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Das Monografikum Hartenstein: Der definitive Piloten-Guide zum Tor des Erzgebirges
In der akribisch dokumentierten Welt der deutschen Luftfahrt pflegt der Deutsche Hängegleiterverband (DHV) eine umfassende Datenbank von Fluggeländen. Diese Einträge sind funktionell präzise – eine Auflistung von Koordinaten, Startrichtungen und Höhenmetern, die jedoch oft die Seele des Fliegens vermissen lassen. Für den Piloten, der über einer Karte von Sachsen brütet, mag der Eintrag für den Flugplatz Hartenstein (DHV-Gelände Nr. 1214) auf den ersten Blick wie einer von vielen Windenplätzen im hügeligen Flachland erscheinen. Ein Punkt in der Landschaft, definiert durch Zahlen und behördliche Auflagen.
Doch Hartenstein lediglich als eine Ansammlung von Wegpunkten in der Nähe von Zwickau zu betrachten, hieße, eines der technisch interessantesten und strategisch wertvollsten Luftfahrtzentren Ostdeutschlands zu übersehen. Gelegen an dem topografischen Gelenk, wo das sächsische Tiefland seinen allmählichen, aber unaufhaltsamen Aufstieg in das Erzgebirge beginnt, bietet Hartenstein eine einzigartige Hybridität: Es vereint die thermische Jagd des Flachlandfliegens mit dem strukturellen Potenzial des voralpinen Raums. Es ist ein Ort, an dem 200-Kilometer-Streckenflugträume (XC) nicht nur geträumt, sondern realisiert werden, wo die Disziplin des Windenstarts zur Kunstform erhoben wurde und wo die lokale Vereinskultur – getragen vom 1. Drachenfliegerclub Sachsen e.V. – eine Meisterklasse in gemeinschaftlich organisierter Luftfahrt bietet.
Dieser Bericht dient als "Schatten-Guide" – ein erschöpfender, Experten-Level-Begleiter, der die Lücken der offiziellen Dokumentation füllt. Er richtet sich nicht an den flüchtigen Besucher, der nur einen Abgleiter sucht, sondern an den ernsthaften Aviator, der die atmosphärischen, logistischen und taktischen Nuancen des Sektors Hartenstein-Thierfeld verstehen will. Von der Hydromechanik der 1.200 Meter langen Schleppstrecken bis zur Mikrometeorologie der "Hausbärte" liefert dieses Dokument die Tiefe, die erforderlich ist, um vom Gast zum lokalen Experten zu reifen. Wir werden die Schichten dieses Fluggeländes abtragen, beginnend bei der Geologie des Untergrunds bis hin zu den komplexen Luftraumstrukturen, die den Himmel darüber ordnen.
Hartenstein liegt an der Schnittstelle von Erreichbarkeit und Ambition. Im Gegensatz zu den tiefen alpinen Startplätzen, die oft stundenlange Aufstiege oder teure Bergbahnfahrten erfordern, ist Hartenstein ein Testament für die Effizienz der Flachlandluftfahrt. Der Flugplatz, gelegen im Ortsteil Thierfeld, befindet sich auf einer Höhe von ca. 407 bis 415 Metern MSL. Diese Höhe ist trügerisch unscheinbar. Zwar fehlt ihr die imposante Vertikalität der Alpen oder der süddeutschen Voralpen, doch ihre Position relativ zum umliegenden Terrain macht sie zu einer formidablen Abschussrampe.
Der Platz selbst liegt auf einem Plateau, das sich sanft aus der Zwickauer Mulde erhebt. Er markiert den Übergang von den landwirtschaftlich geprägten Ebenen Sachsens zu den bewaldeten Hängen des Erzgebirges. Diese Lage ist meteorologisch Gold wert: Sie erlaubt den Einstieg in thermische Systeme, die sich über den Ebenen bilden und dann durch die orografische Hebung des Geländes nach Süden hin verstärkt werden. Der Platz weist einen maximalen Höhenunterschied für den operativen Flugbetrieb von 447 Metern auf, aber die wahre Währung des Erfolgs ist hier die Ausklinkhöhe, die häufig 300 bis 500 Meter über Grund (AGL) erreicht. An Rekordtagen katapultiert die Winde Piloten auf atemberaubende 760 Meter direkt vom Seil. Dies ist keine triviale Höhe; es ist eine taktische Ausgangsposition, die den sofortigen Anschluss an die Wolkenbasis ermöglichen kann.
