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Pfalzen

Startplätze:1
Landungen:2
Koord.:46.8309°N, 11.8726°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 2 Landeplatzätze

Pfalzen Startplatz

Start
Höhe1621m ü. M.
Koord.46.8309, 11.8726
WindS-SW
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Pfalzen Landeplatz 1

Landung
Höhe995m ü. M.
Koord.46.8082, 11.8797
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Pfalzen Landeplatz 2

Landung
Höhe826m ü. M.
Koord.46.8105, 11.9274
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Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Monographie des Pustertaler Luftraums: Eine Tiefenanalyse des Fluggebiets Pfalzen

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Einleitung: Die Renaissance der Sonnenterrasse

In der Welt des alpinen Flugsports gibt es Orte, die laut und geschäftig sind, geprägt von Bergbahnlogistik und Massentourismus, und es gibt Orte, die wie gut gehütete Geheimnisse unter Kennern gehandelt werden. Pfalzen (Falzes), gelegen auf einem sonnenverwöhnten Hochplateau über dem Pustertal in Südtirol, gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Während der benachbarte Kronplatz mit seiner perfekten Infrastruktur und den omnipräsenten Gondeln die Massen anzieht, bietet Pfalzen eine ganz andere Qualität des Fliegens: Es ist ein Ort für den puristischen Piloten, für den Aviator, der das Verständnis der aerologischen Zusammenhänge über die Bequemlichkeit des Sessellifts stellt.

Dieser Bericht versteht sich nicht als einfacher Reiseführer oder eine bloße Auflistung von Start- und Landeplätzen. Er ist vielmehr eine umfassende Studie, ein "Besserer Guide", der den Anspruch erhebt, die meteorologischen Feinheiten, die taktischen Herausforderungen und die kulturelle Seele dieses einzigartigen Fluggebiets zu dechiffrieren. Pfalzen ist mehr als nur ein Startplatz; es ist ein komplexes System aus Topographie, thermischen Zyklen und Talwindsystemen, das seit den späten 1970er Jahren die Geschichte des Hängegleitens und später des Gleitschirmfliegens in den Ostalpen mitgeschrieben hat.  

Die Faszination dieses Geländes liegt in seiner Dualität. Einerseits bietet es durch die nach Süden ausgerichtete "Sonnenterrasse" eine thermische Zuverlässigkeit, die im Alpenraum ihresgleichen sucht. Andererseits verlangt die Lage an der Nordflanke des Pustertals, direkt konfrontiert mit dem oft kräftigen Talwindsystem, ein hohes Maß an Respekt und taktischem Verständnis. Wer hier fliegt, bewegt sich auf den Spuren der Pioniere des Drachenflieger Clubs Pfalzen (DFC Pfalzen), die schon vor Jahrzehnten erkannten, dass diese Hänge das Tor zu weiten Streckenflügen in Richtung Gitschberg im Westen oder Antholz im Osten sind.

Die folgende Analyse wird Schicht für Schicht die Aspekte freilegen, die Pfalzen zu einem der technisch interessantesten Fluggebiete Südtirols machen. Von den mikrometeorologischen Besonderheiten des Plateaus über die detaillierte Beschreibung der Hike & Fly-Routen auf den Sambock bis hin zur Analyse der psychologischen Komponenten bei der Talquerung – dieser Bericht dient als unverzichtbares Kompendium für den fortgeschrittenen Piloten, der nicht nur konsumieren, sondern verstehen will.

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Das Aerologische System des Pustertals

Um Pfalzen sicher und effizient zu befliegen, muss man zunächst die unsichtbaren Kräfte verstehen, die dieses Tal beherrschen. Das Pustertal ist nicht einfach nur ein Tal; es ist eine der mächtigsten Windschneisen der Alpen, ein hydraulischer Kanal, der Luftmassen zwischen dem Eisacktal und Osttirol transportiert. Pfalzen liegt an einer strategisch kritischen Position innerhalb dieses Systems.

