
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Dossier: Fluggebiet Birken – Strategische Analyse, Meteorologie und Operativer Guide
Ein Master-Report über das taktische Fliegen im Schatten der Kontrollzone
In der Welt der aeronautischen Navigation und der Planung von Gleitschirmflügen führt der Begriff „Birken“ häufig zu einer gefährlichen Ambiguität. Eine präzise Unterscheidung ist der erste und wichtigste Schritt zur sicheren Flugplanung, da eine Verwechslung nicht nur logistische Probleme, sondern gravierende luftrechtliche Verstöße nach sich ziehen kann. Dieser Report, erstellt aus der Perspektive eines spezialisierten Fluggebietsanalysten, dekonstruiert den Mythos und liefert eine erschöpfende operative Anleitung.
Die Recherche identifiziert zwei primäre Lokalitäten, die unter diesem Namen in Pilotenkreisen kursieren, jedoch fundamental unterschiedliche Charakteristika aufweisen:
Das aktive Schleppgelände Birken in Geisenhausen (Bayern, Deutschland): Dies ist das primäre operative Fluggebiet für Winden- und Streckenflieger im süddeutschen Flachland. Es ist aktiv, strategisch anspruchsvoll und der Fokus dieses Reports.
Der historische Startplatz Birkenberg in Telfs (Tirol, Österreich): Ein alpiner Startplatz, der aufgrund veränderter Luftraumstrukturen (CTR Innsbruck) heute faktisch inaktiv oder stark reglementiert ist und den Status eines „Lost Place“ innehat.
Die folgende Analyse konzentriert sich zu 90 % auf das aktive Gelände in Geisenhausen, da hier der maximale Informationsbedarf für aktive Piloten besteht. Der Abschnitt zu Telfs dient primär der Warnung und historischen Einordnung, um versehentliche Luftraumverletzungen zu vermeiden.
Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungsfindung benötigen, bietet die folgende Matrix eine kondensierte Übersicht der operativen Parameter beider Standorte. Diese Tabelle dient als erster Filter, um festzustellen, ob das Fluggebiet dem eigenen Pilotenprofil entspricht.
Parameter Birken (Geisenhausen, DE) Birkenberg (Telfs, AT) Status Aktiv (Verwaltet durch DGC Albatros) [1] Geschlossen / Kritisch (CTR Innsbruck) [2, 3] Typus Flachland / Windenschlepp Alpin / Bergstart Haupt-Challenge Luftraumdeckel (CTR München) & Taktik Luftraumverbot & fehlender Landeplatz Beste Windrichtung Ost (O) für Höhenfreigabe / West (W) [1] (Ehemals Süd/Südost) Zielgruppe Windenfahrer, XC-Strategen, Flachland-Fans Historisch relevant, heute Wanderer Infrastruktur Winde (1.500m Schleppstrecke) [1] Keine (Naturstartplatz) Geheimtipp 6.500 ft Höhenfreigabe bei Ostwind [4] "Lost Place" Charme (nicht fliegerisch) Export to Sheets
Das Fluggebiet Birken in Geisenhausen ist ein „Hidden Champion“ für taktische Flieger. Während der offizielle DHV-Eintrag es nüchtern als Schleppgelände listet, offenbart die tiefergehende Analyse ein Gelände, das an „guten Tagen“ (spezifische Wind- und Freigabekonstellationen) als Sprungbrett für beachtliche Flachlandstrecken dienen kann. Die größte Hürde – und gleichzeitig der größte Lehrmeister – ist die CTR München. Wer hier fliegt, lernt präzises Luftraum-Management.
Das Verständnis der Topografie ist im Flachlandfliegen noch entscheidender als in den Alpen. Während Berge als offensichtliche Thermik-Kollektoren fungieren, muss der Flachlandpilot subtile Hinweise lesen.
Das Fluggelände Birken liegt im Herzen des niederbayerischen Hügellandes, genauer gesagt in der Gemeinde Geisenhausen, südöstlich von Landshut [1]. Geografisch befinden wir uns auf der Vils-Isar-Platte, einer Region, die durch sanfte Wellen, intensive landwirtschaftliche Nutzung und eingestreute Waldstücke geprägt ist. Die Höhe über dem Meeresspiegel beträgt am Startplatz ca. 300 m NN [1].
