
1 Startplatz, 0 Landeplatzätze
Ausführliche Recherche und lokales Wissen
Fluggebiet Donnersdorf: Das Große Kompendium für Flachland-Streckenflieger Executive Summary: Das exklusive Tor zum Steigerwald
Donnersdorf ist weit mehr als nur ein lokaler Übungshang – es ist ein strategischer Schlüsselpunkt für den ambitionierten Streckenflug in Unterfranken. Oft verwechselt mit dem fast namensgleichen, aber topografisch völlig unterschiedlichen "Donnersberg" in der Pfalz, handelt es sich bei Donnersdorf im Landkreis Schweinfurt (Bayern) um ein spezialisiertes Winden-Schleppgelände, das den Einstieg in die thermischen Rennstrecken des Steigerwalds ermöglicht.
Dieses Kompendium richtet sich an Piloten, die verstehen wollen, wie man die komplexe Aerologie des Main-Tals nutzt, um vom Flachland (250 m NN) auf die Höhenzüge des Steigerwalds (ca. 500 m NN) zu wechseln. Donnersdorf ist kein "Walk-in-and-Fly"-Gelände für den spontanen Durchreisenden. Es ist ein hochreglementiertes Sonderstartgelände, das vom Verein Schweinfurter Gleitschirmfreunde e.V. mit großer Hingabe und strikter Disziplin betrieben wird.
Die Exklusivität dieses Geländes definiert sich durch eine harte regulatorische Grenze: Die "25-Tage-Regel". Mit einer behördlichen Begrenzung auf maximal 25 Flugtage pro Jahr wird der Flugbetrieb hier zu einem kuratierten Ereignis, das nur an Tagen mit exzellenten Erfolgsaussichten aktiviert wird. Dies garantiert zwar fast schon statistisch gute Bedingungen, erfordert aber vom Gastpiloten ein hohes Maß an Planungsfähigkeit und Kommunikation.
Die Kernfakten für die Entscheidung:
Typologie: Reines Winden-Schleppgelände (Flachlandstart) mit mobiler Abrollwinde.
Alleinstellungsmerkmal: Eine massive Schleppstrecke von ca. 1.800 Metern. Dies ermöglicht im Gegensatz zu Standard-Schleppstrecken (oft nur 800-1000 m) extrem ruhige Schleppphasen und Ausklinkhöhen von bis zu 450 Metern über Grund, was die Chance auf den thermischen Anschluss signifikant erhöht.
Sicherheitskritischer Faktor: Das Gelände liegt in unmittelbarer Proximität zum (ehemaligen) Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Das dortige Flugbeschränkungsgebiet (ED-R 23) verzeiht keine Navigationsfehler. Luftraumverletzungen werden radargestützt verfolgt und strafrechtlich geahndet.
Status: Nur mit Einweisung, vorheriger Anmeldung und in Anwesenheit des Vereins nutzbar.
XC-Potenzial: Hoch. Der "Donnersdorf-Sprung" zum Zabelstein ist der Beginn vieler weiter Flüge Richtung Bamberg oder Würzburg.
Um Donnersdorf fliegerisch zu meistern, muss man zunächst die Geografie verstehen. Das Gelände liegt nicht im Steigerwald, sondern davor. Diese Unterscheidung ist essenziell für die Flugtaktik.
Die genaue Lokalisierung ist entscheidend, da das Gelände in gängigen Navigations-Apps oft nicht als "Startplatz" markiert ist, sondern sich auf temporär genutzten landwirtschaftlichen Wegen befindet. Anders als bei einem festen Bergstartplatz variiert der exakte Startpunkt je nach Windrichtung entlang der riesigen Schleppachse.
Zentraler Referenzpunkt (Schleppstrecke):
Koordinaten: N 49°58'11.23" E 10°24'11.44".
Diese Koordinaten markieren die Mitte des Flugbetriebs. Piloten sollten diesen Punkt für die Anfahrt nutzen, sich dann aber vor Ort an den Fahrzeugen des Vereins orientieren.
