
3 Startplatzätze, 3 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das Jakobshorn-Manifest: Eine fliegerische Monografie Jenseits des Standard-Briefings: Ein Tiefenanalyse für den alpinen Gleitschirmpiloten
Davos, geographisch verankert in den Graubündner Alpen der Schweiz, ist weit mehr als der Schauplatz des literarischen Weltruhms von Thomas Manns "Zauberberg" oder das jährliche Epizentrum der globalen Elite während des World Economic Forums (WEF). Für die Gemeinschaft der freien Flieger – Gleitschirm- und Drachenpiloten – repräsentiert Davos, und spezifisch das Jakobshorn, ein komplexes aerologisches Mikrokosmos, das in den Alpen seinesgleichen sucht. Es ist ein Ort der Extreme: Einerseits bietet es im tiefsten Winter, wenn der Rest der Nordalpen unter einer dicken Stratusdecke schläft, thermische Aufwinde von kristalliner Klarheit. Andererseits verlangt das Landwassertal im Hochsommer, dominiert von einem kräftigen Talwindsystem, jedem Piloten ein Höchstmaß an präziser Schirmbeherrschung und taktischer Weitsicht ab.
Dieser Bericht versteht sich nicht als bloße Replikation der Basisdaten, die in den Datenbanken des DHV oder des SHV (Schweizerischer Hängegleiter-Verband) zu finden sind. Solche Daten sind statisch – die Realität am Berg ist dynamisch. Wir werden in die Tiefe gehen, die Nuancen der Topographie analysieren, die unsichtbaren Strömungslinien des Tals sichtbar machen und das "Tribal Knowledge" – das oft nur mündlich weitergegebene Wissen der lokalen "Davoser Air-Force" – kodifizieren.
Obwohl der Nutzer in seiner Anfrage kurzzeitig Zweifel an der Verortung äußerte (DE/AT?), muss hier unmissverständlich klargestellt werden: Das Jakobshorn liegt in Davos, Schweiz (Kanton Graubünden). Es ist ein hochalpines Fluggebiet mit Startplätzen auf über 2.500 Metern über dem Meeresspiegel (MSL) und Landeplätzen auf rund 1.540 Metern. Diese Höhendifferenz von gut 1.000 Metern ist der erste Indikator für das Potenzial, das in diesem Berg schlummert. Doch Höhe allein macht noch keinen guten Flug. Es ist die einzigartige Interaktion zwischen der überregionalen Meteolage und dem lokalen Talwindsystem, die das Jakobshorn zu einem "Ganzjahres-Fluggebiet" macht.
Wir werden uns in diesem Dossier den drei primären Startsektoren (Gipfel, Jatzhütte, Brämabüel) widmen, die komplexe Meteorologie des "Davoser Kessels" dekonstruieren und die strategischen Optionen für Streckenflüge (XC) ins Engadin oder Prättigau beleuchten. Ziel ist es, den Piloten nicht nur zu informieren, sondern ihn mental auf die spezifischen Herausforderungen und Belohnungen dieses Fluggebietes vorzubereiten.
Um das Jakobshorn fliegerisch zu beherrschen, muss man zunächst das Tal verstehen, über dem es thront. Das Landwassertal ist geologisch und meteorologisch eine Besonderheit. Es verläuft grob von Nordosten nach Südwesten, was für die Windsysteme entscheidende Konsequenzen hat.
Eines der faszinierendsten Phänomene in Davos ist seine Resilienz gegenüber westlichen Störungen. Während Fluggebiete am Alpennordrand (wie der Bregenzerwald oder das Allgäu) bei aufziehenden Westfronten schnell unfliegbar werden, genießt Davos oft noch stundenlang fliegbare Bedingungen. Die Topographie liefert die Erklärung: Im Westen wird Davos durch mächtige Gebirgszüge (Bereich Arosa/Lenzerheide/Strelapass) abgeschirmt. Diese Berge wirken als Wellenbrecher für die anströmenden Luftmassen. Die Luft wird zum Aufsteigen gezwungen und gleitet oft laminar über das innere Landwassertal hinweg, ohne bis zum Talboden durchzugreifen.
