
1 Startplatz, 1 Landeplatz
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Aerologische und Taktische Analyse des Fluggebiets Braunenberg (Aalen): Ein umfassendes Dossier für den streckenflugambitionierten Gleitschirmpiloten
Die Schwäbische Alb, insbesondere ihr östlicher Ausläufer, die sogenannte Ostalb, stellt für den Luftsport in Süddeutschland eine Topografie von singulärer Bedeutung dar. Der Albtrauf, jene markante Abbruchkante, die sich von Südwesten nach Nordosten durch Baden-Württemberg zieht, fungiert als natürliche Barriere für atmosphärische Strömungen und generiert dadurch aerologische Phänomene, die für den motorlosen Flug von essenziellem Wert sind. In diesem Kontext nimmt der Braunenberg bei Aalen eine Schlüsselposition ein. Er ist nicht nur ein lokaler Hausberg, sondern ein strategischer Knotenpunkt für komplexe Streckenflüge (Cross Country / XC) und thermische Einstiege in das überregionale Luftraumgefüge.
Dieses Dossier zielt darauf ab, über die rudimentären Informationen der DHV-Geländedatenbank hinaus eine tiefgreifende operative Analyse des Fluggeländes Braunenberg zu liefern. Es richtet sich an den erfahrenen Piloten, der die mikrometeorologischen Feinheiten verstehen, die komplexen Luftraumstrukturen rund um den Verkehrslandeplatz Aalen-Elchingen (EDPA) navigieren und das volle Potenzial des Geländes ausschöpfen möchte. Wir betrachten die physikalischen Gesetzmäßigkeiten der dortigen Waldschneise, die Interaktion zwischen überregionalem Windsystem und lokaler Thermik sowie die logistischen und sicherheitstechnischen Imperative, die einen erfolgreichen Flugtag am Braunenberg definieren.
Der Braunenberg, mit einer Starthöhe von 661 Metern über dem Meeresspiegel , repräsentiert eine klassische "Traufkante". Seine Ausrichtung nach Südwesten (244°) prädestiniert ihn für die Nutzung postfrontaler Wetterlagen, bei denen labile Luftmassen auf die orografische Barriere treffen. Doch im Gegensatz zu den weitläufigen Startwiesen der Alpen oder den offenen Hängen der Westalb, ist der Braunenberg durch eine spezifische topografische Restriktion gekennzeichnet: den Start aus einer Waldschneise heraus. Diese "Kanalisierung" des Luftstroms erzeugt ein aerodynamisches Mikroklima, das einer gesonderten Betrachtung bedarf und den Filter für die Piloteneignung darstellt.
Das Verständnis der Luftmassenbewegung am Braunenberg erfordert eine Abkehr von der makroskopischen Betrachtung des Wetterberichts hin zur mikroskopischen Analyse der lokalen Strömungsmechanik. Das dominierende Merkmal ist die Einbettung des Startplatzes in einen dichten Mischwald, der lediglich durch eine schmale Schneise unterbrochen wird. Dies ist keine triviale ästhetische Eigenschaft, sondern der bestimmende Faktor für die Flugsicherheit.
In der Fluidmechanik beschreibt der Venturi-Effekt die Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Abnahme des statischen Drucks, wenn ein Fluid durch einen verengten Querschnitt strömt. Die Waldschneise am Braunenberg fungiert als exakt eine solches Düsensystem. Wenn der überregionale Wind aus Südwesten auf den Albtrauf trifft, wird er nicht nur orografisch nach oben abgelenkt (Luv-Effekt), sondern sucht sich auch den Weg des geringsten Widerstands durch die Vegetation. Die Schneise kanalisiert diese Luftmassen.
Für den Piloten bedeutet dies eine signifikante Diskrepanz zwischen den prognostizierten Windwerten für die freie Atmosphäre (z.B. auf 1000m oder 1500m MSL) und den realen Bedingungen am Startplatz. Ein prognostizierter Wind von 15 km/h kann durch die Düsenwirkung in der Schneise lokal auf 25 km/h oder mehr beschleunigt werden. Diese Beschleunigung ist oft laminar, solange der Wind exakt frontal (ca. 240°-250°) ansteht, kann aber bei leichten Richtungsabweichungen abrupt in Turbulenz umschlagen. Die Daten der Wetterstationen, insbesondere der Station "Aalbäumle" , die auf dem Aussichtsturm oberhalb der Baumwipfel installiert ist, sowie der Station direkt am Startplatz, sind daher nicht als absolute Werte, sondern als Indikatoren für diesen Verstärkungsfaktor zu interpretieren.
