
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Umfassender Gleitschirm-Guide: Startplatz Wenholthausen (Sauerland)
Wenholthausen, ein Ortsteil der Gemeinde Eslohe im Hochsauerlandkreis, ist weit mehr als nur ein Punkt auf der Landkarte für Gleitschirmflieger. Um die aerodynamischen Besonderheiten dieses Fluggebietes vollständig zu durchdringen, bedarf es einer detaillierten Betrachtung der orographischen Strukturen, die dieses Gelände formen. Der Startplatz befindet sich in den Ausläufern des Rothaargebirges, spezifisch im Naturraum der Homert. Diese geologische Formation ist geprägt durch ein Wechselspiel aus bewaldeten Höhenzügen und tief eingeschnittenen Tälern, die für das Sauerland charakteristisch sind.
Die Homert selbst, mit Höhen, die die 600-Meter-Marke teils überschreiten, wirkt als massive Barriere für die vorherrschenden westlichen Strömungen. Wenholthausen liegt dabei an einer geographisch strategischen Position: Das Gelände öffnet sich nach Süd-Südwest, was es zu einer prädestinierten Auffanglinie für thermisch aktive Luftmassen macht, die aus den Tälern aufsteigen. Im Gegensatz zu den sanfteren Kuppen des benachbarten Uplands (wie etwa in Willingen) weist das Relief hier schärfere Einschnitte auf. Diese Topographie erzwingt ein komplexes Windsystem, bei dem Talwindsysteme und überregionale Gradientenwinde interagieren.
Das Fluggelände Wenholthausen, intern oft als "WHH" abgekürzt, wird vom SauerlandAIR e.V. betrieben und stellt aufgrund seiner spezifischen Kennzahlen eine Besonderheit in der Region dar. Während viele Startplätze im Mittelgebirge oft nur geringe Höhendifferenzen aufweisen, bietet Wenholthausen ein "alpines" Feeling im Kleinen.
Topographischer Parameter Spezifikation Relevanz für den Piloten Startplatz Koordinaten
N 51°18'10.21" E 8°11'23.02"
Exakte Position für Navigationsgeräte und Notfallrettung. Landeplatz Koordinaten
N 51°17'33.55" E 8°10'32.42"
Notwendig für die Berechnung des Gleitpfades, da keine Sichtverbindung besteht. Startplatz Höhe (MSL)
ca. 571 m - 575 m
Bestimmt die Basishöhe und den Abstand zur Inversion. Landeplatz Höhe (MSL)
ca. 271 m
Tiefer Talboden, oft windgeschützt oder von Talwind durchströmt. Höhendifferenz
ca. 304 m
Ermöglicht ausgedehnte Suchphasen nach Thermik vor der Landeentscheidung. Ausrichtung
S-SW (ca. 225°)
Ideal für klassische Rückseitenwetterlagen und thermische Tage.
Diese Höhendifferenz von über 300 Metern ist taktisch von enormer Bedeutung. Sie erlaubt es Piloten, nicht nur den direkten Hangaufwind zu nutzen, sondern auch weiter ins Tal vorgelagerte Thermikquellen zu erreichen, die sich oft über den südlich gelegenen Abrisskanten und Felsformationen bilden.
Der Startplatz in Wenholthausen ist keine offene Wiese, sondern eine klassische Waldschneise. Diese bauliche Gegebenheit hat tiefgreifende Auswirkungen auf die lokale Aerodynamik, die jeder Pilot verstehen muss, um sicher zu starten. Eine Schneise wirkt physikalisch wie eine Düse oder ein Venturi-Rohr. Wenn die Luftmasse auf den Bergrücken trifft und in die verengte Schneise gezwungen wird, erhöht sich die Strömungsgeschwindigkeit (v) lokal, während der statische Druck (p) sinkt.
Für den Piloten bedeutet dies:
Windgeschwindigkeits-Diskrepanz: Der Wind kann in der Schneise deutlich stärker sein als im freien Luftraum davor oder darüber.
