StartseiteFluggebieteDeutschlandBaden-WürttembergSonderlandeplatz Kandel / Waldkirch / Glottertal

Sonderlandeplatz Kandel / Waldkirch / Glottertal

Startplätze:2
Landungen:3
Koord.:48.0652°N, 8.0152°E
Piloten-GuideStartplätzeInfoWebcamsAnmelden
In Google Maps öffnen

Geländekarte

3D terrain map preview

Start- & Landeplätze

2 Startplatzätze, 3 Landeplatzätze

Startplatz Kandel (Kandel-West und Rampe)

Start
Höhe1200m ü. M.
Koord.48.0652, 8.0152
WindSW-NW
Korrekt?

Gummen-Hütte-Kandel (Südstart - Oberer und Unterer Startplatz)

Start
Höhe1150m ü. M.
Koord.48.0568, 8.0131
WindS-SW
Korrekt?

Landeplatz Glottertal

Landung
Höhe380m ü. M.
Koord.48.0455, 7.9718
Korrekt?

Landeplatz Heimeck

Landung
Höhe370m ü. M.
Koord.48.0937, 7.9922
Korrekt?

Landeplatz Eichbühl

Landung
Höhe360m ü. M.
Koord.48.1028, 7.9910
Korrekt?

Piloten-Guide

Ausführliche Recherche und lokales Wissen

Overview

Handbuch für den Sonderlandeplatz Kandel: Aerologische Komplexität, Logistik und XC-Strategien im Südschwarzwald

Korrekt?

Physische Geografie und Topografische Einordnung

Der Kandel ist weit mehr als nur eine lokale Erhebung im Mittleren Schwarzwald; er fungiert als orografischer Eckpfeiler, der die topografische und meteorologische Trennlinie zwischen dem tief eingeschnittenen Elztal im Norden und dem thermisch begünstigten Glottertal im Süden markiert. Mit einer Gipfelhöhe von 1241 Metern über dem Meeresspiegel (MSL) überragt das Kandel-Massiv die Rheinebene um fast 1000 Meter. Diese Exponiertheit macht ihn zu einer der markantesten Landmarken für die Luftfahrt in Südwestdeutschland und zu einem der leistungsstärksten, aber auch anspruchsvollsten Fluggelände des Landes.  

Geologisch betrachtet gehört der Kandel zum Gneis-Grundgebirge des Schwarzwaldes. Diese harte Gesteinsformation hat steile, teils felsdurchsetzte Flanken hervorgebracht, insbesondere an der Nord- und Westseite. Für den Gleitschirmsport ist diese Geologie von entscheidender Bedeutung: Die dunklen Nadelwälder, unterbrochen von nackten Felsformationen wie dem "Kandelfelsen", bilden ideale Absorptionsflächen für solare Einstrahlung. Im Gegensatz zu grasbewachsenen Kalkalpenbergen, die Feuchtigkeit speichern, geben die Gneisfelsen und trockenen Hänge des Kandels thermische Energie schnell und impulsiv ab. Dies erklärt die oft zitierten "harten" thermischen Bedingungen, die selbst erfahrene Piloten fordern.

Das Fluggebiet erstreckt sich über eine vertikale Distanz von circa 860 Metern zwischen dem Startplatz an der Kandel-Passhöhe und dem primären Landeplatz "Heimeck" am Stadtrand von Waldkirch. Diese Höhendifferenz ermöglicht auch bei rein dynamischen Bedingungen oder schwacher Thermik ausgedehnte Flugzeiten und taktische Spielräume, die an niedrigeren Mittelgebirgshängen oft fehlen. Die strategische Lage am westlichen Randabbruch des Schwarzwaldes bedeutet zudem, dass der Berg direkt von den überregionalen Westwindsystemen angeströmt wird, ohne dass vorgelagerte Höhenzüge die Strömung signifikant stören oder abschwächen würden. Dies führt zu einer laminaren Anströmung im Luv, birgt jedoch bei Föhnlagen oder Ostwinden erhebliche Risiken durch Leewirbel, die sich kilometerweit in die Täler erstrecken können.

Korrekt?

Meteorologische Charakteristik und Saisonale Analyse

Das Verständnis der Kandel-Meteorologie erfordert eine differenzierte Betrachtung der Wechselwirkung zwischen makroskaligen Wetterlagen und mikroskaligen Talwindsystemen. Die Pauschalaussage "Startrichtung West" greift zu kurz für eine sichere Flugplanung an diesem komplexen Berg.