Die größte Gefahr am Braunenberg resultiert aus Seitenwindkomponenten. Weicht der Wind von der idealen Südwest-Achse ab – beispielsweise bei einer Drehung auf Süd (S) oder West (W) – interagiert die Strömung mit den seitlichen Baumreihen der Schneise.
Bei einer südlichen Komponente ("Cross" von links) bildet die linke Baumreihe ein Hindernis, hinter dem sich auf der Startbahn ein Leebereich mit potenziellen Rotoren bildet. Analog verhält es sich bei westlichem Wind und der rechten Baumreihe. Diese Rotoren sind oft stationär an der Waldkante verankert, können sich aber durch thermische Ablösungen periodisch lösen und über den Startplatz wandern. Ein Gleitschirm, der in dieser Phase aufgezogen wird, ist extrem anfällig für asymmetrische Einklapper noch am Boden oder unmittelbar nach dem Abheben. Die Snippets erwähnen explizit, dass der Startplatz direkt an einer Waldschneise liegt und eine Einweisung erforderlich ist , was die Kritikalität dieses topografischen Merkmals unterstreicht. Die Baumwipfelhöhe generiert eine "raue" Grenzschicht, die die laminare Anströmung in eine turbulente Strömungsschicht verwandelt, deren Dicke von der Windstärke abhängt.
Für die operative Entscheidung "Starten oder Warten" ist die Analyse der Böigkeit (Gust Factor) entscheidend. Die Stationen am Braunenberg und Aalbäumle liefern hierzu kritische Daten. Eine hohe Differenz zwischen Mittelwind und Böenspitze (z.B. Mittel 15 km/h, Böen 40 km/h) deutet auf eine thermisch durchmischte oder mechanisch verwirbelte Luftmasse hin. In der Schneise manifestiert sich diese Böigkeit oft nicht als bloße Geschwindigkeitszunahme, sondern als Richtungsänderung. Ein Pilot kann am Start stehen und perfekten Vorwind spüren, während 50 Meter höher (im Einflussbereich der Baumkronen-Scherung) oder wenige Sekunden später eine starke Böe mit 45° Abweichung einfällt.
Die Daten zeigen exemplarisch eine Situation mit 18 km/h Mittelwind und 42 km/h Böen bei bedecktem Himmel und Schneefall. Solche Werte sind ein definitives "No-Go". Der "fliegbare Bereich" für den Braunenberg liegt bei einem laminaren Mittelwind von 10-15 km/h und Böen, die 20-25 km/h nicht überschreiten. Alles darüber hinaus verwandelt die Schneise in eine aerodynamische Falle.
Die Zugänglichkeit und die logistische Handhabung eines Fluggebiets beeinflussen direkt die mentale Verfassung des Piloten. Stressfreies Ankommen und ein klarer Plan für den Aufstieg sind essenziell für die Konzentration auf den Flug. Der Braunenberg unterscheidet sich hier von vielen kommerziellen Fluggebieten durch das Fehlen einer Aufstiegshilfe für Gleitschirmflieger, was eine Selektion zugunsten physisch fitterer und engagierterer Piloten bewirkt.
Da keine Bergbahn oder ein öffentlicher Shuttle-Dienst für Piloten zur Verfügung steht, ist der Braunenberg de facto ein "Hike & Fly"-Gelände. Dies hat historische Gründe und schützt das Gebiet vor Überfüllung. Der zentrale logistische Knotenpunkt ist der Wanderparkplatz Röthardt. Von hier aus erfolgt der Aufstieg zu Fuß.
Route A: Der sportliche Direktaufstieg (Zick-Zack-Weg)
Diese Route ist für Piloten geeignet, die den Aufstieg als Teil des Trainings betrachten. Vom Parkplatz Röthardt führt der Weg zunächst über den Panoramaweg zur Engadinhütte. Dort zweigt der Pfad in den Wald ab und führt über den sogenannten "Zick-Zack-Weg" steil nach oben.