Kanalisierung: Die Schneise zwingt den Wind in eine Richtung parallel zu den Bäumen. Selbst wenn der überregionale Wind beispielsweise aus 200° (Süd-Südwest) kommt, wird er im unteren Bereich der Schneise oft als strikter 225° (Südwest) wahrgenommen. Dies kann über die wahre Windrichtung täuschen.
Die DHV-Geländedatenbank und die Betriebsordnung des SauerlandAIR e.V. definieren ein extrem enges Windfenster von 190° bis 230°. Diese Strenge ist kein bürokratischer Akt, sondern ein aerodynamisches Sicherheitserfordernis.
Seitenwind-Problematik: Sobald der Wind den Sektor 190°-230° verlässt, strömt er nicht mehr parallel in die Schneise, sondern trifft schräg auf die begrenzenden Baumreihen. Dies führt zur Ablösung der Strömung an den Baumwipfeln. Es entstehen Leewirbel (Rotoren), die in den Startbereich hineinreichen können.
Die "Klapper"-Falle: Ein Gleitschirm, der in dieser turbulenten Zone aufgezogen wird, ist extrem anfällig für asymmetrische Einklapper noch am Boden oder unmittelbar nach dem Abheben. Besonders kritisch ist Westwind (>230°), da hierbei die linke Baumreihe (in Blickrichtung Tal) massive Turbulenzen erzeugt.
Ein häufiger Fehler, besonders bei Gastpiloten, ist das Vertrauen auf die Windbänder im unteren Bereich der Schneise. Aufgrund der Kanalisierung zeigen diese oft "perfekten Vorwind" an, selbst wenn der Höhenwind bereits kritisch gedreht hat.
Das Referenzinstrument: Maßgeblich für die Startentscheidung ist einzig und allein der 16 Meter hohe Hauptwindanzeiger (Mast mit Windsack) am Startplatz. Aufgrund seiner Höhe ragt er aus der unmittelbaren Reibungsschicht der Schneise heraus und zeigt die ungestörte Anströmung an.
Szenario: Die Bänder am Boden hängen schlaff oder wehen leicht von vorne. Der Windsack am Mast oben steht quer oder zeigt starke Böen an.
Entscheidung: Startabbruch! Hier herrscht ein starker Windscherungs-Gradient (Windshear). Ein Start würde bedeuten, dass der Pilot wenige Meter nach dem Abheben in eine völlig andere Luftmasse (stärker/andere Richtung) katapultiert wird, was zu massiven Pendelbewegungen und Kontrollverlust führen kann.
Aufgrund der oben genannten Faktoren ist der Startplatz Wenholthausen technisch anspruchsvoll.
Rückwärtsstart: Ein Vorwärtsstart ist hier, außer bei absoluter Windstille (was selten fliegt), nicht zu empfehlen. Der Pilot muss den Schirm während der Aufziehphase beobachten, um auf eventuelle Asymmetrien durch den Schneiseneffekt sofort reagieren zu können.
Impulsives Aufziehen: Da der Wind am Boden in der Schneise oft schwächer ist als an der Abrisskante, muss der Schirm mit einem deutlichen Impuls aufgezogen werden, um schnell durch die "tote Luft" am Boden zu steigen.
Aktives Fliegen ab Sekunde Null: Nach dem Abheben darf nicht passiv "abgewartet" werden. Der Pilot muss sofort Fahrt aufnehmen und aktiv steuern, um den Schirm stabil durch die eventuellen Turbulenzen am Schneisenausgang zu führen. Ein seitliches Ausbrechen in Richtung der Bäume muss um jeden Preis verhindert werden.
Das Sauerland, als "Land der 1000 Berge", ist meteorologisch ein Übergangsgebiet. Es liegt im Einflussbereich der atlantischen Tiefdruckgebiete, bietet aber durch seine Höhenzüge bereits Stau- und Lee-Effekte. Für Wenholthausen ist relevant, dass es oft an der Grenze zwischen dem maritimen Einfluss (feuchte Luft, niedrige Basis) und kontinentaleren Einflüssen (trockenere Luft, höhere Basis Richtung Osten) liegt.
