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Fluggebiet Anger & Teisenberg: Der Ultimative Piloten-Guide für den Rupertiwinkel
Das Fluggebiet rund um den Teisenberg, spezifisch die Achse Fürmannalm-Anger, nimmt in der Topografie der bayerischen Alpenfluggebiete eine Sonderstellung ein, die oft missverstanden wird. In der kollektiven Wahrnehmung vieler Piloten existiert der Ort primär durch zwei Faktoren: Zum einen durch die legendären „Angerer Open“, einen traditionsreichen Wettbewerb, der die Leistungsfähigkeit von Hängegleitern in diesem Gelände unter Beweis stellt. Zum anderen durch eine persistente Verwirrung in Datenbanken und Navigationsgeräten, die den restriktiven Landeplatz „Prasting“ mit dem tatsächlich nutzbaren Landeplatz „Irlberg“ vermischen.
Für den reisenden Gleitschirmpiloten oder den ambitionierten Hike & Fly-Enthusiasten ist Anger/Teisenberg ein zweischneidiges Schwert, das eine präzise Vorbereitung erfordert. Es handelt sich nicht um ein klassisches „Park & Fly“-Gebiet mit Bergbahnanschluss und riesigen Landewiesen, die Fehler großzügig verzeihen. Vielmehr ist es ein technisches, meteorologisch sensibles Areal, das durch seine Lage am Alpenrand – im direkten Einflussbereich des „Bayerischen Windes“ und im Schatten der Kontrollzone (CTR) des Flughafens Salzburg – hohe Disziplin einfordert.
Die Eignung dieses Gebiets lässt sich wie folgt kategorisieren: Es ist ein exzellentes Ziel für Piloten, die den Aufstieg zu Fuß als Teil des Erlebniswertes begreifen und fähig sind, komplexe Luftraumstrukturen visuell zu navigieren. Es ist hingegen ungeeignet für Piloten, die eine Infrastruktur wie an der Hochries oder dem Hochfelln erwarten. Der „Anger-Faktor“ beschreibt genau diese Diskrepanz: Die landschaftliche Idylle des Rupertiwinkels suggeriert eine Einfachheit, die fliegerisch durch strikte Auflagen (Modellflug-Koexistenz, CTR-Grenzen) und mikrometeorologische Besonderheiten (Leewirkung bei Westwind) widerlegt wird. Wer hier fliegt, muss wissen, was er tut – und genau dafür wurde dieser Guide erstellt. Er dekonstruiert die Datenbank-Einträge und liefert die operative Realität vor Ort.
Das gravierendste Missverständnis, das Piloten bei der Recherche zu Anger begegnet, ist die Verwechslung der Landeplätze. In vielen älteren Datenbanken und auch im offiziellen DHV-Eintrag dominiert der Name „Anger/Prasting“. Wer sich blind darauf verlässt, steuert auf ein rechtliches und sicherheitstechnisches Problem zu. Es ist unabdingbar, die Historie und die aktuelle Nutzungspraxis dieser beiden Areale zu differenzieren, um Konflikte mit dem Geländehalter und den Grundstückseigentümern zu vermeiden.
Der „Phantom-Landeplatz“: Anger/Prasting
Der Landeplatz Prasting, oft prominent gelistet, ist für den modernen Gleitschirm-Alltagsbetrieb faktisch irrelevant und sogar verboten. Die Datenbanken führen ihn oft noch, weil er historisch für Hängegleiter-Wettbewerbe von Bedeutung war und ist. Die Analyse der DHV-Daten zeigt hier eindeutige Restriktionen auf.
