
3 Startplatzätze, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das Aerologische Kompendium: Unterberghorn Kössen Eine analytische Tiefenbetrachtung für Piloten und Streckenflieger Einführung: Das "Wembley" des Gleitschirmsports neu vermessen
Kössen im Tiroler Kaiserwinkl ist in der Welt des freine Fliegens weit mehr als nur eine geographische Koordinate. Es ist historischer Boden, ein Monument der Luftfahrtgeschichte des hängelosen Fliegens. Als Austragungsort der ersten Drachenflug-Weltmeisterschaft im Jahr 1976 und unzähliger nachfolgender Paragliding-Großevents, wie dem legendären "Super Paragliding Testival" oder den "Kaiserwinkl Open", trägt dieser Ort den in Fliegerkreisen oft zitierten Beinamen "Wembley der Fliegerszene" völlig zu Recht. Diese Analogie bezieht sich nicht nur auf die Popularität, sondern auf die Bedeutung als Gradmesser für Leistung, Technik und fliegerisches Können.
Doch dieser Ruhm hat eine paradoxe Kehrseite: Die hohe Frequenz an Flugschülern und die exzellente Infrastruktur verleiten viele erfahrene Piloten zu der irrigen Annahme, das Unterberghorn sei lediglich ein einfacher "Anfängerberg" oder ein reiner "Abgleiter-Hügel" für den Feierabend. Diese Einschätzung ist nicht nur oberflächlich, sie ist potenziell gefährlich und unterschätzt das massive Potenzial dieses Massivs. Wer Kössen nur als Schulungsgelände sieht, übersieht eines der komplexesten und lehrreichsten Mikroklimata der Nordalpen.
Dieser Report dekonstruiert das Fluggebiet Kössen jenseits der knappen, oft statischen DHV-Datenbank-Einträge. Wir verlassen die Ebene der reinen Geländebeschreibung und betreten den Bereich der angewandten Flugtaktik. Wir analysieren die komplexe Aerologie des berühmten und berüchtigten "Bayerischen Windes", entschlüsseln die thermischen Triggerpunkte für den Einstieg in das große FAI-Dreieck und beleuchten die logistischen Feinheiten, die einen guten Flugtag zu einem perfekten machen. Unser Ziel ist es, dem ambitionierten Piloten – vom fortgeschrittenen A-Schein-Inhaber bis zum XC-Crack – ein Werkzeug an die Hand zu geben, das taktische Entscheidungen in der Luft fundiert unterstützt und die Sicherheit durch Wissen erhöht. Wir betrachten das Unterberghorn nicht isoliert, sondern als aerologischen Knotenpunkt zwischen dem bayerischen Flachland und den schroffen Felswänden des Kaisergebirges.
Das Verständnis der Topographie ist die Basis für jede meteorologische Einschätzung. Das Unterberghorn (1.773 m) steht als relativ isoliertes Massiv am nördlichen Rand der Chiemgauer Alpen, direkt an der Grenze zwischen dem flacheren bayerischen Voralpenland im Norden und den massiven Kalksteinwänden des Wilden und Zahmen Kaisers im Süden. Diese geographische "Sandwich-Position" ist der Schlüssel zum Verständnis der einzigartigen und oft eigenwilligen Flugbedingungen in Kössen.
Topographisch betrachtet bildet der Kaiserwinkl ein weites Becken. Im Gegensatz zu engen, tief eingeschnittenen inneralpinen Tälern wie dem Pinzgau oder dem Ennstal, die oft durch brutale Talwindsysteme und Kanalisierungseffekte geprägt sind, präsentiert sich der Kaiserwinkl als eine offenere Arena. Die Luftmassen, die sich über den weiten Flächen des bayerischen Flachlandes und des Chiemgaus erwärmen, werden oft durch überregionale Strömungen oder thermisches Saugen („Alpines Pumpen“) in dieses Becken geführt.
Diese topographische Öffnung nach Norden hin wirkt wie ein Trichter. Sie erlaubt den Einflust von Luftmassen, die in anderen, abgeschirmten Tälern blockiert würden. Gleichzeitig begrenzen der Zahme und der Wilde Kaiser das Becken im Süden wie eine massive Staumauer. Diese Barrierefunktion ist entscheidend: Luftmassen stauen sich hier, Thermik wird an den Südhängen des Unterbergs und den Nordwänden des Kaisers konzentriert, und Windsysteme werden abgelenkt oder modifiziert. Das Unterberghorn selbst fungiert dabei wie ein Wellenbrecher, der mitten in dieser Strömungsdynamik steht. Es ist diese exponierte Lage, die dem Berg seine thermische Potenz verleiht, ihn aber auch anfällig für komplexe Windschichtungen macht.