Der "Bubble-Effekt": Es entsteht eine geschützte Blase im Tal. Piloten berichten oft von "Hudelwetter" (schlechtem Wetter) im Rheintal, während am Jakobshorn noch sanfte Bedingungen herrschen.
Die Risikogrenze: Dieser Schutz ist jedoch nicht unendlich. Wenn der Westwind auf Gipfelniveau (Referenz: Weissfluhjoch, 2.693m) Werte von 30-35 km/h überschreitet, bricht die Strömung oft turbulent ins Tal durch. Dies äußert sich nicht in einem stetigen Wind, sondern in unvorhersehbaren "Rotoren" und Lee-Effekten, die das Fliegen lebensgefährlich machen können. Ein Blick auf die Windmesswerte der SLF-Stationen ist daher vor jedem Start obligatorisch.
Im Sommerhalbjahr (etwa Mai bis September) ist der Talwind der dominierende Faktor in Davos. Er ist der Herzschlag des Fluggebietes, kann aber für unvorbereitete Piloten zum Albtraum werden.
Der Mechanismus: Die massiven Felsmassive des Engadins und der Silvretta heizen sich im Laufe des Tages auf. Diese thermische Pumpe saugt Luftmassen aus dem Prättigau (Norden) an.
Die Düse von Wolfgang: Bei Davos Wolfgang verengt sich das Tal signifikant. Hier wirkt der Venturi-Effekt: Die Luftmassen werden beschleunigt und strömen als kräftiger Nord- bis Nordostwind in den Davoser Talkessel ein.
Interaktion mit dem Jakobshorn: Da das Jakobshorn auf der östlichen Talseite liegt, streicht dieser Talwind (aus Nord) an den Flanken des Berges entlang.
Konsequenz 1 (Soaring): Am Brämabüel, der dem Jakobshorn vorgelagert ist, trifft dieser Wind oft ideal auf und ermöglicht fantastische Soaring-Bedingungen am späten Nachmittag – der sogenannte "Magic Lift".
Konsequenz 2 (Landung): Im Talboden bei Davos Platz (Bolgen) kommt dieser Wind oft stramm aus Nord an. Da der Talwind hier jedoch auf die thermischen Ablösungen der Stadt und der Südflanken trifft, kann die Luftmasse extrem zerrissen ("bockig") sein. Zudem können Gebäude im Luv des Landeplatzes mechanische Turbulenzen erzeugen.
Der Gipfelstartplatz ist der offensichtlichste und am leichtesten zugängliche Startpunkt, birgt aber spezifische Gefahren, die im offiziellen Briefing oft zu kurz kommen.
Der Startplatz liegt unmittelbar unterhalb der Bergstation der Jakobshornbahn auf 2.590m MSL.
Koordinaten: 46°46'22.43″N, 9°50'45.92″E.
Untergrund: Der obere Bereich ist leicht geneigt, geht aber schnell in steiles, steiniges Geröll über. Dies ist kein "englischer Rasen". Das Auslegen des Schirms erfordert Sorgfalt, um Leinenverhänger an Steinen oder Felsbrocken zu vermeiden.
Logistik: Man erreicht ihn in ca. 3 Minuten zu Fuß von der Bergstation. Im Winter muss man hier besonders auf Skifahrer achten, die den Weg kreuzen oder neugierig stehenbleiben.
Offiziell ist der Startplatz für Windrichtungen von Süd (S), Südwest (SW) und West (W) zugelassen.
Die West-Komponente: Dies ist die Idealrichtung. Der Wind strömt direkt den Hang an. Der Startlauf ist kurz, das Abheben unproblematisch.
