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Predigtstuhl

Startplätze:3
Landungen:2
Koord.:47.6954°N, 12.8822°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

3 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze

Predigtstuhl Startplatz Schlegelmulde

Start
Höhe1610m ü. M.
Koord.47.6954, 12.8822
WindNO
Korrekt?

Predigtstuhl Landeplatz Weitwiese

Landung
Höhe470m ü. M.
Koord.47.7219, 12.8564
Korrekt?

Predigtstuhl Startplatz Hochschlegel

Start
Höhe1688m ü. M.
Koord.47.6920, 12.8826
WindW
Korrekt?

Predigtstuhl Startplatz Schreck

Start
Höhe1720m ü. M.
Koord.47.6889, 12.8897
WindN
Korrekt?

Predigtstuhl Landeplatz Streitbichel

Landung
Höhe508m ü. M.
Koord.47.7191, 12.8817
Korrekt?

Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Analyse und Leitfaden für den Gleitschirm-Startplatz Predigtstuhl: Ein technisches und aerologisches Dossier Executive Summary für Piloten

Der Predigtstuhl in Bad Reichenhall stellt eines der anspruchsvollsten und zugleich faszinierendsten Fluggelände am nördlichen Alpenrand dar. Mit einer Höhendifferenz von über 1.200 Metern zwischen dem Gipfel des Hochschlegels und dem Landeplatz Weitwiese bietet das Massiv des Lattengebirges ein vertikales Fenster, das sowohl für genussvolle Abgleiter als auch für komplexe Streckenflüge (XC) prädestiniert ist. Die Besonderheit dieses Geländes liegt in seiner janusköpfigen Natur: Einerseits ist es durch die älteste original erhaltene Großkabinenbahn der Welt logistisch hervorragend erschlossen, andererseits erfordert es aufgrund seiner Klippenstarts, der ausgeprägten Lee-Anfälligkeit und der komplexen Luftraumstruktur ein hohes Maß an Erfahrung und meteorologischem Urteilsvermögen.  

Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungshilfe suchen, lassen sich die Rahmenbedingungen wie folgt zusammenfassen: Der Predigtstuhl ist ausdrücklich kein Übungshang und für Fluganfänger ohne professionelle Einweisung ungeeignet. Die Startplätze Hochschlegel (West) und Schlegelmulde (Nordost) decken verschiedene Windrichtungen ab, wobei die Schlegelmulde aufgrund ihres klippenartigen Charakters fast ausschließlich Experten vorbehalten ist. Strategisch günstig ist die Lage für Streckenflüge nach Westen oder Süden, sofern die strikten Beschränkungen des Luftraums Salzburg und des militärischen Sperrgebiets Reiteralpe (ED-R 142) beachtet werden. Wer die Herausforderung annimmt, wird mit einer thermisch aktiven Umgebung und einem Panorama belohnt, das vom Watzmann bis zum Chiemsee reicht.  

Geomorphologische und geographische Einordnung

Das Fluggebiet am Predigtstuhl ist untrennbar mit der Topographie des Lattengebirges verbunden, einem Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen. Der Predigtstuhl selbst fungiert als nördlicher Pfeiler dieses Massivs und ragt markant über das Reichenhaller Becken empor. Diese Lage am Übergang vom Flachland der Salzburger Bucht zu den Hochalpen generiert spezifische kleinklimatische Bedingungen, die für Gleitschirmflieger von entscheidender Bedeutung sind.

Geologisch besteht das Massiv primär aus Hauptdolomit und Wettersteinkalk. Diese Gesteinsformationen sind nicht nur für die schroffen Felswände verantwortlich, sondern dienen auch als effiziente Wärmespeicher, was die Thermikentwicklung bereits früh im Jahr begünstigt. Die Zerklüftung des Geländes führt jedoch dazu, dass thermische Ablösungen oft punktuell und kräftig erfolgen, was eine aktive Schirmarbeit erfordert.  

Zentrale Standortdaten im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die präzisen geographischen und technischen Eckdaten zusammen, die für die Flugplanung und Navigation unerlässlich sind.

