
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
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Der Ultimative Pilotenguide: Feldflugplatz Blankenhain & Das Flugrevier Weimarer Land Executive Summary: Entscheidungshilfe für Piloten
Für den ambitionierten Gleitschirm- und Drachenpiloten, der abseits der überfüllten Alpen-Hotspots nach fliegerischer Qualität und technischer Herausforderung sucht, stellt das Fluggebiet um Blankenhain im Herzen Thüringens eine faszinierende, wenn auch komplexe Destination dar. Dieser Report analysiert das Fluggebiet Feldflugplatz Blankenhain (Altdörnfeld) sowie seine Satelliten-Startplätze Nordhang und Hochdorf in einer Tiefe, die weit über die knappen Informationen der DHV-Geländedatenbank hinausgeht.
Kernaussage: Blankenhain ist kein "Fast-Food-Fluggebiet". Es ist ein strategisches Revier für Piloten, die bereit sind, sich mit Windenbetrieb, sensiblen Luftraumstrukturen (CTR Erfurt) und landwirtschaftlichen Restriktionen auseinanderzusetzen. Die Belohnung sind thermisch starke Tage über dem Thüringer Becken, beeindruckende Streckenflugoptionen Richtung Saaletal und eine lebendige, fachkundige Community des DGFC Jena e.V.
Eignungsprofil:
Anfänger (A-Schein): Ja, aber nur unter strikter Aufsicht und Einweisung. Der Windenstart ist technisch fordernd, und die thermischen Zyklen im Frühjahr können heftig sein.
Streckenflieger (XC): Exzellent. Das Gelände bietet bei West- und Ostlagen Einstiege in weite Flachlandstrecken, erfordert aber disziplinierte Luftraumbeobachtung.
Genussflieger: Bedingt. Die Logistik (Seilrückholung, Windenbetrieb) erfordert Teamarbeit. Wer "hochfahren und abgleiten" will, ist hier falsch. Wer "Gemeinschaft und Technik" sucht, ist hier richtig.
Um das fliegerische Potenzial von Blankenhain zu verstehen, muss man zunächst die geografische Lage im Kontext des Thüringer Beckens betrachten. Wir befinden uns hier nicht im Hochgebirge, wo Talwinde und Hangthermik die dominanten Motoren sind, sondern in einer klassischen Mittelgebirgs- und Hügellandschaft, die ihre ganz eigenen aerologischen Gesetze hat.
Das Fluggebiet liegt im Landkreis Weimarer Land, südlich der Kulturstadt Weimar und östlich der Landeshauptstadt Erfurt. Die Landschaft ist geprägt von weiten, offenen Ackerflächen, unterbrochen von kleineren Waldstücken und sanften Hügelzügen. Diese Topografie ist der Schlüssel zur Thermikqualität:
Thermik-Generatoren: Die großen, oft dunkelgründigen Ackerflächen (Schwarzerde-Böden) heizen sich bei Sonneneinstrahlung extrem schnell auf. Anders als im Gebirge, wo Felskanten als Abrisskanten dienen, lösen die Thermikblasen hier oft an Waldrändern, kleinen Geländestufen oder über Siedlungen (wie Altdörnfeld selbst) ab.
Windfluss: Die relative Offenheit des Geländes sorgt für einen meist laminaren Windfluss, besonders aus westlichen Richtungen. Es gibt wenig vorgelagerte Hindernisse, die den Wind "zerhacken" würden, bevor er den Startplatz erreicht. Dies ist ein enormer Vorteil für den Windenbetrieb, der auf konstanten Gegenwind angewiesen ist.
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, "Blankenhain" als einen einzigen Startplatz zu betrachten. Tatsächlich handelt es sich um ein integriertes System aus drei Startmöglichkeiten, die vom lokalen Verein, dem Drachen- und Gleitschirmfliegerclub Jena e.V. (DGFC Jena), betreut werden. Diese Redundanz macht das Gebiet so wertvoll: Fällt eine Option durch Winddrehung oder Landwirtschaft weg, steht oft eine Alternative bereit.
Feldflugplatz Altdörnfeld (Die Basis): Das Hauptgelände für den Windenbetrieb. Hier findet das Vereinsleben statt, hier werden die großen Strecken geflogen.
Nordhang (Die Herausforderung): Ein klassischer Soaring-Hang, der jedoch aufgrund seiner Exponiertheit und der landwirtschaftlichen Nutzung unterhalb der Kante fliegerische Disziplin erfordert.