Wenholthausen ist bekannt für seine zuverlässige Thermik, aber auch für deren Tücken.
Vormittag (ab 11:00 Uhr): Die Sonne beginnt, den Süd-Südwest-Hang zu erwärmen. Dies ist oft die sicherste Zeit für den Start. Die Thermik entwickelt sich, ist aber meist noch nicht "zerrissen".
Mittag (12:00 - 15:00 Uhr): In den Sommermonaten (Mai bis August) warnt der Verein explizit vor "heftigen thermischen Böen". Die Kombination aus starker Sonneneinstrahlung und dem Düsen-Effekt der Schneise kann zu Windgeschwindigkeiten am Start führen, die das Rückwärtsaufziehen extrem riskant machen (Aushebeln des Piloten). Zudem sind die Ablösungen in dieser Zeit oft eng und stark, was eine hohe Schirmbeherrschung erfordert.
Abend (Restitution): An Tagen mit hoher Labilität kann sich abends eine wunderbare Umkehrthermik ("Magic Lift") entwickeln, wenn die im Tal gespeicherte Wärme langsam abgegeben wird und die Kaltluft von den Höhen (Homert) noch nicht vollständig ins Tal fließt.
Frühjahr (März-Mai): Dies ist die "Prime Time" für Wenholthausen. Die Vegetation ist noch nicht voll entwickelt, der Boden heizt sich schnell auf, während die Höhenluft noch kalt ist (hoher Temperaturgradient). Dies führt zu kräftigen Bärten und guten Höhengewinnen, die für Streckenflüge notwendig sind.
Herbst/Winter: In der kalten Jahreszeit sind Flüge oft auf reines Abgleiten oder Soaring beschränkt. Hier ist besonders auf die Inversionswetterlagen zu achten. Oft liegt Wenholthausen im Nebel, während auf der Kahler Asten die Sonne scheint. Ein Blick auf die Webcams der Region (z.B. Hohe Bracht, Homert) ist vor der Anreise Pflicht.
Anders als an alpinen Steilwänden, wo man oft direkt am Startplatz "parken" kann, erfordert Wenholthausen eine aktive Suche nach dem Aufwind.
Die rechte Seite: Nach dem Start führt die Standardroute fast immer nach rechts (Westen/Nordwesten) entlang der Hangkante. Hier, wo der Hang leicht abknickt und Felsformationen oder abgeholzte Bereiche (Kalamitätsflächen) exponiert sind, löst sich die Thermik am zuverlässigsten ab.
Vorgelagerte Quellen: Erfahrene Piloten wissen, dass die stärksten Bärte oft nicht direkt am Hang kleben, sondern etwas vorgelagert über den südlich ausgerichteten Wiesenflächen entstehen und dann schräg zum Hang hintreiben. Wer zu nah am Relief klebt ("Hangschrubben"), fliegt oft unter dem Bart durch.
Das Verständnis der Lee-Bereiche ist in Wenholthausen überlebenswichtig. Es gibt zwei Zonen, die unter Gleitschirmfliegern berüchtigt sind :
Der Süd-Gegenhang: Fliegt man vom Startplatz aus zu weit geradeaus oder gar nach links (Süden/Südosten), gerät man in den Einflussbereich eines Gegenhangs. Bei der Hauptwindrichtung Südwest strömt die Luft über diesen Bergrücken und fällt dahinter ab. Wer hier tief einfliegt, gerät in ein massives Lee mit starkem Sinken und Turbulenzen. Aus dieser Position den Landeplatz zu erreichen, wird oft unmöglich ("Absaufer" im Lee).
Die Waldkante: Rechts vom Startplatz verläuft eine markante Waldkante. Dahinter (also im Lee des Waldes, wenn der Wind von SW kommt) bildet sich eine turbulente Zone, oft als "Waschmaschine" bezeichnet. Piloten, die beim Soaren zu tief kommen und hinter diese Kante gedrückt werden, riskieren Kappenklapper in Bodennähe.
Wenholthausen ist ein exzellentes Sprungbrett für Streckenflüge (Cross Country / XC), wenn auch technisch anspruchsvoller als reine Schleppgelände. Die Südwest-Ausrichtung ermöglicht Flüge mit dem Wind ("Downwind") tief ins Sauerland hinein.
Die "Rennstrecke" Richtung Paderborn: Eine klassische Route führt vom Startplatz aus über die Höhenzüge Richtung Nordosten. Piloten nutzen hierbei die Wolkenstraßen, die sich oft parallel zu den Tälern bilden. Ziele sind Brilon oder sogar die Paderborner Hochfläche.
FAI-Dreiecke: Für ambitionierte Piloten bieten sich flache Dreiecke an. Dabei wird oft zunächst gegen den Wind Richtung Westen geflogen (sofern die Basis hoch genug ist), um dann mit dem Wind eine lange Schenkellänge Richtung Osten zu machen und schließlich zum Startplatz zurückzukehren. Dies erfordert jedoch ein präzises Timing, um nicht "abzusaufen".
Top-Leistungen: Flüge von über 50 km sind von Wenholthausen aus keine Seltenheit. Dokumentationen im DHV-XC zeigen, dass an guten Tagen Basishöhen von über 2000m MSL erreicht werden können , was den Sprung über breite Täler ermöglicht.
Ein kritischer Aspekt beim Streckenflug ab Wenholthausen ist die komplexe Luftraumstruktur :
Flughafen Paderborn/Lippstadt (EDLP): Wer auf Strecke Richtung Nordosten geht, nähert sich unweigerlich dem kontrollierten Luftraum von Paderborn.
CTR (Kontrollzone): Luftraum D (CTR) reicht bis zum Boden. Ein Einflug ist ohne Freigabe durch den Turm strikt verboten.
TMZ (Transponder Mandatory Zone): Um die CTR herum und darüber existieren TMZ-Bereiche. Hier ist ein Transponder vorgeschrieben. Gleitschirmflieger ohne Transponder müssen diese Zonen meiden (unterfliegen oder umfliegen). Die Untergrenzen variieren und müssen auf der aktuellen ICAO-Karte geprüft werden.
Militärische Übungsräume: Das Sauerland ist Teil diverser militärischer Übungssektoren (TRA - Temporary Reserved Airspace). Insbesondere unter der Woche finden hier Tiefflugübungen statt. Großübungen wie "Air Defender" können zu temporären Flugverbotszonen (ED-R) führen. Piloten sind verpflichtet, sich vor jedem Flug über aktuelle NOTAMs (Notices to Airmen) zu informieren.
Luftraum E: Ab 1000 ft bzw. 2500 ft AGL beginnt der Luftraum E. Hier gilt "See and Avoid". Da hier auch IFR-Verkehr (Instrumentenflug) unterwegs sein kann, sind die Wolkenabstände (1000 ft vertikal, 1,5 km horizontal) penibel einzuhalten.
Der Landeplatz Wenholthausen (ca. 271 m MSL) ist vom Startplatz aus nicht direkt sichtbar, da er durch Geländekanten und Bewaldung verdeckt ist. Dies erfordert ein hohes Maß an räumlichem Vorstellungsvermögen.
Die "Hundebein"-Strategie (Dogleg): Der Anflug erfolgt oft in einer gekrümmten Bahn. Man fliegt zunächst vom Hang weg ins Tal, muss dann aber eine Kurskorrektur vornehmen, um die Landewiese, die oft hinter Bäumen oder Geländestrukturen liegt, sauber gegen den Wind anzusteuern.
Der Landeplatz selbst birgt mehrere Hindernisse, die eine hohe Konzentration im Finalanflug erfordern:
Stromleitungen: Wie in vielen Sauerländer Tälern verlaufen auch hier Mittelspannungsleitungen. Diese sind vor dem dunklen Waldhintergrund oft extrem schwer aus der Luft zu erkennen. Eine vorherige Begehung des Landeplatzes am Boden ist unerlässlich, um den Verlauf der Leitungen zu verinnerlichen.
