
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das aerologische und logistische Kompendium: Dielmissen am Ith Eine umfassende Analyse des führenden Fluggeländes im Weserbergland
Der Gleitschirm- und Drachenflugsport in Deutschland ist geografisch ungleich verteilt. Während die Alpenregionen mit ihrer massiven Topografie und den damit verbundenen hohen Basishöhen als das natürliche Epizentrum des Sports gelten, hat sich in den norddeutschen Mittelgebirgen eine eigene, hochspezialisierte Fliegerkultur entwickelt. In diesem Kontext nimmt der Ith, ein markanter Gebirgszug im Weserbergland, eine herausragende Stellung ein. Er fungiert nicht nur als lokales Übungsgelände, sondern als aerologisches Tor für ambitionierte Streckenflüge (Cross Country / XC) und als technisches Trainingsareal für anspruchsvolle Start- und Landephasen.
Innerhalb des Ith-Gebirges kristallisiert sich der Startplatz Dielmissen als das fliegerische Herzstück heraus. Verwaltet vom Delta-Club Ith e.V., repräsentiert dieses Gelände die Symbiose aus fliegerischer Freiheit und streng reglementierter Infrastruktur, die notwendig ist, um Flugsport in einem dicht besiedelten und ökologisch sensiblen Raum nachhaltig zu betreiben. Für Piloten aus den Metropolregionen Hannover, Bremen und Hamburg ist Dielmissen oft die erste Anlaufstelle für thermische Erfahrungen, die über den im Flachland üblichen Windenstart hinausgehen. Die Relevanz dieses Geländes lässt sich nicht allein an seiner Höhendifferenz von 113 Metern messen. Vielmehr ist es die spezifische Orographie, die bei westlichen Windlagen eine laminare Anströmung ermöglicht, welche stundenlanges Soaren und den Einstieg in thermische Bartsysteme erlaubt, die Piloten bis an die Basis der Wolken und weit ins Hinterland tragen können.
Dieser Bericht zielt darauf ab, das Fluggelände Dielmissen in einer Tiefe zu analysieren, die weit über herkömmliche Geländedatenbanken hinausgeht. Er richtet sich an den verantwortungsbewussten Piloten, der die Komplexität der lokalen Mikrometeorologie verstehen, die strengen logistischen und rechtlichen Rahmenbedingungen verinnerlichen und die feinen Nuancen der Flugtaktik beherrschen möchte. Dielmissen ist kein Gelände für den unbedarften Konsum; es fordert Respekt, Vorbereitung und eine präzise Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Die folgenden Kapitel werden diese Aspekte systematisch dekonstruieren und zu einem ganzheitlichen Bild des Fluggebietes zusammensetzen.
Das Verständnis der physischen Beschaffenheit des Geländes ist die Basis für jede fundierte Flugentscheidung. Der Ith ist kein isolierter Hügel, sondern ein langgestreckter Kamm, dessen geologische Struktur direkten Einfluss auf die Aerodynamik hat.
Der Ith erstreckt sich über ca. 22 Kilometer in nordwestlich-südöstlicher Richtung. Diese spezifische Ausrichtung ist für den Flugsport von entscheidender Bedeutung, da sie im rechten Winkel zu den in Mitteleuropa vorherrschenden westlichen Windströmungen steht. Der Startplatz Dielmissen liegt auf dem Kamm dieses Höhenzuges und nutzt die steil abfallende Westflanke als Prallhang für anströmende Luftmassen.
Die Koordinaten des Startplatzes (N 51°58'52.39" E 9°37'34.33") verorten ihn auf einer Höhe von 285 m MSL (Mean Sea Level). Der Landeplatz hingegen befindet sich auf 172 m MSL am Fuße des Hanges. Die resultierende Höhendifferenz von 113 Metern mag im alpinen Vergleich gering erscheinen, ist jedoch für ein Mittelgebirgs-Soaring-Gelände ideal dimensioniert. Die Steilheit des Hanges im oberen Drittel sorgt dafür, dass der dynamische Aufwind (Hangaufwind) auch bei moderaten Windgeschwindigkeiten eine nutzbare Höhe generiert, die weit über das Kamm-Niveau hinausreicht.
