
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
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Titel: Das Ith-Kompendium: Dielmissen – Eine tiefgehende Analyse für Gleitschirm- und Drachenpiloten Executive Summary
Das Fluggebiet Dielmissen am Ith im Weserbergland repräsentiert eine der faszinierendsten, aber auch anspruchsvollsten fliegerischen Herausforderungen im norddeutschen Raum. Es ist weit mehr als nur ein lokaler Übungshang; es ist das strategische Tor zum Streckenflug in Richtung Harz und bietet an guten Tagen Soaring-Bedingungen, die denen an Küstenkanten in nichts nachstehen, jedoch mit der thermischen Komplexität eines Mittelgebirges gepaart sind. Für den eiligen Piloten, der eine schnelle Entscheidungsgrundlage sucht, lassen sich die Kerndaten wie folgt zusammenfassen: Dielmissen ist primär ein Hangstartgelände (trotz der irreführenden Datenbankbezeichnung "Schleppgelände" in manchen Verzeichnissen), das eine Windkomponente aus WSW (West-Südwest) zwingend erfordert. Die ideale Windgeschwindigkeit liegt für Gleitschirme zwischen 10 und 20 km/h.
Die Eignung des Geländes ist stark pilotenabhängig. Während es als "einfach" eingestuft werden kann, wenn die Bedingungen laminar sind, verwandelt sich der Ith bei südlichem Windeinschlag oder thermischer Zerrissenheit in ein komplexes System aus Lee-Fallen und Düsen-Effekten. Der Zugang erfolgt ausschließlich zu Fuß ("Walk & Fly"), was eine gewisse physische Grundfitness voraussetzt. Logistisch besticht das Gelände durch eine klare Trennung von Parken im Tal und Fliegen am Berg, wobei Verstöße gegen die Auffahrtsverbote rigoros geahndet werden. Die Luftraumstruktur unterliegt den komplexen Regelungen des Großraums Hannover (EDDV), was eine penible Flugvorbereitung hinsichtlich TMZ-, HX- und Sektoren-Status erfordert. Wer diese Hürden meistert, wird mit einem der landschaftlich reizvollsten und thermisch ergiebigsten Fluggebiete Niedersachsens belohnt.
Der Ith ist ein markanter Höhenzug im Weserbergland, der sich über rund 22 Kilometer in nordwestlich-südöstlicher Richtung erstreckt (Herzog-Erich-Weg). Diese spezifische geologische Ausrichtung ist der Schlüsselfaktor für die fliegerische Relevanz von Dielmissen. Da in Mitteleuropa die vorherrschenden Wetterlagen meist westliche Strömungen mit sich bringen, wirkt der Ith wie eine gigantische Barriere, die die Luftmassen zum Aufsteigen zwingt. Dielmissen liegt an der Westflanke dieses Höhenzuges und profitiert somit direkt von der Anströmung durch atlantische Tiefausläufer.
Im Gegensatz zu isolierten Vulkankegeln oder sanften Hügeln weist der Ith eine ausgeprägte Kammstruktur auf ("Ridge"). Für den Piloten bedeutet dies, dass der Aufwind nicht punktuell, sondern flächig über Kilometer hinweg zur Verfügung steht. Dies ermöglicht das sogenannte "Ridge Soaring", bei dem Piloten oft stundenlang im dynamischen Aufwindband verweilen können, ohne zwingend auf Thermik angewiesen zu sein. Die Hangkante bei Dielmissen ist steil genug, um den Windvektor signifikant nach oben abzulenken, und gleichzeitig bewaldet, was eine thermische Aktivität ("Thermikablösung") begünstigt, sobald die Sonneneinstrahlung den Wald erwärmt.
Die Höhe des Kamms variiert, liegt aber im Bereich Dielmissen signifikant über dem Niveau der Leine-Senke. Der Startplatz selbst befindet sich auf 285 Metern über Normalnull (MSL). Dies mag im Vergleich zu alpinen Startplätzen niedrig erscheinen, doch ist die relative Höhendifferenz zum Tal entscheidend. Mit einer Höhendifferenz von ca. 115 bis 150 Metern zum Landeplatz ist das Arbeitsfenster für den Piloten schmal. Es gibt wenig Raum für Fehler; wer nach dem Start nicht unmittelbar Steigen findet, befindet sich fast augenblicklich im Landeanflug. Diese topographische Gegebenheit erzieht zu einer disziplinierten Flugweise und einer genauen Beobachtung der Windzyklen vor dem Start.