Höhenprofil:
Startplatzhöhe: ca. 250 m MSL (Mean Sea Level).
Topografischer Charakter: Wir befinden uns hier im flachen Schweinfurter Becken, einer Ebene, die sich nördlich des Steigerwald-Traufs erstreckt. Der Boden ist geprägt von intensiver Landwirtschaft (Äcker, Wiesen), was thermisch von Vorteil ist.
Relevante Höhendifferenz: Der entscheidende Faktor ist nicht die Höhe des Startplatzes, sondern die Höhendifferenz zum Zabelstein (489 m MSL), der etwa 4-5 Kilometer südlich liegt. Der Pilot muss also nach dem Ausklinken (auf ca. 600-700 m MSL) diese Distanz überbrücken und dabei genügend Höhe bewahren, um am Zabelstein über Gratniveau anzukommen.
Die Dimension der Schleppstrecke in Donnersdorf ist ein technisches Highlight. Mit 1.800 Metern Länge gehört sie zur Oberklasse der deutschen Schleppgelände.
Physikalische Vorteile:
Sanfterer Anstieg: Bei kurzen Strecken muss der Windenfahrer oft viel Zugkraft aufbauen, um den Piloten schnell auf Höhe zu bringen ("Steigen um jeden Preis"). Auf 1,8 Kilometern kann der Schlepp flacher und damit sicherer und materialschonender erfolgen.
Klinken in der Thermik: Die lange Strecke erhöht die Wahrscheinlichkeit, während des Schlepps eine Thermikblase zu durchfliegen. Erfahrene Windenfahrer in Donnersdorf erkennen dies ("Seilzug lässt nach") und können den Piloten gezielt dort "parken" oder den Schlepp optimieren.
Stufen-Schlepp: Bei dieser Länge ist sogar ein Stufenschlepp theoretisch einfacher umsetzbar, auch wenn er selten notwendig ist, da 450 Meter Arbeitshöhe meist für den Anschluss reichen.
Für den ortsunkundigen Piloten bietet die Umgebung klare Auffanglinien:
Westen: Die Silhouette des stillgelegten KKW Grafenrheinfeld (Kühltürme sind gesprengt, aber die Anlage ist sichtbar) und die Bundesstraße B286.
Süden: Die massive, bewaldete Wand des nördlichen Steigerwalds mit dem markanten Aussichtsturm auf dem Zabelstein.
Norden: Die Ortschaft Donnersdorf selbst und dahinter die Autobahn A70.
Das Verständnis der lokalen Meteorologie unterscheidet in Donnersdorf den Piloten, der nach 10 Minuten wieder am Boden steht, von dem, der auf Strecke geht.
Donnersdorf ist ein monodirektionales Gelände in Bezug auf die optimale Leistung.
Ideale Windrichtung: NNO bis N (Nord-Nordost bis Nord).
Warum NNO?
Schleppausrichtung: Die Wege verlaufen so, dass bei NNO der Wind exakt auf die Nase steht. Seitenwindkomponenten erhöhen das Risiko beim Startlauf und reduzieren die Ausklinkhöhe drastisch.
Thermische Drift: Dies ist der wichtigste Punkt. Bei Nordwind driftet der Pilot nach dem Ausklinken automatisch Richtung Süden – also genau dorthin, wo der Steigerwald (der "Hausberg") wartet. Man wird quasi zur Thermikquelle hingeschoben.
Akzeptable Abweichungen:
NO (Nordost): Noch gut fliegbar, erfordert aber beim XC-Flug einen Vorhaltewinkel, um nicht zu weit westlich am Zabelstein vorbeigedrückt zu werden.
NW (Nordwest): Problematisch. Ein Drift nach Südosten führt weg vom optimalen Einstieg am Zabelstein und drückt den Piloten potenziell näher an die Luftraumbeschränkungen heran.
No-Go Bedingungen: Südwind. Bei Südwind steht man im Lee des Steigerwalds. Auch wenn der Wind am Boden schwach erscheint, können in der Höhe (im Schlepp) Turbulenzen durch die Rotoren des Waldes auftreten. Zudem würde man nach dem Klinken vom Wald weggetrieben, mitten ins "Nichts" der Ebene.