Eine Besonderheit des Startplatzes Dielmissen ist seine Einbettung in den dichten Buchenmischwald, der den Ith bedeckt. Der Startplatz ist keine offene Almwiese, sondern eine künstlich angelegte und gepflegte Waldschneise. Diese topografische Gegebenheit hat weitreichende aerodynamische Konsequenzen, die jeder Pilot kennen muss:
Kanalisierungseffekt (Venturi): Die Bäume links und rechts der Schneise wirken wie die Wände einer Düse. Wenn der Wind frontal auf den Hang trifft, wird er in der Schneise komprimiert und beschleunigt. Dies bedeutet, dass die Windgeschwindigkeit am Startplatz selbst oft signifikant höher ist als im freien Luftraum davor oder dahinter. Ein Pilot, der am Landeplatz moderate 15 km/h misst, kann in der Schneise durchaus 25 km/h oder mehr vorfinden.
Lee-Wirbel an den Flanken: Bei schrägem Windanfall (Crosswind) fungieren die seitlichen Baumreihen als Abrisskanten. Es entstehen mechanische Turbulenzen (Rotoren) im Randbereich der Schneise. Ein Start bei starker Seitenwindkomponente ist daher mit einem erhöhten Risiko von Klappern in der Startphase verbunden.
Die folgende visuelle Darstellung verdeutlicht die räumlichen Beziehungen zwischen Startplatz, Waldkanten und Landeplatz sowie die damit verbundenen Gefahrenzonen.
Der Landeplatz auf 172 m NN ist topografisch anspruchsvoll. Er liegt in einer leichten Senke, umgeben von Feldwegen und landwirtschaftlichen Nutzflächen. Seine Form ist länglich, was eine präzise Ausrichtung des Endanflugs gegen den Wind erfordert. Da der Ith-Hang im Westen vorgelagert ist, kann es bei sehr schwachem Wind oder thermischer Aktivität zu wechselnden Windrichtungen im Tal kommen. Ein Windsack am Landeplatz ist vorhanden, doch Piloten müssen oft auch auf sekundäre Indikatoren wie Rauch oder die Bewegung der Baumwipfel achten, um die Bodenwindrichtung korrekt zu identifizieren. Die Nähe zu einer Straße und landwirtschaftlichen Wegen erfordert zudem Disziplin, um Kollisionen mit Hindernissen oder Fahrzeugen zu vermeiden.
Das Fluggebiet Dielmissen unterliegt komplexen mikrometeorologischen Einflüssen, die über die reine Großwetterlage hinausgehen. Die Interaktion zwischen der regionalen Luftströmung und dem Hindernis "Ith" erzeugt spezifische Phänomene, die über Sicherheit und Erfolg eines Fluges entscheiden.
Die DHV-Geländedatenbank und lokale Quellen definieren die idealen Startrichtungen mit West (W) bis Südwest (SW). Dieses Fenster ist jedoch nicht statisch, sondern qualitativ abgestuft:
Der "Goldene" Westwind: Trifft der Wind exakt senkrecht (90°) auf den Hang (reiner Westwind), entsteht der maximal mögliche dynamische Auftrieb. Die Luftmasse wird gezwungen, über das Hindernis zu steigen. Da der Hang vor der Schneise relativ homogen ist, ist die Strömung in der Regel laminar und turbulenzarm. Dies sind die Bedingungen, die Piloten als "Weltklasse" beschreiben , da sie ein ruhiges, fast meditatives Soaren ermöglichen.
Die Südwest-Komponente: Dreht der Wind auf Südwest, trifft er schräg auf den Hang. Die nutzbare Auftriebskomponente verringert sich trigonometrisch. Gleichzeitig erhöht sich die Scherung an den nördlichen Kanten der Schneise.
