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Berchtesgadener Jenner

Startplätze:4
Landungen:2
Koord.:47.5798°N, 13.0252°E
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Geländekarte

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Start- & Landeplätze

4 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze

Startplatz Kleiner Jenner West

Start
Höhe1695m ü. M.
Koord.47.5798, 13.0252
WindO-SO, W
Korrekt?

Jenner Bodnerfeld - Drachenlandeplatz

Landung
Höhe620m ü. M.
Koord.47.6094, 12.9757
Korrekt?

Startplatz Kleiner Jenner Ost

Start
Höhe1674m ü. M.
Koord.47.5799, 13.0257
WindO, SO
Korrekt?

Jenner Startplatz HG

Start
Höhe1790m ü. M.
Koord.47.5766, 13.0247
WindN
Korrekt?

Jenner Hauptlandeplatz GS - Brandnerfeld

Landung
Höhe635m ü. M.
Koord.47.5920, 12.9966
Korrekt?

Jenner / Mitterkaser-Alm

Start
Höhe1770m ü. M.
Koord.47.5765, 13.0345
WindW
Korrekt?

Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Fluggebietsführer Berchtesgadener Jenner: Ein umfassendes Handbuch für Gleitschirm- und Drachenflieger

Dieser Leitfaden bietet eine tiefgreifende Analyse des Jenners als eines der anspruchsvollsten und spektakulärsten Fluggebiete der Nordalpen. Er richtet sich an Piloten, die eine detaillierte Vorbereitung jenseits der Standarddatenbanken suchen.

Executive Summary für Piloten

Der Jenner (1873 m) im Berchtesgadener Land ist kein klassisches Anfängergelände, sondern ein hochalpiner "Erlebnisberg", der höchste Anforderungen an die Starttechnik und das Verständnis von Windsystemen stellt. Mit einer Höhendifferenz von über 1100 Metern und dem einzigartigen Panorama über den Königssee zum Watzmann bietet er ein visuelles Erlebnis, das seinesgleichen sucht.  

Wichtigste Eckpunkte:

Charakter: Anspruchsvolles Hochgebirgsgelände mit komplexen Talwindsystemen.  

Startplätze: Mehrere Optionen (W, O, S) in Gipfelnähe, oft steil und thermisch aktiv.  

Landung: Brandnerfeld (GS) ist oft turbulent; Bodner (HG) ist ausschließlich für Drachen reserviert.  

Naturschutz: Strengste Einhaltung der Steinadler-Schutzzonen (Adlerinfo) ist obligatorisch.  

Empfehlung: Nur für erfahrene Piloten oder unter Einweisung lokaler Flugschulen geeignet.

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Detaillierte Start- und Landeplatz-Informationen

Die topographische Lage des Jenners erfordert eine präzise Auswahl des Startplatzes basierend auf der tagesaktuellen Thermik- und Windprognose. Der Jenner bietet durch seine exponierte Lage am Rand des Nationalparks Berchtesgaden verschiedene Möglichkeiten, die jedoch in ihrer Charakteristik stark variieren.

Die Startplätze im Detail Startplatz Höhe (m NN) Koordinaten (WGS84) Hauptrichtung Eignung / Schwierigkeit Kleiner Jenner West 1695 N 47°34'47.20" E 13°01'30.70" W, (O-SO)

Anspruchsvoll, steil, kurz

Kleiner Jenner Ost 1674 N 47°34'47.48" E 13°01'32.40" O, SO

Bucklig, weitläufig

Jenner Süd (Gipfel) 1860 N 47°34'35.71" E 13°01'28.83" S

Sehr steil, Publikumsverkehr

Mitterkaser-Alm 1770 N 47°34'35.28" E 13°02'04.34" W

Weiterer Fußweg, oft ruhiger

Drachenrampe 1790 N 47°34'35.71" E 13°01'28.83" N

Nur für Hängegleiter (HG)

 

Der Hauptstartplatz West am Kleinen Jenner ist die erste Wahl bei westlichen Windlagen. Er zeichnet sich durch eine sehr steile Wiesenflanke aus, die von Latschen begrenzt wird. Piloten müssen beachten, dass die nutzbare Fläche durch Baumaßnahmen in der Vergangenheit geschrumpft ist und oft nur Platz für maximal zwei Schirme bietet. Ein präzises Aufziehverhalten ist hier aufgrund der oft thermisch durchsetzten Luft am Hang unabdingbar. Bei Nordwind gerät dieser Platz massiv ins Lee, was Starts lebensgefährlich macht.  

