
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das Phänomen "Auf der Platte": Eine enzyklopädische Analyse der verborgenen Fluggebiete Mitteleuropas Einleitung: Die Dekonstruktion eines Mythos
In der Nomenklatur des europäischen Gleitschirmsports existieren wenige Begriffe, die eine derart diffuse und zugleich faszinierende Anziehungskraft ausüben wie das Toponym "Auf der Platte". Für den uneingeweihten Piloten mag dies wie ein singulärer, geografisch fixierter Ort klingen – eine flache Hochebene, ideal für Toplandungen und entspanntes Soaring. Doch die Realität, wie diese investigative Recherche aufdeckt, ist weitaus komplexer, vielschichtiger und fliegerisch anspruchsvoller. "Auf der Platte" ist kein einzelner Punkt auf der Karte; es ist ein fliegerisches Konzept, das sich über hunderte Kilometer und völlig disparate topografische Zonen erstreckt: von den sanften, windenabhängigen Hügeln des Saarlandes über die schroffen Kalksteinwände der Tiroler Alpen bis hin zu den legendären, waldreichen Kämmen des Schwarzwaldes und den Hausbergen der steirischen Hauptstadt Graz.
Als Reisejournalist und erfahrener Gleitschirmpilot habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, nicht nur die offiziellen DHV-Einträge zu rezitieren, sondern hinter die Kulissen dieser Orte zu blicken. Wir werden die aerodynamischen Besonderheiten von Waldschneisen im Nordschwarzwald analysieren, die bürokratischen Hürden des Schleppbetriebs in Kontrollzonennähe beleuchten und die ungeschriebenen Gesetze der lokalen Flieger-Communities entschlüsseln. Dieser Bericht dient als definitiver Guide für den Piloten, der das Besondere sucht – jenseits der ausgetretenen Pfade der Standard-Fluggebiete. Er ist eine Hommage an die Vielfalt unseres Sports, der uns zwingt, uns immer wieder neu auf Gelände, Wetter und lokale Eigenheiten einzustellen.
Um die anfängliche Verwirrung aufzulösen, die oft entsteht, wenn Piloten "Platte" in ihr Navigationsgerät oder die DHV-Datenbank eingeben, ist eine präzise Differenzierung unerlässlich. Die folgende Matrix dekonstruiert die vier primären Assoziationen, die mit diesem Begriff verbunden sind, und stellt ihre fundamentale Charakteristik gegenüber.
Standort-Bezeichnung Region / Land Typus Primärer Anspruch Verwechslungsgefahr / Besonderheit Auf der Platte Gersheim, Saarland (DE) Flachland / Schleppgelände Technisch (Windenstart), Luftraumbeobachtung Einziger Ort, der offiziell exakt so heißt. Nähe zur CTR. Steinplatte Waidring, Tirol (AT) Alpines Hochgebirge Thermisch, Hochalpin Massives Felsplateau, "Triassic Park" Tourismus, Kaltluftseen. Rampoldplatte Brannenburg, Bayern (DE) Voralpen / Bergstart Hike & Fly, Talwindsystem Klassischer Münchner Hausberg, oft nur "Die Platte" genannt. Sasbachwalden ("Platte") Schwarzwald (DE) Mittelgebirge / Schneise Starttechnik, Meteorologie Oft als "Platte" bezeichnet (Ref. Hornisgrinde-Plateau), realer Startplatz ist "Schlossberg". Export to Sheets
Diese geografische Diskrepanz ist nicht nur semantischer Natur; sie entscheidet darüber, ob Sie Ihre Windenklinke oder Ihre Bergstiefel einpacken müssen. Im Folgenden werden wir jeden dieser Orte mit einer Detailtiefe sezieren, die weit über die Standardinformationen hinausgeht.
Teil I: Das verborgene Mekka des Flachlands – "Auf der Platte" im Saarland
Wenn man die DHV-Geländedatenbank nach dem exakten Wortlaut "Auf der Platte" abfragt, führt der Weg weder in die Alpen noch in den Schwarzwald, sondern in den Bliesgau, eine sanft hügelige Biosphärenregion im Saarland. Hier, in der Gemeinde Gersheim (Ortsteil Herbitzheim), offenbart sich eine Facette des Gleitschirmfliegens, die oft unterschätzt wird: die hohe Kunst des Windenstarts.
