
1 Startplatz, 2 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Der Wächter der Oststeiermark: Ein definitiver Fluggebiets-Guide für den Kulm bei Weiz Prolog: Jenseits der DHV-Datenbank
Wenn man als Gleitschirmpilot die klassische DHV-Geländedatenbank aufruft und nach „Kulm“ sucht, erhält man eine nüchterne Auflistung von Basisdaten: Startrichtung Ost, Höhendifferenz 530 Meter, kein Lift, Koordinaten. Doch diese sterilen Fakten werden der Realität dieses faszinierenden Flugberges nicht gerecht. Der Kulm, der majestätisch über dem Stubenbergsee thront, ist weit mehr als nur ein „einfaches Fluggelände“ für Abgleiter. Er ist ein meteorologisches Phänomen, ein strategischer Außenposten am Alpenostrand und eine fliegerische Heimat für jene, die das ursprüngliche Flugerlebnis suchen, fernab von Massentourismus und Bergbahnabfertigung.
Als Reisejournalist und Pilot, der hunderte Startplätze in Europa beflogen hat, betrachte ich den Kulm als einen der unterschätztesten „Magic Spots“ der Alpen-Südseite. Während am Dachstein oder am Grazer Hausberg Schöckl der Föhnsturm tobt oder die Nordströmung jedes Fliegen unmöglich macht, steht man am Kulm oft in einer geschützten Insel der Ruhe und dreht entspannt in der Abendthermik. Dieser Report zielt darauf ab, die Lücke zwischen den offiziellen Datenbankeinträgen und dem echten „Insider-Wissen“ zu schließen. Er ist eine Hommage an die lokale Flugkultur, eine Warnung vor den subtilen Gefahren der Talwinde und ein taktischer Leitfaden für Streckenjäger, die von hier aus in die Weiten der Fischbacher Alpen vorstoßen wollen.
Dabei müssen wir zunächst eine wichtige geografische Unterscheidung treffen: Dieser Bericht behandelt exklusiv den Kulm in der Steiermark (Österreich), gelegen in der Gemeinde Puch bei Weiz am Stubenbergsee. Er ist strikt zu trennen vom Kulm bei Saalfeld im deutschen Thüringen oder der berühmten Skiflugschanze am Kulm im steirischen Ausseerland, die zwar denselben Namen trägt, aber fliegerisch eine völlig andere Welt darstellt. Unser Kulm ist der „Hausberg“ der „Seegeier“, eines der aktivsten und innovativsten Vereine Österreichs, dessen Infrastruktur und Regelwerk wir im Folgenden detailliert analysieren werden.
Der Kulm (975 m MSL) ist geomorphologisch betrachtet ein Inselberg, der sich markant aus dem oststeirischen Hügelland erhebt. Diese solitäre Stellung ist sein größtes Kapital. Er fungiert als der letzte signifikante Vorposten der Alpen, bevor das Gelände nach Osten hin sanft in das Pannonische Becken ausläuft. Für den Piloten bedeutet dies: Der Berg wird von den Luftmassen frei angeströmt. Es gibt keine vorgelagerten Hindernisse, die bei Ost- oder Südostwind Turbulenzen erzeugen könnten. Die Anströmung ist laminar und sauber – ein Traum für jeden Soaring-Piloten.
Die Topografie ist geprägt von einer Mischung aus dichten Mischwäldern, steilen Wiesenflanken und kultivierten Obstgärten, die typisch für das „Apfelland“ sind. Im Gegensatz zu den schroffen Kalkwänden der Nordalpen wirkt der Kulm sanft, fast lieblich. Doch dieser Eindruck täuscht über die thermische Potenz hinweg. Der dunkle Waldgürtel, der den Berg umringt, speichert die Sonnenenergie effizient und gibt sie oft noch spät am Abend als großflächige „Umkehrthermik“ wieder ab.