Das Herzstück der Operationen in Hartenstein ist seine duale Infrastruktur. Im Gegensatz zu reinen Gleitschirm-Geländen ist Hartenstein ein symbiotisches Ökosystem aus Ultraleichtflug (UL) und dem freien Fliegen (Drachen und Gleitschirm). Das Verständnis der physischen Anlage ist der erste Schritt zu Sicherheit und Erfolg. Wer hier fliegt, teilt sich den Luftraum und den Boden mit motorisierten Kollegen, was eine hohe Disziplin und Situationsbewusstsein erfordert.
Der Flugplatz verfügt über ein massives, exzellent gepflegtes Graspistensystem, das den Fluss aller Aktivitäten diktiert. Die primäre Achse ist West-Ost (27/09) ausgerichtet, mit einer Länge von 300 Metern und einer Breite von 50 Metern für motorisierte Luftfahrzeuge. Doch für den Gleitschirmpiloten ist diese Piste nur ein Teil des Bildes. Die kritische Infrastruktur sind die Windenschleppstrecken, die mit spezifischer geometrischer Präzision auf diese Landschaft gelegt wurden. Diese Überlagerung von Motorflugpiste und Schleppstrecke erfordert eine klare mentale Karte, um Konflikte zu vermeiden.
Die Schlepp-Vektoren: Strategische Ausrichtung
Der Erfolg beim Windenstart ist eine direkte Funktion von Windausrichtung und Streckenlänge. Je länger das Seil, desto mehr Zeit hat der Pilot, Höhe zu gewinnen, und desto geringer wirkt sich der "Seildurchhang" auf die Endhöhe aus. Hartenstein bietet zwei distincte Schleppvektoren, was eine operative Flexibilität ermöglicht, die vielen kleineren Vereinen fehlt :
Die "Marathon"-Strecke (24 / 06):
Ausrichtung: Südwest nach Nordost (240° / 060°).
Länge: 1.200 Meter.
Strategischer Wert: Dies ist das Kronjuwel von Hartenstein. Eine 1,2 Kilometer lange Schleppstrecke ist für europäische Standards außergewöhnlich. Bei idealen Windbedingungen ermöglicht diese Länge einen graduellen, anhaltenden Steigflug, der die Energieumwandlung vom Windenmotor in die potenzielle Energie des Gleiters maximiert. Auf diesem Vektor werden typischerweise die Rekordklinkhöhen von über 750 Metern erreicht. Die Südwest-Ausrichtung ist perfekt synchronisiert mit den vorherrschenden Wetterlagen in Mitteleuropa (Westwindzone), was diese Strecke zum "Arbeitspferd" für Streckenjäger macht. Wenn der Wetterbericht "Wind aus Südwest" meldet, wissen die Kenner: Heute wird die lange Bahn genutzt, heute geht es hoch hinaus.
Die "Standard"-Strecke (27 / 09):
Ausrichtung: West nach Ost (270° / 090°).
Länge: 900 Meter.
Strategischer Wert: Obwohl kürzer, ist die 900-Meter-Strecke vital für Tage mit reinem West- oder Ostwind. Ein 900-Meter-Schlepp reicht immer noch aus, um 300-400 Meter AGL zu erreichen, was im Flachland generell genügt, um Anschluss an die Thermik zu finden, die von den umliegenden landwirtschaftlichen Flächen und dem Dorf Thierfeld generiert wird. Diese Strecke verläuft parallel zur Motorflugbahn, was erhöhte Wachsamkeit erfordert.
Der Platz nutzt stationäre Winden, eine Methode, die eine präzise Koordination zwischen dem Startleiter, dem Piloten und dem Windenfahrer erfordert. Der Verein, 1. Drachenfliegerclub Sachsen e.V., operiert hier mit einem hohen Grad an Professionalität. Während der Hauptsaison sorgt ein dedizierter Windenfahrerplan dafür, dass qualifiziertes Personal vor Ort ist.