Erstens ist die Nutzung explizit auf Hängegleiter beschränkt. Der Eintrag „Gleitschirme: Nein“ ist hierbei nicht als Empfehlung, sondern als verbindliches Verbot zu interpretieren. Der Hintergrund liegt in den aerodynamischen Anforderungen des Anflugs. Für Flüge von der Fürmannalm zu diesem spezifischen Landeplatz ist eine Gleitzahl von mindestens 1:10 vorgeschrieben. Diese Anforderung stammt aus der Topografie: Der Landeplatz Prasting liegt deutlich weiter im Tal, oft jenseits der Autobahn A8 oder in deren unmittelbarem Einzugsbereich. Ein Gleitschirm, insbesondere Klassen A und B oder bei Gegenwind, kann diese Gleitzahl nicht verlässlich garantieren, was das Risiko einer Außenlandung auf oder an der Autobahn inakzeptabel erhöht.
Zweitens ist der Platz exklusiv an Veranstaltungen des „Delta Club Bavaria Ruhpolding e.V.“ gebunden. Außerhalb solcher Events, wie den „Angerer Open“, existiert hier keine Landeerlaubnis für Gastpiloten. Die Sicherheitsauflage, beim Überfliegen der Autobahn eine strikte Mindesthöhe einzuhalten, unterstreicht den Charakter dieses Landeplatzes als Hochleistungs-Areal für Drachenflieger und nicht als Spielwiese für Gleitschirme. Wer hier landet, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern gefährdet den Bestand des Geländes für den Wettbewerb.
Der „Reale Landeplatz“: Irlberg (Fürmannalm Standard)
Wenn lokale Gleitschirmpiloten oder der aktuelle Geländehalter, der „Gleitschirmclub Albatros Bad Reichenhall e.V.“, vom Landen in Anger sprechen, beziehen sie sich auf den Landeplatz Irlberg. Dieser ist die operative Basis für den täglichen Flugbetrieb und muss in jedem Vario als primäres Ziel eingespeichert werden.
Die geografische Lage dieses Platzes ist taktisch klüger gewählt als Prasting. Er befindet sich auf ca. 600 Metern über dem Meeresspiegel direkt am Fuße des Aufstiegs zur Fürmannalm. Visuell ist er hervorragend durch ein großes Fahrsilo zu identifizieren, das als markanter Orientierungspunkt dient. Die Landewiese selbst ist der Bereich direkt neben diesem Silo. Hierarchisch ist das Gelände in Zonen unterteilt, deren Einhaltung essenziell für die Pachtverträge ist. In den Briefings des Vereins wird explizit auf eine „blaue Zone“ (erlaubt) und eine „rote Zone“ (verboten) hingewiesen. Diese roten Zonen sind meist futterbaulich genutzte Wiesen, die nicht betreten werden dürfen.
Ein spezifisches Merkmal des Landeplatzes Irlberg ist das strikte Groundhandling-Verbot auf der Landewiese. Dies mag für Piloten, die es gewohnt sind, nach der Landung noch den Schirm zu spielen, ungewohnt sein, hat aber einen ernsten Hintergrund. Die Wiese dient ausschließlich dem Abbau von Höhe und der sicheren Landung. Langes Verweilen, Aufziehen und Spielen strapaziert die Grasnarbe unnötig und kann zu Konflikten mit dem Verpächter (Landwirt) führen. Die Etikette verlangt hier: Landen, Schirm raffen, die Wiese zügig verlassen und am Rand (oder am vorgesehenen Packplatz) zusammenlegen.
Die folgende Tabelle fasst die kritischen Unterschiede zusammen, um Verwechslungen im Flugstress zu vermeiden:
Merkmal Landeplatz Prasting (Phantom) Landeplatz Irlberg (Realität) Status Restriktiv / Events only Aktiv / Täglicher Betrieb Zulassung Nur Hängegleiter Gleitschirme & Drachen Gleitzahl Min. 1:10 erforderlich Standard Gleitwinkel ausreichend Gefahr Autobahnüberquerung (A8) Keine Autobahnquerung nötig Orientierung Östlich / Talmitte Am Hangfuß / Beim Fahrsilo Halter Delta Club Bavaria Ruhpolding GSC Albatros Bad Reichenhall Export to Sheets
Die GPS-Koordinaten für den Landeplatz Irlberg sollten vor dem Flug manuell verifiziert werden, da automatische Importe aus veralteten Datenbanken oft auf Prasting zielen. Eine visuelle Besichtigung vor dem Aufstieg ist obligatorisch, um den „Geländeknick“, der die untere Grenze markiert, und das Fahrsilo zweifelsfrei zu identifizieren.
