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Umfassendes Dossier zum Gleitschirmfliegen in der Region Gassau: Eine multidimensionale Analyse bayerischer und österreichischer Fluggebiete
In der Welt des Gleitschirmsports existieren Bezeichnungen, die aufgrund ihrer klanglichen Ähnlichkeit oder geografischen Nähe oft zu Missverständnissen führen, für den informierten Piloten jedoch völlig unterschiedliche fliegerische Welten eröffnen. Der Begriff "Gassau" fungiert hierbei als zentraler Knotenpunkt. Während die offizielle Datenbank des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) unter diesem Namen ein spezifisches Gelände im niederbayerischen Bodenkirchen führt, assoziieren viele Piloten damit intuitiv auch das oberbayerische Gaißach am Rechelkopf oder das österreichische Gaißau bei Salzburg. Dieses Dossier bietet eine tiefgreifende Untersuchung aller drei Standorte, räumt mit Verwechslungen auf und liefert jene Experten-Insights, die weit über standardisierte Datenbankeinträge hinausgehen.
Executive Summary für Piloten
Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungsgrundlage benötigen, lässt sich das Potenzial der unter dem Namen "Gassau" oder "Gaißach/Gaißau" bekannten Gebiete in drei Kategorien unterteilen. Das offizielle Gelände Gassau in Bodenkirchen ist ein reinrassiges Flachlandrevier, das primär von lokalen Piloten für thermische Übungsflüge und Soaring bei Südwest- oder Nordost-Lagen genutzt wird. Es besticht durch seine Unkompliziertheit, erfordert jedoch eine strikte Abstimmung mit dem Geländehalter.
Im Gegensatz dazu bietet der Rechelkopf bei Gaißach (oft fälschlich als Gassau bezeichnet) ein erstklassiges Hike-and-Fly-Erlebnis im Isarwinkel. Mit einem Höhenunterschied von rund 680 Metern und einer thermisch aktiven Westflanke ist er der ideale Berg für Piloten, die den sportlichen Aufstieg mit einem genussvollen Gleitflug über das Tölzer Land verbinden wollen.
Das österreichische Gaißau bei Salzburg (Spielbergalm/Hintersee) stellt die alpine Oberklasse dar. Es bietet eine voll ausgeprägte touristische Infrastruktur, anspruchsvolle thermische Bedingungen und eine komplexe Luftraumstruktur aufgrund der Nähe zum Flughafen Salzburg. Wer alpine XC-Abenteuer (Cross Country) sucht, ist hier richtig, muss jedoch die lokalen TRA-Regelungen (Temporary Reserved Areas) penibel beachten.
Das offizielle DHV-Gelände Gassau (Bodenkirchen)
Das in der DHV-Datenbank unter der Nummer 1199 geführte Gelände Gassau liegt in der Gemeinde Bodenkirchen im Landkreis Landshut. Es repräsentiert den typischen Charakter des niederbayerischen Hügellandes und dient als wichtiger lokaler Stützpunkt für Piloten, die nicht den weiten Weg in die Alpen auf sich nehmen wollen.
Topografische Parameter und technische Daten
Die Einzigartigkeit dieses Geländes liegt in seiner dualen Ausrichtung. Während viele Hügelgelände nur eine Startrichtung zulassen, bietet Gassau durch seine spezifische Kantenführung Möglichkeiten für zwei entgegengesetzte Windrichtungen.
Technisches Merkmal Detailbeschreibung Gelände-ID
#1199 (Gassau) / #201
Geografische Lage
N 48°23'59.60" E 12°21'52.70"
Starthöhe
Ca. 495 m über NN
Startrichtungen
Südwest (SW) und Nordost (NO)
Geländecharakter Mittelgebirgsähnliches Hügelgelände Zulassung
Gleitschirm (GS), eingeschränkt Drachen (HG)
Zugang, Logistik und Geländehalter-Struktur
Der Zugang zum Gelände Gassau ist privatwirtschaftlich organisiert. Im Gegensatz zu kommerziellen Fluggebieten mit Seilbahnanbindung basiert der Betrieb hier auf dem Engagement des Geländehalters Heinz Schneider. Dies bedeutet für Gastpiloten, dass eine vorherige Kontaktaufnahme nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern eine fliegerische Notwendigkeit ist, um aktuelle Informationen über landwirtschaftliche Sperrzeiten oder spezifische Auflagen zu erhalten.