Für die präzise Anreise und Flugplanung sind exakte Koordinaten unerlässlich, insbesondere da der Startplatz mitten im Wald liegt und nicht "auf Sicht" angefahren werden kann.
Wegpunkt Koordinaten (Dezimal) Koordinaten (DMS) Höhe (MSL) Beschreibung Startplatz 51.97565, 9.61548
N 51°58'32.36" E 9°36'55.74"
285 m Waldschneise, Rampe vorhanden Landeplatz 51.97600, 9.61565
N 51°58'33.60" E 9°36'56.36"
ca. 170 m Wiese am Hangfuß, Dielmissen Parkplatz 51.97250, 9.60800 (Variabel im Ort) ca. 140 m Öffentliche Flächen im Ort nutzen
Der Startplatz ist als Waldschneise angelegt. Dies ist ein kritisches Detail für die Startphase: Anders als auf einer freien Almwiese wird der Wind hier durch die seitlich stehenden Bäume kanalisiert. Dies kann bei böigen Verhältnissen zu einem Venturi-Effekt im Startbereich führen, während es wenige Meter dahinter windstill sein kann. Die Orientierung der Schneise ist exakt auf die Hauptwindrichtung WSW ausgerichtet.
Ein spezifisches Merkmal der Topographie um Dielmissen, das in keinem Standard-Guide fehlen darf, ist die sogenannte "Düse". Durch Einschnitte und Formveränderungen im Kammverlauf des Ith entstehen Bereiche, in denen der Wind lokal stark beschleunigt wird. Insbesondere bei einer südlichen Komponente im Wind (SSW bis S) strömt die Luft nicht mehr frontal auf den Hang, sondern streicht schräg oder parallel daran entlang. Trifft diese Strömung auf Vorsprünge oder Verengungen im Gelände, erhöht sich die Windgeschwindigkeit drastisch, während gleichzeitig die Turbulenz im Lee dieser Kanten zunimmt. Lokale Piloten bezeichnen dies als "Düse" und warnen davor, dass bei Südwind diese Bereiche unfliegbar oder extrem gefährlich werden können. Das Verständnis dieser lokalen Topographie ist der Schlüssel zur Sicherheit am Ith.
Der Zugang zum Startplatz Dielmissen ist ein Filter, der die Massen abhält und sicherstellt, dass nur motivierte Piloten den Weg nach oben finden. Es gibt keine Bergbahn, keinen Sessellift und keinen organisierten Shuttle-Dienst. Dies prägt die Atmosphäre am Startplatz: Es ist ruhiger, kameradschaftlicher und weniger hektisch als an den Hotspots der Alpen.
Die Anreise erfolgt in der Regel mit dem PKW über die Bundesstraße 240, die durch das Lenne-Tal führt. Der Ort Dielmissen selbst ist klein und ländlich geprägt.
Das Parken: Hier gilt die oberste Regel der lokalen Flug-Etikette: Rücksichtnahme auf die Anwohner und Landwirte. Es gibt keinen zentralen Großparkplatz direkt am Aufstiegsweg. Piloten müssen ihre Fahrzeuge im Ort Dielmissen abstellen. Geeignete Flächen finden sich oft in der Nähe des Sportplatzes oder bei den örtlichen Gaststätten (sofern eingekehrt wird).
Absolutes Verbot: Die Feldwege, die vom Dorf in Richtung Waldrand führen, sind für den öffentlichen Verkehr gesperrt (Land- und forstwirtschaftlicher Verkehr frei). Es ist strikt untersagt, mit dem PKW bis zum Waldrand oder gar zum Startplatz hochzufahren. Verstöße gefährden die Zulassung des Fluggeländes und führen zu massiven Konflikten mit der Jagdgenossenschaft und den Landwirten. Der Delta-Club Ith e.V. als Geländehalter muss hier rigoros durchgreifen.
Der Weg zum Startplatz ist ein klassischer "Hike".
Dauer: Je nach Fitnesszustand und Packgewicht sollten 15 bis 20 Minuten eingeplant werden.
