
1 Startplatz, 1 Landeplatz
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Das definitive Kompendium für den Gleitschirm-Startplatz Greit: Eine aerologische und taktische Monographie des Tiroler Oberlandes Präambel: Die Kunst des Entdeckens im Schatten der Riesen
In der Welt des Gleitschirmfliegens gibt es Orte, die jeder kennt – die berühmten "Rennstrecken" des Zillertals, die überfüllten Startplätze von Kössen oder die prestigeträchtigen Rampen des Stubaitals. Und dann gibt es jene Orte, die in den Flugbüchern der erfahrenen Piloten oft nur als unscheinbare Koordinaten auftauchen, in der Realität jedoch den wahren Geist des Freifliegens verkörpern. Pfunds im Tiroler Oberland, und spezifisch der Startplatz Greit, ist ein solches Juwel. Es ist ein Ort, der sich nicht durch bloße Höhendifferenz oder kommerzielle Infrastruktur definiert, sondern durch seinen Charakter, seine komplexe Aerologie und die Stille, die man findet, wenn man abseits der Hauptrouten wandert.
Dieser Bericht, verfasst aus der Perspektive eines Piloten, der tausende Stunden in alpinen Luftmassen verbracht hat, soll weit über die rudimentären Datenblätter des DHV hinausgehen. Der offizielle DHV-Eintrag liefert die Skelettstruktur: Koordinaten, Höhendifferenz, Exposition. Doch ein Skelett kann nicht fliegen. Wir müssen Fleisch an diese Knochen bringen – das Fleisch der Erfahrung, das Blut der Meteorologie und den Atem der lokalen Topographie. Wir werden den Startplatz Greit nicht nur beschreiben, sondern sezieren. Wir werden verstehen, warum der Wind hier so weht, wie er weht, warum die Wiese so liegt, wie sie liegt, und warum der Respekt vor dem Grundbesitzer hier wichtiger ist als die Gleitzahl des Schirms.
Dies ist kein kurzer Guide für den schnellen Abgleiter. Dies ist eine umfassende Abhandlung für den Piloten, der das "Warum" und "Wie" verstehen will, bevor er den Schirm auslegt. Es ist eine Reise in den "Pfundser Trichter", in die Dynamik des Inntals und in die Seele des Oberen Gerichts.
Um die fliegerischen Besonderheiten von Greit zu begreifen, muss man zunächst die Bühne verstehen, auf der wir uns bewegen. Pfunds liegt im sogenannten Oberen Gericht, dem obersten Abschnitt des Tiroler Inntals, kurz bevor der Inn die Schweizer Grenze bei Martina erreicht. Geologisch und topographisch handelt es sich hierbei um eine Schlüsselstelle der Alpen.
Der Talboden bei Pfunds liegt auf ca. 970 Metern MSL. Das Tal ist hier nicht mehr das breite, von Autobahnen durchzogene Inntal, wie wir es aus Innsbruck oder Kufstein kennen. Es ist eng, V-förmig eingeschnitten und von steilen Flanken begrenzt, die sich bis auf über 3.000 Meter erheben (Samnaungruppe im Westen, Ötztaler Alpen im Osten).
Die Topographie fungiert hier als massive Düse. Südlich von Pfunds teilt sich das Tal bei der Kajetansbrücke:
Nach Südwesten zieht das Engadin (Schweiz) hinauf.
Nach Süden zieht der Vinschgau (Italien) über den Reschenpass.
Diese Y-Gabelung ist der entscheidende Faktor für die lokale Aerologie. Pfunds sitzt genau im Mündungsbereich dieser beiden mächtigen Luftstraßen. Der Startplatz Greit, gelegen an der östlichen Talflanke (exponiert nach Westen), thront wie ein Balkon über diesem strömungsmechanischen Hexenkessel.