Die Anfahrt erfolgt über die Bundesstraße 388, wobei die Ortschaft Gassau über schmale Gemeindestraßen erschlossen wird. Parkmöglichkeiten sind begrenzt und müssen so gewählt werden, dass landwirtschaftliche Maschinen nicht behindert werden. Es gibt keinen Shuttle-Dienst; der kurze Aufstieg zum Startplatz erfolgt in der Regel zu Fuß vom ausgewiesenen Parkbereich aus.
Meteorologische Besonderheiten im Flachland
In Gassau dominiert die thermische Ablösung über den weiten Ackerflächen des Vilstals. Im Frühjahr, wenn die Böden noch dunkel und unbewachsen sind, entwickeln sich hier oft scharfe, kleinräumige Bärte. Ein häufiger Fehler von Neulingen ist es, die Stärke dieser Ablösungen in Bodennähe zu unterschätzen. Da die Hügelkante relativ niedrig ist, bleibt nur wenig Zeit, um den ersten "Bart" zu zentrieren.
Die Nordost-Exposition ist besonders an klaren Hochdrucktagen im Frühjahr interessant, wenn die Bise (ein kalter Nordostwind) für laminare Aufwindbänder an der Kante sorgt. Die Südwest-Ausrichtung hingegen profitiert von der direkten Sonneneinstrahlung am Nachmittag, was oft bis in die späten Abendstunden hinein so genannte "Restthermik" oder ein sanftes Soaring ermöglicht.
Der Rechelkopf bei Gaißach: Das Hike-and-Fly-Juwel
Obwohl offiziell als Gaißach geführt, suchen viele Piloten aufgrund der Namensähnlichkeit nach Informationen zu diesem Startplatz unter "Gassau". Der Rechelkopf (1330 m) ist der Hausberg von Gaißach und gilt als einer der beliebtesten Berge für das "Ehrliche Fliegen" – also den Aufstieg aus eigener Kraft.
Detaillierte GPS- und Höhendaten
Der Rechelkopf bietet aufgrund seiner exponierten Lage am Ostrand des Isartals eine hervorragende Übersicht über das voralpenländische Relief.
Parameter Wert / Detail Gipfelhöhe
1330 m über NN
Koordinaten Startplatz Ca. N 47°44'30" E 11°37'15" Höhendifferenz zum Tal
Ca. 660 m - 680 m
Startrichtung
West bis Südwest (Hauptrichtung)
Schwierigkeitsgrad
Mittel (aufgrund des manuellen Aufstiegs)
Logistik und der Weg zum Gipfel
Der klassische Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz im Gaißacher Ortsteil Lehen. Für die Navigation empfiehlt sich die Eingabe von "Lehen 5, 83674 Gaißach". Der Parkplatz ist gebührenpflichtig, wobei die Preise moderat gestaltet sind (ca. 4 Euro für ein Tagesticket).
Der Aufstieg zum Rechelkopf wird in Wanderführern oft als "leicht" (T1) beschrieben, doch für Piloten mit schwerer Ausrüstung stellen die steilen Passagen nach dem ersten Waldstück eine konditionelle Herausforderung dar. Der Weg führt über die Schwaigeralm (1115 m), eine idyllische, meist unbewirtschaftete Alm. Der Pfad ist teils steinig und bei Nässe rutschig, was besonders beim Abstieg mit Gleitschirmsack Trittsicherheit erfordert. Eine Alternative für Piloten mit leichtem Equipment ist der Weg über die Sigrizalm, der etwas weniger frequentiert ist.