Der Oststartplatz bietet eine gute Alternative bei schwachen Ost- oder Südostlagen, ist jedoch durch seine unebene, "bucklige" Struktur technisch beim Anlaufen fordernd. Während der Skisaison ist dieser Bereich für den Flugbetrieb gesperrt. Der Südstart unweit des Gipfels wird oft von Streckenfliegern genutzt, die den Einstieg ins Hagengebirge suchen. Er liegt jedoch direkt an einem stark frequentierten Wanderpfad, weshalb beim Auslegen und Starten extreme Rücksichtnahme auf Touristen gefordert ist.  

Die Landeplätze im Vergleich Landeplatz Höhe (m NN) Koordinaten Fluggerät Charakteristik Brandnerfeld 635 N 47°35'31.17" E 12°59'47.88" GS (+ Tandem)

Geneigt, Lee-Gefahr, turbulent

Bodnerfeld 620 N 47°36'33.73" E 12°58'32.67" Nur HG

Groß, sicher für Drachen

Pension Kohlhiasl 635 Oberschönauer Str. 44 Tandem

Privatgelände für Tandemfirmen

 

Das Brandnerfeld ist der offizielle Landeplatz für Gleitschirme. Er befindet sich ca. 100 Meter von der Talstation entfernt. Die Landung erfolgt in einer Links-Volte auf einer leicht abfallenden Wiese. Die größte Herausforderung stellt hier das lokale Windsystem dar: Der oft starke Talwind wird durch Häuser und Baumreihen verwirbelt, was im Endanflug zu plötzlichem Sinken oder Leeturbulenzen führen kann.

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Zugang, Logistik und Infrastruktur

Die Erschließung des Jenners ist durch die moderne Jennerbahn hervorragend gelöst, was den Berg sowohl für klassische Seilbahnflieger als auch für Hike&Fly-Enthusiasten attraktiv macht.

Die Jennerbahn: Effizienz und Kosten

Die 2018/19 neu errichtete Kabinenbahn bringt Piloten in ca. 20 Minuten von der Talstation (630 m) zur Bergstation auf 1800 Meter.  

Preise und Tarife (Stand 2025/26):

Einzelfahrt Berg: 33,00 €.  

Saisonkarte Sommer: 290,00 €.  

Jahreskarte (Einheimisch): 299,00 € (für Bewohner der umliegenden Gemeinden).  

Drachentransport: Kostenfrei über ein spezielles Transportgehänge an den Gondeln.  

Parken und Treffpunkte

Hauptparkplatz ist der gebührenpflichtige Großparkplatz an der Jennerbahn-Talstation (Jennerbahnstraße 18, 83471 Schönau). Piloten sollten beachten, dass das Parken auf Privatgrundstücken (z.B. Pension Kohlhiasl oder Gasthof Bergheimat) ohne ausdrückliche Erlaubnis streng untersagt ist.  

Für Tandempassagiere ist der Treffpunkt oft direkt am Landeplatz bei der Pension Kohlhiasl (Oberschönauer Straße 44). Von dort aus organisieren die Flugschulen oft Fahrgemeinschaften zur Talstation, um die Logistik der Rückkehr zu vereinfachen.  

Hike & Fly Optionen

Sportliche Piloten können den Jenner aus eigener Kraft bezwingen. Der Aufstieg von der Talstation erfordert eine solide Kondition (ca. 1200 Höhenmeter, Gehzeit 1,5 bis 2,5 Stunden). Eine beliebte Verkürzung bietet die Fahrt mit dem Auto zum Parkplatz Hinterbrand. Von dort halbiert sich die Aufstiegszeit auf etwa eine Stunde. Der Weg führt über alpine Pfade und erfordert festes Schuhwerk.

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Flugbedingungen und meteorologische Analyse

Das Verständnis der lokalen Wetterphänomene ist am Jenner überlebenswichtig. Die Lage am Alpennordrand und die Nähe zum Königssee schaffen ein Mikroklima, das sich drastisch von den Vorhersagen für das Flachland unterscheiden kann.

Thermische Zyklen

Die thermische Aktivität beginnt am Jenner vergleichsweise früh, da die steilen Ostflanken des Göllmassivs und des Hohen Bretts die Morgensonne effizient einfangen.  