Standort Funktion Geographische Koordinaten (WGS84) Höhe (m ü. NN) Hochschlegel Hauptstartplatz (West) 47° 41' 40" N, 12° 52' 38" O 1.680 m Schlegelmulde Startplatz (Nordost) 47° 42' 10" N, 12° 52' 55" O 1.545 m Schreck XC-Startplatz (Ost) 47° 41' 25" N, 12° 53' 10" O 1.540 m Weitwiese Hauptlandeplatz 47° 43' 18" N, 12° 51' 24" O 470 m Streitbichl Notlandeplatz 47° 43' 09" N, 12° 52' 54" O 520 m Export to Sheets

Mit einem maximalen Höhenunterschied von ca. 1.250 Metern gehört der Predigtstuhl zu den flächenmäßig und vertikal ergiebigsten Gebieten in Bayern.  

Technische Infrastruktur und Logistik

Die Erschließung des Predigtstuhls ist ein Paradebeispiel für die Verbindung von historischer Ingenieurskunst und modernem Freizeitsport. Die Predigtstuhlbahn, in Betrieb seit 1928, wird oft als "Grande Dame" der Alpen bezeichnet.  

Die Predigtstuhlbahn als Aufstiegshilfe

Die Seilbahn überwindet die 1.140 Höhenmeter zur Bergstation in etwa 8 bis 9 Minuten. Für Gleitschirmflieger ist der Transport der Ausrüstung in den großzügigen Kabinen in der Regel problemlos möglich, wobei zu Stoßzeiten Rücksicht auf Touristen genommen werden muss.  

Merkmal Details Erste Bergfahrt

09:00 Uhr

Letzte Talfahrt

16:00 bis 20:00 Uhr (saisonal variabel)

Taktung

Halbstündlich, bei Bedarf öfter

Preise (Erwachsene)

Einfache Fahrt ca. 31,00 €, Berg- & Talfahrt ca. 57,00 €

Parken

Talstation (gebührenpflichtig) oder Festplatz (kostenfrei)

 

Besonderer Hinweis: Mit einem gültigen Bahnticket wird die Parkgebühr an der Talstation oft rabattiert. Dennoch empfiehlt sich für Piloten, die den ganzen Tag fliegen, der kostenfreie Festplatz, da der Rückweg vom Landeplatz Weitwiese dorthin etwa 20 Minuten zu Fuß dauert.  

Shuttle und alternative Mobilität

Ein offizieller Shuttle-Service für Gleitschirmflieger existiert nicht. Die meisten Piloten nutzen die Bahn oder verbinden den Flug mit einer Wanderung (Hike & Fly). Vom Landeplatz Weitwiese zurück zur Talstation der Predigtstuhlbahn sind es etwa 1,5 Kilometer, was einen moderaten Fußmarsch von ca. 20 Minuten bedeutet.  

Phänomenologie der Startplätze: Technische Analyse

Der Predigtstuhl verfügt über drei genehmigte Startstellen, die sich in ihrer Charakteristik fundamental unterscheiden. Ein gemeinsames Merkmal ist das Fehlen einer direkten Sichtverbindung zu den Landeplätzen, was eine genaue mentale Karte des Geländes vor dem Abheben erfordert.  

Hochschlegel (Startrichtung West)

Der Hochschlegel gilt als der Hauptstartplatz für thermisch orientierte Flüge am Nachmittag. Er befindet sich auf einer breiten Grasflanke, die ehemals als Skiabfahrt genutzt wurde.  

Der Anspruch wird als mittel eingestuft, was jedoch die Gefahren bei überregionalen Windlagen nicht unterschätzen lässt. Ein entscheidender Faktor am Hochschlegel ist die Lee-Anfälligkeit. Bei starkem Ostwind oder ausgeprägten Nordströmungen können sich über den Kämmen des Lattengebirges Rotoren bilden, die den Startplatz gefährlich machen. Piloten müssen hier oft zwischen zwei Strategien wählen: Einem Flug nach rechts über den Sessellift, um die Thermik am Predigtstuhlgipfel zu nutzen, oder einem direkten Kurs nach Westen am Hotelhang vorbei. Letzteres birgt das Risiko eines schnellen Höhenverlusts, was eine Notlandung am Saalachsee erzwingen kann, falls die Gleitzahl zur Weitwiese nicht mehr ausreicht.  

