StartseiteFluggebieteDeutschlandBayernHohenneuffen Nord

Hohenneuffen Nord

Startplätze:1
Landungen:4
Koord.:48.5567°N, 9.4047°E
Piloten-GuideStartplätzeInfoAnmelden
In Google Maps öffnen

Geländekarte

3D terrain map preview

Start- & Landeplätze

1 Startplatz, 4 Landeplatzätze

Hohenneuffen - Nord Startplatz

Start
Höhe725m ü. M.
Koord.48.5567, 9.4047
WindN
Korrekt?

Hohenneuffen - Nord Haupt-Landeplatz

Landung
Höhe470m ü. M.
Koord.48.5619, 9.4002
Korrekt?

Hohenneuffen - Nord Toplandeplatz

Landung
Höhe725m ü. M.
Koord.48.5559, 9.4062
Korrekt?

Hohenneuffen-Nord Skilift-Landeplatz

Landung
Höhe510m ü. M.
Koord.48.5607, 9.4054
Korrekt?

Hohenneuffen - Nord Landeplatz Beuren Feuerwehrhaus

Landung
Höhe470m ü. M.
Koord.48.5665, 9.3935
Korrekt?

Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Der Albtrauf-Report: Strategisches Piloten-Handbuch für Hohenneuffen Nord Eine meteorologische, topografische und fliegerische Tiefenanalyse Executive Summary: Die Essenz für den anspruchsvollen Piloten

Der Startplatz Hohenneuffen Nord repräsentiert weit mehr als nur einen lokalen Flugberg am Rande der Schwäbischen Alb. Er ist eine geologische und aerodynamische Besonderheit, die Piloten mit traumhaften Soaring-Bedingungen und einem thermischen Einstieg in das komplexe Streckenflugnetz der Alb belohnt, gleichzeitig aber gnadenlose fliegerische Disziplin einfordert. Gelegen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, bietet dieser Spot eine einzigartige Kombination aus historischer Kulisse – dominiert durch die Ruine Hohenneuffen – und anspruchsvoller Flugphysik.

Für den Piloten, der eine fundierte Entscheidungsgrundlage sucht, lassen sich die Kernparameter wie folgt zusammenfassen: Der Spot erfordert idealerweise einen B-Schein oder zumindest eine sehr routinierte A-Schein-Praxis unter laminaren Bedingungen. Es handelt sich explizit nicht um ein Schulungsgelände für die ersten Höhenflüge, da die "Schneise" beim Start und die hangabfallende Topografie des Landeplatzes keine Fehler verzeihen. Die meteorologische Gold-Konstellation ist eine nordöstliche bis nördliche Strömung (N bis NO).

Doch Vorsicht ist geboten: Die No-Go-Kriterien sind strikt. Westwind führt zu massiven Leewirkungen und Rotoren durch den Burgsporn, während Südwind einen gefährlichen Rückenwindstart bedeuten würde. Ein weiterer kritischer Faktor ist der Luftraum Stuttgart (CTR/Klasse D), der das Flugvergnügen vertikal bereits ab 4.500 ft (ca. 1.372 m) deckelt, sofern nicht der Segelflugsektor "Alb Nord" aktiv ist. Dieser Report geht weit über die Basisdaten des DHV hinaus. Er seziert das Mikroklima des Neuffener Tals, analysiert die aerodynamischen Fallen der Waldschneise und liefert das taktische Wissen, das normalerweise erst nach Jahren lokaler Erfahrung erworben wird. Es ist ein Leitfaden für den Piloten, der nicht nur konsumieren, sondern verstehen will.

Korrekt?

Startplatz-Analyse: Topografie und Aerodynamik

Der Hohenneuffen Nord ist nicht einfach eine Wiese, die zufällig an einem Hang liegt. Er ist eine baulich und forstwirtschaftlich definierte "Rampe" in die Luftmasse über dem Neuffener Tal, geprägt durch eine spezifische Orographie, die jeden Start zu einer bewussten Handlung macht.

Korrekt?

Technische Geodaten und Exposition

Die geografische Lage des Startplatzes ist strategisch gewählt, um den laminaren Nordstau der Albkante optimal zu nutzen. Die genauen GPS-Koordinaten des Startplatzes liegen bei 48°33'22.7" N, 9°24'17.4" E. Mit einer Höhe von ca. 720 bis 725 Metern über dem Meeresspiegel (MSL) befindet sich der Pilot hier an einer der markantesten Abbruchkanten Süddeutschlands. Die Höhendifferenz zum offiziellen Landeplatz beträgt effektiv rund 270 Meter, was auf dem Papier wenig erscheint, durch die thermische Ergiebigkeit des Hanges jedoch oft in stundenlange Flüge umgesetzt werden kann.  