Die Süd-Komponente: Bei leichtem Südwind ist der Start ebenfalls gut möglich. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn der Südwind ein Vorbote von Föhn ist (siehe Abschnitt Meteorologie).
Es existiert ein inoffizielles Verfahren für Starts bei schwachem bis mäßigem Nordwind, das jedoch extrem risikoreich ist und in keinem Anfänger-Guide stehen sollte – hier aber zur Warnung und Aufklärung erwähnt wird.
Das Szenario: Manchmal steht ein leichter Nordwind an, und Piloten wollen nicht zum Brämabüel absteigen.
Das Manöver: Es ist möglich, Richtung Norden gegen die Seile der Pendelbahn zu starten.
Die Gefahr: Dies ist ein Hochrisiko-Start. Der Pilot muss seinen Schirm perfekt beherrschen, sofort nach dem Abheben eine scharfe Linkskurve einleiten und präzise durch die schmale Lücke zwischen dem Bahn-Masten und den Felsen "hindurchstechen".
Die Warnung: Für Gastpiloten und Wenigflieger ist dieser Start absolut tabu. Die Turbulenzen der Bahn, die optische Nähe der Seile und das fehlende Fehlerpotenzial haben schon zu kritischen Situationen geführt. Empfehlung: Nutzen Sie bei Nordwind immer den Brämabüel (siehe Abschnitt 5).
Im Hochsommer, wenn der Talwind aus Nord stark weht, liegt der Gipfelstartplatz im Lee des Brämabüel.
Das Phänomen: Obwohl am Gipfel vielleicht ein laues Lüftchen aus Süd zu spüren ist (ein thermischer Aufwind, der die Lee-Rotor-Walze überlagert), kann die Luftmasse extrem turbulent sein.
Indikator: Beobachten Sie die Windfahnen am Brämabüel und im Tal. Wenn dort strammer Nordwind herrscht, ist ein Start am Gipfel (Richtung Süd/West) ein Start ins Lee. Die Folge können massive Klapper unmittelbar nach dem Abheben sein.
Wenn der Gipfel zu alpin oder zu windig ist, bietet die Jatzhütte eine entspannte, aber fliegerisch hochinteressante Alternative.
Die Jatzhütte ist eine Institution in Davos – bekannt für Whirlpools, Palmen im Schnee und Partys. Der Startplatz liegt direkt vor der Terrasse dieses Etablissements.
Zugang: Etwa 10-15 Minuten Fußmarsch von der Bergstation Jakobshorn, leicht bergab entlang der Skipiste Richtung Süden.
Vibe: Man startet hier unter "Beobachtung". Für manche Piloten ein Ansporn, für andere Stress. Bereiten Sie sich darauf vor, dass Skifahrer Fragen stellen oder Fotos machen.
Die Jatzhütte ist der geheime Favorit für Winterflüge.
Die Thermik-Küche: Der Kessel südlich der Jatzhütte ist topographisch so geformt, dass er die Sonneneinstrahlung perfekt einfängt.
Saison: Bereits im Januar, kurz nach der Wintersonnenwende, finden sich hier an sonnigen Tagen nutzbare thermische Aufwinde ("Bärte").
Taktik: Nach dem Start hält man sich links (Richtung Süden/Südosten) und sucht über dem lichten Waldgürtel und den Felsrippen nach dem Aufwind. Es ist keine Seltenheit, hier im Februar auf 3.000 Meter aufzudrehen, während im Tal noch tiefster Winter herrscht.
Besonders im Winter ist das Top-Landen ("Touch and Go" oder Pause) an der Jatzhütte extrem beliebt.
Technik: Man nutzt den thermischen Aufwind oder den dynamischen Hangaufwind, um wieder auf Höhe der Hütte zu kommen.
Landeplatz: Gelandet wird direkt neben der Hütte oder auf den präparierten Flächen.
