
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Duchroth Nord: Der ultimative Guide für den anspruchsvollen Piloten – Ein Juwel im Nahetal Einführung: Das mikroklimatische Wunder an der Nahe
Es gibt Fluggebiete, die durch ihre schiere Größe bestechen, durch Seilbahnen, die tausende Piloten auf hochalpine Startplätze befördern, und durch eine Infrastruktur, die eher an einen Freizeitpark erinnert als an einen Ort der Naturverbundenheit. Und dann gibt es Orte wie Duchroth. Versteckt im südlichen Hunsrück, dort, wo sich das Rheinische Schiefergebirge dramatisch zur Nahe hinabneigt, liegt ein fliegerisches Kleinod, das in der breiten Masse der Gleitschirmflieger oft nur als Randnotiz existiert. Doch für den Kenner, den Feinschmecker unter den Piloten, ist Duchroth Nord mehr als nur ein weiterer Eintrag in der DHV-Geländedatenbank. Es ist ein komplexes aerodynamisches Puzzle, eingebettet in eine der thermisch interessantesten Regionen Deutschlands.
Dieser Report ist kein flüchtiger Überblick. Er ist eine tiefgehende Analyse, geschrieben aus der Perspektive eines Piloten, der den Anspruch hat, das Gelände nicht nur zu befliegen, sondern zu verstehen. Wir werden die physikalischen Gesetzmäßigkeiten des "Nahe-Düseneffekts" sezieren, die psychologischen Hürden des Startplatzes beleuchten und die ungeschriebenen Gesetze der lokalen Community offenlegen. Wer Duchroth meistern will, muss mehr wissen als nur die GPS-Koordinaten. Er muss den Rhythmus der Weinberge spüren, die das mikroklimatische Herzstück dieses Fluggebietes bilden.
Duchroth ist ein Ort der Kontraste. Oben das raue Plateau des Gangelsbergs, unten das lieblich mäandernde Flusstal der Nahe. Dazwischen: Schiefergestein, Reben und Luftmassen, die bei den richtigen Bedingungen – und nur dann – magische Flüge ermöglichen. Dieser Guide zielt darauf ab, die Lücke zwischen den trockenen Fakten des offiziellen Geländehinweises und der lebendigen Realität vor Ort zu schließen. Wir tauchen tief ein in die Strategien für Streckenflüge (XC), analysieren die Gefahrenzonen im Lee der Hangkanten und liefern jene "Tribal Knowledge", die normalerweise erst nach Jahren der Zugehörigkeit zum lokalen Verein, dem Pfälzer Gleitschirm Club e.V., preisgegeben wird.
Um zu verstehen, warum Duchroth fliegt, wie es fliegt, müssen wir uns zunächst mit dem Untergrund beschäftigen. Die Geologie ist der Vater der Thermik, und im Nahetal ist dieser Vater besonders großzügig.
Das Nahetal schneidet sich tief in das nordpfälzische Bergland ein. Die Böden hier sind geprägt von vulkanischem Gestein (Rotliegendes) und dunklem Schiefer. Für den Gleitschirmflieger ist diese Information pures Gold wert. Dunkle Böden haben eine geringere Albedo, das heißt, sie absorbieren einen Großteil der Sonnenenergie, anstatt sie zu reflektieren.
Der Schiefer-Effekt: Die Weinberge unterhalb der Startplätze in Duchroth bestehen oft aus Schieferverwitterungsböden. Diese Steine speichern die Wärme extrem effizient. Bereits im Februar oder März, wenn die Lufttemperatur noch einstellig ist, können diese Hänge bei direkter Sonneneinstrahlung Oberflächentemperaturen von über 30 Grad erreichen.
Thermische Hysterese: Das Gestein gibt die Wärme zeitverzögert ab. Das bedeutet, dass Duchroth oft noch thermisch aktiv ist, wenn Wiesenstartplätze im Flachland längst "eingeschlafen" sind. Besonders am späten Nachmittag, wenn die Sonne flacher steht und frontal in die West- oder Nordwesthänge strahlt (obwohl Duchroth Nord nordausgerichtet ist, gibt es seitliche Einstrahlungseffekte), pulsiert die Restwärme aus dem Gestein.
Das Tal verläuft in dieser Sektion grob von West nach Ost, weist aber starke Mäander auf. Duchroth thront auf einem Plateau oberhalb einer dieser Schleifen. Diese Position ist exponiert und anfällig für Windsysteme.
