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Der ultimative Pilotenguide: Hohenmirsberger Platte – Das Thermik-Herz der Fränkischen Schweiz
Die Hohenmirsberger Platte stellt innerhalb der deutschen Mittelgebirgslandschaft ein fliegerisches Juwel dar, das weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus für seine exzellenten thermischen Bedingungen und seine hochprofessionelle Infrastruktur bekannt ist. Als höchster Punkt der Fränkischen Schweiz fungiert dieses Plateau nicht nur als touristischer Anziehungspunkt, sondern primär als strategisches Sprungbrett für Streckenflieger und als verlässliches Schulungsgelände für Gleitschirm- und Drachenpiloten. Dieser Guide analysiert das Gelände aus der Perspektive eines erfahrenen Reisejournalisten und Profi-Piloten, um jene Nuancen aufzuzeigen, die über die Standardeinträge der gängigen Datenbanken hinausgehen.
Executive Summary für Piloten
Für Piloten, die eine schnelle Entscheidungshilfe benötigen, ob sich die Anreise zur Hohenmirsberger Platte lohnt, lässt sich das Gelände als eines der vielseitigsten Schleppgelände Süddeutschlands charakterisieren. Mit einer Gipfelhöhe von 614 m ü. NN bietet es eine topographische Dominanz, die bereits früh am Tag die Ablösung von Thermik begünstigt. Der Standort ist durch den Gleitschirmclub Fränkische Schweiz e.V. hervorragend erschlossen und bietet durch seine Full-Circle-Schleppstrecken die Möglichkeit, bei nahezu jeder Windrichtung sicher in die Luft zu kommen.
Besonders hervorzuheben ist die Kombination aus technischer Professionalität (Einsatz moderner Doppeltrommel- und Elektro-Winden) und sozialer Integration in die lokale Gastronomie. Während Einsteiger von den weiten, hindernisfreien Flächen profitieren, schätzen XC-Profis die strategische Lage an der „Fränkischen Linie“ für weitreichende Streckenflüge in Richtung Frankenwald oder Fichtelgebirge. Der Guide zeigt jedoch auch auf, dass der Erhalt dieses sensiblen Geländes strikte Disziplin beim Parken und den Respekt gegenüber der lokalen Landwirtschaft erfordert.
Attribut Spezifikation Geländetyp Offenes Plateau mit Winden- und Hangstartoptionen Halter Gleitschirmclub Fränkische Schweiz e.V. Eignung Gleitschirm (1- & 2-Sitzer), Drachen, Schulung Höhenvorteil Höchster Punkt der Region (614 m) Windfenster 360 Grad (durch variable Schleppstrecken) XC-Potential Hoch (Anschluss an Fränkische Linie) Export to Sheets
Die Hohenmirsberger Platte (614 m ü. NN) ist geographisch als markanter Jurazeuge am östlichen Rand der Fränkischen Schweiz positioniert. Die topographische Lage erlaubt eine ungestörte Anströmung aus fast allen Richtungen, was das Gelände zu einem der zuverlässigsten Standorte für den Windenbetrieb macht.
Geographische Koordinaten und Höhenprofile
Die präzise Lokalisierung der Startbereiche ist aufgrund der Weitläufigkeit des Plateaus essentiell. Der Flugbetrieb konzentriert sich um das Vereinsheim und die angrenzenden Schleppstrecken.
Standort Koordinaten (Dezimal/GPS) Höhe ü. NN Vereinsheim (Zentrum) 49° 48' 39.36" N, 11° 26' 02.78" E ca. 550 m Gipfel (Aussichtsturm) 49° 48' 42" N, 11° 25' 40" O 614 m Landeplatz (Winde) Variabel je nach Schlepprichtung ca. 530 m Export to Sheets
Die Höhendifferenz bei einem reinen Hangstart beträgt ca. 140 m, was für einen klassischen Abgleiter eher kurz ist. Daher liegt der Fokus in Hohenmirsberg fast ausschließlich auf dem Windenstart, der Ausklinkhöhen von 300 m bis über 750 m ermöglicht und somit das nutzbare Höhenband massiv erweitert.
Startrichtungen und technischer Betrieb
Das Gelände ist so konzipiert, dass Schleppstrecken in Richtung Ost-West und Nord-Süd zur Verfügung stehen. Dies deckt das gesamte Windspektrum ab. Der optimale Wind für einen effizienten Schleppvorgang liegt zwischen 5 und 15 km/h, wobei durch die Länge der Pisten von bis zu 1200 m auch bei Nullwind ausreichende Ausklinkhöhen erreicht werden.
Die Schwierigkeit des Geländes wird allgemein als einfach eingestuft, was es zu einem idealen Schulungsgebiet macht. Dennoch erfordert die thermische Aktivität an Sommertagen eine aktive Schirmführung, insbesondere wenn Piloten direkt nach dem Ausklinken in die oft kräftigen Ablösungen über dem Fossilienklopfplatz einsteigen.
Die Erreichbarkeit der Hohenmirsberger Platte ist durch die Nähe zur Bundesautobahn A9 hervorragend, führt jedoch zu logistischen Herausforderungen, die für den Erhalt des Geländes kritisch sind.
Anreise und Erschließung
Die primäre Zufahrt erfolgt über die A9, Ausfahrt Trockau, gefolgt von der Beschilderung Richtung Pottenstein. In der Ortsmitte von Hohenmirsberg führt der Weg nach rechts Richtung Steifling. Nach etwa einem Kilometer biegen Piloten rechts auf eine asphaltierte Straße ab, die direkt zum Vereinsheim führt.
Ein technischer Liftbetrieb existiert nicht mehr. Der ehemalige Skilift ist außer Betrieb, sodass Piloten eine grundlegende körperliche Kondition mitbringen müssen, um die kurzen Wege zwischen Landeplatz und Startplatz zu Fuß zurückzulegen, sofern kein fahrzeuggebundener Rücktransport durch den Verein organisiert ist.
Das Parkmanagement als Überlebensfaktor für das Gelände
Die Analyse der Vereinsberichte macht deutlich, dass unkontrolliertes Parken die größte Gefahr für die Flugzulassung darstellt. In der Vergangenheit kam es zu massiven Konflikten mit der Landwirtschaft, da Piloten ihre Fahrzeuge am Rand von Wiesen oder direkt an den Startplätzen abstellten.
Die geltende Regelung ist unmissverständlich:
Parken ausschließlich am Vereinsheim: Hier steht ausreichend Fläche zur Verfügung.
Fußweg: Alle Startplätze sind vom Vereinsheim aus in maximal 10 Minuten zu erreichen.
Verbot: Das Befahren der Feldwege und das Parken in der Nähe der Südstartplätze führt zu Sanktionen und gefährdet das Pachtverhältnis mit den Landwirten.
Hohenmirsberg ist meteorologisch ein "Frühaufsteher". Die Kombination aus der exponierten Lage der Platte und der geologischen Beschaffenheit sorgt für überdurchschnittliche Flugbedingungen im Vergleich zu den tiefer liegenden Tälern der Umgebung.
Thermikquellen und jahreszeitliche Aspekte
Die Thermik entwickelt sich an der Hohenmirsberger Platte bereits in der frühen Mittagszeit. Ein entscheidender Faktor ist der unterhalb des Aussichtsturmes gelegene Fossilienklopfplatz. Diese künstlich offenliegenden Kalkgesteinsflächen wirken als effiziente dunkle Absorber für Sonnenenergie und triggern zuverlässig die ersten Ablösungen des Tages.
Die besten Bedingungen finden sich im Frühjahr und Frühsommer (März bis Juni), wenn die Temperaturdifferenzen zwischen Boden und Luftschichten am größten sind. In dieser Zeit sind Steigwerte von 3-5 m/s keine Seltenheit. Im Hochsommer sorgt die weite Hochfläche oft für eine stabile Warmluftschicht, die erst durch kräftige Impulse durchbrochen werden muss.
Windsysteme und Gefahrenzonen
Während der Windenschleppbetrieb viele Gefahren eines turbulenten Hangstarts eliminiert, müssen Piloten bei überregionalen Windlagen achtsam sein. Der Aussichtsturm auf dem Gipfel dient als Indikator: Bei Windstärken über 25 km/h am Turm kann der Schleppbetrieb aufgrund von Turbulenzen in der Bodengrenzschicht eingestellt werden.
Lee-Gebiete: Bei ausgeprägtem Nord- oder Südwind entstehen im Lee der Platte sowie hinter den bewaldeten Flanken Rotoren. Da der Schleppvorgang den Piloten jedoch schnell in ruhigere Luftschichten oberhalb von 200 m befördert, ist das Risiko kontrollierbar, solange man nicht zu tief in die Lee-Bereiche abgleitet.
Düseneffekte: An der Kante zum Aussichtsturm kann sich der Wind lokal beschleunigen. Piloten, die dort toplanden wollen (was generell schwierig und oft untersagt ist), müssen mit plötzlichen Windzunahmen rechnen.
Luftraum und XC-Potential: Der Weg in die Ferne
Das XC-Potential von Hohenmirsberg ist beachtlich. Durch die hohe Ausklinkhöhe von bis zu 762 m GND (2500 ft) haben Piloten einen großen Aktionsradius für den ersten Thermikanschluss.
Zielrichtung Charakteristik Luftraum-Herausforderung Nordwest (Frankenwald)
Entlang der "Fränkischen Linie", sehr zuverlässig
Überflug von Bayreuth vermeiden Nordost (Fichtelgebirge) Technisch anspruchsvoll, Waldgebiete Luftraum D/E beachten Süd (Oberpfalz) Flachlandfliegen, entlang der A9
ED-R 144 Grafenwöhr zwingend beachten
Ein kritischer Punkt für Streckenflieger ist der Truppenübungsplatz Grafenwöhr (ED-R 144), der sich südöstlich befindet. Das Eindringen in dieses militärische Sperrgebiet ist lebensgefährlich und führt zum sofortigen Entzug der Lizenz. Aktuelle ICAO-Karten und die Konsultation des lokalen Startleiters bezüglich der Aktivierungszeiten sind unumgänglich.
Abseits der offiziellen Datenbanken existiert ein Wissensschatz, der den Unterschied zwischen einem kurzen Abgleiter und einem mehrstündigen Thermikflug ausmacht.
Thermische Hotspots: Wo es wirklich "geht"
Lokale Piloten wissen, dass nicht nur der Fossilienklopfplatz zieht. Bei leichter Ostströmung bildet die südwestlich vorgelagerte Waldkante eine zuverlässige Abrisslinie. Ein weiterer "Hausbart" steht oft über der Ortschaft Hohenmirsberg selbst, wo die versiegelten Flächen der Hausdächer als Wärmespeicher dienen.
Ein häufiger Fehler von Neulingen ist das zu frühe Suchen von Thermik in zu großer Entfernung zum Schleppgelände. Oft steht die beste Ablösung direkt im Bereich der Schleppstrecke oder kurz hinter der Ausklinkposition. Wer hier geduldig kreist, statt sofort auf Strecke zu gehen, wird oft mit dem notwendigen Basisgewinn belohnt.
Digitale Werkzeuge der Einheimischen
Die wichtigste Informationsquelle vor Ort ist "Bernds Wetterstation". Diese private Station liefert Echtzeitdaten direkt von der Platte, die wesentlich präziser sind als jede allgemeine Vorhersage für Pottenstein oder Bayreuth. Erfahrene Piloten prüfen die Daten dieser Station bereits vor der Abfahrt, um die Windstärke und -richtung auf dem Plateau exakt einzuschätzen.
Zusätzlich nutzen lokale Piloten die Webcams des nahegelegenen Flugplatzes Feuerstein (Ebermannstadt) oder des Golfclubs Fränkische Schweiz, um die Wolkenbasis und die Sichtweiten in Echtzeit zu monitorieren. Ein Blick auf die Windräder in Richtung Pegnitz gibt zudem Aufschluss über die Windverhältnisse in der Höhe.
Ein Flugtag in der Fränkischen Schweiz ist erst durch die Einkehr in eines der traditionellen Gasthäuser komplett. Hohenmirsberg bietet hier eine Dichte an Qualität, die für Wanderer und Flieger gleichermaßen attraktiv ist.
Kulinarische Institutionen
Zwei Betriebe prägen das soziale Leben der Pilotengemeinschaft:
Gasthof zur Post (Hohenmirsberg): Direkt im Ort gelegen, ist dies der primäre Treffpunkt nach dem Fliegen. Die Karte bietet klassische fränkische Küche zu fairen Preisen. Besonders empfohlen werden das "Schäuferle" sowie die regionalen Fischgerichte (Zander/Forelle). Der Gasthof fungiert oft als Nachrichtenbörse für die Bedingungen des Tages.
Gasthof Persau (Püttlach): Dieser Familienbetrieb, der bereits in der 4. Generation geführt wird, ist bekannt für seine eigene Schlachtung und die damit verbundene hohe Fleischqualität. Er liegt in einem ruhigen Seitental und ist der traditionelle Ort für die Jahreshauptversammlungen des Gleitschirmclubs. Die Portionen gelten als "fliegertauglich" (reichhaltig) und die Atmosphäre als herzlich.
Gasthof Empfehlung Öffnungszeiten (Auszug) Zur Post
Schäuferle, Wildgerichte
Täglich warme Küche, Mittwoch Ruhetag (variiert)
Persau
Fleisch aus eigener Aufzucht
Fr/Sa/Mo/Di ab 16:30 bzw. 11:00, Mi/Do Ruhetag
Übernachtung und Alternativprogramm
Für Piloten mit längerer Anreise bietet der Gasthof Persau gemütliche Ferienwohnungen in absolut ruhiger Lage an. Dies ist besonders für Gruppen attraktiv, da man direkt von der Unterkunft aus zu Wanderungen in das Püttlachtal aufbrechen kann, sollte der Wind einmal nicht zum Fliegen reichen.
Als alternatives Ausflugsziel für flugfreie Stunden oder für die mitgereiste Familie bietet sich die "Erlebnismeile Pottenstein" an. Mit der Sommerrodelbahn, der Teufelshöhle und dem Skywalk am Erlebnisfelsen ist für Unterhaltung gesorgt, während der Pilot auf das perfekte Wetterfenster wartet.
Die Hohenmirsberger Platte ist ein offiziell zugelassenes Schulungsgelände, was hohe Anforderungen an die Sicherheit und die Einhaltung von Regeln stellt.
Flugschulen und Schulungsbetrieb
Die Flugschule "Fliegmer" ist der Hauptnutzer für die Ausbildung vor Ort. Ein technologisches Highlight ist der Einsatz einer modernen Elektro-Winde. Diese bietet signifikante Vorteile:
Emissionsfrei: Kein Lärm oder Abgasgestank auf der Startwiese.
Präzision: Die Steuerung über E-Motoren erlaubt einen sehr sanften und präzisen Kraftaufbau, was besonders für Flugschüler in der ersten Phase des Abhebens die Sicherheit erhöht.
Kapazität: Mit einem Batteriesystem für über 120 Starts ist ein ganztägiger Schulungsbetrieb ohne Unterbrechung möglich.
Sicherheitsregeln und Kontakt
Der Gleitschirmclub Fränkische Schweiz e.V. legt großen Wert auf ein kameradschaftliches Miteinander. Gastpiloten sind herzlich willkommen, müssen sich jedoch zwingend an die Anweisungen des Startleiters halten.
Tandemfliegen: Der Verein bietet selbst Tandemflüge an, jedoch ist die Anzahl der Gutscheine oft limitiert.
Notfallinfo: Im Falle eines Unfalls ist die Rettungskette über 112 zu aktivieren. Das Vereinsheim ist als Orientierungspunkt bei der Rettungsleitstelle bekannt.
Kontakt: Anfragen zum Schleppbetrieb sollten vorab über die Vereinswebseite oder direkt am Fluggelände (0171/1873 441) geklärt werden.
Strategische Analyse der Geländeattraktivität
In der Gesamtschau übertrifft die Hohenmirsberger Platte die meisten Hangstartgebiete Mitteldeutschlands durch ihre Flexibilität. Während Piloten an Hangstarts oft stundenlang auf die "perfekte" Windrichtung warten, ermöglicht das Full-Circle-Schleppkonzept in Hohenmirsberg eine maximale Ausbeute an Flugtagen.
Die Kombination aus der thermisch aktiven Jura-Geologie und der modernen Windentechnik macht den Standort zu einem Kompetenzzentrum für den Flachlandschlepp. Die Herausforderung liegt weniger im technischen Fluganspruch als vielmehr im disziplinierten Umgang mit der Infrastruktur und den sensiblen Beziehungen zur lokalen Bevölkerung. Wer diese Regeln respektiert, findet in Hohenmirsberg eines der lohnendsten und geselligsten Fluggebiete Deutschlands.
Zusammenfassung der XC-Leitplanken
Für den ambitionierten XC-Piloten ergeben sich aus der Analyse drei strategische Pfeiler für den Erfolg in Hohenmirsberg:
Die Nutzung lokaler Trigger: Der Fossilienklopfplatz ist kein Mythos, sondern ein physikalisch belegbarer Thermik-Auslöser.
Luftraum-Disziplin: Grafenwöhr ist die "rote Linie". Ein Flug nach Süden erfordert exakte Planung.
Soziale Integration: Die Akzeptanz des Sports hängt am Parkverhalten am Vereinsheim und der Unterstützung der lokalen Gastronomie.
Dieser Guide bietet eine Detailtiefe, die weit über Standarddatenbanken hinausgeht, und soll Piloten dabei helfen, das Potential dieses außergewöhnlichen Geländes sicher und effizient zu nutzen. Die Hohenmirsberger Platte bleibt das thermische Herz der Fränkischen Schweiz – ein Ort, an dem Technik, Natur und fränkische Lebensart in perfekter Thermik miteinander verschmelzen.