Der offizielle Startplatz befindet sich auf einer Höhe von ca. 910 bis 925 Metern. Der Hauptlandeplatz am See liegt auf 397 Metern. Daraus ergibt sich eine Höhendifferenz von exakt 523 bis 530 Metern. Auf dem Papier klingt das nach einem kurzen Vergnügen. Doch die Distanz zwischen Start und Landung beträgt horizontal etwa 2,5 Kilometer. Das erfordert bei Gegenwind – und der Ostwind ist hier die dominante Kraft – eine solide Gleitplanung. Moderne Schirme (EN-B und höher) schaffen diese Strecke problemlos. Doch für Schulungsschirme oder bei starkem Talwind kann der Weg zum See lang werden. Hier greift die topografische Besonderheit des Geländes: Der Berg fällt nicht senkrecht ab, sondern läuft in Stufen aus. Das bedeutet, dass man nicht einfach „ins Loch“ fliegt, sondern aktiv Höhe in Distanz umsetzen muss.
Ein entscheidender Faktor für die Beliebtheit des Kulms ist seine Lage im „Windschatten“ größerer Gebirgszüge. Nördlich des Kulms erheben sich die Fischbacher Alpen und das Wechselgebirge. Diese Barrieren fungieren als natürlicher Schild gegen überregionale Nordströmungen. Während Piloten am Alpenhauptkamm bei Nordföhn am Boden bleiben müssen, kann man am Kulm oft noch sicher fliegen. Diese Schutzfunktion hat jedoch ihre Grenzen. Wird der Nordwind zu stark, greift er irgendwann über die Kämme und fällt als turbulenter Leewind in das Feistritztal ein. Dies ist die klassische „Lee-Falle“ des Kulms. Ein Pilot muss lernen, die Zeichen zu deuten: Wenn sich über den Fischbachern lenticularis-ähnliche Wolken bilden oder die Windwerte an der Gipfelstation sprunghaft ansteigen, ist Vorsicht geboten.
Die DHV-Datenbank klassifiziert den Kulm oft lapidar als „einfaches Fluggelände“. Diese Einschätzung ist zwar für die reine Starttechnik am Wiesenhang korrekt, unterschlägt aber die meteorologische Raffinesse, die dieses Gebiet auszeichnet. Wer den Kulm meistern will, muss das lokale Windsystem verstehen.
Der Stubenbergsee ist nicht nur ein optisches Highlight, sondern auch ein thermischer Motor. An sonnigen Tagen heizt sich das Feistritztal auf, und es entsteht ein kräftiger Talwind, der meist aus südöstlicher bis südlicher Richtung das Tal heraufzieht. Für den Piloten am Gipfel ist dieser Talwind oft nicht spürbar. Dort herrscht vielleicht ein schwacher Ostwind mit 10 km/h. Doch 500 Meter tiefer, am Landeplatz, kann der Talwind bereits mit 20 bis 25 km/h blasen. Dieses Phänomen der Windscherung ist eine der häufigsten Gefahrenquellen für Gastpiloten. Wer zu spät abfliegt oder zu lange im Lee des Berges soart, kann beim Einflug in die Talwindschicht überrascht werden. Der Landeanflug am See wird dann nicht zur entspannten Gleitstrecke, sondern zum Kampf gegen das Rückwärtsfliegen, besonders mit Schirmen niedrigerer Klassen (EN-A).
Eine der wichtigsten Erkenntnisse für Piloten in der Steiermark ist die sogenannte „Kulm-Regel“. Sie besagt, dass der Kulm oft genau dann fliegbar ist, wenn andere Gebiete nicht gehen.
Nordlagen: Wie erwähnt, schirmen die Fischbacher Alpen ab. Ein moderater Nordwind (bis ca. 15-20 km/h auf 2000m) lässt den Kulm oft unberührt.
Südlagen: Bei starkem Südföhn drückt der Wind oft über den Wechsel, aber der Kulm liegt tief genug, um nicht voll getroffen zu werden, solange der Föhn nicht bis in die Täler durchgreift.
Ostlagen: Dies ist die Paradedisziplin. Bei Hochdruckwetterlagen mit leichter Ostströmung läuft der Kulm zur Hochform auf. Dann addieren sich der überregionale Wind und die Thermik zu einem zuverlässigen Aufwindband.
Trotz seiner „Einfachheit“ kann der Kulm bei hoher Labilität Zähne zeigen. Besonders im Frühjahr (März/April), wenn die Sonneneinstrahlung stark ist, der Boden aber noch Feuchtigkeit enthält, können sich am Startplatz Dust Devils (Staubteufel) bilden. Diese kleinräumigen Wirbelstürme sind ein Indikator für extrem trocken-labile Schichtungen und können einen startbereiten Schirm in Sekundenbruchteilen unkontrollierbar in die Luft reißen. Die lokale Vereins-Website warnt explizit vor diesen Phänomenen, die in den letzten Jahren fast täglich beobachtet wurden.
Frühjahr (März–Mai): Die thermisch aktivste Zeit. Steigwerte können zwar kräftig sein, bleiben aber meist unter der 5 m/s Marke , was den Kulm im Vergleich zu den Dolomiten oder dem Pinzgau „zahm“ erscheinen lässt. Dennoch sind dies die Monate für Streckenflüge.
Sommer (Juni–August): Oft stabile Hochdrucklagen. Der Talwind dominiert. Genussflüge am Abend („Sunset Soaring“) sind das Highlight.
Herbst/Winter: Der Kulm ist ein Ganzjahresfluggebiet. Im Winter bietet er oft ruhiges Abgleiten über verschneiter Landschaft. Da der See im Tal liegt, bildet sich im Spätherbst oft Hochnebel, über dem der Kulm wie eine Insel ragt – ein optisch spektakuläres, aber navigatorisch anspruchsvolles Szenario.
Wer sich auf alte Forenbeiträge von 2010 verlässt, wird am Kulm eine böse Überraschung erleben. Die Infrastruktur und das Regelwerk haben sich seit August 2023 massiv gewandelt und professionalisiert. Der lokale Club „Die Seegeier“ musste auf den zunehmenden Ansturm reagieren und hat ein modernes Management-System etabliert.
Lange Zeit kursierten Gerüchte über ein generelles Flugverbot für Gäste („Locals Only“). Die Realität ist nuancierter: Der Kulm ist für Gäste offen, aber nicht kostenlos und nicht unreguliert. Seit dem 10. August 2023 gilt eine strikte Regelung:
Tagesmitgliedschaft: Gastpiloten müssen eine Tagesmitgliedschaft lösen. Diese kostet 10,00 €.
Digital First: Es gibt keine Kasse mit Münzeinwurf mehr. Die Bezahlung erfolgt ausschließlich per QR-Code direkt am Startplatz (Informationstafel). Man scannt den Code mit der eigenen Bank-App (z.B. George, ELBA) und überweist den Betrag per Sofortüberweisung.
Identifikationspflicht: Im Verwendungszweck muss zwingend der Vor- und Nachname sowie das Wort „Tagesmitgliedschaft“ angegeben werden. Anonyme Zahlungen gelten als nicht erfolgt und können zu Startverboten führen.
Gruppen: Flugschulen oder größere Gruppen müssen sich vorab über die Vereins-Website anmelden.
Tandemverbot: Ein wichtiges Detail für kommerzielle Piloten: Gewerbliche Tandemflüge sind für Gäste verboten!. Nur Vereinsmitglieder dürfen kommerziell Passagiere befördern.
Der Kulm besitzt keine Seilbahn und keinen Sessellift. Dies wirkt als natürlicher Filter und verhindert den Massentourismus, den man von Orten wie Kössen oder Andelsbuch kennt.
Shuttle-Optionen: Es gibt keinen offiziellen, getakteten Shuttle-Bus. Die Auffahrt erfolgt fast ausschließlich durch private Fahrgemeinschaften („Pulk-Prinzip“).
Treffpunkte: Die logistischen Knotenpunkte sind der Landeplatz am See (Parkplatz beim Gasthof) oder der Mittellandeplatz. Hier warten Piloten oft auf eine Mitfahrgelegenheit. Es ist üblich und gern gesehen, sich an den Spritkosten zu beteiligen.
Parksituation oben: Es gibt Parkmöglichkeiten entlang der Straße hinter dem Startplatz. Bitte beachten Sie die Beschilderung des Clubs „Seegeier“, um Konflikte mit Anrainern zu vermeiden.
Oben am Startplatz angekommen, ist die „Fliegahittn“ der zentrale Anlaufpunkt. Diese Hütte, gelegen auf der Stubenberger Seite, ist mehr als nur ein Unterstand.
Zugangssystem: Die Hütte ist täglich geöffnet, aber der Zutritt ist automatisiert. Man benötigt eine Bankomatkarte, um die Tür zu öffnen (Dient als Altersnachweis und Sicherheit).
Angebot: Es herrscht Selbstbedienung. Das Angebot reicht von Getränken (seit 2023 auch alkoholfreies Gösser auf Wunsch der Piloten) über Snacks wie „Flieganossi“ (eine lokale Spezialität) bis zu Wildwürsteln und hausgemachten Mehlspeisen.
Atmosphäre: Hier trifft man die Locals, erfährt die neuesten Wetter-Updates und kann die fantastische Aussicht über das oststeirische Hügelland genießen.
Der Verein hat massiv in Sicherheitstechnologie investiert. Es gibt ein dichtes Netz an Wetterstationen, die via FANET/FLARM und Internet (Holfuy) kommunizieren.
Startplatz (925 m): FANET ID 08A550. Liefert die Windwerte am Abflugpunkt.
Landeplatz (534 m): FANET ID 0899B4. Liefert die entscheidenden Talwindwerte.
AirField North & East: Weitere Stationen zur großräumigen Wetterbeobachtung.
Diese Daten sind direkt auf modernen Varios (Skytraxx, Oudie, XCTracer) empfangbar. Wer kein FANET-Gerät hat, kann die Daten über die Holfuy-App oder die Website burnair.cloud abrufen. Die Webcam am Startplatz liefert Standbilder zur visuellen Beurteilung der Bewölkung.
Der Oststartplatz ist eine breite, hindernisfreie Schneise, die perfekt in die Hauptwindrichtung ausgerichtet ist.
Vorbereitung: Es gibt ausreichend Platz zum Auslegen mehrerer Schirme. Der Untergrund ist Wiese, gepflegt und steinfrei.
Starttechnik: Aufgrund der Neigung ist ein Vorwärtsstart meist problemlos möglich. Bei thermischen Ablösungen (leichter Gegenwind) hebt man oft schon nach wenigen Schritten ab.
Die "Korridor-Regel": Hier kommt es oft zu Missverständnissen. Das Soaren im Startkorridor ist strikt verboten. Der Bereich direkt vor dem Startplatz muss nach dem Abheben zügig verlassen werden (nach rechts oder links), um nachfolgenden Piloten den Start nicht zu blockieren und Kollisionen zu vermeiden. Verstöße gegen diese Regel werden von den Locals sehr ungern gesehen und können zum Platzverweis führen.
Die Thermik am Kulm ist meist zuverlässig, aber selten brutal. Die „Hausbärte“ (thermale Aufwindquellen) finden sich klassisch an den Geländekanten rechts und links des Startplatzes.
Südliche Kante: Hier zieht oft die Thermik aus den Obstgärten hoch.
Taktik: Wer Höhe macht, kann sich nach hinten (Westen) versetzen lassen. Aber Vorsicht: Nicht zu weit ins Lee der Kuppe geraten! Der Kulm ist kein „Thermikofen“ wie die Südseite der Alpen, sondern erfordert oft feines, flaches Drehen.
Soaring: An Tagen mit reinem Ostwind ohne Thermik lässt es sich am Hang wunderbar soaren. Hier gilt: Vorfahrtsregeln penibel beachten, da der nutzbare Bereich bei vielen Piloten eng werden kann.
Hier unterscheidet sich der erfahrene Pilot vom Anfänger. Es gibt nicht nur „den“ Landeplatz, sondern ein System aus Optionen, das je nach Windstärke gewählt werden muss.