Die Gefahr der Südkomponente: Ein reiner Südwind strömt parallel zum Kamm. In diesem Szenario generiert der Hang keinen Auftrieb mehr. Schlimmer noch: Die Schneise liegt nun im Lee der südlichen Baumreihe. Ein Startversuch unter diesen Bedingungen ist grob fahrlässig, da der Schirm in der Schneise von Rotoren erfasst werden kann, was zu asymmetrischen Klappern in Bodennähe führt.
Die Windstärke ist der zweite kritische Vektor. Das absolute Limit für Gleitschirme wird vom Geländehalter Delta-Club Ith e.V. mit 25 km/h angegeben.
Warum 25 km/h? Ab dieser Geschwindigkeit verstärkt sich der Düse-Effekt in der Schneise massiv. Zudem besteht die Gefahr, dass ein Pilot nach dem Start nicht genügend Vorwärtsfahrt macht und rückwärts über den Kamm ins Lee des Berges versetzt wird ("Ins Lee geblasen werden"). Das Lee hinter dem Ith ist aufgrund des steilen Abfalls auf der Ostseite extrem turbulent und lebensgefährlich.
Obwohl der Ith oft primär als Soaring-Gelände wahrgenommen wird, bietet er signifikantes thermisches Potenzial. Die Thermik entsteht hier meist durch die Sonneneinstrahlung auf die westlich exponierten Hänge und das vorgelagerte Tal.
Triggerpunkte: Die Thermik löst sich oft nicht direkt in der Schneise, sondern an topografischen Unstetigkeiten. Beliebte Abreißpunkte ("Trigger") sind Waldkanten, vorspringende Nasen im Hangprofil oder der Übergang vom Talboden zum Hangfuß. Erfahrene Piloten nutzen diese Punkte gezielt, um Höhe zu gewinnen und den "Bart" zu zentrieren.
Saisonale Dynamik:
Frühjahr: Instabile Luftmassen sorgen für starke, teils bockige Thermik mit hohen Steigwerten. Dies ist die Zeit für Streckenflüge, erfordert aber aktives Pilotieren.
Sommer: Die Thermik setzt oft erst am Nachmittag ein, wenn die Sonne weit genug im Westen steht, um den Hang direkt zu bescheinen ("Abendthermik"). Dies ermöglicht oft sanfte, großflächige Aufwinde bis zum Sonnenuntergang ("Magic Air").
Winter: Im Winter dominiert das reine Hangsoaring. Die kalte, dichte Luft trägt den Schirm besser, und die fehlende Thermik sorgt für sehr ruhige Bedingungen. Ein Pilot beschreibt dies als "schlaue Entscheidung", im Winter zu fliegen, um die entspannte Atmosphäre und die oft klare Sicht zu genießen.
Für die Flugplanung ist der Zugriff auf Echtzeitdaten unerlässlich. Der Delta-Club Ith betreibt eine Holfuy-Wetterstation (ID 464) direkt am Gelände. Die Interpretation dieser Daten erfordert Erfahrung:
Mittelwind vs. Böen: Ein Mittelwind von 15 km/h klingt ideal. Wenn jedoch Böen von 35 km/h gemeldet werden, ist die Luftmasse extrem unruhig. Ein hoher Spread (Differenz) zwischen Mittelwind und Böen deutet auf thermische Durchmischung oder Turbulenz hin.
Webcam-Analyse: Die Webcam liefert visuelle Bestätigung. Ein Blick auf die Bäume (Bewegung) und die Windsäcke gibt Aufschluss über die aktuelle Situation. Sind Schirme ausgelegt, aber niemand startet? Dies ist oft ein Zeichen für "Parawaiting" – das Warten auf ein abflauendes Windfenster.
Der Zugang zum Startplatz Dielmissen ist bewusst reglementiert. Dies dient dem Schutz der Natur, der Vermeidung von Konflikten mit Anwohnern und der Sicherheit der Piloten.
Das Parken ist in Dielmissen ein sensibles Thema. Der Ort ist klein, und die Straßen sind eng. Konflikte mit Landwirten, deren Großgeräte durch parkende Autos blockiert werden, gefährden die Existenz des Fluggeländes.