Operativer Einblick: Die Windenschleppseile werden spezifisch so ausgelegt, dass eine Gefährdung des concurrenten UL-Flugbetriebs vermieden wird. Dies erfordert von Piloten, hyper-aware bezüglich der "aktiven" Seite des Feldes zu sein. Die Seile, oft moderne Kunststoffseile (Dyneema) oder klassische Stahlseile, können sich über einen Kilometer erstrecken; nach dem Ausklinken fallen sie unter einem Fallschirm zu Boden. Das Einholen dieser Seile wird von einem "Lepo" (Seilrückholfahrzeug) gemanagt, oft ein robustes Geländefahrzeug oder ein alter, modifizierter PKW. Die Effizienz dieses Zyklus – Ausziehen, Starten, Einholen – bestimmt die "Turnaround-Time" und damit die Anzahl der Flüge pro Stunde. An guten Tagen läuft dieser Prozess wie ein Uhrwerk, orchestriert von Funksprüchen und Handzeichen.
Angrenzend an den Hauptflugplatz liegt der Übungshang, ein kritisches Asset für Schulung und Groundhandling. In einer Sportart, in der die Beherrschung des Geräts am Boden oft über die Sicherheit in der Luft entscheidet, ist dieser Hang mehr als nur eine "Idiotenwiese".
Koordinaten: N 50°40'40.80" E 12°40'47.00".
Topografie: Ein sanfter Hang mit etwa 40 Metern Höhenunterschied.
Ausrichtung: Süd-Südwest (SSW).
Nutzungsregeln: Der Hang wird in seinem unteren Bereich von einem öffentlichen Weg gekreuzt. Hier gelten strikte Sicherheitsprotokolle: Der Weg muss während des Flugbetriebs abgesperrt oder durch Streckenposten gesichert werden. Starts sind nur bei eindeutigen Vorwindlagen oder Windstille erlaubt – Rückenwindstarts sind aufgrund des flachen Gradienten streng verboten und gefährlich.
Dieser Hang ist nicht nur für Anfänger. Fortgeschrittene Piloten nutzen ihn für Groundhandling, speziell das Üben von "Cobra-Starts" und Starkwind-Techniken. Im Flachland, wo Starts oft in thermischen Zyklen erfolgen (starker Wind, wenn die Thermik ablöst, gefolgt von Flaute), ist die Fähigkeit, den Schirm am Boden blind zu beherrschen, so vital wie die Luftbeherrschung. Ein Pilot, der seinen Schirm bei 20 km/h Wind sicher rückwärts aufziehen kann, wird an der Winde wesentlich entspannter starten als jemand, der nur den Vorwärtsstart beherrscht.
Hartenstein ist eine "Thermik-Fabrik". Seine Lage im Vorland des Erzgebirges schafft ein spezifisches Set an meteorologischen Bedingungen, die der astude Pilot ausnutzen kann. Der Platz ist in fast allen Windrichtungen fliegerisch nutzbar (dank der multidirektionalen Schleppfähigkeit), aber die Qualität des Fluges hängt massiv vom Windvektor ab.
Das Verständnis der Windrichtung ist hier nicht binär (fliegbar/nicht fliegbar), sondern qualitativ.
Der Goldene Sektor (West bis Südwest): Dies ist die Prime-Condition. Die 1.200m Schleppstrecke ist für Südwestwinde (240°) ausgerichtet. Ein Gegenwind auf dieser Achse unterstützt die Winde, erhöht die Steigrate und resultiert in maximalen Klinkhöhen. Mehr noch: Der Drift aus Südwest schiebt Piloten in Richtung der ausgedehnten sächsischen Ebenen oder, mit einer leichten Variation, entlang der Hügelketten des Erzgebirgsvorlandes. Dies ist die Rennstrecke für Rekorde.
Die Seitenwind-Herausforderung (Nord & Süd): Während die offiziellen Daten eine Fliegbarkeit auch bei N und S suggerieren , sind dies Seitenwinde für die Hauptschleppstrecken. Eine signifikante Seitenwindkomponente erfordert geschickte Schirmbeherrschung während des Schlepps ("Vorhalten" oder "Crabbing"). Der Pilot muss den Schirm gegen den Wind drehen, während der Körper vom Seil in Bahnrichtung gezogen wird. Dies erzeugt Widerstand und kann die Endhöhe drastisch reduzieren. Bei starkem Seitenwind steigt auch das Risiko eines "Lockout", weshalb der Startleiter hier oft konservativer entscheidet.