Korrekt?

Makroklima und Windregime

Die dominante und fliegerisch nutzbare Wetterlage ist eine schwache bis mäßige Strömung aus dem Sektor West (270°) bis Nordwest (315°).  

Westlagen (W): Bei reiner Westströmung trifft die Luftmasse frontal auf die Kandel-Rampe. Dies erzeugt ein breites, tragendes Aufwindband, das sich ideal für Soaring und den Einstieg in die Thermik eignet. Da der Kandel die erste hohe Barriere für die Luft aus der Rheinebene darstellt, wird die Luftmasse hier zum Aufsteigen gezwungen, was die Wolkenbildung (Basis) oft früher und tiefer einsetzen lässt als im Hochschwarzwald.

Nordwestlagen (NW): Diese gelten unter lokalen Piloten oft als die leistungsstärksten Lagen. Die Luftmasse wird hierbei parallel zu den Rippen des Schwarzwaldes kanalisiert und trifft in einem Winkel auf den Kandel, der das "Abliessen" der Thermik an der Kante begünstigt. Zudem ist die Luftmasse bei Rückseitenwetter (post-frontal) labil geschichtet, was zu exzellenten Steigwerten führt.

Südwestlagen (SW): Hier ist Vorsicht geboten. Während leichte SW-Lagen am Südstart (Gummen) gut funktionieren können, liegt der Hauptstartplatz (Rampe West) bei Südwestwind oft im Lee der südlich vorgelagerten Hügelketten oder wird "schief" angeströmt. Starke Südwestlagen sind im Schwarzwald fast immer Vorboten von Fronten oder Föhn und führen zu extrem böigen Bedingungen.

Ein kritischer Aspekt der Kandel-Meteorologie ist die Anfälligkeit für Inversionswetterlagen, besonders im Spätherbst und Winter. In diesen Monaten liegt das Rheintal und das untere Elztal oft unter einer zähen Hochnebeldecke. Der Kandel-Gipfel ragt mit seinen 1241 Metern häufig wie eine Insel aus diesem Nebelmeer heraus. Für Piloten bedeutet dies traumhafte Bedingungen "on top", erfordert aber zwingende Planung für die Landung. Wenn der Landeplatz Heimeck (ca. 260m MSL) im Nebel liegt, ist ein Start lebensgefährlich, da keine Bodensicht für die Landung besteht. In solchen Fällen muss auf höhergelegene Landewiesen (sofern legal und schneefrei) oder auf eine Rückkehr zum Top-Landeplatz spekuliert werden – eine Taktik, die nur absoluten Experten vorbehalten bleibt. Die Temperaturdaten der Holfuy-Stationen geben hier wichtige Hinweise: Ist es am Gipfel wärmer als im Tal (Inversion), muss die Nebelgrenze visuell geprüft werden.

Korrekt?

Mikro-Zirkulation: Das Elztäler Windsystem

Das Elztal ist ein mächtiger Ventilator. Seine geografische Ausrichtung von Südost nach Nordwest (auslaufend in die Rheinebene) sorgt für ein spezifisches Talwindsystem, das jeder Kandel-Pilot verinnerlicht haben muss. Tagsüber erwärmt sich das Hinterland und saugt Luft aus der Rheinebene an. Dies führt dazu, dass im Elztal ein kräftiger Talwind "bergauf" weht, also von Nordwest nach Südost. Für den Landeplatz Heimeck in Waldkirch bedeutet dies:

Grundwind vs. Talwind: Auch wenn in der Höhe (am Startplatz) Westwind herrscht, kann am Boden im Elztal ein strammer Nordwestwind wehen. Da der Landeplatz Heimeck am Taleingang liegt, addieren sich hier oft überregionaler Wind und thermischer Saugwind.

Lee-Situationen im Tal: Die Orographie um Waldkirch ist komplex. Wenn der Talwind zu stark wird (über 20-25 km/h), entstehen hinter Häuserzeilen, Baumreihen und kleinen Vorhügeln (wie dem, der das Heimeck begrenzt) signifikante Lee-Rotoren. Ein Landeanflug bei starkem Talwind gleicht dann einem Ritt auf der Rasierklinge.  