Die Exposition ist klassisch Nord (N) bis Nord-Ost (NO) ausgerichtet. Diese Ausrichtung macht den Hohenneuffen Nord zu einem sogenannten "Nord-Spot". Das bedeutet, er profitiert massiv von postfrontalen Wetterlagen. Wenn eine Kaltfront durchgezogen ist, der Wind auf Nord dreht und die Luftmasse durch die Labilität der Rückseitenwetterlage gekennzeichnet ist, finden Piloten hier oft die besten Bedingungen vor. Im Gegensatz zu vielen West-Startplätzen an der Alb, die oft noch lange mit böigen Ausläufern der Front kämpfen, bietet der Nordstartplatz oft schon fliegbare Fenster, sobald der Niederschlag abgeklungen ist.

Korrekt?

Die "Schneise": Startabbruch und aerodynamische Falle

Das wohl charakteristischste und zugleich tückischste Merkmal dieses Startplatzes ist die Waldschneise. Anders als auf einer offenen Almwiese startet der Pilot hier in einem Kanal, der von hohem Buchenmischwald flankiert wird. Dies erzeugt physikalische Effekte, die man verstehen muss, um sicher in die Luft zu kommen.

Zunächst ist da der Tunneleffekt. Die Bäume links und rechts der Schneise kanalisieren den anströmenden Wind. Was am Boden, am Auslegeplatz, als perfekter, laminarer Wind von vorn (ca. 10-15 km/h) erscheint, kann durch diesen Düseneffekt leicht verfälscht sein. Die Windgeschwindigkeit nimmt in der Schneise oft zu, was beim Vorwärtsstart zu einem überraschend schnellen Abheben führen kann. Gleichzeitig fehlt dem Wind durch die Kanalisierung die seitliche Komponente, sodass Piloten oft erst nach dem Verlassen der Schneise merken, dass der Wind eigentlich eine starke Querkomponente hat.

Ein weiteres kritisches Element ist die Abrisskante. Am Ende der Schneise fällt das Gelände steil ab. Dies ist der topografische "Point of No Return". Es gibt eine imaginäre, aber überlebenswichtige Linie etwa 5 bis 10 Meter vor der Hangkante beziehungsweise dem Ende der Rodung. Die goldene Regel für jeden Piloten lautet: Wenn der Schirm bis zu diesem Punkt nicht sauber über dem Piloten steht, keinen vollen Innendruck hat oder zur Seite ausbricht, muss der Start radikal abgebrochen werden. Ein "Herauswürgen" des Schirms über die Kante führt oft direkt in die Baumkronen unterhalb des Starts. Noch gefährlicher ist das Szenario eines Strömungsabrisses (Stall) direkt nach dem Abheben, wenn der Pilot instinktiv zu stark anbremst, um den unsauberen Start zu korrigieren.

Korrekt?

Schwierigkeitsgrad-Einstufung und Pilotenanforderung

Sowohl der DHV als auch der Geländehalter stufen das Gelände als mittel ein. Diese Einstufung sollte jedoch nicht als "leicht" missverstanden werden. Sie ist in gewisser Weise trügerisch harmlos. Für blutige Anfänger ist der Platz nur unter direkter Funkaufsicht eines Fluglehrers und bei absolut ruhigen, laminaren Bedingungen geeignet. Die Schneise verzeiht keine Richtungsfehler beim Anlauf. Ein Ausbrechen nach links oder rechts führt sofort in den hohen Baumbestand, was nicht nur eine aufwendige Bergung nach sich zieht, sondern oft auch das Material zerstört.  

Für fortgeschrittene Piloten präsentiert sich der Hohenneuffen als ein technischer Startplatz, der saubere Handwerkskunst verlangt. Bei Wind ist eine exzellente Rückwärtsaufziehtechnik gefordert, da der Platz in der Schneise begrenzt ist. Bei Nullwind-Bedingungen hingegen ist ein explosiver Vorwärtsstart notwendig, um vor der Kante genügend Fahrt aufzunehmen. Der Hohenneuffen ist somit ein ehrlicher Prüfstein für das eigene Startkönnen.