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Die Thermodynamik der Sonnenterrasse

Die Bezeichnung "Sonnenterrasse" ist keine bloße Marketingfloskel des Tourismusverbands, sondern eine treffende physikalische Beschreibung. Das Plateau von Pfalzen hebt sich geologisch etwa 200 bis 300 Meter über den eigentlichen Talboden bei Bruneck. Diese Stufe ist entscheidend für die thermische Entwicklung.  

Während der Talboden, durch den die Rienz fließt, oft noch im Schatten liegt oder durch Inversionsschichten gedämpft wird, trifft die Morgensonne bereits in einem idealen Winkel auf die südlich exponierten Hänge und Wiesen von Pfalzen und Platten. Diese Hänge sind oft landwirtschaftlich genutzt, was bedeutet, dass sie baumfrei sind und somit die Sonneneinstrahlung effizient in Bodenwärme umwandeln können. Die dunklen Nadelwälder oberhalb der Wiesen, insbesondere am Sambock, fungieren als zusätzlicher Kontrast und Abreißkante für die erwärmten Luftpakete.

Das Resultat ist ein thermisches System, das oft früher anspringt als an anderen Orten der Region. Bereits am späten Vormittag entwickeln sich hier zuverlässige Aufwinde, die es Piloten ermöglichen, noch vor dem Einsetzen des starken Talwindes Höhe zu gewinnen. Diese "isolierte" Thermik auf dem Plateau ist oft weniger turbulent als die zerrissenen Bärte, die man später am Tag im Talwindsystem findet.

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Der Pustertaler Talwind: Freund und Feind

Kein Element prägt das Fliegen in Pfalzen so sehr wie der Pustertaler Talwind. Er ist der Herzschlag der Region, und wie jeder Herzschlag hat er eine Systole und eine Diastole – Phasen der Ruhe und Phasen maximaler Kraft.

Das Pustertal verbindet das Drautal im Osten mit dem Eisacktal im Westen. Klassischerweise baut sich bei normaler Wetterlage ein Talwind von Ost nach West auf (aus Lienz kommend in Richtung Brixen). Doch die Realität in Pfalzen ist komplexer. Durch die geografische Verengung bei Kiens und die Weitung bei Bruneck entstehen Düseneffekte. Der "Brunecker", wie der lokale Wind oft genannt wird, kann an Sommertagen bereits um 13:00 Uhr Geschwindigkeiten von 25 bis 30 km/h erreichen.

Für den Piloten in Pfalzen bedeutet dies eine strikte Zweiteilung des Flugtages. Der Vormittag gehört der Thermik, der Nachmittag dem Wind. Eine besondere Gefahr stellt die Scherungsschicht dar. Da der Startplatz Lechnerhof auf ca. 1621m liegt , befindet er sich oft knapp oberhalb der laminaren Strömung des Talwindes, die im Sommer bis auf 1500m oder 1800m ansteigen kann.  

Die Grafik illustriert anschaulich, wie sich der Pilot beim Abstieg zum Landeplatz durch diese Scherungsschicht bewegen muss. Oberhalb herrscht oft thermisches, teils südliches Strömen, während man unten in den straffen Ost- oder Westwind eintaucht. Diese Transitionszone ist berüchtigt für Turbulenzen und verlangt aktives Fliegen ("Active Piloting"). Klapper sind hier keine Seltenheit, wenn man unvorbereitet mit voller Geschwindigkeit in die Grenzschicht einfliegt.

Ein weiteres Phänomen ist der sogenannte "Bayreuther", ein lokaler Windeffekt, der oft unvermittelt auftritt und die Windrichtung im Talboden umkehren kann. Dies geschieht oft im Konvergenzbereich zwischen dem Pustertaler Wind und dem Wind aus dem Ahrntal. Piloten, die am Landeplatz stehen, beobachten oft fasziniert – und manchmal besorgt – wie der Windsack innerhalb von Minuten um 180 Grad dreht und die Stärke verdoppelt.

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Jahreszeitliche Metamorphosen

Das Fluggebiet Pfalzen ist kein statisches Gebilde; es verändert seinen Charakter mit den Jahreszeiten drastisch.