Offizieller Parkraum: Geparkt wird ausschließlich am Ortsrand von Dielmissen in der Straße "Auf der Horst". Hier ist ein breiter Grünstreifen auf der Ortsseite für Piloten vorgesehen.
Absolute Tabus: Das Zuparken von Feldwegen, Hofeinfahrten oder das Parken auf landwirtschaftlichen Flächen ist streng untersagt. Es gilt das Prinzip der Rücksichtnahme: Die landwirtschaftliche Arbeit hat Vorrang vor dem Freizeitvergnügen der Piloten.
Es gibt keinen Sessellift und keinen Shuttle-Bus für die Allgemeinheit. Der Weg zum Startplatz muss zu Fuß zurückgelegt werden.
Der "Walk-Up": Der Aufstieg dauert je nach Kondition und Gepäck zwischen 15 und 20 Minuten. Er führt über Feld- und Waldwege.
Wegegebot: Piloten dürfen die befestigten Wege nicht verlassen. Das Abkürzen ("Abschneiden") über Wiesen oder durch den Wald ist aus Naturschutzgründen und zum Schutz vor Erosion verboten.
Shuttle-Regelung: Eine Ausnahme gilt für den Transport von Drachen (Hängegleitern). Da diese Geräte schwer und sperrig sind, dürfen Vereinsmitglieder mit einem speziellen Zufahrtsschild den Weg zum Startplatz befahren. Für Gleitschirmflieger gilt grundsätzlich: Laufen. Dies dient auch als natürlicher Filter – wer oben ankommt, hat sich den Flug bereits "erarbeitet" und ist physisch aufgewärmt.
Dielmissen ist kein öffentliches Gelände, sondern wird vom Delta-Club Ith e.V. gepachtet und unterhalten. Um die Sicherheit zu gewährleisten, gilt eine strikte Gastflugregelung.
Das "Paten-System": Gastpiloten dürfen nur fliegen, wenn ein Vereinsmitglied anwesend ist. Dies ist keine Schikane, sondern eine Sicherheitsmaßnahme. Lokale Piloten kennen die Tücken des Geländes (Düse, Leefallen) und können Gäste einweisen.
Anmeldepflicht: Jeder Pilot muss sich telefonisch anmelden (Nummern am Aushang).
Tagesgebühr: Die Gebühr von 7 Euro dient der Deckung der Pacht- und Instandhaltungskosten. Sie ist vor dem Flug bei einem anwesenden Mitglied zu entrichten. Schwarzfliegen wird nicht toleriert und führt zu Flugverbot.
Lizenzierung: Piloten benötigen mindestens den beschränkten Luftfahrerschein (A-Schein) und eine gültige Haftpflichtversicherung. Schulungsflüge sind in Dielmissen untersagt, da das Gelände für Anfänger ohne direkte Fluglehreraufsicht zu anspruchsvoll ist.
Der Flugbetrieb in Dielmissen folgt einem Rhythmus, der durch die Topografie diktiert wird. Jede Phase des Fluges erfordert spezifische Techniken.
In der Schneise ist Platz Mangelware. Oft können nur ein oder zwei Schirme gleichzeitig ausgelegt werden. Effizienz ist hier gefragt.
Der Rückwärtsstart: Aufgrund des Windes (meist >10-15 km/h) ist der Rückwärtsaufzieh-Start die Standardtechnik. Der Pilot blickt zum Schirm, kontrolliert die Kappe beim Steigen und dreht sich erst aus, wenn der Schirm stabil über ihm steht.
Die "Cobra"-Technik: Bei starkem Wind nutzen erfahrene Piloten die Cobra-Technik, bei der der Schirm seitlich hochgezogen wird, um die Angriffsfläche für den Wind zu minimieren und ein Aushebeln zu verhindern.
Kontrollblick: Ein letzter Blick auf die Baumwipfel vor dem Start ist essenziell. Böen kündigen sich oft durch das Rauschen in den Bäumen an, bevor sie den Piloten am Boden erreichen.
