
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Handbuch für Piloten: Der Finkenberg und das Fluggebiet Rossbach/Wied – Eine umfassende Analyse
Das Gleitschirmfliegen in den deutschen Mittelgebirgen stellt Piloten oft vor spezifische Herausforderungen, die sich fundamental von den Bedingungen in den Alpen unterscheiden. Während alpine Startplätze oft oberhalb der Baumgrenze liegen und durch großräumige Talwindsysteme geprägt sind, verlangen die Startplätze in der Eifel, dem Sauerland und dem Westerwald eine hohe Präzision im Umgang mit begrenzten Räumen, komplexen Mikroklimata und einer dichten Vegetation. Ein Paradebeispiel für diese anspruchsvolle, aber zugleich landschaftlich reizvolle Art der Fliegerei ist der Finkenberg bei Rossbach an der Wied.
Dieses Dokument dient als umfassender, operativer Leitfaden für Piloten, die beabsichtigen, das Fluggebiet Finkenberg Süd zu befliegen. Es ersetzt nicht die gesetzlich vorgeschriebene Einweisung oder die persönliche Beurteilung der Wetterlage vor Ort, sondern bietet eine tiefgehende Analyse der topografischen, meteorologischen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Basierend auf einer Vielzahl von Datenpunkten, Vereinsinformationen des DGC Siebengebirge e.V. und meteorologischen Analysen, zielt dieser Bericht darauf ab, das Sicherheitsbewusstsein zu schärfen und das fliegerische Potenzial dieses Ortes maximal auszuschöpfen.
Der Finkenberg ist nicht nur ein Startplatz; er ist ein "Charakterberg". An guten Tagen bietet er stundenlanges, laminares Soaring im thermodynamischen Aufwindband über der Wiedschleife und erlaubt den Einstieg in die thermische Struktur des Westerwaldes. An schwierigen Tagen jedoch, insbesondere bei falscher Windeinschätzung oder thermischer Turbulenz in der berühmten Waldschneise, zeigt das Gelände seine Zähne. Die hier präsentierten Insider-Informationen sollen helfen, den schmalen Grat zwischen einem Traumflug und einer brenzligen Situation sicher zu navigieren.
Der Finkenberg erhebt sich als markante Erhebung im Naturpark Rhein-Westerwald. Geografisch liegt der Startplatz bei den Koordinaten N 50°35'12.45", E 7°24'34.68". Die Ausrichtung des Hanges ist prädominant Süd (S) bis Südwest (SW). Diese Ausrichtung ist entscheidend für die fliegerische Nutzbarkeit, da sie optimal zur Sonneneinstrahlung steht und somit thermische Aktivität begünstigt, während sie gleichzeitig frontal von den vorherrschenden Südwestwinden angeströmt wird.
Der Höhenunterschied zwischen dem Startplatz (ca. 268 m NN) und dem Landeplatz am Ufer der Wied (ca. 120 m NN) beträgt etwa 150 Meter. Zwar mag diese Höhendifferenz im Vergleich zu alpinen Destinationen gering erscheinen, doch die Steilheit des Geländes und die direkte Exponierung zum Talwindsystem kompensieren die absolute Höhe durch effiziente Aufwindnutzung. Das Wiedtal selbst mäandriert in diesem Bereich stark, was zu einer komplexen Windströmung führt, die nicht immer mit dem überregionalen Windfeld identisch ist.
Das definierende Merkmal des Finkenbergs ist der "Schneisenstart". Der Startplatz befindet sich nicht auf einer freien Kuppe oder einem breiten Wiesenhang, sondern in einer künstlich freigehaltenen Gasse im dichten Mischwald. Diese topografische Besonderheit erzeugt signifikante aerodynamische Effekte, die jeder Pilot verstehen muss.
Erstens wirkt die Schneise wie eine Düse (Venturi-Effekt). Wenn der Wind frontal auf den Hang trifft, wird die Luftmasse in die Schneise hineingepresst und beschleunigt. Dies führt dazu, dass die Windgeschwindigkeit im Startbereich oft höher ist als im freien Luftraum darüber oder seitlich im Wald. Für den Piloten bedeutet dies, dass der Schirm beim Aufziehen sehr dynamisch steigen kann, sobald er in den beschleunigten Luftstrom gerät.