Flugbedingungen und thermische Trigger am Rechelkopf
Der Rechelkopf ist ein klassischer Nachmittagsberg. Sobald die Sonne den Zenit überschritten hat und auf die Westflanken strahlt, setzen die ersten thermischen Ablösungen ein. Ein wichtiger "Geheimtipp" lokaler Piloten betrifft die Thermikquelle direkt unterhalb des Gipfelplateaus. Hier befindet sich eine steile Waldschneise, die als Warmluftreservoir fungiert.
Fehler, die Neulinge oft machen, beziehen sich auf den Talwind des Isartals. Dieser weht oft kräftig aus dem Norden (vom flacheren Land in Richtung Berge) und kann den Vorwärtsdrang beim Landeanflug in Lehen massiv bremsen. Es ist daher essenziell, den Landeplatz in Lehen mit ausreichender Höhenreserve anzufliegen. Der offizielle Landeplatz befindet sich auf den weiten Wiesen unterhalb des Wanderparkplatzes, wobei hier unbedingt auf die aktuelle Heuernte und Weidetiere zu achten ist.
XC-Potenzial vom Rechelkopf
Obwohl der Rechelkopf oft nur für Abgleiter genutzt wird, bietet er bei einer hohen Basis das Potenzial für Streckenflüge. Eine beliebte Route führt entlang der Bergkette nach Süden in Richtung Brauneck (Lenggries). Gelingt der Sprung über das Isartal nach Westen, öffnet sich der Weg zum Blomberg und weiter zum Herzogstand. In Richtung Osten ist der Flug zum Tegernsee (Wallberg) möglich, wobei hier die Querung der bewaldeten Rücken zwischen Gaißach und dem Tegernseer Tal eine ausreichende Ausgangshöhe erfordert.
Gaißau bei Salzburg: Spielbergalm und Wieserhörndl
Das österreichische Gaißau, gelegen im Bundesland Salzburg, stellt die infrastrukturell am besten erschlossene Variante dar. Hier finden Piloten ein Skigebiet, das im Sommer als erstklassiges Fluggelände fungiert.
Infrastruktur und Zugang zur Spielbergalm
Die Spielbergalm auf 1311 Metern ist der Dreh- und Angelpunkt für Gleitschirmflieger in dieser Region. Im Gegensatz zu den bayerischen Pendants ist der Zugang hier durch eine Mautstraße deutlich erleichtert.
Merkmal Details Gaißau-Hintersee (AUT) Hauptstartplatz
Wieserhörndl (1567 m)
Mittlerer Startplatz
Spielbergalm (ca. 1311 m)
Erreichbarkeit
Mautstraße von Gaißau (4 Euro Maut, nur Münzen)
Parken
Großer Parkplatz am Ende der Mautstraße
Nächste Stadt
Hallein (ca. 15 km entfernt)
Die Liftanlagen (darunter eine 6-er Sesselbahn) erleichtern den Aufstieg zum Wieserhörndl massiv, sofern sie in Betrieb sind. Außerhalb der Betriebszeiten ist das Gebiet ein exzellentes Hike-and-Fly-Areal mit moderaten Aufstiegszeiten von ca. 45 Minuten ab dem Mautparkplatz.
Die kritische Komponente: Der Salzburger Luftraum
Das Fluggebiet Gaißau-Hintersee liegt in unmittelbarer Nähe zur Kontrollzone (CTR) des Flughafens Salzburg (LOWS). Dies ist der wichtigste Aspekt für die Sicherheit und den Erhalt des Geländes.
Piloten müssen wissen, dass das Fliegen hier oft nur durch so genannte Temporary Reserved Areas (TRA) ermöglicht wird. Die TRA Gaisberg und die TRA Schwarzenberg müssen bei der Flugsicherung aktiviert sein, damit Gleitschirme legal in bestimmte Höhen aufsteigen dürfen. Ein Verstoß gegen diese Luftraumgrenzen führt unweigerlich zu massiven Problemen mit der Austro Control und gefährdet die Flugerlaubnis für den lokalen Club "FlyForFun". Aktuelle Informationen zur Luftraumaktivierung erhalten Piloten über die Club-Webseite oder lokale Infotafeln am Startplatz.