Charakteristik: Steil, direkter Höhengewinn, Waldboden.
Vorteil: Zeitersparnis, direkter Zugang zum oberen Bereich nahe dem Steinbruch.
Nachteil: Mit schwerer XC-Ausrüstung (Gurtzeug, Retter, Ballast) physisch fordernd. Die Gefahr des "Verschwitzens" vor dem Start (Kältebrücke in der Luft) ist real.
Route B: Der entspannte Forstweg
Alternativ nutzen viele Piloten die für den öffentlichen Verkehr gesperrte, asphaltierte bzw. geschotterte Fahrstraße.
Charakteristik: Moderater Anstieg, fester Untergrund.
Vorteil: Gleichmäßiger Rhythmus, weniger Anstrengung, ideal für schweres Gepäck oder entspannte Gruppenaufstiege.
Dauer: Je nach Kondition ca. 20 bis 40 Minuten.
Das Naturfreundehaus Braunenberg spielt eine zentrale Rolle in der sozialen und operativen Struktur des Geländes. Es liegt nur wenige Gehminuten vom Startplatz entfernt und dient als inoffizielles "Clubheim".
Informationsbörse: Hier treffen sich lokale Piloten. Für Gastflieger ist dies der ideale Ort, um vor dem Start letzte Informationen über die Tagesform der Thermik oder spezielle Gefahrenstellen einzuholen.
Wetterbeobachtung: Die Terrasse des Naturfreundehauses bietet einen hervorragenden Blick auf das Aalener Becken und die Wolkenentwicklung über der Ostalb. Piloten können hier bei einem Getränk die Zyklen der Thermik beobachten, bevor sie zum Startplatz gehen.
Öffnungszeiten: Besonders in den Wintermonaten ist zu beachten, dass das Haus oft nur sonntags oder zu eingeschränkten Zeiten bewirtschaftet ist.
Der Parkplatz in Röthardt ist ein öffentlicher Wanderparkplatz, der auch von Spaziergängern und Ausflüglern intensiv genutzt wird. Gleitschirmflieger müssen hier extreme Rücksicht walten lassen. Das Blockieren von Rettungswegen oder das "wilde Parken" in den Wiesen führt unweigerlich zu Konflikten mit der Gemeinde und den Grundstückseigentümern, was den Fortbestand des Fluggeländes gefährden könnte. Das "Zuparken" der Zufahrtswege zum Startplatz (die für Forstwirtschaft und Rettungskräfte freigehalten werden müssen) ist strikt untersagt.
Der Startplatz selbst, gelegen auf Flurstück 130/2 , ist der kritischste Punkt des gesamten Fluges am Braunenberg. Die Kombination aus Steilheit, begrenzter Breite und der erwähnten Schneisensituation erfordert strikte Protokolle.
Aufgrund der Schneisen-Situation ist der Wind am Boden oft laminarer als in 20 Metern Höhe. Dies kann zu einer falschen Sicherheit führen.
Rückwärtsstart als Pflicht: Obwohl bei schwachem Wind theoretisch ein Vorwärtsstart möglich wäre, ist der Rückwärtsstart am Braunenberg aus Sicherheitsgründen dringend empfohlen (und de facto Standard). Er ermöglicht die visuelle Kontrolle der Kappe bevor der Pilot sich entscheidet, abzuheben. Sollte der Schirm beim Aufziehen asymmetrisch steigen (Indikator für Seitenwind/Rotor an der Baumkante), kann der Start sofort abgebrochen werden.
Positionierung: Die Positionierung in der Schneise ist taktisch zu wählen. Bei leichtem Seitenwind ist es ratsam, sich nicht in die Mitte, sondern tendenziell auf die luvseitige Hälfte der Schneise zu orientieren, um mehr Abstand zum leeseitigen Rotor der gegenüberliegenden Baumreihe zu haben – wohlwissend, dass man dort nicht in die Bäume driften darf. Dies erfordert viel Erfahrung.
Abbruchlinie: Jeder Pilot muss sich eine mentale "Abbruchlinie" definieren. Wenn der Schirm bis zu einem bestimmten Punkt auf der steilen Wiese nicht sauber trägt und kontrollierbar ist, muss der Start aggressiv abgebrochen werden. Ein "Herauswürgen" des Starts führt oft dazu, dass der Pilot mit mangelnder Fahrt und instabilem Schirm in die Baumwipfelzone fliegt, wo die Turbulenz am stärksten ist. Der Unfallbericht eines Piloten, der sich in 20m Höhe in einem Baum verfing , ist ein drastisches Mahnmal für dieses Szenario.