Für den Gleitschirmpiloten bedeutet diese Topografie eine radikale Umstellung der Suchstrategie: Es existieren keine orografischen Trigger im klassischen Sinne. Anders als in den Alpen gibt es hier keine dominanten Bergrippen oder Felswände, die Thermik zuverlässig abreißen lassen. Der Pilot muss lernen, den Boden anhand von Albedo-Unterschieden und Feuchtigkeitsgradienten zu lesen. Wechselnde Vegetation – etwa der Kontrast zwischen abgeernteten, trockenen Kornfeldern und kühlen, feuchten Waldrändern – sowie Siedlungsflächen sind die primären Thermikquellen.
Talwind-Systeme, wie sie in den Alpen die Flugplanung dominieren, sind hier vernachlässigbar. Der überregionale Gradientwind dominiert das Geschehen. Das macht die Flugplanung meteorologisch „ehrlicher“, da lokale Windsysteme selten die überregionale Prognose überlagern, aber auch weniger verzeihlich, da der Wind ungehindert über das offene Gelände streicht.
Obwohl Birken tief im Flachland liegt, profitiert es gelegentlich von Konvergenzlinien, die sich zwischen dem Bayerischen Wald im Nordosten und den Alpenvorläufern im Süden bilden können. Diese Linien sind oft unsichtbare Autobahnen für Streckenflieger.
Ein spezifisches Phänomen ist die Ostwind-Lage. Bei stabilen Hochdrucklagen mit einer östlichen Strömung (oft als "Bise" bezeichnet, auch wenn dieser Begriff eher schweizerischen Ursprungs ist), trocknet die Luftmasse oft ab. Dies sorgt für hohe Basishöhen, die theoretisch perfekt für weite Streckenflüge (XC) wären. Hier entsteht jedoch ein Konflikt zwischen Meteorologie und Luftrecht, der später im Kapitel zum Luftraummanagement detailliert erörtert wird.
Inversionen spielen im Vils-Tal eine signifikante Rolle. Besonders in den Herbst- und Wintermonaten neigt das Tal in den Morgenstunden zu zähen Bodeninversionen. Ein zu früher Starttermin beim Windenbetrieb führt oft nur zu „Abgleitern“, da die Thermik die Inversion noch nicht durchbrochen hat. Der „Magic Slot“, also das Zeitfenster nutzbarer Thermik, öffnet sich hier oft erst ab 11:30 Uhr oder 12:00 Uhr, deutlich später als an den besonnten Südseiten der Alpen. Dies erfordert Geduld und eine Anpassung des biologischen Rhythmus des Piloten.
Der offizielle DHV-Eintrag ist in seiner Nüchternheit kaum zu unterbieten, doch die operativen Details entscheiden über den Flugerfolg. Ein Windenplatz ist technisch oft anspruchsvoller zu beurteilen als ein einfacher Berghang.
Der Startplatz befindet sich exakt bei den Koordinaten N 48°28'57.00" E 12°12'46.00" [1]. Die Geländehöhe von 300 m NN klassifiziert es als reines Flachlandgelände. Dies hat Implikationen für die Luftdichte: Im Sommer ist die Luft hier dichter als auf einem 2000er Gipfel, was theoretisch den Auftrieb verbessert, aber durch die oft hohen Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit wieder kompensiert werden kann.
Die Startart ist ausschließlich der Windenschlepp. Zum Einsatz kommt eine stationäre Doppeltrommelwinde [1, 4]. Die Bedeutung der Doppeltrommel kann nicht hoch genug eingeschätzt werden: Sie ermöglicht eine signifikante Erhöhung der Taktfrequenz. Während ein Pilot geschleppt wird, kann das zweite Seil bereits ausgezogen oder vorbereitet werden, was Wartezeiten an guten Tagen minimiert.