Risiko: Achten Sie penibel auf den Skibetrieb! Landen Sie niemals auf einer unübersichtlichen Piste oder dort, wo Skifahrer mit hoher Geschwindigkeit queren. Eine Kollision zwischen Stahlkanten und Gleitschirmleinen endet immer schlecht für den Piloten.
Der Brämabüel ist geographisch gesehen eine Schulter, die dem Jakobshorn Richtung Norden vorgelagert ist. Fliegerisch ist er jedoch eine eigenständige Welt.
Sommer: Ein ca. 20-minütiger Fußmarsch von der Bergstation Jakobshorn. Der Weg ist gut begehbar.
Winter: Im Winter ist der Brämabüel oft nur mit Skiern erreichbar, da kein präparierter Wanderweg existiert. Dies macht ihn in der kalten Jahreszeit zu einem exklusiven Spot für "Ski & Fly"-Piloten.
Der Brämabüel funktioniert wie eine perfekte Rampe für den Davoser Talwind.
Die Mechanik: Wenn der Nordwind im Tal mit 20-30 km/h bläst, wird diese Luftmasse an der Nordflanke des Brämabüel nach oben gezwungen.
Der "Magic Lift": Dies erzeugt ein breites, laminares Aufwindband. Im Gegensatz zur ruppigen Thermik ist dieser Aufwind ruhig und stetig.
Timing: Die besten Bedingungen herrschen oft am späten Nachmittag (ab 16:00/17:00 Uhr im Sommer), wenn die Thermik schwächer wird, der Talwind aber noch volle Kraft hat. Man kann hier oft bis zum Sonnenuntergang "parken".
So verlockend der Brämabüel ist, er hat eine gravierende Gefahr.
Das Szenario: Der Wind frischt auf (z.B. durch eine überregionale Nord-Komponente).
Das Problem: Wenn Sie am Brämabüel "rückwärts" geblasen werden (d.h. Ihre Vorwärtsfahrt über Grund ist negativ), werden Sie über den Grat in das Lee des Jakobshorns gedrückt.
Keine Landeoption: Hinter dem Brämabüel (Richtung Süden) kommt erst einmal das Jakobshorn-Massiv und dann wilde Täler. Es gibt keine sichere Landewiese im Lee.
Die Lösung: Nutzen Sie den Beschleuniger ("Speedsystem") frühzeitig! Wenn Sie merken, dass Sie nicht mehr vorwärts kommen, fliegen Sie sofort seitlich weg oder drücken Sie ins Gas, um ins Tal vorzudringen. Warten Sie nicht ab.
Die Landung ist in Davos, bedingt durch die Talwinddüse und die dichte Bebauung, der anspruchsvollste Teil des Fluges.
Dies ist der offizielle Hauptlandeplatz.
Lage: Direkt vor dem Restaurant Bolgen Plaza und der Talstation der Jakobshornbahn.
Koordinaten: 46°47'22.68″N, 9°49'18.57″E.
Sommer-Konfiguration:
Im Sommer ist die Wiese landwirtschaftlich genutzt (hohes Gras). Gelandet wird auf einem gemähten Streifen oder der ausgewiesenen Fläche.
Talwind-Falle: Der Talwind (Nord) steht hier oft voll an. Das bedeutet, man landet Richtung Norden.
Luv-Hindernisse: Das Restaurant Bolgen Plaza und die Talstation liegen bei Nordwind im Luv des Landeplatzes (davor). Die Luft strömt über die Gebäude und verwirbelt dahinter. Rechnen Sie im Endanflug mit "Sinklöchern" und Turbulenzen.
Thermik-Ablösung: Da der Landeplatz von Asphalt und Gebäuden umgeben ist, lösen sich hier oft kräftige Thermikblasen ab. Dies führt zum berüchtigten "Fahrstuhl-Effekt": Im Endanflug geht es plötzlich wieder 10 Meter hoch, dann massiv runter ("Waschmaschine").
Winter-Konfiguration:
Im Winter ist die Wiese eine Skipiste/Übungsgelände.