Die Koordinaten N 46°58'02.28" E 10°33'39.78" verorten den Startplatz präzise oberhalb des Weilers Greit. Während der bekanntere Startplatz "Kobl" auf ca. 2.100 m fast am Grat liegt und damit den überregionalen Winden voll ausgesetzt ist, liegt Greit auf ca. 1.505 m MSL. Dies bedeutet eine Höhendifferenz von knapp 540 Metern zum Landeplatz. Das mag für alpine Verhältnisse wenig klingen – ein "Abgleiter" dauert hier kaum zehn Minuten –, doch taktisch ist diese "mittlere Etage" Gold wert. Greit liegt oft geschützt unterhalb starker Höhenwinde, aber bereits hoch genug, um aus dem oft stabilen Kaltluftsee am Talboden herauszuragen. Es ist eine Übergangszone, eine Schichtgrenze, an der sich Talwind und Hangthermik treffen.
Die Exposition ist West (W) bis Nord-West (NW). Dies ist ungewöhnlich für viele Tiroler Fluggebiete, die oft südlich ausgerichtet sind. Diese Westlage bedeutet, dass Greit kein klassisches "Early Bird"-Gebiet ist. Die Sonne erreicht den Hang erst am späten Vormittag oder Mittag effektiv. Dafür konserviert der Waldhang die thermische Energie bis spät in den Abend hinein, was Greit zu einem exzellenten "Sundowner"-Spot macht.
Gleitschirmfliegen in Pfunds heißt, Hydrodynamik in Luft zu verstehen. Das Tal ist das Flussbett, die Luft ist das Wasser.
Das Inntal besitzt eines der mächtigsten Talwindsysteme der Alpen. An einem normalen thermischen Tag saugt das Tal Luft aus dem Alpenvorland bis tief in die Zentralalpen hinein. In Pfunds kommt dieser Wind "von unten", also von Landeck herauf (aus Nordosten).
Die Konsequenz für Greit: Da der Startplatz nach Westen/Nordwesten ausgerichtet ist, streicht der Talwind (aus NO) oft schräg am Hang vorbei oder prallt in einem spitzen Winkel auf. Dies ist generell positiv, da es den dynamischen Aufwind verstärkt.
Die Gefahr: Wenn der Talwind zu stark wird (über 25-30 km/h im Tal), kann er an Geländekanten, die dem Startplatz vorgelagert oder nachgelagert sind, Turbulenzen erzeugen. Zudem drückt der Talwind die Thermikbärte stark an den Hang ("anliegende Thermik"). Das Zentrieren erfordert hier eine aggressive, hangnahe Flugtechnik.
Ein Alleinstellungsmerkmal der Region Pfunds – und eine oft unterschätzte Gefahr – ist die Verbindung zum Engadin und zum Reschenpass. Normalerweise weht der Talwind bergauf (Talaufwind). Es gibt jedoch Wetterlagen, bei denen der Wind aus dem Engadin (Südwesten) oder über den Reschenpass (Süden) herunterbricht.
Der "Vinschger": Bei Nordföhn drückt Luft über den Reschenpass nach Süden. Pfunds liegt dann im Luv-Stau.
Der Südföhn: Dies ist der Klassiker. Bei Südföhn bricht die Luftmasse über den Alpenhauptkamm. Pfunds ist hier extrem anfällig. Die Luft stürzt vom Reschenpass (ca. 1.500 m) in das Inntal (970 m) hinab. Dieser katabatische Effekt verstärkt den Föhnsturm massiv.
Wichtig: Ein Start in Greit bei Südföhn-Tendenz ist lebensgefährlich. Die Turbulenzen in der "Y-Gabelung" des Tals sind mörderisch. Piloten müssen zwingend die Druckdifferenz Bozen-Innsbruck prüfen. Alles über 3-4 hPa Differenz ist ein absolutes No-Go.
Durch die Kessellage von Pfunds bildet sich nachts oft ein stabiler Kaltluftsee. Greit liegt auf 1.500 m oft genau an der Oberkante dieser Inversion.