Die Schleppstrecke beträgt zwischen 1.000 m und 1.500 m [1, 4]. Dies ist ein exzellenter Wert im europäischen Vergleich. Die Physik des Windenstarts diktiert, dass eine längere Schleppstrecke – bei sonst gleichen Bedingungen – zu einer höheren Ausklinkhöhe führt. Bei einer Strecke von 1,5 km sind Höhengewinne von 300 bis 450 Metern über Grund realistisch, abhängig von Gegenwindkomponente und Thermikeinfluss während des Schlepps [1].
Die Ausrichtung der Schleppstrecke ist Ost (O) / West (W) [1, 4]. Diese Orientierung ist strategisch wertvoll. In Bayern herrschen Westwindlagen vor, was den Weststart zum Standard macht. Ostwindlagen hingegen korrelieren oft mit stabilem Hochdruckwetter, was den Oststart zur Option für thermisch hochwertige Tage macht.
Ein massiver Vorteil gegenüber alpinen Gebieten, der oft unterschätzt wird, ist die Erreichbarkeit. Das Parken erfolgt direkt am Startplatz [1]. Es fallen keine Seilbahnkosten an, und der physische Stress eines Aufstiegs („Hike & Fly“) entfällt komplett, es sei denn, man betrachtet das Ausziehen des Windenseils als sportliche Betätigung.
Für die Anreise via GPS empfiehlt sich die Eingabe „Birken, 84144 Geisenhausen“. Der Platz liegt oft etwas versteckt auf landwirtschaftlichen Nutzwegen. Piloten sollten dringend auf Hinweisschilder des DGC Albatros Landshut achten, um Konflikte mit Landwirten durch falsches Parken oder Befahren von Feldern zu vermeiden [1, 4].
Die Infrastruktur am Platz ist rudimentär, aber funktional. Da es ein Wiesengelände ist, gibt es keine feste Bebauung wie Toiletten oder ein Café direkt am Start. Der Verein organisiert jedoch an Flugtagen oft mobile Infrastruktur, beispielsweise in Form eines Startwagens oder eines Pavillons, der als Basisstation dient.
Der DGC Albatros Landshut e.V. betreibt die Winde professionell. Mit 1.000 m bis 1.200 m Seil auf der Trommel sind bei guten Bedingungen (Gegenwind) Ausklinkhöhen von 300 m bis 4500 m GND (über Grund) theoretisch möglich [4]. Diese Werte werden jedoch oft durch den Luftraum limitiert.
Die Ausklinkhöhe variiert in der Praxis meist zwischen 300 und 400 Metern über Grund. Dies ist ein kritischer psychologischer Moment für den Piloten. Anders als am Berg, wo man oft noch eine „Suchphase“ im Hangaufwind hat, tickt nach dem Ausklinken im Flachland die Uhr. Findet der Pilot nicht innerhalb von 3 bis 4 Minuten Anschluss an einen thermischen Bart, endet der Flug wieder am Boden. Diese „Do-or-Die“-Situation schärft die Sinne und zwingt zu extrem präziser Flugtechnik.
Ein spezifischer Geheimtipp zur Startrichtung:
West-Start: Der Klassiker. Meist etwas turbulenter durch durchziehende Fronten oder thermische Ablösungen, die mit dem Westwind driften. Der Landeanflug erfolgt hier standardmäßig aus westlicher Richtung [1].
Ost-Start: Der „Königs-Start“. Warum? Ostwindlagen sind in Bayern oft stabiler, bieten klarere Sicht und – das ist der entscheidende Faktor – ermöglichen oft die Sonderfreigabe für den Luftraum, was die nutzbare Arbeitshöhe verdoppeln kann.
Das Thema Luftraum ist in Birken nicht nur ein Randaspekt der Flugvorbereitung, es ist die zentrale Existenzbedingung dieses Fluggeländes. Wer die Luftraumstruktur nicht versteht, wird in Birken nicht weit kommen – oder riskiert empfindliche Strafen.