Der Frühling (März bis Mai): Die Zeit der Streckenjäger. In diesen Monaten ist die Luftschichtung labil, die Temperaturgradienten sind extrem. Die noch schneebedeckten Gipfel der Zillertaler Alpen im Norden stehen im Kontrast zu den aperen, braunen Wiesen des Pustertals. Dies erzeugt brutale, aber tragfähige Thermik. Der Talwind setzt später ein, da das Tal noch nicht so stark aufheizt wie im Sommer. Dies ist das Fenster für die großen FAI-Dreiecke.  

Der Sommer (Juni bis August): Die Herrschaft des Windes. Im Hochsommer wird das Fliegen in Pfalzen oft auf die Randzeiten beschränkt. Mittags ist der Talwind meist zu stark für entspanntes Fliegen, und die Thermik ist zerrissen. Dafür bieten die Abende oft fantastische Restitutionsbedingungen ("Magic Lift"), wenn das gesamte Massiv die gespeicherte Wärme abgibt.

Der Herbst (September bis November): Die Goldenen Tage. Viele lokale Piloten schwören auf den Herbst. Die Lärchenwälder färben sich goldgelb, die Luft wird glasklar, und der Talwind verliert seinen Biss. Die Thermik ist sanfter, runder und ermöglicht stundenlanges Soaren in ruhiger Luft. Es ist die Zeit für Genussflieger und Fotografen.  

Der Winter: Hike & Fly Purismus. Wenn Schnee liegt, wird Pfalzen zum Spielplatz der Tourengeher mit Gleitschirm. Die Straße zum Lechnerhof ist zwar geräumt, aber der Startplatz erfordert oft winterfeste Ausrüstung. Die Flüge sind meist ruhige Gleitflüge ("Abgleiter") in die kalte, stabile Luft des Talbodens.

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Infrastruktur und Logistik: Der Lechnerhof als Tor zum Himmel

Anders als am Kronplatz, wo moderne Umlaufbahnen den Takt vorgeben, ist Pfalzen ein Gebiet der kurzen Wege und der persönlichen Verantwortung. Das Gelände wird vom Drachenflieger Club Pfalzen (DFC Pfalzen) verwaltet, einem Verein mit langer Tradition, dessen Wurzeln bis in die späten 70er Jahre zurückreichen. Diese Historie ist spürbar: Es herrscht eine Atmosphäre von Club-Kameradschaft statt kommerzieller Abfertigung.

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Anreise und der "Frieda-Kodex"

Die Anreise erfolgt in der Regel über die Brennerautobahn A22 bis zur Ausfahrt Brixen/Pustertal. Von dort folgt man der Staatsstraße SS49 bis Kiens und biegt links ab hinauf auf das Sonnenplateau nach Pfalzen. Im Dorf angekommen, orientiert man sich in Richtung des Ortsteils Platten. Eine asphaltierte Bergstraße windet sich hinauf zum Lechnerhof.  

Hier greift eine der charmantesten und zugleich wichtigsten Regeln des Gebiets: Die Startgebühr. Es gibt keinen gesichtslosen Automaten und keine App. Die Gebühr von 3 Euro ist bar am Bauernhof "bei Frieda" zu entrichten. Dieser Hof liegt direkt unterhalb des Startplatzes. Für den modernen Piloten mag dies anachronistisch wirken, doch es ist ein essentieller Bestandteil der lokalen Diplomatie. Durch das persönliche Bezahlen wird der Pilot vom anonymen Nutzer zum Gast. Es ist ein Akt der Wertschätzung gegenüber den Landbesitzern, die ihre Wiesen für unseren Sport zur Verfügung stellen. Das Umgehen dieser Gebühr ist nicht nur ein finanzielles Vergehen, sondern ein Angriff auf die fragile Symbiose zwischen Landwirtschaft und Flugsport.

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Parkplatz-Etikette

Am Lechnerhof sind die Parkmöglichkeiten begrenzt. An guten Flugtagen, besonders am Wochenende, kann es hier eng werden. Es gilt der ungeschriebene (und oft auch ausgesprochene) Kodex: Fahrgemeinschaften bilden! Piloten sollten ihre Fahrzeuge bevorzugt am Landeplatz an der Sportzone abstellen und sich gemeinsam in einem Auto zum Startplatz shutteln. Dies reduziert nicht nur den Verkehr auf der schmalen Bergstraße, sondern minimiert auch Konflikte mit den Anwohnern in Platten, die verständlicherweise sensibel auf zugeparkte Einfahrten reagieren.