Im Gegensatz dazu steht das Glottertal südlich des Kandels. Es ist enger, steiler und thermisch noch aktiver ("Hexenkessel"). Hier funktioniert das Talwindsystem ähnlich, jedoch oft aggressiver aufgrund der stärkeren Sonneneinstrahlung an den Südhängen. Konvergenzen zwischen dem abfließenden Hangwind vom Kandel-Südhang und dem talaufwärts strömenden Wind im Glottertal sind häufige Auslöser für starke, aber turbulente Bärte.

Korrekt?

Saisonale Flugbedingungen

Basierend auf langjährigen Beobachtungen und Meteodaten lassen sich die Bedingungen saisonal klassifizieren. Das Frühjahr (März bis Mai) gilt als die "Königszeit" am Kandel. Die Temperaturdifferenz zwischen den noch kalten Höhenluftmassen und dem sich rasch erwärmenden Gestein des Schwarzwaldes sorgt für hohe Labilität. Steigwerte von 6 bis 8 m/s sind keine Seltenheit. In dieser Phase werden die großen Streckenflüge absolviert, da die Basis oft hoch liegt und die Tage lang genug sind. Allerdings ist dies auch die Zeit der heftigsten Turbulenzen; "Sportklasse"-Bedingungen sind die Norm, nicht die Ausnahme.  

Der Sommer bringt oft stabilere Schichtungen mit sich. Die Inversionen sinken ab, und die Gewitterneigung steigt rapide an. Der Kandel ist aufgrund seiner Exposition oft einer der ersten Orte im Südschwarzwald, an dem sich Überentwicklungen bilden. Ein Start nach 14:00 Uhr ist im Hochsommer oft nur noch für lokales Soaring ("Restitutionsfliegen") ratsam, wenn der Talwind "einschläft" und die Luftmasse sich beruhigt.

Der Herbst (September bis November) bietet die ruhigsten Bedingungen. Die Thermik wird sanfter ("Butterthermik"), die Farben des Waldes sind spektakulär, und die Sichtweiten oft phänomenal bis zu den Alpen. Dies ist die ideale Zeit für Genussflieger und Piloten, die sich an das Gelände herantasten wollen, ohne von brutalen Frühjahrbärten überfordert zu werden.

Korrekt?

Regulatorischer Rahmen und Zugangsvoraussetzungen

Das Fluggebiet Kandel unterliegt, wie viele Spitzen-Gelände in Deutschland, einem strengen regulatorischen Korsett. Dies ist keine Schikane, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Verhandlungen zwischen dem Geländehalter (DGFC Südschwarzwald e.V.), Naturschutzbehörden, Forstverwaltung und der Gemeinde. Eine Missachtung dieser Regeln wird nicht toleriert und kann zum sofortigen Flugverbot führen.

Korrekt?

Lizenzierung: Der B-Schein als Standard

Im Gegensatz zu vielen Schulungsgeländen ist der Kandel kein Anfängerberg. Offiziell und faktisch ist für alle Gleitschirmpiloten der B-Schein (unbeschränkter Luftfahrerschein / Überlandberechtigung) vorgeschrieben. Diese Regelung basiert auf der anspruchsvollen Topografie (Schneisenstart, Lee-Gefahren, Luftraumstruktur).  

Ausnahmen: Es gibt historische Nischenregelungen für Drachenflieger am oberen Südstartplatz, wo unter strikter Aufsicht teilweise mit A-Schein gestartet werden durfte, doch für die breite Masse der Gleitschirmpiloten ist der B-Schein unumgänglich.

Internationale Gäste: Ausländische Piloten müssen eine Lizenz vorweisen, die dem deutschen B-Schein gleichwertig ist. Dies ist in der Regel die IPPI Card Level 5 (Safe Pro). Eine IPPI Card Level 4 reicht formal oft nicht aus, um die Anforderungen der B-Schein-Pflicht zu erfüllen. Eine spezielle Vereinbarung existiert mit dem französischen Verband F.F.V.L., dessen Mitglieder unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls zugelassen sind, was die grenznahe Freundschaft im Elsass/Breisgau widerspiegelt.

Korrekt?