Korrekt?

Zugang & Logistik: Der strategische Anmarsch

Die Logistik am Hohenneuffen unterscheidet oft den entspannten Genussflieger vom gestressten Piloten, der nach der Landung noch eine unfreiwillige Bergtour vor sich hat. Da es keine Seilbahn oder öffentlichen Lift direkt zum Startplatz gibt, ist die Planung des PKW-Transfers und des Fußwegs eine fundamentale strategische Entscheidung, die den gesamten Flugtag prägt.

Korrekt?

Anfahrt und Parkstrategien

Es haben sich zwei primäre Parkmöglichkeiten etabliert, die jeweils Vor- und Nachteile mit sich bringen und eine Entscheidung über den Tagesablauf bedingen:

Option A: Der "Faule" Start (Parken oben) Der Wanderparkplatz "Hohenneuffen" liegt in unmittelbarer Nähe zur Burgruine. Die GPS-Koordinaten für das Navigationsgerät sind etwa 48°33'20" N, 9°24'25" E, in der Nähe des Restaurants Burggaststätte. Der unschlagbare Vorteil dieser Option ist der kurze Weg zum Start. Man ist in etwa 10 bis 15 Minuten am Auslegeplatz, der Weg ist flach bis leicht wellig. Allerdings birgt diese Strategie ein logistisches Risiko: Nach der Landung steht das Auto oben auf dem Berg. Da es keinen offiziellen Shuttle-Service gibt, muss der Pilot entweder wieder toplanden – was fliegerisch äußerst anspruchsvoll und oft nicht möglich ist (siehe Kapitel Flugbedingungen) – oder er muss den Rückweg organisieren. Das bedeutet entweder Trampen, was an Wochenenden oft funktioniert, oder den steilen Wanderweg zu Fuß wieder hochlaufen. Mit voller Ausrüstung ist dies eine schweißtreibende Angelegenheit von 45 bis 60 Minuten. Diese Option empfiehlt sich daher primär, wenn man sicher plant, oben zu landen, oder wenn man einen Fahrer hat, der das Auto ins Tal bringt.

Option B: Der "Sportliche" / "Taktische" Start (Parken unten) Die strategisch klügere Variante für XC-Piloten und Genussflieger ist das Parken am Landeplatz. Der Parkplatz an der Panorama Therme Beuren (GPS Bereich Am Thermalbad, 72660 Beuren) ist der ideale Ausgangspunkt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Auto steht direkt am Landeplatz (LP Therme). Nach dem Flug kann man den Schirm entspannt einpacken, ins Auto laden und direkt in die Therme gehen, um den Flugtag ausklingen zu lassen. Der Nachteil ist natürlich, dass die sportliche Leistung vor dem Flug erbracht werden muss.

Shuttle-Möglichkeiten: Ein offizieller, vom Verein organisierter Shuttle existiert laut aktuellen Quellen nicht. Dennoch ist die Community vor Ort sehr aktiv. Viele Piloten organisieren sich privat über WhatsApp-Gruppen oder spontan am Landeplatz. An guten Tagen, insbesondere am Wochenende, ist die Chance sehr hoch, am Landeplatz andere Piloten zu treffen, die gerade zum Start hochfahren und noch einen Platz im Auto frei haben. Es gehört zum guten Ton, sich an den Spritkosten zu beteiligen.

Korrekt?

Der Fußweg zur Rampe

Vom oberen Wanderparkplatz führt ein gut befestigter Waldweg Richtung Startplatz Nord. Die Dauer beträgt, wie erwähnt, entspannte 10 bis 15 Minuten. Der Weg ist ein klassischer Waldweg, weshalb festes Schuhwerk empfohlen wird – was beim Gleitschirmfliegen ohnehin zur Standardausrüstung gehören sollte. Die Orientierung ist einfach: Man folgt zunächst den Schildern zur Burg, nimmt dann aber den Abzweig zum Startplatz. Dieser ist oft durch einen Windsack in der Ferne oder kleine Hinweisschilder des DCH (Drachenfliegerclub Hohenneuffen) gekennzeichnet. Die Schneise selbst ist im dichten Wald nicht sofort sichtbar, oft öffnet sich der Wald erst wenige Meter vor dem Startplatz.