Charakteristik: Der Weg beginnt moderat auf Feldwegen und führt dann in den Buchenmischwald des Ith. Im Wald wird der Pfad steiler und kann bei Nässe (nach Regen oder im Herbstlaub) rutschig sein. Gutes Schuhwerk (Knöchelschutz) ist bereits für den Aufstieg empfohlen, nicht erst für den Flug.
Mentaler Aspekt: Der Aufstieg dient vielen Piloten als Phase der mentalen Flugvorbereitung. Während man durch den Wald aufsteigt, lässt sich bereits das Windgeräusch in den Baumkronen analysieren. Ein starkes Rauschen ("Waldbrausen") deutet oft auf deutlich stärkere Winde in der Höhe hin, als es im geschützten Tal den Anschein hatte. Wenn sich die Wipfel stark biegen, während es unten windstill ist, ist oben mit starkem Windgradienten oder "Düsen"-Effekten zu rechnen.
Wie erwähnt, existiert kein offizieller Shuttle. An sehr guten Tagen, wenn viele Piloten vor Ort sind, organisieren sich Fahrgemeinschaften manchmal so, dass ein Fahrer das Auto zurückbringt, aber darauf sollte man sich nicht verlassen. Der Ith ist ein ehrliches Sportgerät: Wer fliegen will, muss laufen. Für Piloten mit schwerer Ausrüstung (z.B. ältere Drachen oder schwere Gurtzeuge) kann dies eine Hürde sein, für die moderne "Hike & Fly"-Generation mit Leichtausrüstungen ist es hingegen Teil des Erlebnisses.
Die meteorologische Einschätzung ist am Ith komplexer als an vielen alpinen Plätzen, da die Mittelgebirgslage sehr sensibel auf leichte Winddrehungen reagiert.
Die optimale Windrichtung ist WSW (West-Südwest), genauer gesagt ein Bereich von etwa 240° bis 260°.
Warum WSW? Die Hangkante bei Dielmissen ist so ausgerichtet, dass ein WSW-Wind fast senkrecht (perpendicular) auf den Hang trifft. Dies erzeugt den maximalen dynamischen Auftrieb (Soaring) bei geringster Turbulenz.
West (W): Auch reiner Westwind (270°) funktioniert gut, kann aber je nach genauer Position am Hang schon leichte schräge Komponenten haben.
Südwest (SW) und Süd (S): Hier beginnt die Problemzone. Während ein leichter SW-Einschlag noch tolerierbar ist, wird es bei zunehmender Südkomponente (SSW, S) kritisch. Der Wind strömt dann schräg über die Vorlagerungen. Die effektive Aufwindzone verkleinert sich drastisch, man muss sehr nah am Hang "kratzen", und die Gefahr von Lee-Turbulenzen hinter Nasen und Rippen steigt exponentiell an.
Obwohl Dielmissen oft als Soaring-Gebiet klassifiziert wird, bietet es exzellente thermische Qualitäten.
Frühjahr (März bis Mai): Dies ist die "Königszeit" am Ith. Der Wald ist noch nicht voll belaubt (weniger Abschattung des Bodens) und die Temperaturdifferenz zwischen der noch kalten Luftmasse und dem sich erwärmenden Gestein/Boden ist maximal. Dies führt zu knackigen, teils bockigen, aber steigstarken Thermikbärten.
Thermik-Trigger: Wo löst die Thermik ab?
Der Steinbruch: Nördlich (vom Start aus gesehen rechts) befindet sich ein Bereich mit Steinbrüchen oder felsigem Untergrund. Gestein speichert Wärme besser als Wald und dient als verlässlicher "Hausbart".
Die Waldkante: Der Übergang von Wiese zu Wald am Fuß des Hanges oder Abrisskanten im oberen Drittel sind klassische Triggerpunkte. Hier staut sich die warme Luft, bis ein Windstoß oder ein thermischer Impuls sie als Blase ablöst.
Feldgefüge im Tal: Unterschiedliche Bewuchsarten im Tal (Raps vs. Getreide vs. Brache) erzeugen thermische Kontraste. Ein genauer Blick auf die Vegetation im Landeanflug kann helfen, den "Anschlussbart" zu finden, um wieder aufzusoaren.