Hochdorf (Die Reserve mit Auflagen): Ein Ausweichgelände für Windenstarts, das jedoch stark reglementiert ist (Naturschutz).
Lassen Sie uns tief in die Details des Hauptstartplatzes eintauchen. Hier verbringen die meisten Piloten ihre Zeit, und hier entscheidet sich oft der Flugtag.
Der Platz ist offiziell als Schleppgelände zugelassen.
Koordinaten Startplatz: N 50°50'09.12" E 11°22'58.94". Es empfiehlt sich, diese Koordinaten exakt ins Vario oder Fluginstrument einzuspeichern, da die Zufahrt über Feldwege nicht immer intuitiv ist.
Höhe über Meeresspiegel (MSL): 439 Meter. Diese Höhe ist strategisch wichtig. Im Herbst und Winter liegt Altdörnfeld oft knapp über der zähen Nebelschicht, die sich im tieferliegenden Tal der Ilm oder Saale hält. Ein Start bei strahlendem Sonnenschein über dem Nebelmeer ist ein unvergessliches Erlebnis, erfordert aber zwingend Bodensicht für den Windenfahrer und eine Landemöglichkeit im Nebelfreien.
Schleppstrecke: Die verfügbare Schlepplänge beträgt beeindruckende 1.000 Meter.
Implikation für Piloten: Eine Faustregel im Windenbetrieb besagt, dass man bei guten Bedingungen etwa 30% bis 50% der Seillänge als Ausklinkhöhe erreichen kann. In Blankenhain bedeutet dies realistische Ausklinkhöhen von 300 bis 450 Metern über Grund. Das ist mehr als genug Arbeitshöhe, um thermischen Anschluss zu suchen. Bei starkem Gegenwind und gutem "Vorfliegen" am Seil sind auch Höhen von 500m+ keine Seltenheit.
Der Platz ist für Ost (O) und West (W) zugelassen.
Westwind-Betrieb: Dies ist der Standardfall in Mitteleuropa. Der Wind streicht hier meist sauber über die leicht welligen Hügel. Der Start erfolgt Richtung Westen, der Pilot wird also "gegen" den Wind Richtung Osten gezogen.
Vorteil: Man wird direkt in Richtung der potenziellen XC-Route (Saaletal, Jena) geschleppt. Nach dem Ausklinken hat man den Wind im Rücken für die erste Strecken-Option.
Ostwind-Betrieb (Die "Bise"): Ostlagen sind oft stabiler und thermisch zäher ("Blauthermik"). Der Start erfolgt Richtung Osten.
Herausforderung: Bei Ostwind fliegt man nach dem Ausklinken oft gegen den Wind zurück Richtung Erfurt/Weimar, was aufgrund der Luftraumstruktur (siehe Kapitel 8) problematisch sein kann. Hier ist taktisches Fliegen gefragt: Höhe machen und dann entscheiden, ob man gegen den Wind vorankommt oder sich mit dem Wind nach Westen (Vorsicht CTR!) treiben lässt – was meist keine Option ist.
Der DHV-Eintrag vermerkt "Mobile Abrollwinde? Nein" , was auf den Einsatz einer stationären Winde hindeutet. Das hat erhebliche logistische Konsequenzen für den Gastpiloten:
Seilrückholung: Da die Winde fest steht (oder am Ende der Schleppstrecke positioniert wird), müssen die Seile nach jedem Schlepp (oder nach einer Serie) mit einem Rückholfahrzeug (Lepro) zum Startplatz zurückgezogen werden.
Teamarbeit: In Blankenhain fliegt niemand allein. Der Betrieb funktioniert nur, wenn genügend Piloten da sind, um die Rollen Startleiter, Windenfahrer, Seilrückholer und Starthelfer zu besetzen. Als Gast ist es eine Frage der Ehre und des guten Tons, sich aktiv einzubringen – sei es beim Seile einhängen oder beim Fahren des Rückholwagens (nach Einweisung).
Obwohl Windenstarts oft als "einfach" gelten, ist Blankenhain kein reines Anfängergelände.
Thermik-Einstieg: Die Thermik löst oft aggressiv von den dunklen Ackerböden ab. Ein Windenstart mitten in eine durchziehende Thermikblase kann zu rapidem Druckanstieg am Seil oder seitlichem Ausbrechen führen. Piloten müssen die "Sollbruchstelle" im Kopf haben und aktiv fliegen.