Im Flachland funktionieren die Uhren anders als in den Alpen.
Startzeit: Während man in den Bergen oft schon um 10:00 Uhr startet, ist im Flachland Geduld gefragt. Der Boden muss erst Feuchtigkeit abgeben und sich aufheizen.
Prime Time: 12:00 Uhr bis 15:30 Uhr. In diesem Fenster lösen sich die verlässlichsten Blasen ab.
Abendthermik: An späten Frühlingstagen kann es bis 18:00 Uhr "tragen", oft in Form von großflächigem, sanftem Steigen (Umkehrthermik), das besonders für Genussflieger herrlich ist.
Trigger-Punkte (Abrisskanten):
Die Ortschaft Donnersdorf: Die dunklen Dächer und der Asphalt heizen sich schneller auf als die umgebenden Felder. Oft steht der "Hausbart" direkt über dem Dorf oder leicht leeseitig davon.
Waldkanten: Der Übergang von Feld zu Wald (Richtung Falkenstein) ist ein klassischer Auslöser.
Farbkontraste: Achten Sie beim Schlepp auf die Felder unter Ihnen. Der Wechsel von hellem Getreide zu dunklem Brachland ist oft der Ort, wo die Blase abreißt.
Frühling (April/Mai): Die beste Zeit. Der Temperaturgradient (Lapse Rate) ist hoch, die Luft ist oft labil geschichtet. Hier sind die Basishöhen am besten (oft über 2000 m).
Sommer: Die Vegetation (Mais, Weizen) steht hoch. Das erschwert Außenlandungen massiv (siehe Regeln) und die Thermik kann durch Inversionen gedeckelt sein ("Blauthermik").
Herbst: Oft sehr stabil. Gut für Abgleiter und Schulung, aber XC ist schwierig.
Die Logistik in Donnersdorf ist "Hemdsärmelig aber Hochprofessionell". Es gibt keine feste Infrastruktur wie Gebäude am Startplatz, alles ist mobil.
Die Anreise erfolgt in der Regel über die Autobahn A70, Ausfahrt Donnersdorf.
Navigation: Geben Sie "Falkenstein" oder "Donnersdorf" ins Navi ein. Fahren Sie nicht blindlings auf Feldwege.
Parken: Dies ist ein sensibler Punkt. Landwirte reagieren (zu Recht) allergisch auf blockierte Zufahrten.
Regel: Parken Sie ausschließlich auf den vom Flugleiter oder Vereinsmitgliedern zugewiesenen Flächen. Meist wird ein Randstreifen eines breiten Weges oder ein abgemähtes Wiesenstück als Parkplatz definiert.
Niemals: Auf der Schleppstrecke selbst parken!
Der Verein nutzt eine moderne, mobile Abrollwinde auf einem Fahrzeug oder Anhänger.
Ablauf für Gastpiloten:
Anmeldung: Melden Sie sich sofort nach Ankunft beim Startleiter. Zeigen Sie Lizenz und Versicherungsnachweis unaufgefordert vor.
Einweisung: Lassen Sie sich in die Besonderheiten des Geländes und die heute gültige Schleppstrecke einweisen. Fragen Sie nach der aktuellen Windrichtung und dem Landeplatz.
Startreihe: Reihen Sie sich ein. Helfen Sie anderen beim Auslegen. In Donnersdorf gilt das Prinzip der Solidarität: Wer hilft, fliegt auch.
Rückholung: Da Start und Winde bis zu 1,8 km auseinander liegen, gibt es ein Rückholfahrzeug (Lepo), das die Seile zum Startplatz zurückbringt.
Ehrensache: Bieten Sie an, eine Schicht als Lepo-Fahrer zu übernehmen. Das verschafft Ihnen Respekt bei den Locals und Einblicke in den Betrieb.
Da man mit dem Auto (nach Absprache zum Ausladen) fast bis an den Startpunkt fahren kann, gibt es keine nennenswerten Fußwege. Die Herausforderung ist eher, nach einer Außenlandung zurückzukommen. Ein Funkgerät oder Handy zur Organisation der Rückholung ist essenziell.
