
2 Startplatzätze, 4 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Hohe Wand: Das Paradoxon der Wiener Hausberge – Ein umfassender aerologischer und taktischer Führer
Die Hohe Wand ist weit mehr als nur ein Eintrag in der Datenbank des Deutschen Hängegleiterverbandes (DHV) oder ein Wegpunkt auf einer VFR-Karte. Sie ist eine geologische und meteorologische Anomalie am östlichen Rand der Alpen, eine massive Kalkfestung, die sich abrupt aus der "Neuen Welt" erhebt und als Wächter vor dem flachen Pannonischen Becken steht. Für die Fliegerszene Wiens und Niederösterreichs ist sie Segen und Fluch zugleich: Ein Segelflugparadies, das nur 50 Kilometer von der Bundeshauptstadt entfernt liegt, und ein komplexes Mikroklima, das Unwissende gnadenlos bestraft.
In der lokalen Pilotensprache wird das Fluggebiet oft liebevoll, aber auch mit einem Unterton der Warnung, als das "Aquarium" bezeichnet. Dieser Begriff suggeriert eine geschlossene, überschaubare Welt, in der sich die Fische – in diesem Fall Hunderte von Gleitschirmen und Drachen – auf engstem Raum tummeln. Doch der Schein trügt. Wer die Hohe Wand nur als Feierabend-Soaring-Hügel betrachtet, übersieht die unsichtbaren Gefahrenlinien, die durch die komplexe Interaktion von überregionalem Gradientenwind und lokalem Thermiksystem gezogen werden. Dieser Bericht zielt darauf ab, diese unsichtbaren Linien sichtbar zu machen. Er ist kein Ersatz für den gesunden Menschenverstand, sondern ein Werkzeug zur Schärfung desselben. Wir werden die aerologischen Mechanismen sezieren, die das "Pseudo-Südost"-Phänomen erzeugen, die psychologischen Fallen des "Rudelverhaltens" analysieren und die taktischen Feinheiten des Streckenflugs in einem der am stärksten regulierten Lufträume Europas beleuchten.
Der offizielle DHV-Eintrag liefert Koordinaten und Basisdaten. Dieser Bericht liefert den Kontext, das "Warum" hinter den Regeln und das tiefgreifende Verständnis, das notwendig ist, um an der Hohen Wand nicht nur zu starten, sondern sicher und leistungsstark zu fliegen.
Um die Luftbewegungen an der Hohen Wand zu verstehen, muss man zuerst den Stein verstehen, über den sie streicht. Das Plateau der Hohen Wand erstreckt sich über etwa acht Kilometer in einer Südwest-Nordost-Ausrichtung. Es handelt sich um ein klassisches Karstplateau, das steil nach Südosten abbricht. Diese Felswände, die bis zu 300 Meter senkrecht abfallen, sind der Motor des Fluggebietes.
Die Ausrichtung der Felswände nach Südosten macht die Hohe Wand zu einem gigantischen Sonnenkollektor. Bereits in den frühen Morgenstunden trifft die Sonnenenergie fast senkrecht auf den Kalkstein. Der Fels speichert diese Energie und gibt sie als sensible Wärme an die anliegende Luftschicht ab. Dies führt zu einem sehr frühen Einsetzen der Thermik, oft schon am Vormittag, wenn andere Fluggebiete in den Alpen noch im Schatten liegen oder unter Inversionen schlafen. Diese geologische Beschaffenheit ist der Grund, warum die Hohe Wand oft als "Ganzjahresfluggebiet" gepriesen wird – selbst im Winter kann die steil stehende Sonne am Fels genug Energie für Aufwind sorgen.
Das Tal vor der Hohen Wand, die sogenannte "Neue Welt", liegt auf etwa 450 bis 500 Metern Meereshöhe. Es fungiert als Reservoir für die Luftmassen, die später die Wand hinaufströmen. Die Bodenbeschaffenheit im Tal – ein Mosaik aus Wiesen, Feldern und kleinen Siedlungen wie Maiersdorf und Stollhof – bietet exzellente Kontraste für die Ablösung von Thermikblasen, die dann vom vorherrschenden Wind gegen die Wand getrieben werden.
Das Verständnis der Meteorologie an der Hohen Wand ist der Schlüssel zum Überleben. Die größte Gefahr für Gastpiloten und unerfahrene Flieger ist die Diskrepanz zwischen dem, was der Windsack am Startplatz anzeigt, und dem, was die überregionale Wetterlage diktiert. Wir nennen dieses Phänomen den "Pseudo-Südost".