Der Startplatz an der Fürmannalm, gelegen auf 860 Metern MSL, ist weit mehr als nur eine abschüssige Wiese. Er ist ein exzellentes Beispiel für die notwendige Koexistenz verschiedener Luftsportarten auf engem Raum. Die Fürmannalm ist kein exklusives Gleitschirm-Revier, sondern wird in enger Abstimmung mit dem Modellbauclub Traunstein e.V. betrieben. Diese Dualität definiert sämtliche Abläufe am Start.
Topografie und Starttechnik
Der Startplatz ist eine steile, stufige Almwiese. Die Klassifizierung als „mittelschwer“ ist gerechtfertigt, da der Untergrund nicht englischem Rasen gleicht, sondern alpinem Charakter entspricht. Eine Besonderheit ist der Stacheldrahtzaun, der die Startfläche begrenzt bzw. durchzieht; hierfür wurde eine spezielle Treppe installiert, um den Zugang sicher zu gestalten. Piloten müssen beim Auslegen ihrer Schirme extrem sorgfältig vorgehen, um Leinenverhänger an der Vegetation oder den Weidezäunen zu vermeiden.
Die optimale Startrichtung ist Nord-Ost (NO) bis Ost (O). Diese Ausrichtung harmoniert perfekt mit dem lokalen Talwindsystem und dem oft vorherrschenden „Bayerischen Wind“. Starts bei Süd-Ost sind möglich, aber oft thermisch zerrissen oder durch den Talwind beeinflusst. Aufgrund der Steilheit des Geländes ist eine solide Rückwärtsstart-Technik nicht nur empfohlen, sondern de facto Sicherheitsstandard. Ein abgebrochener Vorwärtsstart führt in diesem Gelände schnell zu Stolperern oder Rutschpartien in den Zaun.
Ein saisonaler Faktor, der oft unterschätzt wird, ist die landwirtschaftliche Nutzung. Im Sommer ist der Startplatz Weidegebiet für Kühe. Dies bedeutet zweierlei: Erstens haben die Tiere Vorrang und dürfen nicht bedrängt werden. Zweitens hinterlassen sie „Tretminen“. Ein sorgfältiger Check des Auslegeplatzes auf frische Kuhfladen erspart unangenehme Reinigungsaktionen der Gleitschirmleinen und des Gurtzeugs.
Die „Links-Rechts-Regel“ und Modellflug-Etikette
Die kritischste Regel am Startplatz Fürmannalm ist die strikte räumliche Trennung zwischen manntragender und modellgetriebener Fliegerei. Blickrichtung Tal (Startrichtung) gilt:
Links: Sektor für Modellflieger.
Rechts: Sektor für Gleitschirme und Drachen.
Diese Trennung ist keine bloße Empfehlung, sondern eine harte Auflage. Wenn Modellflieger anwesend sind, ändert sich der Modus Operandi für Gleitschirmpiloten drastisch. Es herrscht absolute Abstimmungspflicht. Bevor ein Gleitschirm ausgelegt oder gestartet wird, muss Blickkontakt oder verbale Kommunikation mit den Modellpiloten erfolgen. Ein ferngesteuertes Segelflugzeugmodell kann Geschwindigkeiten von über 200 km/h erreichen und ist für den Piloten am Boden schwer in der Distanz einzuschätzen.