Schlegelmulde (Startrichtung Nordost)

Dieser Startplatz, unmittelbar neben der Schlegelmuldenalm gelegen, stellt höchste Anforderungen an die Starttechnik. Er wird als "schwer" klassifiziert und ist durch seine klippenartige Form geprägt.  

Nach hinten wird die Startfläche durch einen Sessellift begrenzt, während sie nach vorne steil in das Alpgartental abfällt. Der Wind muss hier absolut sauber anstehen. Bei schwachem oder unbeständigem Wind ist ein Verzicht auf den Start oft die einzig sichere Entscheidung. Da der Schirm beim Aufziehen fast unmittelbar in die volle Anströmung der Kante tritt, ist ein routinierter Rückwärtsstart zwingende Voraussetzung. Aufgrund der kurzen Startstrecke und der Klippencharakteristik ist dieser Platz primär für Drachenflieger oder sehr erfahrene Gleitschirmflieger mit kleinen, schnellen Schirmen geeignet.  

Der "Schreck" (Startrichtung Ost) – Der Geheimtipp für XC

Etwa 20 Gehminuten vom Hochschlegel entfernt, in Richtung Karkopf gelegen, befindet sich der Startplatz Schreck. Er ist weder ausgeschildert noch leicht zu finden, da kein offizieller Weg dorthin führt.  

Für Streckenflieger ist dieser Ort jedoch von strategischer Bedeutung. Er erlaubt einen frühen Start in die Morgenthermik, die an den Ostflanken des Lattengebirges bereits aktiv ist, während andere Plätze noch im Schatten liegen. Die ideale XC-Taktik sieht vor, unmittelbar nach dem Start nach rechts (Süden) an die Südflanken des Karkopfes zu queren, wo sich oft die ersten verlässlichen Thermikquellen des Tages finden.  

Landemanagement und Talwinddynamik

Das Landen im Reichenhaller Becken erfordert ebenso viel Aufmerksamkeit wie der Start am Gipfel. Das Tal ist eng und die Windsysteme werden massiv durch die umliegenden Gebirgsstöcke beeinflusst.

Hauptlandeplatz Weitwiese

Die Weitwiese in Karlstein, unmittelbar neben der Kaserne, ist ein weitläufiges und hindernisfreies Gelände, das als "einfach" eingestuft wird.  

Trotz der Größe ist Vorsicht geboten: An thermisch aktiven Tagen bildet sich ein kräftiger Talwind aus Osten aus (der "Bayerische Wind"). Dieser kann am Boden erhebliche Geschwindigkeiten erreichen und erfordert eine präzise Landeeinteilung. Der Windsack ist oft etwas versteckt in einem Baum angebracht, weshalb ein vorheriges Besichtigen des Landeplatzes am Boden dringend empfohlen wird. Bei konstantem Wind eignet sich die Weitwiese hervorragend für Groundhandling-Einheiten.  

Notlandeplatz Streitbichl

Sollte die Höhe nicht ausreichen, um die Weitwiese sicher zu erreichen, dient der Streitbichl als Alternative. Er liegt ca. 1,2 Kilometer von der Talstation entfernt in Richtung Bayerisch Gmain.  

Dieser Platz ist jedoch hügelig und uneben. Bei starkem Talwind entstehen hier oft Turbulenzen, die eine Landung unruhig machen können. Er sollte explizit nur als Notoption betrachtet werden. Eine weitere, inoffizielle Notlandemöglichkeit bietet sich am Saalachsee, wobei dies aufgrund der Uferbeschaffenheit und thermischen Ablösungen über dem Wasser als riskant gilt.  

Aerologie und Flugbedingungen: Eine detaillierte Analyse

Der Predigtstuhl ist aerologisch kein einfaches Gelände. Die Kombination aus alpiner Hochlage und der unmittelbaren Nähe zum Flachland führt zu komplexen Windmustern.