Kanalisierung: Bei Ostwindlagen, die in Deutschland oft stabil und hochdruckgeprägt sind, wirkt das Nahetal wie ein Kanal. Die Luftmassen werden zwischen den Hunsrück-Ausläufern im Norden und dem Nordpfälzer Bergland im Süden komprimiert.
Die Beschleunigung: Ein überregionaler Ostwind von scheinbar harmlosen 10–15 km/h kann durch diesen Venturi-Effekt (Düseneffekt) im Tal und an den Abrisskanten auf 20–25 km/h beschleunigt werden. Dies ist besonders am Startplatz Gangelsberg (Ost) relevant, beeinflusst aber auch das Strömungsfeld am Nordstartplatz durch Umströmungseffekte.
Nordwind-Szenario: Bei Nordwind trifft die Luftströmung fast senkrecht auf die Hangkante von Duchroth Nord. Da das Tal hier tief eingeschnitten ist, wird die Luft gezwungen, über das Hindernis zu steigen. Dies erzeugt ein dynamisches Aufwindband, das erstaunlich laminar sein kann, solange keine thermischen Ablösungen das System stören.
Die Region um Bad Kreuznach und das mittlere Nahetal gehören zu den wärmsten und trockensten Gebieten Deutschlands. Der Hunsrück fängt als Barriere viele Niederschläge aus Westen ab ("Regenschatten").
Früher Saisonstart: Durch die geringe Niederschlagsmenge trocknen die Böden im Frühjahr schneller ab. Trockene Böden bedeuten bessere Sensible Wärmeströme (Thermik) und weniger Latente Wärmeströme (Verdunstung). Duchroth ist daher oft schon im März "XC-tauglich", während im Schwarzwald oder im Allgäu noch Schnee liegt.
Inversionsgefahr: Die Kessellage des Tals begünstigt in windschwachen Nächten die Bildung von Kaltluftseen. Es kann passieren, dass man oben am Startplatz in der Sonne steht und 20 km/h Wind hat, während im Tal noch zäher Nebel oder eine Kaltluftschicht liegt. Ein Blick auf Webcams im Tal ist daher essenziell, um nicht in die Suppe zu starten.
Der Fokus dieses Reports liegt auf Duchroth Nord, dem anspruchsvolleren und oft unterschätzten Bruder des bekannten Gangelsbergs. Hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen, was Schirmbeherrschung und Starttechnik angeht.
Die nackten Zahlen geben nur einen ersten Hinweis auf den Charakter des Geländes, sind aber für die Flugplanung unerlässlich.
Parameter Daten & Details GPS Startplatz
N 49°46'31.68" E 7°43'20.70"
GPS Landeplatz
N 49°46'45.52" E 7°43'05.97"
Höhe Startplatz ca. 290 - 300 m über NN Höhe Landeplatz ca. 130 m über NN Höhendifferenz ca. 160 m (effektiv nutzbare Höhe oft höher durch Thermikanschluss) Ausrichtung Exakt Nord (N), Toleranzbereich NNW bis NNO Eignung Gleitschirm (1- & 2-sitzig), Drachen (1-sitzig, beschränkt) Schwierigkeit Mittel (Anspruchsvoll bei Seitenwind oder starker Thermik)
Anders als auf großen Wiesenstartplätzen in den Alpen startet man in Duchroth Nord oft aus einer definierten Schneise oder von einer Wiesenfläche, die seitlich von Vegetation (Hecken, Bäume, Weinberge) begrenzt ist.
Der "Trichter-Effekt": Die Schneise kann den Wind kanalisieren. Steht der Wind leicht seitlich an, kann er in der Schneise "geradegerichtet" wirken, aber sobald der Pilot abhebt und die schützende Vegetation verlässt, trifft ihn die volle Seitenwindkomponente. Dies erfordert höchste Konzentration in der Startphase.
Neigung und Belag: Der Startplatz ist eine Wiese, die moderat geneigt ist, bevor sie steiler abfällt. Der Übergang ist kritisch. Bei wenig Wind muss der Pilot aggressiv laufen, um vor der Kante genügend Fahrt aufzunehmen. Ein "Heraushungern" des Schirms führt oft zum Absacken in die unterhalb liegenden Büsche oder Rebenzeilen – ein Albtraum für Material und das Verhältnis zu den Winzern.
Startabbruch: Die Entscheidung zum Startabbruch muss früh fallen. Wer zu lange zögert, findet sich im steileren Gelände wieder, wo ein geordneter Abbruch schwierig wird.