Noch wichtiger ist das Verhalten nach dem Start. Bei aktivem Modellflugbetrieb ist das „gemeinsame Soaring“ am Hang explizit verboten. Das bedeutet: Starten, Orientieren, Wegfliegen. Das beliebte „Parken“ vor dem Startplatz, um in schwacher Thermik Höhe zu machen, ist in diesem Szenario ein Sicherheitsrisiko. Gleitschirme müssen den Luftraum vor dem Hang zügig räumen, um Kollisionen zu vermeiden. Ebenso ist das Toplanden bei Modellflugbetrieb strikt untersagt. Selbst ohne Modellflieger wird Toplanden nur toleriert, wenn das Aufkommen an Piloten am Startplatz gering ist.
Diese Regeln mögen restriktiv wirken, sie sind jedoch der Garant dafür, dass dieses Gelände überhaupt für Gleitschirme zugänglich ist. Verstöße gegen die Modellflug-Koexistenz gefährden die Pachtverträge und das Einvernehmen mit dem Partnerverein.
Anger und der Teisenberg liegen in einer meteorologisch hochinteressanten Übergangszone. Hier trifft das flache Alpenvorland auf die ersten massiven Bastionen der Berchtesgadener Alpen, namentlich den Hochstaufen und den Zwiesel. Diese Lage sorgt für spezifische Windphänomene, die über die Standard-Wetterberichte hinausgehen.
Thermik-Uhrzeiten und Jahreszeiten
Die thermische Qualität des Gebiets variiert stark mit den Jahreszeiten. Das Frühjahr (März bis Mai) gilt als die Königsklasse für Flüge vom Teisenberg. Zu dieser Zeit sind die Gipfelregionen von Teisenberg und Hochstaufen oft noch schneebedeckt oder zumindest kalt, während das Tal rund um Anger und der Högl bereits schneefrei sind und sich stark aufheizen. Dieser Temperaturkontrast generiert kräftige, zuverlässige Ablösungen, die Piloten zügig auf Arbeitshöhe bringen.
Im Sommer verschiebt sich der Charakter hin zu stabileren Schichtungen oder, bei entsprechender Labilität, zu einer schnellen Überentwicklung mit Gewitterneigung. Hier schlägt die Stunde der Genussflieger. Der oft vorherrschende Nordostwind, lokal auch als „Bayerischer Wind“ bekannt, kann am späten Nachmittag und Abend laminar anstehen. Dies ermöglicht stundenlanges Soaring im weichen Licht der untergehenden Sonne – ein Erlebnis, das den anstrengenden Aufstieg vergessen lässt. Der Herbst bringt oft zähe Inversionswetterlagen. Während das Salzburger Becken und Anger im Nebel versinken, ragt der Startplatz an der Fürmannalm oft gerade so heraus oder befindet sich an der Obergrenze. Starts sind dann möglich, erfordern aber eine genaue Beurteilung der Nebelauflösung im Landebereich Irlberg.
Die Wind-Fallen: Westwind und Föhn
Eine der gefährlichsten Fehleinschätzungen in Anger betrifft die Westwindlagen. Der Teisenberg ist ein massiver Bergrücken, der westlich der Fürmannalm liegt. Bei überregionalem Westwind liegt der Startplatz Fürmannalm somit im klassischen Lee. Das Tückische daran: Am Startplatz selbst kann es windstill sein oder sogar ein leichter thermischer Aufwind (Ansaugen durch den Rotor) herrschen, der fälschlicherweise als startbar interpretiert wird. Sobald der Pilot jedoch aus dem geschützten Bereich herausfliegt, trifft er auf die turbulente Leewalze. Die Regel ist einfach: Bei prognostiziertem Westwind über 10-15 km/h in der Höhe ist die Fürmannalm tabu.
Eine weitere Gefahr ist der Föhn. Durch die Nähe zu den Alpenhauptkamm-Durchbrüchen und den markanten Gipfeln des Staufen und Zwiesel ist das Gebiet Föhn-anfällig. Ein verlässlicher Indikator ist oft der Blick Richtung Süden/Südosten. Die Webcam der Stoißer Alm bietet hier wertvolle Dienste. Zeigt sie die charakteristischen linsenförmigen Wolken (Lenticularis) oder meldet die dortige Wetterstation unrealistisch hohe Windwerte aus Süd, obwohl es im Tal ruhig scheint, ist am Boden zu bleiben. Der Föhn kann hier bis in tiefere Lagen durchgreifen und macht das Fliegen lebensgefährlich.