Landeplatz: Die Landung erfolgt in der Regel am Startplatz (Start = Landung). Das Gelände ist riesig, aber landwirtschaftlich genutzt. Unebenheiten, Fahrspuren von Traktoren oder Weidezäune sind reale Gefahren. Eine saubere Landeeinteilung (Volte) ist Pflicht, auch wenn der Platz verlockend groß wirkt.
Nur 2,8 km vom Schleppgelände entfernt liegt der "Nordhang". Er ist das Kontrastprogramm zur technischen Winde: Ein Stück pure Natur, das fliegerische Freiheit verspricht, aber politische Sensibilität erfordert.
Der Nordhang ist eigentlich ein NNW-Hang (Nord-Nord-West).
Höhe: 395 m MSL. Die Höhendifferenz ist gering, oft nur 30-50 Meter "echte" Kante, bevor das Gelände in die Ebene ausläuft.
Funktionsweise: Der Hang funktioniert fast ausschließlich über Soaring im dynamischen Hangaufwind, unterstützt durch thermische Ablösungen.
Windfenster: Das Fenster ist klein. Zu wenig Wind (unter 10-12 km/h) reicht nicht zum Soaren. Zu viel Wind (über 20-25 km/h) macht den Start an der flachen Kante gefährlich und führt zu Lee-Effekten durch Baureihen oder Sträucher am Rand.
Der kritischste Punkt am Nordhang ist nicht die Fliegerei, sondern die Landung.
Der Landeplatz: Ein Grasband von ca. 200m Breite unterhalb der Kante.
Die Felder (No-Go-Area): Direkt angrenzend befinden sich intensiv genutzte Ackerflächen der LPG Rottdorf. Der Status dieser Felder entscheidet über die Fliegbarkeit.
Bestellte Felder (Frühjahr/Sommer): Wenn hier Getreide, Raps oder Mais steht, ist eine Außenlandung im Feld absolut verboten. Ein Pilot, der aus "Not" im hohen Weizen landet, verursacht nicht nur Flurschaden, sondern gefährdet die Zulassung des gesamten Geländes.
Konsequenz: Wer am Nordhang fliegt, wenn die Felder bestellt sind, muss toplanden können. Beherrschen Sie das Toplanden nicht zu 100% bei bockigem Wind, bleiben Sie am Boden oder gehen Sie an die Winde.
Aufstieg: Der Weg zurück zum Start darf nur am Waldrand erfolgen. Das Queren der Felder ("Abkürzung") ist die todsichere Methode, den Zorn der Landwirte auf sich zu ziehen.
Starttechnik: Der Startplatz ist oft flach. Bei starkem Wind ist eine solide Rückwärtsstart-Technik (Cobrastart) essenziell, um nicht ausgehebelt zu werden.
Soaring-Regeln: Da das nutzbare Band schmal ist (ca. 200m Breite), gelten hier verschärfte Ausweichregeln. "Hang rechts vor Hang links" und "Überholen immer hangabgewandt" sind hier keine Theorie, sondern Überlebensstrategien, wenn sich 5 Schirme auf engstem Raum tummeln.
Hochdorf ist das "Backup", aber eines mit vielen Sternchen im Regelwerk.
Lage: Ca. 4,5 km westlich vom Feldflugplatz.
Startrichtungen: WSW (West-Süd-West) und ONO (Ost-Nord-Ost). Dies bietet eine leichte Winkel-Variation zu Altdörnfeld.
Schleppstrecke: Mit 1.680 Metern ist die Schleppstrecke hier sogar noch länger als in Altdörnfeld! Das ermöglicht theoretisch gigantische Ausklinkhöhen.
Restriktionen (Der Haken):
Brutzeit-Sperre: Vom 1. Februar bis zum 1. Mai herrscht generelles Flugverbot zum Schutz von Baumfalke und Rotmilan.
Kontingent: Max. 30 Flugtage pro Jahr. Dies macht Hochdorf zu einem Exklusiv-Gelände, das nicht immer offen ist.
Feldweg-Sicherung: Ein Feldweg quert die Schleppstrecke und muss gesichert werden (Posten aufstellen!).
Einheimische Piloten schauen nicht nur auf die App, sie lesen die Landschaft. Hier sind die meteorologischen Feinheiten, die über "Saufen" oder "Steigen" entscheiden.