Thermikzyklen und beste Jahreszeit

Die Thermik am Predigtstuhl profitiert massiv von den Kalkwänden des Massivs. Die besten Bedingungen herrschen im Frühjahr (März bis Juni), wenn die Temperaturdifferenz zwischen den noch schneebedeckten Gipfeln und dem erwärmten Tal am größten ist.

Tageszeit Thermische Charakteristik Vormittag

Thermikentwicklung an den Ostflanken (Karkopf, Alpgartental). Startplatz Schreck oder Schlegelmulde optimal.

Mittag Ablösungen direkt am Predigtstuhl-Gipfel und über dem Hotelhang. Nachmittag

Stabilisierung am Hochschlegel (West). Thermikbärte ziehen oft direkt vor dem Startplatz hoch.

  Gefahrenquellen: Lee und Turbulenzen

Ein entscheidendes Risiko am Predigtstuhl ist das Fliegen im Lee. Wenn der überregionale Wind (z.B. starker Westwind) auf das zerklüftete Lattengebirge trifft, entstehen auf der windabgewandten Seite massive Rotoren. Lokale Piloten warnen davor, bei Windgeschwindigkeiten über 15-20 km/h in der Höhe zu starten, da die Startplätze Hochschlegel und Schlegelmulde dann unmittelbar in turbulente Zonen geraten können.  

Besonders heimtückisch ist der Übergang von der Thermik in den Talwind. Während man in 1.500 Metern noch in ruhiger Luft kreist, kann der Talwind auf 500 Metern bereits mit 25 km/h gegen die Flugrichtung blasen, was zu einer massiven Verschlechterung der Gleitzahl führt.  

Luftraummanagement: Zwischen Zivilluftfahrt und Militär

Die navigatorische Herausforderung am Predigtstuhl ist immens. Piloten müssen drei kritische Zonen permanent auf dem Radar haben.

ED-R 142 Reiteralpe

Das militärische Flugbeschränkungsgebiet Reiteralpe grenzt unmittelbar südlich und westlich an das Fluggebiet an.  

In dieses Gebiet darf grundsätzlich von Montag bis Freitag nicht eingeflogen werden. Piloten müssen vor dem Flug die aktuellen NOTAMs prüfen, da die Sperrung auch kurzfristig am Wochenende aktiviert werden kann. Ein Eindringen in diesen Luftraum ist nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern kann bei militärischem Flugbetrieb lebensgefährlich sein.  

CTR Salzburg

Östlich des Predigtstuhls beginnt die Kontrollzone des Flughafens Salzburg (LOWS). Die Grenze ist sehr nah, und Thermikkreise in Richtung Salzburg führen unweigerlich in kontrollierten Luftraum.  

Obwohl es am nahegelegenen Gaisberg Abkommen für temporär reservierte Lufträume (TRA) gibt, gelten diese nicht automatisch für Piloten vom Predigtstuhl. Wer auf Strecke Richtung Osten geht, muss die exakten Grenzen der CTR kennen und einen Transponder sowie Flugfunk mitführen oder strikt unterhalb der kontrollierten Sektoren bleiben.  

Vogelschutzregeln

Der Predigtstuhl ist Heimat seltener Greifvögel, darunter Steinadler und Wanderfalken. Es besteht eine strikte Vereinbarung mit dem Bayerischen Forstamt:

Die Südwest-Seite des Hochschlegels darf nur mit einer Mindesthöhe von 150 m über Grund überflogen werden.  

In der Zeit vom 1. März bis zum Ausflug der Jungadler sind markierte Horstbereiche großräumig (mind. 500 m) zu umfliegen. Ein Steinadlermonitoring gibt tagesaktuelle Infos über aktive Brutbereiche.  

Streckenflugpotenzial (XC): Routen und Taktik

Der Predigtstuhl ist zwar kein klassisches "Streckenflug-Mekka" wie die Emberger Alm, bietet aber für ambitionierte Piloten hervorragende Einstiegsmöglichkeiten in den alpinen Streckenflug.  

Klassische XC-Routen

West-Route (Richtung Pinzgau): Dies ist die populärste Route. Man folgt dem Lattengebirge nach Westen, quert zum Zwiesel und weiter zum Hochstaufen. Von dort aus kann man entlang der Chiemgauer Alpen Richtung Inntal fliegen.  