Verbot: Landungen auf dem Bolgen-Areal sind im Winter oft eingeschränkt oder verboten, um Kollisionen mit Skischulen zu vermeiden. Nutzen Sie stattdessen den Landeplatz Carjöl.
Lage: Etwas südlich des Bolgen, hinter dem Sessellift Carjöl, neben der Langlaufloipe.
Charakter: Dieser Platz wird im Winter oft extra für Gleitschirme planiert. Er liegt etwas geschützter und abseits des Trubels der Talstation.
Erkennungszeichen: Achten Sie auf die gelbe Air-Davos Werbetafel – sie markiert oft den Zielbereich.
Hier muss ein gravierendes Missverständnis aus alten Zeiten korrigiert werden.
Status: Der Landeplatz am Davoser See (Seewiese) ist GESCHLOSSEN.
Hintergrund: Früher beliebt für Sicherheitstrainings (SIV), ist das Landen dort heute aufgrund von Pächterkonflikten strikt untersagt.
Konsequenz: Eine Landung dort (außer im absoluten Notfall) provoziert massiven Ärger mit den lokalen Behörden und gefährdet den Ruf der Fliegerszene. Planen Sie Ihre Flüge so, dass Sie den See nur überfliegen, aber niemals dort landen.
Golfplatz: Der Golfplatz (Matta) wird von Drachenfliegern genutzt, ist für Gleitschirme aber nicht empfohlen ("nicht gerne gesehen"). Nur im Notfall nutzen und sofort den Platz räumen.
Bäuerliche Wiesen: Im Sommer steht das Gras hoch. Landungen im hohen Gras (Futtergras) führen zu Schadenersatzforderungen der Bauern. Landen Sie ausschließlich auf gemähten Flächen oder den offiziellen Plätzen.
Davos ist ein exzellenter Ausgangspunkt für Streckenflüge, wenn man die "Autobahnen" der Lüfte kennt.
Ziel: Gotschnagrat / Klosters und zurück.
Strategie: Start am Jakobshorn -> Wechsel zum Brämabüel -> Querung des Dischmatals zum Seehorn -> Weiter zum Gotschnagrat.
Schlüsselstelle: Der Talsprung über das Wolfgang-Gebiet. Hier ist der Talwind am stärksten ("Düse"). Man benötigt ausreichend Höhe (min. 2.200m), um nicht vom Talwind "verschluckt" zu werden.
Vorteil: Der Gotschnagrat "funktioniert" oft thermisch früher als das Jakobshorn. Viele Piloten wechseln daher am späten Vormittag die Talseite.
Ein Flug vom Jakobshorn ins Engadin und zurück ist der Traum vieler Piloten.
Wegführung: Jakobshorn -> Thermikanschluss am Sentischhorn (Eingang Dischmatal) -> Weiter über das Flüela Schwarzhorn -> Sprung über den Pass ins Engadin Richtung Susch/Zernez.
Herausforderung: Der Rückweg. Im Engadin herrscht oft der "Maloja-Wind" (Talwind aus Südwest). In Davos herrscht Nordwind. Dazwischen liegt der Flüelapass. Der Rückflug gegen den Wind über den Pass kann extrem mühsam sein.
Taktik: Planen Sie den Rückflug hoch! Wenn Sie am Flüelapass zu tief ankommen, landen Sie in der Wildnis.
Für den erfolgreichen Talsprung zum Gotschnagrat sind präzise Höhen entscheidend. Die folgende Tabelle fasst die Entscheidungspunkte zusammen.