Nach dem Start gilt es, sofort Anschluss zu finden.
Soaring-Regeln: Beim Hangsoaring gelten die Ausweichregeln (Hang rechts vor Hang links). Da der nutzbare Aufwindbereich oft schmal ist, müssen Piloten diszipliniert fliegen. Wenden werden immer vom Hang weg ausgeführt.
Höhenmanagement: Wer absäuft (Höhe verliert), muss rechtzeitig die Entscheidung zur Landung treffen. Es gibt keine "zweite Chance" in Form eines Zwischenlandeplatzes am Hang. Wer zu tief kratzt, riskiert eine Baumlandung.
Positionierung: Die beste Thermik steht oft nicht direkt in der Schneise, sondern etwas nördlich oder südlich davon. Beobachtung der lokalen Piloten ("Locals") ist der beste Indikator für gute Steigwerte. Wie im Video erwähnt, scannen erfahrene Piloten die Umgebung "adler-mäßig" nach Zeichen von Hebung.
Die Landung in Dielmissen erfordert Konzentration bis zur letzten Sekunde.
Lande-Volte: Eine saubere Landeeinteilung (Position, Gegenanflug, Queranflug, Endanflug) ist obligatorisch. Wildes Kreisen oder "Abachtern" über dem Landeplatz gefährdet andere Piloten.
Talwind-Einfluss: Im Tal kann der Wind durch die Kanalisierungswirkung (Düse-Effekt zwischen Ith und Hils) stärker sein als am Hang erwartet oder leicht von der Höhenwindrichtung abweichen.
Außenlandungen: Landungen auf den angrenzenden Feldern sind strikt verboten. Sollte es dennoch passieren (Notlandung), muss der Pilot den Schaden minimieren, indem er das Feld durch die Fahrspuren (Furchen) verlässt und nicht quer durch die Frucht läuft.
Der Luftraum über dem Ith ist komplex und erfordert fundierte Kenntnisse der ICAO-Karte.
Dielmissen liegt im Einzugsbereich des Verkehrsflughafens Hannover-Langenhagen (EDDV).
Höhenstaffelung: Über dem Startplatz beginnt in einer bestimmten Höhe der Luftraum E (Echo), der für VFR-Verkehr (Sichtflug) noch frei nutzbar ist, aber erhöhte Wolkenabstände fordert. Darüber befinden sich die Sektoren der TMA Hannover (Luftraum C und D). Die Untergrenzen dieser Sektoren variieren (oft FL 65 oder FL 100, je nach Sektor), können aber bei Streckenflügen schnell erreicht werden.
Einflugverbot: Ein Einflug in den Luftraum C oder D ohne Freigabe der Flugsicherung (DFS) ist eine Straftat. Piloten müssen ihre Höhe barometrisch überwachen (QNH-Einstellung beachten) und Pufferzonen einhalten.
Der Ith ist ein bedeutendes Habitat für Felsbrüter, insbesondere den Wanderfalken (Falco peregrinus).
Horstschutzzonen: Um die Brutplätze zu schützen, werden jährlich temporäre Flugverbotszonen oder Mindestabstände zu bestimmten Felsformationen (z.B. Lüerdissener Klippen) ausgewiesen. Diese Regelungen sind dynamisch und werden vom Landkreis in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden und dem Verein festgelegt.
Informationspflicht: Vor dem Start müssen Piloten die Infotafeln am Startplatz konsultieren, um sicherzustellen, dass sie keine gesperrten Sektoren befliegen. Verstöße gefährden nicht nur die Vögel, sondern die gesamte Flugerlaubnis für den Ith.
Dielmissen ist ein exzellenter Ausgangspunkt für Streckenflüge. Wenn die Basis hoch genug ist (oft über 1500-2000m), öffnen sich Routen in das norddeutsche Flachland.
Rennstrecke Weserbergland: Die klassische Route führt entlang des Ith-Kamms Richtung Südosten. Hier kann man über viele Kilometer "ridge runnen", ohne viel Höhe zu verlieren, und thermische Hotspots an den Geländekanten nutzen.