Frühjahr (März - Mai): Die Raps-Falle Im Frühjahr heizt sich der Boden auf. Thüringen ist Raps-Land. Wenn im Mai alles gelb blüht, sieht das schön aus, ist aber thermisch tückisch.
Physik: Gelbe Rapsblüten haben eine hohe Albedo (Rückstrahlvermögen). Sie reflektieren das Sonnenlicht, statt es in Wärme umzuwandeln.
Tipp: Meiden Sie beim Thermiksuchen die leuchtend gelben Felder. Suchen Sie stattdessen nach dunklen, gepflügten Äckern ("Schwarzerde"), Waldkanten oder Ortsrändern (Altdörnfeld, Rottdorf). Diese speichern die Wärme besser.
Sommer (Juni - August): Hohe Basis, weiche Bärte Die Thermik wird weiträumiger. Die Inversionen steigen oft auf über 2000m. Jetzt sind die langen XC-Flüge möglich. Allerdings steigt auch die Gewittergefahr im Thüringer Becken am Nachmittag rapide an.
Herbst (September - Oktober): Die Inversions-Saison Stabile Hochdrucklagen bringen oft Ostwind ("Goldener Oktober"). Die Thermik ist schwach, aber das Soaring am Nordhang (wenn die Felder abgeerntet sind!) hat jetzt Hochkonjunktur.
Die "Böhmische" Gefahr: Bei südöstlichen Lagen kann, obwohl selten so weit nördlich, ein Einfluss des Böhmischen Windes spürbar sein, der über das Erzgebirge schwappt. In Blankenhain äußert sich das oft durch zerrissene Thermik und eine niedrige Inversion.
Leewirkung am Nordhang: Bei Winden, die zu stark westlich (W) oder östlich (O) auf den Nordhang treffen, entstehen an den seitlichen Waldrändern massive Turbulenzen ("Rotoren"). Ein Blick auf die Windfahnen an beiden Seiten des Hangs ist obligatorisch. Zeigen sie unterschiedliche Richtungen? Bleiben Sie am Boden!
Verlassen Sie sich nicht auf Apps, die interpolierte Daten aus Erfurt anzeigen. Nutzen Sie die Messwerte vor Ort:
Holfuy Station Blankenhain (ID 1120): Diese Station steht direkt am Startplatz Altdörnfeld auf 430m.
Alarmzeichen: Wenn die Böen (Gusts) hier dauerhaft über 25-30 km/h gehen, wird der Schleppbetrieb meist gefährlich oder eingestellt.
Link:(https://holfuy.com/de/weather/1120).
Windfinder Superforecast: Für das Thüringer Becken hat sich das 7x7km Modell des Superforecasts als erstaunlich präzise erwiesen, besonders um das Aufbrechen von Inversionen vorherzusagen.
Dies ist der technisch wichtigste Abschnitt dieses Reports. Eine Unachtsamkeit hier kann Ihre Lizenz kosten.
Der Flughafen Erfurt-Weimar (EDDE) besitzt eine Kontrollzone (CTR), deren östlicher Rand bedrohlich nahe an Blankenhain liegt.
Horizontale Ausdehnung: Die CTR erstreckt sich weit nach Osten. Blankenhain liegt zwar außerhalb der CTR (südöstlich), aber bei Ostwind fliegt man auf sie zu.
Vertikale Struktur: Über dem Startplatz beginnt der Luftraum oft schon in niedrigeren Höhen gestaffelt zu werden (TMA Erfurt).
Die 30-Tage-Regel (Hochdorf): Eine der Auflagen für Hochdorf ist die explizite Einweisung in die CTR Erfurt für jeden Piloten. Das zeigt, wie sensibel das Thema ist.
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie starten in Altdörnfeld bei leichtem Ostwind an der Winde. Sie finden Thermik und steigen auf 1.500 Meter. Der Ostwind versetzt Sie langsam nach Westen.
Gefahr: Sie driften direkt in den Anflugsektor von Erfurt.
Lösung: Bei Ostwind muss der Flugweg nach dem Ausklinken entweder stationär (gegen den Wind vorhalten) oder nach Süden (Richtung Rudolstadt/Saalfeld) angelegt werden, um Distanz zur CTR zu wahren.