Ein Insider-Tipp für Wochenend-Piloten: Der Wanderparkplatz an der Burg ist ein Magnet für Ausflügler und Touristen. Wer an einem schönen Sonntag erst nach 11:00 Uhr ankommt, wird oft keinen Parkplatz mehr finden oder in langen Staus stehen. Frühes Erscheinen sichert nicht nur den Parkplatz, sondern oft auch die ruhigere thermische Phase vor dem großen Mittagstrubel, in der man sich in Ruhe auf den Flug vorbereiten kann.

Korrekt?

Flugbedingungen: Die Meteorologie des Albtraufs

Der Albtrauf ist eine der markantesten Geländekanten Deutschlands. Er wirkt wie eine gigantische Staumauer für Luftmassen aus Nord und West. Dies erzeugt spezifische aerodynamische Phänomene, die Piloten verstehen müssen, um sicher und erfolgreich zu fliegen.

Korrekt?

Typische Thermikzeiten und Jahreszeiten

Die beste Jahreszeit für den Hohenneuffen ist zweifellos das Frühjahr (März bis Mai) und der Frühsommer. In dieser Zeit greifen mehrere Faktoren positiv ineinander. Zum einen steht die Sonne schon hoch genug, um den Boden kräftig zu erwärmen. Zum anderen ist der Buchenwald am Hang oft noch unbelaubt oder erst frisch ergrünt. Der dunkle Waldboden und das braune Laub wirken als idealer Kollektor für die Sonnenenergie. Dieser Kontrast zur oft noch sehr kalten Höhenluft (hoher Temperaturgradient) sorgt für eine "knackige", zuverlässige Thermik, die Piloten schnell auf Arbeitshöhe bringt.  

Im Jahresverlauf verschieben sich die tageszeitlichen Fenster. Typischerweise setzt ab ca. 11:00 Uhr die thermische Aktivität ein. In den Sommermonaten Mai bis Juli bietet der Hohenneuffen jedoch noch ein weiteres Highlight: die legendären Soaring-Bedingungen am späten Nachmittag und Abend ("Magic Hours"). Wenn der Talwind aus dem Neuffener Tal anspringt und sich mit dem überregionalen Nordwind mischt, entsteht oft ein breites, laminares Aufwindband. Die gesamte Kante trägt dann ruhig und gleichmäßig. Dies sind die Stunden für Genussflieger, die im goldenen Licht der untergehenden Sonne sanft an der Burgruine vorbeigleiten wollen.

Korrekt?

Windsysteme und Gefahren

Das Verständnis der Windrichtung ist am Hohenneuffen überlebenswichtig, da die Topografie keine Fehler verzeiht.

Ideal: Wind aus Nord (0°) bis Nord-Ost (45°). In diesem Sektor strömt die Luft frontal auf die Kante und genau in die Schneise. Der Aufwind ist am gleichmäßigsten und die Gefahr von Turbulenzen am geringsten.

Kritisch - Westwind (ab 270°): Dies ist die wohl größte Gefahr für ortsunkundige Piloten. Bei westlichen Winden liegt der Startplatz Nord im aerodynamischen Lee des massiven Burgbergs ("Sporn"). Die Turbulenzen können hier massiv sein und sich in Form von "Rotoren" äußern. Das Tückische daran: Die Windsäcke am Boden in der Schneise zeigen oft noch scheinbar brauchbaren Wind an, während in den Baumwipfeln und kurz nach dem Abheben bereits heftige Lee-Walzen warten. Die eiserne Regel lautet daher: Bei Westeinschlag unbedingt auf die Windfähnchen in den hohen Baumwipfeln achten und nicht nur auf den Windsack am Boden vertrauen! Wenn die Wipfel unruhig sind oder aus West angeströmt werden, bleibt der Schirm im Sack.  

Kritisch - Südwind: Bei Südwind wird der Albtrauf von hinten angeströmt. Ein Start ist unmöglich (Rückenwind). Zudem entsteht im gesamten Talbereich vor der Kante eine gefährliche Lee-Situation, die auch das Landen extrem riskant machen würde.

Korrekt?

Luftraum-Struktur: Das Damoklesschwert

Der wohl wichtigste "unsichtbare" Faktor am Hohenneuffen, der über Legalität und Fortbestand des Fluggeländes entscheidet, ist der Luftraum. Die Nähe zum internationalen Flughafen Stuttgart diktiert hier die Regeln.