Zweitens existiert eine kritische Scherungsschicht an der Oberkante der Baumwipfel. Sobald der Pilot abhebt und die schützende (aber beschleunigende) Rinne der Schneise verlässt, trifft er auf den ungestörten Windgradienten. Dies kann, je nach thermischer Aktivität, zu abrupten Änderungen des Anstellwinkels und der Kappenstabilität führen. Berichte warnen explizit vor "heftigen Ablösungen", die im Sommer in der Schneise kanalisiert werden. Die aufgeheizte Luft staut sich in der windgeschützten Schneise, bis sie als pulsierende Blase abreißt – oft verstärkt durch den Düseneffekt.
Drittens ist die seitliche Begrenzung durch hohe Bäume mental und technisch fordernd. Ein Startabbruch muss frühzeitig erfolgen, da ein Ausweichen nach links oder rechts unmöglich ist. Wer hier startet, muss sicher sein. Die Fehlertoleranz ist durch die Vegetation minimal, was sich auch in Unfallberichten niederschlägt, bei denen Piloten in den angrenzenden Bäumen hängen blieben und durch Höhenrettungsgruppen geborgen werden mussten.
Westlich des Startplatzes öffnet sich das Tal Richtung Rahms, was bei leichtem Westeinschlag noch tragende Linien bieten kann. Östlich jedoch, in Flugrichtung links, befindet sich die Weißenfelser Ley, eine steile Felsformation. Diese Felswand ist topografisch signifikant, da sie bei Sonneneinstrahlung als effizienter Hitzekollektor fungiert und zuverlässige Thermikquellen generieren kann. Allerdings ist dieser Bereich aus Naturschutzgründen (siehe Abschnitt 8) weitgehend tabu. Die Topografie hier sorgt zudem dafür, dass bei östlichen Winden (Südost bis Ost) massive Leewirbel entstehen, die genau in die Startschneise driften.
Die Meteorologie am Finkenberg ist geprägt durch das Wechselspiel von überregionalem Wind und lokalen Talwindsystemen. Das Verständnis dieser Dynamik ist der Schlüssel zur Sicherheit.
Das ideale Windfenster für den Finkenberg ist eng definiert. Ausschließlich Windrichtungen aus Süd (180°) bis Süd-Südwest (ca. 200°-210°) ermöglichen einen sicheren und genussvollen Flugbetrieb. In diesem Sektor strömt die Luft laminar das Tal hinauf und trifft frontal auf die Startschneise, was einen gleichmäßigen dynamischen Aufwind (Soaring) erzeugt.
Bei einer Windgeschwindigkeit von mindestens 15 km/h entsteht ein tragfähiges Polster, das Piloten erlaubt, direkt nach dem Start Höhe zu gewinnen ("überhöhen") und im Hangaufwindband zu verweilen. Ist der Wind schwächer, wird der Flug oft zu einem verlängerten Abgleiter zum Landeplatz. Ist er stärker, greift der Düseneffekt der Schneise (siehe 2.2) massiv, und das Rückwärtsaufziehen wird zur physischen Herausforderung.
Eine der eindringlichsten Warnungen für dieses Fluggebiet betrifft Wind aus Südost (SO). Obwohl die Ausrichtung des Startplatzes (Süd) auf den ersten Blick auch Südostwind tolerieren könnte, ist dies ein gefährlicher Trugschluss.
Östlich des Startplatzes verläuft der Geländerücken weiter und bildet Hindernisse (u.a. das Roßbacher Häubchen und die Weißenfelser Ley), die bei südöstlicher Anströmung im Luv liegen. Der Wind strömt über diese Hindernisse und fällt dahinter verwirbelt ab. Die Startschneise liegt bei SO-Wind exakt im Lee dieser Hindernisse.
Das tückische an dieser Situation ist, dass der Wind am Boden in der Schneise oft "passend" aus Süd zu kommen scheint. Dies ist jedoch oft nur die Rückströmung eines Rotors, der sich vor dem Hang bildet. Startet ein Pilot in diese vermeintlich guten Bedingungen, steigt er zunächst auf, nur um in einer Höhe von ca. 10 bis 20 Metern – oder wie Berichte spezifizieren, ca. 80 Meter vor dem Startplatz – in die turbulente Scherungsschicht des Rotors zu geraten. Massive Klapper, Strömungsabrisse und unkontrollierbares Sinken sind die Folge. Die Regel ist daher eisern: Bei Südost-Einschlag herrscht absolutes Startverbot.