Das Gelände weist eine Besonderheit auf: Die Hangkante ist oft thermisch aktiv.
Die Abrisskante: Genau dort, wo die Wiese in den Steilhang übergeht, reißen oft Thermikblasen ab.
Das Szenario: Ein Pilot zieht auf, der Schirm steht gut. Er läuft los. Genau an der Kante trifft ihn eine Thermikblase.
Gefahr: Der Schirm wird plötzlich nach hinten entlastet oder schießt vor. Wer hier bremst, stallt den Schirm in Bodennähe. Wer nicht reagiert, bekommt einen Klapper.
Lösung: Aktives Fliegen beginnt in Duchroth schon beim Laufen. Bremse gefühlvoll führen, Körpervorlage beibehalten und niemals in das Gurtzeug springen, bevor man nicht mindestens 5-10 Meter Bodenfreiheit hat.
Der Zugang zu den Startplätzen in Duchroth ist mehr als nur ein Weg von A nach B. Er ist ein Filter. Da man nicht mit dem Auto vorfahren kann, reguliert sich der Pilotenandrang auf natürliche Weise. Doch die Logistik birgt Fallstricke, die schon vor dem Auspacken des Schirms zu Ärger führen können.
Es gibt im Fluggebiet Duchroth eine Regel, die über allem steht: Keine Autos in den Weinbergen.
Der offizielle Parkplatz: Piloten müssen ihre Fahrzeuge am Ortsrand von Duchroth abstellen. Die Referenz ist der Friedhof. Gegenüber dem Friedhof befindet sich ein Parkplatz, der als Basis dient.
GPS: Ca. N 49°46'40" E 7°43'10" (Ortsrand, gut erkennbar).
Kapazität: Ausreichend für normale Flugtage, an Top-Tagen kann es eng werden. Parken Sie platzsparend.
Die Versuchung: Der Weg zu den Startplätzen sieht auf der Karte aus wie ein befahrbarer Feldweg. Er ist oft asphaltiert oder gut geschottert. Widerstehen Sie der Versuchung. Diese Wege sind Arbeitsflächen der Winzer. Ein fremdes Fahrzeug blockiert Traktoren, Erntemaschinen oder den Zugang zu den Reben. Lokale Piloten und der Verein (Pfälzer Gleitschirm Club e.V.) reagieren hier mit absoluter Nulltoleranz, da dies die Existenzgrundlage des Fluggeländes gefährdet.
Vom Parkplatz aus beginnt der Fußmarsch. Es ist kein alpiner Aufstieg, eher ein Spaziergang mit Ausrüstung, aber er erfordert Zeitmanagement.
Route zum Startplatz Nord: Man verlässt den Ort in nördlicher Richtung. Der Weg führt durch eine offene Agrarlandschaft, vorbei an Weinreben.
Dauer: Planen Sie 15 bis 20 Minuten ein.
Gelände: Eben bis leicht wellig. Keine steilen Anstiege.
Ausrüstung: Ein normaler Packsack ist in Ordnung, aber ein leichteres Gurtzeug macht den Tag entspannter, besonders wenn man (was in Duchroth passieren kann) nach einem schnellen Absaufer noch einmal hochlaufen möchte.
Route zum Gangelsberg (Ost): Vom gleichen Ausgangspunkt orientiert man sich östlich. Der Weg ist klar definiert.
Wichtig: Verlassen Sie niemals die befestigten Wege. Abkürzungen quer durch Brachland oder Wiesen sind tabu. Dies ist nicht nur eine Höflichkeitsfloskel, sondern eine Naturschutzauflage. In den Randbereichen nisten Bodenbrüter, und das Zertrampeln der Vegetation führt zu Konflikten mit der Naturschutzbehörde.
Shuttle: Es gibt keinen organisierten Shuttle-Dienst. Das Gelände ist ein reines "Hike to Start"-Gebiet. Das Fehlen eines Shuttles ist ein bewusster Teil des Geländekonzepts und sorgt für Ruhe am Startplatz.
Öffentliche Verkehrsmittel: Die Anreise mit Bus und Bahn ist möglich, aber umständlich. Der nächste größere Bahnhof ist in Staudernheim oder Bad Sobernheim. Von dort müsste man theoretisch ein Taxi nehmen oder sehr weit laufen. Die Realität ist: Duchroth ist ein Auto-Ziel. Fahrgemeinschaften sind in der Szene üblich und werden dringend empfohlen, um den Parkdruck am Friedhof zu minimieren.