Kein anderes meteorologisches Element prägt das Fluggebiet Kössen so sehr wie der sogenannte "Bayerische Wind". Ihn in seiner Entstehung und Wirkung zu verstehen, ist die absolute Lebensversicherung und der primäre Erfolgsgarant für jeden Piloten, der hier starten möchte. Es handelt sich hierbei nicht um einen simplen Nordwind, sondern um ein komplexes Ausgleichsströmungssystem.
Physikalische Entstehung und Mechanik: Der Bayerische Wind ist im Grunde ein thermisch induzierter Ausgleichswind, der oft durch großräumige Druckunterschiede verstärkt wird. Er entsteht typischerweise, wenn sich über den Alpenhauptkamm (durch starke Sonneneinstrahlung und Thermik) ein Hitzetief bildet oder wenn der Luftdruck nördlich der Alpen (im bayerischen Vorland) signifikant höher ist als im inneralpinen Raum ("Alpines Pumpen"). Die Physik strebt nach Ausgleich: Die Luftmassen strömen vom bayerischen Flachland (hoher Druck, oft etwas kältere/schwerere Luft) in Richtung der Alpen (tieferer Druck, wärmere/leichtere Luft). Da Kössen und das Inntal nördlich offen sind, fungieren sie als Einlasstore für diese Strömung.
Der Vorteil: Die erweiterte Flubbarkeit Dieser Wind macht Kössen enorm flugsicher und erhöht die Anzahl der fliegbaren Tage drastisch. Selbst wenn überregional ein leichter Südwind oder eine leichte Föhnstau-Tendenz herrscht, drückt der Bayerische Wind als bodennahe, kältere und damit schwerere Schicht oft dagegen. Er "unterspült" quasi den Höhenwind. Das ermöglicht Start- und Flugbetrieb am Unterberghorn, wenn andere, rein thermische Gebiete oder südseitig ausgerichtete Berge längst "verblasen" sind oder unter starkem Föhneinfluss leiden. Besonders an Nachmittagen stabilisiert dieser Wind die Bedingungen und ermöglicht stundenlanges, laminares Soaring im Nordstau des Unterberghorns.
Die Gefahr: Die Scherungsfalle (Shear Layer) Das Tückische am Bayerischen Wind ist die trügerische Sicherheit, die er am Boden vermittelt. Am Startplatz (Nord) und am Landeplatz kann perfekter, laminarer Nordwind anstehen (z.B. 15 km/h), was ideale Startbedingungen suggeriert. Doch 500 bis 800 Meter höher, oberhalb der Gipfelkante oder in den Schichten darüber, kann ein brutaler überregionaler Südwind (Föhn) herrschen. Die Zone, in der diese beiden gegensätzlichen Luftmassen aufeinandertreffen, nennt man Scherungsschicht (Shear Layer). Steigt ein Pilot in einer starken Thermikblase durch den Bayerischen Wind nach oben und durchstößt diese Grenzschicht, erlebt er schlagartige, massive Turbulenzen. Der Schirm wird von der einen Luftmasse in die entgegengesetzte geworfen. Dies hat in der Vergangenheit zu schweren Unfällen geführt.
Der Vital-Check für Piloten: Verlassen Sie sich niemals nur auf den Wind am Startplatz. Der Blick muss zwingend nach oben und Süden gehen. Beobachten Sie die Wolkenzugbahn (Cirren oder Lenticularis) über dem Wilden Kaiser und die Windfahnen an den Gipfeln der benachbarten Steinplatte. Wenn diese stramm aus Süd wehen oder "über den Grat fetzen", während es am Startplatz Nordwind hat, ist äußerste Vorsicht geboten. Ein Start ist dann russisches Roulette.
Interaktion mit dem Talwindsystem: Zusätzlich zum Bayerischen Wind (Nord-Süd-Achse) wirkt im Kössener Becken der Talwind, der oft aus dem Inntal "herschwappt". Dieser kommt meist aus Westen. Im Tagesverlauf kann es zu einem Kampf zwischen dem Bayerischen Wind (Nord) und dem Talwind (West) kommen. Wenn der Westwind dominiert, wird der Nordstartplatz am Unterberghorn seitlich angeströmt oder gerät ins Lee. Dies ist besonders am Landeplatz zu beachten, wo die Windrichtung im Tagesverlauf um 90 Grad drehen kann.