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Die Startplätze: Eine Trias der Möglichkeiten

Pfalzen bietet nicht nur einen Startplatz, sondern ein gestaffeltes System von Startmöglichkeiten, die je nach Ambition, Fitness und Wetterlage gewählt werden können. Diese vertikale Diversifizierung ist eine der großen Stärken des Gebiets.

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Sektor A: Die Rampe am Lechnerhof (1621m MSL)

Der Hauptstartplatz, direkt am Ende der Straße gelegen, ist das Herzstück des Gebiets.

Charakteristik: Eine geneigte Wiese, die in eine Schneise im Wald übergeht.

Besonderheit: Hier findet sich eine Rarität – eine fest installierte, gepflegte Holzrampe für Drachenflieger. In einer Zeit, in der viele Fluggebiete fast ausschließlich auf Gleitschirme ausgerichtet sind, zeugt diese Rampe von der historischen DNA des DFC Pfalzen. Für Gleitschirmflieger bedeutet die Präsenz der Rampe, dass sie beim Auslegen ihrer Schirme aufmerksam sein müssen, um Leinenverhänger an der Konstruktion zu vermeiden.  

Startrichtung: Süd, Süd-Ost, Süd-West. Der Startplatz ist durch den Bergrücken im Norden vor direktem Nordwind geschützt. Dies ist jedoch trügerisch (siehe Abschnitt Sicherheit/Nordföhn).

Schwierigkeit: Einfach bis Mittel. Der Startlauf ist definiert, und bei thermischer Ablösung zieht der Schirm satt nach oben. Vorsicht ist geboten bei Seitenwind, da die Schneise Turbulenzen verursachen kann.

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Sektor B: "Auf den Platten" (ca. 2175m MSL)

Für Piloten, die dem Trubel am Lechnerhof entfliehen wollen oder eine höhere Startposition benötigen, ist "Auf den Platten" die erste Wahl.

Zugang: Ein Fußmarsch von ca. 45 bis 60 Minuten ab dem Lechnerhof. Der Weg führt zunächst durch den Wald und öffnet sich dann auf weite Almwiesen.

Taktischer Vorteil: Man startet hier ca. 550 Höhenmeter höher als am Lechnerhof. Dies ist besonders an Tagen mit starker Inversion im Tal wertvoll. Während die Piloten unten noch im Dunst "absaufen", steht man hier oben oft schon in der klaren, thermisch aktiven Luftschicht.

Gelände: Weitläufige Wiesen, fehlerverzeihend und offen. Ideal für "Touch and Go" Übungen oder entspannte Starts abseits der Zuschauer.

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Sektor C: Der Sambock Gipfel (2396m MSL)

Der Sambock ist der "Hausberg" der Pfalzner Flieger und das Ziel für ambitionierte Hike & Fly Enthusiasten.

Der Aufstieg: Vom Lechnerhof sind es knapp 800 Höhenmeter bis zum Gipfelkreuz. Der Weg ist technisch unschwierig, erfordert aber Kondition (ca. 1,5 bis 2 Stunden Gehzeit).  

Belohnung: Ein 360-Grad-Panorama, das von den schroffen Zillertaler Alpen im Norden bis zu den bizarren Felsformationen der Dolomiten im Süden reicht.

Startbedingungen: Der Start erfolgt direkt unterhalb des Gipfelkreuzes auf südlich ausgerichteten Matten. Hier oben ist der Wind oft stärker und laminarer als im Tal. Ein Start hier oben ist der perfekte Ausgangspunkt für große Strecken, da man mit fast 2400 Metern Höhe bereits über den meisten Graten der Umgebung steht und direkt in das überregionale Windsystem einsteigen kann.