Das Paten-System ("Flying Buddy")

Eine Besonderheit, die oft für Verwirrung oder Unmut bei unwissenden Gästen sorgt, ist die strikte Patenpflicht. Kein Gastpilot darf am Kandel ohne die Einweisung und Anwesenheit eines Clubmitglieds (Paten) starten. Dieses System dient primär der Sicherheit. Der Pate ("Flying Buddy") übernimmt die Verantwortung, den Gast auf die tagesaktuellen Gefahren hinzuweisen (z.B. "Heute ist die Schneise turbulent", "Achte auf die Stromleitung im Tal"). Der Ablauf ist formalisiert:

Der Gastpilot muss einen Paten finden (vor Ort am Startplatz oder vorab über das DGFC-Forum/Social Media).

Der Name des Paten muss zwingend im Startbuch eingetragen werden.  

Ohne Paten-Eintrag ist der Start illegal und nicht versichert.

Kritiker mögen dies als Hürde sehen, doch die Unfallstatistiken zeigen, dass begleitete Gäste deutlich seltener in kritische Situationen geraten als "Einzelkämpfer", die die lokalen Tücken unterschätzen. Es fördert zudem die Integration in die lokale Community.

Korrekt?

Gebührenstruktur und Administration

Die Erhaltung der Start- und Landeplätze (Pacht, Pflege der Rampen, Windsäcke) finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Gastfluggebühren. Die Tagesmitgliedschaft (Gästekarte) kostet aktuell 5,00 €. Verkaufsstellen sind strategisch verteilt:  

Der Kiosk "Kandel Alm" direkt am Startplatz West.

Die BFT-Tankstelle in Waldkirch-Kollnau (am Fuße des Berges).

Der Fahrer des Clubbusses (wenn dieser operiert).

Vereinzelte Clubmitglieder, die Kartenkontingente mitführen.

Das Ausfüllen des Startbuchs ist der letzte, aber wichtigste Schritt vor dem Startcheck. Das Buch befindet sich in einem Kasten am Startplatz West (Rampe). Es gibt unterschiedliche Bücher für Solo-Piloten (weiß) und Tandem-Piloten (gelb). Der Abriss der Gästekarte muss an den vorgesehenen Nagel im Kasten geheftet werden – ein archaisches, aber bewährtes System der Kontrolle.

Korrekt?

Haftung und Versicherung

Jeder Pilot muss eine gültige Halterhaftpflichtversicherung nachweisen. Da der Kandel als Sonderlandeplatz klassifiziert ist und der Betrieb mischverkehrsmäßig (Gleitschirm und Drachen) stattfindet, ist die Einhaltung der Flugbetriebsordnung (FBO) essenziell für den Versicherungsschutz. Wer ohne B-Schein, ohne Paten oder ohne Eintrag ins Startbuch fliegt, handelt grob fahrlässig. Im Falle eines Unfalls (z.B. Baumlandung mit aufwendiger Bergung oder gar Personenschaden) kann der Versicherer die Leistung verweigern, was existenzbedrohliche finanzielle Folgen haben kann.

Korrekt?

Detaillierte Analyse der Startplätze

Der Kandel verfügt über zwei geografisch getrennte Startareale, die unterschiedliche Windrichtungen und Könnensstufen bedienen. Die Wahl des richtigen Startplatzes ist der erste Schritt zu einem erfolgreichen Flug.

Korrekt?

Kandel West: Das Herzstück

Der Startplatz West liegt direkt an der Kandel-Passstraße, in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Kandel-Hotel (abgebrannt, Ruine/Neubauplanung). Er unterteilt sich in zwei Sektoren: Die Rampe und den Naturstart.

Die Drachenrampe (auch für Gleitschirme)

Die Holzrampe ist das Wahrzeichen des Fluggebiets. Sie ragt steil über den Abgrund hinaus und bietet einen sauberen, hindernisfreien Abflug.

Vorteile: Unabhängig von der Bodenbeschaffenheit (hohes Gras, Schnee, Matsch) ist ein sauberer Startlauf möglich. Die Leinen verfangen sich nicht.

Technik: Der Startlauf auf der Rampe erfordert Präzision. Es gibt keinen Raum für Fehler. Einmal angelaufen, muss der Schirm tragen. Ein Startabbruch kurz vor der Kante ist extrem riskant, da die Rampe abrupt endet.