Birken liegt im direkten Einzugsbereich des Flughafens München (EDDM), einem der verkehrsreichsten Drehkreuze Europas. Das Gelände befindet sich unterhalb oder in unmittelbarer Nähe der CTR (Kontrollzone) und der darüberliegenden Luftraum-Sektoren der Klasse C und D [4].
Der Standard-Deckel für Sichtflieger (VFR) ohne spezielle Freigabe liegt hier oft bei 3.500 ft (ca. 1.066 m MSL) oder 4.500 ft (ca. 1.370 m MSL) [4]. Wenn man bedenkt, dass die Geländehöhe bereits 300 m MSL beträgt und der Schleppvorgang weitere 300 bis 400 Höhenmeter addiert, befindet sich der Pilot beim Ausklinken oft schon auf 600 bis 700 m MSL.
Das mathematische Problem ist offensichtlich:
Start: 300 m
Ausklinken: ~700 m
Luftraumgrenze (Standard): ~1.066 m (3.500 ft)
Es bleiben dem Piloten im schlechtesten Fall nur etwa 350 Höhenmeter als legaler Arbeitsraum für die Thermiksuche und das Zentrieren. Sobald die Basis der Cumuluswolken höher liegt – was im Sommer oft der Fall ist –, muss der Pilot den Steigflug künstlich abbrechen, um nicht in den kontrollierten Luftraum einzudringen. Dies macht Streckenflüge extrem schwierig, da kaum Gleitdistanz aufgebaut werden kann, um thermikarme Zonen zu überbrücken.
Hier liegt der wahre Geheimtipp, den nur lokale Experten und Vereinsmitglieder aktiv nutzen und verstehen: Es existieren Sektorenvereinbarungen oder Freigabemöglichkeiten, die – in strikter Absprache mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) und dem Tower München – temporär aktiviert werden können.
Die 6.500 ft Option ist der Heilige Gral für Piloten in Birken. Bei Ostwind [4], wenn der Anflug auf den Flughafen München von Westen erfolgt und der Abflug nach Osten geht (oder je nach spezifischer Bahnkonfiguration, die den Sektor über Geisenhausen entlastet), kann eine Höhenfreigabe bis 6.500 ft (ca. 1.980 m MSL) erteilt werden.
Die operative Bedeutung dieser Freigabe ist gigantisch. Sie verdoppelt effektiv den vertikalen Arbeitsraum. Statt bei 1.000 m gegen eine unsichtbare Decke zu stoßen, können Piloten bis auf fast 2.000 m aufdrehen. Dies ist der Unterschied zwischen einem erweiterten Platzflug und einem 50-km-Dreieck. Mit 2.000 m Höhe lässt sich im Flachland eine Gleitstrecke von über 15 km realisieren, was das Erreichen der nächsten thermischen Auslöser drastisch erleichtert.
Ein weiterer Aspekt, den viele Wochenendpiloten übersehen, der aber für Urlauber oder Studenten relevant ist: Unter der Woche (Montag bis Freitag) können militärische Tiefflugkorridore aktiv sein.
In diesen Zeiten kann die Ausklinkhöhe auf 150 m GND beschränkt werden [4]. Ein Start mit 150 m Ausklinkhöhe ist für thermisches Fliegen nahezu wertlos, da die Wahrscheinlichkeit, in dieser geringen Höhe einen stabilen Bart zu finden, minimal ist. Es dient dann primär Schulungszwecken (Start/Landung). Der taktische Rat lautet daher unmissverständlich: Planen Sie ambitionierte Flüge in Birken primär an Wochenenden oder Feiertagen. Unter der Woche ist der Luftraumdruck durch Militär und zivilen Berufsverkehr oft zu hoch für entspanntes Fliegen.
Ist der "Luftraumdeckel" erst einmal gelüftet (oder zumindest taktisch ausgereizt), bietet Birken überraschendes Potential für Streckenflüge (Cross Country / XC). Die Taktik unterscheidet sich jedoch fundamental vom Gebirgsflug.