Der Flughafen Stuttgart liegt nördlich des Albtraufs. Der kontrollierte Luftraum D (nicht CTR, aber darüberliegend/angrenzend) beginnt vertikal oft schon bei 4.500 ft MSL (ca. 1.372 m). Wenn man bedenkt, dass der Startplatz bereits auf ca. 725 m liegt, bleibt eine freie Arbeitshöhe von lediglich rund 650 Metern über dem Start. Das klingt zunächst nach viel, ist aber in starker Frühjahrsthermik oft in wenigen Minuten erreicht.  

Der Segelflugsektor "Alb Nord": Um den Piloten dennoch Raum für Streckenflüge zu geben, wurde der Segelflugsektor "Alb Nord" eingerichtet. Dieser Sektor ist ein flexibles Luftraumgebilde.

Aktivierung: Der Status des Sektors (aktiv/inaktiv) muss zwingend über Flugfunk oder ATIS abgefragt werden.

Frequenz: Die relevante Frequenz ist 134.505 MHz (Segelflug-ATIS / Stuttgart).  

Potenzial: Wenn der Sektor aktiv ist, wird der "Deckel" des kontrollierten Luftraums meist angehoben (oft auf FL 60 oder höher, je nach aktueller Freigabe der Flugsicherung). Dies eröffnet erst das wahre XC-Potenzial.

Verstöße: Ein Einflug in den Luftraum D ohne Freigabe ist kein Kavaliersdelikt. Die moderne Radarüberwachung des Flughafens Stuttgart erfasst jedes Fluggerät, auch Gleitschirme. Verstöße werden radikal verfolgt und gefährden den Fortbestand des gesamten Fluggeländes für alle Piloten. Ohne Flugfunkgerät und aktive Abfrage gilt daher immer: 4.500 ft MSL ist die absolute, unverhandelbare Grenze!

Korrekt?

Geheimtipps & Insider-Wissen

Das Wissen der lokalen Piloten (Locals) steht in keinem offiziellen Handbuch. Es ist das Destillat aus tausenden von Flugstunden und Beobachtungen. Hier sind die kondensierten Erkenntnisse aus Jahren der Flugpraxis am Neuffen, die den Unterschied zwischen einem kurzen Abgleiter und einem stundenlangen Flugerlebnis ausmachen.

Korrekt?

Die "Wilhelmsfels"-Falle und der Hausbart

Viele Neulinge machen nach dem Start intuitiv den Fehler, direkt geradeaus ins Tal zu fliegen, in der Hoffnung, dort "Höhe zu suchen". Das ist in den meisten Fällen taktisch unklug.

Der Trigger: Der zuverlässigste "Hausbart", also die beständige Thermikquelle, steht oft nicht direkt vor der Schneise. Er befindet sich meist etwas versetzt in Richtung Wilhelmsfels (westlich der Schneise, Richtung Burg). Der dortige Felsvorsprung wirkt als perfekte Abrisskante für die thermische Warmluft, die am Waldhang aufsteigt und sich dort löst.  

Taktik: Die Erfolgsstrategie lautet: Nach dem Start (vorausgesetzt man hat genug Anfangshöhe und es herrscht kein Westwind!) vorsichtig Richtung Felskante tasten. Man fliegt also eine leichte Linkskurve und sucht den Bart vor dem Fels. Aber Vorsicht ist geboten: Hier gelten strenge Vogelschutzauflagen (siehe Kapitel 6). Man darf den Felsen nicht zu nah anfliegen, wenn man tief ist.

Korrekt?

Was Locals hassen: Groundhandling auf der Startwiese

Die Wiese direkt neben der Schneise verführt optisch zum Groundhandling. Doch hier lauert Konfliktpotenzial.

Das Problem: Wenn Hochbetrieb herrscht – und das ist an guten Tagen fast immer der Fall – dient diese Wiese als Vorbereitungsraum. Wer hier stundenlang seinen Schirm aufzieht und mit dem Wind spielt, blockiert Piloten, die startklar sind und ihre Ausrüstung checken wollen.

Etiquette: Groundhandling ist nur dann akzeptabel, wenn absolut niemand behindert wird. Sobald Piloten zum Start drängen, gilt: Schirm raffen und Platz machen. Die goldene Regel der Locals: Fertigmachen (Gurtzeug anlegen, Leinen sortieren) passiert immer neben der Schneise. In die Schneise selbst geht man erst, wenn man zu 100% sofort startbereit ist (eingehängt, 5-Punkte-Check mental vorbereitet). Wer in der Schneise erst anfängt, seine Handschuhe zu suchen, zieht den Unmut aller auf sich.