Hauptlandeplatz am See (Landeplatz 1):
Lage: Am Westufer des Stubenbergsees, auf 397 m.
Anflug: In der Regel wird eine Linksvolte geflogen. Wichtig: Immer auf den Windsack achten, da der Talwind drehen kann.
Herausforderung: Im Sommer herrscht reger Badebetrieb. Der See bietet eine wunderschöne Kulisse, aber Wasser hat keine Bremswirkung bei einer Notlandung. Das "Absaufen" über dem Wasser muss unter allen Umständen vermieden werden (kaltes Wasser, Gefahr des Verhedderns in den Leinen).
Achtung: Die Wiese kann bei starkem Talwind turbulent sein, bedingt durch Baumreihen und Gebäude am Ufer.
Der Mittellandeplatz (Die Lebensversicherung):
Szenario: Bei starkem Ostwind kommt man oft nicht mehr gegen den Wind bis zum See vor. Oder man hat die Höhe "vergeudet" und schafft den Gleitwinkel nicht mehr.
Erkennung: Clemens von Paraspotting beschreibt ihn treffend als einen großen Acker mit einem einzelnen, markanten Baum.
Ziel: Gelandet wird auf dem Wiesenstück zwischen dem Acker und der Straße.
Wichtigkeit: Dieser Platz ist essenziell für die Sicherheit. Wer merkt, dass er im Gegenwind "parkt", sollte sofort diesen Platz ansteuern und nicht krampfhaft versuchen, den See zu erreichen.
Toplanden (Das Tabu):
Offiziell ist das Toplanden am Startplatz verboten. Dies dient dem Schutz der Wiese (Landwirtschaft) und der Sicherheit startender Piloten. Auch wenn man Locals dabei beobachtet: Als Gast sollte man dieses Manöver unterlassen, um den Frieden mit den Grundbesitzern nicht zu gefährden.
Der Kulm ist kein typischer "High-Way" Startplatz wie das Pinzgau oder Greifenburg, aber er ist der Schlüssel zur Oststeiermark.
Der aktuelle Streckenrekord vom Kulm liegt bei beachtlichen 145,47 km, aufgestellt von Bernhard Peßl im Jahr 2016. Das beweist: Große FAI-Dreiecke sind möglich, aber sie erfordern Geduld und Taktik. Der Verein "Die Seegeier" schreibt jährlich einen Wettbewerb aus, bei dem derjenige 50 € (akkumulierend) gewinnt, der den Rekord bricht – der Pot steht aktuell bei 150 €.
Route Nord (Der Klassiker & Die Hürde):
Ziel: Anschluss an die Fischbacher Alpen (Stuhleck, Wechsel).
Die Krux: Zwischen dem Kulm und den höheren Bergen liegt ein ca. 10 km breites Tal ("Thermikloch"). Um dieses zu überqueren, benötigt man eine signifikante Startüberhöhung von mindestens 400–500 Metern über Gipfelhöhe. Ohne diese Basis endet der Flug meist im Tal bei Stubenberg oder Anger.
Taktik: Warten auf die starke Ablösung, Höhe maximieren, und dann mit Vollgas gegen den Nordwind (oder mit dem Südwind) die Querung wagen.
Route West (Richtung Schöckl):
Flug entlang der Voralpenhügel Richtung Passail und Schöckl.
Herausforderung: Man fliegt oft gegen den vorherrschenden Westwind, wenn man zurück will. Zudem wird der Luftraum komplexer.
Flachland-Ausflug (Südost):
Mit dem Wind ins südöstliche Flachland Richtung Hartberg/Fürstenfeld.
Charakter: Dies ist reines Flachlandfliegen. Es erfordert exzellente Fähigkeiten im Zentrieren schwacher Thermik und das "Lesen" von Bodenmerkmalen (Kornfelder, Waldkanten). Die Rückholung ist hier oft aufwändig, da man sich vom Startplatz entfernt.