Wer aus den Alpen kommt, macht in Birken oft den klassischen Fehler: Er fliegt stur geradeaus und sucht den „Hausbart“ an einer vermeintlichen Kante. Der Fehler liegt in der Vernachlässigung der Winddrift. Im Flachland versetzt die Thermik stark mit dem Wind, da sie nicht durch Bergflanken geschützt oder kanalisiert wird. Die Lösung ist das Prinzip „Driften lassen“. Wenn Sie im Steigen sind, lassen Sie sich mit dem Wind treiben. Versuchen Sie nicht krampfhaft, über dem vermeintlichen Bodenauslöser zu bleiben, sonst fallen Sie hinten aus der geneigten Thermikblase heraus. Das Steigen muss oft proaktiv nach "hinten" (in Windrichtung) verlagert werden.
Bei der Trigger-Suche sollten Piloten nach Waldrändern Ausschau halten, die im Windschatten liegen und sich aufheizen, oder nach großen Industriedächern in der Umgebung von Geisenhausen. Dunkle Ackerböden sind im Frühjahr exzellent, während im Hochsommer oft die etwas feuchteren Wiesenränder besser funktionieren (weniger „Blue Thermals“, mehr Wolkenbildung).
Vom Startplatz Birken aus sind „kleinere Strecken“ möglich, wie Pilotenberichte bestätigen [4]. Was bedeutet das konkret im Kontext der lokalen Geografie?
Die Vils-Route: Eine bewährte Strategie ist es, dem Verlauf der Vils Richtung Nordost oder Südwest zu folgen. Flussläufe im Flachland sind oft thermisch aktiv, da die Uferböschungen unterschiedliche Einstrahlungswinkel bieten und der Temperaturkontrast zwischen Wasser und Land Luftmassenbewegungen initiiert.
Richtung Bayerischer Wald: Bei optimaler Westwindlage und hoher Wolkenbasis ist ein Flug Richtung Nordosten (Bayerischer Wald) denkbar. Dies ist jedoch navigatorisch anspruchsvoll, da man präzise um die Sektoren des Flughafens München herum und unter den Anflugkorridoren hindurch navigieren muss.
XC-Warnung: Ein unkontrolliertes Abdriften nach Süden bringt den Piloten schnell in noch restriktivere Sektoren des Flughafens München. Studieren Sie die ICAO-Karte VOR dem Start penibel! Ein Einflug in die aktive CTR ohne Freigabe ist nicht nur gefährlich, sondern eine Straftat, die das Fortbestehen des gesamten Fluggeländes gefährdet.
Ein Phänomen, von dem lokale Piloten oft schwärmen, ist der „Abend-Wunder-Bart“. Ähnlich der Restitution in den Bergen, gibt es auch im Flachland Momente am späten Nachmittag, wenn die umliegenden Wälder die tagsüber gespeicherte Hitze abgeben. Da der Boden (Wiesen/Äcker) bereits abkühlt, entsteht ein Temperaturgefälle, das sanftes, großflächiges Steigen ermöglicht. Das ist die Zeit für entspannte „Sundowner“-Flüge, bei denen man oft bis in den Sonnenuntergang hinein die Höhe halten kann.
Zur Flugvorbereitung nutzen Locals Webcams in Landshut oder Vilsbiburg. Der Blick auf den Horizont ist entscheidend: Wenn Landshut im Nebel liegt, ist Birken (auf ähnlichem Höhenniveau) oft ebenfalls betroffen. Die Nebelauflösung kann im Vilstal zäh sein, weshalb der Check der Webcams unnötige Anfahrten erspart.
Die Anfahrt erfolgt unkompliziert über das Straßennetz von Geisenhausen. Der Startplatz liegt in der Flur „Birken“. Die Parkplatzsituation ist, wie bereits erwähnt, luxuriös für Gleitschirmflieger: Man parkt direkt neben der Winde und dem Startplatz [1]. Es gibt jedoch einen Haken: An heißen Sommertagen heizt sich das Auto extrem auf. Da es direkt am Parkstreifen entlang der Felder kaum Schattenbäume gibt, sollten Piloten Sonnenschutz für das Armaturenbrett und idealerweise eine Abdeckung für die Ausrüstung im Auto mitbringen, falls diese dort gelagert wird. Hitze kann die Beschichtung von Gleitschirmen beschädigen.