Minimum: Unter 10-12 km/h Wind ist es schwer, sich am Hang zu halten ("Absauf-Gefahr"). Man gleitet dann lediglich ab.
Optimum: 15-20 km/h. Hier trägt der dynamische Aufwind zuverlässig, und man kann "parken" und auf Thermik warten.
Maximum: Ab 25-30 km/h wird es für Gleitschirme kritisch, insbesondere beim Start in der Schneise und beim Vorwärtskommen gegen den Wind (Penetration). Drachenflieger haben hier mehr Spielraum, aber auch für sie gilt: Die Turbulenz in Bodennähe (Startschneise) nimmt überproportional zu.
Dieser Abschnitt widmet sich dem "Wie" des Fliegens in Dielmissen. Er basiert auf den Erfahrungen lokaler Piloten und Beobachtungen, die in allgemeinen Datenbanken fehlen.
Der Startplatz Dielmissen ist eine Waldschneise. Das hat aerodynamische Konsequenzen:
Düseneffekt im Startbereich: Wenn der Wind genau in die Schneise bläst, wird er beschleunigt. Es kann sein, dass es am Rand der Bäume ruhig ist, in der Mitte der Schneise aber "hämmert".
Seitenwind-Problematik: Kommt der Wind leicht seitlich, bilden sich an den Rändern der Schneise Leewirbel (Rotoren von den Bäumen). Der Schirm kann beim Aufziehen asymmetrisch entlastet werden (Klapper schon am Boden).
Rückwärtsstart ist Pflicht: Bei fliegbaren Bedingungen (ab 10-15 km/h) ist der Vorwärtsstart oft riskant, da man vom Schirm ausgehebelt werden kann. Die Beherrschung der Rückwärtsstarttechnik in begrenztem Raum ist essenziell.
Rampe: Die vorhandene Holzrampe ist primär für Drachenflieger gedacht. Gleitschirmpiloten starten meist daneben auf der Wiese. Achtung bei Nässe: Die Wiese kann rutschig sein!
Ein häufiger Fehler von Gastpiloten ist das zu lange "Kratzen" in Bodennähe.
Die Entscheidunghöhe: Aufgrund der geringen Höhendifferenz (ca. 150m) muss man früh entscheiden: Geht es hoch oder runter? Wer unter Hangkante gerät, hat kaum noch Optionen.
Gefahr beim "Absaufen": Wer zu tief am Hang kratzt, riskiert, in den Lee-Bereich der Baumreihe am Fuß des Hanges zu geraten. Dort wartet nicht nur Abwind, sondern auch Turbulenz. Zudem ist der Gleitwinkel zum Landeplatz von ganz unten oft schlechter als gedacht, besonders wenn der Talwind (Gegenwind) stark ist.
Taktik: Fliegen Sie Achten nah an der Kante, aber halten Sie immer eine "Fluchtoption" zum Landeplatz offen. Drehen Sie immer vom Hang weg (in den Wind), niemals zum Hang hin, um eine Kollision zu vermeiden (Standardregel, hier aber wegen der Bäume lebenswichtig).
Ein wertvolles Werkzeug für die Flugplanung ist die lokale Wetterstation.
Station ID: Holfuy 464 (Dielmissen Ith).
Analyse: Schauen Sie nicht nur auf den aktuellen Windmittelwert. Achten Sie auf die Böenspitzen (Gusts). Wenn der Unterschied zwischen Mittelwind und Böen sehr groß ist (z.B. Mittel 15 km/h, Böen 40 km/h), deutet dies auf eine extrem labile und turbulente Luftmasse hin – oft ein Zeichen für "unfliegbar für Gleitschirme".
Webcam: Die Station verfügt oft über eine Webcam. Nutzen Sie diese nicht nur für das Wetter, sondern für die soziale Kontrolle: Sind Schirme in der Luft? Hängen sie ruhig oder "arbeiten" sie stark?.
Dies ist der technisch anspruchsvollste Teil der Flugvorbereitung für den Ith. Das Fluggebiet liegt im Einflussbereich des internationalen Verkehrsflughafens Hannover-Langenhagen (EDDV). Die Luftraumstruktur ist komplex, dynamisch und Verstöße sind keine Kavaliersdelikte.