Süd-Route (Richtung Watzmann): Über den Karkopf und den Dreisesselberg quert man das Tal Richtung Berchtesgaden. Achtung: Hierbei muss man oft die Grenzen der ED-R 142 und der CTR Salzburg präzise umschiffen.  

Reichenhaller Streckenflugpokal

Der lokale Verein GSC Albatros veranstaltet jährlich einen vereinsinternen XC-Pokal. Gewertet werden Flüge von Bergen wie dem Predigtstuhl, Staufen oder Jenner. Für Gastpiloten ist dies ein hervorragender Anhaltspunkt, um erfolgreiche Flugwege im DHV-XC Server zu studieren und nachzufliegen.  

Insider-Tipps: Was nicht im DHV-Eintrag steht

Der wahre Mehrwert für den Piloten ergibt sich aus der Erfahrung lokaler Experten und den subtilen Zeichen des Berges.

Tipps lokaler Piloten

Die "Bayerischer Wind"-Anzeige: Wenn an der Gorialm (unterhalb der Kampenwand, aber aerologisch vergleichbar) oder an Gasthöfen im Tal die Fahnen straff nach Westen wehen, ist im Reichenhaller Becken mit starkem Talwind zu rechnen. Am Predigtstuhl zeigt sich dies oft durch ein abruptes Abreißen der Thermik am Nachmittag.  

Thermische Hotspots: Die Felswände direkt unterhalb der Bergstation ("Hotelhang") produzieren oft die zuverlässigsten, wenn auch turbulentesten Ablösungen.  

XC-Einstieg: Wer am Hochschlegel startet und sofort Höhe machen will, sollte nicht lange vor dem Startplatz soaren, sondern direkt versuchen, die Felsrippen südlich des Gipfels anzufliegen, da dort die Thermik konstanter ist.  

Häufige Fehler von Neulingen

Unterschätzung des Lee: Viele Piloten lassen sich von der sanften Grasflanke des Hochschlegels täuschen. Wenn die Windmesswerte am Gipfel des Hochschlegels (Holfuy-Station) Böen über 25 km/h zeigen, ist der Startplatz bereits im gefährlichen Lee-Bereich des Lattengebirges.  

Verzögerte Landeentscheidung: Wer zu lange am Berg versucht zu "kratzen", unterschätzt oft den starken Talwind. Es ist ein häufiger Fehler, gegen den Wind nicht mehr voranzukommen und im Lee der Stadtgebäude oder Bäume vor der Weitwiese landen zu müssen.  

Webcams und Informationsquellen

Lokale Piloten verlassen sich nicht nur auf den Wetterbericht, sondern auf Echtzeitdaten:

Webcam Hochschlegel: Unverzichtbar zur Beurteilung der Wolkenbasis und der Windsäcke.  

Holfuy Windstation Predigtstuhl: Bietet präzise Daten zur Windgeschwindigkeit und -richtung am Hauptstartplatz.  

Steinadlermonitoring: Vor jedem Flug im Frühjahr die Karte des GSC Albatros prüfen.  

Hike & Fly: Die sportliche Alternative

Für Piloten, die sich den Gipfel verdienen wollen, bietet der Predigtstuhl einige der schönsten, aber auch anspruchsvollsten Aufstiege der Region.

Route Ausgangspunkt Dauer Charakteristik Alpgartensteig Bayerisch Gmain ca. 3:00 h

Sehr steil, ausgesetzt, Leitern im oberen Teil. Führt direkt zum Hochschlegel.

Waxriessteig Bad Reichenhall ca. 4:00 h

Technisch anspruchsvoll, teilweise versichert, führt zur Schlegelmulde.

Über Spechtenkopf Festplatz Bad Reichenhall ca. 3:30 h

Klassische Bergwanderung mit herrlicher Aussicht, moderatere Steigung.

Moosensteig Schwarzbachwacht ca. 6:00 h

Lange Kammwanderung von Süden, technisch weniger schwierig, aber konditionell fordernd.

 

Der Transport des Schirms ist auf allen Wegen möglich, erfordert aber bei den Klettersteig-Passagen (Alpgartensteig) ein kompaktes Packmaß und gute Balance.  