Die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist eher schwierig. Zwar verfügt Geisenhausen über einen Bahnhof, der an das regionale Bahnnetz angebunden ist, doch der Fußmarsch zum Startplatz beträgt ca. 3 bis 4 Kilometer. Mit 20 kg Ausrüstung auf dem Rücken ist dies kein Vergnügen. Ein Shuttle-Service existiert nicht offiziell; hier ist Eigeninitiative oder die Organisation von Fahrgemeinschaften über Vereinsforen gefragt.
Das Gelände wird vom DGC Albatros Landshut e.V. betrieben [1]. Dieser Verein ist der Dreh- und Angelpunkt für alle Flugaktivitäten. Gastpiloten sind grundsätzlich willkommen, jedoch nur nach vorheriger Absprache. Es ist beim Windenbetrieb technisch und organisatorisch nicht möglich, einfach „auf gut Glück“ vorbeizukommen. Wenn kein Windenfahrer eingeteilt ist, findet kein Flugbetrieb statt. Der Kontakt sollte im Vorfeld über die Vereins-Website (albatros-landshut.de) oder das DHV-Forum gesucht werden. Oft gibt es WhatsApp-Gruppen oder interne Planungslisten, zu denen man als Gast Zugang erfragen kann.
Ein Highlight im Jahreskalender ist das „Birkenfest“ [5]. Dieses Event findet meist im Sommer (Juli) statt und ist legendär in der Region. Es ist die beste Gelegenheit für Neulinge, das Gelände in entspannter Atmosphäre kennenzulernen, da an diesen Tagen volle Infrastruktur (Zelt, Verpflegung, Sanitäranlagen) bereitgestellt wird und der Flugbetrieb durch den Verein garantiert ist. Berichte aus den Jahren 2012 bis 2023 zeugen von der Beständigkeit dieser Tradition.
Geisenhausen bietet solide bayerische Infrastruktur, die für Piloten völlig ausreichend ist. Nach dem Flug trifft man sich oft in den Gasthäusern in Geisenhausen oder Vilsbiburg. Es empfiehlt sich, die Locals nach dem aktuellen „Stammtisch“-Lokal zu fragen, da dies oft saisonal wechselt. Für Piloten, die von weiter her anreisen, bieten sich Gasthöfe in Landshut an. Die Stadt liegt nur ca. 15 Autominuten entfernt und bietet mit ihrer historischen Altstadt und der Burg Trausnitz auch ein attraktives Rahmenprogramm für nicht-fliegbare Stunden oder Begleitpersonen. Das wilde Campen am Startplatz ist offiziell meist nicht gestattet, da es sich um landwirtschaftlich genutzte Flächen handelt und Eigentümerrechte sowie Landschaftsschutz zu beachten sind.
Viele Piloten geben „Startplatz Birken“ in Suchmaschinen ein und landen gedanklich in Tirol. Dieser Fehler kann teuer werden. Daher ist dieser Abschnitt als Warnung zu verstehen.
Der Startplatz Birkenberg oberhalb von Telfs (ca. 1100 m) war früher ein Geheimtipp für lokale Piloten [2]. Die Situation hat sich jedoch drastisch gewandelt. Der Status des Geländes ist faktisch geschlossen für Gastpiloten und XC-Flüge. Der Grund liegt in der Luftraumstruktur. Der Landeplatz in Telfs und große Teile des Flugsektors liegen innerhalb der Kontrollzone (CTR) des Flughafens Innsbruck (LOWI) [3, 4].
Die Austro Control hat die Regeln für den Einflug in die CTR Innsbruck in den letzten Jahren massiv verschärft und überwacht diese streng. Ein Start hier ohne explizite, komplexe Freigaben führt den Piloten direkt in den kontrollierten Luftraum eines internationalen Verkehrsflughafens. Die Strafen für Luftraumverletzungen in Österreich sind drakonisch und können bis zum Lizenzentzug führen. Zudem berichten aktuelle Quellen, dass der Landeplatz aufgrund der CTR-Problematik "leider nicht mehr nutzbar" ist [3].