Flachland-Dreiecke: Ambitioniertere Piloten nutzen den Ith als Schenkel für FAI-Dreiecke. Der Sprung vom Ith zum nächsten Höhenzug (z.B. Hils oder Süntel) erfordert jedoch taktisches Geschick und eine hohe Basis, um die Talsprünge sicher zu bewältigen.
Wetterfenster: Die besten XC-Tage sind oft im Frühjahr (April/Mai) nach Kaltfrontdurchgängen, wenn die Luftmasse labil geschichtet ist und Cumulus-Wolken den Weg weisen. Flüge von über 100 km sind unter diesen Bedingungen keine Seltenheit.
Sicherheit ist kein Zufallsprodukt. In Dielmissen resultiert sie aus Disziplin und Wissen.
Baumlandungen: Wer beim Soaren zu nah an die Bäume fliegt und einen Klapper kassiert, landet im Wald. Die Bergung ist aufwendig und teuer. Der Verein hat Protokolle für Baumrettungen, die oft die Einbindung professioneller Kletterer oder der Feuerwehr erfordern.
Lee-Fallen: Besonders tückisch ist das Lee hinter dem Startplatz (Ostseite). Wer bei Westwind hinter den Kamm gespült wird, gerät in massive Abwinde und Turbulenzen. Die Regel lautet: Immer vor dem Hang bleiben, niemals hinter die Hangkante driften lassen, wenn man tief ist.
Die Wahl der richtigen Ausrüstung trägt maßgeblich zur Sicherheit und zum Flugspaß bei.
Schirmwahl: Ein agiler Schirm (High-End A, Low-B) ist oft besser geeignet als ein reiner Hochleister, da er enge Wenden in der Thermik und präzises Handling in der Schneise ermöglicht.
Gurtzeug: Ein Protektor ist Pflicht. Für Winterflüge ist ein Beinsack (Pod) empfehlenswert, um Auskühlung zu verhindern.
Kommunikation: Ein Funkgerät (PMR/LPD) erhöht die Sicherheit enorm. Es ermöglicht Absprachen in der Luft und Warnungen vor Gefahren.
Der soziale Aspekt ist in Dielmissen stark ausgeprägt. Der Delta-Club Ith e.V. pflegt eine lebendige Vereinskultur.
Stammtisch: Der Treffpunkt nach dem Fliegen ist oft der Gasthof Angerkrug in Dielmissen. Hier findet der Austausch über Flugerlebnisse statt, und Kontakte werden geknüpft. Es ist der Ort, an dem man als Gast am schnellsten Anschluss findet.
Übernachtung: Für Piloten von weiter weg bieten sich Campingplätze wie der Campingpark Humboldtsee (ca. 5 km entfernt) oder der Rattenfängerplatz am Ith an. Beide sind auf Outdoor-Touristen eingestellt. Alternativ gibt es Pensionen im Ort.
Dielmissen am Ith ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Fluggebiet. Es verlangt dem Piloten physische Anstrengung beim Aufstieg, technisches Können beim Start und aerologisches Verständnis in der Luft ab. Im Gegenzug bietet es Flugerlebnisse, die in Norddeutschland ihresgleichen suchen: Von stundenlangen Soaring-Sessions im goldenen Abendlicht bis hin zu ambitionierten Streckenflügen. Wer sich an die Regeln hält, die Natur respektiert und sich in die Gemeinschaft integriert, wird hier fliegerische Heimat finden. Die Kombination aus sportlicher Herausforderung und landschaftlicher Schönheit macht den Ith zu einem Juwel der deutschen Mittelgebirgsfliegerei.
Disclaimer: Dieser Bericht dient der Information und Vorbereitung. Er ersetzt keine Geländeeinweisung vor Ort. Die aktuellen Wetterbedingungen und gesetzlichen Regelungen sind vom Piloten eigenverantwortlich zu prüfen. Es gelten die Bestimmungen des DHV und des Delta-Club Ith e.V.