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Handbuch für Gleitschirmpiloten: Fluggebiet Schwabhausen (Boxberg)
Das Fluggebiet Schwabhausen, gelegen im Gemeindegebiet von 97944 Boxberg im Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg, stellt in der deutschen Flachlandfliegerei eine bemerkenswerte Singularität dar. Während viele Schleppgelände in den Datenbanken des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) lediglich als funktionale Aufstiegsmöglichkeiten klassifiziert werden, die primär der Schulung oder dem lokalen Abgleiten dienen, transzendiert Schwabhausen diese Kategorisierung durch seine außergewöhnliche geographische Dimensionierung und strategische Lage.
Mit einer Schleppstrecke von bis zu 1.800 Metern auf der Nord-Süd-Achse bietet dieses Gelände technologische und physikalische Voraussetzungen, die im deutschen Mittelgebirgsraum und Flachland selten zu finden sind. Diese enorme Distanz ermöglicht – in Abhängigkeit von den Windverhältnissen – Ausklinkhöhen, die regelmäßig 450 Meter über Grund erreichen oder überschreiten. Für den ambitionierten Streckenflugpiloten (XC-Piloten) sowie den Genussflieger bedeutet dies einen entscheidenden taktischen Vorteil: Der Pilot wird nicht, wie an kürzeren Windenstrecken oft üblich, in einer kritischen, niedrigen Höhe in den thermischen Suchmodus entlassen, sondern erreicht oft Höhen, die einen direkten Anschluss an die konvektive Grenzschicht ermöglichen.
Schwabhausen fungiert somit nicht nur als lokaler Startplatz, sondern als strategischer Knotenpunkt zwischen dem Odenwald im Westen, dem Spessart im Norden und den weiten Ebenen der Hohenloher Ebene und Frankens im Osten. Die Komplexität des Geländes ergibt sich jedoch nicht aus der Topographie des Startplatzes selbst – dieser ist weitgehend flach und unscheinbar –, sondern aus der anspruchsvollen Interaktion mit dem umgebenden Luftraum, insbesondere dem benachbarten Verkehrslandeplatz Unterschüpf (EDGU/EDFU) , sowie den spezifischen mikrometeorologischen Bedingungen des Taubertals.
Eine präzise geographische Verortung ist im Fall von Schwabhausen von kritischer Bedeutung, da der Ortsname in Deutschland mehrfach existiert und in Pilotenkreisen oft zu Verwechslungen führt.
Schwabhausen (Boxberg): Dies ist das hier behandelte Fluggebiet im Main-Tauber-Kreis (PLZ 97944). Es zeichnet sich durch den Schleppbetrieb des Vereins Gleitschirmfreunde Taubertal e.V. aus.
Schwabhausen (Thüringen): Ein Ort im Landkreis Gotha, der zwar landschaftlich reizvoll ist, aber fliegerisch in einem anderen Kontext steht (siehe ).
Schwabhausen (Landsberg am Lech): Hier existiert eine Modellflugtradition und historische Verbindungen zum Lufttransportgeschwader 61 in Penzing , was jedoch für den Gleitschirmpiloten, der nach Boxberg möchte, irrelevant ist.
Das Fluggelände Boxberg-Schwabhausen befindet sich auf einem Plateau oberhalb des Umpfertals. Die Koordinaten des Hauptstartplatzes (Nord-Süd) liegen bei N 49°27'04.00" E 9°36'10.00". Diese exponierte Lage auf ca. 350 Metern über Normalnull (MSL) sorgt dafür, dass das Gelände oft frei angeströmt wird, was für einen laminaren Schleppbetrieb essenziell ist. Gleichzeitig bedeutet die Plateau-Lage, dass die thermischen Abrisskanten an den Rändern des Hochplateaus liegen, wo das Gelände in die umliegenden Täler abfällt.
Das Gelände ist grundsätzlich für Gleitschirme und Hängegleiter zugelassen, wobei für Hängegleiter Einschränkungen (einsitzig mit beschränktem Luftfahrerschein) gelten. Auch der Schulungsbetrieb ist gestattet, was auf eine hindernisfreie und fehlerverzeihende Topographie hindeutet. Dennoch erfordert die effiziente und sichere Nutzung des Geländes ein fortgeschrittenes Verständnis für die Windenstarttechnik und die Thermiksuche im Flachland.