Das Gelände "Auf der Platte" (Koordinaten N 49°09'46.36" E 7°13'42.33") liegt auf einer unscheinbaren Erhebung von nur 310 Metern über dem Meeresspiegel (NN). Für den Alpinpiloten mag diese Zahl lächerlich erscheinen, doch im Flachlandfliegen definiert sich Potenzial nicht durch die absolute Höhe des Startplatzes, sondern durch die Länge der Schleppstrecke und die thermische Aktivität des Untergrunds.
Die Schleppstrecke: Mit einer Länge von 750 Metern bietet das Gelände eine solide Basis für Ausklinkhöhen, die bei optimalen Bedingungen zwischen 300 und 450 Metern liegen können. Die Ausrichtung der Schleppstrecke verläuft von Nordost (NO) nach Südwest (SW). Diese bivalente Ausrichtung ist strategisch wertvoll, da sie die in Mitteleuropa vorherrschenden westlichen Windkomponenten sowie die stabilen Ostwindlagen abdeckt.
Halter: Betrieben wird das Gelände vom 1. Para-Ski-Club Saar e.V.. Der Name deutet bereits auf die historische Vielseitigkeit des Vereins hin. Die Infrastruktur ist auf den stationären Windenbetrieb ausgelegt; eine mobile Abrollwinde ist laut Datenbank nicht vorhanden.
Der Start "Auf der Platte" im Saarland erfordert ein Umdenken. Es gibt keinen Hangaufwind, der den Schirm füllt. Der Pilot ist vollständig von der Koordination mit dem Windenführer und der Technik des Schlepps abhängig.
Startphase: In der Ebene ist der "Lockout" die größte Gefahr. Seitenwindkomponenten, die an einem Hangstartplatz vielleicht nur lästig sind, können beim Schlepp dazu führen, dass der Schirm seitlich ausbricht. Die 750 Meter lange Strecke in Gersheim liegt auf einem Plateau, was bedeutet, dass der Wind oft ungehindert und laminar anströmen kann – ein Vorteil für die Sicherheit, solange er genau auf der Bahn steht.
Die Ausklinkhöhe: Die maximale Schlepphöhe wird mit 450 Metern angegeben. Dies ist die magische Grenze. Wer hier ausklinkt, muss sofort den "Anschluss" finden. Im Saarland bedeutet das oft, schwache Flachlandthermik zu zentrieren, die über den Äckern und kleinen Waldstücken des Bliesgaus entsteht. Es ist ein Spiel um Geduld und Feingefühl, weit entfernt vom "Fahrstuhl-Fliegen" in den Alpen.
Ein kritischer Aspekt, der in Standard-Guides oft nur als Randnotiz erscheint, ist die komplexe Luftraumsituation. Das Saarland ist durch eine hohe Dichte an Lufträumen geprägt.
Kontrollzonen (CTR): Die Datenbank warnt explizit: "Kontrollzone Saarbrücken und Zweibrücken liegt recht nah am Schleppgelände". Für den Streckenpiloten (XC) ist dies eine unsichtbare Wand. Ein Abdriften nach dem Ausklinken in die falsche Richtung oder das "Höhenrausch"-Erlebnis an einem thermisch starken Tag kann schnell zu einer Luftraumverletzung führen. Die CTR Saarbrücken ist aktiv und wird von Verkehrsmaschinen frequentiert.
Das französische Element: Die geografische Nähe zu Frankreich ist nicht nur kulturell, sondern auch fliegerisch relevant. Der Verein weicht regelmäßig auf das benachbarte französische Gelände in Obergailbach aus. Dies erfordert vom Piloten Kenntnis der französischen Luftfahrtregeln und idealerweise Funkdisziplin, die über den Standard hinausgeht. Es ist diese Internationalität, die dem Fliegen "Auf der Platte" im Saarland seinen besonderen Charme verleiht.
"Auf der Platte" im Saarland ist kein Ort für den Einsiedler. Es ist ein "Social Flying"-Erlebnis. Ohne Windenfahrer, Startleiter und Rückholer bewegt sich hier nichts. Gastflieger sind willkommen, müssen sich aber in dieses soziale Gefüge integrieren. Es ist der ideale Ort, um das aktive Fliegen zu lernen – das Suchen und Finden von Thermik ohne die Hilfe massiver Felswände.
Teil II: Die große Verwechslung – Sasbachwalden und der Mythos der "Schwarzwald-Platte"
Wechseln wir die Szenerie radikal. Etwa 120 Kilometer südöstlich, am Westrand des Schwarzwaldes, liegt Sasbachwalden. Unsere Recherche zeigt eine massive Häufung von Suchanfragen und Daten, die "Platte" mit diesem Ort verknüpfen. Doch hier liegt ein klassisches Missverständnis vor, das aufgeklärt werden muss, bevor wir uns den fliegerischen Details widmen.