Alternative: Fahren Sie wenige Kilometer weiter nach Seefeld (Gschwandtkopf / Rosshütte) oder zur Hohen Munde (nur für Profis, anspruchsvoll) [6, 7]. Diese Gebiete sind etabliert, luftrechtlich besser handhabbar und bieten eine legale Infrastruktur. Der Birkenberg in Telfs ist heute primär ein Ziel für Wanderer, die die Aussicht genießen, aber den Gleitschirm im Sack lassen sollten.
Sicherheit im Windenbetrieb unterscheidet sich von der am Berg. Hier sind die spezifischen Sicherheitsrichtlinien für Birken.
Airspace is King: Kein Start ohne aktuelle ICAO-Karte und Wissen über den tagesaktuellen QNH (Luftdruck). Da die Höhengrenzen in Fuß (ft) definiert sind, der Höhenmesser aber oft metrisch eingestellt ist, müssen Piloten die Umrechnung (z.B. 3.500 ft = ca. 1.050 m) verinnerlicht haben. Wer die Höhenbeschränkung verletzt, riskiert die sofortige Schließung des Geländes für alle Vereinsmitglieder.
Seilriss-Training: Beim Windenstart ist ein Seilriss in geringer Höhe (50-100 m) die größte Gefahr. Piloten müssen mental darauf vorbereitet sein, sofort nachzudrücken, um Fahrt aufzunehmen, und sicher geradeaus zu landen. Kurven in Bodennähe nach einem Seilriss sind eine häufige Unfallursache.
Lee-Fallen: Bei starkem Ostwind kann der Wald westlich des Startplatzes (je nach genauer Position der Schneise und Windstärke) für Turbulenzen im Endanflug sorgen. Fragen Sie den Startleiter vor dem ersten Flug explizit nach der aktuellen „Lee-Situation“ und den empfohlenen Landevolten.
Landeeinteilung: Da der Landeanflug aus westlicher Richtung erfolgt [1], muss die Positionierung frühzeitig geplant werden. Vermeiden Sie es, sich zu weit nach Osten abtreiben zu lassen, wenn Sie tief sind, da Sie sonst gegen den (bei Westwind) vorherrschenden Wind zurück zum Landeplatz gleiten müssen.
Notruf: 112 (Euro-Notruf).
Standortangabe: Geben Sie als Standort präzise „Geisenhausen, Flur Birken, Gleitschirm-Schleppstrecke“ an. Da das Gelände abseits befestigter Straßen liegt, ist eine genaue Einweisung der Rettungskräfte oft notwendig.
Verein: Speichern Sie die Nummer des Windenfahrers oder Startleiters vor dem Start in Ihr Handy. Im Falle einer Außenlandung oder eines Baumlandungen ist der Verein der erste Ansprechpartner zur Bergung, bevor externe Rettungskräfte alarmiert werden (sofern keine Verletzung vorliegt).
Das Fluggelände Birken in Geisenhausen ist kein Selbstläufer. Es ist ein Fluggebiet für den denkenden Piloten. Es belohnt jene, die Wetterkarten lesen, Lufträume respektieren und die Geduld für den Windenbetrieb mitbringen. Es ist kein Ort für "schnelle Abgleiter" oder Höhenrekorde um jeden Preis.
Wer jedoch den „Code von Birken“ knackt – die Kombination aus Ostwind, 6.500-ft-Freigabe und der Geduld beim Zentrieren schwacher Flachlandthermik – wird mit Flügen belohnt, die an Eleganz kaum zu übertreffen sind: Lautlos über der bayerischen Kulturlandschaft zu kreisen, während am Horizont die Alpenkette leuchtet, ist ein Erlebnis, das den überfüllten alpinen „Rummelplätzen“ in nichts nachsteht.
Empfehlung: Besuchen Sie das Gelände an einem Wochenende mit leichter Ostwind-Prognose, melden Sie sich beim DGC Albatros an und bringen Sie Zeit mit. Es lohnt sich.