Die Analyse der Pilotenstruktur vor Ort zeigt eine Zweiteilung:
Der Novize und Schüler: Er profitiert von der extremen Länge der Bahn, die sehr hohe Sicherheitsreserven bietet. Ein verpatzter Startlauf kann meist gefahrlos abgebrochen werden, da keine Hangkante unmittelbar droht. Die langen Schleppphasen geben viel Zeit, um Schirmgefühl zu entwickeln.
Der XC-Experte: Für ihn ist Schwabhausen eine Rampe. Bei Nord- und Ostlagen dient das Gelände als Sprungbrett für Flüge Richtung Schwäbische Alb oder tief in den Spessart hinein. Die Herausforderung liegt hier in der Luftraumbeobachtung und der taktischen Entscheidung, wann der "Schlauch" verlassen wird, um Strecke zu machen.
Das Herzstück eines jeden Windenschleppgeländes ist die Schleppstrecke. In Schwabhausen ist diese Infrastruktur nicht nur Mittel zum Zweck, sondern das dominierende Merkmal, das die Flugstrategie diktiert.
Das Fluggelände verfügt über zwei sich kreuzende Schleppstrecken, die eine Abdeckung fast aller Windrichtungen ermöglichen. Dies ist ein entscheidender Vorteil gegenüber vielen Monorichtungsgeländen, die bei Seitenwind unbefliegbar werden.
Länge: 1.800 Meter.
Startrichtung: Nord und Süd.
Charakteristik: Diese Bahn ist das Alleinstellungsmerkmal des Geländes. Physikalisch betrachtet erlaubt eine längere Schleppstrecke nicht nur eine größere Endhöhe, sondern auch einen flacheren, sichereren Schleppwinkel in der Anfangsphase. Bei 1.800 Metern Auslage kann der Windenfahrer die Zugkraft sehr fein dosieren, um den Piloten stufenlos in die Höhe zu führen.
Potenzial: Bei leichtem Gegenwind sind Ausklinkhöhen von 450 Metern (GND) realistisch. In thermisch aktiven Phasen kann der Pilot bereits während des Schlepps Thermik "mitnehmen" (Stufenschlepp), was die Effektivhöhe weiter steigert.
Topographie: Startet man nach Nord, fliegt man tendenziell auf das abfallende Gelände Richtung Umpfertal zu. Dies kann psychologisch vorteilhaft sein, da sich der Bodenabstand schneller vergrößert.
Länge: 1.300 Meter.
Koordinaten: N 49°27'15.61" E 9°36'44.05".
Startrichtung: Ost und West.
Charakteristik: Obwohl 500 Meter kürzer als die N-S-Bahn, ist eine 1,3 km lange Strecke im nationalen Vergleich immer noch überdurchschnittlich.
Besonderheit: Snippet hebt hervor, dass die "Nordostschleppstrecke" thermisch hoch aktiv ist. Dies bezieht sich auf Starts bei Ost/Nordostwind. Hierbei zieht der Pilot gegen den Wind, der oft thermisch durchsetzt ist, da er über die aufgeheizten Flächen des Baulandes streicht, bevor er das Plateau erreicht.
Das Gelände wird vom Verein Gleitschirmfreunde Taubertal e.V. betrieben, der über Jahre eine professionelle Infrastruktur aufgebaut hat.
Windenart: Der DHV-Eintrag vermerkt explizit "Mobile Abrollwinde? Nein" für den Standardbetrieb. Dies deutet auf den primären Einsatz einer stationären Doppeltrommelwinde hin. Stationäre Winden bieten bei Seillängen von fast zwei Kilometern den Vorteil, dass das Seilgewicht und der Durchhang (Catenary Curve) besser kontrolliert werden können, da der Zug nicht durch die Fahrzeugbewegung variiert wird. Moderne Kunststoffseile (Dyneema) sind hier Standard, um das Eigengewicht des Seils zu minimieren und die Ausklinkhöhe zu maximieren.
Mobiler Schleppbetrieb: Eine interessante Nuance findet sich in den Auflagen: "Es ist nur zwischen den Punkten G1 bis G3 mobiler Schleppbetrieb möglich". Dies impliziert, dass grundsätzlich mobiler Schlepp (z.B. Auto-Schlepp oder Abrollwinde auf Fahrzeug) erlaubt ist, aber räumlich strenger reglementiert wird als der stationäre Betrieb. Dies ist relevant für Gastvereine oder Sonderveranstaltungen, die eigenes Equipment mitbringen möchten.