Für Piloten, die es gewohnt sind, in freien Lufträumen zu operieren, stellt Anger eine mentale Herausforderung dar. Die Nähe zur Staatsgrenze Österreich und damit zur Kontrollzone (CTR) des Flughafens Salzburg (LOWS) macht die Luftraumstruktur komplex und im Fehlerfall extrem teuer. Dies ist das kritischste Kapitel der Flugvorbereitung.
Die CTR Salzburg (Control Zone) – Eine unsichtbare Mauer
Der Teisenberg liegt westlich der CTR Salzburg, aber der Rand dieser Zone ist in unmittelbarer Nähe. Für Gleitschirme und Hängegleiter gilt in der CTR Salzburg ein generelles Flugverbot. Es gibt keine Toleranz für „kurzes Reinschnuppern“ oder „Eckenschneiden“. Die österreichische Flugsicherung Austro Control überwacht diesen Raum per Radar, und Verstöße werden rigoros verfolgt. Strafen können bis zu 22.000 Euro betragen oder im Extremfall Freiheitsstrafen nach sich ziehen.
Piloten müssen sich der geografischen Grenzen bewusst sein. Eine gute visuelle Referenzlinie ist der Högl, ein langgestreckter Hügelrücken zwischen dem Teisenberg und der Stadt Salzburg. Wer den Högl Richtung Osten überfliegen will, bewegt sich bereits auf extrem dünnem Eis. Die sichere Zone bleibt westlich der Linie Piding – Anger – Teisendorf.
Die Ausnahme: Temporary Reserved Airspaces (TRAs)
Um den Flugsport im Salzburger Becken dennoch zu ermöglichen, wurden sogenannte TRAs (Temporary Reserved Airspaces) eingerichtet: die TRA Gaisberg und die TRA Schwarzenberg.
TRA Gaisberg: Erlaubt Flüge bis 1.527 m MSL (Lokalflug).
TRA Schwarzenberg: Erlaubt Flüge bis 2.134 m MSL (Streckenflug).
Der Haken für Anger-Piloten: Diese Zonen sind primär für Starts vom Gaisberg (östlich von Salzburg) konzipiert. Vom Teisenberg (Westen) aus sind diese Zonen physisch durch die Kern-CTR getrennt. Ein direkter Flug in diese TRAs ist ohne das (verbotene) Durchqueren der CTR nicht möglich. Die TRAs sind daher für Piloten, die an der Fürmannalm starten, operativ meist irrelevant, es sei denn, man plant komplexe Umfliegungen weit nördlich oder südlich der CTR, was jedoch aufgrund der Topografie und weiterer Lufträume (TMA LOWS) sehr anspruchsvoll ist.
Das Fazit für die Luftraumstrategie in Anger lautet: Orientierung nach Westen (Chiemgau) und Süden (Alpen), niemals unüberlegt nach Osten. Die CTR Salzburg ist eine unsichtbare Mauer, die respektiert werden muss.
In einer Zeit, in der viele Fluggebiete unter Überfüllung leiden, wirkt Anger durch seine fehlende mechanische Aufstiegshilfe wie ein natürlicher Filter. Es gibt keine Seilbahn und keinen offiziellen Shuttle-Service zum Startplatz. Dies macht die Fürmannalm zu einem klassischen Hike & Fly-Berg, was für eine entspannte, sportliche Atmosphäre am Startplatz sorgt.
Der Aufstieg (Walk & Fly)
Der Aufstieg ist moderat und auch für Piloten mit normaler Kondition gut machbar. Startpunkt ist idealerweise der Wanderparkplatz in Anger oder direkt im Ort, je nach Verfügbarkeit der Stellflächen.