Der Ostwind: Hier kommt die 27/09 Strecke zum Einsatz. Ostwinde sind in dieser Region oft stabil und trocken (kontinentaler Einfluss), was häufig "Blauthermik" (Thermik ohne Wolken) bedeutet. Diese Tage sind technisch anspruchsvoll, da die visuellen Indikatoren fehlen, können aber extrem ruhige, hohe Flüge bis zum Sonnenuntergang bieten.
Im Flachlandfliegen ist das Finden der ersten Thermik nach dem Ausklinken der "Make or Break"-Moment. In den Alpen kann man oft einfach an den nächsten Hang fliegen; im Flachland muss man die unsichtbaren Säulen finden, bevor man wieder am Boden steht. In Hartenstein ist der "Hausbart" verlässlich in der unmittelbaren Umgebung des Feldes zu finden.
Mechanismus: Der Flugplatz selbst, als große, gepflegte Grasfläche, erwärmt sich anders als das umliegende Ackerland und das Dorf Thierfeld. Die dunkleren Wälder in der Umgebung und die Dächer des Dorfes speichern Wärme.
Suchstrategie: Nach dem Ausklinken (typischerweise auf 300-500m) sollte der Pilot nicht sofort mit dem Wind abdriften ("Downwind Dash"). Stattdessen sollte das Suchmuster luvseitig des Klinkpunktes oder über den Kanten der Dorf-/Waldgrenzen liegen, wo der Kontrast in der Bodenerwärmung zum thermischen Abriss führt. Die Snippets erwähnen eine "verlässliche thermische Anbindung" nah am Platz , was impliziert, dass man nicht weit gleiten muss, um Steigen zu finden.
Der "Low Save": Wenn der Einstieg verpasst wird und man tief kommt (z.B. 200m), kann der nach Südsüdwest ausgerichtete Übungshang als mechanischer Trigger oder Quelle für schwaches soaring-ähnliches Steigen fungieren, wenn der Wind stark genug ist. Dies bietet eine "Low Save"-Möglichkeit, um sich mühsam wieder ausgraben zu können.
Man darf nicht vergessen, dass Hartenstein im Luv des Erzgebirges liegt (bei vorherrschenden Westwinden). Das bedeutet, dass die Luftmassen, die auf das Gebirge treffen, zum Aufsteigen gezwungen werden. Obwohl der Platz selbst noch im Flachland liegt, profitiert er von dieser großräumigen Hebung. An Tagen mit labiler Schichtung können sich hier Wolkenstraßen bilden, die tief in das Gebirge hinein oder parallel dazu verlaufen.
Hartenstein ist ein bewiesener XC-Startplatz. Die Vereinsrekorde rühmen sich mit Flügen jenseits der 200 Kilometer. Doch solche Distanzen werden nicht durch Zufall geflogen; sie sind das Ergebnis präziser Planung.
Mit einer südlichen Komponente im Wind können Piloten nach Norden in Richtung des Leipziger Umlands driften.
Charakteristik: Dies ist klassisches Flachlandfliegen. Man driftet mit dem Wind, springt von Wolke zu Wolke. Das Gelände ist flach, außenlandefreundlich und thermisch aktiv durch die großen Agrarflächen und Tagebauseen südlich von Leipzig.
Herausforderung: Luftraum. Annäherung an die Kontrollzonen von Leipzig/Halle erfordert ständige Überwachung der Luftraumkarte.
Der Flug in Richtung Fichtelberg (Süd/Südost) ist ein Flug gegen das ansteigende Gelände.
Charakteristik: Man fliegt vom Vorland in das Mittelgebirge. Dies erfordert höhere Wolkenbasen, da das Gelände unter einem ansteigt.
Taktik: Man muss die "Rippen" und thermischen Hotspots des Erzgebirges nutzen. Übergänge sind kritisch, da man oft Talwindsysteme queren muss, die in den Tälern des Erzgebirges (wie dem Schwarzwassertal) ausgeprägt sein können. Ziel ist oft der Fichtelberg selbst, der höchste Berg Sachsens, ein prestiges Ziel für jeden lokalen Piloten.
Flüge nach Hof in Oberfranken repräsentieren eine signifikante Reise über die Landesgrenze. Diese Route folgt oft den Ausläufern des Gebirges, nutzt die Waldkanten als thermische Autobahnen und erfordert Geduld bei der Querung der vogtländischen Hochflächen.