Aufgrund der Nähe zum Verkehrsflughafen und der regen Segelflugaktivität (Flugplatz Schöngleina ist in der Nähe!) ist ein FLARM-Gerät oder zumindest ein Fanet+ Gerät dringend empfohlen. Segelflieger sind oft schnell und lautlos unterwegs; elektronische Sichtbarkeit ist Ihre Lebensversicherung.
Blankenhain ist ein exzellenter Ausgangspunkt für Flachland-Streckenflüge (Flatland XC). Hier sind die bewährten Routen:
Dies ist die "Rennstrecke".
Start: Windenstart in Altdörnfeld bei Westwind.
Verlauf: Lassen Sie sich mit dem Wind nach Osten treiben. Die Route führt über Kahla und die Leuchtenburg Richtung Gera.
Wegpunkte:
Leuchtenburg: Ein markantes Schloss auf einem Bergkegel südöstlich von Jena. Sie funktioniert oft als thermischer Trigger.
Jena: Die Stadt selbst erzeugt eine "Heat Island", aber Vorsicht vor den Lee-Effekten der Kernberge und des Jenzig , wenn Sie zu tief kommen.
Ziel: Gera oder sogar weiter Richtung Sachsen.
Für Piloten, die FAI-Dreiecke schließen wollen.
Start: Altdörnfeld.
Schenkel 1: Gegen den Westwind oder mit Seitenwind nach Süden in den Thüringer Wald hinein (Richtung Bad Blankenburg).
Schenkel 2: Entlang des Thüringer Waldes nach Westen (Ilmenau). Dies ist schwierig, da der Wald oft "absaugt" und die Basis über den Bergen anders ist als im Flachland.
Schenkel 3: Mit dem Wind zurück nach Blankenhain.
Herausforderung: Der Übergang vom Flachland (Weimarer Land) in das Mittelgebirge (Thüringer Wald) ist aerologisch komplex. Oft steht an den ersten Hängen des Waldes eine Konvergenz, die man nutzen kann.
Ein Blick in die Flugdatenbank zeigt: Flüge über 100 km sind von Blankenhain möglich, wenn auch seltener als in den Alpen. Die meisten großen Strecken werden als "One-Way" mit Rückenwind geflogen.
Anreise mit PKW: Von der A4 (Abfahrt Weimar oder Apolda) geht es auf die B85 nach Blankenhain.
Nach Altdörnfeld: Im Ort Blankenhain Richtung Altdörnfeld abbiegen. Die Straße wird schmaler.
Parken: Parken Sie nicht direkt auf der Wiese, wenn es nicht explizit angewiesen wird. Nutzen Sie befestigte Flächen am Rand der Wirtschaftswege oder die ausgewiesenen Parkplätze des Vereins, um Konflikte mit Landwirten zu vermeiden.
Shuttle: Es gibt keinen kommerziellen Shuttle. Die Rückholung vom Landeplatz (XC) muss privat organisiert werden ("Trampen" funktioniert in Thüringen leidlich gut, aber ÖPNV ist lückenhaft).
Der Betreiber ist der Schlüssel zu allem.
Gastfreundschaft: Der Verein ist bekannt für seine Offenheit, aber er erwartet Disziplin.
Tagesmitgliedschaft: Gastpiloten müssen eine Tagesmitgliedschaft erwerben (oft ca. 5-10 Euro). Dies dient der Versicherung und dem Erhalt des Geländes. Anmeldung meist vor Ort beim Startleiter oder online checken.
Einweisung: Ohne Einweisung (CTR, Landevolte, Landwirtschaft) kein Start. Suchen Sie aktiv den Kontakt zu den Vereinsmitgliedern am Startplatz.
Seilriss in Bodennähe: Aufgrund der Topografie und thermischen Ablösungen kann es zu Spannungsspitzen im Seil kommen.
Prävention: Nicht "festkrallen" an den Tragegurten. Hände bremsbereit. Bei Riss sofort nachdrücken!
Landung im Lee (Nordhang): Piloten unterschätzen, dass bei Seitenwind die Baumreihen am Nordhang weite Leewirbel auf den Landeplatz werfen.
Kollisionen im Soaring-Band: Am Nordhang ist wenig Platz. Wenn 10 Schirme in der Luft sind, ist die Kapazitätsgrenze erreicht.
Standortbestimmung: Speichern Sie die Koordinaten N 50°50'09.12" E 11°22'58.94" (Altdörnfeld) und N 50°50'46.67" E 11°20'51.17" (Nordhang/Übungshang) in Ihrem Handy. Im Stressfall können Sie dem Rettungsdienst so exakte Daten geben.