Der Baustellenkran: Jüngste Berichte des Vereins warnen vor einem Baustellenkran im Einflugbereich. Solche temporären Hindernisse sind in keiner Karte verzeichnet und erfordern ständige Wachsamkeit ("Situational Awareness").
Sportplatz: Der Landeplatz grenzt an den Sportplatz von Wenholthausen. Ein Überflug in zu geringer Höhe ist strikt zu vermeiden. Zum einen führen die Gebäude und Banden zu Turbulenzen, zum anderen stört man den Sportbetrieb, was zu Konflikten mit der Gemeinde führen kann.
Talwindsystem: Im Tal kann der Wind kanalisiert werden und deutlich von der Höhenwindrichtung abweichen. Oft weht der Wind im Tal stärker als am Hangfuß vermutet. Piloten müssen im Endanflug auf Drift achten und "Vorhaltewinkel" fliegen.
Trotz bester Planung kann es zu Außenlandungen kommen ("Absaufer"). Hier gilt ein strenger Verhaltenskodex :
Priorität: Sicherheit geht vor. Lieber kontrolliert auf einer Wiese landen als riskant versuchen, den offiziellen Landeplatz zu erreichen und dabei in Bäumen oder Leitungen zu enden.
Schadensvermeidung: Nicht in hohes Gras (Futterwiesen) oder bestellte Äcker landen. Dies verursacht wirtschaftlichen Schaden für die Landwirte.
Meldepflicht: Jede Außenlandung muss unverzüglich dem Vorstand oder Geländewart gemeldet werden. Dies dient der proaktiven Konfliktlösung mit den Grundstückseigentümern.
Ein Alleinstellungsmerkmal von Wenholthausen ist die rigorose Auffahrtsregelung.
Grundsatz: Für Gastpiloten gilt ein striktes Auffahrtsverbot mit dem PKW.
Die Philosophie: Das "Hike & Fly" ist hier nicht nur Sport, sondern Lärmschutz für die Anwohner in Oesterberge und Naturschutz. Der Aufstieg zu Fuß dauert je nach Fitness 30 bis 45 Minuten.
Ausnahmen: Lediglich Vereinsmitglieder des SauerlandAIR e.V., Drachenflieger (wegen des nicht tragbaren Gewichts) und Tandempiloten mit Passagier sowie Piloten mit Gehbehinderung (mit blauem Ausweis) dürfen hochfahren.
Kein Shuttle: Es gibt keinen kommerziellen Shuttle-Service. Piloten sollten sich darauf einstellen, ihre Ausrüstung zu tragen. Dies filtert zudem das Publikum: Wer den Aufstieg auf sich nimmt, ist meist motivierter und bereitet sich besser auf den Flug vor.
Das Parken am Startplatz ist ein kritischer Punkt für den Erhalt der Aufstiegsgenehmigung für Mitglieder.
Forstwirtschaft: Der Startplatz liegt in einem Wirtschaftswald. Fahrzeuge müssen so abgestellt werden, dass große Forstmaschinen (Harvester, Langholztransporter) jederzeit – auch überraschend – passieren können. Wer den Weg blockiert, gefährdet die Existenz des Fluggeländes.
Talparkplätze: Gäste müssen ihr Fahrzeug auf den offiziell ausgewiesenen Parkplätzen im Ort oder am Landeplatz abstellen. Das Zuparken von Feldwegen oder Hofzufahrten ist tabu.
SauerlandAIR e.V. nutzt ein digitales System zur Geländeverwaltung.
Registrierungspflicht: Jeder Pilot (Gast und Mitglied) muss sich vor dem Flug über das System "Fair Fly" anmelden (Check-In). Dies dient der Dokumentation der Flugbewegungen und der rechtlichen Absicherung.
Tageskarten: Gastpiloten können über dieses System ihre Tagesgebühr entrichten (oft via PayPal). Das System "Schwarzfliegen" wird durch regelmäßige Kontrollen der Geländewarte unterbunden.
Wenholthausen ist kein Schulungsgelände für die ersten Höhenflüge.
B-Schein Pflicht: Aufgrund der topographischen Herausforderungen (Schneise, Landeanflug) ist der B-Schein (unbeschränkter Luftfahrerschein) zwingend vorgeschrieben.