Viele Piloten sprechen von der "Platte" in Sasbachwalden und meinen damit oft das topografisch markante Hochplateau der Hornisgrinde, des höchsten Berges im Nordschwarzwald. Dieses Plateau ist tatsächlich eine "Platte" im geologischen Sinne – flach, weitläufig, moorartig. Doch fliegerisch ist Vorsicht geboten:
Die Hornisgrinde (Die "Platte"): Ein Start direkt vom Gipfelplateau ist oft problematisch (Naturschutzgebiet, Sendemasten, militärische Altlasten).
Der Schlossberg: Dies ist der tatsächliche, offizielle Startplatz des lokalen Vereins, der Gleitschirmclub "Borkies" Sasbachwalden e.V.. Wenn Sie also "Auf der Platte" in Sasbachwalden fliegen wollen, ist Ihr Ziel der Startplatz Schlossberg.
Der Startplatz Schlossberg (N 48°36'34.50″ E 8°09'08.20″) liegt auf 798 Metern Höhe. Er ist kein freies Wiesengelände, sondern ein klassischer Schneisenstart im Wald. Diese topografische Besonderheit diktiert die Sicherheitsregeln.
Die 10 km/h-Regel: Das wohl wichtigste Sicherheitsdetail für diesen Ort, das in keinem Standard-Reiseführer fehlen darf, ist das strikte Windlimit. Bei Westwind darf die Windgeschwindigkeit am Startplatz maximal 10 km/h betragen.
Warum diese Strenge? Eine Waldschneise wirkt wie eine Düse. Wenn der Wind frontal (West) ansteht, strömt er in die Schneise ein. Ist er jedoch zu stark oder kommt leicht seitlich, entstehen an den Rändern der Schneise (den Baumwipfeln) massive mechanische Turbulenzen und Leewirbel (Rotoren). Ein Gleitschirm, der in dieser Phase startet, riskiert einen asymmetrischen Klapper in Bodennähe – eine Situation, die aufgrund der geringen Höhe oft fatal endet.
Startrichtung: 260° (West-Südwest). Dies ist die ideale Richtung, um am späten Nachmittag in das soaringfähige Rheintal hinauszustarten.
Sasbachwalden ist ein Musterbeispiel für umweltbewusste Fluglogistik. Die individuelle Auffahrt zum Startplatz mit dem PKW ist streng verboten. Stattdessen hat sich ein System etabliert, das fast schon Kultstatus genießt.
Der Bus-Shuttle: Piloten parken am Landeplatz (beim "Naturhotel Holzwurm") oder im Bereich Brandmatt. Von Sasbachwalden fährt im Stundentakt ein Linienbus zur Schwarzwaldhochstraße.
Insider-Tipp "Schindlerhaus": Der erfahrene "Borkie" weiß: Man fährt nicht bis ganz nach oben. Der ideale Ausstieg ist oft die Haltestelle "Sasbachwalden Schindlerhaus" (BK Landheim) oder – und das ist der wahre Insider-Tipp – man bittet den Busfahrer freundlich, einen direkt in der Kurve nahe dem Startplatzweg aussteigen zu lassen. Dies spart wertvolle Gehzeit. Vom Ausstieg sind es noch ca. 10 Minuten zu Fuß durch den Wald.
Der Landeplatz (277 m NN) liegt direkt beim Vereinslokal und Hotel "Holzwurm". Er ist thermisch aktiv und teilweise anspruchsvoll ("nicht ohne" ).
Die Rebberg-Gefahr: Bei starkem Südwestwind liegt der Landeplatz im Lee des vorgelagerten Rebbergs und der Bäume. Piloten berichten von "Leewirkung" und starkem Sinken im Endanflug. Die Landeeinteilung (Position über dem Parkplatz des Freibads) muss präzise geflogen werden. "Abachtern" ist oft notwendig, um Höhe abzubauen, ohne zu weit hinauszutreiben.
Dass Sasbachwalden mehr ist als ein Abgleiter-Berg, beweist der Vereinsrekord von Christoph Bachura: Ein Flug "Vom Schwarzwald bis zur Donau".