Kössen bietet eine Infrastruktur, die im Alpenraum ihresgleichen sucht und über Jahrzehnte gewachsen ist. Das Gebiet ist vollständig und professionell auf die Bedürfnisse von Flugsportlern ausgerichtet, was die Logistik erheblich vereinfacht, aber auch spezielle Kenntnisse erfordert, um sie effizient zu nutzen.
Die Hochkössen Bergbahn (Gondelbahn) ist der zentrale Zubringer. Sie erschließt den Berg schnell und effizient.
Transportkapazität und Service: Die Bahn bringt Piloten bequem zur Bergstation. Ein besonderes Merkmal ist die Offenheit gegenüber allen Luftsportgeräten: Nicht nur Gleitschirme, sondern auch Drachenflieger (Starrflügler) werden problemlos transportiert – ein Service, der in vielen modernen Skigebieten aus Rationalisierungsgründen abgeschafft wurde, in Kössen aber Tradition hat. Dies unterstreicht den Status von Kössen als Mekka auch für die Drachenfliegerszene.
Ticket-Strategien:
Es gibt spezielle Tages- und Einzelfahrtkarten für Paragleiter, die oft günstiger sind als die Skitickets.
Dynamische Preise: In der Saison 2025/2026 führt die Bergbahn dynamische Preismodelle ein. Frühbucher können sparen. Es lohnt sich, Tickets online vorab zu prüfen.
Insider-Tipp für XC-Piloten: Wer einen Streckenflug plant, sollte strategisch kaufen. Planen Sie ein "One-Way"-Ticket (Einzelfahrt). Nichts ist ärgerlicher, als eine Tageskarte zu kaufen und dann 50 km entfernt in Zell am See zu landen. Für Vielflieger lohnt sich die "Action Hill Card" oder Saisonkarten, die oft Gebühren für Start- und Landeplätze inkludieren.
Sollte die Bahn revisionsbedingt nicht fahren (oft im späten Herbst oder sehr frühen Frühjahr) oder für spezielle Transfers nach Außenlandungen, ist Kössen gut vernetzt.
Lokale Taxi-Unternehmen (z.B. Air Taxi Kössen) und die Flugschulen bieten oft Sammeltransporte zum Gipfel oder Rückholdienste von typischen Außenlandepunkten wie Lofer oder Walchsee an. Die Nummer eines solchen Taxi-Dienstes gehört vor dem Start ins Handy (siehe Kontakte).
Der öffentliche Busverkehr (Postbus) im Kaiserwinkl ist ebenfalls eine Option für Rückholungen, insbesondere entlang der Achse Walchsee-Kössen-Reit im Winkl.
Der große Parkplatz an der Talstation (Thurnbichl 47) ist der zentrale Treffpunkt und soziale Hub. Er ist für Bahnnutzer gebührenfrei.
Die Camping-Realität: Offiziell ist der Parkplatz an der Bergbahn kein Campingplatz. Das Übernachten wird toleriert, ist aber rechtlich eine Grauzone und kann je nach Saison sanktioniert werden.
Legale Alternativen: Für Piloten, die den Stress vermeiden wollen, befinden sich offizielle Campingplätze wie das "Euro-Camp Wilder Kaiser" oder "Camping Seemühle" in unmittelbarer Nähe. Diese sind explizit auf Sportler eingestellt.
Landeplatz-Nähe: Die logistische Anordnung ist genial: Parkplatz, Bergbahnstation und Landewiese liegen in einem Radius von wenigen hundert Metern. Man kann buchstäblich neben dem Auto landen (am Landeplatz Seilbahn), den Schirm im Kofferraum verstauen ("Schirm rein, Bier auf") oder direkt wieder in die Gondel für den nächsten Run steigen. Dies ermöglicht eine extrem hohe Flugfrequenz an guten Tagen.
Das Unterberghorn verfügt über mehrere Startoptionen, die je nach Windrichtung, Tageszeit und fliegerischem Können gewählt werden müssen. Die Wahl des falschen Startplatzes kann hier schnell zu Stress oder gefährlichen Situationen führen.
Dies ist der "Brot-und-Butter"-Startplatz für die meisten Tage, an denen der Bayerische Wind dominiert.
Lage: Unweit der Bergstation, leicht unterhalb des Grates auf ca. 1.670 m bis 1.700 m.