Duchroth zu fliegen heißt, ein komplexes Zusammenspiel von Wind, Thermik und Topographie zu managen. Wir analysieren hier die Bedingungen für den Nord-Startplatz, ziehen aber Vergleiche zum Ost-Start (Gangelsberg), da beide oft am selben Tag relevant sind.
Ideal: Konstanter Wind aus Nord (360°) mit 10 bis 15 km/h. Bei dieser Stärke trägt der Hang zuverlässig, und der Start ist einfach.
Grenzbereich unten (< 10 km/h): Der Start wird sportlich. Man muss sehr viel Energie in den Lauf legen. Die Gefahr, nach dem Start nicht sofort Steigen zu finden und in die untere Etage (Landeplatznähe) durchzusacken, ist hoch.
Grenzbereich oben (> 20 km/h): Hier zeigt Duchroth Zähne. Durch die Schneisensituation und die Kante kann der Wind im Startbereich turbulent sein. Rückwärtsaufziehen ist absolute Pflicht. In der Luft kann der Wind durch den Düseneffekt lokal noch stärker sein als am Boden gemessen. Achten Sie auf die Vorwärtsfahrt!
No-Go: Westwind. Kommt der Wind zu sehr aus West (z.B. NW), liegt der Nordstartplatz im Lee von vorgelagerten Strukturen. Es bilden sich Turbulenzen ("Rotoren"), die unsichtbar und gefährlich sind. Auch Südwind ist natürlich nicht fliegbar (Rückenwind), aber weniger gefährlich, da man gar nicht erst startet.
Das Soaringband in Duchroth Nord ist schmaler und technischer als an vielen anderen Hängen.
Die "Kante": Das beste Steigen findet man meist direkt an der Hangkante, dort wo der Wind durch die Topographie nach oben gezwungen wird.
Die "Bremse": Fliegen Sie nicht zu weit ins Tal hinaus ("Vorfliegen"), es sei denn, Sie kreisen in einer Thermik. Das dynamische Steigen lässt mit zunehmendem Abstand zum Hang rapide nach. Wer 50 Meter zu weit vorfliegt, findet sich oft im Sinken wieder und schafft den Anschluss an den Hang nicht mehr.
Wende-Technik: Wenden Sie immer vom Hang weg. Das klingt trivial, ist aber hier kritisch. Da man oft nah an den Bäumen oder Reben fliegt, führt eine Wende zum Hang hin ("in den Hang hinein") bei plötzlichem Sinken oder einer Böe direkt in die Vegetation. Halten Sie immer einen Fluchtweg offen Richtung Tal.
Duchroth ist der Einstieg in das Streckenfliegen im Naheland.
Thermikquellen:
Die Weinberge: Die primäre Thermikquelle. Sie lösen oft pulsierend ab. Achten Sie auf Vögel (Greifvögel), die über den Reben kreisen.
Der Waldrand: Oft steht eine zuverlässige Bartablösung am Übergang von Weinberg zu Wald, genau dort, wo sich der Albedo-Wert des Untergrunds ändert.
Typische Routen:
Kleine Hausrunde: Start am Nordplatz, Höhe machen, rüberqueren zum Gangelsberg (Ost), dort soaren/thermikfliegen und zurück. Vorsicht: Zwischen den Hängen kann es sinken oder turbulent sein (Düseneffekte um die Ecken).
Streckenflug (XC): Bei guter Basis und Nordwind kann man Richtung Süden/Südwesten fliegen (mit dem Wind). Die Route führt über das Nordpfälzer Bergland. Flüge bis 30–60 km sind dokumentiert. Die Herausforderung ist der Luftraum und das oft zerrissene Gelände mit vielen Waldflächen, die keine Landemöglichkeiten bieten.
Beste Jahreszeit: Eindeutig das Frühjahr (März bis Mai). Die "Hammer-Tage" sind oft die instabilen Rückseitenlagen nach Kaltfrontdurchgängen im April, wenn die Luft klar ist und der Temperaturgradient hoch.
Hier verlassen wir den Bereich der offiziellen Handbücher. Die folgenden Informationen basieren auf Beobachtungen, Forendiskussionen und der gelebten Praxis der "Locals".