Route: Man folgt den gut ausgeschilderten Wanderwegen Richtung Fürmannalm/Teisenberg. Die Route führt meist über Forststraßen und Waldpfade.
Dauer: Sportliche Geher bewältigen die Strecke in ca. 45 bis 50 Minuten. Wer es gemütlicher angehen lässt, sollte etwa 1 Stunde 15 Minuten einplanen.
Höhenmeter & Distanz: Vom Landeplatz Irlberg bzw. dem Parkplatz Anger sind es ca. 325 Höhenmeter auf einer Strecke von rund 2,8 Kilometern bis zum Startplatz. Dies qualifiziert den Berg als idealen „Feierabend-Berg“ für eine schnelle Trainingseinheit nach der Arbeit.
Gepäck: Durch die gut ausgebauten Wege ist der Aufstieg auch mit normaler Gleitschirm-Ausrüstung möglich, wenngleich eine leichte Hike & Fly-Ausrüstung den Genuss deutlich erhöht.
Parken – Die goldene Regel der Diplomatie
Das Parken ist in Anger ein sensibles Thema, das direkten Einfluss auf den Erhalt des Fluggeländes hat. Die wichtigste Regel lautet: Absolutes Halteverbot am Landeplatz Irlberg. Dies ist keine Schikane, sondern eine Notwendigkeit für die lokale Landwirtschaft. Der Bereich um das Fahrsilo muss für Traktoren und landwirtschaftliches Gerät jederzeit frei zugänglich bleiben. Piloten, die hier „nur kurz“ zum Packen oder Ausladen halten, provozieren Konflikte mit den Landwirten, die letztlich auf den Verein zurückfallen.
Die korrekte Logistik sieht wie folgt aus: Nutzen Sie die offiziellen, ausgewiesenen Wanderparkplätze im Ort Anger. Alternativ gibt es direkt am Gasthof Fürmannalm oben am Berg Parkplätze. Diese sind jedoch kostenpflichtig. Wer mit zwei Autos (eines oben, eines unten) operiert, sollte die Parkgebühr am Gasthof als Investition in die Infrastruktur betrachten und nicht versuchen, wild zu parken. Die paar Euro Gebühr tragen dazu bei, dass Gleitschirmflieger als willkommene Gäste und nicht als Störfaktoren wahrgenommen werden.
Auch wenn die CTR Salzburg den Weg nach Osten blockiert, bietet der Teisenberg fliegerisches Potenzial, das über bloßes Abgleiten hinausgeht. Die thermischen Bedingungen erlauben an guten Tagen durchaus anspruchsvolle Flüge.
Das XC-Potenzial
Streckenflüge vom Teisenberg sind geometrisch oft eingeschränkt, aber taktisch reizvoll.
Die „Kleine Hausstrecke“: Soaring entlang der Kante des Teisenbergs ist die Basis. Hier kann man sich bei Nordostwind stundenlang halten und die Aussicht genießen.
Sprung zum Hochstaufen: Für ambitionierte Piloten ist der Querung zum Hochstaufen das logische Ziel. Dies erfordert jedoch eine solide Basishöhe von ca. 1.600 Metern oder mehr. Die Talquerung muss taktisch klug angelegt werden, um nicht im Lee des Staufen oder in den windanfälligen Schneisen „abzusaufen“. Der Hochstaufen selbst bietet dann Anschluss an das größere Streckenflugnetz der Chiemgauer Alpen.
Das Dreieck: Kleine FAI-Dreiecke sind möglich, indem man Wendepunkte westlich und südlich setzt. Die Kunst liegt darin, die CTR im Osten als harte Grenze in die Flugplanung einzubeziehen und die Wendepunkte so zu legen, dass man nie in die Verlegenheit kommt, „nur mal kurz“ den Luftraum zu schneiden.