Das Gelände grenzt an geschützte Heideflächen. Diese Biotope sind extrem empfindlich gegenüber Trittschäden.
Startvorbereitung: Das Auslegen des Schirms und das Sortieren der Leinen muss auf den dafür vorgesehenen Flächen (Wiese/Rampe) erfolgen. Das Ausweichen in die Heideflächen, um "besseren Wind" zu haben oder mehr Platz zu gewinnen, ist ein absolutes Tabu.
Vegetationsphasen: Besonders im Frühjahr, wenn die Vegetation erwacht und der Boden weich ist, sind Schäden an der Grasnarbe langfristig sichtbar. Der DHC Aalen weist explizit darauf hin, dass Starts nur bei trockenem Untergrund zulässig sind. Dies dient nicht nur dem Schutz des Bodens (Rutschgefahr), sondern auch dem Schutz der Vegetation vor Zerstörung durch Rutschspuren.
Der Braunenberg liegt in einem der komplexesten Lufträume für Gleitschirmflieger in Süddeutschland. Die unmittelbare Nachbarschaft zum Flugplatz Aalen-Elchingen (EDPA) sowie die Einbettung in das "Stuttgarter Modell" der Segelflugsektoren erfordern höchste Aufmerksamkeit.
Der Flugplatz Aalen-Elchingen ist ein Verkehrslandeplatz mit regem Betrieb. Die Platzrunde für Motorflugzeuge liegt nördlich des Platzes, die für Segelflugzeuge südlich.
Platzrundenhöhe: Die Platzrunde wird in 2700 ft (ca. 823 m) MSL geflogen. Da der Startplatz Braunenberg auf 661 m liegt und Piloten in der Thermik schnell Höhen von über 1000 m erreichen, befinden sie sich oft vertikal über oder seitlich der Platzrunde.
Funkdisziplin: Das Mitführen eines Flugfunkgerätes mit der Frequenz 121.405 MHz (Aalen Radio) ist für Streckenpiloten faktisch unverzichtbar. Zwar besteht für Gleitschirme keine formale Funkpflicht in diesem Luftraum (Klasse G/E), aber die "Situational Awareness" ist ohne Funk massiv eingeschränkt. Zu wissen, wann ein Motorflugzeug in den Gegenanflug eindreht oder wann Windenbetrieb herrscht, ist lebensrettend.
Annäherung: Gleitschirme sollten die verlängerten An- und Abflugsektoren der Pisten 09/27 meiden oder mit maximaler Höhe überfliegen. Das "Kreuzen" der Anfluggrundlinie in Platzrundenhöhe ist extrem gefährlich.
Über der Ostalb existiert ein System aus Luftraumsektoren (oft Klasse C oder D, temporär aktiviert für Segelflug), die den IFR-Verkehr (Instrumentenflug) vom VFR-Verkehr (Sichtflug) staffeln.
Luftraum E: Ab einer gewissen Höhe beginnt der kontrollierte Luftraum E. Hier gilt für VFR-Flieger die Wolkenabstandsregel (1000 ft vertikal, 1,5 km horizontal). Da die Basis auf der Alb oft hoch liegt, ist dies meist unproblematisch, aber bei niedriger Basis muss der Pilot penibel darauf achten, nicht in die Wolken "hineinzusaugen".
Sektoren-Status: Vor dem Flug (und idealerweise während des Fluges über Funk, z.B. Langen Information 128.950 MHz ) muss der Status der Segelflugsektoren geprüft werden. Sind diese "aktiv", dürfen Segelflieger dort bis zu gewissen Höhen (z.B. FL 100) operieren, was auch Gleitschirmen zugutekommt, wenn sie die gleichen Freigaben nutzen dürfen (lokale Absprachen/Regelungen beachten!). Ist ein Sektor "inaktiv", können die Untergrenzen des kontrollierten Luftraums (z.B. C oder D) tiefer liegen.