Korrekt?

Die Webcam-Routine: Der digitale Blick

Bevor ein Local ins Auto steigt, checkt er nicht nur die Standard-Apps wie Windfinder, sondern interpretiert spezifische Webcams.

Burg-Webcam: Sie ist der Indikator für Inversionswetterlagen. Oft zeigt sie strahlenden Sonnenschein oben auf der Burg, während das Tal noch im zähen Nebel liegt. Das sieht zwar schön aus, bedeutet aber oft, dass thermisch noch nichts geht oder nur ein Abgleiter möglich ist.

Segelfluggelände Grabenstetten/Hülben: Diese Webcams sind strategisch wertvoll, da sie Aufschluss über die Basis und die Bewölkung auf der Albhochfläche (hinter dem Startplatz) geben.  

Interpretations-Tipp: Ein Blick auf die Bäume in der Webcam Grabenstetten verrät viel über den Wind. Wenn sich die Bäume auf der Hochfläche bereits stark biegen, ist der Wind an der Hangkante des Hohenneuffen durch den Düseneffekt oft schon viel zu stark zum sicheren Starten.

Korrekt?

Streckenflug: Die "Rennstrecke"

Das XC-Potenzial (Cross Country) am Hohenneuffen ist beachtlich, aber geografisch meist eindimensional kanalisiert.

Die Route: Es geht fast immer entlang der Kante Richtung Osten (Teck) oder Westen (Jusi).

Der Klassiker: Hohenneuffen -> Teck -> Hohenneuffen. Dies ist ein wunderschöner "Out-and-Return" Flug, der auch für XC-Einsteiger machbar ist.

Die Herausforderung: Die größte Hürde ist die Querung des "Lenninger Tals" hinüber zur Teck. Hier verliert man oft viel Höhe, da keine Hangkante trägt. Die Taktik erfordert es, am "Brucker Fels" oder der "Baßgeige" ordentlich Höhe zu tanken (Luftraum beachten!), um den Sprung über das Tal zur Teck sicher zu schaffen und dort wieder Anschluss zu finden.

Korrekt?

Landung: Das kritische Finale

Die Landung am Hohenneuffen Nord ist anspruchsvoller, als die bloße Höhendifferenz vermuten lässt. Es gibt im Wesentlichen drei Optionen, von denen eine (Toplandung) extrem riskant ist und nur Experten vorbehalten bleiben sollte.

Korrekt?

Hauptlandeplatz "Therme" (Beuren)

Dies ist der Standard-Landeplatz für Gleitschirme und die meistgenutzte Option.

Lage: Er befindet sich direkt unterhalb des Starts, am Waldrand oberhalb der Panorama Therme Beuren.

Charakteristik: Es handelt sich um eine Wiese mit deutlichem Gefälle nach Nord-Westen.

Gefahren:

Gefälle: Landungen, die hangabwärts (also mit dem Gefälle) erfolgen, werden extrem schnell und der Bremsweg verlängert sich dramatisch. Dies passiert oft bei Rückenwindkomponenten oder falscher Landeeinteilung.

Hindernis: Am nordwestlichen Rand der Wiese steht eine Hütte. Wer zu lang kommt und das Gefälle unterschätzt, steuert direkt darauf zu.  

Turbulenz: Da die Wiese thermisch aktiv ist, lösen sich oft Blasen direkt im Landebereich ab. Der Endanflug kann daher unruhig und bockig sein.

Taktik: Die bevorzugte Landerichtung ist Ost. Das bedeutet, man fliegt quer zum Hang an. Dies vermeidet das gefährliche "Hangabwärts-Rutschen" und nutzt das Gelände optimal. Eine präzise Landeeinteilung (Lande-Volte) ist hier absolute Pflicht.

Korrekt?

Alternativ-Landeplatz "Feuerwehr"

Lage: Dieser Platz liegt zwischen den Orten Beuren und Balzholz, direkt gegenüber dem Feuerwehrhaus.

Status: Er ist der meistgenutzte Alternativplatz, wenn am Therme-Landeplatz zu viel Betrieb ist oder die Bedingungen dort schwierig sind.

Vorteil: Die Fläche ist größer und oft freier angeströmt als der Waldrandplatz an der Therme.