Ein klassischer Fehler von Gastpiloten ist das "Alpen-Timing". In den Alpen startet man oft erst gegen 13 Uhr, wenn die Basis hoch ist. In Duchroth ticken die Uhren anders.
Der "Early Bird" gewinnt: Im Frühjahr zündet die Thermik in den Schieferhängen oft schon um 10:30 oder 11:00 Uhr. Zu dieser Zeit ist die Luft noch laminarer, und man kann sich "vom Boden weg" hocharbeiten. Wer erst um 13 Uhr kommt, findet oft zerrissene, bockige Thermik oder einen überfüllten Luftraum vor.
Abend-Soaring: Im Sommer (Juni/Juli) ist der Abendflug ("Magic Air") legendär. Ab 17:00 oder 18:00 Uhr lässt die aggressive Thermik nach, und der Hang gibt die gespeicherte Wärme großflächig ab ("Restitution"). Man kann dann oft stundenlang butterweich im Sonnenuntergang soaren.
Gangelsberg (Ost): Hier ist Top-Landen auf dem Plateau hinter dem Startplatz möglich und üblich. Es gibt ausreichend Platz. Aber Vorsicht: Bei starkem Wind bildet sich hinter der Kante ein Lee/Rotor. Landen Sie weit genug hinten, aber nicht im Rotorbereich.
Duchroth Nord: Hier ist Top-Landen extrem schwierig und gefährlich. Der Bereich hinter dem Startplatz ist oft begrenzt, durch Bäume verstellt oder liegt im Lee. Versuchen Sie als Gastpilot keine Toplandung am Nordplatz. Planen Sie immer den Flug zum offiziellen Landeplatz unten im Tal ein. Der Versuch, oben "reinzuzwicken", endet oft in den Büschen oder mit Verletzungen.
Das DHV-Wetter ist gut, aber lokal oft zu ungenau für die Nahe-Mikroklimata.
Die Holfuy-Falle: Die Stationen (z.B. Holfuy 187) sind oft offline oder liefern keine Daten. Verlassen Sie sich nicht darauf.
Triangulation: Nutzen Sie Webcams aus Bad Kreuznach (Blick ins Nahetal) und Oberhausen, um Nebel zu checken. Prüfen Sie Windwerte von Stationen auf den freien Höhen des Hunsrücks (z.B. Erbeskopf oder Stationen bei Simmern), aber rechnen Sie damit, dass der Wind im Tal durch den Düseneffekt stärker sein kann.
Die "Hindenburgblick"-Regel: Wenn die nahegelegene Station "Hindenburgblick" bereits Böen über 25 km/h meldet, brauchen Sie gar nicht erst loszufahren. Duchroth ist dann meist unfliegbar ("blown out").
Fluggebiete in Deutschland sind fragile Ökosysteme aus Pachtverträgen, Naturschutzauflagen und Goodwill der Anwohner. Duchroth ist hier keine Ausnahme. Ein Verstoß gegen die folgenden Regeln ist kein Kavaliersdelikt, sondern gefährdet das gesamte Fluggebiet.
Es gibt einen Zeitraum im Jahr, in dem Duchroth quasi in den "Hard-Mode" schaltet.
Zeitraum: 1. April bis 31. Juli (Kernbrutzeit).
Die Auflage: In dieser Zeit ist das Fliegen nur mit unbeschränktem Luftfahrerschein (B-Schein) gestattet.
Der Grund: Schutz von bodenbrütenden Vogelarten und Greifvögeln, die in den Felsnischen und Hecken der Hänge nisten.
Die Konsequenz für den Flugstil: Während der Brutzeit ist "hangnahes Kratzen" verboten. Piloten müssen zügig Höhe machen und Abstand zum Relief halten. Wer sich stundenlang in Baumwipfelhöhe am Hang entlanghangelt, stört die Brut. Daher die B-Schein-Pflicht: Man traut nur erfahrenen Piloten zu, diese Flugtaktik sicher umzusetzen und thermisch effizient wegzufliegen, statt am Hang zu "kleben".
Kontrolle: Rechnen Sie damit, dass lokale Piloten oder Beauftragte des Vereins Ihren Schein sehen wollen. Wenn Sie nur A-Schein haben: Kommen Sie im August wieder oder weichen Sie auf Gebiete ohne diese Auflage aus.
Duchroth liegt im Luftraum G (unkontrolliert) bis zu einer Höhe von 2500 ft GND (bzw. in Abhängigkeit der genauen Sektoren E).