Obergrenzen: Für Gleitschirmflieger ist oft die Obergrenze des "Freigabebereichs" relevant. In der Regel endet der unbeschwerte Thermikflug in FL 100 (ca. 3000 m), darüber beginnt Luftraum C, der für VFR ohne Freigabe tabu ist.
Der Braunenberg ist mehr als nur ein Abgleiterberg. Er ist der Einstieg in die "Rennstrecke" des Albtraufs. Die thermische Qualität resultiert aus der Ausrichtung der Hänge zur Nachmittagssonne und dem Kontrast zwischen den bewaldeten Hängen und dem besiedelten Talboden (Aalen/Wasseralfingen), der als Wärmespeicher fungiert.
Der "Hausbart" (die zuverlässigste Thermikquelle am Startplatz) steht selten direkt vor der Schneise. Dies ist physikalisch logisch, da die Schneise selbst oft durch den Venturi-Effekt stark durchspült wird, was die Bildung einer kohärenten Thermikblase verhindert.
Der Steinbruch-Trigger: Erfahrene Piloten orientieren sich oft in Richtung des Steinbruchs , der sich im oberen Bereich des Berges befindet. Die nackten Felsflächen heizen sich deutlich stärker auf als der umgebende Wald. Wenn der Wind über diese heißen Flächen streicht, löst sich die Thermik zuverlässig ab.
Westliche Waldkante: Bei leicht westlichem Wind kann sich an der Kante westlich des Startplatzes eine Konvergenz zwischen dem Hangaufwind und der thermischen Ablösung bilden. Hier gilt es, "achtsam zu soaren" und jeden Heber zentrieren zu wollen.
Geduld: Oft ist es notwendig, zunächst im dynamischen Hangaufwind (Soaring) Höhe zu halten ("Parken"), bis ein thermischer Zyklus durchzieht. Ein zu frühes Vorfliegen ins Tal führt meist zum "Absaufen", da die Arbeitshöhe fehlt, um die Talthermik zu erreichen.
Dies ist die klassische Route bei reinem West- oder Südwestwind ("Mit dem Wind").
Verlauf: Vom Braunenberg geht es ostwärts über Oberkochen und Königsbronn hinweg. Die Herausforderung ist die Querung des Kochertals und der Übergang auf das Härtsfeld.
Schlüsselstellen: Der Sprung über das Tal bei Oberkochen erfordert eine solide Basishöhe (mind. 1200-1400m), um auf der Gegenseite (Volkmarsberg/Härtsfeld) wieder Anschluss zu finden.
Ziel: Der Ipf bei Bopfingen ist ein markanter Orientierungspunkt. Wer es bis hierher schafft, hat bereits eine respektable Strecke absolviert. Weiter östlich lockt das Nördlinger Ries, das jedoch oft thermisch anders funktioniert (Flachlandthermik) als der Albtrauf.
Diese Route wird meist gegen den Wind oder bei schwachem Wind geflogen und gilt als die "Königsdisziplin".
Verlauf: Man fliegt entlang der Traufkante nach Westen, vorbei am Rodstein, Rosenstein und den Kaiserbergen (Stuifen, Rechberg, Hohenstaufen).
Taktik: Diese Route ist ein ständiger Wechsel zwischen Hangsoaring und Thermikkurbeln. Die Nasen der Berge (z.B. Rosenstein) sind zuverlässige Thermikspender. Die Querungen der Taleinschnitte (z.B. bei Heubach) sind oft lee-anfällig, wenn der Wind zu stark aus Südwest kommt.
Luftraum: Hier nähert man sich dem Luftraum Stuttgart. Die Sektoren müssen penibel beachtet werden.
Der Landeplatz liegt bei Wasseralfingen auf ca. 511 m MSL. Er ist fliegerisch nicht trivial.
Der Landeplatz ist von Hindernissen umgeben und liegt topografisch niedriger als umliegende Hügelketten.
Talwindsystem: Im Rheintal oder den Alpen ist der Talwind dominant. Hier im Aalener Becken ist er schwächer, aber dennoch vorhanden. Bei thermischen Tagen zieht Luft aus dem Vorland in Richtung Albaufstieg. Dies kann am Landeplatz zu wechselnden Windrichtungen führen. Ein Windsack-Check aus der Höhe ist obligatorisch.