Die Qualität und Art der Thermik am Finkenberg variiert stark mit den Jahreszeiten:
Frühjahr (März-Mai): Dies ist oft die beste Zeit für thermische Flüge. Das Mischwaldgebiet und die Felsstrukturen heizen sich unter der noch kräftigen Frühlingssonne schnell auf, während die Luftmasse noch kalt ist. Dies führt zu hohen Temperaturgradienten (Lapse Rate) und knackiger, aber gut definierter Thermik.
Sommer (Juni-August): Im Hochsommer wird die Thermik oft "bockig". Die Kanalisierung in der Schneise führt dazu, dass Ablösungen extrem impulsiv sein können. Zudem sorgt die volle Belaubung des Waldes für eine diffusere Wärmeabgabe. In den Mittagsstunden ist der Start für weniger routinierte Piloten oft nicht ratsam ("zu heftig" ).
Herbst (September-Oktober): Ähnlich wie das Frühjahr bietet der Herbst oft ruhigere, "magische" Luftmassen. Das "Golden Hour" Soaring über den bunten Wäldern des Wiedtals ist ein Highlight der Saison.
Ein Phänomen, das oft unterschätzt wird, ist der lokale Talwind im Wiedtal. Das Tal wirkt wie ein Kanal. Bei überregionalem Südwestwind kann der Wind im Tal beschleunigt werden. Eine besondere Situation entsteht bei "echtem" Südwind: Hier können Luftmassen, die dem Flusslauf folgen, mit Luftmassen, die über die Hänge strömen, kollidieren. Dies führt zu einer Konvergenz über dem Landeplatz. Für den Piloten im Landeanflug bedeutet dies, dass er plötzlich in Bereiche mit null Vorwärtsfahrt oder unerwartetem Steigen/Sinken geraten kann. Die Beobachtung der Windanzeiger (Windsäcke und Flatterbänder) am Landeplatz ist daher vor jedem Anflug obligatorisch. Wechselnde Windrichtungen ("umlaufender Wind" ) sind an thermischen Tagen die Norm, nicht die Ausnahme.
Der Start am Finkenberg gilt als die größte technische Hürde des Fluggebiets. Die Klassifizierung als "mittel" bis "schwierig" in diversen Datenbanken ist gerechtfertigt.
Aufgrund des begrenzten Platzes in der Schneise (oft nur Platz für einen ausgelegten Schirm) ist eine effiziente Startvorbereitung essentiell. Piloten sollten ihr Gurtzeug und die Leinen bereits am Rand der Schneise oder im Vorbereitungsbereich checken, um die Startfläche nicht unnötig zu blockieren.
Ein entscheidender Schritt vor dem Auslegen ist der Wind-Check auf den Wiesen bei Rahms. Da die Schneise durch ihren Düseneffekt die wahren Windverhältnisse maskieren oder verzerren kann, empfehlen lokale Piloten ("Insider"), vor dem Abstieg zum Startplatz auf den freien Wiesen oberhalb (bei Rahms) die überregionale Windströmung zu prüfen. Spürt man dort oben bereits böigen Wind aus Ost oder sehr starken Westwind, ist der Abstieg in die Schneise meist sinnlos und spart den mühsamen Rückweg.
Der Vorwärtsstart wird am Finkenberg von erfahrenen Piloten und dem Verein kritisch gesehen und ist oft sicherheitstechnisch nicht vertretbar. Die Gründe liegen in der Physik der Schneise:
Visuelle Kontrolle: Beim Rückwärtsaufziehen kann der Pilot die Kappe kontrollieren, während sie die turbulente Zone der Baumwipfel durchquert. Asymmetrien oder Einklapper ("Klapper") können korrigiert werden, bevor der Pilot sich ausdreht.
Impulskontrolle: Da der Wind in der Schneise beschleunigt ist, neigen Schirme zum "Schießen". Im Rückwärtszug kann der Pilot den Schirm besser durch Körpergewicht und Bremseinsatz am Überschießen hindern.
Ein "sauberer Starttechnik" wird in den Geländebeschreibungen explizit gefordert. Piloten müssen in der Lage sein, den Schirm auch bei bockigen Bedingungen am Boden zu halten und präzise in die Strömung zu stellen.
Nach dem Abheben ist aktives Fliegen gefordert. Der Übergang von der "Schneisenluft" in die freie Anströmung erfolgt oft abrupt.