Das Drumherum: Kulinarik und Aufenthalt

Ein Flugtag am Predigtstuhl ist erst durch die Einkehr in die historischen Hütten komplett.

Gastronomie am Berg

Almhütte Schlegelmulde: Nur 15 Minuten von der Bergstation entfernt. Sie ist der Treffpunkt für Piloten vor dem Start. Bekannt für herzhafte Spezialitäten und hausgemachte Kuchen.  

Bergrestaurant Predigtstuhl: Wer es exklusiver mag, findet hier Gourmetküche im Stil der 20er Jahre mit einer Terrasse, die einen der besten Ausblicke der Alpen bietet.  

Übernachtung und Wellness

RupertusTherme: Nach dem Flug ist ein Besuch in der Therme in Bad Reichenhall obligatorisch. Es gibt sogar Webcams an der Therme, mit denen man die Landewiese im Blick behalten kann.  

Camping: Nahegelegene Campingplätze finden sich am Thumsee oder im benachbarten Berchtesgaden.

Hotels: Bad Reichenhall bietet als Kurstadt eine breite Palette von einfachen Pensionen bis hin zu Luxushotels wie dem Hotel Seeblick.  

Flugschulen und Tandem-Anbieter

Obwohl der Predigtstuhl kein typisches Schulungsgelände ist, sind mehrere Profis vor Ort aktiv:

Tandem-Gleitschirmfliegen: Anbieter wie Wolfgang Nöhrig oder Simon (Tandemfliegen Berchtesgaden) bieten Flüge vom Predigtstuhl an und kennen das Gelände in- und auswendig.  

Flugschulen: Die Flugschule Salzburg am Gaisberg ist die nächstgelegene professionelle Anlaufstelle für Aus- und Weiterbildung im Grenzgebiet.  

Sicherheit und Regeln

Die Einhaltung der Flugordnung ist am Predigtstuhl essenziell für den Erhalt des Geländes.

Kontakt und Verein

Betrieben wird das Gelände vom GSC Albatros Bad Reichenhall e.V.. Gastpiloten sind willkommen, werden aber gebeten, sich vorab über die Website über aktuelle Sperrungen oder NOTAMs zu informieren. Eine Tagesmitgliedschaft oder Landegebühr ist oft in den Seilbahntickets enthalten oder kann vor Ort entrichtet werden.  

Notfall-Informationen

Im Falle eines Unfalls ist die Bergwacht Bad Reichenhall zuständig. Da das Gelände steil und bewaldet ist, ist eine genaue GPS-Position bei der Alarmierung lebensnotwendig.  

Notruf: 112

Bergwacht Bad Reichenhall: info@bergwacht-reichenhall.de.  

Rettungshubschrauber: Der in Traunstein stationierte "Christoph 14" ist regelmäßig für Einsätze am Predigtstuhl und Hochstaufen im Einsatz.  

Fazit: Der Predigtstuhl als fliegerisches Gesamtkunstwerk

Der Predigtstuhl ist weit mehr als nur ein Startplatz; er ist ein alpines Erlebnis, das technisches Können mit historischem Flair verbindet. Die Herausforderung liegt in der Komplexität der Bedingungen: Klippenstarts, Lee-Gefahren und eine enge Luftraumstruktur verzeihen keine Nachlässigkeit. Wer jedoch die nötige Erfahrung mitbringt und die "Geheimnisse" des Berges – wie den versteckten XC-Start am Schreck oder die Dynamik des Bayerischen Winds – zu nutzen weiß, findet hier ein Fluggebiet von seltener Qualität.  

Die Symbiose aus der nostalgischen Auffahrt mit der Predigtstuhlbahn, dem sportlichen Anspruch des Lattengebirges und der anschließenden Entspannung in der Alpenstadt Bad Reichenhall macht diesen Ort zu einem Fixpunkt auf der Landkarte jedes passionierten Gleitschirmfliegers. Es ist ein Gelände, das Respekt einfordert, aber im Gegenzug Flüge ermöglicht, die lange im Gedächtnis bleiben.

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