Flugcharakteristik und XC-Möglichkeiten
Das Wieserhörndl bietet Starts in fast alle Richtungen. Die thermischen Bedingungen sind im Sommer oft kräftig, da die umliegenden Kalkstöcke der Osterhorngruppe die Wärme exzellent speichern.
Das XC-Potenzial ab Gaißau ist enorm. Eine Standardroute für erfahrene Piloten ist das Umrunden des Gaisberggipfels und die Rückkehr zur Spielbergalm. Wer größere Ambitionen hat, kann von hier aus in Richtung Süden zum Tennengebirge aufbrechen oder den Sprung nach Westen zum Untersberg wagen. Die weiten Täler des Salzburger Landes bieten zahlreiche Notlandemöglichkeiten, doch die starken Talwindsysteme (besonders der "Salzburger Wind") erfordern eine vorausschauende Flugplanung.
Meteorologische Analyse: Windsysteme und Gefahrenlagen
Die Sicherheit in den Gebieten rund um Gassau, Gaißach und Gaißau wird massiv von den großräumigen Windverhältnissen beeinflusst.
Die Gefahr des Föhns
Sowohl am Rechelkopf als auch in Gaißau-Salzburg ist der Südföhn die größte Gefahr. Da beide Gebiete am Nordrand der Alpen liegen, tritt der Föhn hier oft mit orkanartigen Böen auf, die bis in die Täler durchschlagen. Ein sicheres Zeichen für beginnenden Föhn sind die so genannten "Föhnlinsen" (Altocumulus lenticularis) am Himmel oder eine ungewöhnlich hohe Fernsicht bei gleichzeitigem rasantem Temperaturanstieg. Bei Föhnprognose ist von Flügen in diesen Gebieten dringend abzuraten.
Lokale Windphänomene: Der "Gaißacher Wind"
Am Rechelkopf gibt es ein spezifisches Phänomen: Den so genannten "Bayerischen Wind". Dies ist eine großräumige Luftströmung aus West bis Nordwest, die gegen Abend oft an Stärke gewinnt. Für Gleitschirmflieger bedeutet dies, dass sie am Rechelkopf zwar wunderbar soaren können, der Rückweg zum Landeplatz in Lehen jedoch gegen den Wind erfolgt. Piloten mit leistungsschwachen Schirmen (A-Klasse oder schwere Tandems) müssen hier besonders auf ihre Vorwärtsgeschwindigkeit achten.
Windrichtung Effekt Rechelkopf (Gaißach) Effekt Spielbergalm (Gaißau-AUT) Nord
Talwind, bremst Landeanflug
Oft turbulent, Leegefahr Ost Meist stabil, wenig Thermik
Gut für Soaring am Wieserhörndl
Süd
Föhngefahr!
Föhngefahr!
West
Hauptwindrichtung, gute Thermik
Einstrahlthermik am Nachmittag
Geheimtipps für den "echten" Mehrwert
Um einen Guide zu erstellen, der besser als der DHV-Eintrag ist, müssen jene Informationen geteilt werden, die normalerweise nur im Gespräch am Landebier preisgegeben werden.
Wo sind die besten Thermikquellen?
Gassau (Bodenkirchen): Suchen Sie nach dem kleinen Waldstück nordwestlich des Startplatzes. Hier "reißt" die Thermik der weiten Felder oft ab und bildet eine konstante Säule.
Rechelkopf: Nicht zu früh starten! Die Westseite zündet oft erst ab 14:00 Uhr richtig. Der beste Einstiegsbart steht meist direkt über der markanten Baumgruppe etwa 200 Meter unterhalb des Gipfels.
Spielbergalm: Die Felswände unterhalb des Wieserhörndls produzieren oft "Prallthermik", die auch bei schwachen Bedingungen ein langes Halten ermöglicht.