ED-R und CTR: Östlich von Duchroth beginnt der Einflussbereich der CTR Bad Kreuznach (falls aktiv) und militärischer Übungsgebiete (TRA). Ein Blick auf die aktuelle ICAO-Karte ist vor jedem Flug Pflicht.
Tiefflug: Achten Sie auf militärische Tiefflieger (Jets/Transporter), die das Nahetal gelegentlich als Übungsstrecke nutzen (unter der Woche).
Status: Gäste sind willkommen, müssen sich aber anmelden/zahlen.
Gebühr: Aktuell 5,00 € pro Tag.
Bezahlung: Prüfen Sie den Aushang am Startplatzkasten. Oft gibt es Umschläge oder mittlerweile QR-Codes für PayPal. "Schwarzfliegen" ist in der kleinen Community sofort auffällig.
Limit: Es gilt eine Obergrenze von 15 Piloten gleichzeitig in der Luft. Wenn es voll ist, warten Sie am Boden. Ein überfülltes Aufwindband ist gefährlich und stressig.
Das Nahetal ist eine der schönsten Weinregionen Deutschlands. Der Flugtag endet nicht mit der Landung.
Straußwirtschaften: In Duchroth und Oberhausen öffnen Winzer saisonal ihre Höfe. Das ist die authentischste Art zu essen: Spundekäs, Winzersteak und lokaler Riesling zu sehr fairen Preisen. Achten Sie auf die Besen/Schilder an der Straße.
Landhotel Niederthäler Hof: Etwa 2 km entfernt. Gehobene Küche, schöne Terrasse, ideal für ein Abendessen nach einem langen Flugtag.
Gasthaus Herrenhof (Staudernheim): Rustikal, gutbürgerlich, perfekt für den großen Hunger.
Camping Nahetal (Oberhausen): Die Top-Adresse für Flieger mit Zelt oder Camper. Der Platz liegt direkt an der Nahe, ist sehr gepflegt und nur wenige Fahrminuten vom Parkplatz Duchroth entfernt. Man trifft hier oft andere Piloten.
Ferienwohnungen: In Duchroth selbst gibt es einige private Anbieter. Wer Ruhe sucht, ist hier richtig. Für mehr Nightlife (sofern vorhanden) ist Bad Kreuznach die bessere Wahl.
Flugschulen: Vor Ort direkt in Duchroth gibt es keine permanente Flugschule mit Basis am Hang, aber Schulen aus der Region (z.B. Hirondelle oder Schulen aus dem Rhein-Main-Gebiet) nutzen das Gelände zur Schulung (sofern erlaubt und Bedingungen passen).
Alternativgelände:
Odernheim (Weilerkopf): Nur 4 km entfernt. Geht bei NW-N. Oft eine Ausweichoption, wenn der Wind für Duchroth zu westlich ist.
Humberg: Eher für südliche Richtungen, aber anspruchsvoller.
Duchroth Nord ist kein Gelände für den absoluten Anfänger am ersten Tag nach der Prüfung, der "betreutes Fliegen" sucht. Es erfordert Selbstständigkeit in der Startentscheidung, Disziplin bei den Regeln und eine solide Schirmbeherrschung beim Start und im Soaring.
Für den fortgeschrittenen Piloten (Intermediate bis Pro) ist es jedoch ein Traum. Die Kombination aus technischem Anspruch, thermischem Potenzial und landschaftlicher Schönheit sucht im Mittelgebirge ihresgleichen. Wer die Brutzeit beachtet, die Winzer respektiert und den "Code der Locals" versteht, wird hier Flüge erleben, die in Erinnerung bleiben – sei es der erste 30-km-XC über den Hunsrück oder das meditative Soaren im goldenen Licht der Abendsonne über den Reben.
Quick-Check: Die wichtigsten Daten auf einen Blick Kategorie Detail Beste Windrichtung Nord (N) für Duchroth Nord; Ost (O) für Gangelsberg Windfenster 10 – 15 km/h (Idealbereich) Kritische Regel 01.04. – 31.07.: B-Schein Pflicht! Gastgebühr 5,00 € / Tag Parken Ausschließlich am Friedhof Duchroth (GPS beachten!) Gefahren Westwind (Lee), Toplanden am Nordstart (schwierig), Düseneffekt Notfall Tel: 112 (Rettungspunkt-Nummer am Parkplatz notieren) Export to Sheets
Fliegen Sie sicher, respektieren Sie die Natur und genießen Sie den Riesling danach.