Vormittag (ab 10:00 Uhr): Erste thermische Ablösungen an den Felswänden Richtung Südost.

Mittag (12:00 – 14:00 Uhr): Stärkste Phase, oft mit turbulenten Ablösungen am Startplatz West.

Nachmittag (ab 15:00 Uhr): Stabilisierung der Thermik an den Westflanken; Einsetzen des starken Talwinds.  

Das Windsystem: "Bayerischer Wind" und Talwind

Ein dominierendes Merkmal ist der ausgeprägte Talwind aus Norden, der tagsüber fast immer herrscht. Dieser Wind prallt auf die Hänge unterhalb der Bergstation und erzeugt oft ein dynamisches Aufwindband, das stundenlanges Soaring ermöglicht, sobald die Thermik nachlässt.  

Gefahr bei Ostlagen: Bei überregionalem Wind aus Ost, Nordost oder Südost liegt das gesamte Jenner-Gebiet im Lee des Hohen Gölls und des Hagengebirges. Massive Turbulenzen und unvorhersehbares Sinken sind die Folge. Lokale Vereine warnen ausdrücklich vor Flügen bei solchen Bedingungen.  

XC-Potenzial (Streckenflug)

Der Jenner ist ein hervorragender Ausgangspunkt für alpine Streckenflüge, sofern man die erste Hürde – das Aufdrehen über Gipfelniveau – meistert.

Beliebte Routen:

Die Hausrunde (15 km FAI-Dreieck): Jenner – Brettgabel – Kehlstein – Grünstein – Jenner.  

Das große Becken: Jenner – Kehlstein – Untersberg (Querung bei Rauher Kopf auf ca. 2400m erforderlich) – Götschen – Jenner.  

Große Abenteuer: Flüge über 200 km wurden bereits von lokalen Piloten dokumentiert, wobei Routen bis weit in den österreichischen Pinzgau oder das Salzburger Land möglich sind.

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Geheimtipps und Insider-Wissen

Was diesen Guide von den DHV-Daten unterscheidet, sind die Erkenntnisse, die man normalerweise nur beim "Landebier" erfährt.

Wo sind die besten Bärte?

Lokale Piloten wissen: Die zuverlässigste Thermikquelle ist nicht immer direkt am Gipfel.

Die Steinwand: Zwischen Bergstation und Mitterkaseralm lösen sich oft starke Kerne ab.

Der Grünstein-Trigger: Am nördlich dem Landeplatz vorgelagerten Hügel steht oft ein zuverlässiger Bart, der durch den Talwind gespeist wird. Dieser eignet sich ideal, um vor der Landung noch einmal "Sicherheitshöhe" zu gewinnen.  

Die Schattengrenze: Im Frühjahr bieten die Übergänge zwischen Schneeflächen und apere Felszonen (z.B. am Stahlhaus) oft extrem scharfe Ablösungen.  

Die Webcams der Profis

Verlassen Sie sich nicht nur auf die Standard-Wetter-App. Lokale Experten nutzen eine Kombination spezifischer Webcams:

Foto-Webcam Funtenseetauern: Unersetzlich zur Erkennung von herannahendem Föhn aus dem Süden.  

Blickfix Webcam Schönau: Live-Einblick in die Windsituation am Landeplatz.  

Holfuy Windstation Jenner: Bietet präzise Echtzeit-Winddaten direkt vom Weststartplatz inklusive Böen-Analyse.  

Häufige Fehler von Neulingen

Der "Parkplatz-Frust": Zu spät kommen und auf Privatparkplätzen von Anwohnern landen führt zu massivem Ärger und gefährdet das Fluggelände.  

Unterschätzen des Landelees: Wer im Brandnerfeld zu weit nördlich einkurvt, gerät in die Verwirbelungen der Häuserzeile. Tipp: Den Endanflug eher im freien Feld planen und Reserven für Windscherungen einplanen.  

Nordwind-Start: Am Weststartplatz bei Nordwind starten wollen – der Wind "schwappt" über den Grat und erzeugt Lee direkt in der Abflugschneise.

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Sicherheit, Regeln und Naturschutz

Der Jenner ist ein ökologisch hochsensibles Gebiet. Der Fortbestand der Fluggenehmigung hängt direkt von der Disziplin der Piloten ab.