Charakteristik: Eine weite, relativ flache Wiese, die in steileres Gelände übergeht. Der Untergrund ist meist Wiese, gut gepflegt.
Aerologie: Hier steht der Bayerische Wind meist laminar und gleichmäßig an. Es ist der perfekte Ort für entspannte Vorwärtsstarts.
Gefahrenhinweis: Vorsicht bei reinem, stärkerem Ostwind. Da der Startplatz leicht westlich des absoluten Gipfelgrates liegt, kann er bei Ostwind bereits im leichten Lee des Grates liegen. Dies führt zu unruhiger Luft und Klappern kurz nach dem Abheben. Beobachten Sie die Windfahnen am Gipfelkreuz genau.
Dieser Startplatz ist legendär und berüchtigt zugleich. Er ist der Hotspot für Thermikjäger, aber kein Spielplatz für Anfänger.
Lage: Direkt oberhalb der Bärenhütte auf ca. 1.460 m bis 1.500 m, also deutlich unterhalb der Bergstation.
Topographie: Achtung! Der Startplatz ist kurz. Er beginnt flach, bricht dann aber sehr steil, fast klippenartig ab. Es gibt wenig Raum für Fehler beim Anlauf.
Schwierigkeitsgrad: Mittel bis Anspruchsvoll. Ein Startabbruch ist hier schwierig, sobald man über die Kante beschleunigt hat.
Der Thermik-Vorteil: Dies ist der thermische "Sweet Spot". Oft löst sich direkt vor der Bärenhütte der "Hausbart" aus den aufgeheizten Wäldern darunter. Wer hier startet, ist oft schneller an der Basis als die Piloten, die ganz oben starten und erst Höhe abgleiten müssen.
Starttechnik: Rückwärtsaufziehen ist hier Standard und dringend empfohlen, um den Schirm vor der Kante zu kontrollieren. Bei viel Betrieb ist der Raum eng ("Gedränge"), was Stressfaktoren erhöht.
Die Todesfalle: Bei starkem Westwind kann es hier sehr turbulent werden ("Düsenwirkung"). Noch gefährlicher ist Ostwind: Wer bei Ostwind am Weststart startet, begibt sich in ein massives Lee des Unterberghorns. Dies ist strengstens zu unterlassen, auch wenn man "andere fliegen sieht". Die Rotoren können hier bis zum Boden reichen.
Ein oft übersehener Startplatz oberhalb der Bergstation des Gipfelliftes (Almlift).
Charakteristik: Dieser Platz liegt höher als die Bärenhütte und trägt oft schon im laminaren Wind, wenn es unten an der Bärenhütte noch zu schwach ist.
Anforderung: Das Gelände ist unebener ("keine sanfte Wiese") und erfordert Trittsicherheit und gute Schirmbeherrschung. Er ist eine gute Ausweichoption, wenn es an der Bärenhütte zu voll ist.
Weiter unten gelegen auf ca. 1.140 m.
Nutzung: Ideal als Zwischenlandeplatz oder für Hike & Fly Touren, wenn die oberen Startplätze in Wolken hüllen oder der Wind oben zu stark ist. Startrichtung Nord.
In Kössen "oben zu bleiben" erfordert Wissen über die lokalen Triggerpunkte. Das Gelände ist thermisch sehr aktiv, aber die Thermikquellen sind nicht immer offensichtlich.
Direkt vor und unterhalb des Weststartplatzes an der Bärenhütte steht oft der verlässlichste und aggressivste Bart des Gebietes.
Mechanik: Die steile Geländekante und die darunterliegenden dunklen Waldflächen heizen sich ab Mittag stark auf. Der Westwind drückt diese Warmluftblasen den Hang hinauf.
Taktik: Nach dem Weststart heißt es: Direkt eng am Hang halten. Nicht sofort ins Tal fliegen! Suchen Sie das Steigen direkt vor der Hütte.
Vorsicht: Hier herrscht oft massiver "Gegenverkehr". Startende Piloten kreuzen den Weg von soarenden Piloten. Klare Flugregeln und defensives Fliegen sind hier Pflicht. Die Thermik zieht oft pulsierend und eng durch, was aktives Fliegen verlangt.
Startet man am Nordstartplatz, ist der Weg zur Thermik oft weiter. Man fliegt meist rechts um den Gipfel herum an die südliche Felswand.
Trigger: Die Felsabbrüche direkt unterhalb des Gipfelkreuzes wirken als idealer Abrisskante.