In diesem Kapitel sezieren wir den Flug in seine Phasen. Hier liegt der Schlüssel zum XC-Erfolg.
Der Start auf der Ebene erfordert saubere Technik.
Startlauf: Bei Nullwind müssen Sie rennen. Nutzen Sie den Vorwärtsdrang konsequent, bis der Schirm trägt. Setzen Sie sich nicht zu früh ins Gurtzeug ("Sackfluggefahr").
Steigphase: Genießen Sie den langen Schlepp. Korrigieren Sie die Richtung sanft. Achten Sie auf das Vario. Wenn es plötzlich stark steigt (z.B. 4 m/s integriert) und der Seilzug nachlässt, fliegen Sie wahrscheinlich in eine Thermik ein.
Pro-Tipp: Signalisieren Sie das (falls vereinbart) oder klinken Sie aktiv aus, wenn Sie sicher sind, den Bart zu haben. Aber Vorsicht: Klinken unter Zug ist gefährlich -> erst Entlastung abwarten ("Wippen" oder Funkkommando).
Sie hängen nun auf ca. 450 m über Grund. Was tun?
Plan A (Der Bart steht am Start): Sie haben beim Schlepp Thermik gespürt. Drehen Sie sofort nach dem Klinken um und suchen Sie den Bart. Versatz beachten! Der Bart ist mit dem Wind gewandert.
Plan B (Die Drift zum Wald): Sie finden nichts. Nutzen Sie den Nordwind. Fliegen Sie mit Rückenwind Richtung Süden auf den Zabelstein zu. Suchen Sie auf dem Weg dorthin aktiv nach Hebern über den dunklen Waldrändern oder Ortschaften (Falkenstein).
Plan C (Das Absaufen): Wenn Sie auf 150-200 m sinken, brechen Sie die Suche ab und orientieren Sie sich zum Landeplatz/Startplatz. Eine Außenlandung weit weg vom Startplatz bedeutet mühsames Laufen.
Dies ist die kritische Passage für Streckenflieger.
Wie in der Grafik dargestellt, ist der Zabelstein der "Heilige Gral".
Die Taktik: Sie müssen am Zabelstein idealerweise über Gipfelhöhe ankommen oder zumindest so hoch, dass Sie die thermisch aktive Süd- oder Westflanke (je nach Sonnenstand) erreichen können.
Der Fehler: Viele fliegen zu direkt und kommen zu tief im Lee des Waldes an.
Die Lösung: Nutzen Sie die Waldkanten vor dem Zabelstein als Treppenstufen. Jeder Meter Höhengewinn über der Ebene zählt.
Donnersdorf verzeiht keine Nachlässigkeit im Luftraum. Die Nähe zum Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (ED-R 23) ist der bestimmende Sicherheitsfaktor.
Auch wenn das Kraftwerk abgeschaltet ist, besteht das Flugbeschränkungsgebiet weiter.
Status: Dauerhaft aktiv (H24).
Dimensionen:
Horizontal: Kreis mit Radius 0.8 NM (Nautische Meilen) entspricht ca. 1,5 km.
Zentrum: N 49°59'02" E 10°11'03".
Vertikal: GND (Boden) bis 2700 ft MSL (ca. 823 m).
Gefahrenszenario: Bei Ostwind oder beim unachtsamen Kreisen im Westen des Fluggebiets kann man schnell in diesen 1,5 km Radius hineindriften.
Konsequenz: Ein Einflug ist eine Straftat (§ 62 LuftVG). Radadaten werden ausgewertet. Es drohen hohe Geldstrafen und der Lizenzentzug.
Handlungsempfehlung: Programmieren Sie einen Proximity-Alarm in Ihr Vario (z.B. Skytraxx/Oudie) auf 1,0 NM um das Zentrum. Nutzen Sie die Kühltürme (bzw. den Standort) als visuelle "Todeszone".