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Hike & Fly: Der Weg ist das Ziel

Der Trend zum Hike & Fly hat dem Sambock eine neue Bedeutung verliehen. War er früher oft nur ein Ziel für Wanderer, so ist er heute eine klassische Trainingsstrecke für Athleten und Genusspiloten gleichermaßen.

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Routenbeschreibung und Flora

Der Aufstieg beginnt meist am Parkplatz Platten. Der Weg Nr. 66A führt zunächst steil durch den "Stockerwald". Dies ist ein dichter Fichtenwald, dessen Boden oft mit Wurzelwerk durchzogen ist – Trittsicherheit ist hier, besonders bei Nässe, gefragt. Mit zunehmender Höhe lichtet sich der Wald und geht in einen lichten Lärchenbestand über. Im Herbst ist dieser Abschnitt ein visuelles Feuerwerk aus Gold- und Orangetönen. Sobald man die Baumgrenze bei "Auf den Platten" verlässt, ändert sich der Charakter der Tour. Man betritt offenes, alpines Gelände. Der Weg wird steiniger, die Luft dünner. Hier pfeift oft schon der Wind, und man sollte immer wieder innehalten, um die Windrichtung zu prüfen. Kommt der Wind hier oben schon stark aus Nord, ist der Gipfelstart keine Option, und man sollte besser gleich hier auf den Platten starten.

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Ausrüstungswahl

Für den Sambock empfiehlt sich ein leichter Schirm. Zwar ist der Startplatz groß genug für normale Gleitschirme, aber wer die 800 Höhenmeter genießt, trägt meist leichtes Gepäck. Double-Skin Schirme wie der Advance Pi oder Skywalk Masala bieten den besten Kompromiss aus Gewicht und Leistung, falls man thermisch fliegen will. Single-Skin Schirme sind für den reinen Abgleiter im Winter oder bei Nullwind extrem sicher und einfach zu starten, verlieren aber beim oft nötigen Vorfliegen gegen den Talwind deutlich an Gleitleistung.

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Flugdynamik: Das Spiel mit der Thermik

Hat man den Boden verlassen, beginnt das taktische Spiel. Pfalzen ist bekannt für seinen zuverlässigen "Hausbart".

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Der Hausbart: Anatomie eines Aufwinds

Der klassische Triggerpunkt (Ablöser) befindet sich meist etwas westlich des Startplatzes Lechnerhof. Dort ragt eine Felsrippe ("Rippe") aus dem Wald, die wie eine Rampe für die aufsteigende Warmluft wirkt.

Die Taktik: Nach dem Start nicht sofort geradeaus ins Tal fliegen! Stattdessen eine leichte Rechtskurve fliegen und dicht am Hang bleiben. Man spürt oft schon beim Überfliegen der Baumwipfel das "Ziehen".

Der Blaue Bart: Im Frühjahr ist die Luft oft so trocken, dass sich keine Wolken bilden ("Blauthermik"). Hier muss man blind vertrauen. Die Orientierung an Bodenmerkmalen (Felsnasen, Kontrastkanten Wald/Wiese) ist essentiell. Wenn man den Bart gefunden hat, gilt es, ihn eng zu zentrieren, da die Kerne oft eng und intensiv sind.

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Soaring und Restitution

Am späten Nachmittag, wenn die Sonne tief im Westen steht und das Pustertal flutet, beginnt die Zeit der "Restitution". Die großen Felsmassen des Sambock und die Hochebene von Pfalzen geben die über den Tag gespeicherte Wärme großflächig ab. Dies erzeugt einen sanften, großräumigen Aufwind, der oft das gesamte Gebiet in ein magisches Licht taucht. In dieser Phase kann man oft stundenlang ohne einen einzigen Kreis zu drehen am Hang entlang "nudeln". Es ist die entspannteste Form des Fliegens, fast meditativ, und entschädigt für die oft bockigen Bedingungen des Mittags.

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Die Königsdisziplin: Streckenflug (Cross Country)

Pfalzen ist das Tor zur "Pustertaler Rennstrecke". Für Streckenflieger ist die geografische Ausrichtung des Tals eine Einladung, Kilometer zu fressen.

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Route Alpha: Die "Milchstraße" nach Westen (Gitschberg)

Dies ist die Standardroute für den Einstieg ins Streckenfliegen.  