Stufenschlepp: Aufgrund der enormen Länge und der möglichen Thermikablösungen während des Schlepps ist der Stufenschlepp (Treppenstufenschlepp) eine valide Option, muss aber zwingend mit dem Windenführer vorab koordiniert werden. Die Kommunikation erfolgt über Funk (LPD/PMR Frequenzen des Vereins beachten). Eine "sichere Sprechverbindung" ist hierbei nicht nur Vorschrift, sondern Lebensversicherung.
Das Fliegen im Flachland unterscheidet sich fundamental vom Alpenflug. Es gibt keine massiven Prallhänge, die verlässlich "tragen", und keine Bergspitzen, die als klare Abrisskanten fungieren. Stattdessen muss der Pilot lernen, die Landschaft subtil zu "lesen". Schwabhausen bietet hierfür exzellente, fast lehrbuchartige Voraussetzungen.
Laut lokalen Insider-Informationen existieren drei zuverlässige Hausbärte in unmittelbarer Nähe zur Schleppstrecke. Das Verständnis dieser Triggerpunkte ist der Schlüssel zum "Obenbleiben" nach dem Klinken.
Die geologische Kante ("The Edge"): Die Schleppstrecke verläuft entlang oder in der Nähe einer Geländekante. Geologisch betrachtet schneidet sich hier die Umpfer und ihre Nebenflüsse in die Muschelkalk-Ebene des Baulandes ein.
Mechanismus: Wind, der über die Ebene streicht, trifft auf die Kante, wo die Strömung leicht abreißen kann. Noch wichtiger ist der thermische Abreißpunkt: Warme Luftblasen, die über den trockenen Äckern entstehen, "kriechen" am Boden entlang (Advektion), bis sie an der Geländekante den Bodenkontakt verlieren und vertikal aufsteigen.
Taktik: Nach dem Ausklinken sollte man nicht ziellos ins Blaue fliegen ("Blue Hole"). Suchen Sie systematisch die Kante ab, insbesondere dort, wo der Wind senkrecht oder schräg darauf trifft. Ein Versatz von nur 50 Metern kann über Steigen oder Sinken entscheiden.
Bodenbeschaffenheit und Albedo-Kontraste: Die Umgebung von Boxberg ist intensiv landwirtschaftlich geprägt. Dies schafft ein thermisches Schachbrettmuster.
Trockene Äcker vs. Feuchte Wiesen: Die braunen, oft trockenen Ackerflächen im Sommer heizen sich deutlich schneller auf als die grünen Wiesen im Talgrund oder bewässerte Flächen. Diese Temperaturdifferenz ist der Motor der Thermik.
Vegetationskanten: Die "Feldhecken" (insbesondere am Grodweg) sind nicht nur Naturschutzgebiet, sondern fungieren auch als mechanische Hindernisse. Sie können den Wind bremsen und so das Ablösen einer Warmluftblase erzwingen. Zudem absorbiert die dunkle Vegetation Wärme anders als das offene, helle Feld, was zu mikroklimatischen Hotspots führt.
Die Analyse der lokalen Windsysteme offenbart spezifische Muster, die für die Flugplanung essenziell sind.
Nord-Ost (NO) Lage: Diese Wetterlage wird in den Quellen als "thermisch hoch aktiv" beschrieben.
Meteorologischer Hintergrund: Bei NO-Lagen gelangt oft kontinentale Kaltluft oder trockene Luftmasse nach Süddeutschland. Diese ist oft labil geschichtet. Die Sonne scheint ab dem Vormittag frontal auf die Hänge und Kanten, die nach Osten oder Südosten exponiert sind.
Flugpraxis: Der Start erfolgt auf der N-S Bahn (Startrichtung Nord) oder der O-W Bahn (Startrichtung Ost). Da man gegen den Wind geschleppt wird, addieren sich Fahrtwind und Windgeschwindigkeit, was steile Anstellwinkel und hohe Ausklinkhöhen begünstigt.
Westwind: Der Klassiker in Mitteleuropa.
Flugpraxis: Hier dient die lange N-S Bahn oft als Startrampe, wenn die Komponente rein Süd oder rein Nord ist, oder man nutzt die O-W Bahn. Bei Westwind driftet man nach dem Einstieg in die Thermik Richtung Frankenhöhe und Würzburg. Dies ist die klassische "Rennstrecke" für Streckenflüge.