Fehler, die Neulinge machen
Ein häufiger Fehler am Rechelkopf ist das Parken außerhalb des markierten Wanderparkplatzes. Die Anwohner in Lehen sind sensibel, und Fehlverhalten führt schnell zu Ärger für alle Piloten. In Gaißau (Salzburg) unterschätzen Gäste oft die Geschwindigkeit, mit der sich das Wetter am Gaisberg ändern kann. Wenn sich über dem Tennengebirge die ersten Gewittertürme bilden, bleibt oft nur wenig Zeit für die Landung im Tal.
Webcams der Profis
Lokale Piloten verlassen sich nicht auf allgemeine Wetterberichte. Sie nutzen:
Webcam Brauneck/Gaißach: Gibt einen perfekten Blick auf die Wolkenbasis im Isarwinkel.
Windstation Gaisberg: Die Referenz für den Salzburger Raum. Zeigt der Gaisberg über 25 km/h Wind aus Süd an, bleibt die Spielbergalm am Boden.
Holfuy Stationen: Private Wetterstationen, die oft direkt an den Startplätzen stehen und Echtzeitdaten liefern.
Sicherheit, Regeln und rechtliche Rahmenbedingungen
Das Gleitschirmfliegen ist in Deutschland und Österreich streng reglementiert. Die Einhaltung dieser Regeln sichert den Fortbestand der Gelände.
Haftung und Versicherung
In Deutschland ist der DHV die beauftragte Stelle für die Geländezulassung. Piloten müssen eine gültige Haftpflichtversicherung mitführen, die den gesetzlichen Anforderungen entspricht. In Österreich wird dringend empfohlen, Mitglied im ÖBRD (Österreichischer Bergrettungsdienst) zu sein oder eine entsprechende Bergekostenversicherung abzuschließen, da Hubschraubereinsätze im alpinen Gelände nicht von der Standard-Krankenkasse übernommen werden.
Kontakt zu Vereinen und Behörden Gebiet Verantwortlicher Club / Halter Kontakt / Info Gassau (Bodenkirchen) Heinz Schneider
DHV Datenbank
Gaißach (Rechelkopf) Lokale Piloten / Gemeinde
Tourismusbüro Bad Tölz
Gaißau (Salzburg) FlyForFun Flight Club
flyforfun.at
In Notfällen ist in Deutschland die 112 zu wählen, in Österreich die 140 für die Bergrettung. Bei Unfällen in der Nähe von Stromleitungen oder Bahntrassen (besonders im Inntal oder Isartal) ist die Leitstelle explizit darauf hinzuweisen.
Das Drumherum: Kulinarik und Übernachtung
Ein Flugtag ist erst mit der richtigen Einkehr komplett.
Gastronomie-Tipps
Nach dem Flug am Rechelkopf: Das "Gasthaus zur Mühle" in Gaißach ist der traditionelle Treffpunkt. Die Küche ist bayerisch-deftig, und im Sommer bietet der Biergarten einen schönen Blick auf die Berge, die man gerade beflogen hat.
Auf der Spielbergalm: Das Gasthaus Spielbergalm bietet regionale Salzburger Schmankerl. Besonders die Kasnockn sind unter Piloten legendär.
Übernachtungsmöglichkeiten
Für Piloten, die länger bleiben wollen:
Gaißach: Der "Arzbartlhof" bietet Ferienwohnungen direkt am Fuße des Berges. Ideal für Piloten, die morgens als Erste am Gipfel sein wollen.
Hintersee/Gaißau: Hier finden sich zahlreiche Pensionen und Ferienbauernhöfe, die auf Sporttouristen spezialisiert sind. Campingfreunde finden in der Nähe von Salzburg oder am Tegernsee gut ausgestattete Plätze, wildes Campen ist in beiden Regionen streng untersagt und wird teuer geahndet.
Alternativprogramme bei "Nullwind" oder Regen
Sollte der Wind nicht passen oder das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen, bietet die Region vielfältige Alternativen. In Gaißach bietet sich eine Radtour entlang der Isar nach Bad Tölz an. In Salzburg ist die Landeshauptstadt mit ihren kulturellen Highlights nur 20 Minuten entfernt. Wer Wellness sucht, findet in der Therme "Aqua Salza" in Golling Entspannung nach einem anstrengenden Hike-and-Fly-Tag.