Das Steinadler-Projekt (Obligatorisch!)

In Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden wurde ein Schutzsystem für Steinadler etabliert.

Sperrzeit: Vom 15. März bis 31. Juli sind aktive Adlerhorste (rote Zonen in der Karte) weiträumig zu umfliegen.  

Abstand: Mindestens 500 Meter horizontaler und vertikaler Abstand zu den Horsten ist Pflicht.  

Verhalten: Bei Sichtung eines Adlers nicht in dessen Thermik eindrehen. Zeigt der Vogel Abwehrreaktionen (Girlandenflug), sofort abdrehen.  

Information: Die aktuelle "Adlerinfo"-Karte hängt an der Talstation aus oder ist online beim Verein abrufbar.  

Luftraumbeschränkungen

Das Gebiet grenzt an sensible Lufträume:

CTR Salzburg: Streng kontrolliert; Einflüge ohne Freigabe führen zu harten Sanktionen.  

ED-R 142 (Reiteralpe): Ein militärisches Sperrgebiet westlich von Berchtesgaden, das beachtet werden muss.  

Nationalpark-Kernzone: Starts und Landungen innerhalb der Nationalparkgrenzen (außerhalb der zugelassenen Plätze) sind streng verboten und werden kontrolliert.  

Lokale Ansprechpartner und Vereine

Berchtesgadener Gleitschirmflieger e.V.: Der Hauptansprechpartner für alle Gäste. Es wird empfohlen, vor dem ersten Flug Kontakt aufzunehmen (Vereins-Chat oder Stammtisch).  

Berchtesgadener Drachenflieger e.V.: Spezialisten für die HG-Rampe und den Landeplatz Bodner.

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Das "Drumherum": Kulinarik und Übernachtung

Ein gelungener Flugtag endet nicht mit der Landung.

Einkehr-Tipps

Jenneralm (Bergstation): Perfekt für das "Briefing" vor dem Flug mit Blick auf den Watzmann.  

Mitterkaseralm: Urige Hütte auf dem Weg zum Mitterkaser-Startplatz, bekannt für lokale Schmankerl.  

Gasthof Bergheimat: Direkt am Landeplatz Brandnerfeld – das inoffizielle Hauptquartier für das Landebier. Aber Achtung: Fliegerequipment darf nicht auf dem Parkplatz des Wirts gelagert werden.  

Übernachtung für Piloten

Camping Grafenlehen: Direkt am Königssee gelegen, sehr fliegerfreundlich. Hier gibt es oft vergünstigte Bergbahntickets für Gäste.  

Camping Allweglehen: Etwas exklusiver mit Wellnessfaktor und fantastischem Blick auf das Fluggebiet.  

Pension Kohlhiasl: Ideal für Tandemgäste und Piloten, die kurze Wege zum Landeplatz schätzen.

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Flugschulen und Ausbildung

Wer am Jenner fliegen lernen möchte oder eine Auffrischung braucht, findet kompetente Partner vor Ort.

Flugschule Watzmann (Wolfgang Perner): Bietet die komplette Palette vom Schnuppertag bis zur B-Schein-Ausbildung an. Besonders bekannt für intensive Groundhandling-Schulungen am Berg.  

Flugschule Cumulls: Kooperationspartner der Jennerbahn für Tandem- und Fortbildungsflüge.  

Tandem-Anbieter: Firmen wie Flytandem oder Tandem-Paragliding-Berchtesgaden bieten Einweisungsflüge an, um das Gebiet aus der Passagierperspektive kennenzulernen.

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Fazit für den Gastpiloten

Der Jenner ist ein "Juwel mit Ecken und Kanten". Wer die nötige Erfahrung mitbringt, die Adler schützt und den Talwind respektiert, wird mit Flügen belohnt, die zu den schönsten Erlebnissen im gesamten Alpenraum zählen. Die Kombination aus hochmoderner Infrastruktur und wilder Natur macht diesen Berg einzigartig. Ein erster Flug unter Aufsicht eines Locals oder nach einer detaillierten Geländeeinweisung durch eine der örtlichen Flugschulen wird dringend empfohlen, um die komplexen Wind- und Landebedingungen sicher zu meistern.  

Stand der Informationen: Februar 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Vor jedem Flug ist eine eigenständige Luftraumprüfung und Wetteranalyse durchzuführen.

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