Taktik: Den Schirm nicht zu stark anbremsen ("laufen lassen"), um beim Austritt aus der Düse und dem eventuellen Eintritt in sinkende Luftmassen keinen Strömungsabriss zu riskieren.
Gefahr: Ein zu passives Verhalten in dieser Phase führt oft zu "Durchsackern", die aufgrund der Baumkulisse unterhalb des Startplatzes unweigerlich in einer Baumlandung enden.
Hat man den Start gemeistert, bietet der Finkenberg ein taktisch anspruchsvolles Spielfeld.
Das Soaringband erstreckt sich primär vor dem Startplatz und westlich davon.
Der Hausbart: Oft löst sich die Thermik direkt an der Kante der Schneise oder etwas westlich davon ab. Die Schneise selbst wirkt dabei als Kamin, der Warmluft aus dem unteren Waldbereich nach oben leitet.
West-Sektor: Bei südwestlichem Wind kann man oft Richtung Rahms (westlich) versetzen. Hier zieht sich der Hang weiter, und kleine Rippen und Nasen im Gelände dienen als Abrisskanten.
Ost-Sektor: Der Flug nach Osten ist durch die Schutzgebiete (siehe Abschnitt 8) und die Topografie begrenzt. Hier fällt das Gelände ab bzw. geht in die Felswände der Weißenfelser Ley über, die zwar thermisch aktiv, aber flugtechnisch heikel sind (Naturschutz!).
Für Streckenjäger (XC-Piloten) ist der Finkenberg ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet er thermischen Anschluss an den Westerwald, andererseits liegt er unter einem massiven Luftraumdeckel.
Das Fluggebiet befindet sich im Einzugsbereich des Verkehrsflughafens Köln-Bonn (EDDK).
Höhenbeschränkung: Maximal 4500 ft MSL (ca. 1370 m).
Luftraumstruktur: Oberhalb dieser Höhe beginnt der kontrollierte Luftraum (Luftraum C/D), in dem VFR-Flüge ohne Freigabe (die praktisch nie erteilt wird) verboten sind.
Operative Konsequenz: Startplatzhöhe ist ca. 268 m. Das nutzbare Höhenfenster beträgt also rund 1100 Meter. An thermisch starken Tagen, an denen die Basis im Westerwald oft auf 2000 Meter oder höher steigt, ist dies frustrierend. Piloten müssen hier oft aus der Thermik aussteigen ("Ohren anlegen"), um eine Luftraumverletzung zu vermeiden. Eine Verletzung ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mittels Radarverfolgung geahndet wird.
Streckenflüge führen daher meist als "Flachland-Rennstrecken" unter dem Deckel hindurch oder versuchen, Richtung Süden/Südosten in Bereiche mit höheren Luftraumuntergrenzen zu entweichen. Typische kleine XC-Routen führen im Zick-Zack durch das Wiedtal oder nutzen Talsprünge zu benachbarten Höhenzügen.
Die Landung in Rossbach erfordert ebenso viel Aufmerksamkeit wie der Start. Es gibt primär einen offiziellen Landeplatz, da der Status alternativer Wiesen (wie "Spreitchen") unklar oder gesperrt ist.
Der Landeplatz ist eine große Wiese direkt am Ufer der Wied, gelegen gegenüber dem Hotel Strand-Cafe und angrenzend an den Campingplatz Wiedschleife.
Höhe: ca. 120 m NN.
Sichtbarkeit: Vom Startplatz aus ist die Wiese gut einsehbar ("vom Startplatz aus sichtbar" ), was die Einteilung der Landevolte erleichtert.
Trotz der Einstufung als "leicht" in einigen Datenbanken , lauern spezifische Gefahren:
Stromleitung: Bei einem Anflug aus westlicher Richtung (oft notwendig bei entsprechender Windkomponente) muss zwingend auf eine parallel zum Hang/Fluss verlaufende Stromleitung geachtet werden. Diese Kabel sind vor dem dunklen Hintergrund des Waldes oder der Wasseroberfläche oft extrem schwer visuell zu erfassen ("Geisterleitungen"). Es gilt der Grundsatz: "Erst das Hindernis identifizieren, dann den Endanflug setzen."
Wasserlandung: Die Wiese grenzt direkt an die Wied. Zwar ist der Fluss hier nicht reißend, aber eine Wasserlandung birgt immer das Risiko des Ertrinkens (Verheddern in Leinen) und massiver Materialschäden. Schwimmwesten sind keine Pflicht, aber das Bewusstsein für die Wassergefahr muss präsent sein.