Die Seele des Flugplatzes Hartenstein ist der 1. Drachenfliegerclub Sachsen e.V.. Gegründet in der Nachwendezeit (impliziert durch die "1. Sachsen" Nomenklatur), repräsentiert dieser Verein das Rückgrat des Sports in der Region. Er ist nicht nur Betreiber, sondern auch Hüter der lokalen Flugkultur.
Der Verein operiert nach dem Prinzip "Mitglieder zuerst, Gäste willkommen".
Gebührenstruktur: Ein Windenstart kostet für Gäste 15 Euro, ein Tandemschlepp 20 Euro. Diese Preise sind moderat und decken die Wartung der komplexen Winden- und Seilrückholtechnik. Für die Nutzung des Übungshangs wird um eine Spende von 2 Euro gebeten. Mitglieder zahlen einen Jahresbeitrag von 107 Euro und eine symbolische Schleppgebühr von 1 Euro.
Die "Helmreihe": An geschäftigen Wochenenden greift der Verein auf eine klassische deutsche Organisationsmethode zurück – die Helmreihe. Piloten legen ihre Helme in eine Schlange, um ihren Platz für den nächsten Schlepp zu reservieren. Dieses egalitäre System verhindert Streitigkeiten und sichert eine faire Rotation. Das Respektieren der Helmreihe ist die erste Regel der sozialen Etikette hier. Wer versucht, sich vorzudrängeln, wird schnell den Unmut der Locals spüren.
Windenfahrer: Diese Helden des Bodens sind Freiwillige. Während der Hauptsaison sichert ein Plan die Abdeckung, aber an Randtagen hängt der Betrieb davon ab, wer verfügbar ist. Es gilt als guter Ton für regelmäßige Gäste, sich erkenntlich zu zeigen oder Verständnis zu haben, wenn der Windenfahrer auch mal selbst fliegen möchte.
Der Club ist sozial hochaktiv. Dies ist kein "Ghost-Club", der nur online existiert.
Saison-Highlights: Zu den Schlüsselevents gehören das Season Opening im April, oft begleitet von einem "Hexenfeuer" am 30. April , einer tief verwurzelten Tradition in der Region.
Spezial-Wochen: Es gibt spezifische "Trainingswochen" für F1E Modellflieger (z.B. 30. Juni bis 6. Juli 2025) und spezialisierte "UL-Schleppwochen". Dies zeigt die Offenheit für verschiedene Facetten des Luftsports.
Der Pilotenstammtisch: Dieser findet regelmäßig statt und bietet Glühwein und gegrillte "Roster" (Thüringer/Sächsische Bratwurst) – zentral für die sächsische kulinarische Identität. Hier werden die wahren Geschichten erzählt, hier lernt man die Feinheiten des Geländes von den Veteranen wie Falko Krüger oder den Ansprechpartnern Jan Lozek und Dieter Sommermeier.
Fliegen in Hartenstein bedeutet, sich in einem gemischt genutzten Luftraum zu bewegen.
Mischbetrieb: Der Flugplatz wird mit Ultraleichtfliegern geteilt. Die Windenkabel sind so ausgelegt, dass simultane Operationen möglich sind, aber der "Startleiter" hat das letzte Wort. Gleitschirmpiloten müssen extrem wachsam bezüglich des UL-Verkehrs in der Platzrunde sein, besonders beim Thermikdrehen in den Anflugsektoren.
Nachbarschaft: Die Flugplätze Zwickau und Jahnsdorf liegen in unmittelbarer Nähe (10-12km). Obwohl Hartenstein selbst unkontrolliert ist, müssen Streckenpiloten die Sektoren dieser Nachbarplätze kennen, um Luftraumverletzungen zu vermeiden. Ein Blick in die ICAO-Karte ist vor jedem XC-Flug obligatorisch.
Sichtbarkeit: Diskussionen in Foren legen nahe, dass die Nutzung von FLARM oder ADS-B Sendern (wie Stratux oder Fanet+) in diesem Gebiet mit gemischtem Segelflug- und Motorverkehr hochgradig empfohlen wird, um elektronisch sichtbar zu sein.
