Thermik oft ab. Soaren Sie diesen Bereich geduldig ab, bis Sie den "Lift" erwischen, der Sie über den Grat bringt.

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Die "Bise-Ausweich-Option" (für Mutige)

Wenn leichte Bise herrscht und Ruedlen unfliegbar ist (Rotor!), gibt es einen Trick für sehr erfahrene Piloten: Weiter oben am Arvigrat selbst oder am Aecherlipass gibt es Startmöglichkeiten, die weniger im Lee liegen oder sogar direkt in den Nordwind starten lassen (Top-Landing-Skills oder Hike & Fly Erfahrung nötig). Dies ist jedoch keine Empfehlung für Gastpiloten, sondern nur für Locals, die jeden Grashalm kennen. Für Gäste gilt: Bei Bise Standortwechsel (z.B. Zugerberg oder Rigi).

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Webcams für den Live-Check

Verlassen Sie sich nicht blind auf Wetter-Apps. Nutzen Sie die Augen vor Ort:

Stanserhorn Webcam: Der Blick vom Stanserhorn (Webcam auf der Terrasse) zeigt oft die Windfahnen. Wenn diese stramm aus Ost zeigen -> Bise -> Ruedlen meiden!.  

Webcam Kerns/Arvigrat: Ideal, um die Nebelsituation im Tal zu prüfen. Im Herbst liegt Kerns oft unter der Nebeldecke, während Ruedlen in der Sonne liegt (Start möglich, aber keine Landung im Tal!).

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Sicherheit & Regeln: Navigation im Luftraum-Dschungel

Ruedlen liegt in einem der anspruchsvollsten Lufträume der Schweiz. Hier treffen Freiflieger auf Kampfjets (F/A-18) und Trainingsflugzeuge (Pilatus PC-21).

Die CTR Alpnach & Buochs (HX Status)

Der Startplatz Ruedlen befindet sich meist knapp ausserhalb oder oberhalb der kritischen Zone, aber der Landeplatz Kerns Sand liegt mitten in der CTR (Kontrollzone) des Militärflugplatzes Alpnach.

Status HX: Dies bedeutet, die CTR ist nicht permanent aktiv.

Aktivierungszeiten: In der Regel zu militärischen Flugbetriebszeiten (Mo-Fr, ca. 07:30–12:05 und 13:15–17:05). An Wochenenden ist die CTR meist inaktiv (Luftraum G), ausser bei speziellen Übungen oder Wiederholungskursen (WK).

Die "Lebensversicherung": Der Info-Check

Vor JEDEM Flug ist es Pflicht, den Status der CTR zu prüfen.

Telefon: Wählen Sie die Nummer 041 620 91 06 (automatisches Tonband). Es sagt an, ob die CTR aktiv ("active") oder inaktiv ("inactive") ist.  

Funk: Abhören der Info-Frequenz 134.130 MHz.

DABS: Konsultieren Sie das Daily Airspace Bulletin Switzerland am Morgen.

Was tun, wenn die CTR aktiv ist?

Ohne Flugfunk: Wenn die CTR aktiv ist, ist das Einfliegen und Landen in Kerns Sand für Gleitschirme ohne Flugfunk und Freigabe verboten.

Die Sonderregelung: Es gibt lokale Vereinbarungen (Sonderregelungen für Hängegleiter), die das Befliegen gewisser Sektoren erlauben, oft mit Höhenbeschränkungen (z.B. < 700m AMSL im Anflugsektor). Diese sind jedoch komplex und erfordern Ortskenntnis.  

Empfehlung für Gäste: Wenn die CTR aktiv ist (Mo-Fr tagsüber), meiden Sie den Landeplatz Kerns Sand, wenn Sie nicht 100% sicher sind, was Sie tun. Weichen Sie auf Landeplätze ausserhalb der Zone aus oder planen Sie Ihren Flug so, dass Sie erst nach 17:05 Uhr landen (wenn die CTR oft deaktiviert wird).

Das "Cable Valley" (Engelberger Tal)

Ein weiterer Sicherheitsaspekt betrifft XC-Piloten. Das Tal östlich des Arvigrats (Richtung Engelberg/Wirzweli) wird von Einheimischen auch "Cable Valley" genannt.  

Gefahr: Zahlreiche Materialseilbahnen und Hochspannungsleitungen queren das Tal, teilweise in extremen Höhen über Grund. Diese Kabel sind gegen den dunklen Waldhintergrund oft unsichtbar.

Prävention: Studieren Sie die Hinderniskarte (Obstacle Map) des BAZL oder nutzen Sie Apps wie Burnair Map, die diese Kabel anzeigen. Fliegen Sie niemals tief in unbekannte Seitentäler ein.

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XC-Potential: Streckenflug-Optionen

Ruedlen ist mehr als ein "Plouf"-Berg. Es ist der Startpunkt für einige der schönsten Routen der Zentralschweiz.

Route 1: Der Arvigrat-Stanserhorn-Hop (Einsteiger XC)

Dies ist die klassische Route für den ersten Talsprung.

Start: Ruedlen.

Phase 1: Aufsoaren am Arvigrat bis zur Grathöhe.