Tabelle 1: Taktische Gleitpfad-Parameter (Jakobshorn -> Gotschnagrat)
Wegpunkt / Phase Mindesthöhe (MSL) Aktion / Entscheidung Gefahr Abflug Jakobshorn 2.600m+ Thermik am Gipfel voll ausdrehen. Kurs Richtung Seehorn setzen. Zu früher Abflug führt zum "Absaufen" im Dischmatal. Querung Dischma 2.000m+ Ziel: Luv-Seite des Seehorns erreichen. Talwind drückt aus Nord ins Tal hinein - Vorhaltewinkel beachten! Ankunft Seehorn 1.900m+ Sofort in den Hangaufwind/Thermik eindrehen. Unter 1.800m droht starker Talwind-Einfluss (Turbulenz). Weiterflug Gotschna 2.300m+ Nach Überhöhung Seehorn direkter Gleitflug zum Gotschnagrat. Wolfgang-Pass-Düse: Hier ist der Gegenwind am stärksten. Ankunft Gotschna 1.800m+ Thermiksuche an den Südost-Flanken (Schwarzseealp). Lee-Situation bei Westwind beachten. Export to Sheets
Hinweis zur Tabelle: Diese Werte sind Richtwerte für Schirme der B-Klasse bei mäßigem Talwind. Bei starkem Wind sind höhere Abflughöhen zwingend.
Ein Fehler vieler Piloten ist es, Davos nur als Sommerziel zu sehen. Dabei hat jede Jahreszeit ihren eigenen Charakter.
Dies ist der Geheimtipp. Während das Flachland grau ist, bietet Davos oft strahlend blauen Himmel über der Inversion.
Thermik: Ja, es gibt sie! Die steilen Felsflanken heizen sich auf. Ab Ende Januar sind Steigwerte von 2-4 m/s an der Jatzhütte keine Seltenheit.
Ausrüstung: Elektrische Heizhandschuhe und Neopren-Überzüge für das Vario (Batterien sterben schnell bei -15°C) sind Pflicht.
Besonderheit: Die Luft ist extrem laminar (ruhig), da der Talwind im Winter meist fehlt oder schwach ist. Ideal für Genussflieger.
Wenn der Schnee schmilzt und die Sonne höher steht, wird Davos zur XC-Arena.
Bedingungen: Starke Thermik, hohe Basis (oft über 3.500m).
Risiko: Das Talwindsystem erwacht. Die Kontraste zwischen der noch kalten Luft und dem warmen Boden sorgen für sportliche bis heftige Bedingungen. Nur für erfahrene Piloten empfohlen.
Charakter: Zuverlässiger Talwind dominiert. Thermik ist oft zerrissen ("Blauthermik").
Highlight: Die Abende am Brämabüel und die goldenen Oktober-Tage, wenn der Talwind nachlässt und ruhiges Abgleiten möglich ist.
Davos verzeiht Fehler, aber nicht Ignoranz. Hier sind die spezifischen Gefahrenzonen.
Jedes Jahr im Januar (meist Ende des Monats) wird Davos zur Hochsicherheitszone.
Die Regel: Der Luftraum über Davos (Radius ca. 25NM) wird zur Restricted Zone (LSR) erklärt.
Konsequenz für Piloten: Totales Flugverbot. Keine Diskussion. Die Zone wird von der Schweizer Luftwaffe mit Kampfjets und Helikoptern überwacht. Zuwiderhandlungen führen zu sofortigem Lizenzentzug und massiven Geldstrafen.
Planung: Checken Sie unbedingt die DABS (Daily Airspace Bulletin Switzerland) oder die Website des SHV vor einer Reise im Januar.
In den Seitentälern (Sertig, Dischma) gibt es zahlreiche Materialseilbahnen für die Landwirtschaft ("Heuseile").
Sichtbarkeit: Diese Seile sind oft dünn, unmarkiert und spannen sich teils hunderte Meter über den Talgrund.
Verhalten: Fliegen Sie in den Seitentälern niemals tief über Grund. Halten Sie Abstand zu Bauernhöfen am Hang. Nutzen Sie Karten wie die "Obstacle Map" der Schweizer Luftfahrt, falls verfügbar.
Graubünden nimmt den Schutz der Fauna sehr ernst.