Ausnahme A-Schein: Inhaber der A-Lizenz dürfen nur fliegen, wenn sie Vereinsmitglieder sind und eine explizite Einweisung durch den Geländewart oder Fluglehrer erhalten haben. Dies stellt sicher, dass unerfahrene Piloten nicht ohne Aufsicht in kritische Situationen geraten.
Die Regeln für Gäste haben sich über die Jahre angepasst.
Wochenend-Regelung: Während früher an manchen Sauerländer Geländen (z.B. Bruchhausen) Wochenendverbote für Gäste existierten, ist Wenholthausen aktuell offener. Gäste dürfen nach Erwerb der Tageskarte fliegen, sofern ein Vereinsmitglied anwesend ist (Vier-Augen-Prinzip). Dies dient der Sicherheit: Ein lokaler Pilot kann Gäste auf aktuelle Gefahren (z.B. veränderte Windbedingungen, neuer Kran) hinweisen.
Betriebsordnung: Jeder Pilot muss die aktuelle Geländebetriebsordnung gelesen haben. Verstöße (z.B. Auffahren ohne Berechtigung, Missachtung der Vorflugregeln) werden sanktioniert, bis hin zum dauerhaften Flugverbot.
Der Verein ist einer der aktivsten in NRW. Neben dem Erhalt der Gelände organisiert er Wettbewerbe wie den NRW-Cup , bei dem Wenholthausen oft als Austragungsort dient. Dies unterstreicht die sportliche Bedeutung des Geländes. Der Verein investiert viel in die Pflege der Schneise und der Startwiese, weshalb eine Mitgliedschaft für regelmäßige Flieger oft attraktiver ist als Tageskarten.
Das Fliegen im Sauerland findet oft in oder am Rand von Naturschutzgebieten (NSG) oder FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat) statt.
Vogelschutz: In der Region brüten geschützte Arten wie der Uhu oder der Schwarzstorch. Überflüge von Horstschutzzonen sind zu vermeiden. Auch wenn Wenholthausen selbst weniger strikte Auflagen als Bruchhausen (dort Felsbrüter) hat, gilt das Gebot der Rücksichtnahme.
Jagd: In den Dämmerungsstunden (Morgens/Abends) findet Jagdbetrieb statt. Piloten sollten Landungen in der tiefen Dämmerung vermeiden, um das Wild nicht aufzuschrecken und Konflikte mit der Jägerschaft zu vermeiden. Es gab in der Vergangenheit bereits zeitweilige Sperrungen wegen Jagdbetriebs.
Wie viele Fluggelände in Deutschland steht auch Wenholthausen im Spannungsfeld der Energiewende.
Bedrohung durch Windräder: Der Verein SauerlandAIR e.V. führt rechtliche Auseinandersetzungen gegen den Bau von Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe der Fluggelände (z.B. durch die Hochsauerlandenergie GmbH).
Gefährdung: Windräder stellen nicht nur physische Hindernisse dar, sondern erzeugen massive Turbulenzschleppen (Wakes), die mehrere Kilometer weit reichen können und für Gleitschirme lebensgefährlich sind. Die Erhaltung des Fluggeländes Wenholthausen ist daher auch ein politischer Kampf um den Luftraum.
Oft reisen Piloten mit Familie an. Wenholthausen bietet exzellente Möglichkeiten, die Wartezeit zu überbrücken.
Wandern auf dem Sauerland-Höhenflug: Einer der zertifizierten Premiumwanderwege führt direkt oberhalb von Wenholthausen vorbei. Eine Wanderung zum Startplatz lässt sich perfekt in eine Etappe integrieren.
Der Lauschgeist & Erdenklanghecke: Nur eine kurze Wanderung vom Ort entfernt befinden sich diese Klanginstallationen. Der "Lauschgeist" verstärkt die Waldgeräusche, und die "Erdenklanghecke" bietet meditative Klänge. Bänke mit Aussicht ins Wennetal laden zum Picknick ein.