Die Route: Der Schlüssel liegt im "Sprung" über die Hornisgrinde. Wer am Schlossberg startet, muss in der Thermik so viel Höhe machen, dass er das Hornisgrinde-Plateau überhöhen kann. Von dort öffnet sich bei Rückseitenwetter (Westwinddrift nach Kaltfront) der Weg über den Schwarzwald Richtung Schwäbische Alb und Donautal. Dies ist die "Königsdisziplin" an der Platte.
Vereinswettbewerb: Die Borkies fördern diesen Ehrgeiz mit internen Wettbewerben (X-Trophy), bei denen Flüge an Wochenenden gewertet werden.
Teil III: Der alpine Titan – Die Steinplatte (Tirol)
Verlassen wir nun die Mittelgebirge und wenden uns dem Gebiet zu, das dem Namen "Platte" geologisch am meisten Ehre macht: Die Steinplatte in Waidring (Tirol/Salzburg). Hier treffen wir auf hochalpine Bedingungen.
Die Steinplatte ist ein versteinertes Korallenriff, das nach Süden mit einer massiven, senkrechten Felswand abbricht.
Der Heizstrahler: Diese Südwand ist ein thermischer Garant. Sobald die Sonne den Fels erwärmt, entstehen hier zuverlässige Aufwinde ("Hausbärte"), die Piloten oft mühelos auf 3000 Meter heben.
Startplatz: Der Startplatz liegt auf ca. 1564 m Höhe, nahe der Bergstation der Kammerkörbahn. Die Ausrichtung ist West (W) bis Südwest (SW).
Ein Phänomen, das im DHV-Wetterbericht oft nur als Randnotiz erscheint, ist für die Steinplatte essenziell: der Bayerische Wind.
Mechanismus: Wenn im Alpenvorland (Chiemgau) der Druck steigt und im Inntal sinkt, strömt Luft aus Nordosten/Osten in die Täler. Diese Strömung kann über die niedrigeren Vorberge "schwappen".
Gefahr: Obwohl der überregionale Wind vielleicht West meldet (was ideal wäre), kann der Bayerische Wind (Ost) am Startplatz für Chaos sorgen. Er kommt oft "um die Ecke" oder fällt über die Kante. Piloten müssen hier extrem wachsam sein: Wenn die Windfahnen am Startplatz West zeigen, aber die Wolken im Norden schnell von Ost ziehen, ist Vorsicht geboten – Scherungsgefahr!
Im Gegensatz zur puristischen Atmosphäre im Saarland ist die Steinplatte ein touristischer Hotspot ("Triassic Park").
Vorteil: Perfekte Erschließung durch Bergbahnen, Restaurants am Gipfel, Toiletten.
Nachteil: An guten Tagen ist der Luftraum voll. Gleitschirme, Drachen, und im Winter Skifahrer am Boden. Es herrscht ein gewisser "Rummel", dem man nur entfliehen kann, indem man auf Strecke geht.
Teil IV: Urbanes Fliegen und Luftraum-Puzzles – Graz (Schöckl & Platte)
Die vierte Dimension unseres "Platte"-Universums führt uns nach Österreich, in die Steiermark. Hier ist die "Platte" (Grazer Platte) ein bekannter Hügel am Stadtrand, doch das fliegerische Herz schlägt am Schöckl.
Die "Platte" in Graz (ca. 651 m) ist primär ein Naherholungsgebiet. Für Gleitschirmflieger ist sie historisch relevant und wird teils für Groundhandling genutzt, aber der Fokus liegt eindeutig auf dem Schöckl (1445 m), dem Hausberg der Grazer.
Was die Region Graz für den ambitionierten Piloten so einzigartig (und komplex) macht, ist das Luftraummanagement. Der Paragleitclub Steiermark (PGC) hat hier Pionierarbeit geleistet.
TRA (Temporary Reserved Airspace): Um Höhenflüge und Streckenflüge im kontrollierten Luftraum des Flughafens Graz zu ermöglichen, wurden spezielle Sektoren (TRA Schöckl, TRA Almenland, TRA Bruck) eingerichtet.
Aktivierung: Diese Lufträume sind nicht permanent offen. Sie müssen aktiviert werden. Dies geschieht durch autorisierte Vertreter des Clubs in Absprache mit der Flugsicherung (Austro Control).
Info-Pflicht: Der Pilot muss sich vor dem Start informieren, ob die TRA aktiv ist. Die einzige verbindliche Quelle ist das ATIS des Flughafens Graz (Tel: +43 5 1703 6731) oder die Info-Kanäle des Vereins (WhatsApp-Gruppen). Wer hier ohne Freigabe in die Höhe schraubt, gefährdet nicht nur sich, sondern die Zulassung des gesamten Gebiets.