Grundsätzlich befinden wir uns im Luftraum G (Golf) vom Boden bis zu einer Höhe von 2500 Fuß über Grund (AGL) bzw. bis zur Untergrenze des darüberliegenden Luftraums E.
Luftraum E (Echo): Beginnt meist bei 2500 ft AGL. Hier ist VFR-Flug erlaubt, aber es ist kontrollierter Luftraum. Man muss Wolkenabstände einhalten und auf IFR-Verkehr achten.
Die Obergrenze FL 100: Über ganz Deutschland gilt ab Flight Level 100 (ca. 3000m) der Luftraum C (Charlie). Dieser ist für VFR-Flieger ohne Freigabe tabu. Am Ith ist dies meist die absolute Obergrenze für Streckenflüge.
Hannover hat spezifische Schutzbereiche eingerichtet:
TMZ (Transponder Mandatory Zone): Rund um den Luftraum C/D von Hannover gibt es Zonen, in denen das Mitführen und Einschalten eines Transponders vorgeschrieben ist. Für Gleitschirme (die meist keinen Mode-S Transponder haben) ist das Einfliegen in eine aktive TMZ verboten, es sei denn, es gibt spezielle Sektor-Regelungen.
HX-Lufträume (Status 2025/2026): Neuere Regelungen der DFS (Deutsche Flugsicherung) führen "HX"-Lufträume ein. Das sind Lufträume (oft Klasse D nicht CTR), die nicht dauerhaft aktiv sind, sondern je nach Verkehrslage aktiviert werden. Ist der Sektor inaktiv, darf er wie Luftraum E/G beflogen werden. Ist er aktiv, ist er tabu.
Wie erfährt man den Status? Abhören der ATIS Hannover (Frequenz prüfen, z.B. 133.630 MHz oder laut aktueller ICAO-Karte) oder Anfrage bei Langen Information.
Gefahr: Ein HX-Sektor kann sich kurzfristig aktivieren. Wer ohne Funk fliegt, bekommt dies nicht mit und begeht eine Luftraumverletzung.
Um den Luftsport zu ermöglichen, gibt es Vereinbarungen über "Segelflugsektoren". Wenn diese Sektoren aktiv sind (oft am Wochenende bei gutem Wetter), werden Teile des Luftraums C oder D für den VFR-Verkehr freigegeben oder die Transponderpflicht wird ausgesetzt.
Prozedere: Der Status dieser Sektoren wird oft über ATIS oder Segelflug-Frequenzen bekanntgegeben. Lokale Segelflieger wissen hier meist am besten Bescheid. Kontaktieren Sie vor dem Start lokale Piloten oder den Delta-Club Ith, um den aktuellen Status zu erfragen. Verlassen Sie sich nie auf "die fliegen ja alle da oben", sondern prüfen Sie selbst.
Dielmissen ist nicht nur ein Soaring-Hügel, sondern ein Sprungbrett. Die klassische Route führt Richtung Osten/Südosten in den Harz.
Phase 1: Höhe machen am Ith: Zuerst wird am Ith-Kamm Höhe getankt (Soaring + Thermik). Man fliegt den Kamm oft ein Stück nach Norden oder Süden ab, um den besten Bart zu finden.
Phase 2: Der Talsprung (Crux): Die größte Hürde ist das Leinetal. Man muss den Ith verlassen und Richtung Alfeld oder Sieben Berge gleiten. Hier ist eine Arbeitshöhe von mindestens 1200m MSL (besser mehr) empfehlenswert, um sicher über die stabile Luft im Tal zu kommen und Anschluss an den Hügeln östlich der Leine zu finden.
Phase 3: Weiterflug zum Harz: Hat man die Sieben Berge oder den Sackwald erreicht, hangelt man sich weiter Richtung Goslar/Rammelsberg. Der Rammelsberg selbst ist ein bekanntes Fluggebiet und oft das Ziel oder ein Wendepunkt für Flüge vom Ith.
Wenn es am Ith nicht geht (z.B. Wind zu sehr Nord), bietet sich der Sprung (per Auto) zur Königszinne bei Bodenwerder an. Dieser Startplatz liegt nordwestlich und funktioniert bei NW-Lagen besser. Manche Piloten verbinden beide Gebiete an einem Tag, je nach Windentwicklung.
Sicherheit am Ith bedeutet vor allem: Respekt vor dem Wind und dem Wald.