Neben dem ED-R gibt es biologische Sperrzonen, deren Verletzung den Fortbestand des Fluggeländes gefährdet.
Vogelschutzgebiet Garstadt:
Lage: Südlich des KKW Grafenrheinfeld im Maintal. Eine Seenlandschaft.
Regel: Überflugverbot und striktes Landeverbot. Hier brüten seltene Wasservögel und Röhrichtbewohner. Störungen, besonders durch tieffliegende Gleitschirme (Schattenwurf!), sind fatal.
Mainaue zwischen Haßfurt und Eltmann:
Typ: Life-Natur-Projekt.
Regel: Überflug meiden, Landung verboten.
Alter und Neuer See bei Mönchstockheim:
Lage: Landkreis Schweinfurt.
Regel: Landeverbot.
Warum ist das so streng? Der DHV und der Verein haben diese Flugerlaubnis nur unter strengen Umweltauflagen erhalten (siehe "Auflagen" im DHV-Eintrag ). Ein einziger Pilot, der "aus Versehen" im Naturschutzgebiet landet, weil er die Strecke ausreizen wollte, kann zur sofortigen Schließung des Geländes führen.
Hintergrund: Die Begrenzung auf 25 Flugtage ist ein Kompromiss mit dem Naturschutz und der Jagdgenossenschaft.
Was bedeutet das für Sie?
Der Verein wird einen Flugtag nur ausrufen ("aktivieren"), wenn die Wetterprognose sehr gut ist.
Es gibt keine "Spaßflüge" an grauen Tagen. Wenn in Donnersdorf geflogen wird, ist "Flugwetter".
Kommunikation: Prüfen Sie die Website oder Facebook-Seite der Schweinfurter Gleitschirmfreunde am Vorabend. Fahren Sie niemals ohne Bestätigung los.
Wer den "Sprung" zum Zabelstein geschafft und Basis erreicht hat, dem steht Franken offen.
Richtung: Südosten.
Verlauf: Vom Zabelstein immer entlang der Waldkante des Steigerwalds Richtung Ebrach und weiter Richtung Bamberg.
Vorteil: Man hat fast immer Wald unter sich (zuverlässige Thermikquelle) und Außenlandewiesen im Vorland in Gleitdistanz.
Luftraum: Achten Sie auf den Luftraum C von Nürnberg und die Kontrollzone (CTR) von Bamberg (EDQA), falls Sie sehr weit kommen.
Richtung: Südwesten.
Verlauf: Über die Ebene Richtung Volkach und Mainschleife.
Herausforderung: Hier fehlt der Wald als Leitlinie. Man muss "Wolken lesen" und Feldkanten nutzen.
Belohnung: Traumhafte Aussichten auf die Weinberge der Volkacher Mainschleife.
Beste Thermikquelle: Der Steinbruch in der Nähe von Donnersdorf (falls aktiv besonnt) und die Südhänge des Zabelsteins am späten Nachmittag.
Fehler der Neulinge: Zu langes "Basteln" in schwachem Steigen über der Ebene. Wenn es nicht mit min. 1 m/s geht, treibt der Wind Sie nur weg vom Startplatz ohne Höhengewinn. Treffen Sie Entscheidungen schnell: Steigen oder Landen.
Webcams: Nutzen Sie die Webcam am Zabelstein. Sie zeigt oft Nebel im Tal an, während oben die Sonne scheint (Inversion). Wenn der Zabelstein frei ist, lohnt die Anfahrt.
Der Fliegertag in Franken endet traditionell nicht mit dem Einpacken, sondern mit dem Einkehren.
Das Steigerwaldstüble in Falkenstein (Adresse: Falkenstein 16, 97499 Donnersdorf) ist das Herzstück des sozialen Fliegerlebens.
Status: Inoffizielles Clubheim. Hier trifft man den Vorstand und die Windenfahrer.
Das "Lande-Bier": Ein Muss. Hier werden Fluganalysen ausgetauscht und Kontakte für den nächsten Flugtag geknüpft.
Küche: Bodenständige fränkische Küche (Brotzeiten, Schnitzel) und lokale Weine. Preislich sehr fair.