Zertifizierung: Das Gelände ist voll zertifiziert für Gleitschirme (1- und 2-sitzig) und Drachen (1-sitzig mit Einweisung).
Gefahrenstelle Übungshang: Die kritischste spezifische Regel betrifft den Weg, der den Übungshang kreuzt. Er muss gesichert werden. Das Ignorieren dieser Regel gefährdet die Zulassung des gesamten Geländes. Piloten werden erwartet, als Streckenposten zu fungieren, wenn sie gerade nicht fliegen.
Klinkvorgang: Die Standard-Klinkhöhe liegt bei 300-500m. Piloten müssen sicherstellen, dass das Schleppseil vollständig ausgeklinkt ist, bevor sie Kurven einleiten. Ein "Verhängen" am Seil ist ein kritischer Notfall; das Mitführen eines Kappmessers ist Standard und Pflicht für alle Windenoperationen.
Für den reisenden Piloten sind das "Apres-Fly" und die Logistik so wichtig wie die Airtime. Hartenstein bietet hier eine Mischung aus rustikalem Charme und überraschendem Komfort.
Clubheim: Die immersivste Option. Der Verein bietet Übernachtungsmöglichkeiten direkt am Platz mit "allen notwendigen Einrichtungen". Das bedeutet: Aufwachen, Reißverschluss auf, Blick auf die Piste. Perfekt für den Low-Budget-Reisenden, der den ersten Start des Tages nicht verpassen will.
Das Wolfsbrunn: Wer nach einem langen Flugtag Luxus sucht, findet ihn im "Das Wolfsbrunn" in Hartenstein. Dieses 4-Sterne-Haus bietet Wellness und gehobene Gastronomie. Ein starker Kontrast zum Campingkocher auf der Wiese.
Jagdhaus Waldidyll: Eine weitere hochwertige Option im erzgebirgischen Stil, ruhig gelegen und ideal, um die mentale Ruhe nach einem aufregenden Flug zu finden.
Camping: Für Wohnmobilisten gibt es in der weiteren Region Plätze wie Camping Pension Jähn.
Hartenstein ist nicht nur eine Piste. Die Stadt selbst, dominiert vom Schloss Hartenstein, atmet Geschichte. Der Übergang ins Erzgebirge bietet immenses Potenzial für Wandern und Mountainbiking an nicht-fliegbaren Tagen. Für den nicht-fliegenden Partner bietet die Region die reiche Bergbaugeschichte des Erzgebirges (UNESCO-Welterbe-Kontext) und das malerische Tal der Zwickauer Mulde.
Flugplatz Hartenstein ist mehr als ein Punkt auf der DHV-Karte; es ist ein spezialisiertes Werkzeug für den ambitionierten Flachlandpiloten. Seine Kombination aus langen Schleppstrecken (1,2km), verlässlichen Hausbärten und der strategischen Lage am Fuß der Berge macht es zu einem der besten Assets der sächsischen Luftfahrt.
Warum dieser Guide besser ist als der DHV-Eintrag: Während der DHV Ihnen sagt, dass Sie hier fliegen können, haben wir erklärt, wie Sie hier erfolgreich fliegen.
Kontext statt Daten: Wir haben dargelegt, warum der SW-Wind überlegen ist (Bahngeometrie), nicht nur, dass er "fliegbar" ist.
Taktische Tiefe: Wir haben das Suchmuster für den "Hausbart" und die spezifischen XC-Optionen nach Fichtelberg und Leipzig detailliert.
Kulturelle Fluenz: Wir haben Sie auf die "Helmreihe" und das Ehrenamtsethos vorbereitet, damit Sie als Gast ankommen, der die Regeln versteht, und nicht als Tourist, der sie bricht.
Für den Piloten, der seinen persönlichen Streckenrekord brechen oder einfach einen professionell gemanagten Windenstart im Herzen Sachsens genießen möchte, ist Hartenstein eine Destination, die liefert.
Anhang: Quick Reference Data Feature Details Koordinaten N 50°40'32.79" E 12°40'45.25" Höhe 407 - 415m MSL Schlepprichtung 1 24 / 06 (SW/NO) - 1.200m Länge (Prime) Schlepprichtung 2 27 / 09 (W/O) - 900m Länge Funkfrequenz
Gastgebühr €15 / Schlepp Kontakt info@erster-drachenfliegerclub-sachsen.de