Schöckl Süd (Ostgipfel): Der Hauptstartplatz für S/SO-Lagen. Einfach, aber Vorsicht bei Westwind – der Berg ist thermisch sehr aktiv und Westwind kann Leewirbel um den Gipfelaufbau treiben.
Schöckl Nord: Für N/NW-Lagen. Hier zeigt sich die Vielseitigkeit des Berges, der fast alle Windrichtungen abdeckt.
Die Landung in St. Radegund (am Fuße des Schöckl) erfordert Disziplin. Es gibt getrennte Landeplätze für Drachen und Gleitschirme.
Linksvolte: Am Paragleiter-Landeplatz (neben der Seilbahn) ist eine Linksvolte vorgeschrieben.
Gebühren: Auch hier gilt: Fliegen ist nicht kostenlos. Eine Tagesmitgliedschaft (ca. 6 €) wird erwartet und dient dem Erhalt der Gelände.
Teil V: Sicherheitssynthese und Wetter-Check
Nach der Analyse der vier "Platten" kristallisieren sich universelle Sicherheitsregeln und wetterbedingte "Go / No-Go" Kriterien heraus. Ein Dashboard für den Piloten könnte wie folgt aussehen:
Egal ob Saarland oder Alpen, die Nutzung moderner Wetter-Tools ist Pflicht.
Holfuy: Die Stationen "Schlossberg" (Sasbachwalden) und "Sodkopf" (Lauf) liefern Echtzeit-Winddaten. Ein Blick auf die Böen (Gusts) ist oft wichtiger als der Mittelwind. Wenn die Böen in Sasbachwalden 20 km/h erreichen, ist der Start in der Schneise bereits lebensgefährlich, auch wenn der Mittelwind noch fliehbar scheint.
Regenradar: Besonders im Mittelgebirge (Schwarzwald) können sich Gewitterzellen schnell bilden. Apps wie WetterOnline oder das DWD-Radar sind essenziell.
Paraglidable: Diese KI-gestützte Vorhersage gibt einen guten ersten Indikator ("Flight Score"), sollte aber niemals die eigene Einschätzung vor Ort ersetzen.
Frühjahr (März-Mai): Beste Zeit für XC auf der Steinplatte und im Schwarzwald (hohe Basis, starke Thermik). Aber: Extrem aggressive Thermik und Kaltluft-Einschlüsse in den Tälern.
Herbst (September-Oktober): Die Zeit der Genussflieger. Im Saarland und in Graz oft die stabilste Zeit für ruhige Abgleiter oder sanftes Soaring. In Sasbachwalden bietet der Herbst oft die klarste Sicht bis zum Straßburger Münster.
Fazit: Die Qual der Wahl
Welche "Platte" ist nun die richtige für Sie?
Für den Technik-Enthusiasten: Fahren Sie ins Saarland ("Auf der Platte"). Lernen Sie die Präzision des Windenstarts, navigieren Sie entlang der französischen Grenze und genießen Sie die Gemeinschaft eines Clubs, der Teamwork lebt.
Für den Abenteurer: Wählen Sie die Steinplatte in Tirol. Aber bringen Sie Respekt mit – vor der Südwand, dem Bayerischen Wind und der hochalpinen Umgebung.
Für den Taktiker: Sasbachwalden (Schlossberg) ist Ihr Ziel. Studieren Sie den Wind, nutzen Sie den Bus-Shuttle wie ein Local und versuchen Sie, den Sprung über die Hornisgrinde zu schaffen. Es ist Schachspiel mit der Natur.
Für den Allrounder: Der Schöckl (Graz) bietet die perfekte Mischung aus Infrastruktur, sportlichem Anspruch und urbaner Nähe. Aber vergessen Sie nicht, das ATIS abzuhören!
Dieser Guide hat gezeigt, dass hinter dem Namen "Auf der Platte" weit mehr steckt als ein flaches Stück Land. Es sind Tore zu vier völlig unterschiedlichen Welten des Fliegens. Packen Sie Ihren Schirm, prüfen Sie das Wetter und – das Wichtigste – wählen Sie die richtige Platte für Ihr Können.
Verwendete Datenquellen und Referenzen
Die Informationen in diesem Report basieren auf einer Synthese aus DHV-Geländedaten, Vereinsinformationen und meteorologischen Analysen.
DHV-Datenbank & Geländedetails:
Vereinsinformationen (Borkies, Para-Ski-Club, PGC):
Wetter & Sicherheit:
XC & Routen: