
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Umfassender Guide zur Zoglauer Wiese: Das Kompetenzzentrum für Windenstart und Thermikfliegen im Rottal Executive Summary
Das Fluggelände Zoglauer Wiese, gelegen in der niederbayerischen Marktgemeinde Tann, stellt eine essenzielle Ressource für den Gleitschirm- und Drachensport im außeralpinen Raum dar. Als spezialisiertes Schleppgelände unter der Ägide des Drachen- und Gleitschirmfliegerclubs (DGFC) Rottal-Inn e.V. bietet es Piloten die Möglichkeit, unabhängig von alpinen Topografien Höhengewinne von bis zu 300 Metern über Grund zu erzielen. Der Standort zeichnet sich durch eine technisch präzise ausgerichtete Schleppstrecke für die Richtungen Südost und Nordwest aus, was ihn zu einem zuverlässigen Startpunkt für thermische Flüge und Streckenflug-Ambitionen im niederbayerischen Hügelland macht. Im Gegensatz zu den oft überlaufenen alpinen Startplätzen bietet die Zoglauer Wiese ein hohes Maß an Flugsicherheit durch weite, hindernisfreie Flächen und eine professionelle Windeninfrastruktur, die sowohl für die Schulung als auch für erfahrene Piloten ausgelegt ist. Dieser Guide analysiert detailliert die logistischen, meteorologischen und flugtechnischen Aspekte, die diesen Standort zu einem "Hidden Gem" der deutschen Flachlandszene machen.
Die Zoglauer Wiese befindet sich in einer strategisch günstigen Lage im Landkreis Rottal-Inn, unweit der Grenze zu Österreich. Die topografische Einbettung in das sanfte Hügelland Niederbayerns prägt den Charakter des Geländes als klassisches Flachland-Fluggebiet, in dem die Thermik nicht durch Bergflanken, sondern durch Bodenbeschaffenheit und solare Einstrahlung generiert wird.
Die präzisen Koordinaten und Höhendaten bilden das Fundament für die Flugplanung, insbesondere für die Einstellung von Fluginstrumenten und die Navigation im Luftraum.
Merkmal Spezifikation Geländeart
Reines Schleppgelände (Winde)
Gemeinde
84367 Tann, Niederbayern
Koordinaten (Start/Landeplatz)
N 48°23'02.05" E 12°54'36.49"
Höhe über NN
440 m
Maximale Schlepphöhe
300 m über Grund
Schlepplänge
ca. 450 m
Startrichtungen
Südost (SO), Nordwest (NW)
Schwierigkeitsgrad
Einfach bis Mittel (starttechnisch einfach, thermisch anspruchsvoll)
Das Gelände ist als Schleppgelände für Gleitschirme (1-sitzig und Schulung) sowie für Hängegleiter (1-sitzig und Schulung) zugelassen. Die physische Beschaffenheit der Wiese ist eben und frei von signifikanten Hindernissen, was die Startphase im Vergleich zu hängenden alpinen Startplätzen erheblich entspannt.
Der Flugbetrieb auf der Zoglauer Wiese ist eng an die Aktivitäten des DGFC Rottal-Inn e.V. gekoppelt. Da es sich um ein Schleppgelände handelt, ist der Betrieb von der Anwesenheit eines zertifizierten Windenführers und eines Startleiters abhängig. In der Regel findet der Flugbetrieb an Wochenenden und Feiertagen bei flugtauglichem Wetter statt. Piloten werden dazu angehalten, die aktuellen Terminübersichten des Vereins zu konsultieren, um die Verfügbarkeit des Windenbetriebs sicherzustellen.
Besondere Einschränkungen ergeben sich aus der landwirtschaftlichen Nutzung der umliegenden Flächen. Eine Landung außerhalb der ausgewiesenen Pisten ist insbesondere vor der Mahd zu vermeiden, um Flurschäden und Konflikte mit den lokalen Landwirten zu verhindern.
Die Logistik an einem Schleppgelände unterscheidet sich grundlegend von Bergstartplätzen. Da kein Aufstieg erforderlich ist, liegt der Fokus auf der Erreichbarkeit mit dem PKW und der Koordination am Boden.
Die Anreise nach Tann erfolgt über das regionale Straßennetz Niederbayerns. Für Piloten, die aus dem Raum München oder Passau anreisen, ist die Anbindung über die B20 oder die A94 entscheidend.
Kategorie Details PKW-Erreichbarkeit
Direkt über lokale Zufahrtswege zur Zoglauer Wiese
Parkmöglichkeiten
Vorhanden, jedoch strikte Einhaltung der Parkverbote auf Agrarwegen
Öffentliche Verkehrsmittel Eingeschränkt; Anreise per PKW wird dringend empfohlen Aufstiegshilfen
Nicht erforderlich (Flachstart)
Es gibt keine Bergbahnen oder Shuttles im klassischen Sinne. Der "Transport" erfolgt horizontal durch die Winde, was die physische Belastung vor dem Start minimiert und die Konzentration auf den Flugvorgang ermöglicht.
Nach der Ankunft am Gelände erfolgt die Anmeldung beim Startleiter. Da der Windenbetrieb eine Teamleistung erfordert, ist die Integration in den Ablauf (z.B. Seilauslegen, Starthelfer-Tätigkeiten) für Gastpiloten nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern oft eine Voraussetzung für einen reibungslosen Betrieb. Die Ausrüstung wird auf der dafür vorgesehenen Vorbereitungsfläche aufgebaut, um die Schleppstrecke für laufende Starts freizuhalten.
Die Zoglauer Wiese profitiert von der spezifischen Mikrometeorologie des Rottals. Während alpine Gebiete oft mit Lee-Problematiken und Talwindsystemen zu kämpfen haben, bietet das Rottal ein eher großflächiges, homogenes Windfeld.
Die Ausrichtung der Schleppstrecke in SO-NW-Richtung deckt die Mehrheit der fliegerisch relevanten Windlagen in Süddeutschland ab.
Südost-Lagen: Oft verbunden mit stabilen Hochdrucklagen. Hier bietet die Zoglauer Wiese ideale Bedingungen für ruhige Schulungsflüge am Morgen und kräftige Thermik im Tagesverlauf.
Nordwest-Lagen: Häufig nach Frontdurchgängen mit labilerer Luftschichtung. Diese Lagen sind bei Streckenfliegern beliebt, da sie oft mit guter Fernsicht und markanter Cumulus-Bildung einhergehen.
Die Windgeschwindigkeit am Boden sollte für einen sicheren Windenstart idealerweise zwischen 5 und 15 km/h liegen. Bei Geschwindigkeiten über 20 km/h am Boden steigt die Turbulenzneigung in der kritischen ersten Phase des Schlepps.
Das Rottal ist bekannt für seine zuverlässige Thermikentwicklung, die durch die Vielfalt der landwirtschaftlichen Flächen (Äcker, Wiesen, Waldränder) begünstigt wird.
Jahreszeit Flugbedingungen Frühjahr (März - Mai)
Beste Zeit für XC; kräftige Thermik durch hohe Temperaturdifferenzen
Sommer (Juni - August)
Stabile Bedingungen; Thermikbeginn meist ab 11:00 Uhr; Gefahr von Gewitterbildung
Herbst (Sept. - Nov.)
Sanfte Thermik ("Abendthermik"); oft Inversionswetterlagen im Tal
Winter (Dez. - Feb.)
Meist nur Gleitflüge; besondere Atmosphäre beim "Jahresausfliegen"
Lokale Piloten nutzen zur Beurteilung der Thermik oft die Temperaturdifferenz zwischen den Bodenstationen im Tal und den umliegenden Anhöhen. Eine Wolkenbasis von 1.500 bis 2.000 Metern über NN ist an guten Tagen im Rottal keine Seltenheit.
Der Windenstart an der Zoglauer Wiese erfordert ein spezifisches technisches Verständnis. Da die Schleppstrecke mit ca. 450 m im Vergleich zu anderen Geländen eher kurz ist, muss der Steigflug effizient gestaltet werden, um die Zielhöhe von 300 m zu erreichen.
Ein optimaler Schleppvorgang lässt sich in drei Phasen unterteilen:
Anlaufphase: Der Schirm wird durch die Winde aufgezogen. Der Pilot muss aktiv die Richtung halten und darf sich erst nach Erreichen einer stabilen Fluglage in den Sitz setzen.
Steigphase: Hier wird die maximale Zugkraft appliziert. Der Pilot steuert den Schirm primär über Gewichtsverlagerung, um den Widerstand gering zu halten.
Klinkphase: Kurz vor Erreichen der Winde wird die Zugkraft reduziert. Der Pilot klinkt das Seil aus und beginnt unmittelbar mit der Suche nach thermischen Ablösungen.
Die größte Gefahr beim Windenstart ist der Seilriss oder der plötzliche Zugkraftverlust in geringer Höhe. Piloten müssen darauf trainiert sein, in solchen Situationen sofort die Fluglage zu stabilisieren und eine Notlandung einzuleiten. Die Zoglauer Wiese bietet aufgrund ihrer Weitläufigkeit hierfür exzellente Sicherheitsreserven.
Die Zoglauer Wiese ist ein hervorragender Ausgangspunkt für Streckenflüge im Flachland. Da die Starthöhe mit 300 m über Grund gering ist, liegt die erste Herausforderung im "Anschlussfinden" an die Basis.
Die geografische Lage erlaubt Flüge in verschiedene Richtungen, wobei die Luftraumstruktur die Planung maßgeblich beeinflusst.
Route Nord/Nordwest: Entlang der Hügelketten in Richtung Donau. Diese Route ist thermisch oft sehr verlässlich, da die Waldkanten als Triggerpunkte dienen.
Route West: In Richtung Landshut. Dies ist die bevorzugte Route bei den im Sommer oft vorherrschenden Ostwindlagen.
Route Südost: Richtung Inn und die österreichische Grenze. Hier ist Vorsicht geboten wegen der Lufträume von Salzburg und Linz.
Die Nähe zum Flugplatz Eggenfelden (EDME) ist der wichtigste Faktor für das Luftraummanagement an der Zoglauer Wiese. Piloten müssen die Platzrunde von EDME kennen und einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten. Der DGFC Rottal-Inn steht in engem Kontakt mit der Flugleitung in Eggenfelden, insbesondere bei Veranstaltungen oder erhöhtem Flugaufkommen.
Luftraum-Klasse Relevanz für Piloten G (Golf)
Unkontrollierter Luftraum bis 2.500 ft AMSL (oder 1.000 ft AGL)
E (Echo)
Kontrollierter Luftraum oberhalb von Golf; VFR-Flüge gestattet
CTR Eggenfelden Kontrollzone; Einflug für Gleitschirme grundsätzlich verboten
Was diesen Guide von offiziellen Datenbankeinträgen unterscheidet, ist das Wissen der lokalen Piloten, die das Gelände über Jahrzehnte beflogen haben.
Ein bekannter "Trigger" für thermische Ablösungen ist eine Gruppe von Hallen und versiegelten Flächen nordwestlich des Startplatzes. An Tagen mit leichter Brise lösen sich hier regelmäßig Bärte ab, die Piloten direkt vom Ausklinkpunkt erreichen können. Ein weiterer Tipp ist die Nutzung der Konvergenzzonen, die entstehen können, wenn der kühlere Talwind aus dem Inntal auf die erwärmte Luft des Rottals trifft.
Lokale Piloten verlassen sich nicht nur auf den Windsack. Die Nutzung spezifischer Webcams und Wetterstationen ist Standard.
Webcam Tann Marktplatz: Bietet einen Echtzeit-Blick auf die Bewölkungssituation und Sichtweiten.
Wetterstation Tann: Liefert präzise Daten zu Windrichtung und Böen, was für die Entscheidung zum Aufbau der Winde essenziell ist.
DHV-XC Analysen: Die Auswertung vergangener Flüge zeigt, dass Piloten, die frühzeitig nach dem Start in Richtung Westen versetzen, oft eine höhere Erfolgsquote beim ersten Thermikanschluss haben.
Ein Flugtag endet an der Zoglauer Wiese selten mit dem Einpacken des Schirms. Die soziale Komponente und die Einbettung in die niederbayerische Gastronomie sind Teil des Erlebnisses.