In der Standardmeteorologie unterscheiden wir zwischen dem Gradientenwind (dem Wind, der durch Druckunterschiede auf der Großwetterkarte entsteht) und dem lokalen thermischen Windsystem. An der Hohen Wand wird dieser Konflikt oft auf dramatische Weise ausgetragen.
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Der überregionale Wetterbericht sagt eine leichte bis mäßige Strömung aus Nordwest (NW) voraus. Ein Pilot steht am Oststartplatz der Hohen Wand. Der Windsack steht perfekt an und zeigt einen konstanten Wind aus Südost (SO) mit idealen 15 km/h an. "Perfekt", denkt der Pilot, "bestes Soaring-Wetter."
Dies ist die Falle.
Der Mechanismus des Betrugs
Die physikalische Realität hinter diesem Szenario ist komplex und gefährlich. Die mächtige Felswand heizt sich, wie bereits erwähnt, am Vormittag auf. Diese Wärmeenergie erzeugt einen massiven thermischen Sog, der Luft aus dem Tal ansaugt und die Wand hinaufbeschleunigt. Dies ist ein klassischer anabatischer Hangaufwind. Da der Startplatz Ost etwas unterhalb der eigentlichen Plateau-Kante liegt, befindet er sich voll im Einflussbereich dieses thermischen Aufwinds. Der anabatische Wind ist stark genug, um den leichten meteo-logischen Nordwestwind, der über das Plateau streicht, am Startplatz zu überlagern oder "wegzudrücken".
Der Pilot startet also in einen scheinbar perfekten Gegenwind. Doch sobald er an Höhe gewinnt und über die Kante des Plateaus steigt (oder versucht, hinter die Kante zu fliegen, um Topzulanden), verlässt er die schützende Blase des thermischen Aufwinds. Er trifft schlagartig auf die Scherungsschicht, wo der Gradientenwind aus Nordwest auf den thermischen Südostwind prallt.
Die Anatomie der Gefahr
An dieser Scherungsschicht entstehen heftige Turbulenzen. Schlimmer noch: Der Nordwestwind, der über das Plateau fegt, fällt auf der Leeseite (also der Startplatzseite) ab und bildet Rotoren.
Die "Rauchbombe" als Lebensversicherung: Lokale Piloten verlassen sich niemals blind auf den Windsack am Startplatz. Ein entscheidendes Hilfsmittel ist die Beobachtung von Rauchquellen im Tal oder die spezifische "Rauchbombe am Oststart", die oft vom Club eingesetzt wird. Wenn der Rauch im Tal flach liegt und nach Südosten zieht, während der Windsack am Startplatz Südost anzeigt, ist Vorsicht geboten.
Wolkenzug: Ein Blick nach oben ist obligatorisch. Ziehen die Wolken schnell aus Nordwest, während am Startplatz eine "laue Brise" von vorne weht, ist dies das sicherste Zeichen für eine "Pseudo-Südost"-Lage.
Das Gefühl im Gurtzeug: Wer dennoch startet, wird oft schon kurz nach dem Abheben bemerken, dass die Luft "bockig" ist. Das Steigen ist nicht laminar, sondern zerrissen. Nähert man sich der Hangkante, kann die Sinkrate plötzlich dramatisch zunehmen, oder der Schirm wird nach vorne (vom Hang weg) beschleunigt, während er gleichzeitig durchsackt – ein klassisches Zeichen für Lee-Wirkung.
Während Südost (SO) die ideale Windrichtung für den Oststartplatz ist, stellt eine reine Süd- (S) oder Südwestkomponente (SW) eine subtile, aber ernsthafte Gefahr dar. Der Oststartplatz ist im Grunde eine breite Schneise, die in den Wald geschlagen wurde.
Bei reinem Südwind strömt die Luft parallel zur Hauptwand. Bevor sie jedoch den Oststartplatz erreicht, muss sie über den vorgelagerten Sporn des "Südstarts" und des "Skywalk"-Bereichs sowie über den Wald, der den Startplatz rechts begrenzt. Das Resultat ist, dass der Wind am Oststartplatz nicht laminar anströmt, sondern bereits verwirbelt ist.