Logistik: Wichtig ist hier das Parkverbot am Feuerwehrhaus! Piloten müssen weiterhin an der Therme parken und den Fußweg (ca. 2-5 Min.) in Kauf nehmen. Das Blockieren von Einsatzwegen der Feuerwehr ist absolut tabu.

Korrekt?

Toplandung: Nur für Experten

Das Toplanden auf der Wiese oben am Startplatz ist verlockend, um sich den Weg oder die Fahrt zu sparen, aber extrem tückisch.

Das Lee: Die Wiese liegt bei Nordwind hinter der Hangkante und den hohen Bäumen. Es bildet sich zwangsläufig ein Lee-Rotor, in dem die Luft extrem turbulent ist und starkes Sinken vorherrscht.

Regel: Der Anflug muss zwingend von Ost nach West erfolgen (von Erkenbrechtsweiler kommend Richtung Burg).

Gefahr: Man muss sehr nah an der Waldkante bleiben, um nicht ins Sinken zu geraten. Gleichzeitig darf man aber keinesfalls in die Bäume driften. Ein zu weiter Flug Richtung Zufahrtsstraße ist ebenfalls gefährlich, da dort Turbulenzen der Burgmauern wirken.

Empfehlung: Für Gastpiloten ist von der Toplandung dringend abzuraten, es sei denn, man hat eine spezifische Einweisung durch einen Local erhalten und beherrscht das Schirmhandling blind.

Korrekt?

Sicherheit & Regeln: Naturschutz ist Flugschutz

Das Fluggebiet Hohenneuffen liegt mitten in einem hochsensiblen Naturraum, dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Dies bringt eine besondere Verantwortung mit sich. Verstöße gegen Naturschutzauflagen sind keine Bagatellen, sondern gefährden die Flugerlaubnis für den gesamten Verein akut.

Korrekt?

Die "Baßgeige" und der Vogelschutz

Die Felsformationen der "Baßgeige" (Beurener Fels, Schlupffels, Brucker Fels) sind nicht nur markante Wegpunkte, sondern auch geschützte Brutgebiete für seltene Vogelarten wie den Wanderfalken und den Kolkraben.

Die Regel: Es gilt ein striktes Überflugverbot im Umkreis von 250 Metern um die Hangkante dieser Felsen.  

Die Ausnahme: Ein Überflug ist nur dann gestattet, wenn die Flughöhe mehr als 300 Meter über Grund beträgt.

In der Praxis: Das bedeutet für den Piloten: Wer nach dem Start "absäuft" und keine Höhe findet, darf nicht verzweifelt an den Felsen der Baßgeige "kratzen", um sich dort irgendwie zu retten. Man muss frühzeitig die Entscheidung treffen, zum Landeplatz abzufliegen. Wer tief an den Felsen soart, stört die Brut und riskiert eine Anzeige sowie ein Flugverbot.

Korrekt?

Notfall-Prozedere und Baumrettung

Die Hänge unterhalb des Starts sind steil, unwegsam und dicht bewaldet. Eine Baumlandung ist hier ein ernstzunehmender Notfall.

Verhalten: Die wichtigste Regel bei einer Baumlandung lautet: Nicht selbst abklettern! Viele Piloten unterschätzen die Höhe und die Brüchigkeit der Äste. Die Absturzgefahr ist tödlich. Sichern Sie sich am Baum und warten Sie auf Hilfe.

Kontakt: Die zuständige Rettungsorganisation ist die Bergwacht Lenninger Tal (Bergwacht Baden-Württemberg). Sie ist über die europaweite Notrufnummer 112 zu erreichen.

Position: Um schnell gefunden zu werden, sollten Piloten die Handyortung aktivieren oder, noch besser, die genauen GPS-Koordinaten durchgeben können.

Korrekt?

Gastregelung und Gebühren

Gastfreundschaft wird am Hohenneuffen großgeschrieben, aber sie basiert auf Regeln.

Gebühr: Gäste müssen eine Tagesgebühr entrichten. Diese kann oft über die Vereinshomepage oder klassisch per Briefkasten am Start- oder Landeplatz bezahlt werden. Es empfiehlt sich, dies vor dem Flug zu prüfen.

Zugang: Am Startplatz Nord gibt es aktuell kein generelles Gastflugverbot am Wochenende, im Gegensatz zum Startplatz West, der oft stärker reglementiert ist. Dennoch hat der Startleiter (falls anwesend) bei Überfüllung das Recht, Einschränkungen auszusprechen, um die Sicherheit zu gewährleisten.