Die Gemeinde Tann und die umliegenden Orte bieten eine Auswahl an Gaststätten, die bei Fliegern beliebt sind.
Lokalität Empfehlung Besonderheiten Das Grainer Poststüberl & Grainer Saal
Traditionelle bayerische Küche, Vereinslokal, eigenes Bier
Bistro Pizza Di Bella Neapolitanische Pizza
Ideal für den schnellen Hunger nach dem Flug; authentische Qualität
Gasthof Wirtsbauer Burger & Grillgerichte
Großer Biergarten in Langeneck; oft Treffpunkt für Piloten
Gasthof zur Mühle Rottaler Schmankerl
Gemütliche Atmosphäre, regionale Produkte
Besonders das Silvesterfliegen mit anschließendem Gulaschsuppenessen hat im Verein Kultstatus und zeigt die tiefe Verwurzelung des Sports in der lokalen Gemeinschaft.
Für Piloten mit längerer Anreise bietet die Region zahlreiche Möglichkeiten, vom einfachen Gästezimmer bis zum Wellness-Hotel in den nahen Thermenorten wie Bad Birnbach oder Bad Griesbach. Campingfreunde finden am nahen Campingplatz in Dippach eine unkomplizierte Bleibe.
Der DGFC Rottal-Inn e.V. ist nicht nur Geländehalter, sondern auch Garant für die Sicherheit und den Erhalt des Fluggebiets.
Der Verein ist professionell strukturiert und betreibt neben der Zoglauer Wiese auch Aktivitäten am Flugplatz Eggenfelden. Die Saisoneröffnung im März und regelmäßige Sicherheitstrainings unterstreichen den hohen Anspruch an die fliegerische Qualität.
Vorstand & Ansprechpartner: Der Verein ist über seine Webseite (dgfc.de) erreichbar; eine vorherige Kontaktaufnahme für Gastpiloten ist obligatorisch.
Schulung: Der Standort wird für die Grundausbildung und Höhenflugschulung genutzt, was die Qualität der Windenführung garantiert.
Im Falle eines Unfalls ist die Rettungskette über die Nummer 112 einzuleiten. Die Zoglauer Wiese ist für Rettungsfahrzeuge über befestigte Wege gut erreichbar. Da der Flugbetrieb immer unter Aufsicht eines Startleiters stattfindet, ist eine sofortige Koordination der Ersthelfer gewährleistet.
Die Zoglauer Wiese ist weit mehr als ein simpler Wiesenstartplatz. Sie ist ein Beweis dafür, dass hochwertiger Flugsport auch im Flachland möglich ist, sofern er auf einer soliden technischen und sozialen Basis steht. Die Kombination aus einer hindernisfreien Topografie, einer professionellen Windeninfrastruktur und der Einbettung in eine aktive Fliegergemeinschaft macht diesen Standort zu einer Top-Adresse für Gleitschirm- und Drachenflieger in Süddeutschland.
Ob für den Einsteiger, der seine ersten Windenstarts absolviert, oder für den XC-Profi, der die Herausforderung der niedrigen Ausklinkhöhe sucht – die Zoglauer Wiese bietet für jedes Niveau die passenden Bedingungen. Die Nähe zu kulinarischen Highlights und die entspannte niederbayerische Mentalität runden das Gesamterlebnis ab und machen jeden Besuch zu einem fliegerischen und persönlichen Gewinn.
Checkliste für den Besuch
Vereinstermine prüfen: Findet heute Windenbetrieb statt?
Dokumentation: Versicherung, Lizenz und IPPI-Card (für Gäste) bereithalten.
Ausrüstung: Windenstart-Zulassung und Klinke vorhanden?
Briefing: Einweisung durch den Startleiter vor Ort einholen.
Luftraum: Aktuelle NOTAMs für EDME prüfen.
Mit dieser Vorbereitung steht einem sicheren und genussvollen Flugtag an der Zoglauer Wiese nichts im Wege. Es ist die Leidenschaft der lokalen Piloten und die technische Exzellenz des DGFC Rottal-Inn, die diesen Ort zu dem machen, was er ist: Ein Herzstück des bayerischen Flugsports.