Rettungskette:
Notruf 112.
Erste Hilfe leisten.
Startbetrieb sofort einstellen (Startleiter informieren).
Luftraum freimachen (für Rettungshubschrauber Christoph 70 aus Jena oder Christoph 60 aus Suhl).
Nach dem Flug bietet die Region Kultur und Erholung auf hohem Niveau.
Local Hero: Die echte Thüringer Rostbratwurst. In Blankenhain und Umgebung gibt es zahlreiche Stände. Ein Muss nach dem Flug.
Vereins-Treffpunkt: Der DGFC Jena trifft sich traditionell zum Stammtisch in der "Grünen Tanne" in Jena (Karl-Liebknecht-Straße 1). Wer Kontakte knüpfen will, sollte am ersten Montag des Monats dort vorbeischauen (19:00 Uhr).
Gehobene Küche: Das Schloss Blankenhain und das nahegelegene Spa & Golf Resort Weimarer Land bieten gehobene Gastronomie für den Piloten, der etwas zu feiern hat (z.B. den ersten 100er).
Pension Ilmhof (Bad Berka): Eine beliebte Adresse für Aktivurlauber, nur wenige Kilometer entfernt. Bad Berka als Kurstadt bietet zudem gute Infrastruktur (Supermärkte, Apotheken).
Camping: Wildcampen am Flugplatz ist in Deutschland generell problematisch und in Blankenhain nicht offiziell vorgesehen (keine Sanitäranlagen am Feld). Der nächste offizielle Campingplatz ist am Stausee Hohenfelden (ca. 15 Min Fahrt). Dort gibt es auch die Avenida-Therme – der perfekte Ort, um durchgefrorene Knochen nach einem langen Frühjahrsflug wieder aufzuwärmen.
Kultur: Weimar (15 km) ist UNESCO-Weltkulturerbe. Goethe-Haus, Schiller-Haus, Bauhaus-Museum. Ein Regentag in Weimar ist kein verlorener Tag.
Jena: Planetarium, Botanischer Garten und das optische Museum (Zeiss).
Zum Abschluss die "Gold Nuggets" für Ihren Besuch:
Der "Abend-Thermik-Trick": An heißen Sommertagen schläft der Wind oft gegen 18:00 Uhr ein, aber die großen Ackerflächen um Altdörnfeld geben noch massiv Wärme ab. Es entsteht eine großflächige, ruhige "Magic Lift"-Zone ("Restitution"). Man kann oft bis Sonnenuntergang (Sunset 16:19 im Winter, 21:30 im Sommer ) sanft Höhe halten.
Die "Jenzig-Alternative": Wenn in Blankenhain der Südwind zu stark ist (Föhn?), fahren die Locals oft zum Jenzig in Jena. Das ist der Hausberg der Jenaer. Ein steiler Hang, der bei Südwind Soaring ermöglicht, wenn Altdörnfeld (O/W) nicht geht. Fragen Sie die Locals nach dem "Jenzig", wenn der Wind auf Süd dreht!
Vorsicht vor dem "Weizen-Labyrinth": Im Sommer steht das Getreide um den Landeplatz Nordhang oft meterhoch. Wenn Sie dort absaufen, finden Sie Ihren Schirm im hohen Korn kaum wieder – und der Bauer findet Sie schneller, als Ihnen lieb ist. Merken Sie sich vor der Landung markante Punkte (Bäume, Strommasten) am Feldrand zur Peilung.
Fazit
Der Feldflugplatz Blankenhain und seine Satelliten sind ein fliegerisches Kleinod in Ostdeutschland. Sie bieten keine "Rundum-Sorglos-Garantie" wie eine Alpenbahn mit geteerter Landewiese. Sie fordern den ganzen Piloten: Meteorologisches Gespür, technische Fertigkeit an der Winde, Disziplin im Luftraum und Respekt vor der Landwirtschaft.
Wer diese Herausforderung annimmt, wird mit ehrlichen, oft spektakulären Flügen über der geschichtsträchtigen Landschaft Thüringens belohnt. Packen Sie das FLARM ein, studieren Sie die ICAO-Karte und bringen Sie Zeit für die Gemeinschaft mit – dann wird Blankenhain Sie nicht enttäuschen.
Glück ab, gut Land und immer eine Handbreit Luft unter dem Kiel!