Zonen: Es gibt definierte Wildruhezonen, besonders im Winter. Diese sind auf den Infotafeln an der Talstation und in Apps wie "Whympr" oder "Sac-Cas" verzeichnet.
Regel: Ein Überfliegen unter 300m Grund ist in diesen Zonen verboten. Respektieren Sie dies, um Sperrungen der Startplätze zu verhindern.
Ein Tag am Jakobshorn kann teuer werden, wenn man die Tricks nicht kennt.
Die Einzelfahrt auf das Jakobshorn ist mit ca. 40-50 CHF (für 2 Sektionen) kostspielig.
Das "Fliegertageskarte": Fragen Sie an der Kasse explizit nach der Tageskarte für Gleitschirmflieger. Diese lohnt sich oft schon ab der zweiten Auffahrt.
Die Premium Card (Gästekarte): Wer in Davos in einem Hotel oder einer Ferienwohnung übernachtet, erhält oft die "Davos Klosters Premium Card". Mit dieser sind die Bergbahnen im Sommer stark vergünstigt (teilweise ab der ersten Übernachtung). Im Winter gibt es oft Pauschalen ("Sleep & Ski/Fly"). Prüfen Sie dies vor der Buchung der Unterkunft.
Hotel Concordia: Bietet oft Packages mit lokalen Flugschulen an.
Jugendherberge (Youth Hostel) Davos: Liegt extrem günstig, nur wenige Gehminuten von der Parsennbahn und mit Busverbindung zum Jakobshorn. Bietet Trockenräume für Ausrüstung.
Camping: Wildcampen ist in der Schweiz generell und in Davos speziell strikt verboten. Nutzen Sie den Campingplatz RinerLodge in Glaris (nahe Rinerhorn) – von dort mit dem Zug in 10 Min. zum Jakobshorn.
Wenn das Jakobshorn überlaufen ist oder der Wind nicht passt, bietet Davos Alternativen.
Dies ist ein Klassiker für fitte Piloten.
Aufstieg: Hart und steil, meist vom Flüelapass oder Dischmatal aus.
Belohnung: Ein Startplatz fernab des Massentourismus.
Kombination: Im Winter als Ski & Fly Tour machbar ("Speedriding-Classic").
GPS: 46°45'59.85 “N 9°54'49.59 “E.
Parsenn (Höhenweg): Mittelstation der Parsennbahn. Startet Richtung Süd/Ost. Gute Alternative bei Nordwind-Tendenz, da geschützter.
Gotschnagrat: Der "Hausberg" von Klosters. Hervorragend am Vormittag (Ost-Ausrichtung) und als Startpunkt für Flüge ins Prättigau.
Oft übersehen. Das Rinerhorn liegt südlich von Davos. Die Bahn ist altmodisch, aber der Startplatz bietet einen fantastischen Blick ins Sertigtal und ist oft weniger vom Talwind betroffen als das Jakobshorn.
Um die Fülle an Informationen dieses Berichts in die Praxis umzusetzen, folgt hier die ultimative Tages-Checkliste für den Piloten am Jakobshorn.
Das Jakobshorn ist ein großzügiger Gastgeber. Es bietet Anfängern ihre ersten Höhenflüge und Profis den Einstieg in hochalpine Abenteuer. Doch diese Großzügigkeit endet, wo der Respekt fehlt. Respekt vor dem Wetter, das in den Alpen binnen Minuten umschlagen kann. Respekt vor den Einheimischen, deren Wiesen wir nutzen. Und Respekt vor den eigenen Grenzen.
Wer Davos mit Demut und Wissen begegnet, wird belohnt mit Flügen, die das Herz höher schlagen lassen. Möge dieser Guide Ihr Kompass sein in der unsichtbaren Welt der Davoser Luftmassen.
Hinweis: Alle meteorologischen und logistischen Daten basieren auf dem Stand der Recherche im Februar 2026. Prüfen Sie vor jedem Flug die tagesaktuellen Bedingungen.