Gefahrenhinweis: Bei starken Winden (über 20-25 km/h) kann die mechanische Turbulenz hinter den Feldgehölzen und an der Hangkante zunehmen. Da die Schleppstrecke im Flachen liegt, ist die Bodenturbulenz ("Leewalzen" hinter Hindernissen wie Waldstücken oder Gebäuden in Schwabhausen) beim Start und der Landung genau zu beobachten. Ein Windsack am Startplatz ist obligatorisch, aber ein Blick auf die Vegetation in 100-200m Entfernung (Bewegung der Baumkronen) gibt oft ehrlichere Auskunft über Böigkeit.
Das Fluggebiet Schwabhausen operiert in einem komplexen regulatorischen Umfeld, das keine Fehler verzeiht. Die Nähe zum Flugplatz Unterschüpf (EDGU/EDFU) diktiert strenge Regeln, deren Missachtung nicht nur die eigene Sicherheit gefährdet, sondern zur sofortigen Geländeschließung führen kann.
Der Verkehrslandeplatz Unterschüpf liegt nur ca. 0,8 NM (Nautische Meilen) westlich von Boxberg-Unterschüpf. Das sind weniger als 1,5 Kilometer Luftlinie.
Das Szenario: Gleitschirme, die in der Thermik bei Ostwind nach Westen versetzt werden, nähern sich unweigerlich dem An- und Abflugsektor der Motorflieger.
Die eiserne Regel: "Der Bereich der Platzrunde ist möglichst weiträumig zu umfliegen". Dies ist keine Empfehlung, sondern eine Auflage.
Praxis-Tipp für die Flugvorbereitung: Piloten müssen vor dem Start zwingend wissen, wo genau die Platzrunde verläuft. Ein Blick auf die aktuelle ICAO-Karte ist Pflicht. Die Platzrundenhöhe für Motorflieger liegt in EDGU bei 1154 ft MSL (ca. 352m). Da das Gelände Schwabhausen selbst auf ca. 350m liegt, fliegen die Motorflugzeuge in der Platzrunde auf gleicher Höhe oder nur minimal höher als der Gleitschirmstartplatz!
Taktik: Ein Gleitschirm ist für ein schnell anfliegendes Motorflugzeug vor dem Hintergrund der bunten Felder extrem schwer zu erkennen ("See and Avoid"-Problematik). Halten Sie Sichtkontakt und fliegen Sie defensiv. Ein Motorflugzeug im Endanflug hat Vorrang und ist in seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkt.
Neben der horizontalen Einschränkung durch EDGU gelten vertikale Limits.
Max. Schlepphöhe: Die maximale Schlepphöhe ist auf 450m GND (Grund) festgeschrieben. Da das Gelände auf ca. 350m MSL liegt, entspricht dies einer maximalen Flughöhe am Seil von ca. 800m MSL. Dies ist ausreichend, um thermischen Anschluss zu finden, liegt aber noch weit unterhalb kritischer Lufträume.
Luftraum C/D und CTRs:
Der Luftraum E beginnt in Deutschland standardmäßig bei 2.500 ft AGL.
Achtung Militär: Der Flugplatz Niederstetten (ETHN) liegt südlich von Boxberg. Hier sind eine CTR (Kontrollzone) und ein militärischer Nahverkehrsbereich (MCTR) aktiv. XC-Piloten, die bei Nordwind nach Süden fliegen ("Downwind"), stoßen unweigerlich auf diesen Luftraum. Ein unbefugter Einflug in eine aktive militärische CTR ist eine schwere Luftverkehrsordnungswidrigkeit. Ein Funkgerät mit Flugfunkfrequenz (sofern BZF vorhanden) ist für Streckenflüge in dieser Region dringend empfohlen, um den Status der CTR Niederstetten abzufragen (Frequenz auf ICAO-Karte prüfen).
CTR Giebelstadt: Positive Nachrichten gibt es Richtung Nordosten: Die CTR Giebelstadt wird in den Quellen als "nicht mehr aktiv" erwähnt. Dies erleichtert Flüge Richtung Würzburg erheblich, da ein großes Hindernis wegfällt. Dennoch ist der aktuelle Status vor jedem Flug über die NOTAMs oder ICAO-Karte zu verifizieren.
Die Koexistenz von Flugsport und Naturschutz ist in Schwabhausen strikt geregelt.
Zeitfenster: Der Flugbetrieb ist per Auflage auf den Zeitraum von 3 Stunden nach Sonnenaufgang bis 3 Stunden vor Sonnenuntergang begrenzt.