Der "Forest-Rotor": Die Bäume rechts vom Startplatz erzeugen bei Südwind einen mechanischen Rotor, der sich direkt in den unteren Startbereich hineindreht. Ein Gleitschirm, der hier aufgezogen wird, kann asymmetrisch entlastet werden (Klapper), noch bevor der Pilot in der Luft ist.
Taktische Anpassung: Erfahrene Piloten ("Locals") nutzen bei leichtem Südwestwind eine spezielle Taktik: Sie legen ihren Schirm deutlich weiter unten am Hang aus. Dadurch geben sie dem Profil Zeit, Strömung aufzunehmen und stabil zu fliegen, bevor sie die turbulente Zone an der Hangkante oder in Baumwipfelhöhe durchqueren. Für Gastpiloten ist dies jedoch keine Empfehlung. Die Regel lautet: Bei spürbarem Süd- oder Südwestwind ist der Oststartplatz zu meiden.
Sobald man in der Luft ist, verwandelt sich die Hohe Wand in ein thermisches Schachbrett. Die Kenntnis der "Hausbärte" ist essenziell, um sich im "Aquarium" zu halten oder den Absprung Richtung Schneeberg zu schaffen.
Der Skywalk / Sonnenuhrwand
Der Bereich unterhalb der stählernen Aussichtsplattform "Skywalk" ist der zuverlässigste Thermiksammler des Gebietes. Die vertikale Felswand, die sogenannte Sonnenuhrwand, heizt sich extrem effizient auf.
Charakteristik: Die Thermik hier ist oft eng und kräftig. Da dies der prominenteste Punkt ist, herrscht hier oft Hochbetrieb.
Gefahr: Die Plattform selbst ragt weit in den Luftraum hinaus. Bei Seitenwind entstehen hinter der Stahlkonstruktion kleine, aber aggressive Leewirbel ("Rotoren"). Der Drang, für die Zuschauer auf der Plattform eine "Show" zu bieten (das berüchtigte "Kodak Courage"), hat schon viele Piloten in gefährliche Situationen gebracht. Abstand halten ist nicht nur Vorschrift, sondern Selbstschutz.
Almfrieden und der "Rote Felsen"
Weiter nordöstlich entlang der Wand liegt der Bereich Almfrieden. Hier befindet sich der legendäre "Rote Felsen".
Der Ruf: Unter Kennern ist dieser Punkt berüchtigt. Es wird scherzhaft gesagt: "Wer die Klappstabilität seines Schirms testen will, fliegt zum Roten Felsen."
Die Physik: Der Felsvorsprung ragt exponiert aus dem Waldgürtel und wirkt wie eine Abrisskante für die thermischen Pakete, die aus dem darunterliegenden Kessel aufsteigen. Steigwerte von 10 m/s sind hier keine Seltenheit. Diese Gewalt ist beeindruckend, erfordert aber ein extrem aktives Pilotieren. Ein passiver Pilot wird hier gnadenlos ausgespuckt.
Das Kohlröserlhaus und der Leitergraben
Noch weiter östlich bietet das Kohlröserlhaus eine weitere Einstiegsmöglichkeit. Um dorthin zu gelangen, muss man jedoch oft den "Leitergraben" überqueren. Dieser Graben ist tückisch. Bei Südwindlagen liegt er oft im Lee der vorgelagerten Strukturen. Viele Piloten haben hier beim Versuch, die "große Runde" zu fliegen, ihre Höhe verloren und mussten am Fuße der Wand außenlanden – oft weit weg von den offiziellen Landeplätzen.
Nicht jede Jahreszeit ist an der Hohen Wand gleich. Das Fluggebiet durchläuft im Jahreskreis eine Metamorphose, die unterschiedliche Pilotentypen anspricht.
Die Monate März bis Mai sind die Domäne der Streckenjäger. Die Luft ist noch kalt, die Sonne hat aber schon Kraft. Dies erzeugt enorme Temperaturgradienten (Lapse Rate).
Vorteil: Die Basis liegt oft hoch (soweit der Luftraum es zulässt), und die Thermik ist zuverlässig stark.
Risiko: Die Turbulenzen sind brutal. Einsteiger sollten in dieser Zeit die Mittagsstunden (11:00 – 15:00 Uhr) meiden. Die Überentwicklung zu Gewittern kann im Frühjahr sehr schnell gehen.
Im Hochsommer (Juni bis August) liegt oft eine stabile Hochdrucklage über dem Wiener Becken.
Phänomen: Die Inversion deckelt die Thermik oft auf Gratöhe. Das Ergebnis ist oft ein zähes Ringen um jeden Meter im "Dunst".
Gewitter: Die größte Gefahr im Sommer. Die Hohe Wand als exponierter Riegel zieht Gewitterzellen magisch an. Da man oft lokal fliegt ("im Aquarium"), kann man von einer sich schnell entwickelnden Zelle hinter dem Plateau überrascht werden.
September bis November ist die Zeit, in der die Hohe Wand ihren wahren Zauber entfaltet.
Das "Magic Light": Die Temperaturdifferenz zwischen dem nun schneller auskühlenden Talboden und den noch warmen Felsen sorgt für butterweiche, laminare Aufwinde.
Soaring: An guten Herbsttagen kann man bis zum Sonnenuntergang (Sunset-Flying) im laminaren Wind an der Kante "parken". Dies ist die beste Zeit für Genussflieger und Anfänger, um Flugstunden zu sammeln.
Der Winter ist oft geprägt von Inversionen (unten kalt, oben warm), was das Fliegen unmöglich macht (der "Nebelsee" im Tal).
Ausnahme: Nach dem Durchzug einer Kaltfront, wenn die Luftmasse labilisiert ist und der Wind auf West/Nordwest dreht, kann es fliegerisch interessant werden – sofern der Wind nicht zu stark ist. Hier ist jedoch extreme Vorsicht vor der Kälte (Windchill) und den vereisten Startplätzen geboten.
Das Fluggebiet wird vom Soaring Club Hohe Wand verwaltet. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Nutzung dieses Geländes ein Privileg ist, das auf fragilen Vereinbarungen mit Grundstückseigentümern, der Gemeinde und der Naturschutzbehörde beruht.
Es herrscht eine strikte Regelung: Wer fliegt, zahlt.
Tagesmitgliedschaft: Gastpiloten müssen eine Tageskarte lösen. Diese kostet im Vorverkauf (z.B. im Gasthof Postl) 6 €.
Kontrollen: Mitglieder des Soaring Clubs sind berechtigt, Kontrollen durchzuführen. Wer am Start- oder Landeplatz ohne gültige Karte angetroffen wird, zahlt eine erhöhte Gebühr von 10 €. Wiederholte Verstöße führen zu einem generellen Startverbot. Dies ist keine Schikane, sondern dient der Deckung der Pachtkosten für die Start- und Landewiesen.
Mit dem Auto: Über die A2 Südautobahn, Abfahrt Wiener Neustadt West. Dann der Beschilderung Richtung "Hohe Wand" folgen. Die Auffahrt auf das Plateau erfolgt über eine mautpflichtige Straße.
Parken:
Tal: Kostenlose Parkplätze befinden sich in der Nähe des Landeplatzes Maut (Maiersdorf).
Berg: Große Parkplätze gibt es beim Gasthof Postl. An sonnigen Wochenenden sind diese jedoch oft schon um 10:00 Uhr überfüllt.
Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn bis Wiener Neustadt, dann weiter mit dem Regionalzug nach Grünbach am Schneeberg oder Winzendorf. Von dort ist es jedoch ein Stück zu Fuß. Ein Taxi oder eine Mitfahrgelegenheit (Hitchhiking) ist oft notwendig. Die Anbindung ist für Gleitschirmflieger mit schwerem Gepäck ("Sack") suboptimal, aber machbar.
Die Frage nach Campingmöglichkeiten ist oft verwirrend, da Wildcampen im Naturpark streng verboten ist.
Gasthof Postl: Das Epizentrum der Fliegerszene. Hier gibt es Zimmer, deftiges Essen (das Schnitzel ist legendär) und die entscheidenden Wetterinfos aus erster Hand. Hier trifft man sich zum "Debriefing".
"Blick-Camp": Ein dedizierter Zeltplatz in Maiersdorf/Stollhof, der speziell auf die Bedürfnisse von Outdoor-Sportlern ausgerichtet ist. Er bietet einen direkten Blick auf die Wand und ist eine legale und günstige Alternative zum Wildcampen.
Wildcampen: Ein absolutes Tabu. Die Ranger im Naturpark kontrollieren streng, und die Strafen sind empfindlich. Zudem gefährdet illegales Campen den Ruf der Flieger bei den Grundbesitzern.
Für sportliche Piloten ist der Aufstieg zu Fuß eine beliebte Option ("Hike & Fly").
Route: Der Völlerinsteig startet in der Nähe des Landeplatzes Maiersdorf.
Charakter: Es ist ein steiler, felsiger Steig, der Trittsicherheit erfordert. Dauer: ca. 45-60 Minuten bei gutem Tempo.
Ziel: Der Steig endet fast direkt am Südstartplatz bzw. Gasthof Postl.
Warnung: Im Winter oder bei Nässe ist der Steig mit 15-20 kg Fluggepäck auf dem Rücken gefährlich. Spikes (Grödel) sind bei Schneelage absolut empfehlenswert.
An der Hohen Wand gibt es zwei offizielle Startplätze, die eine strikte Trennung der Fluggeräte und Kompetenzniveaus nahelegen.
Dies ist der "Brot-und-Butter"-Startplatz für die Masse der Gleitschirmflieger.
Koordinaten: 47° 49' 30.8'' N, 16° 3' 34'' O.
Höhe: ca. 912m MSL.
Topographie: Eine breite, steile Wiese, die wie eine Schneise in den Wald geschlagen wurde.
Beste Windrichtung: Nordost (NO), Ost (O), Südost (SO).
Der "Kick": Eine Besonderheit dieses Startplatzes ist der Übergang von der Waldschneise ins freie Gelände. Da der Startplatz leicht vertieft liegt, muss der Pilot beim Rausfliegen über eine Kante fliegen. An dieser Kante trifft der Wind ungebremst auf den Hang. Das Resultat ist ein plötzlicher Auftriebsschub, der sogenannte "Kick" oder "Heber".
Reaktion: Piloten müssen darauf vorbereitet sein, den Schirm aktiv anzubremsen, um ein Vorschießen zu verhindern, aber gleichzeitig genug Fahrt beizubehalten, um nicht in einen Sackflug zu geraten.
Das Rudel: Da hier auch die Flugschulen operieren, kommt es oft zu Stau. Ein häufiger Fehler ist das blinde Nachahmen: "Der vor mir startet, also starte ich auch." Dies ist tödlich. Jeder Pilot muss seine eigene Startentscheidung treffen, basierend auf der aktuellen Phase des Windzyklus (Böe vs. Flaute).
Dieser Startplatz liegt nur wenige Hundert Meter südlich des Gasthofs Postl.
Charakter: Ein klassischer Klippenstart. Eine kurze Rampe endet abrupt im Nichts (bzw. an der Felskante).
Zielgruppe: Primär Drachenflieger (Hängegleiter). Gleitschirmflieger werden hier nur toleriert, wenn sie ihr Handwerk perfekt beherrschen.
Wind: Ideal bei reinem Süd (S) bis Südost (SO).
Gefahr: Es gibt keine Abbruchzone ("Point of no Return"). Sobald man losläuft, muss der Start sitzen. Ein Fehlstart führt unweigerlich zum Absturz in das steile Geröllfeld unterhalb der Kante.
Etikette: Paragleiter dürfen die Rampe keinesfalls blockieren. Der Check (Leinen sortieren, Gurtzeug schließen) muss vor dem Betreten der Rampe abgeschlossen sein. Wer auf der Rampe anfängt, seine Leinen zu sortieren, zieht den Zorn der lokalen Drachenflieger auf sich.
Venturi-Effekt: Bei starkem Wind kann der Düse-Effekt an der Kante so stark sein, dass ein Gleitschirm rückwärts in die Terrasse des Gasthofs Postl geblasen wird.
Es gibt immer wieder Versuche, von der Wiese direkt beim Skywalk zu starten. Dies ist strengstens verboten und führt zur Anzeige. Der Bereich ist touristisch stark frequentiert, und ein Unfall hier hätte katastrophale Auswirkungen auf die Zulassung des gesamten Fluggebiets.
Das Fliegen an der Hohen Wand erfordert nicht nur meteorologisches Wissen, sondern auch soziale Intelligenz.
An einem guten Sonntag können sich 50 bis 100 Schirme gleichzeitig in der Luft befinden.
Hangflugregeln: Die klassische Ausweichregel "Hang rechts vor Hang links" (wer den Hang zur linken Schulter hat, muss nach rechts ausweichen) ist hier Gesetz.
Buchten und Ecken: Die Wand ist keine gerade Linie, sondern besteht aus Buchten und Nasen. Ein häufiger Konfliktpunkt ist das "Ecken-Schneiden". Piloten, die eine Bucht ausfliegen (also der Kontur folgen), werden oft von Piloten geschnitten, die direkt von Nase zu Nase fliegen. Hier gilt: Vorsicht und defensive Flugweise.
Schulungsbetrieb: Die Flugschule Fly Hohe Wand ist sehr aktiv. Flugschüler sind oft durch große Funkgeräte und zögerliches Flugverhalten zu erkennen. Ihnen sollte man weiträumig ausweichen. Sie haben zwar formal keinen Vorrang (außer am Landeplatz), aber praktisch ist es sicherer, ihnen den Raum zu geben, den sie brauchen.
Für ambitionierte Piloten ist das "Aquarium" nur der Startpunkt. Die klassische Strecke führt zum Schneeberg, dem höchsten Berg Niederösterreichs (2076m).
Höhe machen: Bevor man die Querung wagt, braucht man Höhe. Der beste Punkt dafür ist meist das Hochkogelhaus oder der Bereich Almfrieden. Eine Arbeitshöhe von 1600m bis 1800m ist empfehlenswert.
Die Transition: Der Weg zum Schneeberg führt über das Grünbacher Becken. Dies ist oft eine thermische Senke. Man muss bereit sein, viel Höhe zu opfern.
Der Anschluss: Ziel ist meist die Ostflanke des Schneebergs (Bereich Hengsthütte). Hier steigt das Gelände auf über 2000m an. Der thermische Anschluss liegt oft tief, an der Waldgrenze.
Der Rückweg: Oft ist der Rückweg gegen den Wind (bei typischer NW-Lage). Viele Piloten "saufen" am Rückweg ab. Hier ist es gut zu wissen, dass man von Puchberg oder Grünbach bequem mit dem Zug zurückfahren kann ("Rail & Fly").
Die Hohe Wand liegt im Einzugsbereich des internationalen Flughafens Wien-Schwechat (VIE). Dies diktiert harte vertikale Grenzen.
Der Luftraum über der Hohen Wand ist als TMA Wien (Terminal Maneuvering Area) klassifiziert.
Sektor SRA Wien V: Direkt über der Hohen Wand (bis zum Hochkogelhaus) gilt eine Obergrenze von 6.500 ft MSL (ca. 1.980 Meter).
Sektor SRA Wien VIII: Südwestlich davon (Richtung Schneeberg) steigt die Untergrenze der TMA auf 8.500 ft MSL (ca. 2.590 Meter).
Konsequenz: An thermisch starken Tagen ("Hammertagen") ist es ein Leichtes, diese Höhen zu erreichen. Das Einfliegen in die TMA ist kein Kavaliersdelikt. Es löst bei der Austro Control Alarme aus und gefährdet den Anflugverkehr von schweren Jets. Transponder (FLARM/ADS-B) werden dringend empfohlen, um für andere sichtbar zu sein, sind aber für Gleitschirme (noch) keine gesetzliche Pflicht in diesem Sektor – die Einhaltung der Höhe hingegen schon.
Es gibt spezielle Segelflugsektoren, die temporär aktiviert werden können, um höher fliegen zu dürfen. Da die meisten Gleitschirmflieger jedoch keinen Flugfunk (Airband) haben, um mit "Wien Information" zu kommunizieren, müssen sie sich an die standardmäßig auf der ICAO-Karte publizierten Grenzen halten. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.
Landen an der Hohen Wand ist mehr als nur Runterkommen. Es ist eine taktische Entscheidung.
Dies ist der Hauptlandeplatz für Paragleiter.
Lage: Direkt neben der Mautstation an der Straße.
Die Thermikfalle: Im Sommer heizt sich die Asphaltstraße neben der Wiese auf. Dies führt dazu, dass der Landeplatz selbst thermisch aktiv wird. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Piloten im Endanflug sind und plötzlich nicht mehr sinken, sondern auf 10 Metern Höhe "parken", während die Thermikblasen von der Straße ablösen.
Windgradient: Da der Landeplatz im Tal liegt, kanalisiert sich hier oft der Wind. Man muss mit einem deutlichen Windgradienten (Zunahme der Windgeschwindigkeit in Bodennähe) rechnen.
Dieser Platz liegt weiter draußen im Tal.
Priorität: Hier haben Hängegleiter (Drachen) absolute Priorität. Sie sind schneller und haben einen flacheren Gleitwinkel. Ein Gleitschirm, der einem landenden Drachen im Weg steht, riskiert eine Kollision.
Volte: Hier wird strikt auf die Einhaltung der Landevolte geachtet. "Freestyle"-Anflüge sind tabu.
Die Wiese südwestlich des Gasthofs Postl ist die einzige offizielle Toplande-Möglichkeit.
Status: "Glücksspiel".
Aerologie: Der Platz liegt hinter der Hangkante, also technisch gesehen im Lee des Aufwindbandes.
Regel: Toplanden ist nur bei laminaren Bedingungen (z.B. Abends) empfehlenswert. Bei starker Thermik oder böigem Wind ist der Platz extrem turbulent. Es ist sicherer, ins Tal zu fliegen, als eine Toplandung in rotierender Luft zu erzwingen.
Bevor man den Schirm auspackt, sollte man eine mentale Checkliste durchgehen, die spezifisch auf die Hohe Wand zugeschnitten ist.
Schirmklasse: Aufgrund der oft engen und turbulenten Thermik (besonders am "Roten Felsen") fühlen sich viele Piloten unter einem EN-B Schirm wohler als unter einem nervösen Hochleister, selbst wenn sie die Lizenz dafür hätten. Die passive Sicherheit ist hier viel wert.
Instrumente: Ein Vario mit Luftraum-Warnfunktion ist essenziell, um die 6.500 ft Grenze nicht versehentlich zu durchstoßen.
Jeder Pilot, der an der Hohen Wand fliegt, muss die schnellen Abstiegsmethoden beherrschen.
Ohrenanlegen: Standard, um dem Luftraumdeckel zu entgehen, ohne aus der Thermik fliegen zu müssen.
B-Stall / Steilspirale: Sollten beherrscht werden, da die Wolkenentwicklung im Frühjahr extrem dynamisch sein kann ("Weißes Tuch" über der Wand).
Oft reisen Piloten mit Familie an. Die Hohe Wand als "Naturpark" bietet hier exzellente Möglichkeiten, den nicht-fliegenden Begleitern die Wartezeit zu versüßen.
Die Aussichtsplattform ist auch für Nicht-Flieger ein Erlebnis. Sie ragt über den Abgrund hinaus und vermittelt ein Gefühl von Exponiertheit, das dem Starten nahekommt.
Der Felsenpfad beim Kohlröserlhaus ist ein gesicherter Stahlsteg an der Felswand – spannend, aber sicher. Für Kinder gibt es Streichelzoos (Lamas, Steinböcke) und Spielplätze, die strategisch günstig in der Nähe der Gasthöfe liegen.
Während der Gasthof Postl die Basis der Flieger ist, bieten das Kohlröserlhaus und die Herrgottschnitzerhütte Alternativen. Die Küche ist typisch niederösterreichisch: Deftig, fleischlastig, aber ehrlich. Eine Frittatensuppe nach einem kalten Flug im März wirkt Wunder.
Die Hohe Wand ist ein Juwel. Sie bietet Flugmöglichkeiten, wenn der Rest der Alpen im Föhnsturm versinkt oder unter Inversionen erstickt. Aber sie fordert Respekt. Sie ist kein Ort für fliegerische Arroganz. Die Kombination aus komplexer Aerologie ("Pseudo-SO"), hartem Luftraumdeckel (Wien TMA) und hoher Verkehrsdichte macht sie zu einer anspruchsvollen Arena.
Für Anfänger: Fliegt am Abend. Der "Magic Autumn" ist eure Zeit. Meidet die thermischen Mittagsstunden im Frühjahr.
Für Fortgeschrittene: Nutzt die Wand als Trainingslager für Thermikzentrieren und Luftraumbeobachtung.
Für Experten: Seht die Wand als Sprungbrett. Der Flug zum Schneeberg und zurück ist ein 50-km-Dreieck, das sich anfühlt wie 200 km in den Zentralalpen – intensiv, landschaftlich gewaltig und technisch fordernd.
Wer die Hohe Wand versteht, wird sie lieben. Wer sie unterschätzt, wird von ihr gelernt – hoffentlich nur durch eine holprige Landung und nicht mehr.
Hinweis: Dieser Bericht basiert auf Daten des Soaring Club Hohe Wand, DHV-Informationen und Berichten lokaler Piloten. Wetterbedingungen können sich in den Bergen rasant ändern. Konsultieren Sie immer den aktuellen "Fredos Wetterbericht" und die Webcams vor der Auffahrt.
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