Achsachter vs. Landevolte: Aufgrund der oft begrenzten Platzverhältnisse ist ein präziser Abbau der Höhe über der Position notwendig. Das Fliegen von "Achsachtern" (Figure-of-Eight) wird oft der klassischen Rechteckvolte vorgezogen, wenn der Platz durch andere Piloten frequentiert ist oder der Wind unklar ist.
Endanflug: Der Endanflug sollte nicht zu tief angesetzt werden. Turbulenzen durch Gebäude oder Baumreihen im Luv des Landeplatzes können zu abruptem Durchsacken führen. Aktives Fliegen (leicht angebremst, bereit zum Nachlassen oder Durchbremsen) ist bis zum Bodenkontakt notwendig.
Sollte der Landeplatz nicht erreichbar sein (z.B. durch unerwartetes Sinken oder Fehleinschätzung des Gleitwinkels), gilt:
Hohes Gras meiden: Landungen im hohen Gras (Futterwiesen) kurz vor der Mahd sind ein massives Ärgernis für Landwirte und können zu Geländeschließungen führen. Im Zweifel lieber auf einem abgeernteten Acker oder einem Weg landen (sofern sicher).
Abbau: Den Schirm sofort zusammenraffen und die Wiese auf dem kürzesten Weg verlassen. Nicht mitten im Feld packen!
Ein guter Pilot hat immer einen Plan B. Wenn der Braunenberg "zickt" (zu viel Wind, falsche Richtung), bietet die Region Alternativen.
Der Rodstein liegt südlich von Aalen und ist die Ausweichoption für Nord-West-Lagen (NW-N).
Topografie: Auch hier ein Startplatz, der oft nur zu Fuß erreichbar ist.
Aerologie: Der Rodstein funktioniert oft dann, wenn der Braunenberg im Lee liegt (bei Nordkomponente) oder der Wind zu stark auf den Hang drückt.
Besonderheit: Die Landung am Rodstein gilt als anspruchsvoll. Es gibt unterschiedliche Landeplätze für Drachen und Gleitschirme. Die Gleitzahl muss stimmen, um den offiziellen Landeplatz zu erreichen.
Die Skipiste am Langert (Nord-Ost bis Ost) ist das "Bise-Fluggebiet".
Szenario: Wenn im Frühjahr oder Herbst eine stabile Hochdrucklage mit Ostwind (Bise) herrscht, geht am Braunenberg (Lee) nichts. Am Langert hingegen kann man wunderbar soaren.
Restriktion: Absolutes Flugverbot bei Skiliftbetrieb! Da dies oft mit den besten Ostwindtagen (kalt, Hochdruck) zusammenfällt, ist dies ein häufiger Konfliktpunkt.
Der Braunenberg ist kein Anfängerberg. Er ist ein technisches Gelände, das Respekt verlangt. Die Kombination aus Schneisenstart, thermischer Aktivität und komplexem Luftraum macht ihn zu einer hervorragenden Schule für Piloten, die ihre Grenzen erweitern wollen. Wer hier sicher starten, thermisch aufdrehen und auf Strecke gehen kann, verfügt über ein Skillset, das auch in den Alpen oder anderen anspruchsvollen Revieren Bestand hat.
Zentrale Handlungsempfehlungen für Piloten:
Phase Kritischer Faktor Handlungsempfehlung Vorbereitung Winddaten (Böen) Holfuy "Aalbäumle" checken. Böen > 25 km/h = No Go. Logistik Aufstieg Zeit einplanen (30-40 min). Nicht hetzen. Wasser mitnehmen. Start Schneisen-Effekt Rückwärts aufziehen. Abbruchlinie mental festlegen. Flug Luftraum EDPA Funk 121.405 MHz mithören. Platzrunde meiden. XC Taktik Geduld am Hausbart (Steinbruch). Erst Höhe machen, dann Talsprung. Landung Turbulenz Aktiv fliegen bis zum Boden. Rücksicht auf Landwirtschaft. Export to Sheets
Der DHC Aalen leistet als Geländehalter immense Arbeit, um dieses Juwel der Ostalb offen zu halten. Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen Piloten – ob Lokalmatador oder Gast –, durch diszipliniertes Verhalten, Einhaltung der Regeln und fliegerische Professionalität zum Erhalt dieses einzigartigen Startplatzes beizutragen.