Besonderheit: Hier vermischt sich oft die thermische Ablösung mit dem überregionalen Wind oder dem Bayerischen Wind, der über den Grat schwappt. Bei Südwindkomponente wird dieser Bart sehr stark, aber auch sehr turbulent ("zerrissen"). Er ist der Schlüsselbart, um die nötige Überhöhung (Basishöhe) für den Abflug Richtung Lofer oder Wilder Kaiser zu bekommen. Ohne diese Höhe ist die Talquerung ein Glücksspiel.
Ein echter Geheimtipp für Piloten, die "abgesoffen" sind: Wenn man am Gipfel oder der Bärenhütte keinen Anschluss findet und Höhe verliert, findet man oft über der Alm im Bereich der Mittelstation noch Anschluss.
Strategie: Bevor man sich für die Landung entscheidet, lohnt sich ein Abstecher über die Almwiesen der Mittelstation. Hier löst sich oft eine "Low-Save"-Thermik, die einen wieder ganz nach oben bringen kann.
Kössen ist nicht nur ein Schulungsberg, sondern der ideale Ausgangspunkt für erste Streckenflüge (20-50 km) bis hin zu großen FAI-Dreiecken (100 km+). Die Lage am Alpennordrand ermöglicht lange Flüge entlang der Ridge-Lines.
Diese Route ist der absolute Klassiker und für Piloten geeignet, die ihre ersten 30-40 km fliegen wollen. Sie ist logisch aufgebaut, bietet aber einige psychologische Hürden.
Die Wegpunkte im Detail:
Start: Unterberghorn (Höhe machen bis Basis, idealerweise 2000m+).
Schenkel 1: Richtung Südosten (Lofer). Man fliegt entlang des Grates über das Fellhorn zur Steinplatte. Dies ist meist ein Rückenwind-Schenkel (bei Westwind).
Wende 1: Loferer Steinberge / Steinplatte. Hier wird gewendet.
Schenkel 2: Querung zum Wilden Kaiser (Westen). Der psychologisch schwierigste Teil. Querung über das Pillerseetal zum Wilden Kaiser Massiv.
Wende 2: Wilder Kaiser (Ellmauer Halt/Scheffau).
Schenkel 3: Rückflug nach Kössen (Norden). Über den Zahmen Kaiser und Walchsee zurück zum Landeplatz.
Die Pillersee-Querung (Der "Friedhof der XC-Träume"): Dies ist der Filter, der Spreu vom Weizen trennt. Wer von der Steinplatte zum Wilden Kaiser queren will, muss das Pillerseetal überfliegen.
Das Problem: Das Tal ist breit und oft thermisch tot oder sinkend. Man kommt oft tief auf der anderen Seite (Kaiser-Vorberge) an.
Die Lösung: Geduld! An der Steinplatte so viel Höhe wie möglich machen (bis an die Basis). Nicht zu früh abfliegen! Jeder Meter Höhe ist Gold wert, um am Kaiser hoch genug anzukommen und direkt in den Felsbart einsteigen zu können.
Die Kaiser-Wand: Am Wilden Kaiser angekommen, fliegt man meist an den imposanten Nordwänden.
Charakter: Die Thermik ist hier oft stark, eng und ruppig. Man fliegt nah am Fels.
Gefahr: Achten Sie auf den Talwind, der am Kaiser entlang streicht. Leethermik kann hier sehr unangenehm werden.
Der Rückweg (Walchsee - Gegenwindkampf): Der Rückflug vom Kaiser nach Kössen führt oft genau gegen den Talwind (der aus Westen/Inntal kommt und ins Kössener Becken drückt). Dies kann den Gleitwinkel massiv verschlechtern.
Taktik: Planen Sie deutlich mehr Reservehöhe ein als beim Hinflug. Wer zu tief abfliegt, landet oft "im Acker" bei Walchsee und muss den Bus nehmen.
Trotz der guten Infrastruktur hat Kössen spezifische Fallen, die man kennen muss.
Ein absolutes No-Go-Area für jeden Piloten ist das Niederhauser Tal.
Lage: Nördlich/Westlich des Unterbergs, ein enges Nord-Süd-Tal.
Die Gefahr: Es liegt oft im Lee des Talwindes. Aber das eigentliche Problem ist: Es gibt keine Landemöglichkeiten. Die Talsohle ist bewaldet, eng und unzugänglich.
Szenario: Piloten, die bei Nordwind zu weit nach hinten (Leeseite des Unterbergs) versetzt werden oder eine Talquerung zu optimistisch ansetzen, "saufen" hier ab. Eine Baumlandung ist fast garantiert, die Bergung extrem schwierig.