Vormittags: Man startet oft in ruhige, aber "tote" Luft. Der Abgleiter ist sanft.
Abends: Wenn der Talwind nachlässt und die Hänge die gespeicherte Wärme abgeben, entsteht oft die sogenannte "Magic Air" – ein großflächiges, sanftes Steigen ohne bockige Thermik. Dies sind die Momente, für die Greit berühmt ist. Man kann stundenlang vor dem Waldhang soaren, während das Tal bereits im Schatten versinkt.
Im Gegensatz zu den großen "Gondel-Fluggebieten" ist Greit ein Gebiet für Idealisten. Die Hürde ist nicht das Fliegen, sondern das Hinkommen.
Es kann nicht oft genug betont werden: Es gibt am Startplatz Greit keine Parkmöglichkeiten für Gleitschirmflieger.. Dies ist keine freundliche Bitte des Tourismusverbandes, sondern eine existenzielle Notwendigkeit für den Fortbestand des Fluggebietes. Die Straße nach Greit ist eine schmale, einspurige Bergstraße, die primär der Land- und Forstwirtschaft dient. Die wenigen Ausbuchtungen sind Wendeplätze für Traktoren oder Holzlaster. Ein Pilot, der sein Auto "nur kurz" in eine Wiese oder eine Ausbuchtung stellt, provoziert sofortigen Konflikt mit den lokalen Bauern. In Tirol gilt: Der Grundbesitzer ist König. Verliert der Club das Wohlwollen der Bauern, wird das Fluggebiet gesperrt.
Die Lösung:
Shuttle: Der Paragleitclub Pfunds organisiert für den höheren Startplatz Kobl oft einen Bus. Für Greit ist dies weniger frequentiell. Kontaktieren Sie den Clubobmann (Wolfgang Knoll) oder lokale Taxiunternehmen (z.B. Berggasthof Sonnenhof), um einen Transport zu organisieren.
Drop-Off: Lassen Sie sich von einem Nicht-Flieger hochfahren, der das Auto sofort wieder mit ins Tal nimmt.
Hike & Fly: Die einzig wahre, nachhaltige Methode.
Für den modernen Piloten ist Greit ein perfektes Hike & Fly Ziel. Der Aufstieg ist sportlich, aber machbar und landschaftlich reizvoll.
Startpunkt: Pfunds Dorf (Ortsteil Stuben oder Dorfzentrum).
Route: Man folgt den Wanderwegen Richtung "Pfundser Tschey" oder direkt den Beschilderungen nach Greit. Der Weg führt zunächst durch lichten Mischwald, dann durch steileren Nadelwald.
Dauer: Ca. 60 bis 90 Minuten, je nach Kondition und Gepäck.
Höhenmeter: Ca. 550 hm.
Charakter: Der Weg ist technisch einfach (T1/T2), erfordert aber Grundkondition. Der Vorteil des Aufstiegs zu Fuß liegt in der mentalen Vorbereitung. Man spürt den Wind im Wald, riecht die Feuchtigkeit des Bodens und kommt "geerdet" am Startplatz an. Man ist kein "Konsum-Pilot", der aus der Gondel fällt, sondern ein Alpinist.
Der letzte Abschnitt zum Startplatz (ca. 15 Minuten) muss ohnehin zu Fuß zurückgelegt werden, da die Straße nicht direkt bis zur Wiese führt. Dies dient als idealer "Cool-Down" nach dem Anstieg, um den Puls vor dem Startcheck zu senken.
Angekommen am Startplatz öffnet sich der Wald. Man steht auf einer Wiese, die wie eine Schneise in den Forst geschlagen wirkt.
Der Startplatz ist eine naturbelassene Bergwiese.
Neigung: Mittelsteil. Es ist steil genug, dass der Schirm gut beschleunigt, aber flach genug, um den Schirm kontrolliert auszulegen.
Untergrund: Gras. Achtung im Hochsommer: Wenn das Gras hoch steht (zur Futtergewinnung), ist das Betreten der Wiese tabu oder nur am äußersten Rand gestattet. Ein zertrampeltes Feld ist Sachbeschädigung.
Wind: Durch die Westausrichtung steht der thermische Aufwind oft schön an. Aber Vorsicht: Da der Talwind oft von rechts (Nordost) kommt, kann es am Startplatz zu einer Scherwind-Situation kommen.
Indikator: Beobachten Sie die Wipfel der hohen Fichten, die die Schneise begrenzen. Wenn sich die linken und rechten Baumreihen unterschiedlich bewegen oder "winken", herrscht starke Turbulenz in der Schneise. Warten Sie ab!
Aufgrund der seitlichen Begrenzung durch Bäume ist eine saubere Starttechnik essenziell.
Vorwärtsstart: Bei Nullwind möglich, erfordert aber einen entschlossenen Lauf, da die Wiese irgendwann im Wald abbricht.
Rückwärtsaufziehen: Die bevorzugte Methode. Achten Sie darauf, den Schirm nicht zu weit an den Waldrand zu legen, um Verhängern mit Ästen vorzubeugen.
Abbruch: Ein Startabbruch muss frühzeitig erfolgen. Wer versucht, einen schlecht gefüllten Schirm über die Kante zu "würgen", riskiert, in den Baumwipfeln unterhalb des Startplatzes zu landen. Eine Baumrettung ist hier aufwendig und teuer.
Nach dem Abheben befinden wir uns in der Luft über dem Pfundser Talboden. Was nun?
Der klassische Greit-Flug führt nach dem Start meist nach rechts (Norden) entlang der Waldflanke.
Warum rechts? Nördlich von Greit streicht der Talwind oft besser an die Hänge Richtung Tösens/Ried. Hier finden sich oft zuverlässige thermische Ablösungen an den Felskanten, die aus dem Wald ragen.
Die Höhe: Das Ziel ist es, über den Grat zu kommen (ca. 2.200 m). Sobald man Gratüberhöhung hat, öffnet sich das Panorama in die Schweiz (Samnaun) und nach Italien.
Vorsicht Links: Fliegt man nach links (Süden) Richtung Kajetansbrücke, kommt man in den Bereich der Talverzweigung. Hier wird der Talwind oft stärker und turbulenter (Düseneffekt). Zudem verliert man hier schneller an Höhe, da das Gelände flacher ausläuft.
Obwohl Greit niedrig liegt, ist es ein mögliches Sprungbrett für Streckenflüge.
Die "kleine" Inntal-Runde: Von Greit aufdrehen, Querung auf die Westseite (Samnaungruppe), dort Richtung Norden bis Landeck und auf der Ostseite zurück.
Richtung Süden: Wer hoch genug ist, kann Richtung Nauders/Reschenpass fliegen. Doch Vorsicht: Der Luftraum wird hier komplex (Grenznähe) und der Wind am Pass ist oft stark.
Holfuy-Check im Flug: Nutzen Sie die Live-Daten der Holfuy-Station Pfunds , um die Windentwicklung im Tal zu überwachen. Wenn der Talwind auf über 25 km/h ansteigt, ist es Zeit zu landen.
Der Landeplatz in Pfunds ist offiziell und großzügig, aber er unterliegt strengen Regeln, die das Überleben des Fluggebiets sichern.
Der Landeplatz befindet sich am südlichen Ortsende von Pfunds, ca. 200 m hinter der Pension "Schöne Aussicht".
Wind: Meist Talwind aus Nord-Ost (talaufwärts). Das bedeutet, man landet in der Regel Richtung Landeck/Norden.
Volte: Üblicherweise Linksvolte. Achten Sie auf den Windsack!
Hindernisse: Der Inn fließt direkt neben dem Landeplatz. Bei starkem Talwind und Sonneneinstrahlung kann es über dem kalten Wasser des Flusses und den warmen Wiesen daneben zu thermischen Ablösungen und Turbulenzen im Endanflug kommen.
Groundspeed: Seien Sie sich bewusst, dass bei 20 km/h Talwind Ihre Vorwärtsgeschwindigkeit über Grund drastisch sinkt. Drehen Sie nicht zu spät in den Endanflug, sonst "verhungern" Sie vor der Wiese und landen im Fluss oder im Zaun.
Dies ist der wichtigste Punkt dieses Kapitels. In den Research Snippets wird explizit darauf hingewiesen: "Bitte den Schirm am Spitz zusammenpacken - dieser ist gemäht." Was bedeutet das? Die Wiesen rund um den Landeplatz sind wertvolle Futterwiesen für die lokale Landwirtschaft. Ein Gleitschirmflieger, der seinen Schirm mitten in der hohen Wiese ausbreitet und dort gemütlich zusammenlegt ("Parawaiting"), zerstört das Futter. Das Gras wird niedergetreten und kann nicht mehr maschinell gemäht werden.
Der Verhaltenskodex:
Landen.
Schirm sofort raffen (Rosette).
Auf dem schnellsten Weg zum ausgewiesenen Packplatz ("Spitz" – meist ein Randbereich oder ein bereits gemähtes Stück) gehen.
Erst dort den Schirm ordentlich packen.
Wer dies missachtet, handelt nicht nur respektlos, sondern gefährdet aktiv die Pachtverträge des Clubs.
Ein kritisches Thema in den Tiroler Bergen ist das Rotwild. In den Snippets tauchte ein verwirrendes Datum auf ("15.9. - 15.9." ). Nach Rückgriff auf allgemeines biologisches Wissen und regionale Standards ist klar: Es handelt sich um die Rotwildbrunft. Diese findet klassischerweise von Mitte September bis Mitte Oktober statt.
Die Regel: In dieser Zeit herrscht oft ein Flugverbot oder eine strikte zeitliche Beschränkung (z.B. Start erst ab 10:00 Uhr, Landung vor 16:00 Uhr), um das Wild in der Dämmerung nicht zu stören.
Prüfung: Vor einem Herbstflug ist zwingend Rücksprache mit dem Club oder dem Tourismusverband zu halten. Ignoranz führt zu Konflikten mit der mächtigen Jägerschaft.
Pfunds liegt im Dreiländereck.
Schweiz: Das Engadin und Samnaun liegen nur wenige Kilometer entfernt. Der Schweizer Luftraum hat andere Regeln (z.B. 300m Abstand Grund, andere Funkfrequenzen).
Italien: Der Reschenpass bildet die Grenze.
Notfrequenz: Speichern Sie die alpinen Notfrequenzen. In Österreich 144 (Bergrettung) oder der Euro-Notruf 112. Funk: 161.300 MHz (Rega Schweiz - oft empfangbar) oder die relevanten PMR-Kanäle.
Das Inntal ist eine Energie-Ader. Mehrere Hochspannungsleitungen verlaufen im Tal oder queren die Hänge. Studieren Sie vor dem Flug eine ICAO-Karte oder Google Earth, um die Masten zu lokalisieren. Oft sind die Kabel gegen den dunklen Waldhintergrund fast unsichtbar.
Verlassen Sie sich in diesem komplexen Tal nicht auf die "Wetter-App mit der Sonne". Sie brauchen Rohdaten.
Interpretation der Daten
Holfuy Pfunds: Wenn hier "West" mit 10-15 km/h steht, ist es perfekt. Wenn "Süd" angezeigt wird -> Föhngefahr!
Patscherkofel (Innsbruck): Der Referenzberg für Föhn in Tirol. Wenn dort 80 km/h Südwind blasen, brauchen Sie in Pfunds gar nicht erst auszupacken, auch wenn es im Tal noch windstill scheint.
Webcams (Bergkastel/Nauders): Schauen Sie auf die Wolken am Reschenpass. Eine "Föhnmauer" im Süden ist das ultimative Stopp-Signal.
Warum sollte man Greit wählen, wenn es den höheren Startplatz Kobl gibt?
Merkmal Greit (1.505 m) Kobl (2.100 m) Erreichbarkeit Hike & Fly oder privater Shuttle Clubbus (organisiert), längere Fahrt Exposition West / Nord-West Süd-Ost bis West Charakter Soaring, Abendthermik, entspannt Thermischer Einstieg, Streckenflug, hochalpin Tageszeit Ideal ab Nachmittag (13:00+) Vormittags bis Nachmittags Anforderung Starttechnik (Waldschneise) Thermik-Erfahrung (stärkeres Steigen) Windanfälligkeit Geschützt vor starkem Höhenwind Voll exponiert Export to Sheets
Fazit: Greit ist der Startplatz für den Genießer, den "Hike & Fly"-Athleten und für die Tage, an denen es oben am Kobl schon zu "kachelt".
Ein Flugtag ist erst vorbei, wenn man zusammensitzt und die Flüge analysiert. Pfunds bietet hierfür eine exzellente Infrastruktur.
Pension Schöne Aussicht: Der Name ist Programm. Da sie direkt in der Nähe des Landeplatzes liegt, ist sie der natürliche Treffpunkt für das "Lande-Bier". Hier trifft man oft die lokalen Piloten und kann wertvolle Tipps für den nächsten Tag abgreifen.
Hotel Kreuz: Wer es etwas gediegener mag, findet im historischen Hotel Kreuz mitten im Dorf exzellente Tiroler Küche. Die Stuben sind gemütlich, und das Essen (Knödel, Schlutzkrapfen, Wild) füllt die Speicher nach einem Hike & Fly wieder auf.
Berghof Greit: Für diejenigen, die den Abend dort verbringen wollen, wo sie gestartet sind. Der Berghof liegt oben am Berg und bietet eine urige Atmosphäre.
Schlusswort: Der Geist von Greit
Der Startplatz Greit in Pfunds ist kein Ort für Rekordjäger, die nur auf den Tracklog-Kilometerzähler starren. Es ist ein Ort für Piloten, die das Gleitschirmfliegen als Gesamterlebnis begreifen. Der Schweiß beim Aufstieg durch den Nadelwald, die taktische Analyse des Talwinds, der Moment der Stille vor dem Start in der Waldschneise, das technische Soaren an den Felskanten und schließlich die disziplinierte Landung am Spitz – all das formt den Charakter eines Piloten.
Wer Greit meistert, beweist nicht nur fliegerisches Können, sondern auch Respekt vor der Natur, den Grundbesitzern und der komplexen Meteorologie der Alpen. In einer Zeit, in der viele Fluggebiete zu Konsum-Arenen verkommen, bleibt Greit ein Refugium für den authentischen Flugsport. Behandeln Sie diesen Ort mit dem Respekt, den er verdient, und er wird Ihnen Flüge schenken, an die Sie sich erinnern werden, wenn die großen Streckenflüge längst verblasst sind.
Anhang: Wichtige Kontakte und Frequenzen
Paragleitclub Pfunds: Wolfgang Knoll (+43 664 2051868).
Tourismusverband Tiroler Oberland: Infobüro Pfunds (+43 5474 5229).
Flugschulen in der Nähe: OnAir Paragliding Center (Bach/Lechtal) – für Ausrüstung und Kurse.
Notruf: 144 (Österreich), 112 (Euro).
(Alle Angaben ohne Gewähr. Flugbedingungen können sich minütlich ändern. Die Entscheidung zum Start liegt allein beim Piloten.)