Wie bereits erwähnt, ist die "Düse" bei Südwind die größte Gefahr. Aber auch lokale Hindernisse schaffen Rotoren:
Baumreihen: Landen Sie nicht im Lee großer Baumgruppen. Der Wind "fällt" hinter den Bäumen nach unten (Lee-Abwind) und ist turbulent. Halten Sie Abstand.
Geländekanten: Fliegen Sie niemals hinter den Grat auf die Lee-Seite des Ith, es sei denn, Sie haben massive Höhe (mehrere hundert Meter über Kamm). Das Lee des Ith ist berüchtigt und reicht weit ins Tal hinein.
Der Delta-Club Ith e.V. pflegt das Gelände mit viel Aufwand.
Gebühr: Es wird eine Tagesgebühr (ca. 5 €) erhoben.
Bezahlung: Diese ist VOR dem Flug zu entrichten. Oft gibt es QR-Codes am Startplatz oder man zahlt bei einem Clubmitglied. "Schwarzfliegen" ist extrem unsozial und gefährdet die Gastfreundschaft.
Lizenz: B-Schein (Überlandberechtigung) ist für Streckenflüge notwendig. Für den reinen Betrieb in Platznähe reicht der A-Schein, jedoch wird eine Einweisung dringend empfohlen.
Baumlandung: Der Ith ist dicht bewaldet. Eine Baumlandung ist wahrscheinlicher als in den Alpen.
Regel 1: Sichern Sie sich sofort! Nicht abschnallen, bevor Sie nicht sicher gegen Absturz gesichert sind.
Regel 2: Rufen Sie Hilfe (112 oder Fliegerkameraden). Versuchen Sie keine waghalsigen Klettermanöver zur Selbstrettung.
Standort: Geben Sie beim Notruf "Gleitschirmunfall am Ith, Nähe Dielmissen, oberhalb [Markanter Punkt]" an. Die GPS-Koordinaten vom Handy sind hier Gold wert.
Nach einem langen Flugtag bietet die Region bodenständige Erholung.
Der Gasthof Angerkrug in Dielmissen ist die institutionelle Basis für Piloten. Hier findet der "Debriefing" statt.
Angebot: Gutbürgerliche deutsche Küche, Schnitzelvariationen und kühles Bier.
Öffnungszeiten: Achtung, Ruhetage beachten! Oft ist Montag bis Mittwoch geschlossen. Am Wochenende (Do-Sa ab 17:30, So ab 17:30) ist geöffnet.
Alternativen: Wer an Ruhetagen landet, muss nach Eschershausen oder Stadtoldendorf ausweichen (ca. 5-10 Minuten Auto). Dort gibt es Pizzerien und Döner-Imbisse.
Für das volle Naturerlebnis empfiehlt sich Camping.
Ith-Camping Capellenhagen: Dieser Platz liegt idyllisch am Waldrand, etwas südlich von Dielmissen. Er ist sehr sauber, ruhig und Piloten sind willkommen. Es ist der Standard-Stützpunkt für Fliegerwochenenden.
Ithwiesen: Oben auf dem Kamm (beim Segelflugplatz Ithwiesen) gibt es ebenfalls Campingmöglichkeiten, diese sind aber primär für den Segelflugbetrieb ausgelegt. Als Gleitschirmflieger ist Capellenhagen meist die unkompliziertere Wahl.
Hotels: Wer ein festes Dach bevorzugt, findet in Delligsen ("Lampes Posthotel") oder Eschershausen Pensionen und kleine Hotels.
Fazit: Eine Perle mit Ecken und Kanten
Dielmissen am Ith ist kein "Easy-Going"-Gelände für den unbedarften Gelegenheitsflieger. Es fordert Respekt vor der Meteorologie, Disziplin beim Start und Wissen um den Luftraum. Doch wer sich darauf einlässt, findet hier eines der leistungsfähigsten Soaring-Reviere Norddeutschlands. Die Kombination aus sportlichem Aufstieg, technischem Anspruch und dem Potenzial für stundenlange Flüge über dem Weserbergland macht den Ith zu einer echten Piloten-Heimat. Behandeln Sie das Gelände, die Natur und die Locals mit Respekt, und Sie werden mit "Happy Landings" belohnt.