Analyse des XC-Potenzials und Flugtaktik
Ein tieferer Blick auf das Streckenflugpotenzial offenbart, warum die Region für Ambitionierte so reizvoll ist.
Die "Gaißach-Wallberg-Linie"
Diese Route ist ein Klassiker der Voralpen. Der Start erfolgt am Rechelkopf. Ziel ist es, die Thermik über dem Gipfel so hoch wie möglich auszudrehen (idealerweise bis zur Basis), um dann mit Rückenwindkomponente in Richtung Osten zu gleiten. Die Schlüsselstelle ist die Überquerung des bewaldeten Rückens zum Tegernsee. Kommt man zu tief an, landet man in den Lee-Rotoren der Hügel vor dem Wallberg. Erfahrene Piloten nutzen hier die "Prallhänge" an den Sonnenexponierten Flanken, um sich wieder hochzuarbeiten.
Die "Salzburger Flachlandquerung"
Von Gaißau-Hintersee aus ist bei Nordostwind eine Querung in das Flachland nördlich von Salzburg möglich. Dies ist fliegerisch anspruchsvoll, da man die CTR Salzburg nördlich umfliegen muss. Die Belohnung ist ein Flug über die Seenlandschaft des Salzkammerguts (Wallersee, Mattsee), was optisch zu den schönsten Erlebnissen im Alpenvorland zählt.
Technische Ausrüstung für die Region
Aufgrund der oft weiten Fußwege am Rechelkopf oder den speziellen Bedingungen auf der Spielbergalm hat sich spezifisches Equipment bewährt.
Equipment-Typ Empfehlung Grund Gleitschirm Leichtbauweise (z.B. Niviuk P-Series)
Reduziert das Gewicht beim Aufstieg
Gurtzeug Wendegurtzeug mit Airbag
Kompakt für den Rucksack, sicher bei Landung
Variometer Mit Luftraumwarnung (GPS)
Essenziell wegen CTR Salzburg
Schuhwerk Kategorie B/C Bergschuhe
Schutz gegen Umknicken auf steinigem Pfad
Fazit: Die Qual der Wahl zwischen drei Welten
Die Analyse zeigt, dass der Name "Gassau" eine Brücke zwischen drei völlig unterschiedlichen Flugwelten schlägt. Der Pilot muss vorab entscheiden, welches Ziel er verfolgt:
Technisches Training im Flachland: Dann ist Gassau in Bodenkirchen der richtige Ort, um an der Starttechnik zu feilen und die feine Thermik des Hügellandes zu spüren.
Sportliche Herausforderung und Natur: Der Rechelkopf in Gaißach bietet das reinste Erlebnis. Hier zählt jede Schweißperle beim Aufstieg, die mit einem grandiosen Blick ins Karwendel belohnt wird.
Alpines Abenteuer mit Komfort: Gaißau bei Salzburg ist die Wahl für Streckenflieger und Genießer, die eine Seilbahn oder Mautstraße schätzen und das alpine Panorama in vollen Zügen genießen wollen.
Jedes dieser Gebiete hat seinen eigenen Reiz und seine eigenen Tücken. Wer jedoch die hier präsentierten Experten-Tipps beherzigt – vom "Gaißacher Wind" bis zur Luftraumaktivierung in Salzburg – wird in der Region Gassau unvergessliche Flugstunden erleben. Der Schlüssel zum Erfolg liegt, wie so oft im Flugsport, in der Vorbereitung und dem Respekt vor den lokalen Gegebenheiten.
Abschließend lässt sich sagen, dass ein Besuch dieser Orte nicht nur das fliegerische Können erweitert, sondern auch tiefere Einblicke in die Vielfalt der bayerischen und österreichischen Fluglandschaft gewährt. Ob man nun in den sanften Hügeln Niederbayerns soart oder über den schroffen Kalkfelsen der Osterhorngruppe kreist – die Faszination des lautlosen Gleitens verbindet alle diese Orte zu einem einzigartigen Revier für Paraglider.