Unterkunft: Das Haus bietet als "Pension Garni" und mit Ferienwohnungen die ideale Übernachtungsmöglichkeit direkt am "Geschehen". Wer hier schläft, verpasst morgens kein Briefing.
Falls das Steigerwaldstüble belegt ist:
Gerolzhofen: Die nahegelegene Stadt bietet Hotels wie das "Hotel Weinstube" oder einfachere Pensionen.
Camping: Wildcampen ist strikt verboten (Naturschutz!). Nutzen Sie offizielle Campingplätze am Main (z.B. bei Volkach) oder fragen Sie im Steigerwaldstüble nach Stellmöglichkeiten für Camper.
Sollte der Wind drehen oder zu stark werden, bietet die Region exzellente Alternativen:
Aussichtsturm Zabelstein: Der neu errichtete Turm (19 Meter hoch) bietet einen phänomenalen Rundblick. Nutzen Sie dies für "Terrainkunde". Prägen Sie sich von oben die Landewiesen und Waldkanten ein.
Baumwipfelpfad Steigerwald: Bei Ebrach. Ein Naturerlebnis in 40 Metern Höhe.
Geomaris Gerolzhofen: Ein modernes Freizeitbad mit Saunalandschaft – perfekt zum Entspannen nach einem anstrengenden Flugtag (oder zum Aufwärmen nach einem kalten Frühjahrs-Schlepp).
Weinwanderung: Die Region um Donnersdorf ist Weinland. Eine Tour durch die Weinberge (z.B. Stollburg) rettet jeden fliegerisch verlorenen Tag.
Bevor Sie den Schirm auspacken, gehen Sie diese Punkte durch. Ein Verstoß schadet nicht nur Ihnen, sondern der gesamten Community.
Mindesthöhe: Nach dem Start so schnell wie möglich 400 m GND erreichen. Kein unnötiges Tieffliegen über Ortschaften oder Naturschutzgebieten.
Außenlandungen: Nur auf gemähten Wiesen oder Stoppelfeldern. Absolutes Tabu: Hohes Gras, Getreide, Mais. Wenn Sie in bestelltem Acker landen, melden Sie sich sofort beim Landwirt und regeln Sie den Flurschaden. Fahrerflucht führt zum Geländeverlust.
Schlepp-Disziplin: Einmündende Feldwege müssen gesichert sein. Achten Sie auf Radfahrer oder Wanderer. Der Schlepp wird sofort abgebrochen, wenn Personen den Sicherheitsbereich betreten.
Geländehalter: Schweinfurter Gleitschirmfreunde e.V..
Webseite: www.fly-sw.de (Prüfen Sie hier aktuelle Ampelregelungen oder Gästebuch-Einträge).
Kontakt: Versuchen Sie, über Facebook oder E-Mail vorab Kontakt aufzunehmen.
Notruf: 112. Geben Sie als Standort "Fluggelände Donnersdorf, Nähe Falkenstein/Zabelstein" an. Die Koordinaten (siehe Kap. 1) sind hilfreich für den Rettungshubschrauber.
Fazit: Eine Perle für Kenner
Donnersdorf ist kein "McFlight"-Gelände für den schnellen Konsum. Es ist eine anspruchsvolle fliegerische Ressource, die Respekt, Geduld und Können verlangt. Die Kombination aus langer Schleppstrecke, komplexem Luftraum und sensibler Natur macht es zu einem Lehrstück für verantwortungsbewusstes Fliegen.
Wer sich auf die Regeln einlässt, die 25-Tage-Limitierung akzeptiert und den Kontakt zu den lokalen Piloten sucht, wird mit Flügen belohnt, die in Erinnerung bleiben: Der Moment, wenn man nach 1.800 Metern Seilfahrt ausklinkt, die Stille genießt und dann sanft über den goldenen Rapsfeldern in den ersten Bart des Tages eindreht, um den Sprung zum Zabelstein zu wagen. Das ist Flachlandfliegen in Perfektion.
Glück ab, gut Land!