Korrekt?

Drumherum: Einkehr & Alternativen

Ein perfekter Flugtag besteht nicht nur aus Airtime. Die Infrastruktur rund um den Hohenneuffen bietet exzellente Möglichkeiten zur Erholung und Alternativen, falls das Wetter nicht mitspielt.

Korrekt?

Après-Fly & Einkehr

Nach dem Flug gibt es diverse Optionen, den Tag Revue passieren zu lassen:

Burggaststätte Hohenneuffen: Sie liegt direkt oben auf der Burg. Das Preisniveau ist gehoben, aber die Aussichtsterrasse ist sensationell. Dies ist der perfekte Ort, wenn man oben geparkt hat oder den Aufstieg nach dem Flug nicht scheut.

Schlosscafé Beuren: Unten im Ort Beuren gelegen, bietet es eine entspannte Atmosphäre und gute regionale Küche, wie zum Beispiel Maultaschen. Ideal für Piloten, die unten geparkt haben.  

Panorama Therme Beuren: Der absolute Klassiker zur Regeneration. Das Thermalwasser entspannt die Nackenmuskulatur, die vom ständigen Hochschauen in die Kappe oder zum Himmel oft verspannt ist. Viele Piloten nutzen dies als festen Bestandteil ihres Flugtages, auch zur Freude der nicht-fliegenden Begleitung.

Korrekt?

Übernachtung

Camping: Direkt am Landeplatz gibt es keinen offiziellen Campingplatz. Wildcampen auf den Parkplätzen der Therme wird nicht toleriert und kontrolliert. Piloten mit Wohnmobil sollten den offiziellen Wohnmobilstellplatz an der Panorama Therme prüfen.

Hotels/Pensionen: In den Orten Beuren und Neuffen gibt es zahlreiche Pensionen und Hotels, die traditionell auf Wanderer und Kurgäste eingestellt sind und oft auch Piloten willkommen heißen.

Korrekt?

Wenn der Wind nicht passt (Alternativen)

Der Albtrauf bietet glücklicherweise Ausweichmöglichkeiten in direkter Nähe:

Neidlingen (Süd-West bis Nord-West): Dieser Startplatz liegt nur wenige Kilometer östlich. Es ist ein schöner Hangstart, der ebenfalls thermisch interessant ist, aber auch anspruchsvoll sein kann.

Teck (Nord-West): Der prominente Nachbarberg mit der Burg Teck. Der Startplatz am "Gelben Fels" ist legendär, bietet tolle Soaring-Möglichkeiten, ist aber an guten Tagen oft sehr überlaufen.

Jusi (Nord-West / West): Der Jusi ist der größte Vulkanembryo der Schwäbischen Alb. Er bietet riesige freie Wiesenflächen, die ideal für Groundhandling sind. Bei Westwind, wo der Hohenneuffen Nord im Lee liegt, ist der Jusi oft die fliegbarere Alternative zum Soaren.

Korrekt?

Fazit: Für wen ist Hohenneuffen Nord?

Der Hohenneuffen Nord ist kein Anfängerhügel. Er ist eine ernstzunehmende fliegerische Arena, die Respekt einfordert. Er ist der falsche Ort für Piloten, die noch unsicher beim Start sind oder Probleme mit präzisen Landeeinteilungen haben.

Du wirst ihn lieben, wenn: Du über eine solide Startdisziplin verfügst, gerne thermisch fliegst, die Herausforderung eines taktisch anspruchsvollen Fluggeländes suchst und bereit bist, dich mit Lufträumen und Meteorologie auseinanderzusetzen.

Du wirst ihn hassen, wenn: Du Warnungen vor Westwind ignorierst, Landeeinteilungen lieber "nach Gefühl" fliegst oder glaubst, dass Luftraumgrenzen nur unverbindliche Empfehlungen sind.

Behandle diesen Startplatz mit dem Respekt, den er verdient, und er wird dir einige der schönsten Flüge und Sonnenuntergänge schenken, die Süddeutschland zu bieten hat.

Guten Flug & Happy Landings!

Korrekt?

Fluggebiete in der Nähe

Hohenneuffen West
Bayern
Übungsgelände Pfulb
Bayern
Neidlingen
Bayern
Wanne
Bayern
Wiesensteig / Bläsiberg
Bayern
Mehr in Bayern
Bergrettung
112