Leg 1: Pfalzen nach Terenten. Man fliegt Richtung Westen, immer an der Kante entlang. Die erste Hürde ist der Graben von Issing. Hier fließt kalte Luft aus dem Tieftal ab. Man darf nicht zu tief kommen. Ziel ist es, über den Wiesen von Terenten wieder Anschluss zu finden.

Leg 2: Terenten zum Gitschberg. Der Gitschberg (2510m) ist ein massiver Thermikofen. Er markiert oft den Wendepunkt für kleinere Aufgaben. Hier trifft man auf Piloten, die vom Meransen-Plateau gestartet sind.

Der Rückweg (Die Crux): Der Rückflug nach Pfalzen ist oft der schwierigste Teil. Man fliegt nun gegen den Ostwind (falls dieser als Talwind durchbricht). Die goldene Regel lautet: Bleib hoch! Wer unter 2000m sinkt, gerät in den Gegenwindkanal des Tals und wird gnadenlos "eingeparkt". Man muss versuchen, die Höhe des Gitschbergs so weit wie möglich mitzunehmen und von Grat zu Grat zu springen, ohne in das Tal sinken zu müssen.

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Route Beta: Der Ritt nach Osten (Antholz/Lienz)

Wer sich traut, fliegt mit dem Talwind nach Osten.

Die Route: Über Bruneck hinweg, vorbei am Kronplatz (Vorsicht Kontrollzone und Seilbahnen!), hinein in das weite Becken von Olang und weiter Richtung Antholzertal oder gar bis nach Lienz in Osttirol.

Herausforderung: Die Talquerung bei Bruneck. Hier weitet sich das Tal, die Thermikquellen liegen weiter auseinander. Zudem ist Bruneck ein städtischer Wärmeinsel-Effekt, der Turbulenzen erzeugen kann. Man muss sich entscheiden: Querung auf die Südseite zum Kronplatz/Speikboden oder Verbleib auf der Nordseite (Pfalzner Seite), die jedoch Richtung Antholz thermisch schwächer werden kann.

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Die Talquerung: Ein Spiel mit dem Feuer

Die Querung des Pustertals (Nord-Süd) ist eine taktische Meisterleistung. In der Mitte des Tals herrscht oft starkes Sinken ("The Sink Hole"), da die aufsteigenden Luftmassen an den Hängen durch absinkende Luft in der Talmitte kompensiert werden. Dazu kommt der Versatz durch den Talwind. Wer den Kronplatz anpeilt, muss weit im Luv vorhalten ("Crabbing"), sonst wird er weit an seinem Ziel vorbei gedriftet und landet irgendwo bei Olang im Acker.

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Landung am Sportplatz: Der letzte Akt

Die Landung in Pfalzen ist meist unkompliziert, birgt aber Tücken im Detail.

Der Landeplatz: Eine große Wiese südlich des Dorfes an der Sportzone. Koordinaten: 46° 48' 29'' N, 11° 52' 55'' O.  

Windsack-Vigilanz: Der Windsack ist der wichtigste Indikator. Da der Landeplatz im Talwindbereich liegt, kann der Wind hier völlig anders wehen als am Startplatz. Oft kommt er stramm aus West oder Ost.

UL-Verkehr: Ein oft übersehenes Detail ist die Nutzung der Wiese durch Ultraleichtflugzeuge (UL). Es gibt eine ausgewiesene Graspiste. Gleitschirmflieger müssen unbedingt Ausschau halten. Ein startendes UL hat absolute Priorität (auch wenn die Luftverkehrsordnung theoretisch anderes sagt – die Physik diktiert hier das Recht des Stärkeren/Schnelleren). Wenn ein Motorgeräusch zu hören ist: Warteschleife fliegen, weg von der Piste!

Der Talwind-Gradient: Die letzten 30 Meter Höhe sind kritisch. Wenn der Talwind stark bläst (20 km/h+), gibt es oft einen starken Gradienten. In Bodennähe (unterhalb der Baumwipfelhöhe oder Gebäudehöhe der Sportbar) kann der Wind plötzlich abreißen oder verwirbeln (Rotor). Piloten sollten mit Überfahrt (Hände hoch!) anfliegen und erst spät und dynamisch ausflaren, um nicht "durchzusacken".