Phase 2: Dem Grat Richtung Norden folgen. Der Grat trägt meist zuverlässig.

Phase 3: Der Sprung zum Stanserhorn. Hier muss man ein kleines Tal queren. Mit genügend Höhe (ca. 1800m+) gleitet man hinüber und sucht Anschluss an der Süd/West-Flanke des Stanserhorns.

Rückweg: Gleicher Weg zurück oder Landung in Stans/Ennetmoos (Achtung: andere CTR Buochs!).

Route 2: Die Sarnersee-Umrundung (Fortgeschrittene)

Ein wunderschönes FAI-Dreieck im Kleinformat.

Start: Ruedlen.

Phase 1: Querung des Sarneraatals Richtung Westen zum Glaubenberg/Schlierengrat. Diese Querung ist der Knackpunkt. Man braucht gute Basishöhe, um gegen den Talwind auf der anderen Seite hoch genug anzukommen.

Phase 2: Den Schlierengrat Richtung Süden abfliegen (Richtung Giswil/Lungern).

Phase 3: Talsprung zurück auf die Ostseite (Giswilerstock/Brünig-Region).

Phase 4: Den Arvigrat-Zug von Süden her zurück nach Ruedlen fliegen.

Route 3: Mission Titlis (Experten)

Der Traum vieler Piloten: Vom Voralpenland ins Hochgebirge.

Weg: Vom Arvigrat nach Osten ins Engelberger Tal, Wechsel auf die Sonnenseite (Brunni/Rugenstock/Walenstöcke) und weiter Richtung Titlis-Gletscher.

Risiko: Hochalpine Bedingungen, Gletscherwinde, starke Talwinde in Engelberg. Nur für sehr erfahrene Piloten mit entsprechender Ausrüstung (warme Kleidung, Sauerstoff ab gewissen Höhen ratsam, top Navigation).

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Drumherum: Infrastruktur & Alternativen

Landeplätze

Kerns Sand (Hauptlandeplatz):

Große, flache Wiese ("Das Ried").  

Gut für Drachen geeignet.

Windsack vorhanden.

Lage: Mitten im Talboden, in der CTR.

Vorsicht: Nicht bei hohem Gras landen. Parkverbot beachten!

Kerns Dossenmatte (Ausweichplatz):

Großer Sportplatz bei der Dossenhalle.  

GPS: 46° 53' 59.71'' N, 8° 16' 21.56'' O.

Gefahr: Bei Bise oder starkem Talwind können die großen Schulgebäude und Hallen massive Leewirbel und Rotoren auf dem Landeplatz erzeugen. Fliegen Sie nicht zu tief über die Gebäude an.

Gastronomie (Après-Flight)

Restaurant Sand: Der Klassiker. Liegt nur 5 Minuten vom Landeplatz entfernt. Hier trifft man die lokalen Piloten, kann das Logbuch schreiben und den "Lande-Most" (Apfelwein) geniessen. Die Terrasse bietet Blick auf die landenden Kollegen.

Gasthaus Rose: Im Dorfzentrum von Kerns. Bodenständige Schweizer Küche (Rösti, Älplermagronen).  

Übernachtung

Hotels: In Kerns gibt es das Hotel Krone oder das Berg & Berg Hotel (Self-Check-in), welche soliden Komfort bieten.  

Camping: Direkt am Landeplatz ist Camping verboten. Der nächste offizielle Campingplatz ist Camping Seefeld in Sarnen (direkt am See, sehr schön gelegen, ca. 10 Min. Auto). Alternativ gibt es Stellplätze auf Bauernhöfen in der Umgebung (z.B. via "Park4Night" Apps zu finden), aber fragen Sie immer vorher!

Alternativen (Plan B)

Wenn Ruedlen nicht passt:

Bei Bise (NO): Rigi (Kulm oder Staffel) oder Zugerberg. Diese Gebiete profitieren von der Bise zum Soaren. Auch der Bonistock (Melchsee-Frutt) ist höher gelegen und nordseitig ausgerichtet.  

Bei Föhn (Süd): Föhnfliegen ist generell gefährlich. In der Zentralschweiz gibt es kaum sichere Föhngebiete. Besser: Bodenhandling üben oder Wandern.

Bei stabilem Hochdruck (Inversion): Büelen (Wolfenschiessen). Liegt geschützter und hat oft Thermik, wenn es anderswo "zu" macht.

Fazit: Ruedlen – Für den Piloten mit Anspruch

Ruedlen ist kein "Fast-Food"-Fluggebiet. Es serviert keine einfachen Lösungen auf dem Silbertablett. Es fordert Auseinandersetzung – mit dem Wetter, der Karte, dem Bauern und dem eigenen Können. Doch wer diese Hürden nimmt, wird reich belohnt: Mit Abenden, an denen die Luft wie Seide trägt, mit Ausblicken auf Seen und Gletscher, die ihresgleichen suchen, und mit dem stolzen Gefühl, ein komplexes Stück Alpenflugraum gemeistert zu haben.

Für Ihren Besuch gilt: Prüfen Sie das DABS, respektieren Sie die Landwirtschaft, meiden Sie die Bise wie den Teufel und geniessen Sie jeden Meter Höhe über dem Sarnersee.

Happy Landings!

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