Seitenwind: Die Rampe ist strikt nach West ausgerichtet. Bei Seitenwindkomponenten (starker NW oder SW) ist der Start auf der Rampe anspruchsvoll, da der Schirm seitlich ausbrechen kann und man Gefahr läuft, neben die Rampe zu treten oder vom Wind "heruntergeweht" zu werden.

Der Naturstart (Die Schneise)

Links (südlich) der Rampe befindet sich der Naturstartplatz. Dies ist eine steile Waldschneise.

Charakteristik: Der Untergrund ist naturbelassen – Wurzeln, Steine und Grasbüschel sind die Regel.

Psychologie: Der optische Eindruck ("in ein Loch starten") schreckt Anfänger oft ab. Man muss entschlossen anlaufen. Ein Zögern führt dazu, dass man den Schirm nicht sauber über sich bekommt und in die unterhalb liegenden Büsche stolpert.

Aerologie: Bei Nordwestwind, der ideal auf die Rampe steht, kann es in der Schneise zu leichten Lee-Effekten durch die nördlich stehenden Bäume kommen. Der Schirm kann beim Aufziehen entlasten. Aktives Schirmhandling ist hier Pflicht.

Korrekt?

Kandel Süd: Der Gummen

Etwa 10-15 Gehminuten südlich vom Parkplatz Passhöhe entfernt liegt das Areal "Gummen". Dieser Startplatz ist die Alternative für Süd- und Südwestlagen, wird jedoch seltener frequentiert als der Weststart.  

Oberer Startplatz: Eine flachere Wiese unterhalb der Gummenhütte. Hier starten primär Drachenflieger und Tandems. Der flache Anlauf erfordert zwingend ausreichenden Gegenwind. Ein "Rückenwindstart" ist hier unmöglich, da die nötige Beschleunigungsstrecke fehlt, bevor das Gelände steiler wird.

Unterer Startplatz (Die Waldschneise): Speziell für Gleitschirme ausgewiesen. Es handelt sich um eine mittelsteile Schneise im Wald. Auch hier gilt: B-Schein-Pflicht. Die Schneise kanalisiert den Wind, was den Start vereinfachen kann, aber bei Seitenwind (Westwind, der um die Ecke zieht) Turbulenzen erzeugt.  

Die "Südwest-Falle": Ein häufiger Fehler ist der Versuch, am Gummen zu starten, wenn der Wind eigentlich rein West ist, aber durch thermische Ablösungen kurzzeitig auf Südwest dreht. In diesem Fall liegt der Startplatz im Lee des Bergrückens, der vom Hauptgipfel nach Süden zieht. Die Luft ist dann extrem unruhig ("bockig"). Ein Blick auf die Windspione in den Baumwipfeln oberhalb des Starts ist obligatorisch: Bewegen sich diese aus West, während am Boden Südwind herrscht, ist Vorsicht geboten.

Korrekt?

Flugtaktik I: Soaring und Thermikeinstieg

Der Moment nach dem Start ("Airborne") entscheidet am Kandel oft über den weiteren Verlauf des Tages. Die Topografie gibt klare Strukturen vor, wo Aufwinde zu erwarten sind.

Korrekt?

Die Suche nach dem "Hausbart"

Unmittelbar nach dem Start am Westplatz ("Rampe") hat der Pilot zwei strategische Optionen, um Höhe zu gewinnen.

Die "Kante" (Süd-Route): Man dreht nach links ab und fliegt parallel zur Hangkante Richtung Süden. Die Straße, die sich in Serpentinen den Berg hochwindet, und die darunterliegenden Felsformationen ("Kandelfelsen") sind zuverlässige Abrisskanten. Der dunkle Asphalt der Straße heizt sich stärker auf als der Wald und fungiert als thermischer Zünder.

Taktik: Fliege nicht zu nah am Relief ("Scrubbing"). Der beste Steigbereich befindet sich oft 50 bis 100 Meter vor dem Hang, leicht versetzt durch den Westwind.

Der "Teufelstisch": Nördlich des Startplatzes liegt eine markante Felsnadel ("Teufelstisch" / "Teufelskanzel"). Bei einer Nordwest-Komponente wird die Luft hier direkt auf den Fels gedrückt. Dies ist oft der stärkste und zuverlässigste Bart am Berg, aber auch der turbulenteste.

Korrekt?