Fehler, die Neulinge machen
Ein klassischer Fehler ist die Unterschätzung des Talwindes bei der Landung. Am Irlberg kann der Talwind, besonders an thermischen Tagen, kräftig durchziehen. Eine saubere Landeeinteilung ist essenziell. Ebenso wird oft die Leewirkung bei Westwind unterschätzt. Piloten lassen sich von der Ruhe am Startplatz täuschen und erleben nach dem Start böse Überraschungen in der turbulenten Luftmasse hinter der Hangkante. Ein weiterer Fehler ist die Fixierung auf den Landeplatz Prasting im GPS, was zu unnötigen und gefährlichen Gleitstrecken über die Autobahn führt.
Ein Flugtag in Anger ist nicht komplett ohne den sozialen Aspekt. Die Infrastruktur ist zwar nicht auf Massentourismus ausgelegt, aber gerade deshalb charmant.
Einkehr & Treffpunkte
Der zentrale Anlaufpunkt ist das Gasthaus Fürmannalm direkt am Startplatz. Die Terrasse bietet einen direkten Blick auf den Startbereich – ideal für Begleitpersonen oder um nach dem Flug noch einmal hochzufahren (oder oben zu bleiben, wenn man oben geparkt hat). Hier wird bayerische Küche serviert, und man trifft oft auf die lokalen Piloten des GSC Albatros, was eine gute Gelegenheit für den Erfahrungsaustausch ist. Prüfen Sie jedoch vorab die Öffnungszeiten, da es unter der Woche Ruhetage gibt.
Alternativ bietet die Stoißer Alm auf dem Teisenberg Gipfel eine urige Einkehr. Sie liegt etwas weiter entfernt vom Startplatz, ist aber ein beliebtes Ziel für Wanderer und Piloten, die vor dem Flug noch den Gipfel mitnehmen wollen.
Übernachtung
In Anger und der Umgebung (Bad Reichenhall, Piding) gibt es zahlreiche Pensionen und Hotels. Camping ist offiziell am Landeplatz nicht gestattet. Für Camper bieten sich die offiziellen Campingplätze in der Region Chiemgau/Berchtesgadener Land an, zum Beispiel in Ainring oder Bad Reichenhall.
Die Sicherheit steht über allem. Speichern Sie sich vor dem Flug die wichtigsten Nummern ein.
Notruf: 112 (Euro-Notruf). Geben Sie bei einem Unfall präzise Standortdaten an (z.B. „Fürmannalm Startplatz, Gemeinde Anger“ oder „Landeplatz Irlberg“).
Vereinskontakt: Der GSC Albatros Bad Reichenhall e.V. ist der erste Ansprechpartner für spezifische Fragen oder um aktuelle Bedingungen zu erfragen. Gastpiloten, die sich proaktiv melden oder Fördermitglied werden, werden in der Regel sehr positiv aufgenommen.
Versicherung: Da die Flugrouten oft nah an der österreichischen Grenze verlaufen und eine Außenlandung in Österreich nie ganz ausgeschlossen werden kann (auch wenn sie vermieden werden sollte), ist eine Versicherung, die Bergekosten auch im Ausland abdeckt, dringend empfohlen.
Der Anger/Teisenberg ist ein Juwel für den bewussten Piloten. Es ist kein Gebiet für „Kilometerfresser“, die 200km-Dreiecke jagen, und auch nicht für den reinen Konsum-Piloten, der den Lift benötigt. Es ist ein Gebiet für Feinschmecker: Für Piloten, die den sportlichen Aufstieg schätzen, die die Ruhe abseits der überfüllten Mode-Berge suchen und die bereit sind, sich diszipliniert in ein komplexes Gefüge aus Naturschutz, Modellflug und Luftraumregeln einzufügen. Wer diese Hürden nimmt, wird mit traumhaften Flügen im Angesicht der Berchtesgadener Alpen und einem der entspanntesten Hike & Fly-Erlebnisse im Rupertiwinkel belohnt.
Fly safe, land happy – und immer westlich der CTR bleiben.