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Sicherheit und Risikomanagement

Pfalzen gilt als "sicheres" Gebiet, aber der Schein trügt. Die Gefahren sind oft unsichtbar.

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Der Nordföhn: Der stille Killer

Südtirol ist anfällig für Nordföhn. Pfalzen liegt zwar auf der Südseite und ist durch den Alpenhauptkamm geschützt, aber genau das ist die Falle. Man steht am Startplatz in windstiller Sonne, während 1000 Meter höher der Sturm tobt.

Erkennungszeichen: Der Blick muss immer zu den Gipfeln gehen. Sieht man am Sambock oder am Alpenhauptkamm (Zillertaler) Schneefahnen, die nach Süden wehen? Gibt es linsenförmige Wolken (Lenticularis) am Himmel? Wenn ja: Startverbot! Der Föhn kann jederzeit als "Fallwind" bis auf das Plateau durchbrechen und erzeugt dann unfliegbare Turbulenzen.

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Luftraum und Regeln

Obwohl Pfalzen keinen kontrollierten Luftraum (CTR) direkt über sich hat, ist die Nähe zu Bruneck und dem militärischen Flugverkehr in den Alpen zu beachten. Rettungshubschrauber (Pelikan 1 & 2) sind im Pustertal sehr aktiv. Bei Annäherung eines Hubschraubers gilt: Sofortiger Schnellabstieg (Ohren anlegen, Spirale) oder Landung.

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Kultur, Kulinarik und Logis

Nach der Landung beginnt der gesellschaftliche Teil. Der "Reisejournalist" in uns weiß: Ein Flugtag ist erst mit dem Landebier beendet.

Mitanond Sportbar: Direkt am Landeplatz gelegen, ist dies das inoffizielle Clubheim. Hier treffen sich Piloten zur Manöverkritik. Die Pizza hier genießt einen exzellenten Ruf. Es ist der Ort, um Kontakte zu den Locals zu knüpfen und wertvolle Tipps für den nächsten Tag zu erhalten.  

Übernachtung:

Hotel Jochele: Mitten in Pfalzen, historisch gewachsen, pilotenfreundlich.

Entdecker Hotel Panorama: In Hofern gelegen, etwas abseits, aber mit fantastischem Blick auf das Fluggebiet und Wellness-Angeboten – ideal, wenn die Familie dabei ist.  

Alternativen: Sollte der Nordföhn das Fliegen unmöglich machen, bietet der nahegelegene Issinger Weiher, ein Naturbadesee, eine entspannte Alternative. Oder man besucht das Messner Mountain Museum am Kronplatz – eine architektonische Perle von Zaha Hadid.

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Fazit: Das Vermächtnis von Pfalzen

Pfalzen ist ein Lehrmeister. Es lehrt den Piloten, die Landschaft zu lesen, den Wind zu respektieren und die Nuancen der alpinen Meteorologie zu verstehen. Es ist kein Gebiet für den schnellen Konsum ("Gondel rauf, runterfliegen"). Es verlangt Auseinandersetzung – sei es durch den Aufstieg zu Fuß, die Analyse des Talwindes oder den Kontakt zu den Einheimischen wie Frieda.

Wer Pfalzen meistert, meistert einen großen Teil des alpinen Fliegens. Es ist die perfekte Synthese aus sportlicher Herausforderung (XC/Hike&Fly) und landschaftlichem Genuss. Für den ambitionierten Piloten ist es ein Pflichtbesuch im Logbuch – ein Ort, an den man nicht nur zurückkehrt, um zu fliegen, sondern um Teil einer jahrzehntelangen Tradition zu sein.

Zusammenfassende Empfehlung:

Kommen Sie im Frühjahr für die großen Strecken.

Kommen Sie im Herbst für die Seele.

Zahlen Sie immer Ihre Startgebühr.

Und unterschätzen Sie niemals den Pustertaler Talwind.

Guten Flug.

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