Implikation: Diese ungewöhnliche Regelung dient dem Schutz dämmerungsaktiver Tierarten (z.B. Vögel, Fledermäuse). Für den Piloten bedeutet dies: Keine "Sunset-Flüge" bis zur letzten Minute! Wer im Hochsommer plant, bis 21:30 Uhr zu soaren, wird hier enttäuscht. Planen Sie den Flugtag entsprechend früh. Ein Start um 06:00 Uhr morgens im Sommer ist theoretisch möglich (da Sonnenaufgang ca. 05:00 Uhr + 3h = 08:00 Uhr Startzeit? Nein, die Regel lautet "3 Stunden nach Sonnenaufgang". Das bedeutet, der Frühstart ist verboten. Start ist erst ab dem späten Vormittag möglich. Moment, die Formulierung "3 Stunden nach Sonnenaufgang" bedeutet Startverbot in der frühen Dämmerung. Korrekte Interpretation: Flugbetrieb beginnt erst 3h nach Sunrise und endet 3h vor Sunset. Das schränkt den Flugtag im Winter massiv ein! Im Sommer (Sunrise 05:30, Sunset 21:30) wäre Flugbetrieb von 08:30 bis 18:30 Uhr möglich. Dies ist eine massive Einschränkung für Abendthermikflieger.
Biotope: Die Feldhecken am Grodweg sind als "besonders geschützte Biotope" nach § 24a Naturschutzgesetz ausgewiesen.
Verbot: Kein Starten, Landen oder Tieffliegen (Hangsoaring) direkt in oder an den Hecken.
Abstand: Halten Sie ausreichend vertikalen und horizontalen Abstand, um Störungen der Avifauna zu vermeiden.
Schwabhausen ist im DHV-XC (dem Online-Streckenflugwettbewerb) regelmäßig vertreten. Die Lage bietet Potenziale für verschiedene Routen, erfordert aber strategische Planung.
Wetterlage: Süd-West Wind.
Strategie: Start an der N-S Bahn Richtung Süd oder O-W Bahn. Nach dem Ausklinken und Thermikeinstieg lässt man sich über das Taubertal treiben.
Wegpunkte: Tauberbischofsheim ist ein guter Orientierungspunkt. Der Weg führt weiter Richtung Giebelstadt (ehemalige CTR beachten!).
Herausforderung: Die Überquerung des Maintals bei Würzburg kann thermisch anspruchsvoll sein, da der Fluss oft abschirmend wirkt ("Blaue Lagune").
Wetterlage: Nord Wind.
Strategie: Start N-S Bahn Richtung Nord. Dies ist die schwierigere Route aufgrund des Luftraums.
Herausforderung: Unmittelbar südlich liegt die CTR Niederstetten. Diese muss zwingend umflogen (meist westlich oder östlich) oder überflogen werden (wenn Höhe > CTR Obergrenze, was im Flachland schwer zu garantieren ist). Viele Piloten wählen daher eine Route, die sie westlich an Niederstetten vorbeiführt Richtung Hohenlohe.
Wetterlage: West Wind.
Strategie: Klassischer "Rückenwindflug". Die weiten Ebenen bieten viele Landemöglichkeiten, was den Stressfaktor ("Absaufangst") minimiert.
Vorteil: Weniger Luftraumeinschränkungen als Richtung Süden. Ideal für die ersten 50km-Flüge.
Ein erfolgreicher Flugtag beginnt am Boden. Die Einhaltung der logistischen Regeln sichert den Fortbestand des Geländes.
Die Landwirte der Region sind die wichtigsten Partner des Vereins. Blockierte Wirtschaftswege führen unweigerlich zu Konflikten.
Zufahrt: Die Anfahrt hat ausschließlich von Boxberg her zu erfolgen. Navigationssysteme versuchen oft, Piloten über kleine Feldwege von anderen Seiten zu leiten – ignorieren Sie diese Anweisungen.
Parken: Fahrzeuge sind so abzustellen, dass der landwirtschaftliche Verkehr (breite Mähdrescher, Traktoren mit Anhängern) jederzeit ungehindert passieren kann. Auch der Verkehr zum "Bauschutzplatz" (Deponie/Lagerplatz) muss gewährleistet sein.
Verhalten: Im Zweifel parken Sie lieber 200 Meter weiter weg und laufen zum Start. Bilden Sie Fahrgemeinschaften ab dem Ortseingang Boxberg, um die Blechlawine am Startplatz gering zu halten.
Der Verein Gleitschirmfreunde Taubertal e.V. pflegt eine offene, aber sicherheitsbewusste Gastkultur.