Der "Low Save" am Heimeck

Sollte der Einstieg oben misslingen und man Höhe verlieren, ist das Rennen noch nicht vorbei. Auf etwa halber Höhe, oberhalb des Landeplatzes Heimeck, befindet sich ein kleiner, bewaldeter Vorhügel.

Funktionsweise: Dieser Hügel steht im Talwindsystem des Elztals. Warmluft, die im Talkessel von Waldkirch entsteht, wird hier vom Talwind gegen den Hang gedrückt und löst sich ab.

Chance: Dieser "Low Save"-Bart ist oft eng und zerrissen, kann einen Piloten aber mit Geduld wieder zurück auf Gipfelhöhe hieven. Es ist die klassische "Zweite Chance" am Kandel.

Korrekt?

Warnung: Die Lee-Falle Hotel

Eine der größten Gefahren am Kandel resultiert aus falschem Ehrgeiz beim Drehen. Direkt östlich (hinter) dem Startplatz West befindet sich das Plateau mit dem Hotelparkplatz und dem Gebäude.

Das Szenario: Ein Pilot findet Thermik direkt vor dem Start, dreht ein und lässt sich mit dem Westwind über den Grat treiben ("versetzen").

Das Problem: Wenn man dabei nicht genügend Überhöhung hat (Faustregel: Mindestens 100-150 Meter über Startniveau), gerät man hinter der Kuppe in das aerodynamische Lee des Berges.

Die Konsequenz: Der Schirm gerät in massive Turbulenzen und starkes Sinken (bis zu -8 m/s). Ein Vorwärtskommen gegen den Wind zurück zum Luv ist oft nicht mehr möglich. Man wird unweigerlich in die Wälder auf der Ostseite gedrückt ("The Dark Side"). Baumlandungen in diesem Bereich sind extrem gefährlich und bergungstechnisch aufwendig.

Goldene Regel: Drehe erst dann nach hinten über das Plateau weg, wenn du sicher bist, dass du den Anschluss an die nächste Wolke (meist Richtung St. Peter / Plattenhof) erreichst. "Never fly over the back without altitude to spare."

Korrekt?

Flugtaktik II: Streckenflug (XC) Masterclass

Der Kandel ist durch seine Position als "Springbrett" in den Hochschwarzwald prädestiniert für große FAI-Dreiecke und weite Streckenflüge. Lokalmatadoren nutzen ihn regelmäßig für Flüge jenseits der 100 Kilometer.

Korrekt?

Die klassische Route: "Black Forest Ridge Run"

Die populärste Route führt vom Kandel nach Süden entlang der Hauptkämme des Schwarzwaldes bis zum Feldberg oder Belchen und zurück.

Phase 1: Der Sprung nach St. Peter. Dies ist die erste Hürde. Vom Kandel muss das thermisch aktive, aber windanfällige Glottertal überquert werden. Ziel ist das Hochplateau um St. Peter und den "Plattenhof". Man benötigt eine solide Basishöhe (mindestens 1600m MSL), um hier nicht "abzusaufen".

Phase 2: Zum Thurner und Feldberg. Hat man St. Peter erreicht, folgt man der Kette Richtung Thurner. Hier wird das Gelände flacher, die Thermik oft sanfter. Der Weiterflug zum Feldberg (höchster Punkt, 1493m) ist landschaftlich spektakulär. Der Feldberg selbst ist ein gigantischer Thermikgenerator, aber Vorsicht vor den starken Talwinden, die aus dem Dreisamtal und Wiesental hier hochziehen.

Korrekt?

Die Herausforderung des Rückwegs

Viele Piloten scheitern nicht am Hinweg, sondern am Rückweg ("Heimspiel").

Das Elztal-Problem: Auf dem Rückweg vom Feldberg fliegt man meist gegen den vorherrschenden West- oder Nordwestwind. Zudem muss man erneut das Glottertal queren. Oft kommt man tief am Kandel an.

Die "Todeszone" Elztal: Wer zu weit östlich ins Elztal gerät, kämpft gegen den starken Talwind, der dort oft "düst". Ein Vorwärtskommen zum Landeplatz Heimeck kann unmöglich werden. Viele XC-Flüge enden auf Wiesen im oberen Elztal (bei Elzach/Simonswald), von wo aus man mit der Bahn zurückfahren muss.