Der Luftraum südlich und westlich des Kulms ist durch die Nähe zum Flughafen Graz reglementiert. Für Streckenflieger sind die TRAs (Temporary Reserved Airspaces) essenziell:
TRA Schöckl, TRA Rennfeld, TRA Bruck: Diese Zonen sind standardmäßig für den IFR-Verkehr reserviert, können aber für Segelflieger und Paragleiter freigegeben werden.
Status-Check: Vor jedem Streckenflug muss der Status geprüft werden. Dies geht über die Homepage des Paragleitclub Steiermark oder telefonisch über das ATIS Graz-Thalerhof (Tel: 0043(0)517036731).
Konsequenz: Eine Luftraumverletzung in einer aktiven TRA ist nicht nur teuer, sondern gefährdet die langfristige Erlaubnis für alle Piloten in der Region.
Ein guter Guide kennt immer Alternativen. Die Steiermark bietet eine hohe Dichte an Fluggebieten, die sich gegenseitig ergänzen.
Schöckl: Der "große Bruder" bei Graz. Hat eine Gondel, ist aber thermisch anspruchsvoller und oft überlaufen. Geht bei Süd und Nord.
Gelderkogel: Etwa 27 km entfernt. Ein schöner Wiesenstart für Südwind, oft einfacher zu soaren als der Kulm, aber ohne die infrastrukturelle Anbindung an einen See.
Teichalm: Ideal bei Südwestlagen, die am Kulm problematisch sein können (Lee-Effekte). Ein Hochplateau mit eigenem Reiz.
Der Flugtag endet am Kulm nicht mit dem Packen des Schirms. Der Stubenbergsee ist der wärmste Badesee Österreichs und bietet perfekte Entspannung.
Kulinarik: Die Oststeiermark ist berühmt für ihre Buschenschanken. Es empfiehlt sich dringend, nach dem Flug in Puch bei Weiz oder Umgebung einzukehren. Eine „Brettljause“ mit steirischem Kernöl und ein Glas Most sind kulturelles Pflichtprogramm.
Unterkunft: Für Piloten ist die Pension Steinmann strategisch perfekt gelegen – direkt am Landeplatz. Wer morgens beim Kaffee den Windsack checken will, ist hier richtig. Auch Campingplätze sind am See vorhanden.
Der Kulm bei Weiz ist ein Juwel für Piloten, die das Echte suchen. Er bietet keine Massenabfertigung, keine Gondelbahn und keine Garantie für 200-km-Flüge. Aber er bietet Verlässlichkeit, eine herzliche Community (wenn man sich an die Regeln hält) und eine der schönsten Aussichten Österreichs über das Hügelland.
Die Hürden – der Fußmarsch oder die Organisation der Auffahrt, die QR-Code-Bezahlung, die strenge Landeplatzwahl – sind Filter, die dafür sorgen, dass hier meist Piloten fliegen, die wissen, was sie tun. Wer den Kulm respektiert, wird mit Flügen belohnt, die durch ihre Ästhetik und Ruhe lange im Gedächtnis bleiben.
Deine finale Checkliste vor der Abfahrt:
Wetter: Passt die Ostlage? Ist der Nordwind schwach genug (<15 km/h)? [Holfuy App prüfen]
Finanzen: Hast du deine Bank-App bereit für die 10 € QR-Code Zahlung?
Logistik: Hast du einen Plan für die Auffahrt (Buddy oder Daumen raus)?
Luftraum: Ist die TRA aktiv? (ATIS anrufen)
Equipment: Ist dein Funkgerät geladen (für Notfälle und Absprachen)?
"Hoch auffi, weit aussi" – das Motto der Seegeier ist am Kulm nicht nur ein Spruch, sondern ein Versprechen an jeden Piloten, der bereit ist, sich auf dieses besondere Gelände einzulassen.
Haftungsausschluss: Gleitschirmfliegen ist ein Risikosport. Dieser Guide basiert auf Recherchen mit Stand Februar 2026. Wetterbedingungen, Regeln und Preise können sich ändern. Jeder Pilot fliegt auf eigene Verantwortung und muss vor Ort die aktuellen Bedingungen prüfen.