Einweisungspflicht: Alle Gastpiloten müssen vor dem ersten Start durch den Geländehalter speziell eingewiesen werden. Dies ist keine bürokratische Schikane, sondern dient primär der Sicherheit bezüglich der komplexen Platzrunde EDGU und der Naturschutzauflagen.
Kontakt: Eine Anmeldung vor der Anreise ist obligatorisch.
Webseite: www.gleitschirmfreunde-taubertal.de (Prüfen Sie hier aktuelle Tagesinfos, "Ampelstatus" o.ä.).
Ansprechpartner: Ingo Hübner (1. Vorsitzender).
Telefon: +49 170 7382000.
Email: info@gleitschirmfreunde-taubertal.de.
Gebühren: Übliche Tagesmitgliedschaften oder Schleppgebühren sind vor Ort zu entrichten. Bringen Sie passendes Kleingeld mit, falls keine digitale Zahlung möglich ist.
Für Piloten, die ein Wochenende im Taubertal verbringen:
Unterkunft: Das "Gästehaus Lori" in Boxberg-Schwabhausen wird in Pilotenkreisen als nahegelegene Option genannt.
Stammtisch: Der Verein hat seinen offiziellen Sitz in Bad Mergentheim ("Zum Bandhaus"). Dies ist oft der Ort für das "Landing Beer" oder Vereinsversammlungen. Die lokale Gastronomie in Boxberg und Unterschüpf bietet zudem fränkisch-badische Küche.
Bei einer Schleppstrecke von 1,8 km ist das Seilriss-Management komplexer als an kurzen Winden.
Phase 1 (Start bis 50m): Sofort nachdrücken, Landung geradeaus. Platz ist genug vorhanden.
Phase 2 (Mittelteil, 50m - 300m): Bei einem Riss in großer Entfernung zum Startwagen hat man viel Höhe, aber auch viel Seil "draußen". Achten Sie auf das zurückschnellende Seil.
Phase 3 (Große Höhe): Ein Riss in 400m Höhe ist unkritisch, wird oft sogar als willkommener "Release" genutzt.
Wichtig: Haben Sie immer eine Landewiese im Auge (Landeplan B). Die Felder um Schwabhausen sind riesig, aber achten Sie auf den Bewuchs. Landen Sie im hohen Getreide nur im absoluten Notfall (Verletzungsgefahr durch Stolpern, Flurschaden).
Leewirkung: Bei Südwind kann die Kante, die bei Nordwind als Startrampe dient, zum Lee werden, wenn man zu tief hinter der Kante anfliegt. Meiden Sie den Bereich direkt hinter dem Steilabfall bei starkem Südwind.
Gewitter: Im Sommer heizt sich das Taubertal stark auf. Gewitterzellen können sich über dem Odenwald bilden und schnell nach Osten ziehen. Die freie Sicht nach Westen erlaubt oft eine gute Beobachtung, aber unterschätzen Sie nicht die Geschwindigkeit von Böenfronten (Gust Fronts), die dem Gewitter weit vorauseilen können. Da keine Berge Sichtschutz bieten, treffen Böenfronten hier ungebremst auf.
Schwabhausen ist kein "Einfach-so-Mitflieg-Gelände". Es fordert den Piloten: In der Vorbereitung (Luftraumstudium EDGU), in der Disziplin (Naturschutz, Anfahrt) und in der Flugtechnik (Thermiksuche im Flachland).
Wer diese Hürden nimmt, wird mit einem der leistungsfähigsten Schleppgelände Süddeutschlands belohnt. Die Kombination aus 1,8 km Schleppstrecke und der strategischen Lage am Tor zum Odenwald und Frankenland macht es zu einem "Hidden Gem" für Streckenflieger, die dem Trubel der Alpen entfliehen wollen.
Zusammenfassende Datentabelle Parameter Wert / Detail Quelle DHV-Nummer 1113 Betreiber Gleitschirmfreunde Taubertal e.V. Koordinaten (Start N-S) N 49°27'04.00" E 9°36'10.00" Höhe (MSL) ca. 350 m Max. Schlepplänge 1.800 m (N-S), 1.300 m (O-W) Max. Arbeitshöhe 450 m GND (Schlepphöhe) Funkfrequenz Vereinsintern (PMR/LPD) / EDGU 132.015 (Hörbereitschaft empfohlen) Gastflugregelung Nur mit persönlicher Einweisung durch Halter Betriebszeiten 3h nach Sonnenaufgang bis 3h vor Sonnenuntergang Luftraum Achtung EDGU Platzrunde (0.8 NM westlich)