Korrekt?

Luftraumstruktur 2026: RMZ und TMZ Freiburg

Die Luftraumsituation im südlichen Schwarzwald hat sich in den letzten Jahren verschärft. Piloten müssen zwingend aktuelle Luftraumdaten auf ihren Navigationsgeräten haben.

RMZ / TMZ Freiburg: Um den Flugplatz Freiburg (City) wurde eine Radio Mandatory Zone (RMZ) und Transponder Mandatory Zone (TMZ) eingerichtet.  

Vertikale Ausdehnung: Vom Boden (GND) bis Flight Level 100 (FL100).

Konsequenz: Da die meisten Gleitschirme keinen Transponder haben, ist dieser Luftraum für sie tabu. Die Zone erstreckt sich südwestlich des Kandels und tangiert die klassische Route Richtung Schauinsland. Eine Verletzung dieses Luftraums wird radargestützt überwacht und zur Anzeige gebracht.

Temporäre Beschränkungen: Großereignisse (wie das World Economic Forum im nahen Davos oder militärische Übungen) können zu temporären Flugbeschränkungsgebieten (ED-R) führen, die auch den Schwarzwald betreffen können. Ein Check der NOTAMs (Notice to Air Missions) vor dem Flug ist Pflicht.

Korrekt?

Landeanflüge und Gefahrenschwerpunkte

Die Landung beendet den Flug, birgt aber am Kandel spezifische Risiken, die oft unterschätzt werden.

Korrekt?

Landeplatz Heimeck (Waldkirch)

Dies ist der Hauptlandeplatz für alle Flüge vom Weststart.

Lage: Östlich von Waldkirch, Ortsteil Kollnau. Eine große Wiese, gut erkennbar an den Windsäcken.

Die Talwind-Falle: Wie in Abschnitt 2.2 beschrieben, weht hier oft ein kräftiger Talwind aus NW. Da der Landeplatz von Bebauung und Bäumen umgeben ist, entsteht im Endanflug (die letzten 30-50 Meter Höhe) eine Zone starker mechanischer Turbulenz.

Verhalten: Fliege mit erhöhter Fahrt an ("Hände hoch!"). Sei bereit, Klapper aktiv abzufangen. Lasse dich nicht zu weit nach hinten ("ins Eck") treiben, da dort Stromleitungen verlaufen.

Abbau: Baue deinen Schirm zwingend am Rand der Wiese ab. Der mittlere Bereich muss für landende Piloten frei bleiben (Gefahr der Kollision!).

Korrekt?

Landeplatz Glottertal (Süd)

Der Landeplatz "Am Schwimmbad" im Glottertal wird genutzt, wenn man vom Südstart fliegt oder auf Strecke "absäuft".

Thermische Aggressivität: Da das Glottertal ein Südtal ist, heizt sich der Boden stark ab. Mitten auf dem Landeplatz lösen sich im Sommer oft "Dust Devils" (Staubteufel) ab. Beobachte das Gras und die Windsäcke genau. Wenn sich der Wind wild dreht, warte mit dem Endanflug.

Mischbetrieb mit Drachen: Das Glottertal ist ein beliebtes Drachenflug-Gelände. Drachen haben einen flacheren Gleitwinkel und eine höhere Endgeschwindigkeit.

Regel: Gleitschirme müssen Drachenfliegern immer Vorrang gewähren. Ein Drachen kann im Endanflug nicht so flexibel ausweichen oder "durchstarten" wie ein Gleitschirm. Lande seitlich versetzt und räume die Landebahn sofort.

Korrekt?

Logistik und Organisation: Der Weg zum Start

Die Infrastruktur am Kandel ist auf die hohe Frequenz an Piloten ausgelegt, erfordert aber Koordination.

Korrekt?

Auffahrt und Shuttle

Der DGFC-Clubbus: An fliegbaren Wochenenden und Feiertagen organisiert der Verein oft einen Shuttle-Service.  

Treffpunkt: Landeplatz Heimeck.

Modus: Der Bus (meist ein 9-Sitzer) fährt, wenn er voll ist. Es gibt keinen festen Fahrplan.

Kosten: Ein Unkostenbeitrag (ca. 5-7 €) wird direkt beim Fahrer entrichtet.

Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV): Die Buslinie 7273 ("Kandelbahn") verkehrt zwischen dem Bahnhof Waldkirch und der Kandel-Passhöhe.

Vorteil: Mit der KONUS-Gästekarte (die Übernachtungsgäste erhalten) ist die Fahrt kostenlos.

Kapazität: Der Bus nimmt Gleitschirme mit, solange Platz ist. An Top-Tagen mit großen Gruppen kann es eng werden.

PKW: Die Auffahrt mit dem privaten PKW ist möglich. Oben gibt es einen großen Wanderparkplatz.

Parken am Landeplatz: Parke nur auf den ausgewiesenen Flächen am Heimeck (z.B. Friedhofsparkplatz, ca. 5 Min Fußweg). Das wilde Parken in den engen Wohnstraßen (Eichbühlweg) führt regelmäßig zu Konflikten mit Anwohnern und gefährdet die Betriebserlaubnis des Geländes!.

Korrekt?

Gastronomie und Unterkunft

Der Kandel und Waldkirch bieten eine hervorragende Infrastruktur für den "Aprés-Fly".

Kiosk Kandel Alm: Direkt am Startplatz West. Der soziale Mittelpunkt. Hier gibt es Kaffee, Snacks, das "Lande-Bier" (für Top-Lander) und die unverzichtbaren Tageskarten.

Gummenhütte ("Fensterli-Wirt"): Am Südstart gelegen. Eine urige Schwarzwaldhütte mit Vesperplatten und Kuchen. Ein Muss, wenn man am Südstart fliegt.  

Waldkirch: Die "Orgelstadt" bietet zahlreiche Restaurants. Ein Geheimtipp für größere Gruppen ist das Restaurant "The Green" im Golfpark Waldkirch , das logistisch gut erreichbar ist und Platz bietet.  

Camping:

Camping Elztalblick: Strategisch günstig bei Waldkirch gelegen.

Camping Steingrubenhof (St. Peter): Landschaftlich reizvoll auf dem Hochplateau, jedoch mit eingeschränktem touristischen Betrieb (Status prüfen!).

Korrekt?

Sicherheit und Unfallprävention

Abschließend sei betont: Der Kandel verzeiht wenig. Die Unfallanalysen der letzten Jahre zeigen wiederkehrende Muster:

Startabbruch zu spät: Piloten versuchen krampfhaft, einen schlechten Start auf der kurzen Rampe zu retten und stürzen in die Bäume. Lösung: Radikaler Abbruch ("Hinwerfen"), solange noch Boden unter den Füßen ist.

Lee-Flug: Das Einfliegen in das Lee hinter dem Hotel oder bei Ostwindlagen. Lösung: Meteo-Check (Holfuy Stationen) und konservative Flugwege.

Nebel-Einschluss: Der Kandel-"Sneeze" (schnell hochziehender Nebel aus dem Rheintal) kann die Sicht in Minuten auf Null reduzieren. Lösung: Sofort landen, wenn die Wolkenbasis unter Startniveau sinkt oder Nebelfetzen den Hang hochkriechen.

Der Kandel ist ein Juwel des Schwarzwaldes. Er bietet für den disziplinierten Piloten mit B-Schein und Respekt vor der Natur Flugerlebnisse, die in Deutschland ihresgleichen suchen – von der abendlichen Soaring-Session im Sonnenuntergang über dem Rheintal bis zum 100-Kilometer-Dreieck über die höchsten Gipfel des Mittelgebirges.

Wichtige Kontakte Nummer / Info Notruf (Europa) 112 Bergwacht Schwarzwald +49 761 49 33 33 (Leitstelle) DGFC Südschwarzwald www.dgfc-suedschwarzwald.de Wetterstationen Holfuy "Kandel West" & "Kandel Süd" Frequenz RMZ Freiburg 135.210 MHz (Kanal prüfen!) Export to Sheets

Always Happy Landings!

Korrekt?

Webcam-Links

Live-Kameras in der Nähe

dgfc-suedschwarzwald.de
Korrekt?

Fluggebiete in der Nähe

Steingrubenberg Südwestseite
Baden-Württemberg
Hinter Riedern
Baden-Württemberg
Hörnleberg
Baden-Württemberg
Tafelbühl Süd
Baden-Württemberg
Wittental
Baden-Württemberg
Mehr in Baden-Württemberg
Bergrettung
112