Hennesee: Für Wasserratten liegt der Hennesee nur wenige Autominuten entfernt. Schwimmen, Segeln oder eine Schifffahrt sind gute Alternativen an stabilen, windstillen Tagen.
Das Sauerland ist für seine Gastfreundschaft bekannt.
Haus Hochstein: Die "Genussterrasse" ist der Treffpunkt nach dem Fliegen ("Landing Beer"). Hier trifft man oft die lokalen Piloten zum Debriefing.
Sauerländer Hof: Ein traditioneller Gasthof, der gehobene Sauerländer Küche und Übernachtungen bietet.
Landgasthof Seemer: Für die "Vanlife"-Fraktion unter den Fliegern ideal: Seemer bietet neben dem Gasthof auch einen Campingplatz und Stellplätze. Man kann hier direkt mit dem Camper stehen und am nächsten Morgen zum Berg aufbrechen.
Aufgrund der oft thermischen Bedingungen und der Startplatzcharakteristik ist Wenholthausen kein Ort für Experimente mit unsicherem Material.
EN-A / Low-EN-B: Für Gastpiloten (mit B-Schein) absolut ausreichend und sicher. Die passive Sicherheit hilft in den Turbulenzen der Schneise oder im Lee.
High-EN-B / C: Für Streckenjäger das Mittel der Wahl, um gegen den Talwind voranzukommen und Gleitstrecken zu optimieren. Piloten dieser Klasse sollten jedoch ihre Schirmbeherrschung (Active Flying) im Griff haben, besonders beim Start.
Da der Aufstieg meist zu Fuß erfolgt, hat sich der Trend zu leichter Ausrüstung durchgesetzt.
Leichtgurtzeuge: Wendegurtzeuge oder leichte Pod-Gurtzeuge sind ideal für den 300-Höhenmeter-Aufstieg.
Schuhe: Da der Weg zum Startplatz und oft auch der Rückweg vom Landeplatz (oder Außenlandung) über unebenes Gelände führt, sind knöchelhohe Bergschuhe Pflicht. "Turnschuh-Piloten" riskieren Bänderrisse schon beim Zustieg.
Wenholthausen ist das "Juwel mit Ecken und Kanten" im Sauerland. Es schenkt dem Piloten nichts – der Aufstieg ist schweißtreibend, der Start technisch fordernd und die Landung will geplant sein. Doch genau das macht den Reiz aus. Wer hier fliegt, konsumiert nicht einfach einen Abgleiter, sondern erarbeitet sich seinen Flug.
Die Belohnung sind oft stundenlange Thermikflüge über einer der schönsten Landschaften NRWs, während man in anderen Gebieten längst am Boden steht. Die Zukunft des Geländes hängt jedoch von der Disziplin der Piloten ab: Nur wer die Parkregeln achtet, den Naturschutz respektiert und sich politisch gegen die Einschränkung durch Windkraft engagiert, wird auch in zehn Jahren noch über der Homert kreisen können.
Zusammenfassende Checkliste für Gastpiloten:
B-Schein vorhanden? (Ohne B-Schein: Kein Flug ohne Fluglehrer/Einweisung).
Fair Fly Check-In erledigt?
Wetter gecheckt? (Wind 190°-230°, keine Inversion, keine Gewitterneigung).
Auto unten geparkt? (Wanderschuhe schnüren!).
Landeplatz begangen? (Stromleitungen/Kran gesucht?).
Windsack am Mast beachtet? (Ignoriere die Bodenbänder!).
Fly safe, respect nature, enjoy the flight.
Haftungsausschluss: Dieser Bericht basiert auf umfassenden Recherchen und Expertenwissen, ersetzt jedoch keinesfalls eine offizielle Geländeeinweisung vor Ort. Bedingungen können sich täglich ändern (Baustellen, Vegetation, Auflagen). Vor dem ersten Flug ist zwingend Kontakt mit dem Geländehalter (SauerlandAIR e.V.) aufzunehmen und die aktuelle Betriebsordnung sowie NOTAMs zu prüfen. Das Fliegen erfolgt auf eigenes Risiko.