Turbulenz: Wie in Abschnitt 3.4 erwähnt, sorgt der Talwind oft für Turbulenzen oder umlaufende Winde am Boden. Ein starrer Blick auf den Landepunkt reicht nicht; der Pilot muss den Windsack permanent scannen und bereit sein, die Landevolte (Links- oder Rechtsvolte) dynamisch anzupassen.
Eine Toplandung (Landung oben am Startplatz) ist theoretisch möglich, aber extrem anspruchsvoll und restriktiv gehandhabt.
Voraussetzung: Mindestens 150 Meter Startüberhöhung sind notwendig, um sicher hinter den Leewirbeln der Hangkante (Rotoren der Bäume) in den laminaren Bereich zu gelangen.
Ziel: Man lässt sich mit dem Wind weit nach hinten auf die Wiesen von Rahms versetzen (Richtung Fußballplatz).
Restriktion: Es muss zwingend auf Weidetiere geachtet werden. Insbesondere die Pferdekoppel nahe dem Schießstand-Parkplatz darf nicht niedrig überflogen werden, um Panik bei den Tieren zu vermeiden.
In älteren Flugführern wird oft der Landeplatz "Spreitchen" (am südlichen Ortsausgang) erwähnt. Neuere Datenquellen deuten jedoch darauf hin, dass dieses Gelände nicht mehr offiziell beflogen werden kann ("Gelände kann nicht mehr beflogen werden" ). Piloten sollten diesen Platz ignorieren und sich ausschließlich auf den Hauptlandeplatz am Camping konzentrieren, es sei denn, eine explizite Freigabe durch den Verein vor Ort liegt vor.
Das Fluggebiet existiert in einem sensiblen ökologischen und luftrechtlichen Umfeld. Die Einhaltung dieser Regeln sichert den Fortbestand des Geländes.
Ein zentraler Aspekt der Geländeordnung ist der Schutz des Uhus (Bubo bubo).
Die Zone: Die Weißenfelser Ley, ein steiler Felshang ca. 1 km westlich von Rahms, ist ein brutsensibles Habitat.
Die Regel: Dieser Bereich muss großräumig umflogen werden. Es besteht ein faktisches Überflugverbot. Gleitschirme werden von Greifvögeln oft als Bedrohung wahrgenommen, was zur Aufgabe der Brut führen kann.
Roßbacher Häubchen: Auch das östlich gelegene Roßbacher Häubchen ist tabu.
In der Nähe des Startplatzes (Rahms) befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz der Firma Wirtgen Invest Holding GmbH.
Regeln:
Der Helikoptersektor darf nicht durchflogen werden.
Bei Flugbewegungen eines Helikopters ist sofort ein Sicherheitsabstand von mindestens 200 Metern herzustellen (Fluchtrichtung Roßbach).
Abflüge nach Norden bei Startüberhöhung sind nur gestattet, wenn der Luftraum frei ist.
Der Finkenberg ist ein Vereinsgelände des DGC Siebengebirge e.V. Gastpiloten sind willkommen, unterliegen aber klaren Auflagen:
Einweisungspflicht: Jeder Gastpilot muss vor dem ersten Start eine Einweisung durch ein Vereinsmitglied erhalten. Dies ist aufgrund der beschriebenen Gefahren (Schneise, Rotor, Leitungen) zwingend.
Tagesgebühr: Es wird üblicherweise eine Tagesgebühr erhoben (Richtwert ca. 5 €, genauen Betrag vor Ort erfragen ).
Scheinpflicht: B-Schein empfohlen; A-Schein mit ausreichender Erfahrung im Rückwärtsstart ist zulässig.
Es gibt keinen Shuttle-Service. Die Logistik erfolgt privat.
Startplatz: Anfahrt über die A3 (Ausfahrt Neustadt/Wied) Richtung Rahms.
Parken: An der Schützenhalle Rahms oder am Ortsrand.
Verbot: Das Parken im Wald oder auf Wirtschaftswegen ist streng untersagt, um Konflikte mit der Forstwirtschaft zu vermeiden.
Fußweg: Vom Parkplatz sind es ca. 500 Meter (ca. 10 Min.) flacher Fußweg durch den Wald bis zur Schneise.
Landeplatz: Im Ort Roßbach, Parkmöglichkeiten in der Nähe des Hotels Strand-Cafe oder ausgewiesene Parkplätze nutzen. Rücksicht auf Anwohner nehmen!