Merksatz: Bleiben Sie immer vorderseitig (Richtung Kössener Tal / Landeplatz)! Fliegen Sie niemals hinter den Grat in dieses Tal ein, wenn Sie nicht absolut sicher massive Überhöhung haben.
Wie bereits erwähnt: Bei Ostwind (auch leichtem) ist der Weststart an der Bärenhütte tabu. Die Rotoren sind unsichtbar, aber gewaltig.
Das Landen in Kössen ist Kult, aber technisch anspruchsvoller, als die große Wiese vermuten lässt.
Direkt beim berühmten Fliegerpub von Sepp Himberger.
Vibe: Hier wird gelandet, gepackt und direkt das "Lande-Bier" bestellt. Es ist der soziale Hub, wo Geschichten ausgetauscht werden.
Aerologie: Der Landeplatz ist groß, aber thermisch oft sehr aktiv ("Thermikblasen am Boden"). Mittags lösen sich hier Blasen direkt auf der Wiese, was den Endanflug unruhig macht.
Die Talwind-Falle: Achten Sie extrem auf den Talwind! Er kommt meist aus Westen (vom Walchsee her). Das bedeutet:
Die Landevolte muss oft andersherum geflogen werden als erwartet (Rechtsvolte vs. Linksvolte).
Der Endanflug erfolgt oft direkt gegen Westen, also auf die Berge zu.
Lassen Sie sich nicht von Windfahnen direkt am Gebäude täuschen, die oft im Lee des Hauses stehen und falsche Richtungen anzeigen. Schauen Sie auf den Windsack mitten auf der Wiese.
Punktlandung: Es gibt oft einen gelben Würfel oder Punktlandekreis. Wer hier trifft, erntet Applaus von der Terrasse.
Südlich der Talstation gelegen.
Vorteil: Weniger Trubel, oft laminarer angeströmt, da weiter weg von Gebäuden und thermischen Abrisskanten. Ideal für Schüler oder stressfreies Landen.
Nachteil: Ein etwas weiterer Fußweg zur Fliegerbar (ca. 5-10 Minuten).
Der Kaiserwinkl ist ein sensibler Lebensraum für geschützte Arten wie Steinadler und Raufußhühner.
Horstschutzzonen: Meiden Sie Felswände mit bekannten Horsten während der Brutzeit (Frühjahr/Frühsommer). Spezielle Karten hängen an der Talstation aus (PDC Kaiserwinkl).
Waldränder: Halten Sie im Winter und Frühjahr Abstand zu Waldrändern (Überwinterungsgebiete der Tiere).
Informationspflicht: Konsultieren Sie zwingend die aktuellen Aushänge an der Talstation! Die Regeln können sich saisonal ändern.
Gastpiloten sind willkommen, aber ein Beitrag wird erwartet.
Gebühren: Eine Tagesmitgliedschaft oder Landegebühr ist oft obligatorisch. Diese fließt in die Pacht der Landewiesen.
Tipp: Die "Action Hill Card" oder ähnliche Angebote der Bergbahn inkludieren oft diese Gebühren – prüfen Sie dies beim Ticketkauf, um doppelte Kosten zu vermeiden.
Fazit und "Geheimtipps" für den perfekten Tag
Kössen ist ein mikroklimatisches Wunderwerk. Dank des Bayerischen Windes sind hier Flugtage möglich, an denen anderswo die Föhnstürme toben.
Zusammenfassende Geheimtipps:
Der "Alm"-Save: Geben Sie nicht auf, wenn Sie tief sind. Die Mittelstation ("Alm") hat schon viele Flüge gerettet.
Magic Air am Abend: Im Sommer ab 16:30 / 17:00 Uhr, wenn die harte Thermik nachlässt und der Bayerische Wind das Tal flutet, entsteht oft ein butterweiches Soaring-Fenster. Man kann stundenlang im öligen Aufwind an der Kante stehen und den Sonnenuntergang genießen – für viele die schönste Zeit in Kössen.
One-Way-Ticket: Kaufen Sie für XC-Versuche nur die Einzelfahrt. Es spart Geld und motiviert, nicht zurückzufliegen (außer man schafft das Dreieck!).
Behandeln Sie den Berg mit Respekt, meiden Sie das Niederhauser Tal wie die Pest, landen Sie sicher an der Fliegerbar und genießen Sie die einzigartige Atmosphäre dieses historischen Ortes.
Allzeit gute Landungen!