Eine beliebte Option ist der Aufstieg zu Fuß ("Hike & Fly").
Route: Vom Landeplatz (Camping) über den Ort Roßbach, Richtung "Nescher Mühle". Hinter dem letzten Haus führt ein Hohlweg den Kamm östlich des Startplatzes hinauf.
Dauer: Ca. 35-45 Minuten.
Anspruch: Mittelsteil, festes Schuhwerk erforderlich.
Der soziale Ankerpunkt der Fliegerszene ist das Hotel Strand-Cafe direkt an der Wied. Hier trifft man sich zum "Landebier", tauscht Erfahrungen aus und beobachtet von der Terrasse aus die noch fliegenden Kollegen. Es ist der ideale Ort, um Kontakte zu den "Locals" zu knüpfen und aktuelle Infos (z.B. zu Weidezäunen oder kurzfristigen Sperrungen) zu erhalten.
Die Unfallstatistik am Finkenberg zeigt wiederkehrende Muster, die vermeidbar sind.
Baumlandungen: Oft Resultat eines missglückten Starts (Durchsacken nach der Schneise) oder eines "Absaufens" am Hang ohne rechtzeitigen Abflug zum Landeplatz. Da der Hang komplett bewaldet ist, gibt es keine Notlandemöglichkeiten am Hang.
Klapper in Bodennähe: Verursacht durch Starts bei Südost-Wind (Rotor).
Baumrettungsset: Eine Bandschlinge, ein Karabiner und eine Signalpfeife gehören am Finkenberg zwingend ins Gurtzeug. Die Selbstsicherung im Baum bis zum Eintreffen der Rettungskräfte kann lebensrettend sein.
Funk: Ein Funkgerät (LPD/PMR) zur Kommunikation mit Fliegerkameraden am Boden oder in der Luft ist dringend empfohlen.
Sollte es zu einer Baumlandung kommen:
Ruhe bewahren. Nicht hektisch bewegen.
Nicht abschnallen! Das Gurtzeug ist oft die einzige Sicherung gegen einen Absturz aus großer Höhe (siehe Bericht über 17m hohe Baumrettung ).
Hilfe rufen: Über Funk oder Handy (Notruf 112). Die lokalen Feuerwehren (Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach) verfügen über Erfahrung in der Höhenrettung, sollten aber nur bei Gefahr im Verzug alarmiert werden. Vereinsinterne Bergungshilfe ist oft der erste Schritt, wenn keine Verletzung vorliegt.
Der Finkenberg bei Rossbach ist kein triviales Fluggelände. Er verlangt dem Piloten Respekt, technisches Können (besonders beim Start) und meteorologisches Verständnis ab. Er ist kein Ort für den ersten Alleinflug nach der Schulung ohne Betreuung.
Doch für den Piloten, der sich auf die Eigenheiten des "Schneisenstarts" einlässt, die Windfenster diszipliniert beachtet und die Naturschutzzonen respektiert, bietet der Finkenberg einzigartige Flugerlebnisse: Das Gleiten über die gewundene Wied, das Kreisen in der Frühjahrsthermik über den Eichenwäldern und das gesellige Miteinander im Strand-Cafe machen diesen Spot zu einer Perle im Westerwald.
Die goldene Regel für Rossbach lautet: Hören Sie auf die Locals des DGC Siebengebirge. Wenn die Einheimischen am Boden bleiben oder ihre Packsäcke zulassen, haben sie dafür meist einen sehr guten Grund – sei es der unsichtbare Rotor aus Südost oder die herannahende Konvergenz im Tal.
Anhang: Pilotenschnell-Checkliste Finkenberg Parameter Kriterium Aktion / Info Windrichtung Süd (180°) bis SW (210°) Ideal. Windrisiko Südost (SO) STARTVERBOT (Rotor!) Windstärke > 25 km/h in der Schneise Start kritisch bis unmöglich (Düseneffekt). Luftraum 4500 ft MSL Vario-Alarm auf 1350m stellen. Starttechnik Rückwärtsaufziehen Zwingend erforderlich. Gefahren Stromleitung (Westen) Beim Landeanflug scannen. Naturschutz Weißenfelser Ley Großräumig umfliegen (Uhu). Gastflug Einweisung nötig? JA, zwingend durch Vereinsmitglied. Export to Sheets